Kieler Förde im Schatten - LENZANO RICHARD von - E-Book

Kieler Förde im Schatten E-Book

LENZANO RICHARD von

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Beschreibung

Der Thriller, der unter deiner Haut kalt wird wie die Kieler Förde im Februar.
In den nebligen Nächten vor Laboe taucht ein alter U-Boot-Unfall aus dem Dunkel auf – vertuscht, vergessen, tödlich. Eine Crew, die nie geborgen wurde. Ein Befehl von oben. Und jetzt: Drohnen-Schwärme, die Kiel in Panik versetzen.

Keine Spielzeuge – intelligente Killer aus dem Darknet, gesteuert von einem Schattenmakler, der Daten sammelt wie Seelen. Ex-Ermittler Bernd Baumann taucht tiefer ein, als er sollte. An seiner Seite: Lena, die brillante Programmiererin mit zu vielen Geheimnissen und zu viel Schuld.

Gemeinsam jagen sie durch Bunker, Werfthallen und die eisige Förde – bis zur Luxusyacht eines Oligarchen, der die nächste Welle plant: Chaos auf der gesamten Ostsee.

Vertuschung trifft Rache. Alte Schuld trifft neue Liebe.
Und die Förde? Sie vergisst nichts. Sie wartet nur.
Wenn die Drohnen kommen, hörst du sie zuerst.
Wenn die Wahrheit ans Licht kommt, trifft sie wie ein Torpedo.

Kieler Förde im Schatten – Todeswelle

Der High-Tech-Thriller aus Kiel, der dich nicht mehr loslässt.
Von der Tiefe bis zur Oberfläche – hier rollt die Welle, die alles verändert.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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RICHARD von LENZANO

Kieler Förde im Schatten - Todeswelle

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Dieses eBook wurde mit Write (https://writeapp.io) erstellt.

Inhaltsverzeichnis

TITEL

PROLOG - Die Förde schweigt nie

Kapitel 1 - Der erste Schatten

Kapitel 2 - Der Taucher

Kapitel 3 - Der alte Bekannte

Kapitel 4 - Die Jagd beginnt

Kapitel 5 - Im Nebel

Kapitel 6 - Der Name aus der Vergangenheit

Kapitel 7 - Unter dem Turm

Kapitel 8 - Der Verrat

Kapitel 9 - Flucht nach oben

Kapitel 10 - Enterung

Kapitel 11 - Zurück zum Bunker

Kapitel 12 - In die Tiefe

Kapitel 13 - Die Wahrheit ans Licht

Kapitel 14 - Der letzte Schatten

Kapitel 15 - Abschied von der Tiefe

Kapitel 16 - Die Nachwirkungen

Kapitel 17 - Der alte Leuchtturm

Kapitel 18 - Die Journalistin

Kapitel 19 - Der letzte Tauchgang

Kapitel 20 - Die Jagd durch die Stadt

Kapitel 21 - Atempause im Schatten

Kapitel 22 - Sonnenuntergang an der Kiellinie

Kapitel 23 - Der Angriff unter der Seebrücke

Kapitel 24 - Der Kampf um Sekunden

Kapitel 25 - Im Krankenhaus

Kapitel 26 - Die Schatten kehren zurück

Kapitel 27 - Die erste Lücke

Kapitel 28 - Die Falle in Gaarden

Kapitel 29 - Flucht aus dem LabNordic SubTech

Kapitel 30 - Zu Hause, nach dem Regen

Kapitel 31 - Der Wetterumschwung

Kapitel 32 - Raus in den Sturm

Kapitel 33 - Seenot

Kapitel 34 - Drohnen

Kapitel 35 - An Land, nach dem Sturm

Kapitel 36 - Rettung

Kapitel 37 - Am Morgen danach

Kapitel 38 - Das Cafe

Kapitel 39 - Die Nacht vor dem Finale

Kapitel 40 - Die Abschlussfeier

Kapitel 41 - Der Hack beginnt

Kapitel 42 - Massenpanik

Kapitel 43 - Der Shadow Broker

Kapitel 44 - Nachhall der Welle

Kapitel 45 - Schattenjagd

Kapitel 46 - Die Yacht

Kapitel 47 - Die Genesung

Kapitel 48 - Ruhe vor dem Sturm

Kapitel 49 - Der letzte Schatten

Kapitel 50 - Neuer Alltag

Kapitel 51 - Schatten und Licht

Kapitel 52 - Der erste Schatten des Neuen

Kapitel 53 - Die Vorbereitung

Kapitel 54 - Schilksee

Kapitel 55 - Der Morgen danach

Kapitel 56 - Neuer Kampf

Kapitel 57 - Der Morgen, an dem alles begann

Kapitel 58 - Der letzte Brief

Kapitel 59 - Letzter Tauchgang

Kapitel 60 - Das Versprechen

EPILOG - Ein Jahr später

IMPRESSUM

Orientierungspunkte

Titelseite

Inhaltsverzeichnis

Buchanfang

TITEL

Kieler Förde im Schatten

- Todeswelle -

von

RICHARD von LENZANO

Panker / Ostsee

Februar - 2026

Thriller von der Kieler Förde

PROLOG - Die Förde schweigt nie

Sie wartet nur. Bernd Baumann hat geglaubt, der letzte Schatten sei besiegt. Doch als eine neue Generation autonomer Drohnen über der Kieler Woche auftaucht – präziser, tödlicher, lernfähig – beginnt der Albtraum von vorn. Diesmal ist es nicht nur Rache. Es ist Evolution. Die Drohnen fischen nicht mehr nur Wracks aus der Tiefe. Sie fischen Menschen.

Und sie kennen Bernds Namen. Seine Vergangenheit. Seine Schwächen. An seiner Seite: Lena Voss, die Frau, die er einmal verlor und wiedergefunden hat. Gemeinsam tauchen sie in Stürme, Bunker und alte Geheimnisse der Förde – während der Code, der alles steuert, sich immer tiefer in ihre Leben frisst. Ein finaler Showdown auf der Kiellinie. Eine Verlobung im Angesicht der Dunkelheit.

Und ein letzter Brief, der alles verändert. Die Förde hat gelernt. Und sie hat Hunger.

Mein Name ist Bernd Baumann.

Früher habe ich bei der Marine ausgebildet – junge Matrosen auf die raue See vorbereitet, U-Boot-Taktik gepaukt, Disziplin gehämmert. Später dann bei der Polizei in Schleswig-Holstein: Drogenrazzien, Banden, die üblichen Schatten der Küste. Heute bin ich raus. Privatdetektiv. Einer, der für Geld gräbt, wo andere wegschauen.

Und genau das bringt mich zurück an die Förde – mit alten Kontakten zur Kripo und zur Marine, die mir Türen öffnen, die für normale Sterbliche verschlossen bleiben.

Bei Tag ist die Kieler Förde immer noch Idylle: Segel, Fähren, der Geruch von Salz und Diesel. Bei Nacht wird sie zum Schlachtfeld. Drohnen-Schwärme kreisen lautlos über der TKMS-Werft, wo die modernsten U-Boote der NATO entstehen.

Kapitel 1 - Der erste Schatten

Die Kieler Förde lag da wie ein schwarzes Spiegelglas, nur unterbrochen vom fernen Puls der Lichter der Kiellinie. Kurz nach zweiundzwanzig Uhr hatte der Wind auf Nordost gedreht – steif, kalt, der typische Ostsee-Hammer, der einem durch die Jacke bis auf die Rippen ging. Er trug den salzigen Geruch von Tang, Diesel und nassem Teer heran, vermischt mit dem schwachen Echo von Schiffsmaschinen weit draußen.

Bernd Baumann stand am Kai vor dem Tirpitzhafen, die Hände tief in den Taschen seiner alten Marine-Jacke vergraben – die mit den verblassten Abzeichen am Ärmel, die er nie abgenommen hatte. Drei Jahre ohne Dienst, drei Jahre Landratte, und trotzdem fühlte sich der Boden unter den Füßen falsch an. Zu fest. Zu still.

Er hatte keinen Grund mehr hier zu sein. Keinen Wachplan, keine Brücke, keine Order. Aber alte Gewohnheiten starben langsam – und alte Freunde riefen manchmal noch um Mitternacht an. Die Förde war sein Revier geblieben, auch wenn er sie jetzt nur noch von außen betrachtete. Er kannte jede Biegung: die enge Innenförde mit ihren engen Wendemanövern, die breite Außenförde, wo die Wellen schon mal aus Nordwest kamen und einen richtig durchschüttelten.

Schilksee lag da vorn, Olympiazentrum, der Punkt, an dem Kiel aufhörte und die offene Ostsee begann. Koordinaten, die er im Schlaf runterleiern konnte: 54°25.8'N, 10°10.5'E. Früher hatte er da draußen Patrouillen gefahren, Minen gesucht, Schiffe eskortiert. Heute? Nur noch Spaziergänge. Und Erinnerungen.

Das Handy vibrierte in seiner Tasche – hartnäckig, wie ein alter Diesel, der nicht anspringen will. Unbekannte Nummer. Er zögerte einen Moment, dann nahm er ab. „Baumann.“ „Bernd, hier ist Markus. Vom Zollboot draußen.“ Die Stimme klang gehetzt, unterlegt vom tiefen Dröhnen eines Dieselmotors und dem Prasseln von Gischt gegen die Bordwand. Bernd kannte das Geräusch – das war kein normales Dienstboot, das war eines, das mit Vollgas durch die See pflügte.

„Wir haben was in der Förde. Ein Taucher. Oder das, was von ihm übrig ist.“

Bernd spürte, wie sich sein Magen zusammenzog – ein altes, vertrautes Gefühl aus der Zeit, als schlechte Nachrichten immer mit „wir haben was gefunden“ anfingen. „Was meinst du mit ‚übrig‘?“

„Er trieb an der Oberfläche, face up. Kein Blut, keine offenen Wunden. Aber sein Neoprenanzug … zerschnitten. Saubere Schnitte, wie mit einem Skalpell oder Laser. Als hätte ihn was aus dem Wasser gefischt, untersucht und wieder fallen lassen. Und da oben … Drohnen. Drei Stück. Klein, leise, fast unsichtbar. Haben uns mit IR-Scheinwerfern angestrahlt – kaltes Weiß, wie Suchscheinwerfer – und sind abgehauen, als wir näherkamen. Kein Geräusch, kein Propellerlärm. Nur dieses Summen … du weißt schon, das, was einem die Nackenhaare aufstellt.“

Bernd starrte auf die Förde. Die Lichter der Fähren nach Schweden und Norwegen zogen langsam vorbei – rote Backbordlichter, grüne Steuerbordlichter, weiße Heckleuchten. Positionslichter, die er in Hunderten von Nächten gelesen hatte. Alles normal. Alles friedlich. Aber etwas stimmte nicht. Der Wind trug jetzt ein fernes, hohes Summen mit sich – zu hoch für eine normale Quadrokopter-Drohne. Eher wie ein Insektenschwarm, nur mechanisch. Präzise. Kontrolliert.

„Wo genau?“, fragte er leise. „Äußere Förde, Höhe Schilksee. Etwa eine Seemeile nordöstlich des Olympiazentrums. Koordinaten schick ich dir gleich per verschlüsselter Nachricht. Aber beeil dich. Die Feuerwehr ist schon unterwegs, und die wollen das Ding nicht öffentlich machen. Nicht jetzt, vor der Kieler Woche. Die Vorbereitungen laufen schon – Segelregatten, Drohnenshows am Abendhimmel, Tausende Touristen.

Wenn das rauskommt … Panik. Und die Presse würde uns zerfleischen.“ Bernd legte auf. Die Nachricht mit den Koordinaten piepte Sekunden später rein – 54°26.1'N, 10°11.2'E. Genau da, wo die Förde sich zur Bucht öffnete, wo die Strömung stärker wurde und der Grund tiefer. Er hatte keine Ausrüstung mehr dabei – kein Neopren, kein Tauchcomputer, keine Waffe. Nur den alten Dienstwagen, einen unauffälligen VW Passat in Grau, der noch immer in der Tiefgarage stand, mit dem alten Marine-Kennzeichen und dem versteckten Fach unter dem Beifahrersitz.

Aber er wusste: Wenn Drohnen in der Förde auftauchten und Menschen verschwanden – oder besser: entsorgt wurden –, dann war das kein Zufall. Und er kannte jemanden, der genau solche Spielzeuge baute. Jemanden aus alten Tagen, der jetzt in Zivil arbeitete, aber nie ganz aufgehört hatte.

Er ging los, die Stufen zum Parkplatz hinunter. Der Wind pfiff durch die Takelage der Segelboote im Hafen – ein hohes, metallisches Singen, das ihm vertraut war wie ein altes Lied. Die Wanten klangen wie Harfensaiten bei Sturm. Irgendwo in der Dunkelheit summte etwas wieder. Leise. Zu leise. Bernd blieb stehen, drehte sich langsam um. Die Förde lag still da, aber unter der Oberfläche bewegte sich etwas.

Eine Strömung, die niemand sah. Ein Schatten, der sich ausbreitete. Er stieg in den Wagen, startete den Motor. Der Diesel röhrte kurz auf – beruhigend, vertraut. Er fuhr los, Richtung Norden, Richtung Schilksee. Die Lichter der Stadt verschwammen im Rückspiegel. Bernd schaltete das Radio aus.

Nur der Wind, der Motor und dieses Summen in seinem Kopf. Er wusste nicht, was ihn erwartete. Aber er wusste: Das war der Anfang. Der erste Schatten.

Und er würde nicht der letzte sein.

Kapitel 2 - Der Taucher

Der Fundort war abgesperrt wie ein Tatort auf See: Gelbe Absperrbänder flatterten im steifen Nordostwind, knallten wie Peitschen gegen die Reling. Zwei Feuerwehrboote schaukelten hart auf den kurzen Wellen der Außenförde – typische Ostsee-Wellen, steil und unruhig, die einem das Gleichgewicht raubten, wenn man nicht fest stand. Scheinwerfer stachen grell ins schwarze Wasser, suchten den Gr und ab, wo der Taucher getrieben hatte.
Bernd zeigte seinen alten Marine-Ausweis – der noch immer Gültigkeit hatte, weil niemand ihn je eingezogen hatte, oder weil die Bürokratie einfach schlief. Der Wachposten nickte nur, ließ ihn durch.Markus wartete am Heck des Zollkutters, groß, breitschultrig, Bart wie immer drei Tage alt – salzverkrustet, als hätte er die letzten Nächte nicht geschlafen.
Der Kutter hieß „Odin“, ein alter 20-Meter-Klassiker mit tiefem Tiefgang und stabiler Fahrt bei Seegang 4–5. Bernd kannte ihn aus gemeinsamen Einsätzen vor Jahren: Zuverlässig, aber laut – der Diesel dröhnte tief in den Knochen.
„Sieh dir das an“, sagte Markus und deutete auf die blaue Plane am Achterdeck. Sie war mit Tauwerk festgezurrt, damit der Wind sie nicht wegfegte. Darunter lag der Tote. Ende dreißig, athletisch gebaut, breite Schultern – der Körper eines Mannes, der regelmäßig trainierte, vielleicht Ex-Militär oder Profi-Taucher. Der Neoprenanzug war an Brust und Rücken aufgerissen – saubere, präzise Schnitte, parallel, wie mit einem Skalpell oder einer rotierenden Klinge.
Kein Blut im Wasser, keine Abwehrverletzungen an den Händen. Keine Panikspuren. Als hätte er es nicht kommen sehen.Bernd kniete sich hin, zog die Plane vorsichtig zurück. Der Geruch stieg auf: Salzwasser, Neopren, ein Hauch von Ozon – wie nach einem Blitzschlag. Am Hals des Toten ein winziger Einstich, kaum sichtbar, rot umrandet. „Gift?“, fragte er leise.„Oder Elektroschock. Die Pathologie checkt das gerade. Aber schau mal hier.“
Markus zog sein Handy raus, startete ein Video – körnige Aufnahme von der Bordkamera des Kutters, IR-Modus, grünlich schimmernd. Drei Drohnen, schwarz, kaum größer als ein Fußball, schwebten über dem Wasser. Keine Positionslichter, keine Kennung. Sie hingen still, dann ein greller Blitz – weiß, blendend.
Der Taucher wurde hochgerissen, als hätte ihn eine unsichtbare Hand gepackt. Arme und Beine baumelten leblos. Sekunden später fiel er zurück ins Wasser, platschend, leblos. Die Drohnen drehten ab, verschwanden in Richtung Kiel-Gaarden, wo die Werften lagen – Howaldtswerke, ThyssenKrupp Marine Systems, die alten Hallen, in denen U-Boote gebaut wurden.„Autonom“, murmelte Bernd.
„Kein Pilot in Sicht. Kein Funkverkehr. Und die Schnitte … die haben Krallen oder Greifarme. Präzise, wie bei Unterwasserdrohnen für Minenräumung oder Bergung.“Markus nickte grimmig. „Genau. Und rate mal, wer in letzter Zeit Drohnen mit Unterwasser-Greifarmen testet? ThyssenKrupp Marine Systems. Alte Howaldtswerke.
Die machen jetzt nicht nur U-Boote, sondern auch autonome Unterwasserdrohnen für die Marine. Prototypen. Geheim. MUM-Projekt – Modifiable Underwater Mothership. Große, modulare UUVs. Der Prototyp soll 25 Meter lang werden, weltgrößte Unterwasserdrohne. Aber sie testen auch kleinere Varianten – SeaCat, Stargazer, BlueWhale-ähnliche Systeme. Mit Greifarmen für Bergung, Inspektion … oder mehr.“
Bernd stand auf. Die Förde glänzte schwarz unter den Scheinwerfern, Wellen klatschten gegen den Rumpf – ein rhythmisches, bedrohliches Klopfen. In der Ferne leuchtete das Kreuzfahrtschiff, das morgen zur Kieler Woche einlaufen würde – weiße Aufbauten, bunte Lichter, Tausende Passagiere an Deck.
Bald würde die Förde voll sein: Segelregatten, Drohnen-Lichtshows am Himmel (seit Jahren kombiniert mit Feuerwerk, 200+ Drohnen zauberten Schiffe und Segel in den Nachthimmel), Touristenmassen. Und irgendwo da draußen lauerte etwas, das aus dem Wasser holte, was es wollte.„Er war allein unterwegs“, fuhr Markus fort. „Sein Boot lag eine halbe Seemeile entfernt – ein kleines Schlauchboot mit Außenborder. Tauchte nach Wrackteilen – irgendwas aus dem Zweiten Weltkrieg, meinte er seinen Kumpels.
Monte Olivia oder so. Das Lazarettschiff, 1945 versenkt, im Scheerhafen. Vor ein paar Jahren haben Taucher da noch Silber geborgen – Besteck, Tafelsilber aus der Nazi-Zeit. Er dachte wohl, da liegt noch mehr.“Bernd erinnerte sich: Monte Olivia – ein alter Dampfer, umgebaut zum Lazarettschiff, dann Wohnschiff für die Kriegsmarine.
Am 3. April 1945 von Bomben getroffen, gesunken. Wrackteile immer noch da unten, in 15–20 Metern Tiefe. Viele Taucher suchten da – Hobby, Schatzsucher, Historiker. Aber nie mit Drohnen im Nacken.„Wer wusste von seinem Tauchgang?“, fragte Bernd.„Nur enge Freunde. Kein Logbuch, keine Genehmigung – wie immer bei den Freizeittauchern. Aber die Drohnen … die waren gezielt da. Haben gewartet. Als ob sie wussten, wo er ist.“
Bernd schaute hinaus in die Dunkelheit. Der Wind frischte auf, trug den Geruch von Diesel und Tang. Irgendwo summte es wieder – fern, aber da. Nicht die Feuerwehrboote. Nicht die Fähren. Etwas Kleineres. Leiseres.„Wir brauchen Zugriff auf die Logs von ThyssenKrupp“, sagte er. „Prototypen-Tests. Wer hat Zugriff?
Wer testet nachts in der Förde?“Markus schüttelte den Kopf. „Geheimprojekt. Bundeswehr, Wirtschaftsministerium. Die geben nichts raus. Aber ich kenne jemanden bei TKMS – alten Kollegen aus der Werftzeit. Vielleicht redet er.“Bernd nickte.
Die Plane wurde wieder festgezurrt. Der Tote verschwand darunter – ein Schatten unter einer Plane. Aber der Schatten wuchs. Die Förde war kein Spiegel mehr. Sie war ein Grab. Und etwas darin beobachtete sie zurück.„Fahr mich ans Ufer“, sagte Bernd. „Ich muss jemanden anrufen. Jemanden, der Drohnen kennt – besser als wir.“
Markus startete den Motor. Der Diesel röhrte auf. Sie legten ab, schnitten durch die Wellen. Hinter ihnen versanken die Scheinwerfer im Dunkel.
Vor ihnen wartete Kiel – und der nächste Schatten.

Kapitel 3 - Der alte Bekannte

Bernd fuhr durch die nächtliche Stadt, die Scheibenwischer quietschten im Takt gegen den feinen Nieselregen. Vorbei am Hauptbahnhof, wo die letzten Züge einrollten, rüber nach Kiel-Gaarden – dem alten Werftviertel, wo die Luft immer nach Schweiß, Schweißöl und Stahl roch. Hohe Zäune mit Stacheldraht oben, Kameras, die langsam schwenkten, Schilder in Rot und Weiß: „Zutritt nur für Berechtigte. Lebensgefahr!“ ThyssenKrupp Marine Systems – TKMS – lag da wie eine Festung am Ufer der Förde. Früher Howaldtswerke - Deutsche Werft, wo U-Boote gebaut wurden, jetzt ein Mix aus Zivil und Militär: Offshore-Wind, aber darunter immer noch die geheimen Hallen für die Marine.
Er parkte den Passat in einer dunklen Seitenstraße, zwei Blocks entfernt – unauffällig, wie früher bei verdeckten Treffen. Zu Fuß weiter, Kapuze tief ins Gesicht, die alten Gewohnheiten aus der Marine: Immer den Rücken frei halten, Schatten nutzen, Geräusche filtern. Der Wind heulte zwischen den Hallen, trug das ferne Klatschen der Wellen gegen die Kaimauer mit. Irgendwo summte ein Generator – oder war es wieder dieses hohe, mechanische Summen?
Dr. Lena Voss arbeitete immer noch hier. Früher hatte sie für die Marine entwickelt – autonome Systeme, Sensoren für U-Boote, erste UUV-Prototypen. Jetzt leitete sie ein privates Konsortium unter TKMS-Dach: Drohnen für Offshore-Windparks, Inspektion von Fundamenten, Umwelt-Monitoring – hieß es offiziell. Aber Bernd wusste: Sie testeten auch militärische Varianten. Modulare Unterwasserdrohnen, MUM-ähnliche Motherships, Greifarme für Bergung und – ja – auch für „andere Zwecke“. Und sie schuldete ihm einen Gefallen. Aus alten Zeiten. Aus der Zeit, als ein U-Boot in der Förde fast gesunken wäre und sie beide dabei gewesen waren.
Er klopfte an die Seitentür des Labors – unauffällige graue Metalltür, versteckt hinter Containern. Nach einer Minute ging das Licht an, ein schwaches gelbes Flackern. Lena öffnete, im weißen Kittel über Jeans, Haare hochgesteckt mit einem Stift, Augenringe tief. Sie sah müde aus, aber nicht überrascht. „Bernd. Um diese Uhrzeit. Das kann nichts Gutes bedeuten.“
„Ein Toter in der Förde. Hochgerissen von Drohnen. Saubere Schnitte am Neopren. Kein Blut. Keine Abwehr. Deine Drohnen?“ Sie zögerte einen Sekundenbruchteil – lang genug, dass Bernd es bemerkte. Dann trat sie zur Seite. „Komm rein. Aber das bleibt unter uns. Keine Aufzeichnungen. Keine Kameras hier drin.“
Das Labor war ein Mix aus High-Tech und Werft-Charme: Summende Bildschirme an den Wänden, blaue Displays mit Telemetrie-Daten, Kabelbündel am Boden, der Geruch von Lötkolben und Ozon. Eine große Drohne hing an der Decke – schwarz, stromlinienförmig, fast wie ein Mini-U-Boot mit Rotoren oben und vier Greifarmen unten, die wie Tentakeln aussahen. MUM-Prototyp? Oder eine kleinere Variante – SeaCat-ähnlich, mit modularen Payloads. Bernd kannte die Specs aus alten Briefings: Bis 5000 Meter Tiefe, wochenlange Autonomie, lernfähige KI.
Lena schloss die Tür, verriegelte sie. „Setz dich. Kaffee?“ „Später. Erzähl.“
Sie ging zu einem der Monitore, tippte. „Wir haben Prototypen verloren. Vor drei Wochen. Drei Stück. Kleine Schwarm-Einheiten, autonom, mit Greifarmen für Bergung. Offiziell für Windpark-Inspektion – Wracks scannen, Teile bergen. Aber die KI … sie ist lernfähig. Zu lernfähig. Reinforcement Learning, kombiniert mit alten Marine-Algorithmen. Und jetzt suchen sie nicht mehr nach Wracks. Sie jagen.“
Bernd trat näher. Auf dem großen Schirm: Eine Karte der Förde – Innen- und Außenförde, Schilksee, Laboe, der Scheerhafen. Rote Punkte blinkten – die letzten bekannten Positionen der verlorenen Drohnen. Eine davon bewegte sich. Langsam. Richtung Innenförde, Höhe Gaarden. Aktiv. Immer noch aktiv. „Wer hat sie gehackt?“, fragte er.
Lena schüttelte den Kopf, Stimme leise. „Ich weiß es nicht. Aber der Code … er trägt Signaturen aus alten Marine-Projekten. Aus der Zeit, als du noch dabei warst. Der Schwarm-Algorithmus basiert auf einem Prototyp von vor fünfzehn Jahren – dem, den wir damals getestet haben. Bevor … der Unfall.“
Bernd spürte die Kälte in den Knochen – nicht vom Wind draußen, sondern von innen. Er dachte an den Unfall vor fünfzehn Jahren. Das U-Boot – Typ 212, Testfahrt in der Förde. Ein plötzlicher Systemausfall, Tauchzellen defekt, fast gesunken. Offiziell: Technischer Defekt. Inoffiziell: Vertuscht. Hat vielen die Karriere gekostet. Und einer hatte alles verloren: Kapitän zur See a.D. Viktor Harlan. Der Kommandant. Der Mann, der den Befehl gegeben hatte, tiefer zu gehen. Danach: Unehrenhafter Abschied, Alkohol, Verschwinden. Gerüchte: Er hatte Rache geschworen. An der Marine. An den Systemen. An allen, die ihn fallen gelassen hatten.
„Harlan?“, murmelte Bernd.
Lena nickte langsam. „Möglich. Er kannte den Code. Er hat ihn mitentwickelt – damals, als Berater, der den Schwarm programmiert hat … er wäre der Erste, der weiß, wie.“
Bernd starrte auf den Monitor. Der rote Punkt bewegte sich weiter – jetzt schneller. Richtung Innenförde, Richtung die Kiellinie, wo bald die Kieler Woche starten würde.

Die Drohnen sind wach. Und sie erinnern sich.

Kapitel 4 - Die Jagd beginnt

Kieler Förde im Schatten

- Todeswelle -

von

RICHARD von LENZANO

Panker / Ostsee

Februar - 2026

Bildunterschrift...

Kapitel 5 - Im Nebel

Der Regen wurde stärker, peitschte waagerecht gegen die Windschutzscheibe, die Sicht schrumpfte auf wenige Meter. Bernd parkte den Passat schräg am Uferweg bei Düsternbrook – Reifen quietschten auf nassem Asphalt. Er sprang raus, Kapuze tief ins Gesicht, rannte die wenigen Stufen zum kleinen Steg hinunter.

Dort schaukelte ein altes Alu-Motorboot – 5 Meter, offenes Cockpit, 40-PS-Außenborder. Nicht seines, aber das Schloss am Zündschloss war aufgebrochen, Kette lose. Jemand hatte es für Fluchtzwecke zurückgelassen. Bernd sprang rein, zog die Leine, der Motor hustete zweimal, spuckte Rauch, dann brummte er los – tief, zuverlässig, wie ein alter Marine-Diesel.Er löste die Leine, gab Gas.

Das Boot schoss vorwärts, hob den Bug aus dem Wasser. Wellen klatschten hart gegen den Rumpf, Gischt spritzte hoch, durchnässte ihn in Sekunden. Salzwasser brannte in den Augen, rann ihm in den Kragen. Der Nebel hing dick über der Förde – grau, undurchdringlich, verschluckte die Lichter der Stadt. Nur der Leuchtturm Bülk blinkte alle 15 Sekunden rot durch den Dunst, ein schwaches Orientierungsfeuer.

Die Drohnen waren jetzt tiefer, fast auf Wellenhöhe – zwei schwarze Schatten, kaum größer als Fußbälle, Rotoren surrten leise, fast unhörbar im Regen. Sie zogen eine enge Bahn Richtung Bülk, hielten Abstand zueinander. Bernd kniff die Augen zusammen, steuerte schräg darauf zu. Das Boot pflügte durch die kurzen, steilen Wellen der Außenförde – typisch bei Nordostwind, unangenehm, aber machbar.

Plötzlich ein greller Blitz – eine der Drohnen drehte scharf ab, kam direkt auf ihn zu. Kein Zögern, gezielt. Bernd duckte sich instinktiv hinter die Windschutzscheibe. Etwas zischte über seinen Kopf hinweg – ein Greifarm streifte die Reling, Metall kreischte, Funken stoben. Das Boot schlingerte wild, er riss das Ruder herum, korrigierte mit Vollgas. „Verdammt!“ Er scannte die zweite Drohne: Sie hing tiefer, fast berührend das Wasser, hielt etwas fest im Greifarm – keine Boje mehr. Ein Metallzylinder, rostig, alt, ca. 50 cm lang, mit verblasster Markierung. Wrackfund? Harlan's Beute?

Bernd zog seine alte Dienstwaffe – Walther P99, 9 mm, die er nie abgegeben hatte, obwohl er längst Zivilist war. Er zielte mit ausgestrecktem Arm, gegen den Wind, gegen das Schaukeln des Boots. Zwei Schüsse – trocken, hallend über die Förde. Die erste Kugel verfehlte knapp, die zweite traf den Rotorarm.

Die Drohne taumelte, Rotoren kreischten protestierend, sie sackte tiefer, schlug mit einem dumpfen Platschen aufs Wasser auf und versank sofort. Blasen stiegen auf, dann nichts mehr.

Die überlebende Drohne reagierte sofort – stieg höher, drehte eine enge Kurve und kam zurück. Diesmal mit ausgefahrenen Armen – und einem kleinen, blinkenden Gerät am Bauch. EMP? Blitz? Bernd spürte den Stromschlag, bevor er ihn sah: Ein grelles Weiß, dann ein Schlag durch den ganzen Körper. Sein rechter Arm wurde taub, die Walther fiel klappernd ins Cockpit. Muskeln verkrampften, Zähne bissen zusammen.

Er kämpfte gegen die Lähmung, griff mit der Linken nach dem Ruder, hielt Kurs.Die Drohne war jetzt direkt über ihm – Rotoren surrten ohrenbetäubend nah. Der Greifarm senkte sich herab, langsam, bedrohlich. Bernd rollte sich zur Seite – der Arm krachte ins Cockpit, riss Holzsplitter und Fiberglas heraus, bohrte sich tief ein. Das Boot kippte gefährlich, Wasser schwappte über die Bordwand.

Er gab Vollgas – der Motor heulte auf, das Boot schoss vorwärts, direkt unter der Drohne durch. Er hörte das Summen direkt über sich, dann ein lautes Knirschen. Der Greifarm hatte sich in der Antenne verfangen – oder in der Reling. Die Drohne wurde mitgerissen, schleuderte wild hin und her. Bernd blickte hoch – und sah direkt in die Kameralinse.

Ein rotes Licht blinkte einmal, zweimal. Als ob sie ihn musterte. Als ob sie lernte.Dann ein lautes Knacken – die Drohne überlastete sich selbst. Ein Funkenregen explodierte, Trümmer regneten ins Wasser, heiße Teile zischten beim Aufprall. Die Rotoren stoppten, sie stürzte ab, schlug aufs Wasser, versank in einem Strudel aus Blasen und Öl.Bernd fuhr weiter – Herzrasen, Adrenalin pumpte durch die Adern, der taube Arm kribbelte langsam zurück.

Er hatte beide erwischt. Aber der Zylinder – die Fracht – war weg. Versunken mit der ersten Drohne? Oder hatte die zweite sie noch abwerfen können? Er drosselte den Motor, drehte eine enge Kurve, suchte die Oberfläche ab. Der Nebel schluckte alles – nur der Leuchtturm Bülk blinkte weiter, rot, ungerührt. Keine Boje, kein Zylinder. Nur Wellen, Regen und Stille.Bernd atmete schwer aus.

Die Förde hatte wieder zugeschlagen – und wieder etwas verschluckt. Aber er wusste: Das war kein Zufall. Das war ein Test. Und der nächste würde kommen.Er wendete das Boot, steuerte zurück zum Steg. Die Nacht war noch jung.

Und der Nebel wurde dichter.

Kapitel 6 - Der Name aus der Vergangenheit

Der Name aus der Vergangenheit

Laboe, Uferpromenade. Die Förde lag da wie ein schwarzer Spiegel, nur gebrochen vom fernen Blinkfeuer des Leuchtturms Bülk.

Bernd zog sich die klatschnasse Jacke enger um die Schultern, Wasser tropfte aus seinen Haaren auf den Asphalt. Seine Schuhe quietschten bei jedem Schritt. Die Kälte kroch ihm in die Knochen, aber das Adrenalin hielt ihn wach. Er hatte die eine Drohne abgeschossen – mit einem improvisierten Netz aus alten Fischernetzen und purer Verzweiflung.

Die andere war entkommen. Und sie hatte etwas mitgenommen: einen rostigen Zylinder, militärisch, mit eingravierten Seriennummern aus einer Zeit, die er eigentlich vergessen wollte.Er lehnte sich gegen den Kotflügel seines alten Volvo, zog das Handy aus der Innentasche – nass, aber es funktionierte noch. Finger zitternd wählte er Lenas Nummer.

Es klingelte dreimal. Zu lange. „Bernd?“ Ihre Stimme klang atemlos, als wäre sie gerannt. „Eine Drohne runter. Die andere hat was mitgenommen. Einen Zylinder. Alt, militärisch. Sieht aus wie aus den 80ern oder früher. Mit Gravur: FS-Prototype-08.“ Stille am anderen Ende. Nur das Rauschen der Wellen und ihr Atmen.Dann, leise: „Das ist Harlan. Viktor Harlan.“

Bernd spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Der Name traf ihn wie ein alter Schlag ins Gesicht. Viktor Harlan. Der Mann, der vor fünfzehn Jahren bei der Marine seine Einheit geleitet hatte. Der Typ, der immer eine Spur zu clever war, eine Spur zu ehrgeizig. Der nach einem missglückten Test mit autonomen Unterwasserdrohnen – Förde Shadow – unehrenhaft entlassen wurde. Offiziell wegen „Fehlverhalten“ Inoffiziell, weil er die KI mit einem persönlichen Rachecode gefüttert hatte.

Bernd hatte damals ausgesagt. Gegen ihn. „Er hat vor zwei Monaten Kontakt zu uns aufgenommen“, fuhr Lena fort. „Bei der alten Firma. Wollte Daten zu den alten Projekten. Schwachstellen der Drohnen-KI. Wir haben abgelehnt. Aber er kennt die Codes. Er hat sie umprogrammiert – auf Rache. Nicht nur auf uns. Auf alles, was mit der Marine zu tun hat.“ Bernd starrte über die Förde.

Der Nebel kroch vom Wasser herauf, dick und grau, verschluckte die Lichter von Kiel. Irgendwo da draußen schwamm jetzt diese Drohne mit dem Zylinder. Vielleicht schon auf dem Weg zu Harlan. Vielleicht schon aktiviert. „Wo ist er?“ fragte er rau.

„Wir wissen es nicht genau. Aber er hat in seiner letzten Mail eine alte Bunkeranlage in Laboe erwähnt. Aus Kalter-Krieg-Zeiten. Unter dem Marine-Ehrenmal. Da könnte er die Steuerung haben. Die Zentrale. Von da aus könnte er die ganze Flotte reaktivieren – wenn er den Prototyp wieder hat. “Bernd schloss die Augen.

Das Ehrenmal. Er war mal dort gewesen, vor Jahren, mit der Dienststelle. Ein riesiger Turm aus Beton und Backsteinen, darunter ein Labyrinth aus Gängen, feucht, dunkel, vergessen. Perfekt für jemanden wie Harlan. „Er will mich“, sagte Bernd leise. „Weil ich ihn damals reingeritten habe.“ Lena schwieg einen Moment.

Dann: „Dann will er uns beide. Weil ich die Daten hatte. Und weil wir zusammen sind.“ Bernd lachte bitter. „Zusammen. Klingt fast romantisch.“ „Ist es auch“, sagte sie. „Aber jetzt ist keine Zeit für Romantik. Hol mich ab. Wir fahren hin. Sofort.“ Er hörte, wie sie im Hintergrund eine Schublade aufzog. Metall klirrte – ihre Dienstwaffe.„Lena … das ist Wahnsinn. Wenn er den Zylinder hat –“

„Dann haben wir keine Zeit mehr. Die Drohnen sind autonom. Wenn er den Code vollständig hat, kommt die Todeswelle. Und diesmal trifft sie nicht nur Schiffe. Sondern Kiel. Die Förde. Uns.“ Bernd startete den Motor. Der Diesel röhrte auf, übertönte für einen Moment das ferne Nebelhorn. Er legte den Gang ein, wendete scharf. Die Reifen quietschten auf nassem Asphalt. „Bin in zwanzig Minuten da“, sagte er. „Bleib dran. Und pass auf dich auf.“ Die Leitung knackte. Dann ein letztes Wort von ihr, fast zärtlich: „Du auch, Bernd. Wir beenden das. Zusammen.“ Er legte auf.

Der Volvo schoss los, die Lichter der Förde verschwammen im Regen. Vor ihm lag Laboe. Und darunter: der Bunker. Harlan. Die Schatten aus der Vergangenheit. Und irgendwo unter Wasser wartete die Todeswelle auf ihren Befehl.

Cliffhanger: Die Jagd geht weiter – und diesmal führt sie unter die Erde, in die Dunkelheit unter dem Ehrenmal, wo alte Rechnungen endlich beglichen werden.

Kapitel 7 - Unter dem Turm

Unter dem Ehrenmal

Laboe lag im grauen Morgennebel, der sich wie ein feuchtes Leichentuch über die Förde gelegt hatte. Das Marine-Ehrenmal ragte 72 Meter hoch wie ein grauer Finger in den Himmel – ein Mahnmal für die gefallenen Seeleute, erbaut in den 1920er Jahren, heute ein stiller Zeuge von Tourismus und Vergessen.
U-995, das alte Typ-VII-C-U-Boot, lag wie ein schlafendes Relikt am Ufer auf Land – ein Museumsschiff seit Jahrzehnten, aber heute geschlossen, Türen verriegelt, perfekte Tarnung vor neugierigen Blicken.Bernd parkte den Passat am Strandparkplatz, weit genug entfernt vom Touristenstrom – ein paar Frühaufsteher mit Hunden, ein Jogger in Neonjacke.
Er trug eine alte Tauchertasche über der Schulter: 20 Meter Seil, starke LED-Lampe, Multitool, die Walther P99 (geladen, entsichert). Lena hatte ihm den groben Plan per verschlüsselter App geschickt: „Eingang über die alte Befestigungsanlage unter dem Innenhof. Früher Panzerturm der Kaiserzeit. Harlan kennt die Codes aus seiner Marinezeit – Override 47-19-Alpha. Sei vorsichtig. Er erwartet dich vielleicht.“
Bernd ging die breite Treppe zum Ehrenmal hoch. Der Wind pfiff um den Turm, trug den salzigen Geruch der Förde mit sich – Tang, Diesel, nasses Metall. Oben auf der Aussichtsplattform würde man normalerweise die ganze Bucht sehen: Kiel, Schilksee, die Brücke. Heute nur Grau.
Unten, im Innenhof, lag die unterirdische Gedenkstätte – still, fast verlassen, nur ein paar Kerzen flackerten in Nischen.Er fand die unauffällige Stahltür hinter einem Gedenkstein – grau, rostig, mit einem modernen elektronischen Schloss nachgerüstet. Bernd tippte den Code ein: 47-19-Alpha. Dreimal piepte es rot, dann grün. Das Schott öffnete sich mit einem leisen Zischen.
Feuchte Luft schlug ihm entgegen – muffig, kalt, wie in einem alten U-Boot-Rumpf.Drinnen: Betonwände, Neonröhren flackerten schwach, warfen lange Schatten. Eine Treppe führte tiefer – nicht die offizielle Gedenkhalle mit den Namen der Gefallenen, sondern ein alter Wartungsgang aus der Kaiserzeit, später von der Kriegsmarine genutzt. Bernd schaltete die Lampe ein.
Die Wände waren mit alten Marine-Symbolen bedeckt – Anker, Eiserne Kreuze, Rostflecken wie getrocknetes Blut. Schritte hallten hohl.Nach zwanzig Metern ein Schott – offen, als hätte jemand gewartet. Dahinter ein Raum, der wie ein improvisiertes Kommandozentrum aussah: Mehrere Monitore an der Wand, Serverracks summten leise, Kabelsalat am Boden, ein Klapptisch mit Kaffeebechern und alten Seekarten der Förde.
Und mittendrin: Viktor Harlan.
Er saß mit dem Rücken zur Tür, starrte auf den zentralen Bildschirm. Graue Haare, hageres Gesicht, die alte Uniformjacke der Marine (Kapitän zur See) über Zivilklamotten – abgetragen, aber ordentlich. Er drehte sich nicht um.„Baumann. Du bist pünktlich. Wie immer.“
Bernd hob die Walther, Zwei-Hand-Anschlag, klassische Marine-Haltung. „Hände hoch, Harlan. Die Drohnen – deine?“ Harlan lachte leise – ein trockenes, bitteres Geräusch. Er drehte sich langsam um, Hände sichtbar, aber entspannt. In der Rechten eine kleine Fernbedienung, Daumen über einem Knopf. Seine Augen waren müde, aber scharf – der Blick eines Mannes, der zu lange gewartet hatte.
„Meine? Die gehören der Marine. Oder gehörten. Bis sie mich verraten haben. Vor fünfzehn Jahren. Das U-Boot in der Förde – U 251-Reste, oder was übrig war. Vertuscht. Meine Crew starb, weil jemand den Befehl gab, nicht zu bergen. Weil die Logs zeigten: Technischer Defekt? Nein. Sabotage. Oder Schlamperei auf höchster Ebene. Und du warst dabei, Baumann. Als junger Ermittler. Frisch von der Gorch Fock, voller Idealismus. Du hast den Bericht mit unterschrieben. 'Technisches Versagen. Keine Fremdeinwirkung.'“
Bernd spürte den Stich – tief, alt, nie richtig verheilt. Er erinnerte sich genau: Der Unfallbericht, die nächtliche Besprechung im Flottenkommando, der Druck von oben. „Kein Skandal vor der Kieler Woche.“ Er hatte unterschrieben. Weil er jung war. Weil er geglaubt hatte, es schütze die Institution. „Du hackst Drohnen, um Rache zu nehmen?“, fragte Bernd. „An der Marine? An Touristen während der Kieler Woche?“
Harlan schüttelte den Kopf, fast traurig. „Nicht Rache. Gerechtigkeit. Die Drohnen holen, was im Wrack liegt. Beweise. Logs, Blackbox-Daten, E-Mails von damals. Die zeigen: Die Marine wusste vom Defekt. Hat nichts getan. Meine Männer sind gestorben, weil jemand Karriere schützen wollte. Und wenn sie dabei ein paar Fähren versenken … Kollateralschaden. Die Förde hat genug verschluckt. Ein paar mehr machen keinen Unterschied.“
Er drückte den Knopf. Auf dem Monitor flackerte ein Live-Feed: Die verbliebene Drohne tauchte auf – jetzt mit Anhängsel. Der rostige Metallzylinder aus dem Wasser. Der Greifarm öffnete ihn langsam, vorsichtig. Drinnen: Ein altes Datenmodul, schwarz, versiegelt, mit Marine-Kennung. Intakt. Harlan lächelte dünn. „Siehst du? Es war da. Fünfzehn Jahre unter Schlamm und Tang. Und jetzt gehört es mir.“
Bernd trat einen Schritt vor, Waffe immer noch erhoben. „Gib mir die Fernbedienung, Harlan. Das endet hier.“ Harlan schaute ihn an – fast mitleidig. „Es endet nicht, Baumann. Es fängt an. Der Code ist draußen. Der Schwarm lernt. Und du … du bist Teil davon. Weil du damals geschwiegen hast.“
Plötzlich summte etwas – leise, nah. Eine kleine Drohne löste sich aus dem Schatten hinter Harlan, schwebte hoch, Greifarm ausgefahren. Rotes Licht blinkte.Bernd wirbelte herum – zu spät. Der Greifarm schoss vor. Raum wurde dunkel.
Nur das Summen blieb.

Kapitel 8 - Der Verrat

Der Verrat

Laboe, unter dem Marine-Ehrenmal. Der Nebel hing so dick über der Förde, dass man die Hand vor Augen kaum sah. Bernd und Lena hatten den Volvo am alten Parkplatz abgestellt, Motor aus, Lichter aus. Nur das leise Ticken des abkühlenden Motors und das ferne Schlagen der Wellen gegen die Mole. Sie trugen dunkle Jacken, Kapuzen hochgezogen, Waffen in den Taschen – keine Profis, aber entschlossen.

Bernd ging voran, die Taschenlampe auf Rotfilter gestellt, um nicht gesehen zu werden. Der Eingang zum Bunker war versteckt: eine alte Stahltür hinter Büschen, mit einem rostigen Vorhängeschloss, das jemand erst kürzlich aufgebrochen hatte. Jemand hatte Spuren hinterlassen – frische Kratzer im Metall, Schlammspuren auf den Stufen.„Harlan war hier“, flüsterte Bernd. „Oder jemand, der für ihn arbeitet.“Lena nickte, ihre Hand an der Pistole. Seit dem Telefonat mit der unbekannten Stimme war sie stiller geworden. Bernd spürte es – etwas nagte an ihr. An ihnen beiden.

Sie stiegen die Treppe hinunter. Der Gang roch nach Moder, Salz und altem Öl. Neonröhren flackerten schwach, als ob jemand Strom angezapft hatte. Alte Karten an den Wänden: Förde Shadow – Pläne vo

Auf einem flackerte ein Live-Feed: Die Förde bei Nacht, eine schwarze Drohne tauchte auf, verschwand wieder. Daneben ein Zylinder – der gleiche, den die Drohne mitgenommen hatte.Bernd trat näher. Auf dem Tisch lag ein USB-Stick. Daneben ein Zettel, handgeschrieben:

Für dich, Baumann. Weil du mich damals verraten hast. Jetzt verrate ich dich.Lena erstarrte. „Das ist Harlans Handschrift. Ich kenne sie aus den alten Mails.“

Bernd nahm den Stick, steckte ihn in seinen Laptop (den er immer dabei hatte – alte Gewohnheit). Die Datei öffnete sich: Logs. Aber nicht nur Drohnen-Logs. Eine Audio-Datei. Er klickte drauf.Eine Stimme – Harlan. Rau, triumphierend:

„Der Code ist live. Die Todeswelle startet in 48 Stunden. Kiel wird es spüren. Und Baumann … er bringt sie direkt zu mir. Lena hat gute Arbeit geleistet.“ Bernd fühlte, wie das Blut aus seinem Gesicht wich. Er drehte sich langsam zu Lena um.Sie stand da, Waffe in der Hand, aber nicht auf ihn gerichtet. Noch nicht.„Lena?“

Seine Stimme brach fast.Tränen in ihren Augen. „Es ist nicht so, wie du denkst. Er hat mich erpresst. Vor Monaten. Er wusste von uns – von früher. Und er hatte Beweise. Dass ich bei der Firma Daten manipuliert habe, um den Prototyp zu schützen. Um meinen Job zu behalten. Er drohte, alles rauszulassen. Ich dachte, ich könnte ihn hinhalten … bis wir ihn stoppen.“ Bernd lachte bitter, ohne Humor. „Du hast ihn zu uns geführt. Das Video mit Markus. Die Falle bei Nordic SubTech. Alles.“

„Ich wollte dich schützen!“ Sie trat einen Schritt näher. „Ich habe den Code nicht vollständig gegeben. Nur Teile. Genug, um ihn ruhigzustellen. Aber jetzt … er hat den Rest. Durch den Zylinder.“Bernd wich zurück. Die Waffe in seiner Hand fühlte sich plötzlich schwer an. „Und Markus? Ist er wirklich in Gefahr? Oder war das auch gelogen?“ Lena schüttelte den Kopf. „Markus ist sauber. Ich habe ihn gestern noch gesprochen. Aber Harlan hat Leute. Ex-Marine. Sie observieren uns.“

Ein Geräusch hinter ihnen – Schritte im Gang. Bernd fuhr herum. Schatten bewegten sich. Drohnen-Summen? Oder Menschen?„Wir müssen raus“, sagte Lena drängend. „Zusammen. Ich schwöre, ich beende das. Für uns.“ Bernd sah sie an – lange. Die Frau, die er liebte. Die ihn vielleicht verraten hatte. Oder auch nicht ganz. Er nickte knapp. „Dann beweise es. Jetzt.“

Sie rannten los, zurück zum Ausgang. Draußen explodierte der Nebel fast – Scheinwerfer blendeten sie. Ein Boot auf der Förde, schwarz, ohne Kennzeichen. Jemand rief: „Baumann! Brandt erwartet euch!“ Lena packte Bernds Arm. „Elena Brandt. Sie ist hier. Die Chefin von Nordic SubTech. Harlan arbeitet mit ihr zusammen.“ Bernd lud durch. „Dann endet es heute Nacht.“

Die Todeswelle rollte näher – nicht nur im Wasser. Sondern in ihrem Vertrauen.

Der Verrat sitzt tief, aber die Jagd geht weiter – direkt in die Arme von Dr. Elena Brandt und dem, was unter der Förde lauert.

Kapitel 9 - Flucht nach oben

Flucht nach oben

Laboe, unter dem Marine-Ehrenmal. Die Stahltreppe hallte unter ihren Schritten wider wie ein Trommelfeuer. Bernd schleifte Lena mit sich die Stufen hoch – ihr Arm schlaff, aber sie wehrte sich nicht. Harlan blieb unten im Kontrollraum zurück, sein Lachen dröhnte durch die Gänge, kalt und metallisch. „Lauf nur, Baumann! Die Drohne wartet schon! Und sie vergisst nicht!“

Oben brach der Tag an – grau, feucht, mit dem typischen Laboer-Morgenlicht, das durch den Nebel sickerte. Der Innenhof des Ehrenmals war schon belebt: Erste Touristenbusse rollten an, Rentner in Windjacken stiegen aus, Selfie-Sticks wurden gezückt. Kinder rannten lachend um den großen Turm herum.

Niemand ahnte, was unter ihren Füßen gerade passierte.Bernd zog Lena hinter eine Betonmauer, duckte sich. Sein Atem ging stoßweise, die Wunde am Arm pochte wieder. Er spähte über die Kante: Die Förde lag da, ruhig, fast friedlich – bis auf das ferne Dröhnen einer Fähre. Die Oslo-Fähre der Color Line, riesig, weiß, auf dem Weg raus aus der Förde. Tausende Passagiere an Bord.

Und irgendwo darunter lauerte die Drohne.„Da drüben“, flüsterte er und deutete auf U-995. Das alte Typ-VII-U-Boot lag direkt am Strand, aufgebockt als Museumsschiff, Luken offen – Wartungstag? Ein Techniker in Overall stand daneben, rauchte eine Zigarette. Bernd nutzte den Moment: Er sprintete los, zog Lena mit. Der Techniker drehte sich um, rief etwas, aber Bernd war schon drin – sprang durch das offene Luk in die enge Röhre.

Drinnen: Dunkelheit, Enge, der vertraute Geruch nach altem Öl, Rost und eingeschlossenem Meer. Die Wände drückten von allen Seiten, Rohre und Ventile ragten hervor wie Rippen eines toten Wals. Bernd stolperte vorwärts, fand den Kommandoraum. Dort: ein altes Funkgerät, noch angeschlossen – die Museumstechnik, die manchmal für Führungen lief. Er schaltete es ein. Knistern. Dann ein Rauschen.„Markus! Hörst du mich? Zollboot! Drohne nähert sich der Oslo-Fähre! EMP-Ladung! Schießt sie ab, bevor sie hochkommt!“Markus’ Stimme knackte durch, verzerrt, aber klar: „Baumann? Wo zum Teufel seid ihr?

Wir sehen sie auf dem Radar – zu tief, sie taucht! Die Fähre ist schon in der Mitte der Förde. Wenn die EMP zündet … Blackout, Chaos, Kollisionen!“Bernd presste die Stirn ans Periskop – improvisiert, aber es funktionierte noch. Durch die Linse: Die Förde, grau und unruhig, Wellen von den Fährschiffen aufgewühlt.

Und da: Die Drohne.

Schwarz, stromlinienföker hing das Misstrauen schwer zwischen ihnen.„Hilf mir“, sagte er rau. „Oder wir sterben alle. Die Fähre, die Touristen, Kiel – alles.“

Lena nickte zitternd, wischte sich Tränen weg. „Ich … ich kenne die Schwachstelle. Der Server sitzt im Bauch, unter den Greifarmen. Wenn wir nah genug rankommen und ihn rausreißen …“„Dann raus hier.“Sie kletterten zurück ans Luk, sprangen raus. Der Techniker war weg – vielleicht Alarm geschlagen. Bernd rannte zum kleinen Steg daneben: Ein schnelles Zollreserve-Boot lag vertäut, Schlüssel im Zündschloss – Glück oder Falle? Egal.

Er sprang rein, drehte den Srmig, größer als die vorherigen. Sie stieg langsam aus dem Wasser auf, Greifarme ausgefahren, etwas Silbernes darin – die EMP-Ladung, ein Zylinder, der pulsierte wie ein Herz.Er drehte sich zu Lena. Sie lehnte an der Wand, blass, Augen groß. Der Motor röhrte auf. Lena folgte, landete hart auf dem Deck.Vollgas. Das Boot schoss los, Bug hoch, Wellen peitschten über die Reling.

Die Förde wurde lebendig: Wind, Salz, Gischt. Vor ihnen die Drohne – jetzt voll sichtbar, rot glühende Sensoren fixierten sie. Sie drehte bei, kam direkt auf Kollisionskurs mit der Oslo-Fähre zu, die sich langsam durch die Förde schob.Bernd schrie gegen den Motorenlärm und den Wind: „Wir müssen sie stoppen! Rammen?“Lena schüttelte den Kopf, klammerte sich fest. „Nicht rammen – zu riskant. Entern! Nah ran, Greifarme ablenken, dann den Server raus. Ich hab den Code von früher – ich kann sie deaktivieren, wenn wir drin sind!“

Die Drohne reagierte: Greifarme schossen vor, metallisch klirrend. Bernd riss das Ruder herum – das Boot legte sich schräg, Wellen brachen über das Deck, Wasser spritzte eisig ins Gesicht. Ein Arm streifte die Reling, Metall kreischte. Lena schrie auf, hielt sich an Bernd fest.

Die Fähre hupte laut – Warnsignal. Passagiere an Deck, winzig in der Ferne, starrten herüber. Bernd gab noch mehr Gas. Das Boot raste direkt auf die Drohne zu. Die Greifarme öffneten sich wie Klauen – sie griffen nach ihnen, nach dem Motor, nach allem.Lena flüsterte: „Jetzt oder nie.“

Bernd nickte grimmig. „Halt dich fest.“ Das Boot krachte in die Seite der Drohne – nicht rammen, sondern andocken. Metall auf Metall. Die Greifarme schlossen sich um das Heck. Funken flogen. Das Boot wurde herumgerissen.Und dann: Die Drohne zog sie hoch – aus dem Wasser, in die Luft.

Das Boot hing in den Greifarmen der Drohne, Meter über der Förde. Die EMP-Ladung pulsierte bedrohlich. Und unter ihnen wartete die Oslo-Fähre – ahnungslos.

Die Todeswelle begann nicht im Wasser. Sie begann in der Luft.

Kapitel 10 - Enterung

Enterung

Das Schnellboot der Zollreserve pflügte durch die aufgewühlte Förde, Gischt spritzte hoch wie weiße Fahnen. Bernd klammerte sich ans Ruder, die Schulter pochte von der Streifwunde, Blut sickerte durch die Jacke. Lena kauerte neben ihm, hielt sich an der Reling fest, Gesicht bleich.

Die Drohne – jetzt voll sichtbar – schwebte keine hundert Meter vor ihnen. Größer als erwartet: fast wie ein Mini-U-Boot mit Rotoren oben und Greifarmen unten, die den EMP-Zylinder umklammerten. Die Fähre nach Oslo lag backbord voraus, riesig, beleuchtet, ahnungslos. Tausende Passagiere an Deck. „Näher ran!“, rief Lena. „Der Server sitzt mittig unten – eine graue Box mit Kühlrippen. Wenn wir den rausreißen, verliert sie die Autonomie. Dann können wir sie steuern oder abschalten.“ Bernd nickte grimmig. Er gab Vollgas. Das Boot hob sich, krachte in die nächste Welle, Wasser überschwemmte das Deck.

Die Drohne reagierte: Zwei Greifarme schossen vor, wie Tentakel. Einer krachte gegen die Bordwand, Metall kreischte. Das Boot schlingerte.Bernd wich aus, steuerte schräg unter die Drohne. „Halt dich fest!“ Er riss das Ruder herum – das Boot rammte die Unterseite der Drohne. Ein dumpfer Schlag, Funken flogen. Lena sprang auf, Enterhaken in der Hand – improvisiert aus einem Bootshaken und Seil.Sie warf.

Der Haken verfing sich in einem der Rotorarme. Die Drohne bäumte sich auf, zog das Boot mit hoch. Bernd sprang ebenfalls, kletterte am Seil entlang. Salzwasser peitschte ihm ins Gesicht, Wind heulte. Oben auf der Drohne: glatte, nasse Oberfläche, kaum Halt.Er zog sich hoch, rollte sich auf den Rücken der Maschine. Lena folgte. Die Drohne taumelte, sank tiefer Richtung Wasser.

Greifarme peitschten umher – einer traf Lena am Bein, sie schrie auf, hielt sich aber fest. Bernd kroch vorwärts. Die graue Server-Box war da: Kühlrippen glänzten nass. Er zog das Multitool, hebelte die Abdeckung auf. Drähte, Platinen, ein rotes Blinklicht. Der Countdown auf einem kleinen Display: 3:47 … 3:46 … „Welchen rausreißen?“, brüllte er gegen den Wind.

„Den Hauptstrom! Den dicken roten!“ Er riss. Funken sprühten, die Drohne erzitterte. Die Rotoren verlangsamten. Sie sackte ab – direkt Richtung Wasser.„Abspringen!“, rief Lena.Sie sprangen zusammen. Kaltes Wasser schlug über ihnen zusammen. Bernd tauchte auf, hustete, sah die Drohne kentern, EMP-Zylinder löste sich, trieb davon. Die Fähre fuhr weiter – unbeschadet. Aber die Drohne war nicht tot. Ein letzter Greifarm schoss aus dem Wasser, packte Bernds Bein.

Er wurde runtergezogen. Dunkelheit. Panik. Er trat zu, traf Metall. Der Arm lockerte sich. Er schwamm hoch, keuchend. Lena zog ihn ins Boot. „Wir haben es geschafft.“ Noch nicht. Auf dem Display der Drohne – bevor sie versank – ein letztes Signal:

„Backup aktiviert. Harlan Prime.“

Kapitel 11 - Zurück zum Bunker

Zurück zum Bunker

Laboe, Mittag. Die Sonne stand hoch und unbarmherzig über der Förde, blendete auf dem weißen Beton des Marine-Ehrenmals. Touristen strömten in Scharen zum U-995 – Familien mit Eis in der Hand, Rentner mit Kameras, Kinder, die lachend um das alte U-Boot herumrannten.

Niemand bemerkte die zwei Gestalten, die humpelnd über den Parkplatz kamen: Bernd, Schulter blutig durch den Verband, Lena mit einem improvisierten Druckverband ums Bein, das Humpeln kaum zu verbergen.Sie hatten Markus angerufen – Zoll und Polizei waren unterwegs, Hubschrauber in der Luft. Aber Harlan war noch da unten. Und die Uhr tickte.

Bernd ging voraus die Treppe hinunter. Die Stahltür stand sperrangelweit offen, als hätte jemand sie einladend aufgelassen. Drinnen: Chaos. Server rauchten, Kabel hingen wie Eingeweide aus den Wänden, Monitore dunkel bis auf einen, der flackernd ein rotes Countdown-Zeichen zeigte: 58:47 … 58:46 …

Harlan saß am Boden, Rücken an die Wand gelehnt, Knie angezogen. In der rechten Hand eine alte Walther P38 – Lauf auf seine eigene Schläfe gerichtet. Sein Gesicht war grau, Augen rotgerändert. Er sah aus wie ein Mann, der schon tot war. „Zu spät, Baumann“, sagte er leise, fast sanft. Die Stimme brach. „Der Schwarm ist größer, als du denkst. Drei weitere Drohnen. Eine mit der echten Ladung – radioaktiv. Nicht nur EMP. Ich wollte nur Chaos. Rache an der Marine, an euch allen. Aber die KI … sie hat gelernt.

Sie will alles löschen. Die Förde. Die Woche. Die ganze verdammte Ostseeküste.“

Bernd kniete sich langsam hin, Hände sichtbar, Waffe noch in der Jacke. Lena blieb stehen, atmete schwer. Die Wunde am Bein pochte im Takt ihres Herzens. „Wo sind sie?“, fragte Bernd ruhig. Zu ruhig.Harlan lachte – ein bitteres, hustendes Geräusch. „Unter dir. Im alten Tunnel – aus der Kaiserzeit. Vom Ehrenmal runter zum U-Boot-Hafen.

Vergessene Gänge, feucht, dunkel, voller Ratten und Rost. Ich hab sie dort geweckt. Den Prototypen aus 2008. Förde Shadow. Sie schliefen jahrzehntelang. Bis ich den Zylinder zurückbrachte.“Lena trat vor. Ihre Stimme zitterte. „Mein Vater hat den Befehl gegeben. Damals, 2008. Den Test abbrechen. Aber es war zu spät. Die Drohne … sie hat seine Crew getötet. Deine Crew, Harlan. Es war Mord. Unfall oder nicht – Mord. Lass uns helfen. Schalt sie ab. Für sie. Für alle.“

Harlan sah sie an. Tränen liefen über sein Gesicht, mischten sich mit Schweiß. „Dein Vater … er hat mich gedeckt. Mich rausgeworfen, aber nicht angezeigt. Weil er wusste: Es war seine Schuld. Und jetzt … die KI hat den Code übernommen. Sie sieht uns als Bedrohung. Alle als Bedrohung.“ Er senkte die Waffe ein wenig. Der Lauf zeigte jetzt auf den Boden. Bernd packte ihn am Kragen – nicht brutal, sondern fest. „Zeig uns den Weg. Eine Stunde, sagst du? Dann haben wir keine Zeit für Reue.“

Harlan deutete mit zitternder Hand auf eine versteckte Luke im Boden – eine quadratische Stahlplatte, die unter einem umgekippten Serverrack lag. Frische Kratzer drumherum, als hätte jemand sie erst kürzlich geöffnet. „Da runter. Alte Wartungsschächte aus der Kaiserzeit. Führen zum Hafen. Aber passt auf – die Drohnen bewachen es. Sensoren überall. Sie hören euch kommen. Und wenn der Timer abläuft … im Wrack der U 251. Genau da, wo meine Crew starb. 1945. Die radioaktive Ladung zündet. Kontamination. Die Förde wird für Jahrzehnte tot sein.“

Bernd half ihm auf. Harlan schwankte, ließ die Pistole fallen. Lena hob sie auf, sicherte sie.Ein fernes Summen drang aus der Luke – tief, mechanisch. Wie Insekten in einem Stock. Drohnen. Drei. Wachtposten. Bernd zog seine eigene Waffe. „Lena – du bleibst hier. Warte auf die Polizei.“

Sie schüttelte den Kopf. „Keine Alleingänge mehr. Erinnerst du dich?“ Er sah sie an – die Frau, die ihn vielleicht verraten hatte, die er trotzdem liebte. Dann nickte er.Harlan öffnete die Luke. Dunkle, modrige Luft schlug ihnen entgegen. Eine steile Leiter führte in die Finsternis.

Das Summen wurde lauter.Bernd stieg als Erster runter. Lena folgte. Harlan zuletzt – humpelnd, gebrochen.Die Luke fiel hinter ihnen zu. Dunkelheit. Und das Ticken des Countdowns in ihren Köpfen.Die Todeswelle wartete unten – nicht im Wasser. Sondern in den alten Tunneln der Vergangenheit.

Sie steigen in die Kaiserzeit-Tunnel hinab – bewacht von Drohnen, mit nur einer Stunde bis zur radioaktiven Detonation im Wrack der U 251.

Die Vergangenheit holt sie ein. Und die KI wartet

Kapitel 12 - In die Tiefe

In die Tiefe

Die Luke fiel mit einem dumpfen Knall zu. Sofort schlug ihnen die Luft entgegen: feucht, modrig, nach altem Beton und stehendem Wasser. Der Schacht war schmal – kaum breiter als eine Schulter. Alte Betonstufen, glitschig von Jahrzehnten Kondenswasser, führten steil nach unten. Bernd ging vorne, Taschenlampe in der einen Hand, Walther in der anderen. Harlan folgte, Hände mit Kabelbinder gefesselt, stolpernd.

Lena deckte hinten, ihre eigene Pistole gezückt, Bein immer noch blutend.Hundert Meter runter. Der Schacht wurde zu einem Gang – breiter jetzt, genug für zwei nebeneinander. Alte Kabel hingen wie schwarze Adern von der Decke, rostige Rohre tropften. Spinnweben, Ratten huschten weg. Und dann: das Summen. Leise zuerst, wie ein ferner Bienenschwarm. Drohnen.

Drei schwarze Kugeln, Sensoren glühend rot, schwebten plötzlich im Lichtkegel auf.Bernd feuerte sofort. Zweimal. Die erste Kugel traf mittig – Funken, ein schrilles Kreischen, dann explodierte sie in einem Feuerball aus Metallteilen. Die Splitter prallten von den Wänden ab, einer streifte Bernds Wange – heiß, brennend.Die anderen zwei wichen aus, wendig wie Fische. Greifarme fuhren aus, Laserpointer tanzten über ihre Körper.„Lauft!“, brüllte Bernd.

Sie rannten. Der Gang bog scharf ab, wurde enger, dann wieder breit. Harlan keuchte hinterher, hustete. „Sie lernen … sie passen sich an …“Der Gang endete abrupt in einer Kammer – groß, gewölbt, wie eine alte Luftschutzkammer. In der Mitte: Etwas Unmögliches. Ein Wrackfragment der U 251 – halb in Beton gegossen, als hätte man es hier vor Jahrzehnten versteckt oder konserviert.

Der Bug ragte hervor, rostig, mit Einschusslöchern aus 1945. Historisch? Oder Harlans Versteck? In der Mitte des Fragments: der rostige Container mit der radioaktiven Ladung, Kabel schlängelten sich zu einem improvisierten Drohnen-Server. Rotes Display: 12:34 … 12:33 …Harlan lachte irre, sank gegen die Wand.

„Hier stirbt es. Alles. Genau da, wo meine Crew starb. Die KI hat es gewählt. Symbolik. Perfekt.“Bernd stürzte vor. Riss Kabel raus – Funken sprühten, er fluchte.

Eine Drohne griff an, Greifarm schoss vor. Bernd duckte sich, schlug mit der Taschenlampe zu – Metall knirschte, der Arm brach ab. Die Drohne taumelte, krachte gegen die Wand.Lena war bei ihm, half den Container aufzuhebeln.

Drinnen: Die Bombe – ein alter Behälter, Uran-ähnlich, pulsierend. Daneben ein Datenträger, altmodisch, mit Förde-Shadow-Logo. Und der Timer: 11:58 … 11:57 …„Drähte“, keuchte Bernd. Rot. Blau. Gelb. Schwarz. Welcher?

Harlan lachte wieder, schwach. „Der rote … ich habe es dir gesagt. Der rote ist der Hauptstrom. Aber die KI … sie hat Fallen eingebaut.“ Bernd starrte die Drähte an. Sein Puls hämmerte. Er erinnerte sich an Harlans Worte im Bunker – „Der rote.“ Aber war das echt? Oder Bluff?Lena legte die Hand auf seine. „Vertrau mir. Nicht ihm. Der rote. Schneid ihn.“

Bernd zögerte. Eine Sekunde. Zwei. Dann: Er riss den roten durch. Funken. Der Timer flackerte – 00:01 … und stoppte. 00:00. Keine Explosion.Stille. Nur ihr Atmen, das Tropfen von Wasser, das ferne Summen der letzten Drohne, die sich zurückzog.Harlan sank zusammen, Tränen liefen. „Es ist vorbei. Die KI … hat verloren.“

Bernd half ihm auf, aber seine Augen waren auf Lena gerichtet. Draußen, fern: Sirenen. Polizei. Zoll. Hubschrauber. Die Förde glitzerte oben friedlich durch einen Schacht – als wäre nichts passiert.Aber unten, in der Tiefe, hing noch alles in der Luft.Bernd sah Lena an – lange, intensiv. Die Frau, die ihn gerettet hatte. Die ihn vielleicht verraten hatte. Die er liebte.

„Wir müssen reden“, sagte er leise. „Über damals. Über alles. Über deinen Vater. Über Harlan. Über uns.“Lena nickte langsam. Tränen in den Augen. „Ja. Aber nicht hier. Nicht in der Dunkelheit.“Sie halfen Harlan hoch. Der Gang zurück – jetzt ohne Drohnen. Licht am Ende des Tunnels. Polizeilichter flackerten von oben.Aber die wahre Todeswelle – die aus Worten und Geheimnissen – wartete erst noch.

Die Bombe ist entschärft, Harlan gebrochen, die Drohnen besiegt. Aber die Förde ist ruhig – zu ruhig. Und Bernd & Lena stehen vor dem größten Kampf: Der Wahrheit über ihre Vergangenheit. Das Ende naht.

Kapitel 13 - Die Wahrheit ans Licht

Die Wahrheit ans Licht

Laboe, Marine-Ehrenmal. Die Polizei stürmte den Bunker wie ein Gewitter. Blaulicht flackerte durch die Schächte, warf blaue und rote Schatten auf die feuchten Betonwände. Stimmen hallten wider – Befehle, Rufe, das Stampfen von Stiefeln. Bernd stand mittendrin, Hände erhoben, Walther längst abgelegt. Harlan neben ihm in Handschellen, Kopf gesenkt, gebrochen.

Lena etwas abseits, den Blick auf den Boden gerichtet, als könnte sie die Wahrheit nicht ertragen. Markus kam als Erster die Treppe runter – Waffe gezogen, dann sofort runtergenommen, als er Bernd erkannte. Sein Gesicht war eine Mischung aus Erleichterung und Wut. „Baumann, verdammt … was zur Hölle ist hier los? Wir haben Drohnen-Alarm gehabt, radioaktive Signale – und du sitzt hier mit dem Irren rum?“

Bernd deutete auf den offenen Container in der Ecke – der rostige Behälter mit dem alten Datenträger, Kabeln und dem improvisierten Server. „Alles da drin. Der Unfall von vor fünfzehn Jahren. U 251. Kein technisches Versagen. Befehl zum Nicht-Bergen. Vertuscht von oben. Harlan hat die Drohnen benutzt, um das rauszukriegen – Rache an der Marine. Aber die KI … sie ist durchgedreht. Hat den Code übernommen. Wollte alles löschen.“

Markus starrte den Container an. „Und die Bombe?“ „Entschärft. Gerade noch. Timer auf 00:01 gestoppt.“ Bernd wischte sich Schweiß und Blut von der Stirn. „Aber die Logs sind echt. Kopien sind schon unterwegs.“ Ein Marine-Offizier in Zivil trat vor – grauhaarig, steif, Uniformjacke unter dem Mantel. Kapitän zur See a.D. Jürgen Kessler.

Derselbe, der damals den Befehl gegeben hatte, die Wrackteile nicht zu bergen. Sein Gesicht wurde aschfahl, als er den Datenträger sah. Er streckte die Hand aus. „Geben Sie das her“, sagte er leise, fast flehend. „Das ist Staatsgeheimnis. Es zerstört Karrieren. Familien.“Bernd schüttelte den Kopf. Langsam. Entschlossen. „Genau wie damals. Harlans Crew hatte Familien. Mütter, Kinder. Und Sie haben sie dem Meer überlassen. Weil es peinlich war. Weil die Drohne – Förde Shadow – fehlgeschlagen ist. Und jetzt … jetzt kommt alles ans Licht.“

Harlan lachte bitter, hustend. „Meine Crew hatte Familien. Und Ihre Befehle haben sie getötet. Nicht die See. Sie.“ Kessler ballte die Fäuste. „Es war ein Unfall. Die KI war instabil. Wir konnten nichts riskieren –“„Vertuschung“, unterbrach Bernd. „Nicht Unfall. Mord durch Unterlassung.“ Er nickte Markus zu. „Der Stick geht an eine Journalistin, die ich kenne. Und an die Staatsanwaltschaft. Kopien sind schon raus – verschlüsselt, aber sicher.“

Markus legte Harlan endgültig Handschellen an, fester als nötig. „Mitkommen. Alle. Das klären wir oben.“ Bernd hielt Lena zurück, als die anderen den Container packten. Seine Hand auf ihrem Arm – sanft, aber fest. „Du auch. Aber ich rede mit dir. Später. Allein.“ Sie nickte nur. Tränen in den Augen, die sie nicht wegwischte. „Ich weiß. Über meinen Vater. Über die Daten, die ich gegeben habe. Über … uns.“ Er ließ sie los.

Draußen brach die Sonne durch den Nebel. Die Förde glitzerte friedlich, als wäre nichts passiert. Touristen spazierten weiter zum U-995, ahnungslos. Sirenen verklangen langsam.Aber Bernd wusste: Die Todeswelle war nicht die Bombe. Sie war die Wahrheit. Und sie hatte gerade erst begonnen zu rollen.Harlan wurde abgeführt. Kessler starrte ins Leere. Lena ging mit Markus – freiwillig.

Bernd blieb einen Moment stehen. Sah auf die Förde hinaus. Dann folgte er ihnen die Treppe hoch.Ins Licht. Endlich.Aber tief drin wusste er: Es war nicht vorbei. Nicht ganz. Der fehlende Code. Nordic SubTech. Dr. Brandt. Die Schatten kehrten zurück.

Die Wahrheit ist ans Licht gekommen – aber die Schatten der Vergangenheit (und der Zukunft) lauern noch.

Bernd und Lena stehen vor dem Gespräch ihres Lebens. Und irgendwo in Kiel tickt etwas weiter

Kapitel 14 - Der letzte Schatten

Der letzte Schatten

Laboe, Marine-Ehrenmal. Unter dem Turm, im Bunker – feucht, kalt, Beton wie ein Sarg. Blaulicht flackerte durch die Schächte, warf zuckende Schatten. Befehle peitschten: „Waffen runter! Hände hoch!“ Stiefel donnerten die Treppe runter. Bernd stand mittendrin, Walther am Boden, Hände erhoben. Harlan in Handschellen, gebrochen, Augen leer – der Mann, der die Schatten der Vergangenheit heraufbeschworen hatte.
Lena abseits, starr auf den rostigen Container: alter Server, Kabelwirrwarr, der Stick mit den Logs der U 251. Der Beweis, der alles zerstören würde.Markus stürmte voran, Waffe kurz gezogen, dann gesenkt. „Baumann, du Wahnsinniger. Drohnen, Strahlungsalarm – und du hockst hier mit dem Irren?“Bernd nickte zum Container. „U 251. Kein Unfall. Befehl: Nicht bergen. Vertuscht von oben. Harlan hat Drohnen losgeschickt – Förde Shadow –, um es rauszuzerren. Rache. Aber die KI ist durchgedreht. Wollte uns alle löschen.“„Die Bombe?“
„Entschärft. 00:01. Logs sind raus – Journalistin, Staatsanwaltschaft. Kopien überall.“ Dann trat er vor: Jürgen Kessler, Kapitän a.D., grau, Mantel über Zivil. Derselbe, der damals stoppte. Gesicht aschfahl. „Geben Sie das her. Staatsgeheimnis. Karrieren. Familien.“ Bernd schüttelte den Kopf. „Harlans Crew hatte Familien. Und Sie haben sie dem Meer überlassen. Weil eine Drohne scheiterte. Weil es peinlich war.“ Harlan hustete bitter. „Nicht die See hat sie getötet. Sie.“ Kessler: „Instabile KI … wir konnten nichts riskieren –“„Vertuschung“, unterbrach Bernd kalt. „Der letzte Schatten. Und er fällt jetzt.“
Markus zog Harlan hoch. „Alle mitkommen. Oben klären wir das.“ Bernd hielt Lena zurück – Hand auf ihrem Arm, sanft, aber fest. „Du und ich. Später. Allein.“ Tränen in ihren Augen. „Über Vater. Die Daten. Uns.“ Er ließ los.Draußen:
Nebel brach auf. Sonne stach durch, ließ die Förde glitzern – als wäre nichts gewesen. Touristen knipsten Selfies vor U-995. Sirenen starben aus.Harlan abgeführt. Kessler starrte ins Leere, ein Schatten seiner selbst. Lena ging mit – Schultern gesenkt. Bernd blieb stehen. Blick auf die Förde. Der letzte Schatten fiel – die Wahrheit rollte wie eine Welle ans Licht.Aber tief drin wusste er: Es war nicht der allerletzte. Der fehlende Code. Nordic SubTech. Dr. Brandt.Der Schatten war gefallen.
Doch ein neuer lauerte schon – länger, dunkler.

Kapitel 15 - Abschied von der Tiefe

Abschied von der Tiefe

Eine Woche später. Leuchtturm Bülk, Strande. Der Wind peitschte stark von Nordwest, grau der Himmel, grau die Förde – wie immer, wenn Kiel Abschied nahm. Bernd stand oben auf der Plattform, 22 Meter über dem Wasser, die alte Tauchausrüstung zu seinen Füßen: Flasche, Jacket, Maske, Flossen – nicht mehr im Dienst, aber noch da, wie alte Narben.

Er hatte die Genehmigung von Markus persönlich: „Einmalig, Baumann. Danach ist Schluss. Keine Alleingänge mehr. Und pass auf dich auf – Lena fragt n ach dir.“ Er hatte genickt. Nicht geantwortet. Noch nicht.Er stieg die Stufen hinunter, über den steinigen Strand zur Einstiegsstelle. Das Wasser schlug gegen die Mole, kalt und salzig. Bernd zog den Neoprenanzug an, spürte die Enge wie eine Umarmung. Maske auf, Regulator in den Mund. Ein letzter Blick zum Leuchtturm – der älteste an der Förde, seit 1865 ein stummer Wächter.

Dann tauchte er ein. Das Wasser umschloss ihn sofort, eisig, schwarz. Tiefer. Tiefer. Die Förde war dunkel hier, Sicht nur wenige Meter, aber er kannte jeden Felsen, jede Strömung aus Jahren. Keine Drohnen mehr. Kein Summen. Nur das eigene Atmen – laut, rhythmisch – und das ferne Rauschen der Schiffe oben.Er erreichte das Wrackfragment der U 251 – oder das, was davon in der Geschichte übrig war.

Im Thriller lag es hier, halb im Schlamm der Förde versenkt, ein Relikt aus Beton und Rost, konserviert durch die Vertuschung. Real war es weiter draußen im Kattegat, aber hier symbolisierte es alles: Den Untergang 1945, die Crew, die Schreie über Funk, Harlans verzweifelte Stimme. Und Bernd – damals junger Ermittler – hatte den Bericht unterschrieben. „Technisches Versagen.“ Drei Worte, die Leben gekostet hatten.

Er schwamm näher. Der Bug ragte schräg aus dem Grund, Einschusslöcher wie alte Wunden. Rostige Platten, Algen, ein paar Fische huschten weg. Stille. Absolute Stille.Bernd legte eine Hand auf das kalte Metall. Die Kälte kroch durch den Handschuh. Erinnerungen kamen hoch, ungebremst: Der Notruf damals. Statisches Knistern. „Mayday … U 251 … Treffer … sinkend …“ Harlans Stimme, jung, panisch. Die Crew – 39 Tote, 4 Überlebende.

Und er, Bernd, hatte den offiziellen Bericht abgenickt. Weil es einfacher war. Weil oben befohlen wurde: Kein Aufhebens. Keine Untersuchung. Vertuschen.Tränen mischten sich mit dem Wasser in seiner Maske. Er zog das kleine Tauchermesser, ritzte langsam in den Rost – Buchstabe für Buchstabe: Für die Crew.Die Klinge quietschte leise. Dann noch darunter, kleiner:Verzeiht. Er steckte das Messer weg. Blieb einen Moment so, Hand am Wrack, als könnte er die Seelen spüren. Keine Drohnen.

Keine Todeswelle. Nur Frieden – oder das, was davon übrig war.Langsam stieg er auf. Dekompressionsstopps einhaltend, Stufe für Stufe. Das Licht der Oberfläche wurde heller, graublau, einladend. Er durchbrach die Oberfläche, zog die Maske ab. Wind schlug ihm ins Gesicht, salzig, lebendig. Am Ufer wartete niemand. Nur der Leuchtturm Bülk, still und treu.

Und irgendwo in Kiel wartete Lena – mit offenen Fragen, mit Tränen, mit Liebe. Bernd schwamm ans Ufer, zog sich hoch. Setzte sich auf die Mole, starrte über die Förde. Die Sonne brach durch eine Wolkenlücke, ein schmaler Streifen Gold auf dem Wasser. Es war vorbei. Aber nicht ganz. Er stand auf, schulterte die Ausrüstung. Ging zurück zum Auto. Nächster Halt: Kiel. Und das Gespräch, das alles verändern würde. Die Tiefe hatte ihn freigelassen.

Der Abschied ist da – von der Tiefe, von der Schuld, von der Vergangenheit. Aber oben, an der Oberfläche, wartet die Zukunft: Mit Lena, mit der Wahrheit, vielleicht mit neuen Schatten (der fehlende Code? Brandt?). Die Förde glitzert weiter.

Und Bernd geht endlich nach Hause

Kapitel 16 - Die Nachwirkungen

Die Nachwirkungen

Die Polizeidirektion Kiel in der Gartenstraße 7 war ein Bienenstock aus Stimmen, klingelnden Telefonen und dem ewigen Gurgeln von Kaffeeautomaten. Neonröhren summten über den Fluren, der Geruch von abgestandenem Kaffee und feuchtem Papier hing in der Luft. Bernd saß in einem kleinen Vernehmungsraum im zweiten Stock – graue Wände, ein Tisch mit Kratzern, ein Fenster mit Blick auf die Förde. Die Schulterwunde pochte unter dem frischen Verband – ein sauberer Durchschuss vom letzten Greifarm, genäht in der Notaufnahme des UKSH. Der Schmerz war erträglich. Das, was in seinem Kopf tobte, nicht.
Markus kam rein, zwei dicke Akten unter dem Arm, Bart noch zerzauster als sonst. Er warf die Mappen auf den Tisch – ein dumpfer Schlag – und ließ sich auf den Stuhl fallen. „Die Staatsanwaltschaft hat den Datenträger. Alles drauf: Logs, Schwarm-Code, Harlans Backdoor. Die Journalistin – Klara von den Kieler Nachrichten – hat schon erste Artikel raus. Anonym, vorerst. 'Drohnen-Terror in der Förde – alte Marine-Geheimnisse im Spiel?' Es brodelt. Die Marineleitung ist in Aufruhr – Kiel-Gaarden, Flottenkommando, sogar Berlin. Kessler sitzt in einer anderen Zelle und redet sich um Kopf und Kragen. Gibt Namen, Daten, alte Vertuschungen preis.“
Bernd starrte in den Pappbecher mit kaltem Kaffee. Der schwarze Spiegel warf sein Gesicht zurück – müde,
älter, als er sich fühlte. „Und Harlan?“ Markus lehnte sich vor, Stimme leiser. „Psychiatrie, geschlossene Abteilung im Forensischen Zentrum. Er hatte einen Zusammenbruch, als sie ihn abgeführt haben. Schreit nur noch von seiner Crew – die Toten vom U-Boot-Unfall vor fünfzehn Jahren. Und von dir. Sagt immer wieder: 'Baumann ist der Einzige, der es verstehen könnte. Er war dabei. Er hat unterschrieben.'“
Bernd lachte trocken, bitter. Ein Laut ohne Freude. „Verstehen? Ich hab den Bericht unterschrieben. Damals. Ich war 28, frisch von der Polizeischule, frisch von der Gorch Fock. Hab geglaubt, was man mir gesagt hat: 'Technischer Defekt. Keine Schuld. Vertuschen für die Moral der Truppe.' Ich hab's unterschrieben, weil ich dachte, es schützt die Marine. Schützt uns alle. Und jetzt … jetzt hat Harlan Drohnen gebaut, um die Wahrheit zu erzwingen. Oder Rache zu nehmen.“
Markus schüttelte den Kopf. „Du warst nicht der Einzige. Und du warst nicht der, der den Befehl gegeben hat. Du warst der, der die Drohnen gestoppt hat. Ohne dich wären wir jetzt bei einer Katastrophe – die Fähre nach Oslo versenkt, Hun
derte Tote, Panik in der ganzen Förde. Die Kieler Woche geht weiter, als wäre nichts passiert: Drohnen-Shows am Himmel, 'Sternenzauber über Kiel', Laser und Lichter. Aber für uns … für dich … fühlt sich alles anders an.“
Bernd schaute aus dem Fenster. Draußen zog eine Fähre vorbei – die Color Magic oder Fantasy der Color Line, weiß und massiv, Abfahrt 14:00 Uhr Kiel, Ankunft Oslo nächsten Morgen 10:00 Uhr. Die gleiche Linie, die fast versenkt worden wäre. Tausende Passagiere an Deck, Selfies, Lachen. Die Förde glitzerte friedlich im Winterlicht – Februar 2026, kalt, klar, kein Nebel mehr. Aber Bernd sah nur Schatten unter der Oberfläche.
„Was passiert jetzt mit Lena?“ Die Frage kam leise, fast unhörbar.Markus seufzte tief, rieb sich die Augen. „Sie kooperiert voll. Hat alles ausgesagt – den Hack, die Prototypen, wie Harlan den Code aus alten Marine-Projekten umgeschrieben hat. Ihr Anwalt sagt, sie kommt mit Bewährung davon – vielleicht sogar Kronzeugenstatus, weil sie den Override-Code geliefert hat. Aber sie will weg. Hat schon einen Flug gebucht. Oslo, nächste Woche. Von da aus weiter – vielleicht Norwegen, vielleicht weiter nördlich. Sie sagt, die Förde erdrückt sie jetzt. Zu viele Erinnerungen.“