Karriereziel: Sabbatical - Claudia Filpes - E-Book

Karriereziel: Sabbatical E-Book

Claudia Filpes

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Beschreibung

Wo siehst du dich in 5 Jahren? Was möchtest du bis dahin erreicht haben? Und brauchst du dafür überhaupt einen Plan? Dieses Buch beantwortet all diese Fragen und noch viel mehr… Komm mit auf eine Reise, die durch viele Umwege zu etwas Besonderes wird. Dabei ist Selbstfindung ein großer Treiber und am Ende nur eine Begleiterscheinung. Das Leben steckt voller Überraschungen. Kann verwirrend, traurig und gleichzeitig wunderschön sein. Wenn du die Welt durch andere Augen siehst, öffnet sich dein Blick für so viel mehr. Dinge, die du selbst nicht sehen konntest. Dinge, die nur darauf warten, gesehen zu werden. Und am Ende ergibt alles einen Sinn.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Claudia Filpes

Karriereziel: Sabbatical

3.

Claudia Filpes

Karriereziel: Sabbatical

Impressum

Erstmals erschienen in Deutschland 2026

Texte:   © 2023 Claudia Filpes

Umschlag: © 2026 Canva AI, Claudia Filpes

Verantwortlich

für den Inhalt: Claudia Filpes

Thüringerstr. 20

90579 Langenzenn

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist von persönlichen Erfahrungen inspiriert und basiert auf Reflexionen der Autorin. Alle dargestellten Personen, Funktionen, Organisa-tionen und Ereignisse sind – soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeich-net – anonymisiert und verfremdet. Einzelne Handlungsabläufe wurden aus dramaturgischen Gründen zusammengefasst oder zeitlich angepasst. Die Inhalte enthalten keine Offenlegung von Geschäfts- oder Betriebsge-heimnissen. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, Unter-nehmen oder tatsächlichen Ereignissen sind nicht beabsichtigt. Die im Buch vertretenen Ansichten geben ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin wieder.

Druck: epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin

Wenn der Weg das Ziel ist,

braucht es keinen Plan…

Für meine Eltern,

Prolog

Es ist dunkel, doch ich kann spüren, dass jemand im Raum ist. Das mich jemand beobachtet und mir seine Anwesenheit ein ungutes Gefühl gibt. Mein Körper bitzelt vor Angst und das Adrenalin schießt durch meine Adern. Der Schatten kommt näher und ich suche panisch nach dem Schalter meiner Nachttischlampe.

Das knipsende Geräusch ist meine Erlösung, der Raum ist mit Licht geflutet und ich bin allein. Langsam kommt mein Herz zur Ruhe und ich lege mich wieder schlafen, als wäre nichts gewesen. Ich habe mich damit abgefunden und aufgehört zu hinterfragen, was mich nachts einholt.

Bis zu dem Tag, an dem es jemand anderes hinterfragte.

„Was ist das für ein Schatten?“, fragte sie neugierig.

„Ich weiß es nicht genau, aber es ist ein Mann.“, antwortete ich langsam.

„Und was will er?“, hakte sie überrascht nach.

„Keine Ahnung. Er tut mir nichts. Und wenn einmal das Licht an war, kommt er nicht wieder. Zumindest nicht in derselben Nacht.“, hörte ich mich nachdenklich sagen.

„Das hört sich unheimlich an.“, sagte sie, während sie mich mit ihren dunklen Augen fixierte.

„Für einen kurzen Moment ist es das auch. Aber ich habe mich über die Jahre daran gewöhnt. Vielleicht gehört das einfach zu mir. Ich weiß es nicht. Mir wäre es lieber, es wäre nicht so.“, wollte ich das Gespräch beenden.

Das lukrative Geburtstagsdate

Was soll ich nur anziehen? Eine Frage, die sich eine Frau sehr häufig stellt. Ich stelle mir diese Frage, wirklich ernsthaft, recht selten. Aber heute war das anders. Heute war mein Geburtstag und mich erwartete ein „Kennenlerngespräch“. Was auch immer das heißen soll. Schließlich griff ich zu einem blauen Kleid mit dunkler Strumpfhose und steckte meine ungekämmten lockigen Haare etwas nach hinten. Richtig vorbereitet war ich nicht, aber was soll schon schief gehen. Es ist nur ein lockeres Kennenlernen, oder?

Ich hatte meine Masterarbeit vor zwei Wochen abgegeben und war frisch aus England zurückgekommen. Zurück in meine alte Heimat, Langenzenn. Ein kleines Städtchen mit dem ich viele wilde Jugenderinnerungen verbinde, sowie familiäre Geborgenheit. Eigentlich war mein Plan, irgendwohin zu gehen, bloß nicht wieder zurück. Woran das lag, wusste ich auch nicht genau. Ich redete mir ein, dass es nur ein temporärer Aufenthalt sein wird, in dem ich meine Gedanken sortieren kann.

Hier war ich also, mit 25 Jahren wieder zu Hause bei meinen Eltern, fertig mit dem Studium und der großen Frage, was jetzt? Die Firma aus England, bei der ich meine Masterarbeit schrieb, hatte mir eine Stelle angeboten, die mich früher oder später nach Portugal bringen sollte. Eigentlich genau das, was ich mir erträumt hatte. Raus in die Welt, neue Abenteuer und… wieder ein Neuanfang. Die anfängliche Ektase ebbte in ein Gefühl von Schwere. In

den letzten Jahren zog ich häufig um, baute mir wieder und wieder eine neue Basis auf und war überall und nirgendwo. Würde ich nochmal von vorne anfangen wollen?

Und dann gab es eine Stelle in der Heimat, in einem Großkonzern, bei dem auch meine Eltern tätig sind. Eine sichere Nummer, die vernünftigere Wahl und die beste Einstiegsoption nach dem Studium. Das Arbeitsumfeld kannte ich von einem früheren Praktikum und meiner langjährigen Werkstudentenzeit. Ziemlich festgefahren und langatmig. Bürokratie eben. Mit meinem damaligen Chef war ich über die Jahre im Kontakt geblieben. Er war genau das Gegenteil von all dem, was ich von der Firma hielt. Tim glaubte an mich, machte Dinge möglich und kürzte Prozesse ab. Nach endlosen Gedankenschleifen blieb ich an diesem hängen: Es schadet nie, seine Optionen zu kennen und gegeneinander abzuwägen.

Meine Mail hatte einen freundlichen, interessierten Einstieg à la „Ich hoffe du hattest ein entspanntes Wochenende und konntest den Sonnenschein in Gesellschaft deiner Liebsten genießen“ und ging in eine erzählende Auflistung meiner gesammelten Erfahrungen über. Meine Fähigkeit einen Schriftverkehr unnötig auszuschmücken und auf keinen klaren Punkt zu kommen ist recht ausgeprägt. Seine Antwort war kurz und prägnant:

> Hallo Ciara,> Ich schau mal was ich für dich tun kann…bitte aber auch selbst mal in der Jobbörse schauen, ob du was findest was Interessant für dich klingt..> Schöne Woche und VG> Tim

Wow. Das hatte ich ein bisschen gehofft, aber nicht erwartet. Nach all den Jahren konnte ich mich noch auf Tim verlassen. Dennoch blieb eine Frage für mich ungeklärt: „Ist es wirklich das, was ich will?“.

An dieser Stelle möchte ich Hugo vorstellen. Hugo ist die kleine penetrante Stimme in meinem Kopf, die mir hin und wieder (in der Regel häufig) das Leben schwer macht. Die meisten von uns kennen dieses Phänomen sicher. Der eigene innere Kritiker ist streng, gemein und gnadenlos. Ich habe der Stimme einen Namen gegeben, damit ich sie nicht zu ernst nehme und mehr auf mich und meinen Bauch höre. Selbstverständlich hatte Hugo auch zu diesem Thema einen Standpunkt: „Wieso fragst du dich das überhaupt? Natürlich willst du in die Fußstapfen deiner Eltern treten und dir nicht genau überlegen, was du eigentlich machen willst. Der einfache und sichere Weg, der dir viel Geld einbringt und dich in eine lebenslange Karriere führen wird, dass ist das, was du brauchst. Sei nicht so naiv zu denken, dass du etwas Besseres bekommst, und zieh das durch.“

Etwas verunsichert versuchte ich mich zu beschwichtigen: „Naja, erstmal Fuß fassen und dann kann ich weiterschauen. Ich muss hier nicht für immer bleiben, sonst wird es langweilig.“ In der Regel stellte ich alle zwei Jahre mein Leben auf den Kopf und folgte meinem ungreifbaren Drang der Veränderung. Das ging mit dem Umzug nach Regensburg für den Bachelor los, zog sich über mein Auslandssemester in Australien weiter und wurde mit dem Masterstudium in Passau fortgeführt. Zuletzt hielt ich mich ein halbes Jahr in England auf, bis ich wieder in meinem Kinderzimmer landete. Die Vergangenheit hatte mir gezeigt, dass ich mich nicht schnell binde.

Da stand ich nun in meinem blauen Kleid, vor dem berüchtigten „Ananaspalast“. Selbstsicher und doch unentschlossen. Ich meldete mich an der Pforte an und wurde von Tim abgeholt. Wir fuhren in die siebte Etage (welche komischerweise der achte Stock war) und gingen in das Büro seines Chefs. Das Kennenlernen war ganz entspannt, ein bisschen Small Talk hier und ein bisschen Lebenslauf dort. Meine Abschlussnote des Masters interessierte hier niemanden. Am Ende hatte ich eine feste Jobaussicht in der Tasche. Jedoch war ich mir unklar, um was es bei der Stelle eigentlich ging. Tim hingegen malte mir eine erfolgreiche Zukunft aus: „Ich sehe dich als Projektmanagerin, die später eine Führungsrolle einnehmen kann.“ Ich dachte mir nur: „Holy Shit, ich soll Projekte leiten und Menschen führen? Ich komme gerade so mit mir selbst zurecht.“ Also lächelte ich nur verlegen und sagte, ich sei gespannt, was mich hier erwartet. Eine Abwägung von Pro und Contra wurde überflüssig, denn der Prozess meiner Einstellung lief bereits. Verständlich, denn keiner würde damit rechnen, dass ich so eine Chance ablehnen würde. Ob ich das nun wollte oder nicht, spielte keine Rolle, da ich proaktiven Entscheidungen meist aus dem Weg gehe und die Dinge passieren lasse. Wie auch in dieser Situation. Herzlichen Glückwunsch zum ersten richtigen Job!

Ein paar Tage später, flatterte der Arbeitsvertrag in den Briefkasten. In drei Monaten sollte es los gehen. Meine Eltern waren aus dem Häuschen und freuten sich darüber, dass die kleine Tochter die richtige Entscheidung getroffen hatte. Ohne weitere Hirngespinste und wahnsinnigen Ideen, die ich in der Vergangenheit an den Tag legte und munter auslebte. Das hier war anders. Das war der Ernst des Lebens und keine vogelfreie Studentenzeit mehr. Mit einem Blick in meinen Kleiderschrank wurde mir klar, mir fehlt der Business Look. Mit Jeans und Hoodie konnte ich mich dort nicht blicken lassen. Scheint so, als müsste ich mir ein paar Outfits zulegen, die in die Arbeitswelt passen. Yeahi, ich würde mich zukünftig für die Arbeit verkleiden. Das könnte anstrengend werden.  Meine große Schwester ließ mich nicht weiter in meinen misslichen Gedanken versinken und entführte mich zum Einkaufen. Kurzerhand hatte ich vier neue Outfits, die mich richtig kompetent wirken ließen. Damit könnte ich einen schicken Schein wahren.

Es heißt, Frauen schneiden sich die Haare, wenn sie sich getrennt haben. Ich hatte mir die Haare geschnitten, weil ich praktisch veranlagt bin. Teilweise zumindest. Ich wollte meine verbleibende Freiheit auskosten, bevor ich in das Arbeitschaos eintauchen sollte. Also plante ich allein nach Kathmandu zu fliegen und den 2-wöchigen Annapurna Circuit zu machen. Auf einer so langen Wanderung brauchte ich Haare, die mich nicht in den Wahnsinn treiben und einfach zu pflegen sind. Meine Vorbereitung auf den 5450m Anstieg sah wie folgt aus: Ich schnappte mir einen 60L Rucksack, der nicht auf mich eingestellt war, packte ihn mit 20kg voll und ging spazieren. Wohlgemerkt marschierte ich auf einem geraden und flachen Feldweg für ca. 45min.

Es war die Hölle. Ich wurde gefragt, ob ich keine Angst vor der Höhenkrankheit habe und ob ich schon mal in höheren Lagen unterwegs war. War ich nicht, macht das einen Unterschied? Meine undurchdachte Weltanschauung und spontanen Ideen haben mich noch nie enttäuscht. Das wird schon. Und es wurde einmalig! Die Landschaft war unglaublich, die Herzlichkeit der Nepalesen herzerwärmend und schnell war klar: Mehr als ein Dach über dem Kopf, eine warme Mahlzeit und ein Bett braucht es nicht. Wir waren eine kleine Gruppe, die sich in den zwei Wochen intensiv kennenlernten, doch als wir zum Thorong La Pass aufstiegen, war jeder für sich. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, die Luft war dünn und es war arschkalt. Mein Herz hämmerte in meinem Kopf und jeder Schritt raubte mir den Atem. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Der Startschuss für den Arbeitswahn

 

Beim Blick in den Kalender stellten sich meine Nackenhaare auf. Ich musste mich wieder mit dem Konzept der Wochentage vertraut machen und realisierte, dass ich den kommenden Montag nur schwer ignorieren konnte. Der unvermeidbare Montag, mein erster Arbeitstag, klopfte hartnäckig an die Tür. Ich schlüpfte in mein schickes Outfit und schaute etwas ratlos in den Spiegel. Verdammt, ich hatte nicht bedacht, dass meine Haare so kurz sind. Meine vermeintliche Kompetenz und Selbstsicherheit konnten von meinem Outfit nicht abgefangen werden. Als ob er nur darauf gewartet hätte, räusperte sich Hugo: „Mit den kurzen Haaren schaust du aus wie 14 und nicht wie eine ernstzunehmende Mitarbeiterin. Das kann was werden.“

Am besten verhalte ich mich unauffällig und lasse die Büroatmosphäre auf mich wirken. Welch wahnwitziger Gedanke. Als neue Mitarbeiterin unauffällig bleiben, ist keine realistische Strategie. Wie sollte es auch anders sein, ich wurde der Kollegenschaft einzeln vorgestellt und durfte mein Sprüchlein aufsagen: „Hi, ich bin die Ciara.“ Ich war so darauf konzentriert meinen Namen „richtig“ zu sagen, dass ich meinem Gegenüber nicht zuhörte und am Ende der Vorstellungsrunde jeder wusste, wie ich heiße, ich aber keine Ahnung hatte, welche Namen mein Team trugen. Was mir jedoch auffiel war, dass meine Arbeitsumgebung mehr Männer als Frauen zählte. Diese Tatsache gab mir Sicherheit, denn Frauen schüchtern mich ein, mit Männern konnte ich besser umgehen. Meine Abteilung umfasste alle Altersklassen und bildete eine bunte, gut gekleidete Mischung in Anzügen, Hemden und Blüschen. Willkommen in der Erwachsenenwelt der Bürogesellschaft, in der Äußerlichkeiten in starker Abhängigkeit mit Kompetenz bewertet werden.

Ich genoss die Einarbeitungszeit und freundete mich langsam mit meinem Arbeitsthema und unserem Abteilungs-Projekt an. Der interne Projektname war „Rhinozeros“. Und glaubt mir, Rhinozeros war ein wahnsinnig spannendes und atemberaubendes Projekt. Ich verspürte eine Art von Stolz, dass ich mich an so einer aufregenden Thematik beteiligen durfte. Rhinozeros würde mit künstlicher Intelligenz und analytischen Algorithmen ganz neue Vertriebsmöglichkeiten eröffnen und ganz nebenbei für den Kunden eine personalisierte User Experience bringen. So oder so ähnlich lautete das typische Business Gelaber, was viel verspricht und doch nichts mit sich bringt. Ja, ich war ein Marketing-Opfer und glaubte alles, was auf schicken PowerPoint Folien visualisiert und erklärt wurde. Allerdings kam eine nichtige Information aus den Folien nicht raus: Funktioniert Rhinozeros schon? Diese Frage wurde mir selbst von meinen Kollegen nicht eindeutig beantwortet.

Unwichtige Informationen, die keinen Einfluss auf meine Aufgabe hatten. Ich bekam den ehrenvollen Arbeitsauftrag ein Schulungskonzept für unsere Mitarbeiter zu erstellen, damit sie wissen, wie man auf dem Rhinozeros reiten kann. Aussagen wie: Du bist dafür perfekt, bist unvoreingenommen und bringst frischen Wind in das Thema. Innovation. Digitalisierung. Verantwortung. Karriere. Blablabla. All das sollte meine Motivation fördern und ich zögerte nicht lange, um meine ersten Gedanken in einer PowerPoint Präsentation zum Leben zu erwecken. Mein Chef Tim sollte sehen, dass ich vor Ideen nur so sprühte. Ich gestaltete 30 Folien mit vielen Pfeilen und Kästchen, denen ich einen „stimmigen“ Farbverlauf gab. Eingefügte Bilder versah ich mit Schlagschatten, um sie hervorzuheben. Übergangseffekte zwischen den Folien durften nicht fehlen und jegliche Animationen in meiner Präsentation fanden ihren Platz. Das Gesamtkonzept strahlte in meiner Ciara Identity, nicht zu viel und keinesfalls zu wenig. Stolz vereinbarte ich mit Tim einen Termin, um ihm mein Werk zu präsentieren. Er war sprachlos. Ich fühlte mich positiv bestätigt, als ich am Ende meiner Folien ankam. „Du hast gute Ansätze, die wir etwas komprimieren müssen. „Ich schicke dir mal einen Foliensatz mit unserer Corporate Identity, dann kannst du deine Inhalte in das Firmendesign übertragen.“, erklärte er mir. 

Als ich die Beispielpräsentation sah, war ich diejenige, die sprachlos war. Wenn man meine Präsentation mit dieser hier verglich, bekam man einen guten Vergleich von: Hier sehen sie, wie man es richtig macht und dort haben wir eine Darstellung, wie man es unter keinen Umständen machen sollte. Die Beispielpräsentation war stimmig, dezent und schön. Alles passte zueinander und transportierte jede Botschaft mit Überzeugung. Meine Präsentation hingegen war, wie soll ich es am besten ausdrücken… interessant. Ich hörte Hugo in meinem Kopf kichern: „Ganz schön armselig, was du da abgeliefert hast. Sei froh, dass Tim so professionell ist und dich nicht ausgelacht hat.“ Ich musste zugeben, die Situation war nicht ideal für mich, aber meine Motivation ließ sich nicht aufhalten.

Mit meinem ersten Gehalt eröffneten sich mir ganz neue Möglichkeiten. Ich fand über 4 Freundesecken eine Wohnung in der Fürther Altstadt, die bald mein neues Zuhause werden sollte. Meine erste Wohnung, in der ich allein hausen sollte. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Mit mir zog Steven ein, mein kleines Skelett, welches ich von meinem damaligen Freund zum 18ten Geburtstag geschenkt bekommen hatte{1}.  Es dauerte nicht lange und es gesellte sich Stan zu uns, ein Skelett auf meiner Augenhöhe, der fortan meine Gäste empfing. Ist es nicht schön zu wissen, dass jemand auf einen wartet, wenn man nach Hause kommt? Meine 3er WG war unkompliziert und speziell – so wie ich.

 

 

Die Frage nach dem Karriereplan

 

Auf einer Skala von 1-10, wo würdest du folgende Frage einstufen, wenn 1 für „Noch ein Wort und ich verlasse den Raum“ steht und 10 für „Die Antwort habe ich in fünf Folien zusammengefasst und könnte darüber mindestens 20 Minuten referieren“:

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Meine Einstufung konnte ich auf der Skala nicht wiederfinden, denn meine Antwort lautete: „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich plane von Reise zu Reise und nicht darüber hinaus.“

Meine Probezeit neigte sich dem Ende zu und verlangte nach einem Fazit. Mittlerweile hatte ich wieder längere Haare, dementsprechend auch mehr Selbstsicherheit. Mein Arbeitsumfeld wurde auf eine soziale Ebene gehoben und formte freundschaftliche Verbindungen. Nachdem die Werkstudenten, an die ich mich anfangs klammerte, nicht mehr da waren, fand ich Zugang zu meinem „richtigen“ Kollegium. Manch einer würde sagen, dass ich meine Zugehörigkeit verleugnen wollte. Neben den Anzugmännern im mittleren Alter gab es glücklicherweise noch Roxy und Hannes. Ich sollte mir eingestehen, dass ich keine Studentin mehr war, sondern im wirklichen Arbeitsleben angekommen bin. Roxy, Hannes und ich entwickelten sich zu einem lustigen Dreiergespann, welches unterschiedlicher nicht sein könnte. Hätte mich jemand zu meinem Arbeitseintritt gefragt, wer mir am meisten „Angst“ macht, wäre meine Antwort „Roxy“ gewesen.

Roxy ist eine Person, die den Raum allein mit ihrer Aura einnimmt. Wenn sie reinkommt, dreht sich jeder zur Tür. Mit ihrer direkten Art und ihrem südländischen Temperament, passt sie perfekt in die wilde Männerrunde. Sie war groß, schlank und hatte langes dunkles Haar. Zu Schulzeiten hätte ich gesagt, sie gehört zu den coolen Kids. Besser gesagt, sie wäre deren Anführerin. Mit ihr private Gespräche zu führen, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, hätte ich mir nie erträumen lassen.

Hannes ist das genaue Gegenteil. Er ist unauffällig, ein Ruhepol und schüchtern. Überraschenderweise mit einem trockenen Humor, den man fast überhören könnte, weil man nicht damit rechnet. Er versucht unscheinbar zu sein und hat einiges auf dem Kasten. Man könnte meinen, er geht in dem ganzen Männerhaufen unter. Aber durch seine Kompetenz ist er bei den wichtigen Leuten sehr wohl sichtbar. Als Zugezogener aus „dem Woid“{2}, einem kleinen Ort in der Nähe von Regensburg, sollten Roxy und ich bald seine sozialen Bezugspunkte neben der Arbeit werden.

Obwohl wir im selben Projekt arbeiteten, hatten wir arbeitstechnisch keine Überschneidungen. Einmal die Woche gab es ein ausgedehntes Abteilungsmeeting, in dem jeder ein kurzes Statusupdate geben musste. Ich bewunderte die beiden, wie gelassen sie ihre drei bis fünf Sätze beitrugen. In den ersten Monaten war ich höllisch aufgeregt. Vor ca. 20 Leuten über meinen Arbeitsfortschritt sprechen, der anfangs so gut wie nicht vorhanden war, erzeugte minimalen Druck. Gleichzeitig half es mir ungemein, meine Nervosität in den Griff zu bekommen und zu lernen, wie man viel sagt, ohne etwas zu sagen. Viele Worte, wenig Inhalt: Willkommen in der Welt des Großkonzerns.

Ich genoss meinen Freiraum und durfte zur weiteren Recherche meines Training Konzepts über den Tellerrand auf das Besteck unseres Betriebs schauen. Dafür verließ ich hin und wieder den prunkvollen Ananaspalast und fand mich in einem in die Jahre gekommenen Großraum-Büro wieder. Mein Vertriebskollege erklärte mir seine Arbeit, nahm mich zum Kunden mit und ließ mich sein Team befragen. Für mich fühlte sich das alles nicht nach Arbeit an, denn im lockeren Small Talk hätte ich mir eine 1 mit Stern gegeben. Bis zu dem Tag, an dem ich, als passive PowerPoint Zuschauerin, an einem „wichtigen“ Meeting teilnehmen durfte. Zu meiner Überraschung war auch mein Abteilungsleiter anwesend, mit dem ich seit meiner Einstellung nur ein „Guten Morgen“ ausgetauscht hatte. Respektvolles Verhalten gegenüber Autoritäten ist mir geläufig, allerdings überspielt meine lockere Art das gerne. Auf dem Weg zum Auto, verabschiedeten wir uns voneinander und mein Abteilungsleiter meinte zu mir: „Ich bin übrigens der Andreas.“

Was wäre hier die passende Antwort gewesen? Mir fiel nichts Besseres ein als zu sagen: „Ich bin die Filmore Ciara.“ In meinem Kopf zwinkerte ich mir zu, wie schlagfertig ironisch ich war. Super gemacht Ciara, da bietet dir jemand das „Du“ an und du checkst es nicht.