Katze - Marco Furgler - E-Book

Katze E-Book

Marco Furgler

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Beschreibung

Zu einer Zeit, als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sich die Frage stellten, ob sie Koch oder Schreinerin, Kaufmann in einer Bank oder Fotografin werden wollen, entdeckte sie ihr Talent, scheiternde Firmen vor dem Konkurs zu retten. Nach einer steilen Karriere zieht sie sich mit ihrem vaterlosen Sohn auf einen Bauernhof zurück, wo die beiden ungestört sind. Eine seltsame Gemütsveränderung bringt die idyllische Zweisamkeit ins Wanken. Zwanzig Jahre später. Der Sohn, namenloser Protagonist und Erzähler, sucht Rat bei einer Katze, seiner persönlichen Psychologin: Er will sich ein für alle Mal von seiner karrierebesessenen Freundin trennen. Während er den Plan ausführt, beginnt er, sich an Ereignisse aus der Kindheit zu erinnern, die ein Licht auf die seltsame Mutter-Sohn-Beziehung werfen und diese – je länger, je mehr – als bedenklich erscheinen lassen. Der Erstling von Marco Furgler ist kurz, aber intensiv – zugänglich, und doch rätselhaft und äußerst vielschichtig. Nicht zuletzt handelt er von der Einsamkeit, dem Verstandenwerden und dem Verlust einer Liebe, die es im Leben nur ein Mal gibt.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Über das Buch

Zu einer Zeit, als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sich die Frage stellten, ob sie Koch oder Schreinerin, Kaufmann in einer Bank oder Fotografin werden wollen, entdeckte sie ihr Talent, scheiternde Firmen vor dem Konkurs zu retten. Nach einer steilen Karriere zieht sie sich mit ihrem vaterlosen Sohn auf einen Bauernhof zurück, wo die beiden ungestört sind. Eine seltsame Gemütsveränderung bringt die idyllische Zweisamkeit ins Wanken.

Zwanzig Jahre später. Der Sohn, namenloser Protagonist und Erzähler, sucht Rat bei einer Katze, seiner persönlichen Psychologin: Er will sich ein für alle Mal von seiner karrierebesessenen Freundin trennen. Während er den Plan ausführt, beginnt er, sich an Ereignisse aus der Kindheit zu erinnern, die ein Licht auf die seltsame Mutter-Sohn-Beziehung werfen und diese – je länger, je mehr – als bedenklich erscheinen lassen.

Der Erstling von Marco Furgler ist kurz, aber intensiv – zugänglich, und doch rätselhaft und äußerst vielschichtig. Nicht zuletzt handelt er von der Einsamkeit, dem Verstandenwerden und dem Verlust einer Liebe, die es im Leben nur ein Mal gibt.

Impressum

Erstausgabe 2022 Erschienen im Selbstverlag & veröffentlicht über tolino media.

 

© 2022 Marco Furgler, St. Gallen, Schweiz Alle Rechte vorbehalten.

Coverbild © 2022 Marco Furgler unter Verwendung der Fotografie crazy portrait of girl with mental disorders and split personality. Black and white with added grain and motion blur © alexkoral/stock.adobe.com (Adobe Stock-Lizenz)

 

Lektorat Patrick Schär, Torat GmbH, Zürich (www.torat.ch)

Satz Marco Furgler unter Verwendung der Schriftart Libre Baskerville © 2012 Pablo Impallari & Rodrigo Fuenzalida (SIL Open Font License v1.1)

Cover & E-Book Marco Furgler

 

♥ to Open Source SoftwareLibreOffice, Krita, Scribus, Sigil, Atom & EPUBCheck.

 

ISBN Taschenbuch:   978-3-7546-3474-5

Marco Furgler

Katze

Roman

mf.

für all die einsamen da draußen

1.

»Du solltest es doch schon längst selber wissen, mein Lieber«, sprach sie mit ihrer milden, schnurrenden Stimme. »Wenn du so reagierst, dann ist das für gewöhnlich ein Zeichen dafür, dass sie dich wieder einmal enttäuscht hat.«

In rastlose Gedanken versunken lief ich in der Küche hin und her. Dann blieb ich stehen und kratzte mich erregt am Kinn, sodass sich die Schuppen aus meinem trockenen Dreitagebart lösten und in der Luft verteilten.

»Wie recht du doch hast«, sagte ich. Die psychologische Analyse der Katze ergab durchaus Sinn. »Dieses ewige Auf und Ab mit ihr … Ich sollte aufhören, mir etwas vorzumachen. Ja, vielleicht sollte ich sogar mit ihr Schluss machen, ein für alle Mal.«

Und im selben Moment, wie vom Blitz getroffen, schoss ich hinaus aus dem Raum, fest entschlossen, sie sogleich im Büro anzurufen.

»Halt!«, rief die Katze mir nach. »Halt doch! Nicht so schnell! Nur keine voreiligen Schlüsse ziehen! …«

Das Ende hatte ich schon fast nicht mehr gehört, denn ihr klägliches Krächzen verhallte in der Leere des Hauses.

Ich nahm den Hörer in die Hand, kramte das Visitenkärtchen meiner Freundin hervor, wählte die Nummer und hielt den Zeigefinger bereits auf die letzte Taste gedrückt, die den schicksalhaften Anruf beim Loslassen einleiten würde, als mich plötzlich eine innere Ruhe überkam, die mein Handeln unterbrach – eine Einsicht, die den Schwall meiner Emotionen und Gedanken für kurze Zeit zum Stocken brachte.

Ich legte den Hörer auf und kehrte zurück in die Küche. Die Katze lag unverändert auf dem Tisch. Ich fasste den Entschluss, sie einen Moment lang zu ignorieren.

»Verzeih mir bitte«, hörte ich ihr Schnurren in meinem Rücken, »aber ich kann mir den Kommentar einfach nicht verkneifen. Du bist von ihr enttäuscht, ja, daran besteht nicht der geringste Zweifel. Doch habe ich gleichzeitig auch den starken Eindruck, dass du von jemand anderem ebenso sehr, wenn nicht gar noch tiefer, enttäuscht bist, und …«

»Und wer, bitte schön, wer?! …«, fiel ich ihr ins Wort, »wer sollte das deiner Meinung nach sein?!«

Ihre Feststellung verdutzte mich, beängstigte mich aber zugleich, schien sie doch irgendwie sehr zutreffend zu sein. Wen konnte sie bloß damit meinen?

»Du bist wütend. Bedenke stets deine eigenen hohen Erwartungen«, zischte sie.

Ich drehte mich zu ihr um und stützte mich auf der Rückenlehne des Stuhls ab, der zwischen uns vor dem Küchentisch stand. Dann sah ich der Katze tief ins Gesicht, doch sie rührte sich nicht mehr. Nicht einmal auf ihren langen silbernen Schnurrhaaren war ein Zucken zu erkennen.

Ich sagte: »Du meinst doch nicht etwa … Meinst du … du meinst … Ha! – Meinst du etwa mich? …«

Die Katze schwieg, und da traf es mich plötzlich wie ein Schlag.

»Sag mal«, wollte ich wissen, »träume ich gerade, oder haben wir schon immer zueinander gesprochen?«

Ich suchte in ihrem starren, aber wundervollen Blick einen Hinweis.

»Du bist ein Scherzkeks!«, rief sie plötzlich aus. Dabei machte sie eine ruckartige Bewegung mit dem Kopf und streckte die Nase in die Luft. »Seit über einer Stunde schon beklagst du dich über den gestrigen Abend, den Tränen nahe – leugne es nicht, ich seh’s dir ja an –, vom ersten Abend mit ihr seit Langem, und auf einmal stellst du mir solch eine erniedrigende Frage!«

»Spiel jetzt nicht die Beleidigte!«, fuhr ich auf. »Es war doch bloß eine harmlose und gerechtfertigte Frage.«

Wieder schwieg sie, ohne mir eine befriedigende Antwort gegeben zu haben. Ich wiederholte: »Du glaubst also, ich enttäusche mich selbst? …«, und da sie noch immer still blieb, deutete ich ihr Schweigen zunächst als ein klares Ja.

Voller Schamgefühl, als hätte mich soeben eine Hauskatze auf frischer Tat ertappt, wandte ich mich wieder von ihr ab. Ich stellte mich in die Mitte des langen Raumes und spürte, dass er mir – bis auf ein einziges Mal in einer fern zurückliegenden Zeit – noch nie so blau und so leer, ja so kalt vorgekommen war.

2.

Denke ich an meine Kindheit zurück, so denke ich unweigerlich an meine Mutter. Ich würde sie als eine starke Frau bezeichnen, fantasievoll und abenteuerlustig bis in die Knochen – doch ich erinnere mich genau an einen Abend, als ich sie zum ersten Mal in einem seltsamen Zustand angetroffen habe.

Golden funkelte das Licht der Abendsonne durch die gelben Blätter der Kastanienbäume, die den schmalen, langen Pfad von der Schule nach Hause säumten. Wie immer ging ich diesen Weg allein. Wir wohnten zu zweit und vom Dorf etwas abgelegen auf einem kleinen Hof, den meine Mutter ausschließlich für unseren Eigenbedarf bewirtschaftete. Es war früh im Herbst, und das Schuljahr hatte vor nicht allzu langer Zeit erst wieder begonnen.

Nach Unterrichtsschluss hatte sich etwas Besonderes zugetragen, wovon ich meiner Mutter unbedingt berichten wollte. Ich war deshalb spät dran und in Eile.

Ich stampfte über die Blätter, die am Boden lagen, hörte sie rascheln und den Kies unter meinen Schritten knirschen, und ich genoss jeden Atemzug, genoss jeden warmen Sonnenstrahl, der sich auf mein zartes, kindliches Gesicht legte, als ich, so gut ich konnte, den Hügel hinaufrannte.

»Mama! Mama!«, rief ich ungeduldig und außer Atem, kaum hatte ich die Haustür aufgestoßen. Es war düster im Eingangsbereich. Als ich meine Mutter von nirgendwo antworten hörte, ging ich sie draußen bei den Hühnern suchen. Und als ich sie auch dort nicht fand, suchte ich sie bei den Hasen, dann bei der Kuh.

Ich kraulte den Hund, der ruhig auf der Wiese döste, am Hals, und zum Dank leckte er mir mit seiner sanften Zunge die Hand sauber.

»Mama!«, rief ich noch einmal in die Welt hinaus, die hier oben nur aus Wiesen und Bäumen, aus Himmel und Wolken bestand. Es wurde schon langsam dunkel, und ein leichter Wind kam auf. Ich näherte mich dem Haus von hinten, von wo eine blutrote Tür direkt in die Küche führte. Vorsichtig stieß ich diese auf.

»Mama? …«, fragte ich zögerlich und leise in den schummrigen Raum hinein. Alle Fensterläden waren geschlossen, bis auf einen. Ein kleines Fenster am andern Ende der langen Küche stand sperrangelweit offen, und durch dieses Fenster strömte der Wind herein und mit ihm das restliche Licht der untergehenden Sonne. Staub flimmerte mir vor den Augen und kitzelte mich in der Nase, als hätte man dieses Zimmer schon seit Ewigkeiten nicht mehr geputzt.

Ich betrat die Küche und machte die Tür hinter mir zu. Das Einrasten der Türklinke klang in dieser Stille wie ein eiserner Hammerschlag. Ich blieb stehen.

Langsam gewöhnten sich meine Augen an die düsteren Lichtverhältnisse. Jetzt erkannte ich eine Gestalt. Sie saß, mit dem Rücken mir zugewandt, auf einem der hölzernen Stühle am großen, leeren Küchentisch, leicht nach vorn gebeugt, und von hinten sah es so aus, als hingen ihre langen, ungepflegten Haare von allen Seiten ihres Kopfes herunter und berührten den Tisch.

»Mama«, sagte ich. Doch meine Mutter reagierte nicht.

Meine Hände wurden feucht. In meiner Brust spürte ich eine Enge, und ich fühlte mein Herz gegen die Rippen schlagen, schneller und immer schneller, während meine Beine zuerst surrten und schließlich zu zittern begannen. Ich musste einmal leer schlucken und so tief es mir gelang Luft holen, um meine rasenden Gedanken einzufangen.

Sie ist tot, dachte ich. Nun ist also der Moment gekommen, den ich schon oft gefürchtet hatte. Immer hatte ich mir vorgestellt, ich käme eines Tages von der Schule nach Hause und meine Mutter sei nicht da, sei kurz mit dem Fahrrad ins Dorf einkaufen gegangen, wie üblich in hohem Tempo die steile Straße hinuntersausend, und ich sah sie in meinen Gedanken in der scharfen Kurve am Boden liegen, ein Teich aus Blut um ihren Kopf, die Haare nass und die weiße Bluse rot, der graue Mercedes daneben aber praktisch unversehrt, der junge Fahrer blass im Gesicht wie ein alter Mann, auf den Knien, mit den Händen in ihrem Blut und am Kopf meiner Mutter, und um beide herum ein großer Kreis von Schaulustigen …

Manchmal hatte ich beim Nachhausespazieren auch die Befürchtung, meine Mutter könnte beim Kirschenpflücken von der Leiter gefallen sein und sich schwer verletzt haben, und ich stellte mir vor, wie sie in der Wiese lag – der Korb, den sie an ihren Bauch gegurtet hatte, ausgeleert; die dunkelroten Kirschen überall auf ihrem Körper und im Gras verteilt; der Hund an ihrer Seite ihr bleiches, starres Gesicht leckend, ihre Nase, ihre blauen toten Lippen, ihre großen grünen Augen.

Dass ich sie jedoch in der Küche vorfinden würde, einfach so am Küchentisch sitzend – ruhig, still, beinah friedlich gestorben –, das hätte ich nie für möglich gehalten, das konnte sich meine kindliche Fantasie nicht ausmalen.

»Eines Tages wirst du ganz alleine sein«, hatte sie mir einst gesagt. »Vielleicht kannst du mich dann verstehen.«

Ihre Worte stiegen beklemmend aus meiner Erinnerung auf.

»Ach! Wenn es mir doch bloß möglich wäre, dich loszulassen …«

Ich muss gestehen: Als ich sie so sah, einsam eingeschlafen an diesem Tisch, da war ich zwar erschrocken – traurig aber fühlte ich mich nicht. Ich hatte Angst davor, was kommen würde, und konnte mir nicht vorstellen, dass meine Mutter von nun an nicht mehr da sein würde.

Vorsichtig näherte ich mich ihr, und ich streckte meine linke Hand nach ihr aus. Doch ehe ich ihren Rücken spürte, machte ich ein, zwei Schritte nach rechts, um sie von der Seite zu betrachten. Ihr Gesäß berührte die Rückenlehne des Stuhls, ihr Oberkörper sah krumm und bucklig aus, die zerzausten Haare verdeckten ihr Gesicht.

Ich bückte mich, um sie unter diesem Vorhang hindurch sehen zu können. Sie hatte die Ellbogen weit auseinander auf das dunkle Holz gestemmt, hielt ihre Hände wie zum Beten gefaltet und ihr Kinn darauf abgestützt. Als ich ihre Haare mit der Hand etwas zur Seite schob, sah ich ihre blasse Stirn und die grünen, weit aufgerissenen Augen, die starr irgendwohin in die Ferne blickten.

Das kleine Fenster hing wie ein rot leuchtendes Gemälde an der Wand. Die letzten Strahlen kämpften sich am Horizont über die Hügel und brannten leise in den Augen meiner Mutter weiter.

Ich umarmte sie vorsichtig an ihrer Taille, so gut dies ging, und schmiegte meinen Kopf an ihre Rippen. Erst jetzt bemerkte ich, dass sie noch atmete, spürte das Auf und Ab ihres Brustkorbs bei jedem ihrer tiefen, aber kaum wahrnehmbaren Atemzüge.

Sie lebte! Meine Mutter war nicht tot, ja, sie war nicht tot, sie lebte!

»Mama!«, kreischte ich vor Aufregung, und mir kullerten Tränen über das Gesicht. Ich drückte sie, so fest ich nur konnte. Meine Mutter aber fühlte sich an wie eine schwere, kalte Statue aus Stein.

Die Sonne war jetzt untergegangen, und die Küche hatte sich in ein kühles Abendlicht gekleidet. Obschon ich meine Mutter bei mir wusste, fühlte ich zum ersten Mal diese Leere und Einsamkeit in mir auftauchen, von irgendwo ganz tief drin, doch ich konnte sie noch nicht richtig deuten.

Für einen kurzen Moment erwachte sie aus ihrer Starre und stieß mich mit einer heftigen Armbewegung von sich ab. Ich landete mit dem Hintern auf dem Boden und begann zu weinen.

Als ich wieder aufgestanden war und mir die Tränen aus dem Gesicht gewischt hatte, schaute ich mich um. Obwohl ich meine Mutter deutlich vor mir sitzen sah, kam es mir vor, als sei niemand hier. Ich fror am ganzen Körper.

3.

Ich überlegte eine Weile. Es herrschte beinah Stille in der Küche. Das Ticken der Wanduhr, die dem Sonnenstand nach zu urteilen eine falsche Uhrzeit anzeigte, und das Surren des Kühlschranks machten mich nervös.

»Ich werde mit Jenny Schluss machen«, sagte ich. »Es bringt nichts. Es bringt einfach nichts.«

»Wie du meinst«, sagte die Katze, jetzt plötzlich in einem überraschend gleichgültigen Tonfall.

»Und versuche diesmal nicht, mich davon abzuhalten!«, fügte ich rasch hinzu, ehe ihre oberflächliche Gleichgültigkeit wieder verschwinden konnte.

War das ein Nicken gewesen?

»Du willst mir also nach wie vor nicht verraten, was gestern Abend vorgefallen ist?«

»Nein«, sagte ich.

Nun sah sie mich mit einem prüfenden Blick an.

»Deiner Reaktion nach kann es keins der üblichen ›Ich liebe dich ja, mein Schatz, das weißt du doch … aber ich bin mir einfach nicht sicher, ob du mir alles bieten kannst, was ich von einem Mann brauche‹ sein.«

»Mach dich nicht über mich lustig. Das hat sie wirklich so gesagt, Wort für Wort, und zwar genau in diesem Tonfall.«

»Ich verstehe.«

Ich ließ die Katze in der Küche zurück und holte den Autoschlüssel. Von der Treppe aus rief ich ihr zu: »Ich gehe jetzt. Vielleicht werde ich dir ein andermal von gestern Abend erzählen. Bei einem Glas Wein, versteht sich, wie immer – aber bestimmt nicht heute, auf keinen Fall heute. Heute ist in allen Belangen ein überaus schlechter Tag. Ich bin noch nicht einmal dazu gekommen, etwas Anständiges zu essen. Mir ist, als hätte ich mich ausschließlich von Kaffee und Zigaretten ernährt.«

»Wohin gehst du?«, miaute sie laut aus der Küche.

»Ich werde es ihr persönlich sagen … nicht am Telefon, wie ich das ursprünglich vorhatte. Ich sehe ja ein, dass sich so ein Verhalten für einen erwachsenen Mann nicht gehört.«

»Gut«, miaute die Katze weiter, »aber willst du nicht noch etwas warten? Sie ist doch bestimmt bei der Arbeit.«

»Mag sein«, sagte ich leise vor mich hin – so leise, dass es die Katze trotz ihrer guten Ohren wohl kaum mehr hören konnte.

---ENDE DER LESEPROBE---