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Berlin 1970: Ricky glaubt, das neue Jahrzehnt könnte ungemütlicher werden als das letzte. Wie soll man den Herausforderungen der Siebzigerjahre begegnen? Die Protagonisten von "Kein Bleiben in der Bleibtreustraße" geben darauf unterschiedliche Antworten: Ricky will wieder in einer Band spielen, denn das neue Jahrzehnt braucht neue Rockmusik. Lou findet es wichtig, sich makrobiotisch zu ernähren und mehr zu meditieren. Max fälscht Bilder des Malers Max Pechstein, weil er meint, es gäbe zu wenige davon. Bommi will die Verhältnisse ändern und raubt Banken aus.
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Seitenzahl: 251
Veröffentlichungsjahr: 2023
Joachim Burdack
Kein Bleiben in der Bleibtreustraße
Ricky zwischen Rock und Rebellion
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
1. Als Lou und Ricky sich trafen
2. Ricky und Lou beim Woodstock an der Ostsee
3. Max: Die Kindheit eines Kunstfälschers
4. Randale in der Teestube
5, Mit Dr. Caligari in der Dachluke
6. Pechstein, Ricky, Max und die Kunst
7. Max in der FDJ-Jugendhochschule am Bogensee
8. Damentausch
9. Louisas Mutter und der Kreisel
10. Marion, Bommi und der Bankraub in Hermsdorf
11. Showdown
12. Free Expression im Quartier Latin
13. Bommi steigt aus
14. Gartenparty
15. Nachts im Brücke-Museum
Epilog
Literatur und Quellen (Auswahl)
Impressum neobooks
Berlin 1970
Die Mauer steht seit nahezu einem Jahrzehnt und ist undurchlässiger denn je. Für Ricky Herzog war es einfacher, nach Amerika zu reisen als nach Ost-Berlin. Im letzten Jahr hatte er Berlin verlassen, um in den USA zu studieren. Nach zwölf Monaten Abwesenheit war er nun zurückgekehrt. Bei aller Freude, seine Freunde wiederzusehen und mit ihnen lange Abende in Berliner Kneipen zu verbringen, fand er, dass es nicht mehr so war wie früher. Er hatte das Gefühl, dass die Leichtigkeit und der Optimismus der Sechzigerjahre sich verflüchtigt hätten. War es die Stadt, die sich gewandelt hatte, oder lag es an ihm?
»Es liegt an dir«, bemerkte sein Freund Max trocken. »Du hast ein anderes Land kennengelernt, eine andere Art zu leben. Das hat deinen Blick auf unsere geschundene Heimatstadt getrübt, aber in Berlin ist es immer gleich: Die Studenten protestieren, die Alten meckern, die Kneipen haben keine Sperrstunde und die Leute trinken Schultheiß oder Berliner Kindl und finden es gut, weil sie nichts anderes kennen.«
»Ich meine doch, dass sich in Berlin einiges verändert hat. Euch Daheimgebliebenen fällt so etwas nicht gleich auf. Aber wenn du eine Weile weg bist, merkst du den Wandel. Jetzt kannst du zum Beispiel überall in der Stadt Drogen kriegen, und viele Leute kiffen. Das war vor einem Jahr noch nicht selbstverständlich. Auch die ganze Berliner Politszene ist nicht mehr wiederzuerkennen. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund, die treibende Kraft der Studentenbewegung, hat sich aufgelöst. Stattdessen gibt es jetzt viele Splittergruppen, die miteinander verfeindet sind. Da habe ich echte Orientierungsprobleme. Und dann sind da noch die ganz Radikalen, die in den Untergrund gehen wollen. Erst haben sie ihren Genossen Andreas Baader aus dem Knast befreit, und jetzt verkünden sie, einen bewaffneten Kampf gegen den Staat beginnen und eine Rote Armee aufbauen zu wollen. Ich glaube, das neue Jahrzehnt könnte ungemütlicher werden als das letzte.«
»Vielleicht brauchst du einfach nur etwas Zeit, um dich wieder an die Berliner Verhältnisse zu gewöhnen«, antwortete Max. »Irgendjemand hat mal gesagt: Berlin ist laut, dreckig und grau - aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können.«
Wie soll man den Herausforderungen der Siebzigerjahre begegnen? Die Protagonisten des Romans geben darauf unterschiedliche Antworten:
Ricky will wieder in einer Band spielen, denn das neue Jahrzehnt braucht neue Rockmusik.
Lou findet es wichtig, sich makrobiotisch zu ernähren und mehr zu meditieren.
Max fälscht Bilder des Malers Max Pechstein, weil er meint, es gäbe zu wenige davon.
Bommi will die Verhältnisse ändern und raubt Banken aus.
Juli 1970
Max kannte in Moabit eine Wohngemeinschaft. Dort wurde am Wochenende gefeiert. Er wusste nicht, aus welchem Anlass, aber das war im Grunde auch egal. Ob Geburtstag, Einzug, Semesterferien oder bestandene Prüfung: Die Gründe für eine Party waren letztlich austauschbar. In einer Berliner WG ließ sich immer etwas feiern. Max fragte Ricky, ob er Lust hätte mitzukommen. Da Ricky nichts vorhatte, willigte er ein.
Er zog sich das Hemd an, das ihm seine Mutter frisch gebügelt hatte. Eine Flasche Lambrusco hatte er auch noch übrig, die nahm er mit. Abends traf er sich mit Max an der Bushaltestelle, und sie fuhren mit der Linie 1 zur Gotzkowsky-Brücke. In wenigen Minuten Fußweg erreichten sie von dort die Jagowstraße. Die Tür des Mietshauses, in dem die WG residierte, war unverschlossen. Rasch stiegen sie die Treppe hinauf, der lauter werdenden Musik folgend. Die Wohnungstür der großen Altbauwohnung im vierten Stock fanden sie angelehnt vor. Ein Pappschild verkündete: Wir feiern! Alle Nachbarn sind eingeladen.
Die meisten Türen in der Wohnung standen offen. Vom Flur gelangte man in das große Berliner Zimmer, das als Gemeinschaftsraum diente. Hier waren die Möbel beiseite geräumt, um Platz zum Tanzen zu schaffen. In der Küche gab es Nudelsalat und Bier. Ricky stellte seinen Rotwein dazu und nahm sich eine Flasche Schultheiß aus dem Kasten.
Noch war nicht viel los, aber gegen zehn Uhr füllten mehr als dreißig Partygäste das Berliner Zimmer. Jemand hatte seine Sammlung neuer Hit-Singles mitgebracht und agierte als DJ. Nun kam Stimmung auf.
Ricky gefiel die entspannte Atmosphäre auf der Fete, aber je weiter der Abend fortschritt, desto mehr langweilte er sich. Er kannte hier niemanden außer Max. Als er gerade in Erwägung zog zu gehen, wurde er von der Seite angesprochen: »Warst du nicht mal Sänger bei den Beat Masters? Ich hab’ früher mal für euch geschwärmt, war ein richtiger Fan. Ich hab‘ immer zu eurer Musik in der Dachluke oder im Pop Inn getanzt. War ‘ne schöne Zeit. Du warst damals ein echt cooler Typ, so im Scheinwerferlicht auf der Bühne, fand ich. Ich hab' sogar ein Autogramm von dir. Ricky heißt du, nicht wahr? Ich bin übrigens die Lou. Eigentlich heiße ich Louisa, aber Lou gefällt mir besser.«
Die hübsche Dunkelhaarige war modisch gekleidet. Sie trug eine Schlaghose, eine weich fallende Bluse im Tunikaschnitt mit Blumenmuster und dazu eine Kette mit bunten Glasperlen.
»Jetzt findest du mich wohl nicht mehr so cool?«, sagte Ricky lächelnd und kramte in seinem Gedächtnis, konnte sich aber nicht an eine Louisa erinnern. Sie muss damals etwa sechzehn Jahre alt gewesen sein. Solch junges Gemüse hatte ihn nicht interessiert. Mit kleinen Mädchen im Minirock, die ihr Haar beim Tanzen wild hin und her warfen, konnte er nichts anfangen. Sweet Little Sixteen, Chuck Berry’s Hymne auf pubertierende Teenager, hatte er immer für pädophilen Schwachsinn gehalten. Ricky stand auf ältere Frauen; so mindestens zwanzig Jahre sollten sie schon sein. Als er jetzt aber sah, wie sich die kleine Louisa entwickelt hatte, wunderte er sich, wie er sie damals übersehen konnte.
»Na ja«, erwiderte Lou und schaute auf Rickys frischgebügeltes Hemd. »Jetzt wirkst du eher, wie soll ich sagen: normal.« Dabei verzog sie ihre Mundwinkel, als hätte sie gerade über Fußpilz oder Mundgeruch gesprochen.
»Nur, weil ich ein sauberes Hemd anhabe, bin ich noch lange kein Spießer«, protestierte Ricky.
Lou rollte mit den Augen und machte eine abwehrende Handbewegung: »Sorry, sorry, ich meine natürlich nicht, dass du jetzt total ätzend aussiehst. Nee, ganz und gar nicht, nur eben nicht mehr so super wie früher auf der Bühne. Alt werden ist eben Scheiße.«
»Dafür siehst du heute wahrscheinlich ausgeflippter aus als damals. Das gleicht sich dann ja irgendwie aus«, entgegnete Ricky, fügte jedoch schnell hinzu: »Der Hippie Look steht dir aber ausgesprochen gut.«
Lou strahlte: »Findest du wirklich? Die Bluse ist traumhaft, nicht wahr? Die habe ich aus Ibiza. Da haben sich viele Hippies niedergelassen, die super Schmuck und Klamotten machen. Ich bin im letzten Jahr den ganzen Sommer dort gewesen. Das war so toll! Nach dem Abitur wollte ich erst mal frei sein. Der ganze Schulstress hat unheimlich genervt, und das miese Wetter in Berlin hat mir den Rest gegeben. Auf Ibiza gab es tolle Partys unter freiem Himmel mit Joints ohne Ende. Da haben nur noch ein paar gute Bands gefehlt. Ihr hättet nach Ibiza kommen sollen, um dort zu spielen.«
»Die Beat Masters gibt es schon lange nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. Außerdem war ich im letzten Sommer nicht in Europa, sondern in Amerika zum Studium.«
»Ist ja Wahnsinn! Da warst du doch bestimmt in Woodstock auf dem Festival. Ich hab‘ gerade den Film gesehen. Ich hätte alles dafür gegeben, in Woodstock dabei zu sein. Erzähl doch mal«, sagte Lou voller Enthusiasmus.
»Ich war nicht in Woodstock«, erwiderte Ricky trocken.
»Also, wenn ich in Amerika gewesen wäre, hätte ich mir das auf keinen Fall entgehen lassen. Da hätte mich niemand von abhalten können. Warum bist du denn nicht nach Woodstock gefahren?«, fragte Lou und schaute Ricky ungläubig mit großen Augen an. Jetzt fiel ihm auf, dass sie ihre Ansagen gern mit expressivem Minenspiel unterstützte. »Sie hätte eine gute Stummfilmschauspielerin abgegeben«, dachte er. »Nur, dass sie für einen Stummfilm zu viel redet.«
Bevor Ricky etwas sagen konnte, wurde - zum wer weiß wievielten Mal - die Platte In the Summertime von Mungo Jerry aufgelegt. Sofort füllte sich die Tanzfläche, und der Geräuschpegel stieg deutlich. Mit einer Geste der Hand signalisierte Ricky seiner Gesprächspartnerin, dass er sie bei dem Krach schlecht verstehen könne und deutete auf den Flur.
Zur Kommunikation ging man bei einer WG-Party am besten in die Küche. Hier war es ruhiger. Einige Leute rauchten und unterhielten sich, andere suchten nach etwas zu essen oder holten sich eine neue Flasche aus dem Bierkasten. Auf dem Küchentisch stand eine halb volle Schüssel mit Nudelsalat, daneben lagen Gabeln. Saubere Teller gab es nicht mehr. Benutzte Teller stapelten sich dagegen im Spülbecken.
Ricky wollte sich Zeit für seine Antwort lassen. Nicht, dass er nicht wusste, was er sagen wollte. Das war nicht das Problem. Es ging darum, den richtigen Ton zu treffen. Er hatte die Frage nach Woodstock inzwischen so oft gestellt bekommen, dass sie ihn nervte. Seine Freunde verstanden nicht, warum er, Ricky Herzog, ehemaliger Sänger der Beat Masters, einer bekannten Berliner Amateurband, nicht zu dem Rockmusikfestival gepilgert war, um all die großen Stars live auf der Bühne zu sehen: Santana, die Who, Joe Cocker und vor allem Jimi Hendrix. Wie hatte er sich das entgehen lassen können? Rickys Standardantwort bestand aus einer mit der Zeit immer missmutiger artikulierten Gegenfrage: »Würdest du denn für ein Beat-Konzert von Berlin nach Madrid oder Moskau fahren? Soweit hätte ich es nämlich von Indiana nach Woodstock gehabt.«
In Berlin hatte man keine Vorstellung von der Größe der USA. Wie sollte man Menschen, die eingemauert auf einer kleinen Insel lebten, auch die Entfernungen in Nordamerika vermitteln? Auf keinen Fall wollte Ricky aber die hübsche Lou durch eine übellaunige Bemerkung verschrecken. So wartete er, bis er ein leicht gequält wirkendes Lächeln zustande brachte und sagte dann in sanftem Ton: »Ach, weißt du, das war natürlich schade, aber ich war ja gerade erst in Amerika angekommen und kannte niemanden. Außerdem hatte ich ehrlich gesagt genug damit zu tun, mich auf dem Campus an der Uni zurechtzufinden. Ohne ein eigenes Auto hätte ich ohnehin nicht gewusst, wie ich nach Woodstock kommen sollte.«
»Irgendwie wäre es schon gegangen«, hakte Lou nach. »Also ich wäre zur Not auch getrampt«.
»Später habe ich an der Uni in Bloomington Steve aus New York kennengelernt, der war in Woodstock dabei. Der fand das Festival gar nicht so toll. Alles soll ziemlich chaotisch gewesen sein: verstopfte Straßen, zu wenig zu essen, kaum Sanitäranlagen und mieses Wetter mit Regen und Schlamm. Nicht mal genug Dope hat es gegeben. Die Musik hat er nur am Rande mitbekommen. In den Zeitungen stand, dass die Leute nur mit viel Glück einer Katastrophe entgangen sind.«
»Ich sehe schon, du bist eine echte Spaßbremse geworden«, sagte Lou und verzog das Gesicht. »Im Film kommt das ganz anders rüber: eine tolle Atmosphäre mit super Musik!«
»Dass es im Film besser aussieht, stimmt. Als der Streifen zu Ostern in die Kinos in Amerika kam, haben die Leute auch plötzlich anders über Woodstock geredet. Alle haben Steve nun beneidet und der hat gern mitgespielt, hat erzählt, wie toll die Stimmung war: eine einmalige spirituelle Erfahrung, welche Leute, die nicht dabei waren, gar nicht nachvollziehen könnten.«
»Jedenfalls ist Woodstock das Einzige, was mich an Amerika interessiert hätte. Na ja, vielleicht noch New York und San Francisco, aber sonst finde ich Amerika doof!«, fiel ihm Lou ins Wort.
»Mir hat es dort gefallen«, entgegnete Ricky. »Die Leute sind aufgeschlossen, die Uni war gut und in den Bars hast du während der Happy Hour zwei Drinks für den Preis von einem bekommen. Im Übrigen kommen die Spitzenbands aus Woodstock sowieso bald nach Berlin. Ich habe gehört, dass Jimi Hendrix, Ten Years After und Canned Heat im September in der Waldbühne spielen. Da gehe ich bestimmt hin. Du kannst ja mitkommen.«
»Das ist doch nicht das gleiche«, sagte Lou trotzig. »Das ist doch ein Unterschied wie Raubtiere in freier Wildbahn zu erleben oder Löwen im Zoo anzuschauen.«
Ehe Ricky sie fragen konnte, wie sie das meinte, tauchte Lous Freundin auf, die nach Hause wollte. Lou drückte ihm zum Abschied einen Zettel mit ihrer Telefonnummer in die Hand und sagte: »Melde dich. Bis bald!«
Ricky rief gleich am nächsten Tag an, und die beiden verabredeten sich im Go-In, einem Folkloreclub in der Bleibtreustraße in Charlottenburg. Ricky wartete vor dem Eingang. Dabei hatte er ein mulmiges Gefühl. Nur wenige Meter von hier war es vor einigen Wochen zu einer Schießerei zwischen zwei Banden gekommen. Es ging um Drogen und Prostitution. Einige Einschusslöcher waren in den Häuserfassaden noch zu sehen. Seitdem nannte man die Bleibtreustraße auch Bleistreustraße. Lou kam beinahe pünktlich und riss Ricky aus seinen Gedanken. Sie fanden zwei freie Plätze in dem kleinen Lokal. Eine Nachwuchskünstlerin sang gerade Donna, Donna und weitere traurige Lieder von Donovan und Joan Baez.
In der Pause erzählte Lou von sich. Sie hatte im letzten Jahr Abitur gemacht. Als Belohnung spendierte ihr ihre Mutter den Sommer auf Ibiza. Im Herbst hatte sie dann ein Architekturstudium an der TU begonnen. Das wäre so eine Art Familientradition, sagte sie. Ihre Eltern sind beide Architekten. Sie wären aber schon lange geschieden. Lou ist bei der Mutter in Berlin aufgewachsen. Ihren Vater sieht sie selten. Der arbeitet viel im Ausland.
Irgendwann gingen Ricky die Folksongs mit Klampfen-Begleitung auf die Nerven und auch Lou war es hier zu ruhig.
»Komm, lass uns lieber in eine Disco gehen«, schlug sie vor. »Irgendwohin, wo sie James Brown und Soul Music spielen.«
Ricky fiel das Big Eden am Kurfürstendamm ein. Gleich machten sie sich auf den Weg. Dort gefiel es Lou besser. Als sie die Disco Stunden später wieder verließen, war es schon weit nach Mitternacht. Ricky fragte Lou, ob sie mit zu ihm käme.
»Nur, wenn du mir deine Briefmarkensammlung zeigst«, antwortete sie mit Unschuldsmiene.
»Was ist, wenn ich keine Briefmarken habe?«
»Dann müssen wir uns etwas anderes ausdenken«, entgegnete Lou und gab ihm einen Kuss.
Da keine Busse mehr fuhren, gingen sie zu Fuß zu Rickys Wohnung. Das machte ihnen aber nichts aus, die laue Sommernacht war angenehm. Hand in Hand schlenderten sie durch das nächtliche Charlottenburg. Ricky wohnte seit seiner Rückkehr aus Amerika wieder zur Untermiete in der Wohnung seiner Cousine in der Schillerstraße. Cousine Evi war jedoch nur selten in Berlin. Bis auf Weiteres hatte Ricky die Wohnung für sich allein. Für alle Fälle hatte er vormittags aufgeräumt, sodass sein Zimmer einen ordentlichen Eindruck machte. Lou setzte sich auf das Sofa. Ricky hatte noch eine Flasche Cognac, die er zollfrei im Intershop im S-Bahnhof Friedrichstraße gekauft hatte. Dazu holte er zwei Gläser aus der Küche.
»Ich möchte lieber was rauchen«, sagte Lou. »Ein kleiner Joint wäre jetzt genau das richtige.«
Sie öffnete ihre Handtasche und fand darin Zigarettenpapier und einen kleinen Beutel mit Haschisch.
»Ich glaube, ich habe die passende Musik für uns. Du bist doch ein Ibizafan. Kennst du den Film More?«, fragte Ricky.
»Der Titel sagt mir nichts. Worum geht es in dem Film?«, antwortete Lou, während sie das Zigarettenpapier mit der Zunge befeuchtete.
»Um einen Mann und eine Frau und um Liebe und Drogen auf Ibiza.«
»Ist der Film gut?«
»Nein, nicht besonders. Es ist bestimmt schön, auf Ibiza in der Sonne zu liegen und Haschisch zu rauchen, aber Leuten im Film dabei zuzugucken, wie sie auf Ibiza in er Sonne liegen und Haschisch rauchen, ist langweilig. Nur die Filmmusik von Pink Floyd ist gut. Ich habe die LP.«
Ricky holte die Platte aus dem Cover und legte sie auf.
»Gibt es wenigstens ein Happy End?«, wollte Lou wissen.
»Nein, der Mann krepiert zum Schluss an einer Überdosis Heroin.«
»Ja, das ist Teufelszeug. Davon sollte man die Finger lassen. Aber von einem bisschen Haschisch ist noch keiner gestorben. Ich pass‘ schon auf dich auf«, sagte Lou und reichte Ricky den angezündeten Joint. Schweigend nahmen sie ein paar Züge und lauschten der Musik. Lou legte ihren Kopf auf Rickys Schulter.
Ricky merkte, wie ihm die Augen schwer wurden. Es war ein langer Tag. Dope machte ihn immer müde. Das Letzte, was er hörte, war der Refrain von High Time Cymbaline, dann versank er in einen tiefen Schlaf.
Als er am späten Vormittag aufwachte, lag er halb angezogen auf seinem Bett. Er konnte sich nicht mehr erinnern, wie er dort hingekommen war. In der Wohnung war es still. Keine Spur von Lou. Ein Zettel lag auf dem Küchentisch:
Guten Morgen, Schlafmütze! Ich muss am Vormittag noch was Dringendes erledigen und lasse dich deshalb ausschlafen. Komm doch heute Abend zu mir, wenn du Zeit hast: Bartningallee 5, U-Bahnhof Hansaplatz, gleich beim Bellevue Kino. An der Haustür bei ‚Postel‘ klingeln. Ich wohne im 12. Stock. Nimm den Aufzug, damit du nicht gleich wieder müde wirst. Lou
Ricky stutzte etwas, als er die Adresse las. Im Hansaviertel wohnten normalerweise keine Studenten. Das Hochhausviertel hatten renommierte Architekten in den Fünfzigerjahren entworfen. Die Mieten waren in den schicken Wohnungen viel zu teuer, und an die wenigen Sozialwohnungen kam man nicht ohne Weiteres heran.
Gegen achtzehn Uhr machte sich Ricky auf den Weg und fuhr mit der U-Bahn zum Hansaplatz. Das Haus Bartningallee 5 war ein siebzehngeschossiges Hochhaus. Ein italienischer Stararchitekt hatte dieses Punkthaus mit 131 Wohnungen entworfen. Ricky brauchte eine Weile, um am großen Klingelbrett den richtigen Namen zu finden. Dann nahm er den Fahrstuhl zum zwölften Stock. Lou wartete bereits an der Wohnungstür und umarmte ihn zur Begrüßung. Ihr Appartement war klein, aber schick: ein großes Wohn- und Schlafzimmer, dazu Bad und eine Kochnische. Sogar einen Balkon gab es. Die Einrichtung war modern im skandinavischen Stil gehalten.
Ricky dachte beim Anblick der Holzmöbel unwillkürlich an den Song Norwegian Wood von den Beatles und hoffte, dass der Abend nicht so enden würde: Im Lied musste der Mann nachts in der Badewanne schlafen.
»Ist was? Du schaust so nachdenklich«, fragte Lou.
»Ach, ich bin nur von der Einrichtung beeindruckt«, antwortete Ricky lächelnd.
»Das Appartement gehört meiner Mutter. Aber sie lässt mich hier wohnen. Von hier habe ich es nicht so weit zur TU. Komm, wir setzen uns raus.«
Auf dem Balkon war gerade genug Platz für zwei Klappstühle und einen kleinen Tisch. Auf dem Tischchen stand eine große Glaskaraffe, die mit einer rosafarbenen Flüssigkeit gefüllt war. Darin schwammen Eiswürfel und Orangenscheiben.
»Ich habe Sangria gemacht«, sagte Lou. »Die haben wir immer auf Ibiza getrunken.«
Ricky goss sich ein Glas ein. Die Sangria schmeckte süß, passte aber zum warmen Sommerabend. Vom Balkon blickte man auf das nächste Hochhaus gegenüber. Schaute man jedoch etwas nach rechts, hatte man freien Blick auf den Tiergarten und die Siegessäule.
»Schön, dass du da bist«, sagte Lou und schmiegte sich an. »Das mit dem Joint lassen wir heute aber vielleicht mal sein. Ich will nicht, dass du gleich wieder einschläfst.«
Dann verdrehte sie die Augen und lachte los. Ricky nahm sie in den Arm und erstickte ihr Lachen mit einem Kuss.
4.-6. September 1970
In den letzten Wochen hatte Ricky regelmäßig bei Lou im Hansaviertel übernachtet. Vor allem die Sonntage verbrachten sie gemeinsam. Ricky holte dann morgens frische Brötchen und die Wochenendausgabe der Berliner Morgenpost. Heute war es angenehm warm, und sie setzten sich zum Frühstück auf den Balkon. In der Ferne leuchtete die goldene Siegesgöttin auf ihrer Säule im Sonnenlicht. Lou blätterte im Feuilletonteil der Zeitung. Während sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich, sagte sie betont beiläufig: »Hier ist wieder ein Artikel über das große Open Air Festival auf Fehmarn, von dem ich dir erzählt habe. Den musst du unbedingt lesen. Das hört sich ganz toll an. Sie sprechen von einem Woodstock an der Ostsee. Jimi Hendrix und andere Stars treten auf.«
Dann biss sie so herzhaft in ihr Brötchen, dass ein Teil der Erdbeerkonfitüre auf dem Frühstücksteller landete. Ricky las die Lokalnachrichten. Geistesabwesend goss er etwas Dosenmilch in seinen Nescafé und rührte langsam um: »Ja, ich habe gehört, dass einige Bands, die Anfang September nach Berlin kommen, danach irgendwo im Norden auftreten. Aber wir gehen ja zu Jimi Hendrix in die Waldbühne. Das ist natürlich viel bequemer.«
»Bequemer, bequemer«, Lou zog eine Grimasse. »Du findest Rockkonzerte zwar super, aber nur so lange, wie du bequem mit der S- oder U-Bahn hinfahren kannst. Das wirklich aufregende Konzert findet aber nicht in Berlin statt, sondern auf Fehmarn: ein dreitägiges Festival mit Dutzenden Bands und einer riesigen Zuschauermenge. Das ist die einmalige Chance für uns, doch noch so etwas zu erleben wie in Woodstock.«
»Wir haben aber schon Karten für das Konzert in Berlin.«
»Wenn man die Essenz - also den Kern einer Sache - erkannt hat, dann schmelzen alle Hindernisse wie Schnee in der Sonne, erklärt ein buddhistisches Sprichwort. Du hast doch selbst gesagt, dass das Berliner Konzert ausverkauft ist. Da ist es wohl kein Problem, die Karten weiterzuverkaufen, oder?«
»Und wie sollen wir nach Fehmarn kommen? Fährt da überhaupt ein Zug hin?«
»Ich kann mir ein Auto von meiner Mutter borgen. Karten für das Festival gibt es auch noch. Ich habe sogar ein Zelt, in dem wir schlafen können. Das nehmen wir mit - und Schlafsäcke. Ich möchte unheimlich gern auf das Open Air am Meer.«
Langsam schwante Ricky, dass Lou bereits alles in die Wege geleitet hatte.
»Ich stell‘ mir das total romantisch vor«, schwärmte sie mit leuchtenden Augen. »Du bist in der Natur mit Tausenden Gleichgesinnten, über uns wölbt sich der Sternenhimmel. Du spürst die Energie der Gemeinschaft und die Kraft der Erde. Das hat etwas Spirituelles, ja beinahe Kosmisches. Das bringt gutes Karma! Morgens könnten wir in der Ostsee baden, Yoga machen, meditieren und uns nachts im Mondschein lieben.«
Das mit dem Mondschein überzeugte Ricky. Er begann Gefallen an der Idee zu finden. Vor seinem geistigen Auge formte sich das Bild eines entspannten, amourösen Wochenendes mit Lou und guter Musik.
»Warum eigentlich nicht?«, sagte er nach einer kurzen Denkpause. »Wenn du wirklich willst, dann fahren wir eben an die Ostsee.«
»Oh, Ricky, du bist der Beste! Das wird bestimmt super!«
In den folgenden Tagen war Ricky mit Reisevorbereitungen beschäftigt. Tatsächlich hatte er kein Problem, seine Karten für das Berliner Konzert loszuwerden. Sein Freund Jürgen nahm sie ihm gern ab. Dafür besorgte Ricky zwei Tickets für das Love and Peace-Festival auf Fehmarn. Dann lieh er sich einen Schlafsack, kaufte neue Batterien für seine Taschenlampe und einige Packungen Leibniz Keks als Notration. Seine Mutter ermahnte ihn, die Sonnencreme nicht zu vergessen. Mit Lou baute er das Zelt zur Probe im Tiergarten auf. Sie war so begeistert, dass sie am liebsten gleich darin übernachtet hätte.
Am Freitagmorgen sollte es losgehen. In der Nacht hatte es angefangen zu regnen. Ricky wartete wie verabredet vor seinem Haus. Die Nische des Eingangsbereichs bot ihm etwas Schutz. Seinen zusammengerollten Schlafsack und eine Reisetasche mit Wäsche zum Wechseln trug er unter dem Arm. Der Wetterbericht hatte ein regnerisches und für die Jahreszeit zu kühles Wochenende angekündigt. Schnell hatte er daraufhin noch einen warmen Pullover eingepackt. Im Radio hatte er auch gehört, dass das Konzert in der Waldbühne wegen Regen abgesagt worden war. Ideal schien das Wetter für eine Freiluftveranstaltung an der Ostsee auch nicht zu werden, aber immerhin hatten die Organisatoren versichert, das Festival in jedem Fall durchzuführen.
Ricky fand eine angebrochene Packung HB in seiner Jackentasche und zündete sich eine Zigarette an. Er hatte gerade den letzten Zug getan, als ein roter Mini Cooper vor dem Haus hielt. Lou saß am Steuer und winkte ihm zu. Ricky war überrascht. Er hatte nicht erwarte, dass seine Freundin mit einem so schicken Wagen aufkreuzen würde.
»Ich hab‘ den Mini genommen«, sagte Lou. »Den Mercedes wollte mir meine Mutter nicht geben. Ich fahre sowieso lieber mit dem Cooper, der ist sportlicher. Außerdem war er schon vollgetankt.«
Auf der langen Gerade der Heerstraße gab Lou Gas. Sie fuhr sicher, aber für Rickys Geschmack etwas zu flott.
»Wir sind immer noch im Stadtgebiet«, sagte er mahnend.
»Keine Angst, mein Süßer, ich will den Motor nur mal ein bisschen durchblasen«, antwortete Lou lachend. »Wenn ich dir zu schnell fahre, kannst du ja nachkommen. Nach Lauenburg darf man auch mit dem Rad durch den Osten fahren. Vorausgesetzt, du schaffst die 220 Kilometer an einem Tag.«
Die Transitstrecke in Richtung Hamburg war keine Autobahn, sondern nur eine zweispurige ehemalige Reichsstraße. Die Kontrollen in Berlin gingen rasch vonstatten. Sie hatten Glück, dass der Wochenendverkehr noch nicht eingesetzt hatte. Bei Perleberg machten sie Pause. In einer Raststätte aßen sie Bockwurst mit Brötchen und tranken Mitropa-Kaffee. Im Intershop kaufte Ricky sich Zigaretten und eine Flasche Hennessy.
Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen. »Siehst du, es wird ein schönes Wochenende«, sagte Lou. »Schade, dass wir kein Cabrio haben.«
»Ich glaube, dein Optimismus ist etwas übertrieben. Ich fürchte das Einzige, was an diesem Wochenende strahlt, bist du.«
»Man soll immer positiv denken. Wenn du willst, kannst du auch gern mal fahren, aber du musst beim Runterschalten Zwischengas geben, sonst grüßt das Getriebe.«
Ricky war aus Amerika Automatikgetriebe gewohnt und lehnte dankend ab. Als sie die DDR bei Lauenburg verließen, setzte der Regen wieder ein. Je näher sie der Ostsee kamen, desto stürmischer wurde es. Über die Fehmarnsundbrücke erreichten sie schließlich die Insel. Das Festivalgelände lag im Südwesten. Dort stauten sich bereits Hunderte Meter vor dem Eingang Autos. Dann bemerkte Ricky, dass die Ticketkontrolleure Westen mit Totenköpfen über ihren Lederjacken trugen. Offensichtlich hatten die Veranstalter Rocker als Ordnungsdienst angeheuert. Besonders zimperlich gingen sie nicht mit den Besuchern um. Ricky sah, wie mit Gummiknüppeln gedroht oder auch mal gegen ein Auto getreten wurde. Nach einer halben Stunde kamen sie endlich an die Reihe.
»Alles O.K., ihr könnt weiterfahren, aber die Flasche bleibt hier: Alkoholverbot!«, sagte ein Rocker und deutete auf Rickys Cognacflasche auf dem Rücksitz.
»Davon habe ich ja noch nie gehört. Du spinnst wohl. Ich gebe euch doch nicht meinen Hennessy!«, empörte sich Ricky.
»Rück die Flasche raus, du Penner! Sonst kippen wir euer Spielzeugauto um.«
Drei Männer in Lederkluft begannen am Dach des Mini Coopers zu rütteln, der bedenklich schwankte. Lou geriet in Panik: »Jetzt gib ihm schon den blöden Schnaps. Es hat doch keinen Zweck.«
Widerwillig reichte Ricky die Flasche aus dem Fenster. »Aber ich verlange eine Quittung von euch«, sagte er mit Nachdruck.
»Du kannst eine Quittung auf deine Fresse bekommen, du Clown!«, antwortete der Rocker und drohte mit der Faust. »Und jetzt seht zu, dass ihr Land gewinnt. Ihr haltet den ganzen Verkehr auf!«
Ehe Ricky etwas erwidern konnte, war Lou bereits losgefahren. Im Rückspiegel sah er, wie einer der Rocker die Flasche entkorkte.
»Von wegen Love and Peace, das hier gleicht wohl eher einem deutschen Altamont als einem deutschen Woodstock«, bemerkte Ricky.
Er dachte an das Open Air der Rolling Stones bei Altamont in Kalifornien im letzten Dezember. Dort hatte man Hell’s Angels als Ordner verpflichtet. Das Konzert endete im Chaos, als Rocker einen Besucher erstachen.
Über einen Feldweg ging es zum Flügger Strand. Hier, in der Nähe eines Leuchtturms, befand sich das fünfzig Hektar große Festivalgelände. Zum Areal gehörte auch ein Campingplatz, wo sie den Mini Cooper parken und ihr Zelt aufbauen konnten. Als Lou das Auto umsetzen wollte, drehten die Vorderräder im aufgeweichten Boden durch. Der Mini bewegte sich nicht. Ricky gelang es nur mit Mühe und fremder Hilfe, ihn freizubekommen. Danach war seine Hose bis zu den Oberschenkeln durchnässt und verdreckt. Auch das Aufbauen des Zeltes gestaltete sich angesichts der ständigen Windböen schwierig. Bevor alles befestigt war, fiel die Konstruktion zweimal in sich zusammen.
Ricky wechselte seine Hose, dann brachen sie mit einer Decke unter dem Arm in Richtung Bühne auf.
Sie kamen an einem kleinen Versorgungszentrum mit mehreren Buden vorbei, wo man Kaffee, Kaltgetränke und Erbsensuppe mit Würstchen bekommen konnte. Die Würstchen waren allerdings bereits ausverkauft. Ein Stand der Bildzeitung verteilte Gratisplakate. Etwas abseits stand ein Lieferwagen von Beate Uhse, die das Festival finanziell unterstützt hatte. Die Erotik-Unternehmerin war selbst anwesend und verteilte Kondome. Auch Ricky nahm eine Packung mit.
»Bild dir bloß nichts ein«, bemerkte Lou trocken. »Bei der Kälte zieh‘ ich mich nicht aus. Da läuft gar nichts!«
Dann erreichten sie eine kleine, deichartige Erhebung, von der aus sie die Festivalwiese überblicken konnten. Vor ihnen breitete sich eine schier endlose Menschenmenge aus. Viele hatten ihre Zelte gleich hier aufgeschlagen. Ricky hatte den Eindruck, in ein riesiges Heerlager geraten zu sein. Die Bühne war noch ein ganzes Stück entfernt. Zu hören war nur wenig, denn der Wind blies die Musik von den Zuschauern weg. Ricky und Lou gingen weiter nach vorn und fanden einen freien Platz in Bühnennähe. Hier bekam man zwar etwas mehr von der Musik mit, aber Ricky fand den Sound immer noch sehr dünn. Er fragte einen Typen, der neben ihm einen Joint rauchte, wer gerade spielte: »Das ist Burning Red Ivanhoe, die beste Band Dänemarks!«
»Wahrscheinlich muss man bekifft sein, um auf so einen Namen zu kommen«, dachte sich Ricky.
Die Windböen wurden immer heftiger und peitschten den Regen gegen die Bühne. Daraufhin brach die folgende Band ihren Auftritt ab, denn die Sängerin klagte über Stromschläge, die sie über das Mikrofon bekam. Die vorgesehenen Top Acts wie Taste mit Rory Gallagher und Colosseum mit Chris Farlow weigerten sich, unter diesen Bedingungen aufzutreten. Da einige Bands gar nicht erst angereist waren, endete der erste Tag des Festivals vorzeitig. Lou und Ricky gingen zurück zum Zelt. Sie waren froh, als sie sahen, dass es noch stand. Lou zog sich einen Pullover über, ehe sie in ihren Schlafsack kroch.
