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aufruf zur Sammlung bunter Wortfetzen ich bastle und bastle am satzgerüst und stelle die herbeigelaufenen Buchstaben ins regal der Realitäten heike wenig 117 Autoren aus ganz Deutschland haben sich mit ihren Gedichten an dieser Lyrik Anthologie beteiligt und geben einen sehr guten Querschnitt von dem ,was diese Lyrikerinnen und Lyriker vor 20 Jahren bewegt und zum Schreiben animiert hat.
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Seitenzahl: 110
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Werner Wenig
Kamingeflüster
Lyrik-Anthologie
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kamingeflüster
Gedanken im Schweigen
Herbstbebel
Das Meer
Leer Seelen
Aus einem Buch
Das Liebesnest im Bienenstock
Wär ich ‘ne Katze
Sotoportego de le Fondamenta
Karneval im venezianischen Rondo
Herbstsonne
Marianne Riefert-Miethke, *1941 in Opladen, schreibt und veröffentlicht seit zwanzig Jahren Mehrere Buchveröffentlichungen. Veröffentlichungen im WDR-Köln, im Brigitte-Taschenkalender 97 sowie in zahlreichen Anthologien. Lebt in Köln, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, arbeitet als Autorin und Dozentin in der Erwachsenenbildung.
Seerosen
Das Mannequin
Glaube
Ungetrübt
Impressum neobooks
Isolde Ahr
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Berühren
Als wir uns nach all den Jahren wiedertrafen,
war es immer noch leicht, einander zu berühren.
Wir fühlten immer noch das Band.
Du warst verändert, gereift.
Ich war nicht mehr die Frau deiner Erinnerung.
Du hattest in meinen Armen geweint.
Ich hatte mich geschämt,
als habe ich hinter einer verschlossenen Tür gelauscht.
Wir hatten uns nicht wiedergesehen.
Heute traf ich dich.
Ich fand in meinen Gedanken deine Gedanken.
Erkannte in deinen Gefühlen meine Gefühle.
Die Nacht ist zum Tag geworden.
Ich werde dich berühren
in Freundschaft.
Denk mal
was wäre wenn -
wir uns früher getroffen hätten
wir mehr Mut gehabt hätten
wir unabhängig gewesen wären
wir finanzielle Freiheit gehabt hätten
wir keine Rücksicht hätten nehmen müssen
wir keine Konventionen kennen würden -
dann würde ich vielleicht jetzt nicht mehr
an dich denken.
Isolde Ahr
Isolde Ahr
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Der Spatz
Da sitzt ein kleiner Spatz
auf einem Busch am Straßenrand.
Ich sehe ihn trotz aller Hast,
von hinten hab ich ihn erkannt.
Doch wirklich wahr nehm ich ihn nicht
auf viel zu viele scheint die Sonne.
Dann dreht der graue Vogel sich
und ich erkenn voll Wonne
Rothkehlchens strahlend schönes Ich.
Und wieder einmal fällt mir ein
wie oft schon täuscht ich mich,
beim Urteil durch den ersten Schein.
Meine Tränen
Meine Tränen werden Worte
drin ist Kummer, Lachen, Schmerz.
Auch mein Zorn ist dort verborgen
und mein übervolles Herz.
Meine Tränen werden Verse
singen meinem Leid ein Lied.
Es ist heiter, stimmt mich fröhlich,
bis die Hoffnung neu erblüht.
Isolde Ahr
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Taumelnd
eilen meine Gedanken
von Silbe zu Silbe -
bis sie es gefunden haben
das Word
KRÜPPEL.
Voller Mitleid
gleitet mein Blick
über den Mann
im Rollstuhl hinweg
zu dir
der du keine Träume hast.
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Isolde Ahr, geb. 1940 in Köln, schreibt Lyrik und Prosa, Veröffentlichungen in mehreren Anthologien, Zeitungen und Zeitschriften. Einige Texte wurden im WDR und Studio Köln sowie der Blindenzeitung “Kompakt“ produziert und gesendet. Vier Bücher im Eigenverlag, Lesungen in Köln und Umgebung.
Anne Alpert
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Höchstes Glück und Weltenbreite,
tausend Gipfel Sonnenseite.
Hoch und tief, wer will’s ermessen,
dich selber hast du fast vergessen.
Unendlichkeit vom Licht erfüllt,
fühlst du dich nun eingehüllt.
Hauch der Schöpfung kommt dir nah,
Schöpfung, dieses Menschverlangen,
nimmt dich ganz und gar gefangen.
Fette Rote Beeteblätter
Sind für mich ein Kindheitsbild.
Und dazu Kartoffelfeuer,
deren Rauch wie Wolken quillt.
Rotkohlköpfe silbrig scheinen,
lächeln rund herauf zur Kleinen,
die an fester, warmer Hand
den Heimweg als ein Glück empfand.
Dämmrung hüllte friedlich ein,
macht die Welt so faßbar klein.
Himmel mit den blanken Sternen,
Vater sagt, man kann sie lernen.
Großer Schuh, kleiner Schuh,
schreiten rasch der Mutter zu!
Anne Alpert
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(Krieg in Israel)
Die Birke vor Deinem Fenster,
mein Kind,
trägt goldene Blätter
und flüstert im Wind.
Und blick ich hinauf,
dann möchte ich meinen,
gleich müßte Dein Blondkopf
am Fenster erscheinen.
Und blick ich horchend und wartend
hinuter,
hör Deinen Schritt ich,
beschwingt und munter.
Ich weiß ja Du kommst,
ich sah schon Dein Bild!
Noch eh’ sich mein Herz mit Tränen füllt.
Weil ich mich zu dir bekannte
Bist du mir nun bekannt.
Deine Welt ist mir nicht mehr fremd,
und ich lebe nicht mehr in der Fremde.
Wir fanden eine Heimat,
weil wir uns heimat wurden.
Auch Liebe
Muß lieben lernen!
Und heute noch,
erhellt Deine Stimme mein herz,
wenn es verzagt ist!
Anne Alpert
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Bericht zur Lage
Das Türschild verrostet,
der Kochherd verschmutzt,
es fehlt uns ein Butler,
der Sohn fehlt, der putzt!
Die Leuchter sind trübe,
vom Wachs ganz belegt,
es fehlt ja der Butler,
der Sohn fehlt, der pflegt!
Im Keller! Da wag ich
Mich garnicht mehr rein,
da tanzt jetzt die Wollmaus
groß und auch klein!
So hörst Du,
wie alles nun ohne dich ist,
es fehlt uns der Butler,
der Sohn wird vermißt!
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Anne Alpert, *
Philipp Harry Arbiter
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begegnung
eiskalte luft
bunte blätter
an bäumen und auf den wegen
tiefe sonne
klarer himmel
ein alter mann
mit weißem haar
und hellen augen
bringt einen brief zur post
mit schwarzem rand
wind treibt mir tränen in die augen
mein hund springt an mir hoch
und stupst mir seine feuchte nase ins gesicht
der alte mann sieht uns
und lächelt
und erinnert sich
ich lächle zurück
und werde stiller
Philipp Harry Arbiter
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keine tränen mehr
keine tränen mehr
auf dem dachboden stöbern
in altem spielzeug kramen
in kisten wühlen
verstaubte tagebücher öffnen
den vorhang der zeit
ein stück beiseits ziehen
von der erinnerung
den staub wegblasen
spinnenweben
von muscheln und seesternen wischen
ein wenig gelber sand
fällt aus der großen muschel
in der die see vergangener tage rauscht
murmeln fallen in meinen schoß
aus durchlöchertem leinenbeutel
ein alter teddy sieht mich an
mit seinem letzten glasauge
braune flecken im tom sawyer
den schatz im silbersee
und andere kostbakeiten
schützen und bewahren
für mein kind
trauern um verlorene zeiten
und habe keine tränen mehr
Philipp Harry Arbiter
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sommers tod
mittags hitze still erglüht
der fluß fließt träg
ein fauler ruch
verstrickt die luft
sonne gleißt
doch erst blätter
erdenschweer verdorrt
segeln tiefer
wie schwalben vor dem wetterleuchten
mein jahr
du warst so jung im mai
mein wolkenhimmel
hoch im juni
mein sonnenlicht
so juliheiß
früchte sonnenschwer
august versüßend
erstirbt ein weitrer sommer nun
in kürzeren septembertagen
vergeht das licht
und auch das leben
neigt totgeweiht
dem herbst sich zu
Philipp Harry Arbiter
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sommer traum
ein traum ersteht
im banne guter alter zeit
von rotem weine trunken
sitzend unter kühlen bäumen
die stirn gekühlt
vom wehen leichten windes
und fächeln dunkler grüner blätter
kinder lachen schallt
von ferne
aus dem geviert
des kühlen stillen sees
wagen rollen
träg gezogen
von schweren pferden
voll des kornes
der felder früchte
frauen stimmen
wie baches murmeln
aus hohen alten küchenräumen
frucht und speise warten
auf den abend
genuß zu schenken
dem
der trunken nun
vom sonnen gott
den abend still erschweigend
sich verdient
und sonne sinkt
ein strahlend auge
gelühend erz
ein fluß erkühlt
zur ruhe
Philipp Harry Arbiter
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tote blätter
ich sah euch unter vielen andern
dem baume nah von dem ihr abgefallen
ich hob dich auf
und sehe den gezackten rand
die rote farbe die den herbst begrüßt
wie filigran ist dein gerüst
ein andres schon der erde näher
die farbe braun
und feucht und modrig
zerbröckelst du in meinen händen
ein weiteres im fall ergriffen
noch grün und frisch
und nicht zu unterscheiden
von andern blättern die noch leben
euch alle möchte ich
an eure bäume kleben
und freue mich aufs neue jahr
wenn wieder erste frische knospen
und grünes gras begrüßt die sonne
ein totes blatt warst auch du
weiß mit grauen linien
doch jetzt bedeckt mit schwarzen zeilen
von bunten worten und gedankeni
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Sabine Bartmann
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ganz sanft
sanft wiegen Wellen
auf dem Wasser
schweben die Falter
in der Luft
sanft scheint die Sonne
auf mein Haar
entlocktden warmen,
süßen Duft
sanft streicht der Herbstwind
über Felder
ein federleichter,
zarter Hauch
sanft klingt die Stimme
seidenweich
schwingen die Saiten
in mir auch
ganz sanft
Begegnung
als Himmelsblau und
Weltenglut zerbersten
gleitest Du aus dem Irgendwo
in meine Nacht
Tränen tauchen
in die Sonnenfunken
des Augenblicks
verdunsten im wärmenden Licht
Ich verströme meinen Atem
in dir
Körper erglühen
verschmelzen im Wir
einen Winpernschlag lang
Unendlichkeit
Sabine Bartmann
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Maria
versäumte Worte
nie gestellte Fragen
aus gemeinsamen Jahren
blieben viele Geheimnisse
deine rehbraunen Augen
voll Sanftmut und Geduld
Sdpuren zeitlicher Ewigkeit
in deinem Gesicht
aus deinen Händen perlte
‘Das Gebet einer Jungfrau’
all deine Worte, Blicke, Gesten
hätte ich sie konservieren
dich halten können
einmal noch
meine Hand
auf deine legen
Schwingungen
auf die Entfernung
ganz nah
eine Wellenlänge entfernt vielleicht
ein unsichtbares Band
Vibrieren in der Luft
den Bass im Bauch
und du
hattest einfach
nur gelächelt
Sabine Bartmann
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Sommerliebe
einen Sommer lang
waren der Winter
die Kälte vergessen
einen Sommer lang
gab es nur Frühling
nur Leben in uns
einen Sommer lang
ließ die Sonnenglut
die Leidenschaft brennen
einen Sommer lang
glaubten wir, der Herbst
würde niemals kommen
einen Sommer lang
nur
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Sabine Bartmann
Erika Baumeister
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Der Wind in den Haaren
Die Sonne im gesicht
laufe ich durch den Sand
Die Prile fließen leer
bals kommt das Meer
und überspült den Strand
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Mara Bena
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antwort
du wirst durch meine abende gehn
wie ein freund der alles versteht
wir werden am ufer des baches stehn
wo der mondschein bilder im nebel webt
ich werde dein antlitz suchen
im regen der lautlos zur erde fällt
auf der bank unter den buchen
werden wir träumen von den wundern der welt
lebenslust
wie bunte blätter
tanzen
heit’re gedanken
mir durch den kopf
hecken
abenteuer aus
beleben meine träume
mit leuchtenden farben
Mara Bena
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nacht
mond
über den zweigen
blätter
atmen stille
im zittern der schatten
erwachen unsere träume
rätsel
ich kenne blumen
besonderer art
sie blühen an scheiben
so duftig und zart
weiß wachsen sie
über das ganze fenster hin
und glitzern
als wär’n diamanten darin
Mara Bena
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weihnachtskekse
mit ihrem duft
wecken sie erinnerungen
an feste
der kindertage
an das geheimnisvolle rascheln
des geschenkpapiers
an das glitzern
von christbaumkugeln und lametta
an den warmen schein
der kerzen
an den hellen klang
der glocken in der mitte der nacht
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Mara Bena, geb. 1933, lebt in Wien , schreibt Lyrik und Kurzprosa, Veröffentlichung in Literaturzeitschriften und Anthologien in Österreich und Deutschland
Hans-Joachim Behnen
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Hinter hohen Ligusterhecken
Hinter hohen Ligusterhecken verborgen,
junge Paare auf harten hölzernen Stühlen
inniglich umschlungen,
der Kellner stellt leise und lächelnd
zwei Gläser Limonade auf den Tisch.
Wespen surren vorbei, lassen die beiden in Frieden,
nur nicht den Pflaumenkuchen am Nachbartisch
und die Kinder, die sie verscheuchen wollen.
Ein Stich, ein Schrei,
doch die Liebestrunkenen stört das nicht.
Auch nicht die schon halbtauben Alten,
die händehaltend und augenstrahlend
immer noch wie in alten Zeiten
vor sich hin turteln.:
Es ist immer noch so schön...
Dieses Bild war einmal: so schön in den lauschigen Logen.
Die Zeit ist weggesunken.
Nüchterner Steinplattenplan, Kellner flitzen herum,
alles schreit: ich war eher dran, sie rasen schneller
finden sich angesichts vieler kleiner aneinandergerückten Tischchen
nicht mehr zurecht,
nicht einmal das Wasser rauscht so wie einst.
Alles hastet und hetzt. Die Ruhe, die nie war, kehrt nie wieder.
Aber die Ruhe, die war, findet sich auch heute ein,
nicht mehr zwischen Heckenseparees,
nicht mehr am Kaminfeuer, das dem Umweltschutz zum Opfer fiel,
an dessen Stelle der Fernseher, der keine Bäume und Tiere verzehrt,
beschauliche Landschaft und Weinseligkeit beschert.
Alle sind aufgeklärt, wünschen nicht Traum und nicht Traulichkeit,
reißen sich wild fast die Beine aus,
kreischen und flitzen tempissimo um die Wette
kein Stillstand im Computer,
keine Besinnungsminute im Hirn,
bis auch sie nicht mehr durchhalten.
Kurz vor dem Abkratzen wird der Brenner erstickt,
pflanzen sie sich auf Wiesenrand, träumen von alten Zeiten,
Hans-Joachim Behnen
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die sie doch niemals erlebt und lauschen
dem Pappelblattwispern, den singenden Lerchen und Meisen
dem Zirpen im Gras mit lächelnden Lippen
und summen leiseein trauliches Liedchen vor sich hin,
im Rest von Grünland hingestreckt,
vergessen vom Weltgetriebe,
vielleicht nur für 20 Minuten ...
Im Dom
Im kühlen Dom zu Limburg/Lahn
wo Gotik und Romantik sich berühren,
laß ich, der stolz steile Zahn,
mich heute zu Besinnlichkeit verführen.
Unwiderstehlich fängt mich ein,
mich, die an Gott bisher nicht glauben konnte,
der Gott der Stille, mich allein,
die nie entspannt in seinem Strahlkreis sonnte.
Ich suchte stets Betrieb und Stress
und war mit Langeweile nie zufrieden,
bis ich mit Hektik nicht mehr kess
erschien und man mich Grämliche gemieden.
Ruhe und Frieden fließen ein
- heut ist der dom fast frei von Tagtouristen -
mit meinem Gott alleine sein
so will ich heut den Tag im Tempel nisten...
Dann kehr ich in die Welt zurück,
mit Kraft und mit Besänftgung versehen,
beschert mit Einsicht und mit Glück,
so kann ich ruhig neue Wege gehen.
Hans-Joachim Behnen
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Konzert
Endlich angekommen,
die Bahn hatte Verspätung,
die steile schmale Stiege heraufgehastet,
es läutete schon zum dritten Mal...
und dann die berauschenden Klänge,
Beethoven vielleicht?
Nein, die Hebriden von Mendelssohn,
das Meereswogen höre ich heraus,
auch das Husten der Fischer,
nein, es stört das ständige Husten im Saal,
es sind nicht die Fischer, es ist Herr und Frau Fischer,
ein Rascheln von Papier,
ein tiefer Schnarcher,
wie kann man nur bei solch erhabener Musik,
es stört ungemein,
auch der Luftzug, wenn
die Tür für Nachzügler sich öffnet.
„Können die denn nicht pünktlich sein, diese Störenfriede?“
Das nächste Mal lege ich mir
dieses Konzert störungsfrei
auf meinem CD-player auf.
Dann erst wird das Konzert zum Hochgenuß.
Die Kinder husten und schniefen,
