Kein Zuckerschlecken - Steffi Bahlo - E-Book

Kein Zuckerschlecken E-Book

Steffi Bahlo

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Beschreibung

Eine Abenteuerreise mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg. Von Rostock, Deutschland nach Santiago de Compostella, Spanien. Freiheit, campen und wertvolle Erlebnisse. Hamburg, Amsterdam, Paris und Brüssel mit dem eigenen Bike durch Europa.

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Seitenzahl: 159

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Steffi Bahlo

Kein Zuckerschlecken

Abenteuergeschichte vom Jakobsweg

© 2023 Steffi Bahlo

ISBN Softcover: 978-3-347-81751-7

ISBN E-Book: 978-3-347-81756-2

Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Vorwort

Für Veränderungen bin ich zu haben und im Jahr 2010 packte ich es an. Ich verabschiedete all die Dinge, die man mir als sichere Bausteine des Lebens, viele Jahre verkaufte und durch die ich geprägt wurde. Für mich hatte eine neue Sichtweise Priorität und das war… „Die Freiheit“!

Ich kündigte meinen sicheren Job in einem Steak Restaurant und all die Versicherungen, die ich mir in den Jahren zuvor auf quatschen ließ waren überflüssig und die Wohnung brauchte ich nun auch nicht mehr. Den Sommer verbrachte ich mal hier und mal da, kam bei Freunden unter oder schlief am Strand. Am 13.09.2010 saß ich im Flieger, auf dem Weg nach Kanada und ab jetzt hieß es die Freiheit auf verschiedene Kontinente genießen, eine kleine selbstorganisierte Rundreise wurde wahr und ist kein Traum mehr.

Nach Kanada bereiste ich noch Australien und Neuseeland. Von Tag zu Tag nahm meine Sucht des Reisens immer mehr zu und das freiheitsliebende Gefühl wurde zu meinem besten Freund. Etwa 6 Monate später saß ich im Flieger, auf dem Rückflug in die Heimat, und vermisste auf einmal das Reisefeeling, obwohl ich noch nicht einmal vertraute Luft geschnuppert hatte. Aus dem Fenster schauend, träumte ich vor mich hin. Meine kurzzeitige Traurigkeit wurde mit neuer Euphorie geweckt, die mit vielen neuen Ideen geschmückt wurde. Eines stand fest, nachdem ich mich die letzten Monate pudel wohl auf den kontrastreichen Kontinenten gefühlt habe, desweiteren den Erdteil Europa näher kennen zu lernen. Wann und wie war noch unklar und spielte in diesem Moment noch keine Rolle, doch dieser wunderbare Gedanke, wieder los zu ziehen, versüßte mir die Freude gleich in Deutschland zu landen und plötzlich freute ich mich riesig über meine Ankunft.

Einleitung

Die total verrückte Pilgerreise genoss ich in vollen Zügen, mit meinem Ehemann Lars Bahlo, den ich gern bei seinem Spitznamen „Babu“ nenne.

Doch bevor es überhaupt soweit war, philosophierten wir Stunden und Tage darüber, wie und wo die nächste Abenteuerreise hin gehen sollte. Unser Gesprächsstoff vermittelte uns, das die nächste längere Reise durch Europa sein wird.

Lars hatte die Idee mit dem Pferd quer über den Kontinent zu galoppieren und meine Idee war es, mit einem ganz kleinen Bus, nur mit dem Nötigsten ausgestattet, quer durch Europa zu fahren. Ich kann euch sagen, durch das philosophieren kommt man auf die außergewöhnlichsten Ideen und eine davon war alles hautnah mit den Fahrrädern zu entdecken. Diese fixe Idee ließ uns nicht mehr los und der Fokus, durch Europa zu reisen, wurde mehr und mehr geschärft.

Wir besorgten uns Kartenmaterial, um schon einmal zu schauen, wie eine Route von Deutschland so aussehen könnte und da wurden wir auf einen ganz besonderen Weg aufmerksam. „Der Jakobsweg“

Es gibt verschiedene Gründe zu pilgern. Die einen gehen diesen Weg nach Santiago de Compostella, zum Grab des heiligen Apostels Jakobus, dann gibt es Menschen, die diesen Weg gehen, weil sie raus wollen, aus dem Alltag ausbrechen und Abstand brauchen, sich nach Ruhe sehnen oder auch um sich selbst zu finden. Wieder Andere suchen das Spirituelle, die Energie an heiligen Orten und die Suche nach göttlichen Zeichen.

Ich pilgerte diesen wundervollen Weg aus Neugier und konnte es kaum erwarten neue Abenteuer zu erleben. Durch die schon erlebten Reisen wusste ich eben auch, welche Kontraste Abwechslung in den Reisealltag bringen. Neugierig bin ich auf die Geschichte der einzelnen Länder und Orte, Traditionen und Kulinarisches und natürlich ganz wichtig für mich die Menschen. Land und Leute kennen zu lernen finde ich unglaublich interessant. Dieser Jakobsweg ist eben auch ein Friedensweg, da können die Nationen aus fernen Ländern noch so weit auseinander driften, eine Gemeinsamkeit verbindet dann alle. Dieser Pfad… Dies alles bestärkte meine Neugier mehr und mehr.

Eine riesige Vorfreude entwickelte sich ganz positiv, denn es stand eine neue interessante Herausforderung an.

Den Jakobsweg von Deutschland nach Spanien zu fahren ist gigantisch und je dichter der Tag heran rückte, umso unruhiger wurde ich und konnte es kaum erwarten endlich auf dem Sattel zu sitzen und eine neue Freiheit der Ferne zu schnuppern.

Im Januar, etwa 3 Monate bevor wir starteten, fingen wir an Nägel mit Köpfen zu machen. Das Zelt wurde gekauft und Stück für Stück erweiterte sich unsere Ausrüstung, die wirklich nur auf das Notwendigste ausgestattet war.

Für uns stand definitiv fest, so günstig wie möglich zu reisen und deshalb entschieden wir uns auch für die Trekking Fahrräder und Packtaschen aus dem Discounter. Bekannt war uns schon, das es keine kurze Strecke war, sondern mehrere tausend Kilometer die wir bewältigen wollen. Daher spielten wir mit dem Gedanken uns hochwertigere Räder zu besorgen. Doch bessere Qualität bedeutet auch mehr Verlockung und Aufmerksamkeit für die Diebe. Etwa 2 Wochen vor der Abreise, nahmen wir die große Paketlieferung entgegen und konnten es in diesem Moment gar nicht fassen. Das sind jetzt also die Fahrräder, die uns nach Santiago de Compostella bringen sollten. Naja, dachten wir, mal sehen wie lange uns diese Bikes treu sein werden.

Wir brachten unsere neuen Errungenschaften in unser Märchenhaus, in den Garten. Denn direkt an unserer Gartenanlage in Rostock, führt der Jakobsweg entlang. So ein Zufall….. Nun war das große Basteln angesagt, jeder für sich stellte das eigene Fahrrad ein, der neue Wegbegleiter für die kommenden Monate.

Probefahrten durch das Gartengelände brachten uns einen winzigen Vorgeschmack auf das Ungewisse. Noch ist es ziemlich kalt draußen, aber davon lassen wir uns nicht aufhalten. Der Frühling und Sommer kommt ganz bestimmt und ich freue mich schon sehr, bin gespannt was mich auf den Pilgerwegen die nächsten geschätzten 3000 Kilometer überrascht. Länder, Leute, Kultur und Kulinarisches kennen zu lernen und mit den Fahrrädern durch die Städte und die Natur zu fahren, alles mit eigenen Kräften zu bewältigen, hat gerade die volle Aufmerk-samkeit erhalten und ist in den Fokus gerückt. Wir werden durch Deutschland, über Holland, Belgien, Frankreich und Spanien radeln, bis wir unser Ziel Santiago de Compostella erreicht haben. Mit der Beantragung eines Pilgerpasses und dem ersten Stempel aus dem Pilgerbüro wurden uns zwei Pässe zugeschickt und von nun an waren wir offizielle Pilger. Auf geht´s!

Anno 2013, ein Jahr zum Pilgern

Guten Morgen…

Bei Sonnenschein öffne ich am 21. April, in den Morgenstunden, meine Augen und schaue Babu an, der mir Lächeln schenkt. Mit einer riesigen Vorfreude genießen wir den vorerst letzten Kaffee und etwas Müsli ganz bewusst in unserem schnuckelig gemütlichen Garten-haus. Es ist eine Oase im Grünen, ein Märchenhaus zum Wohlfühlen, in einer Gartenanlage von Rostock. Dieses Pachtland liegt auf einem Berg und der Blick auf die Stadt lädt zum Träumen ein. Der Frühling ist ganz langsam zu spüren und die Natur ruht noch ein wenig. Doch wenn wir zurück kommen, werden uns eine blumenreiche Pracht und jede Menge hochgewachsene Unkräuter empfangen.

Kaum zu glauben, aber nun ist der Tag gekommen und die Abenteuerreise startet auf einen Sonntag. Still sitzen können wir wegen der großen Aufregung nicht mehr und fangen an zu packen. Jeder für sich packt das eigene Fahrrad, was ohne Chaos nicht möglich ist. Viel zu viel Kleidung und Equipment legen wir uns vor die Packtaschen und merken ganz schnell, dass wir deutlich zu großzügig gedacht haben. Man muss auch dazu sagen, dass es mitten im April ist und wir im Norden dementsprechend sehr kühle Temperaturen haben. Somit darf ein dicker Schlafsack und wärmende Kleidung nicht fehlen und wir sortieren eher die luftigen Kleidungsstücke aus, mit denen wir uns eindecken werden, wenn wir diese auch brauchen. Gut bestückt sind nun unsere Satteltaschen, doch da fällt uns noch etwas ganz Wichtiges ein. Das Zelt, die Plane, unsere Isomatten und die Kochutensilien, wie eine Pfanne, ein Kochtopf, Teller, Tassen und Besteck brauchen auch noch einen Platz. Ich sagte ja, es ist etwas chaotisch und deshalb räumen und packen wir erneut, um alles gut zu verstauen. Das Gewicht der Fahrräder ist deutlich schwerer, woran wir uns wohl gewöhnen müssen. Letztendlich findet alles einen Platz und glücklich duschen wir uns an der Regentonne fix ab. Frisch duftend satteln wir jetzt auf. Das Herz klopft vor Glück und ganz langsam radeln wir durch Rostock, um Stück für Stück für die nächsten Monate Abschied zu nehmen. An der Marien-kirche machen wir unseren ersten Halt, für den ersten selbst organisierten Stempel, für den Pilgerpass. Ganz stolz fahren wir weiter und den einen und anderen Freund und auch Bekannte winken wir zu und sagen: „Auf Wiedersehen“, für die nächsten 3 ½ Monate. Gemischte Gefühle machen sich bemerkbar. Die Freude darüber, dass wir jetzt tatsächlich auf dem Sattel sitzen und zum Anderen ein mulmiges Gefühl, denn der Weg bis nach Santiago ist noch ein sehr langer.

Den zweiten Kaffee trinken wir genüsslich, am anderen Ende der Stadt, in unserem zweiten Garten während der Schlüsselübergabe. Eine Freundin will sich in dieser Zeit, wenn wir unterwegs sind, um diesen Garten kümmern.

Darüber sind wir sehr erfreut, dass wir sie damit sehr glücklich machen können. Über Bad Doberan geht es nun weiter und der Molli, eine historische Dampflok, fährt an uns vorbei. Viele winkende Hände und nach oben zeigende Daumen, entdecken wir in den einzelnen Wagons. Freudestrahlend winken wir zurück und betrachten die Lok in aller Ruhe, denn nicht zu vergessen sind wir seit ein paar Stunden im Urlaub.

Immer besser lernt man das Fahrrad kennen und achtet besonders auf gewisse Geräusche. Ab und zu klackert es und ein schleifendes Gefühl von den Bremsen bringt uns immer wieder dazu, es feiner einzustellen, was sich zu unserer Tagesaufgabe entpuppt. Kilometer für Kilometer stellt sich eine gute gemeinsame Geschwindigkeit ein und wir erreichen am Nachmittag Neubuckow, wo wir von Freunden herzlichst empfangen werden. Der Kaffeetisch steht voller Leckereien, von Kuchen und Keksen bis hin zu Säfte und Obst und wir schlemmen mit einem gesunden Appetit. Am Abend wird noch gegrillt und die Marshmallows werden bei einer gemütlichen Gesprächsrunde am Lagerfeuer geröstet. Das absolute Highlight an diesem Abend kommt erst noch. Unsere Freundin, bei der wir zu Besuch sind, hat die perfekte Idee für die erste Nacht und einen absolut extravaganten Schlafplatz. Als ob sie weiß, das wir auf so etwas total abfahren? Die Nacht verbringen wir nämlich nicht im Zelt, sondern bei ihr im Geschäft, in einem Sockenladen, mitten in der Altstadt von Neubuckow.

Hinten im Lager machen wir es uns gemütlich, zwischen all den bunten Farben und Socken allerlei. Die erste Nacht haben wir es warm, trocken und wirklich speziell. Für diesen Spaß sind wir jederzeit zu haben.

Aufgewacht und mitgelacht… Mit einem schmunzeln voller Glück wache ich gegen 8.15 Uhr auf, meine Augen nehmen bunt gefüllte Regale und den strahlenden Babu wahr, der sich zufrieden an meine Schulter legt. Morgendliches Träumen lässt mich staunen, was man am ersten Tag alles erlebt hat und noch viel hungriger nach Bevorstehendes ist.

Mit dem ersten Pott frisch aufgebrühtem Kaffee schleichen wir durch das Geschäft und neugierige Blicke der Kunden erreichen uns durch die Schaufensterscheibe. Ein super lustiges Frühstück versüßt uns die Zeit und nun machen wir uns auf den Weg, weiter Richtung Grevesmühlen, da die nächste Verabredung auf uns wartet.

Dienstag, 22.04.2013 (10 Grad, bewölkt)

Die Fahrt begleitet mich mit gemischten Gefühlen. Wir verlassen Neubuckow und starten Richtung Wismar. Es geht direkt auf die B105, einer sehr befahrenen Bundesstraße und die Warnweste sowie der Fahrradhelm dürfen auf keinen Fall fehlen, denn wie verrückt überholen uns die Autos und ganz besonders die LKW´s ?

Oh jemineeeee…. Zu genau darf ich mir das Überholmanöver der rasenden Fahrer nicht mit ansehen. Bei diesem Anblick wird mir recht übel, so knapp und scharf, wie mein Babu überholt wird. Optimistisch geht es Meter für Meter weiter, bis wir schließlich in Wismar ankommen. Hier schlendern wir etwas in der Altstadt rum, schieben unsere Fahrräder vor uns hin und stellen fest, das Wismar einen sehr gemütlichen Charme hat. Für Spielereien und Verrücktes sind wir zu haben und mit einer klitzekleinen Shoppingaktion kaufen wir uns glücklich. Eine Trillerpfeife gehört nun zur Ausstattung, da wir der Meinung sind, dieser Ton könnte ein wichtiges Erkennungsmerkmal werden. Denn Worki Torkis oder gar ein Handy haben wir nicht dabei.

Jetzt stehen die letzten 20 km für heute an und diese haben es tatsächlich in sich. Meine Kräfte lassen immer mehr nach, denn irgend-wie haben wir im Reisefieber vergessen Mittag zu essen. Ja, ohne Energie im Körper und dann noch dieser nervige Gegenwind, da kann sich so eine kurze Strecke schon mal in die Länge ziehen. Glücklich bin ich jetzt umso mehr, das Ortseingangsschild von Grevesmühlen zu lesen. Nach 68km…endlich geschafft ;-)

Grevesmühlen, ein kleiner bezaubernder Ort begrüßt uns und wir suchen die Straße, wo unsere erste Verabredung, die wir über Couchsurfing.org, organisierten, auf uns wartet. Couchsurfing ist ein internetbasiertes Gastfreundschaftsnetzwerk, welches global nutzbar ist. Problemlos finden wir die Straße und eine männliche Stimme ruft Steffi und Lars aus einem Fenster und winkend werden wir von Ullrich begrüßt. Was für ein freund-licher und witziger Empfang. Wir freuen uns sehr, und mal wieder wird uns bestätigt, das Couchsurfing weltweit super funktioniert.

Ullrich hat für einen entzückenden Kaffee-klatsch einen selbst gebackenen russischen Zupfkuchen frisch serviert und Gespräche, über unsere individuellen Reisen, füllen die Stunden aus, bis in den Abend rein.

Zwischendurch besichtigen wir, mit einem persönlichen Rundgang , das kleine gemütliche Städtchen, denn das Wetter ist wunderschön und außerdem freuen sich unsere Beine, dass wir sie nochmal ausführen und für ein paar Schritte vertreten. Zurück in der Wohnung angekommen bestaune ich die großartigen Malereien von Ullrich und die gebastelten Papierblumen sind echt witzig und originell. Eine klasse Idee, wie ich finde. Es ist hier so schön ruhig, das man als Künstler sehr kreativ werden kann und das drückt er in seinen Arbeiten und Werken aus. Diese Nacht ver-bringen wir im Bett, eingekuschelt in einer blumig riechenden Bettwäsche, welche mich verzaubert in den Schlaf bringt.

Mittwoch, 24.04.2013 (12 Grad, Sonne)

Erholsamer Schlaf, in einem bequemen Bett, fühlt sich an wie Geburtstag und Weihnachten auf einen Tag. Babu lässt mich noch etwas schlummern und weckt mich ganz sanft, gegen 8 Uhr. Gemeinsam gehen wir in die Küche, wo uns ein liebevoll gedeckter Küchentisch von Ullrich überrascht, mit Brötchen, Marmelade, Käse und einem gekochtem Frühstücksei, dazu ein frisch aufgebrühter Kaffee. Gemütlicher kann so ein Tag nicht beginnen. Gut gestärkt besteigen wir, mit dem Insider Tipp von Ullrich, den Kirchturm von Grevesmühlen. Wir besorgen uns den Schlüssel aus der Tou-risteninfo und ganz für uns allein besichtigen wir die Kirche. Der Ausblick ist genial, so dicht am Uhrenwerk und den Glocken zu sein ist unglaublich interessant. Wann hat man denn schon so eine Gelegenheit? Mit der Fern-bedienung und nur einem Knopfdruck können wir die gesamte Kirche beleuchten und die Romantik begleitet uns auf eine ganz spezielle Weise, was wir in Ruhe auf uns wirken lassen.

Die Uhr schlägt 11.00 Uhr und wir starten den dritten Urlaubstag und langsam merke ich die letzten gefahrenen Kilometer durch einen leichten Muskelkater und Ermüdung meiner Kräfte. Babu meint, das man sich nach den ersten 1000 km voll und ganz an dieses Gefühl gewöhnt hat und man dann mit dem Fahrrad vollkommen ist. *

Na ich bin ja mal gespannt ob sich dieses vollkommene Gefühl einstellt, zumal es bis zu den ersten 1000 km noch ein langer weiter Weg ist.

*Babu hatte im Jahr 2010, in Kanada diese Erfahrung machen dürfen. Er reiste 7 Monate mit dem Fahrrad durch das Land, doch das ist eine andere Geschichte.

Eine Pause machen wir in Selmsdorf, einige Kilometer vor Lübeck. Babu lädt mich auf ein deftiges Mittagessen an einer Raststätte ein. Wohlverdient stärken wir uns mit einem Holzfällersteak, Pommes Frites und einem großen frisch gezapften Bier. Ich würde sagen, eine typische Radfahrermahlzeit für hungrige Abenteurer. Schön entspannt, mit gut ge-fülltem Magen, geht es dann auf dem Radweg weiter bis wir Lübeck erreichen und an das andere Ende der Stadt fahren. In einer Villa werden wir von einer Person begrüßt. Hier lebt eine linke Kommune, mit etwa 6 Parteien. Dieses Haus hat Babu im Internet rausgesucht und im ersten Moment erscheint es mir, als ein absoluter Volltreffer. Die Tapete im riesigen Villenflur ist mehr als Retro und die Räum-lichkeiten wirken so überdimensional auf mich, als ob ich geschrumpft bin. Etliche Türen zu den Zimmern und insgesamt 4 Stockwerke hoch. Die Küche ist so groß das man darin tanzen kann. Es ist noch früh am Tag und die anderen Bewohner, die Er-wachsenen und Kinder aus dieser Kommune, sind noch unterwegs. Bevor wir die einzelnen Leute kennen lernen, machen wir unsere Fahr-räder um ein paar Kilos leichter und fahren zurück in die Innenstadt. Das gemütliche Radeln macht bei diesem sonnigen Traum-wetter im April besonders viel Spaß und neugierig kommen die Leute auf uns zu, denn die bepackten Satteltaschen fallen ins Auge und der Ein oder Andere stellt sich fragen, was man an den Blicken ganz gut erkennt. Nette Gespräche bereichern uns und frische Moti-vation bestärkt uns allemal.

Natürlich besichtigen wir die Stadt, wenn man schon mal die Gelegenheit dazu hat. Die Innenstadt, spezielle Viertel und somit auch die Lübecker Gänge und Höfe sind ein echter Hingucker. Es sind Überreste aus dem mittel-alterlichen Städtebau, was man unbedingt gesehen haben sollte, denn Ullrich aus Grevesmühlen, hat es uns echt ans Herz gelegt, das wir uns dieses Highlight anschauen sollen.

Mit Müsli, einem kleinen Snack für zwischen-

durch, genießen wir an der Trave die herrliche Abendstimmung und als wir wieder zurück in der Villa ankommen, trinken wir mit den Leuten ein Bierchen, spielen das Kartenspiel Nils Rogen und erzählen jede Menge im Austausch. Unter anderem ein heiß begehrtes Thema von den Bewohnern ist Politik, was mir persönlich etwas zu viel des Guten ist und ganz nebenbei bemerken wir, dass die Stimmung unter den Bewohnern, ganz schön angespannt ist. Viele Regeln, die hier zur Tagesordnung gehören schränken das Zusammenleben sehr ein und das eigentliche Sein kann sich in dieser Kommune nicht entfalten. Egal, ich weiß für mich, dass ich so nicht leben möchte. Die Schlafenszeit rückt näher und direkt unter einer Treppe, in einer winzigen Nische, machen wir es uns einigermaßen gemütlich und schlafen überraschend gut.

Mittwoch, 24.04.2013 (sonnig)

Grabau am See

Sooooo ein schöner Tag…

Lange halten wir uns nicht in der Villa auf und freuen uns weiter zu ziehen. Das Wetter spielt mehr als mit. Herrlich, nicht zu windig und ab und zu blickt die Sonne hervor. Die Fahrt ist heute wesentlich entspannter als gestern, denn super asphaltierte Radwege sind hauptsächlich unsere Strecken. Zwischendurch gönnen wir uns eine kleine Erfrischung, ein Eis bei Mc Donalds´s, weil es hier lecker und günstig ist. Mit dem Vorteil, dass wir das Internet für eine Stunde gratis nutzen können.