Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Fast 4000 Jahre in der Zukunft: Zwischen den Sternen der Milchstraße herrscht Frieden. Die Menschen leben auf Tausenden von Welten, pflegen gute Beziehungen zu ihren Nachbarn und arbeiten gemeinsam mit diesen an der Zukunft. Da erhält die Erde unverhofften Besuch: Dao-Lin-H'ay, die einzige Kartanin, die relativ unsterblich ist, bittet Rhodan um Hilfe. In ihrer Heimatgalaxis Ursa Minor läuft eine Invasion – die ebenso die Milchstraße bedroht. Geheimnisvolle Parasiten übernehmen ganze Völker. Der Terraner macht sich ohne Zögern auf den Weg. In seiner Begleitung sind Dao-Lin-H'ay sowie Miro Teik, ein Haluter. Ihnen schließt sich die mysteriöse Stayn an. Gemeinsam sammeln sie in Ursa Minor erste Informationen und überstehen viele Gefahren. Währenddessen spitzt sich die Lage auf der Erde zu. Die Parasiten haben bereits mehrere Menschen übernommen und weiten ihren Einfluss auf. Suyemi Taeb, eine ehemalige Geheimagentin, verfolgt sie – damit entfesselt sie eine Jagd in Terrania …
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Nr. 8
Jagd in Terrania
Ein Attentat in der Solaren Residenz – eine Agentin sucht einen Parasiten
Thorsten Schweikard
Cover
Vorspann
Die Hauptpersonen des Romans
Prolog: Instrumentum
1. Requiem
2. Pruritus
3. Principium
4. Servitus
5. Momentum
6. Infinitum
7. Pandämonium
8. Mortem
9. Cognitio
Epilog: Auxilium
Impressum
Auf der Erde und den anderen Planeten, die von Menschen bewohnt sind, schreibt man das Jahr 2144 der Neuen Galaktischen Zeitrechnung – fast viertausend Jahre in der Zukunft herrscht Frieden in der Milchstraße.
Da wird die Erde von einem unverhofften Besuch überrascht: Dao-Lin-H'ay, die einzige Kartanin, die relativ unsterblich ist, bittet Rhodan um Hilfe. Ihre Heimatgalaxis Ursa Minor wird von einer Invasion heimgesucht – die auch die Milchstraße bedroht. Geheimnisvolle Symbionten übernehmen ganze Völker.
Perry Rhodan macht sich ohne Zögern auf den Weg. Ihm und Dao schließt sich die geheimnisvolle Stayn an. Unter großen Gefahren sammeln sie erste Informationen. Wie es aussieht, stehen die fremdartigen Vantani kurz davor, die gesamte Galaxis zu übernehmen.
Zur gleichen Zeit spitzt sich die Lage auf der Erde zu. Auch dort machen sich die Vantani breit – es beginnt eine JAGD IN TERRANIA ...
Suyemi Taeb – Eine Agentin in der Sackgasse.
Sia- und Pur-Als-Z'ile – Die Schwestern helfen, wo es geht.
Gertrud Morningdale – Perry Rhodans Sekretärin ist hilflos.
Filomeno Orth
»Gewöhnlich wird eine Entdeckung nicht auf dem einfachsten, sondern auf einem kompliziertem Wege gemacht; die einfachen Fälle zeigen sich erst später.«
Otto Hahn
(Deutscher Chemiker)
*
Prolog
Instrumentum
Die Zeit ohne Perry Rhodan war gepflegte Langeweile. Jedenfalls empfand so Gertrud Morningdale ihre momentane Arbeitsmotivation.
Hoch aufgerichtet stand sie am Fenster ihres Büros im Sansa-Gebäude und blickte hinüber zur acht Kilometer entfernten Solaren Residenz, die erhaben über dem Residenzpark Terranias schwebte. Das Licht der Sonne eines wolkenlosen Frühlingstags spiegelte sich in ihr.
Morningdale mochte diesen Anblick, aber er änderte nichts an dem Gefühl, unterfordert zu sein. Sie hoffte, dass Rhodan bald von seiner Expedition nach Ursa Minor zurückkehrte. Gern hätte sie ihm seinen geliebten Kaffee serviert und sich im Anschluss in ihre Arbeit gestürzt.
Sobald Rhodan auf eine Mission ging, glitt das Projekt von San wie von selbst in Warteschleife. Ohne den Chefantreiber dieses galaxienumspannenden Vorhabens zur Vertiefung von Handel und diplomatischen Beziehungen ging wenig. Dessen Verwirklichung war Rhodan wichtig. Aber ebenso ihr.
Morningdale seufzte, wandte sich vom Fenster ab und ging zu ihrem Schreibtisch zurück.
Kaum saß sie davor, summte der Türmelder.
Ein Gast, jetzt?, wunderte sie sich. Für diesen Tag hatte sich niemand angekündigt.
Mit einer Wischgeste aktivierte sie das Überwachungsholo.
Es zeigte den Bereich vor der Tür zu ihrem Büro. Da stand ein Mann. Er war schlecht zu erkennen, denn das Holo wirkte irgendwie ... körnig. Zudem flimmerte es leicht. Morningdale fuhr mit der Hand durchs Holo, obgleich das die Bildqualität um keinen Deut verbesserte.
Das wunderte sie nicht, denn das Sansa-Gebäude war kein Neubau. Nicht jedes der zahllosen positronischen Systeme konnte allzeit auf aktuellem Stand sein. Immerhin waren die Wartungstechniker verständigt und wollten sich baldmöglichst dieses und anderer Problemchen annehmen.
»Was kann ich für dich tun?«, meldete sich Morningdale in geschäftsmäßig neutralem Ton bei dem Unbekannten.
»Mein Name ist Ulayx Walker-Brough«, kam es mit rauer Stimme aus dem Akustikfeld. »Ich habe einen Termin bei Perry Rhodan. Es geht um ein wichtiges Dossier, dass ich in seinem Auftrag angefertigt habe und ihm persönlich überbringen soll, sobald es fertig ist.« Der Mann wedelte mit etwas, dass er in der Hand hielt. Trotz der Bildstörungen glaubte Morningdale einen Speicherchip zu erkennen.
»Davon ist mir nichts bekannt«, entgegnete sie. »Wie ich sehe, hast du keinen Termin ausgemacht.« Noch während sie sprach, hatte sie den Terminkalender geöffnet. Dort fand sich nichts.
Das war ungewöhnlich. Üblicherweise war Morningdale bestens über Rhodans Geschäftskontakte informiert.
San war zwar kein Projekt, das für die Existenz der Liga Freier Galaktiker unabdingbar war, aber es wurde von einer wichtigen Persönlichkeit geleitet. Das allein verlangte nach strengen Sicherheitsüberprüfungen.
»Ich habe mit Perry ausgemacht, es ihm bei frühester Gelegenheit zu bringen«, beharrte der Mann. Er wirkte ungeduldig. »Heute Vormittag habe ich ihm eine Nachricht geschickt, dass ich vorbeikommen würde, weil ich ohnehin in der Stadt zu tun habe.«
»Einen Augenblick, ich überprüfe das«, bremste sie seinen Enthusiasmus.
Sie öffnete ein Datenfeld, in dem ihr die Korrespondenz Rhodans angezeigt wurde. Tatsächlich fand Morningdale die Nachricht eines Ulayx Walker-Brough, versendet vor zwei Stunden. Sie bezog sich auf eine von Rhodan abgeschickte Mitteilung, mit dem Verweis, das Dossier im Falle seiner Abwesenheit an Morningdale zu übergeben.
Einige Sekunden später fand sie in der Datenbank die Akkreditierung Walker-Broughs, die ihn als vertrauenswürdige Person auswies.
Dass er es durch die Sicherheitsschleuse am Gebäudeeingang bis zu ihrem Büro geschafft hatte, war zudem ein Indiz, dass er unverdächtig war.
Perry eben, dachte Morningdale leicht genervt, obwohl sie ihren Vorgesetzten über alle Maßen schätzte. So offen, wie er mir gegenüber ist, gibt es trotzdem Dinge, die er mir vorenthält. Nun, er wird seine Gründe haben.
Sie entschied, das Dossier entgegenzunehmen.
»Komm bitte herein«, beschied sie dem Gast und gab die Tür zum Bürotrakt frei.
Die Tür öffnete sich, der Besucher trat ein. Es handelte sich um einen hochgewachsenen Mann. Er musste teilweise tefrodische Wurzeln haben, wie sein samtbrauner Teint und das dunkle Haar implizierten. Er hatte ein angedeutetes Lächeln auf den Lippen.
In seiner rechten Hand hielt er den Gegenstand, den Morningdale für einen Speicherchip gehalten hatte. Aber es war keiner. Es war ein dünner, glatter Stab, nur wenige Zentimeter lang.
*
Er richtete ihn auf Morningdale.
»Waffe!«, schnarrte der Arbeitsroboter, der neben dem Schreibtisch schwebte. Er diente nicht nur als mobile Ablage für Akten und Schriftstücke, sondern verfügte über Spürsensoren – und war darauf programmiert, Morningdale zu verteidigen, falls es zu Handgreiflichkeiten mit einem ungebetenen Gast kommen sollte.
Die Maschine löste sich aus ihrer Starre und jagte los, um sich dem Angreifer entgegenzuwerfen. Über interne Waffen verfügte sie nicht, wohl aber über Handlungsarme am kastenförmigen Zentralmodul.
Walker-Brough reagierte blitzartig. Er schwenkte den Stab in seiner Hand herum. Ein nadeldünner Energiestrahl schoss grell leuchtend aus der Stabspitze hervor, traf den Roboter, bevor der nur halb am Schreibtisch vorbei war, bohrte sich in den stählernen Leib und beendete sein maschinelles Sein innerhalb eines Lidschlags.
Der Roboter krachte zu Boden, überschlug sich und schleifte kopfüber auf seiner Ablagefläche mehrere Meter weit, bis er regungslos liegenblieb.
*
Es stank nach Ozon und überhitztem Metall.
Walker-Brough wandte sich wieder Morningdale zu. Sein anfängliches Lächeln hatte sich zu einem hämischen Grinsen verzerrt.
Morningdale steckte in gewaltigen Schwierigkeiten. Panik erfasste sie angesichts des fatalen Fehlers, den sie mit ihrer Vertrauensseligkeit begangen hatte.
Wie sie es in der Notfallschulung gelernt hatte, trat sie zweimal mit dem Fuß auf den versteckten Notsensor, der unterhalb ihres Schreibtischs installiert war.
Nichts geschah. Die Positronik löste keinen Alarm aus. Etwas musste verhindern, dass die Meldung nicht nach draußen drang.
Also blieb nur die Flucht. Sie musste in Rhodans Büro gelangen. Dort war eine Sicherheitstür.
Morningdale sprang von ihrem Stuhl auf, warf sich herum in Richtung des Büros, dessen Tür offen stand.
Walker-Brough reagierte erneut in atemberaubendem Tempo. Er stellte sich ihr in den Weg, bevor sie die halbe Distanz überbrückt hatte.
»Nicht so schnell«, sagte er mit rauer Stimme. Es klang geradezu belustigt.
Er trat einen Schritt auf sie zu. Den Stab in seiner Hand hielt er nach unten gerichtet. Offenbar wollte er sie nicht töten, sonst hätte er das bereits getan.
Morningdale sah ihre Chance. Sie hatte auf Bitten ihrer Eltern in ihrer Jugend ein Kampftraining absolviert, das auf dem arkonidischen Dagor basierte.
Eiskalte Ruhe erfasste sie. Sie täuschte einen Faustschlag an und zielte mit einem Tritt auf sein Schienbein.
Walker-Brough war schneller. Offenbar hatte er dieses Manöver vorausgesehen. Er wich ihrem Tritt mit einer Leichtigkeit aus, die sie verblüffte.
Er schlug zurück, verpasste ihr eine brutale Schlag-Tritt-Kombination, die ihr die Luft aus den Lungen trieb. Sie taumelte rückwärts, stolperte über den zerstörten Arbeitsroboter und fiel rücklings zu Boden, tauchte ein in ein Meer aus Schmerz.
Mit einem Satz war der Kontrahent erneut bei ihr und hielt ihr den Stab an die Schläfe.
Ein Zischen, dann bleierne Schwere. Morningdale konnte sich nicht mehr rühren. Ihr gesamter Körper fühlte sich taub an.
Walker-Brough hatte sie paralysiert.
Er beugte sich über sie und legte den Kopf schräg. »Zugegeben, die Sicherheitsvorkehrungen für deinen Chef sind wirklich ausgezeichnet. Er sollte aber wirklich darauf achten, die Sicherheitsprotokolle und seinen Nachrichtenaccount besser abzusichern. Es war beinahe zu leicht, sie zu knacken.«
Was will er von mir? Morningdale hätte ihn das gern gefragt, aber die Paralyse lähmte ihren Sprechapparat ebenso wie den Rest ihres Körpers.
Die Antwort bekam sie dennoch. Walker-Brough nahm seine Stabwaffe und hielt sie ihr vors Gesicht. Dann drehte er eine Kappe an ihrem hinteren Ende ab und eine schleimige, grüne Masse quoll träge aus dem Stabende.
In ihren Mund.
Sie nahm es nicht wahr, sah es nur aus dem Augenwinkel.
Was immer ihr da eingeflößt wurde, floss in ihren Körper, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Kein Husten, kein Würgereflex. Sämtliche Abwehrmechanismen ihres Organismus waren blockiert.
Sie wollte schreien, oder sonst etwas dagegen tun, aber es ging nicht.
Während Morningdale alles hilflos miterleben musste, kniete Walker-Brough neben ihr und blickte sie an.
»Dir stehen spannende Stunden bevor, Gertrud Morningdale«, sagte er. »Ich habe mir erlaubt, dir einen Vantani einzupflanzen. Er wird dich übernehmen und mir zu Diensten sein. Aber keine Bange, es wird dir nichts ausmachen.«
Was war ein Vantani?
Morningdale wollte etwas erwidern, Walker-Brough etwas entgegenschleudern. Aber es war unmöglich. Sie musste seine Worte ertragen.
Die Angst kehrte mit aller Macht zurück.
Er lehnte sich vor und stütze sich mit beiden Armen über ihr ab, eine Hand links, die andere rechts ihres Oberkörpers. Dabei kam er ihrem Gesicht ganz nah. Es sah fast aus, als wolle er sich vorbeugen, um sie zu küssen.
Aber das tat er nicht. Stattdessen fuhr er mit seinem Monolog fort.
»Leider ist mein Zeitkontingent äußerst knapp bemessen«, sagte er. »Der Vantani wird etwas für mich erledigen, indem er dich lenkt. Einen kleinen Gefallen.« Er nannte ihn. »In deiner Position als Rhodans Sekretärin hast du vorrangigen Zutritt zu kritischen Bereichen.«
Nein, das will ich nicht!, schrie es in ihr, als sie das hörte. Was ihr angetan wurde, war blanke Gewalt, an Körper und Geist. Sie würde sich dem nie beug...
Da spürte sie etwas. In sich. Eine Präsenz, eine ... Stimme.
Bleib ruhig! flüsterte es in ihr.
Woher kamen diese Worte? Was hatte man mit ihr angestellt?
Zunehmende Verzweiflung ergriff sie. Aber ebenso etwas anderes.
Walker-Brough stemmte sich in die Höhe. Er richtete sich auf und blieb vor ihr stehen, genau so, dass sie ihn aus ihren starren, stets auf dieselbe Stelle gerichteten Augen sehen konnte. Er fingerte an seinem Gürtel herum, und plötzlich faltete sich seine gesamte linke Körperhälfte auf. Wie der Kokon eines Schmetterlings, der daraus schlüpfte.
Es war aber kein Schmetterling.
Morningdale wollte nicht glauben, wer sich aus dem Ganzkörpertarnanzug – um nichts anderes handelte es sich – schälte. Hätte sie gekonnt, hätte sie in diesem Moment geschrien.
Schon im nächsten Moment verschwand dieser Impuls; wurde weggedrängt von Gleichgültigkeit.
Bald wird alles gut, wisperte die Stimme in ihrem Geist.
1.
Requiem
Suyemi Taeb, 17. Mai 2144 NGZ
»Die Vorwürfe gegen dich wiegen schwer, Suyemi Taeb«, warf Marmora Siegel ihr vor. Die junge, hagere und groß gewachsene Frau durchbohrte sie förmlich mit dem Blick aus ihren blauen Augen, die in einem gläsern wirkenden Gesicht lagen.
Man hatte Taeb in einen Besprechungsraum gebracht, in dem neben der Chefin des Terranischen Liga-Dienstes ein halbes Dutzend Geheimdienstler um einen halbkreisförmigen Tisch saßen.
Verhörraum trifft es wohl besser, dachte Taeb illusionslos.
Vor dem Tisch hatte man einen einzelnen Stuhl aufgestellt, auf dem sie den Ermittlern gegenübersaß – beinahe zur Bewegungslosigkeit verdammt, da ein energetisches Fesselfeld sie stark einschränkte.
Im Hintergrund des schmucklosen Raums standen zwei Sicherheitskräfte des TLD und ließen sie genauso wenig aus den Augen wie die Leute vor ihr. Um das Gesamtpaket abzurunden, hatte man noch Kampfroboter vor dem Raum postiert.
Taeb wusste, dass man das Zimmer zudem mit einem Schutzschirm vom Rest des TLD-Towers isolieren konnte. Was verständlich war, denn die Gegner, mit denen sie es zu tun hatten, opferten bedenkenlos ihre Wirte und sich selbst, wenn sie darin einen Vorteil sahen oder keinen Ausweg mehr hatten.
Zählte Taeb zu diesen Gegnern?
Unter den Anwesenden war sicher ein Psychologe. Wahrscheinlich war es der Jülziish, der am Rand der illustren Runde saß und bislang – wie die meisten anderen Personen im Raum – noch keinen Ton gesagt hatte. Bei jeder ihrer Äußerungen gab er etwas in ein Holofeld ein, das er vor sich projiziert hatte.
»Das ist Unsinn!«, wehrte sich Taeb entschieden gegen die Anklage.
»Die Spuren sprechen eine eindeutige Sprache«, betonte Siegel. Selbst in dieser Situation konnte sie es nicht lassen, ihre Marotte auszuleben: ein kleiner Designoid, der beständig um ihr Gesicht kreiste, sie immer wieder neu schminkte, umfrisierte oder ihr Kurzzeit-Tätowierungen verpasste.
Taeb seufzte.
Gewalt prägte ihr Leben, seit die unsterbliche Kartanin Dao-Lin-H'ay an Bord der LASAALA aufgetaucht war, verfolgt von einem Monchaischiff. Beide Raumfahrzeuge waren im Zuge von Kampfhandlungen über Terra abgestürzt.
Dao hatte Perry Rhodan um Hilfe gebeten. Angeblich wurde ihre derzeitige Heimat in der Kleingalaxis Ursa Minor von Wesen namens Vantani bedroht, die sich der Monchai bedienten, und die nun die Milchstraße erreicht hätten und die Erde in Gefahr brächten.
Rhodan hatte Taeb zur Unterstützung im Kampf gegen die Vantani hinzugezogen. Gemeinsam mit den Kartanin-Zwillingsschwestern Sia und Pur-Als-Z'ile machte sie sich auf die Jagd nach dem Gegner, über den man nicht viel wusste.
Dass die Gefahr real war, hatte sich bald gezeigt. Die Vantani waren in der Lage, andere Lebewesen zu übernehmen.
Taebs ohnehin schlechte Stimmung trübte sich weiter ein, als sie an Hannibal Batty dachte. Am Vortag war ihr alter Bekannter gestorben, der ihr erst in den letzten Minuten seines Lebens wichtig geworden war. Er hatte sich in einen Desintegratorstrahl geworfen, der für sie bestimmt gewesen war.
Batty trug seinen Anteil daran, dass es ihnen gelungen war, bei einem Einsatz in Gorna Sekirna einen Monchai lebend in die Finger zu bekommen, und mit ihm den Vantani, der ihn kontrollierte. Aber das war vergebens gewesen.
Jemand hatte den Monchai in dem Kryostasetank erschossen, in den er zu Untersuchungen gesteckt worden war.
Es fiel Taeb immer noch schwer, die Monchai als Bedrohung zu sehen. Sie ähnelten terranischen Teddybären, das machte sie für viele Terraner sympathisch. Doch sobald sie von Vantani befallen waren, wurden sie zu erbitterten Feinden – wie jedes andere Lebewesen.
Vor Taeb entstand eine Projektion in der Luft. Darauf zu sehen war eine komplizierte Buchstaben- und Zahlenkombination. Es war diejenige, die ihr im Zuge der Ermittlungsarbeit Zugangsrechte selbst zu sensiblen Bereichen gewährte. Es war klar, was nun kommen würde.
»Das ist deine persönliche Kennung«, erklärte der Epsaler, der neben Siegel saß und den Taeb ebenfalls nicht kannte. Möglicherweise war es ein Datenanalyst, den man hinzugezogen hatte. »Sie wurde benutzt, um die Kammer zu öffnen, in der der Monchai in seinem Kryostasetank lag.«
Der umweltangepasste Terranerabkömmling mit dem nahezu quadratischen Körperbau bekräftigte seine Worte mit einer Drehung seiner riesigen Hand.
»So war es dir möglich, zu dem Monchai zu gelangen und ihn zu erschießen«, warf Siegel in eiskaltem Ton hinterher.
»Das ist mein Code, aber ich habe ihn nicht verwendet«, verteidigte sich Taeb und verschränkte die Arme vor der Brust. Solche Bewegungen ließ das Fesselfeld um sie herum immerhin zu.
»Wer außer dir sollte sonst in den Hochsicherheitsbereich der Solaren Residenz gelangt sein? Sag es mir, Suyemi!«
»Woher soll ich das wissen? Kennungen lassen sich fälschen, das ist in der langen Geschichte des TLD nicht nur einmal passiert.«
»Dem du seit Langem nicht mehr angehörst. Wieso sollten wir dir vertrauen?«
»Welche Motivation sollte mich denn zu einer derartigen Tat treiben?«, stellte Taeb eine Gegenfrage. Sie beugte sich ein Stück vor und hob den Zeigefinger. »Perry Rhodan hat mich persönlich mit den Ermittlungen betraut, und der TLD hat es abgesegnet. Ist dir nicht die Idee gekommen, dass es vielleicht einen weiteren Vantani gibt, der dafür die Verantwortung trägt? Er scheint Zugang selbst zu den bestgeschützten Bereichen zu haben. Wahrscheinlich hat er jemanden unter seine Kontrolle gebracht und ihn als Vehikel für seine Zwecke benutzt.«
»Du hältst mich anscheinend für naiv«, meinte Siegel, allerdings ohne die Spur einer Gefühlsregung. »Dass die Vantani dahinterstecken, ist ein offenes Geheimnis. Ich denke, dass du von diesem Vantani übernommen worden bist.«
