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Der Fortsetzungsband zu Kassandra - Eine Reise in die Neue Welt. Kassandras Reise geht weiter. Sie verspürt den intensiven Drang, die tausende Jahre alten Höhlenmalereien von Narwala Gabarnmung aufzusuchen. Trotz Schwangerschaft bricht sie zu diesem Abenteuer auf. Eine überraschende Fügung bringt sie mit Aborigines Frauen zusammen, welche sie in ihre Gruppe aufnehmen. Auf uralten Pfaden der Eingeborenen wandelnd, beginnt Kassandra eine Wanderung, die sie an ihre eigenen Grenzen bringt. Hin und hergerissen zwischen ihrer Sorge um ihr ungeborenes Kind und dem Gefühl inniger Gemeinschaft zu den seelenverwandten Aborigines Frauen, beschreitet Kassandra ihren ganz eigenen Traumpfad. Sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen.
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Seitenzahl: 250
Veröffentlichungsjahr: 2016
www.tredition.de
Barbara Wallner
Kassandra
Botin der Liebe
www.tredition.de
© 2016 Barbara Wallner
Umschlag, Illustration: Ronja Waldis, Alex Schmidtke Lektorat: Domenique Wood, Anna Lehrbaum
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback
978-3-7345-2661-9
e-Book
978-3-7345-2662-6
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Alle in diesem Buch geschilderten Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären zufällig und nicht beabsichtigt.
Dieses Buch widme ich meiner Mutter, Helga Weiser, die am 31.3.2015 verstorben ist. Das Buch hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten und mir bewusst gemacht, wie wichtig die Liebe in meinem Leben und im Leben aller ist. In Dankbarkeit!
Prolog
Ich bin Athene Anastasia. Meine Mutter weiß noch nicht, dass sie mich einmal so nennen wird. Ich bin noch ungeboren. Ich fühle mich mit meiner Großmutter Anastasia verbunden. Ihr Geist beschützt mich. Bald schon werde ich das Licht der Welt erblicken und bin gespannt, meine Mutter und meinen Vater kennenzulernen. Ihre Stimmen kenne ich bereits. Ich weiß, dass meine Mutter sich Sorgen um mich macht, aber das ist nicht notwendig. Ich bin eine Kämpferin. Meine Großmutter ist bei mir, wo immer ich auch hingehe.
Kapitel 1
Kassandra war vor einigen Jahren mit ihrem Mann Aidan von Griechenland nach Canberra in Australien gezogen. Während dieser Zeit hatte sie sich intensiv für die Interessen der Aborigines Frauen eingesetzt. Sie hatte die Erlaubnis bekommen, die Weisheit an andere Weiße weiterzugeben. Dabei hatte sie von den Höhlen von Narwala Gabarnmung gehört und in ihr wuchs der Wunsch, diese einmal zu besuchen. Sie hatte die Idee immer wieder verschoben. Jetzt konnte und wollte sie nicht länger warten. Es war höchste Zeit dafür. Sie erwartete ein Kind von Aidan und war bereits im fünften Monat schwanger. Wenn ihr Kind erst geboren wäre, dann hätte sie sobald keine Möglichkeit mehr.
Ihr Mann Aidan konnte sich nicht so recht damit anfreunden. Er machte sich Sorgen, dass Kassandra sich übernahm. Er musste jedoch einsehen, wenn sich Kassandra etwas in den Kopf gesetzt hatte, sie dieses auch durchzog, koste es, was es wolle. Seinen Vorschlag sie zu begleiten, lehnte sie höflich aber bestimmt ab. Kassandra wollte die Höhlenmalereien bestaunen und fühlte sich wie magisch von diesen angezogen. Sie hatte das Gefühl, dass diese Reise für sie und auch für ihr noch ungeborenes Kind von Bedeutung sein sollte. Der Ruf war so stark, dass sie ihn nicht länger unterdrücken konnte.
Die Höhlen lagen im Northern Territory, inmitten vom Kakadu National Park, ca. 170 km südöstlich von Darwin entfernt, ungefähr drei Stunden Fahrtzeit mit dem Auto.
Ein Problem gab es, nämlich, dass die Fundstelle nur von der Luft aus erreicht werden konnte. Kassandra überlegte hin und her, wie sie am besten vorgehen sollte. Sie telefonierte herum und schlussendlich fand sie einen Piloten, der sie zu den Höhlen fliegen konnte. Er war ein freundlicher Mann und erklärte Kassandra, dass er schon öfters schwangere Frauen zum Krankenhaus transportiert hatte.
Kassandras Wangen glühten vor lauter Aufregung, ihre Augen strahlten und sie redete in einem fort auf Aidan ein. Dieser nahm seine Frau lächelnd in die Arme und flüsterte ihr ins Ohr: „Kassandra, du und dein Starrsinn. Ich bin froh, dass dich der Pilot hinfliegt. Ehrlich gesagt freue ich mich jedoch schon, wenn ihr beide wieder heil zurückkehrt“, dabei streichelte er liebevoll über ihren stark gewölbten Bauch.
„Ich bin eher zurück, als du denkst, Aidan. Ich möchte diese Reise unbedingt noch vor der Geburt machen.“
Wieder funkelten ihre Augen und sie versank in einen kurzen Moment des Träumens. Sie schnupperte kurz an ihrem Handrücken, das tat sie immer, wenn sie mit ihren Gedanken ganz woanders war.
„Ich weiß, Liebes.“
Kassandra buchte ein Flugticket von Canberra nach Darwin und war damit beschäftigt, alles innerhalb von zwei Tagen vorzubereiten. Sie wollte mit einem Auto zum Ausgangspunkt fahren und danach noch übernachten. Deshalb brauchte sie auch ein Zelt, Campingzubehör und Behälter für Wasser. Der Pilot würde sie zu den Höhlen zu fliegen und drei Stunden später wieder abholen. Kassandra plante alles bis ins kleinste Detail. Ihr Reisefieber und die Vorfreude gaben ihr eine enorme Kraft.
Zwischendurch dachte sie mit einer Mischung aus Freude und Wehmut an die Zeit mit den Aborigines Frauen zurück. Mit der bevorstehenden Reise rückten die Bilder und Erlebnisse wieder näher an sie heran. Obwohl sie immer wieder einmal Kontakt zu den Einheimischen hatte, vermisste sie das Sitzen im Kreis und den intensiven Austausch, den sie mit den Ältesten gepflegt hatte. Kassandra hatte die Erlaubnis bekommen, die Lehre der Aborigines an andere Frauen weiterzugeben. Seither hielt sie Seminare und bekam Einladungen für Vorträge, die Reisen in verschiedene Städte in ganz Australien mit sich brachten. Wenn Aidan es sich einrichten konnte, dann begleitete er sie dabei. Dazwischen fand sie auch noch Zeit, ihren ersten Roman fertig zu schreiben. Darin ließ sie das uralte Wissen der Aborigines Frauen einfließen und verpackte alles in eine fantasievolle Geschichte. Sie staunte und freute sich über das überwältigende Echo zum Buch. Das beflügelte sie und sie sprühte förmlich über vor Ideen und Projekten, die sie noch angehen wollte.
Die Schwangerschaft kam deshalb überraschend für sie und im ersten Moment überlegte sie, wie ein Kind überhaupt in ihr bewegtes Leben passte. Hinzu kamen auch noch dunkle Stunden voller Zweifel, ob sie überhaupt eine „gute“ Mutter sein könnte.
Aidan unterstützte sie in allem. Er massierte ihr die Beine, kochte ihr belebende Kräutertees und wischte liebevoll ihre Tränen weg, wenn sie wieder einmal weinte. Er hörte ihr aufmerksam zu und hielt sie in den Armen. Gleichzeitig fühlte er sich hilflos, ihr den inneren Kummer abzunehmen.
Abseits von den gelegentlichen Stimmungsschwankungen, konnte sie die Schwangerschaft genießen. Kassandra hatte auch ein wenig zugenommen. Das stand ihr gut. Ihre Augen strahlten und sie zeigte stolz ihren wachsenden Bauch.
Aidan konnte es zuerst kaum glauben, dass er Vater wurde. Sie hatten es nicht geplant, aber auch keine Maßnahmen dagegen unternommen. Beide wollten nicht wissen, ob es ein Mädchen oder Junge wäre, und wünschten sich einfach nur ein gesundes Kind.
So freute es ihn umso mehr, seine Frau nicht von Zweifeln, sondern vom Reisefieber gepackt zu sehen. Der Energieschub veränderte ihre Stimmung und sogar ihren Tonfall. Aidan war nun schon eine Weile mit Kassandra verheiratet und erkannte bereits an ihrer Stimme, wenn es ihr gut ging und wenn sie sich so richtig in etwas hineinsteigerte. Ihre sonst eher leise Stimme, bekam dann mit einem Mal einen tieferen und ausdruckstarken Ton.
„Wird schon klappen“, sagte er zu ihr, mehr jedoch zu seiner Beruhigung.
Kapitel 2
In der darauffolgenden Nacht träumte Kassandra von ihrer verstorbenen Mutter Anastasia, ihrer Großmutter und allen Frauen in ihrer Ahnenlinie. Sie wollte immer etwas wissen, doch niemals bekam sie eine Antwort auf ihre Frage. Die Ahninnen lächelten sie nur an und verschwanden daraufhin wieder. In der Früh wachte sie schweißgebadet auf und konnte sich nur mehr an Bruchstücke erinnern.
Aidan betrachtete sie teilnahmsvoll und streichelte ihr mit der Hand über die Wangen: „Schlecht geschlafen? Du siehst mitgenommen und müde aus.“
Kassandra schüttelte nur stumm den Kopf und drehte sich zur Seite. Sie stand rasch auf, um zu duschen. Erst nachdem sie eine Weile heißes Wasser über den Körper laufen ließ, ging es ihr besser. Sie konnte keine Zusammenhänge erkennen. Die Tatsache, dass all ihre Ahninnen erschienen waren, gab ihr jedoch das beruhigende Gefühl beschützt zu sein. Mit frischer Energie widmete sie sich daraufhin wieder den Reisevorbereitungen.
Am nächsten Tag frühmorgens ging es dann los. Aidan brachte sie zum Flughafen. Er küsste sie und drückte sie fest an sich.
„Pass mir auf euch beide auf. Wir sehen uns dann in einer Woche.“
„Ja, bis bald Aidan. Ich bin schon gespannt, was für ein Abenteuer auf mich zukommt.“
Etwas irritierte Aidan, aber er konnte sich nicht zusammen reimen, was ihm dieses Gefühl vermittelte.
Sie küssten sich nochmals zärtlich zum Abschied.
Nach einem Zwischenstopp in Sydney kam Kassandra am frühen Nachmittag in Darwin an. Sie hatte für eine Nacht ein Zimmer in einem Mittelklassehotel bestellt, das sie glücklicherweise sofort beziehen konnte, um ihre müden Beine auszustrecken.
Kassandras Schwangerschaft war bisher ohne Probleme verlaufen. In den ersten Wochen hatte sie am Abend immer um dieselbe Zeit eine Welle der Übelkeit verspürt, welche nach einer Stunde jedoch wieder abflaute. Bald verschwand diese Abendübelkeit vollkommen. Fasziniert stellte sie fest, wie ihr Körper sich seither verwandelte. Wenn sie ihr Spiegelbild betrachtete, dann sah sie eine Frau, die sie mit leuchtenden Augen anstrahlte und die ihr so weiblich vorkam, dass Kassandra mehrmals hinsehen musste, um sicher zu sein, dass dies wirklich sie sei.
Voller Stolz und auch ein wenig müde legte sich Kassandra im Hotelzimmer für einen kurzen Mittagsschlaf auf ihr Bett, um ihre leicht geschwollenen Beine zu entlasten. Sie versank in der dicken, weichen Matratze und fiel in einen Halbschlaf. Ihr Körper entspannte sich, ihr Geist hingegen konnte keine Ruhe finden. Die Schwangere wälzte sich von einer Seite auf die andere und nach einer Weile stand sie auf, weil sie noch etwas zu tun hatte.
An der Rezeption hatte man ihr den Weg zu einer Leihwagenfirma in der Nähe erklärt. Kassandra erledigte schnell die Formalitäten und parkte den Geländewagen vor dem Hotel. Dann kaufte sie noch Proviant, denn am nächsten Tag wollte sie zeitig in der Früh zu den Höhlen aufbrechen.
Kapitel 3
Viele Meilen entfernt, an einem wunderschönen Morgen in Barcelona, küsste Sirena Yannis zärtlich auf den Mund und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich bin schwanger. Wir bekommen ein Baby.“
Yannis, Kassandras Bruder, war sofort hellwach und konnte sein Glück kaum fassen.
„Das ist wunderbar. Ich freue mich unheimlich. Ich kann es gar nicht erwarten Vater zu werden. Sirena, das ist das schönste Geschenk, das ich jemals bekommen habe.“ Yannis grinste von einem Ohr zum anderen und lachte dabei. Im selben Moment kullerte eine Freudenträne langsam seine Wange hinunter.
„Für mich ist das auch wie ein Traum“, flüsterte Sirena. Sie strich zärtlich über sein Gesicht und küsste die Träne weg. Sie küssten sich lange und intensiv. Für eine Weile blieben sie in einer zärtlichen Umarmung. Dann standen sie fröhlich auf, um zu frühstücken. Yannis pfiff leise vor sich hin, während er Spiegeleier mit Speck bereitete. Sirena ließ sich gerne von ihm verwöhnen und betrachtete ihn liebevoll. Yannis ließ es sich nicht nehmen, er meinte zu Sirena, dass er dies bei Kassandra auch immer gerne gemacht hätte. Sirena beließ es dabei und genoss es, am Tisch zu sitzen und den Morgen langsam zu beginnen. Beim Frühstück saßen sie sich gegenüber und grinsten sich immer wieder an. Vor lauter Freude fehlte ihnen beiden die Worte, was für Sirena normal und für Yannis äußerst ungewöhnlich war. Obwohl Yannis sonst immer auch noch den Abwasch machte, bestand Sirena diesmal darauf, dass sie dies tun wollte. Yannis sah sie erstaunt an, lachte und küsste sie stürmisch.
„Sind das schon die ersten Anzeichen?“, meinte er im Spaß. Sirena gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Po und schob ihn aus der Küche. Vielleicht hatte Yannis Recht und es fing schon damit an, dass sie jetzt häuslich wurde. Sirena amüsierte sich auf jeden Fall über diesen spontanen Anfall. Sie hörte Yannis im Vorzimmer pfeifen. Er schien dies gar nicht einmal zu bemerken.
Weil es schon ein wenig herbstlich frisch war, zog Yannis seine schwarze Lederjacke über. Das war seine Lieblingsjacke. Sie war für ihn wie eine zweite Haut und, weil er sie schon solange getragen hatte, am Ellbogen bereits etwas aufgeraut. Er marschierte zu seinem Antiquitätengeschäft, welches er vor einigen Jahren gekauft hatte, nachdem er beschlossen hatte, mit Sirena in Spanien ein gemeinsames Leben aufzubauen. Damals war alles sehr schnell gegangen und ein Ereignis war dem anderen gefolgt. Seither hatte Yannis seine Entscheidung noch kein einziges Mal bereut.
Sirena arbeitete als Reiseleiterin. Sie hatte sich auf Gruppenreisen in Barcelona spezialisiert, und ihre Gruppenreisen nach Griechenland, wo sie Yannis ursprünglich kennengelernt hatte, an eine Kollegin abgegeben.
An dem heutigen Tag hatte sie keine Buchungen für Führungen und so konnte sie diese Freizeit in vollen Zügen genießen. Immer wieder ertappte sie sich dabei, dass sie sich auf den Bauch griff und verzückt vor sich hin lächelte. Sirena hatte es nicht so mit Gefühlsregungen und hielt ihre Emotionen meist vor anderen verborgen. Spontan beschloss sie, sich zu verwöhnen und zu Mittag in ein nettes Lokal zu gehen. Wie es der Zufall wollte, sie war versonnen einfach ein paar Straßen von ihrer gemeinsamen Wohnung entlang geschlendert, stand sie genau vor dem Restaurant, in dem sie Yannis, ihrem Lebenspartner alles über ihre Vergangenheit gestanden hatte. Plötzlich brachen alte Erinnerungen auf, der Kummer, die Verzweiflung und dann die Freude wie Yannis ihr gegenüber seine bedingungslose Liebe ausgedrückt hatte. Mit einem Mal fühlte Sirena einen intensiven Schmerz. Sie bedauerte, wie wenig sie von ihrer Mutter mitbekommen und auch alles Weibliche abgelehnt hatte. Ihre Großmutter hatte versucht, die Mutter zu ersetzen und ihr viel Zuwendung und Aufmerksamkeit geschenkt. Sie war jedoch schon älter und recht früh gestorben.
In diesem Moment wünschte sie sich nichts mehr, als die freudige Nachricht über die Schwangerschaft mit ihren Verwandten zu teilen. Die Einsamkeit, keine Verwandten zu haben, traf sie deshalb mit voller Wucht. Jetzt sollte sie selber Mutter werden. Für Sirena stellte das eine enorme Herausforderung dar. Diese Wunde schien erneut in ihr aufzureißen. Wen sollte sie fragen, wenn sie nicht mehr weiterwusste?
Ihr fiel ein, dass auch Yannis elternlos war. Durch einen Schicksalsschlag waren beide Eltern bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen.
Sirena verfügte über magische Kräfte. Sie war damals am Ort des Unglücks gewesen. Sie hatte Yannis Vater aus Rachegründen, weil sie damals meinte, eine Familienschuld sühnen zu müssen, einen Schreck einjagen wollen. Dass der Vater aber danach in einen Baum gerast war, war nicht ihre Absicht und sie konnte dieses Unglück kaum verhindern. Sie war damals wie besessen gewesen und wollte nicht nur das Leben von Yannis Eltern, sondern auch das der beiden Kinder, Yannis und Kassandra zerstören. Sie schämte sich sehr dafür und all die unangenehmen Folgen ihrer Entscheidungen hatten ihr Gewissen lange Zeit geplagt. Sie war damals ein komplett anderer Mensch gewesen, selbstsüchtig, rachsüchtig und menschenfeindlich. Damals hatte sie alles darangesetzt, um Yannis zu entführen und sich nur noch mehr in ihre Rachegelüste hineingesteigert. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sie Yannis damals alles gestanden hatte, meinte er, dass sie nicht zurückblicken und die Gegenwart annehmen sollte. Er hatte ihr verziehen, mehr noch, sie aufgefordert, sich selber zu vergeben. Er sah in ihr etwas, was sie selber lange nicht sehen konnte. Er hatte ihr auf seine Art geholfen, ihre inneren Kämpfe aufzulösen. Bis sie sich zwar extrem verletzlich fühlte, aber gleichzeitig wieder lebendig vorkam. Wie sehr liebte sie Yannis dafür. Seither hatte ihr Leben eine komplette Wendung genommen. Er vergötterte sie. Bei ihm fühlte sie sich geborgen und getragen. Ihm konnte sie ihre dunkle Seite zeigen. Er nahm sie einfach an. Sirena spürte, wie ihre Schutzschicht abbröckelte, indem sie lernte, ihm mehr und mehr zu vertrauen und ihre Zuneigung aus vollem Herzen zu zeigen.
Yannis würde ein liebevoller Vater sein, das spürte Sirena instinktiv. Nur, wie sah es um sie aus? War sie überhaupt dazu fähig, mütterliche Gefühle zu empfinden?
Sie, die viele Jahre so unnahbar gelebt hatte. Nie hatte sie jemanden an sich herangelassen. Sie hatte Erfolg in ihrem Beruf und konnte andere Menschen für fremde Länder und Kulturen begeistern. In zwischenmenschlichen Beziehungen jedoch, da lebte sie recht zurückgezogen. Ohne Yannis wäre es zweifelsohne so weitergegangen.
Eine tiefe Verzweiflung überkam Sirena und die Tränen rannten ihr in Strömen über das Gesicht.
Eine Kellnerin mittleren Alters kam voller Anteilnahme zu ihr: „Señora, stimmt etwas nicht? Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“
Sirena schob den Sessel vom Tisch weg und atmete kräftig ein und aus. Ihr Brustkorb hob und senkte sich und sie rang sichtlich nach Atem. Ihre langen rotblonden Haare fielen ihr ins Gesicht und sie, die sonst immer um ihr Äußeres bemüht war, kümmerte sich in diesem Moment gar nicht darum.
„Ach, ich bin schwanger und ich weiß nicht, ob ich eine gute Mutter sein werde. Woher soll ich denn das alles wissen?“, wieder flossen Tränen und zwischendurch schluchzte sie.
Die Serviererin sah sich rasch im Lokal um. Da niemand von den Gästen sie im Augenblick benötigte, nahm sie für einen kurzen Moment neben Sirena Platz.
„Ich heiße Paula. Das ist ja eine wunderbare Nachricht, dass Sie schwanger sind. Glauben Sie mir, solche Gedanken gehören einfach mit dazu. Ich habe zwei erwachsene Kinder. Jede Schwangerschaft verlief anders. Meine Söhne sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Ich musste mich immer wieder umstellen. Wir wachsen mit den Herausforderungen. Müssen Sie ihr Baby ohne Hilfe aufziehen?“
Sirenas Tränenfluss ebbte ein wenig ab und sie sah die Frau erstaunt an.
„Wirklich, ist das so? Ich fühle mich überhaupt nicht fürsorglich. Von meiner eigenen Mutter habe ich wenig mitbekommen. Ich wuchs bei meiner Großmutter auf. Aber es stimmt, ich habe einen liebenswerten Mann, auf den ich mich voll verlassen kann.“
Die Kellnerin stand auf, weil sie im Lokal wieder gebraucht wurde.
„Das ist ja herrlich. Muttersein ist etwas, das sich entwickelt. Es ist wie ein Band, das zwischen Ihnen und dem Baby entsteht. Das wird schon.“
Sie tätschelte noch kurz Sirenas Hände und ging dann zum Nebentisch, da ein Gast zum Zahlen gerufen hatte.
Sirena fühlte, als ob eine schwere Last von ihren Schultern abfiel. Das kurze Gespräch gab ihr wieder Mut, an sich zu glauben. Schnell kam der Appetit zurück und sie konnte ihr Essen in vollen Zügen genießen. Sie hatte Bacallà, einen Stockfisch mit Tomaten, Paprika und Melanzanie, und statt Wein hatte sie Sodawasser mit Zitrone bestellt. Es schmeckte herrlich. Sie liebte Fischgerichte und setzte sich auch sehr für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts im Meer ein. Wasser war für sie ein Lebenselixier. Jetzt ging es ihr schon wieder viel besser. Yannis hatte Recht, sie lebte in der Gegenwart und war froh und sehr dankbar für jeden Moment ihres Lebens. Sie bedankte sich bei Paula mit einem festen Händedruck und gab ihr auch ein großzügiges Trinkgeld.
Es war bereits herbstlich, die Sonne schien, als wolle sie mit letzter Kraft den Sommer zurückbringen. Sirena zog ihren eleganten dunkelblauen Trenchcoat enger um sich und nützte den Rest des Nachmittags für einen langen Spaziergang. Sie war froh, dass sie ihre hochhackigen Schuhe, die sie zuerst im Sinn gehabt hatte zu tragen, gegen bequemere Pumps ausgetauscht hatte. Sirena hatte das Gefühl, dass sich ihr Leben komplett veränderte.
Als Yannis später nach Hause kam, nahm er sofort ihre leicht geröteten Augen wahr und wollte natürlich sofort wissen, ob alles in Ordnung sei. In seiner ersten Sorge dachte er, dass seine Partnerin vielleicht das Kind verloren hatte.
„Ach Yannis, ich hatte heute einen sehr bewegten Tag. Zuerst war ich überselig, mit einem Mal hatte ich Sorge und Zweifel, ob ich überhaupt eine gute Mutter sein werde. Paula, die Kellnerin vom „La Bombeta“ munterte mich auf und kümmerte sich rührend um mein Befinden. Sie meinte, dass ich in die Mutterrolle langsam hineinwachsen werde. Daraufhin ging es mir gleich besser. Jetzt bin ich einfach nur dankbar, dass es dich gibt und dass wir beide gemeinsam ein Kind erwarten.“
Erleichtert umarmte er Sirena und flüsterte ihr tröstende Worte ins Ohr. Als begeisterter Koch mit Leib und Seele, schlug er ihr vor, etwas Besonderes zum Abendessen zu zaubern. Sie sollte sich einfach entspannt auf den Couchsessel setzen. Während Yannis die Vorbereitungen zum Kochen traf, erzählte er ihr, was er am Tag erlebt hatte. Dabei kam er so richtig ins Schwärmen. Sie spürte wie ihre Liebe für ihn noch mehr wuchs und an Kraft gewann.
‚Alles ist gut‘, dachte sie und wieder strich sie zärtlich über ihren Bauch.
Kapitel 4
Aidan wachte schweißgebadet auf. Sein T-Shirt klebte nass an seinem Körper. Sein Puls raste. Er sah sich verwirrt im Zimmer um, bis ihm wieder bewusst wurde, wo er sich befand. Er hatte von Kassandra geträumt, was noch nie zuvor passiert war. Es war ein schrecklicher Albtraum. Jedes Mal, wenn er auf sie zuging, entfernte sie sich wieder von ihm. In seinem Traum erschien ihm ihr Gesicht blass, fast grünlich. Er sah, wie sie erschöpft am Boden lag. Sie hatte die Augen geschlossen und die Hände über dem stark gewölbten Bauch verschränkt.
Ein Blick auf den Wecker im Schlafzimmer zeigte ihm 4 Uhr in der Früh an. Er versuchte noch weiterzuschlafen, der Traum beschäftigte ihn jedoch und ließ ihn nicht mehr zur Ruhe kommen. Wie konnte das möglich sein?
Zerknirscht stand er auf und kochte sich eine heiße Schokolade. Das beruhigte ihn auf der Stelle. Das warme Getränk breitete sich langsam im Bauch aus und vermittelte ihm das Gefühl von Geborgenheit, so wie in Kindheitstagen. Nach einer Weile kehrte die Unruhe jedoch abermals zurück. Irgendetwas stimmte nicht. Als er Kassandra am Handy anrief, schaltete sich sofort die Sprachbox ein. Sie hatten das letzte Mal vor zwei Tagen, kurz, nachdem sie in Darwin angekommen war, miteinander gesprochen. Da hatte Kassandra ihm erklärt, dass sie mit einem Leihauto zum Kakadu National Park aufbrechen wollte. Aidan machte sich große Sorgen. Er beschloss, in der Früh gleich beim Helikopterservice anzurufen und zu fragen, ob der Flug ohne Probleme funktioniert hatte. Vor allem, wann der Pilot Kassandra das letzte Mal gesehen hatte und in welchem Zustand sie sich befunden hatte. Aidan hörte, wie der Wecker tickte und seine Unruhe verstärkte sich nur noch mehr. Es schien Stunden zu dauern, bis es endlich Morgen wurde.
Kapitel 5
Kassandra fuhr mit dem Leihauto zum Fuß der Höhlen. Nach zwei Stunden Fahrt merkte sie, wie eine Müdigkeit sie überrollte. Sie öffnete das Schiebedach ihres Geländewagens. Das brachte ihr frische Luft, die Müdigkeit wich jedoch nicht aus ihrem Körper. In einem Moment der Unachtsamkeit hüpfte ein Känguru auf die Straße. Kassandra bremste, dennoch ein wenig zu spät und streifte das Tier auf der Seite. Sie blieb sofort stehen, um nachzusehen, ob sie etwas machen konnte. Sie war eine Tierliebhaberin und es traf sie sehr, wenn diese verletzt waren oder sogar misshandelt wurden. Das Känguru hüpfte auf die Seite, blieb dann stehen und sah sie mit großen Augen an. Vielleicht war ja doch nichts Schlimmes passiert?
Kassandra ging langsam auf das Tier zu. Selbst als sie nur mehr wenige Schritte von dem Beuteltier entfernt war, ergriff dieses nicht die Flucht. Sie streckte ihre Hand aus und formte ein Reiki-Schutzsymbol, gleichzeitig murmelte sie beruhigende Worte, bis sie in unmittelbarer Nähe stand. Sie musste herausfinden, ob das Tier nur geschockt oder doch verletzt war. Das Känguruweibchen sah sie einfach nur an. Ihre Augen blickten tief in sie hinein. Jetzt wusste Kassandra es. Das Weibchen trug ein Junges in ihrem Bauch. ‚Oh nein‘, dachte Kassandra. ‚Hoffentlich ist dem Jungen nichts passiert‘. Das Weibchen ließ es zu, dass Kassandra mit ihrer Hand über den Körper des Kängurus strich. Es zuckte nicht zurück. Das war schon einmal ein gutes Zeichen. Kassandra konzentrierte ihre Aufmerksamkeit auf den Körper des Tieres. Im Geiste wanderte sie alle inneren Organe ab und spürte sofort auch das Herz des Jungen schlagen, wenn auch sehr schwach. Das Herz der Mutter klopfte hingegen rasend. Kassandras Intuition gab ihr Recht, das Weibchen war extrem geschockt. Nochmals wanderte sie alle Organe entlang, sie konnte nichts entdecken. Zum Glück hatte sie das Weibchen nur auf der Seite gestreift und sie war auch nicht zu schnell gefahren. Auch bei dem Jungen tastete sie sich langsam vor, um dieses nicht zu beunruhigen. Entsetzt stellte sie fest, dass der Herzschlag komplett ausgesetzt hatte. Sie musste schnell handeln. Sie fasste mit ihren Händen in den Beutel der Mutter, um so direkten Kontakt zu ihrem Jungen herzustellen. Kassandra schloss ihre Augen, sammelte all ihre Kräfte und sandte Energie in das kleine Herz des Kängurujungen. Sie stellte sich vor, wie langsam wieder Blut durch die Herzkammern floss und wie diese wieder zu pumpen begannen. Mit einem Mal spürte sie ein zaghaftes Pulsieren, das in ihren Händen immer stärker wurde. Kassandra atmete erleichtert auf. Das Junge lebte. Es war noch sehr zart und klein. Wahrscheinlich hatte der Schockzustand der Mutter den Stillstand des Herzens ausgelöst. Kassandra hoffte sehr, dass das Kängurujunge überlebte. Nochmals formte sie ein Schutzsymbol über das Muttertier und das Junge und hoffte, dass sie alles getan hatte, um das Leben der beiden zu erhalten. Sie entfernte sich langsam und beobachtete, wie das Känguru langsam weiter in das Hinterland hineinhüpfte.
Jetzt bekam sie weiche Knie und musste sich an den Straßenrand setzen. War dies ein Zeichen? Kassandra spürte wie die Müdigkeit abermals kam. Für einen kurzen Moment wurde ihr ganz schwarz vor den Augen. Sie wartete, bis der Schwächezustand sich ein wenig besserte. Dann ging sie zum Auto zurück und trank von dem Wasser, das sie in einer Kühlbox im Auto verstaut hatte. Das kühle Wasser erfrischte sie und sie fuhr langsam, immer vorsichtig auf den Straßenrand schauend, weiter. Nach etwa einer Stunde war sie bei dem Platz angelangt, wo sie ihr Lager aufbauen wollte.
Sie begann langsam ihr Zelt für die anschließende Übernachtung aufzubauen. Sie war gewöhnt, dieses mit Aidan gemeinsam aufzustellen und mühte sich zu Beginn etwas ab, auch kam ihr an diesem Tag alles anstrengender vor als sonst. Nach mehreren Versuchen und lauten Unmutsäußerungen hatte sie es geschafft. Sie rollte die selbstaufblasbare Matte aus und legte den Schlafsack darauf. Dann bereitete sie ihr Campinggeschirr vor, worin sie plante, nach dem Flug zu den Höhlen noch eine Kleinigkeit zu kochen. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass ihr nur mehr wenig Zeit blieb. Kassandra hatte den Termin mit dem Piloten für 10.30 Uhr ausgemacht. Dieser sollte ihn zehn Minuten kommen. Rasch nahm sie eine Trinkflasche, etwas zum Schreiben und steckte ihre kleine Reisekamera in den mitgebrachten Rucksack. Daraufhin hörte sie auch schon das Dröhnen des Helikopters. Sie zog den Zipp des Zeltes zu, ohne Sorge beraubt zu werden. Die Luft rund um Kassandra wurde aufgewirbelt und ihre langen dunkelblonden Haare flogen in alle Richtungen. Der Pilot stieg aus, öffnete grinsend die Seitentür und half ihr mit dem Einsteigen. Kassandra nahm die Hilfe dankbar an, denn ihr Bauch schränkte sie bei manchen Bewegungen schon ein wenig ein. Als sie angeschnallt im Helikopter saß, bereitete sie sich innerlich auf den Abflug vor. Beim Wegfliegen kam eine starke Übelkeit in ihr auf, welche sie jedoch mit aller Kraft zu unterdrücken versuchte. Sie MUSSTE zu den Höhlen fliegen, um jeden Preis.
Der Flug dauerte über zwanzig Minuten, weil der Pilot erst nach einem geeigneten Platz zum Landen suchen musste. Währenddessen interessierte es ihn brennend, warum Kassandra sich in ihrem Zustand diesen Strapazen aussetzte. Er schien es gut mit ihr zu meinen. Kassandra kämpfte sichtlich mit der Übelkeit und antwortete deshalb nur kurz und gepresst.
„Ich hatte den Wunsch schon einige Jahre. Wenn ich es jetzt nicht mache, dann ergibt sich vielleicht keine Gelegenheit mehr.“
Der Mann runzelte ein wenig die Stirn. Später beim Aussteigen hob er sie sanft vom Trittbrett hinunter. Er versprach ihr, sie in drei Stunden von derselben Plattform wieder abzuholen. Der Pilot musste noch Medikamente an eine entlegene Farm fliegen und wollte sie am Rückweg zurück zum Zeltplatz bringen.
„Viel Freude. Auf dass Ihre Wünsche und Erwartungen in Erfüllung gehen.“ Dabei zwinkerte er ihr aufmunternd zu.
Beim Abflug wirbelte der Helikopter noch mehr Staub auf. Diesmal musste Kassandra heftig nach Luft schnappen. Sie nahm einen kräftigen Schluck von ihrer Trinkflasche, das gab ihr wieder ein wenig Kraft. Sie konnte es kaum erwarten, sich in der Gegend umzusehen. Die Übelkeit von vorhin verdrängte sie vollkommen. Es gab Wichtigeres für sie. Aus ihrem Rucksack holte sie eine Karte hervor, die eine grobe Skizze des Geländes enthielt. Das gab Kassandra immerhin einen Überblick.
Die Höhlen von Narwala Gabarnmung waren erst kürzlich von einem Archäologenteam von der Monash Universität in Melbourne wiederentdeckt worden. Sie lagen etwa dreihundert Kilometer von Darwin entfernt. Man hatte die Felsmalereien als die ältesten von Australien bezeichnet. Kassandra hatte begeistert einen wissenschaftlichen Artikel darüber gelesen. Für sie steckte aber noch mehr dahinter. Nachdem sie viele Stunden mit den Aborigines Frauen verbracht und sich mit ihnen verbunden gefühlt hatte, hatte sie herausgefunden, dass sie in den Malereien alte Überlieferungen und die Geschichte des Landes wiederentdecken konnte. Wenn sie ihrer inneren Stimme folgte, dann kam es ihr so vor, als ob sie vor tausenden Jahren selber im Körper einer Aborigines Frau gelebt hätte.
Es herrschte Frühling in Australien zu dieser Zeit. Im Northern Territory war es fast dauernd heiß und schwül. Kassandra wischte sich immer wieder den Schweiß von der Stirn. Ihr Shirt und die lange Umstandshose klebten am Körper. Sie merkte, wie ihr Puls zu rasen begann und eine leichte Panik machte sich in ihr breit. Sie musste dringend einen Schattenplatz finden. Was war nur los mit ihr? Kassandra hielt sich eine Hand vors Gesicht, um sich vor der Sonne zu schützen. Für einen Moment bedauerte sie, dass sie ihre Sonnenbrille im Lager hatte liegen lassen. Ihr Blick wanderte herum und sie entdeckte, kaum hundert Schritte entfernt die Malereien unter einer mächtigen Felsplatte, welche von vielen Steinen, die wie einzelnen Säulen aussahen, gestützt war. Dort fand sie auch den ersehnten Schatten. Selbst die Luft schien etwas kühler zu sein. Sie zückte die Kamera. Die sonst so leichte Reisekamera hing diesmal schwer um ihren Hals. Sie rang nach Atem. Ihre Beine fühlten sich an wie Pudding.
Hatte ihr diese Reise dermaßen zugesetzt? Es kam ihr vor, wie wenn ihrem Körper jegliche Energie fehlte. Kassandra biss die Zähne zusammen und marschierte mit einem enormen Kraftaufwand weiter. Von kleinen Wehwehchen wollte sie sich auf keinen Fall abhalten lassen die Malereien genauer zu studieren.
