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Am Ziel einer langen Reise in das Herz der Fiktion In einer Pension des uruguayischen Grenzortes Santa María blickt der österreichische Exilschriftsteller Kutzenberger plötzlich in den Mündungslauf einer Pistole. So beginnt »Kilometer null« und nimmt die Leser mit auf eine Achterbahnfahrt, die ihren unfreiwilligen Helden quer durch den südamerikanischen Kontinent, tief in dessen Weltliteratur hinein und schließlich bis vor die Himmelspforte führen wird. Ein neuer Wurf des gleichnamigen Autors Stefan Kutzenberger, ein wildes, bewegendes und ausgelassenes Buch, das ins Herz unserer immer unwirklicher erscheinenden Gegenwart trifft und mitreißend beweist: Literatur kann alles.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
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Cover & Impressum
Zitate
1. Aufbruch
Das Grab
Die Paarungen
Die Abschiede
Der Nobelpreis
Die Formel
Die Sporen
Der Erzähler
Das Greif
Die Kugel
Das Rössl
Die Pistole
Das Credo
Der Hut
Der Flug
Der Mörder
Der Sitznachbar
Das Schwein
Die Dänin
Das Zimmer
Wie der Waise Nacho das Gesetz brach, vor dessen langem Arm flüchtete, und welch weitreichenden Entschluss er fasste
Der Guru
2. Anbruch
Die Überfahrt
Das Kapitel über die Seele des Buddhisten
Die Gerüchte
Der Koffer
Die Vergänglichkeit
Die Wartehalle
Die Achse
Die Zollbeamtin
Die Kolumne
Der Käfer
Die Europäerin
Der Fall
Die Wohnung
Der Schreibtisch
Wie Louise erriet, dass ihre Freundin schwanger war, und was der Vater des Kindes verschweigen wollte
Die Fügung
Die Fakten
Die Sitznachbarin
Die Entlassung
Das Freibad
Der Marathonläufer
Der Fiebertraum
Die Vorladung
Der Kirschkern
Die Bibliothek
Die Bar
Die Baustelle
Wie Chema zwei Teenager dazu brachte, ihr Handy wegzulegen, und welche Rolle dabei ein Hammer spielte
Die Windmühlen
3. Ausbruch
Die Verlagerung
Die Widmung
Die Hütte
Die Fuge
Der Autostopper
Das Teilstück
Die Obstplantage
Das Kapitel über die Seele des Atheisten
Das Massaker
Das Fluchen
Der Todestanz
Wie Anatolio die große Wüste durchquerte, in einem See badete und er danach seine Bestimmung fand
Die Hexe
Das Antiquariat
Die Kriegsverbrecher
Der Buchhändler
4. Umbruch
Der Israeli
Die Danksagung
Die Rückfahrt
Die Buchtipps
Die Mülltonne
Wie Carlos eine Injektionsnadel bekam und Juan diese gegen eine Waffe eintauschte
Das Hochzeitslied
Das Aufeinandertreffen
Die Romane
die unsterblichkeit
Das Verhör
Der Gast
Die Falle
Die Zimmernummern
Der Spazierer
Das Kapitel über die Seele des Christen
Inhaltsübersicht
Cover
Textanfang
Impressum
You live your life as if it’s real
Leonard Cohen
Soweit ich zurückblicken kann, sagte Austerlitz,
habe ich mich immer gefühlt, als hätte ich keinen Platz
in der Wirklichkeit, als sei ich gar nicht vorhanden.
W. G. Sebald
km 4
Stefan Kutzenberger, der sich ein Leben lang dagegen gewehrt hatte, etwas umzubenennen, der ein geradezu körperliches Unbehagen empfand, wenn Menschen beschlossen, auf einmal anders zu heißen, wenn aus einer Anna die Klosterschwester Friederike wurde oder aus Maria im Ashram des indischen Gurus eine Madewa, wenn man bei den Pfadfindern einen Pfadfindernamen verliehen bekam oder auch wenn der Nachbarsbub Toni zu seinem 40. Geburtstag beschloss, fortan Anton genannt werden zu wollen, gerade dieser Stefan Kutzenberger starb nun unter anderem Namen. Auf der simplen Steinplatte, die sein Nischengrab verschließt, steht Mago Dro, etwas bizarr, aber korrekt, denn genau so stand es auch in seinen Aufenthaltspapieren, nombre:Mago, apellido:Dro. In den Grabstein wurden zudem der Geburts- und der Sterbetag eingraviert und erstaunlicherweise darüber hinaus ein Zusatz, der in spanischer Sprache besagt: Hier ruht der große Schriftsteller unvergessen. Das hätte Kutzenberger erfreut oder amüsiert, auf jeden Fall aber überrascht, denn immer weniger hatte er sich selbst als Schriftsteller gesehen, wenn er auch ursprünglich als solcher, als escritor, nach Südamerika eingeladen worden war. In letzter Zeit war er allerdings, so wie viele andere Flüchtlinge auch, mehr ein Lebens- oder, besser, Überlebenskünstler geworden, und ich glaube, dass es ihm gut ging, als er zur falschen Zeit am falschen Ort war, dass er glücklich war, in dem Moment, als die Kugel seinen Schädel durchschlug, sodass man vielleicht sogar sagen könnte, trotz des schrecklichen Ausgangs seines Lebens: Ende gut, alles gut.
Die Stadtregierung von Santa María einigte sich nach Rücksprache mit Marta, der Frau, die ihm zum Zeitpunkt seines Todes am nächsten gestanden hatte, auf diese Zusatzzeile der Grabplatte und bezahlte nicht nur die Gravur, sondern auch gleich das Begräbnis. Wohl nicht seiner literarischen Verdienste wegen, sondern weil man sich für die Art und Weise, wie er zu Tode gekommen war, dann doch auf gewisse Weise verantwortlich fühlte und auch ein bisschen schämte. Der nicht genannte Geburtsort wäre Linz an der Donau in Oberösterreich gewesen, der Sterbeort erübrigte sich, da er identisch mit dem des Friedhofs war, nämlich Santa María, eine Kleinstadt im Norden Uruguays, mit ihrer Schwesterstadt Santana do Livramento zusammengewachsen, doch durch eine Landesgrenze geteilt, denn Santana lag bereits in Brasilien. Die beiden Städte trennte aber mehr, nicht nur das Land, der Staat, die Nation und damit die Farbe im Atlas, Brasilien grün, Uruguay gelb, so zumindest auf der Schreibtischunterlage des jungen Kutzenberger, auf die er viel öfter gestarrt hatte als in die Schulbücher, die darauf lagen, sodass er im Laufe der Zeit ein erstaunliches geografisches Wissen erlangte, die Hauptstädte der exotischsten Länder wusste, Suva für die Fidschi-Inseln, Ngerulmud für die Republik Palau, und sicher auch Santana do Livramento und Santa María gekannt hätte, wären sie auf seiner Weltkarte verzeichnet gewesen. Es trennte die beiden Städte aber eben noch mehr als nur die Landesgrenze und die Farbe im Atlas, nämlich die Sprache: das hopsende, immer leicht kindlich wirkende Portugiesisch Brasiliens in Santana und das so stolze Spanisch der La-Plata-Region in Santa María, weichgespült mit tröstenden Sch-Lauten, tröstend, weil sie Kutzenberger immer an die beruhigenden Luftströme erinnerten, mit denen man kleinen Kindern den Schmerz wegzaubern mochte, schhhhhhhhhhh, alles wird gut – und alles wurde gut. Noch eigenartiger als die sprachliche Trennung der Zwillingsstädte aber war, dass die direkt über den Hauptplatz gezogene Grenzlinie auch eine Zeitgrenze darstellte und Santana do Livramento Santa María eine Stunde voraus war, was immer wieder zu Verwirrungen führte und es Ortsunkundigen unmöglich machte, die Stadt wieder zu verlassen, da der Busbahnhof in Santana lag und der Bus daher schon vor einer Stunde abgefahren war, wenn man dort außer Atem ankam. Oder war das nur Kutzenberger passiert, als er 1992 das erste Mal hier gewesen war? Zusammengerechnet hatten diese beiden durch eine Stunde getrennten Städte 200 000 Einwohner, waren also ähnlich groß wie seine Geburtsstadt Linz. Trotzdem war ihm Santa María wie das letzte Loch erschienen, als er damals nach dem Missgeschick mit dem Bus in etwas eisiger Stimmung mit seiner Freundin in das heruntergekommene Hostal del Río zurückkehrte, aus dem sie doch gerade erst ausgecheckt hatten. Sie bekamen dasselbe fensterlose Zimmer, das Bett war noch in Unordnung, und bald lagen auch ihre großen Rucksäcke wieder achtlos am Boden. Bis auf Gesichtshöhe waren die Wände mit dunkelblauem Lack angemalt, darüber in schmutzigem Weiß. In einer Ecke stand ein Ventilator, sonst gab es nur noch einen Sessel und ein kleines Tischchen, auf dem eine leere Flasche Mineralwasser der Marke Salutaris stand, ein paar bröselige Kekse daneben. Kutzenberger legte sich ins Bett, schaute gegen die Wand und sagte zu seiner Freundin, Hier möchte ich nicht begraben sein, nur um den Gedanken sofort wieder zurückzunehmen, nicht frei von Aberglauben, denn der liebe Gott hört alles, der liebe Gott sieht alles – und der liebe Gott missversteht alles. Und so war es dann auch, einem unverständlichen Drehbuch folgend, trugen ihn seine Schritte nach vielen Jahren, Umwegen und Pirouetten zurück in diese Stadt, in die man kaum zufällig gelangte, nur um ihn hier sein Schicksal vollenden zu lassen.
Das erinnert natürlich an die Ödipussage, in der es König Laios ebenso wenig gelingt, dem Fluch zu entkommen, der besagt, dass ihn sein Sohn ermorden würde, um danach die eigene Mutter zu ehelichen. Noch mehr aber ähnelt Kutzenbergers Beharrlichkeit, just der Stadt, in der er nicht begraben sein wollte, quer über den Globus ein weiteres Mal zuzustreben, der Begegnung in Samarra, die Somerset Maugham so nacherzählt:
Es war ein Kaufmann in Bagdad, der seinen Diener auf den Marktplatz schickte. Nach kurzer Zeit kam der Diener totenblass und zitternd zurück und sagte, Meister, als ich gerade am Markt war, rempelte mich eine Dame in der Menschenmenge an, und als ich mich umdrehte, sah ich, dass sie der Tod war. Sie blickte mich an und machte eine bedrohliche Geste. Bitte leihen Sie mir Ihr Pferd, damit ich so schnell wie möglich nach Samarra fliehen kann, wo mich der Tod niemals findet. Der Kaufmann lieh seinem Diener das Pferd, und es blieb ihm nun nichts anderes übrig, als selbst einkaufen zu gehen. Am Marktplatz sah er mich stehen. Er kam auf mich zu und fragte: Warum hast du meinem Diener heute in der Früh gedroht? Ich drohte ihm nicht, antwortete ich, ich war erschrocken und überrascht. Ich hatte ihn nämlich nicht in Bagdad erwartet, wo ich doch heute Abend ein Treffen mit ihm in Samarra habe.
Es gefällt mir, wie der Tod hier plötzlich zum Erzähler, besser: zur Erzählerin wird. Denn natürlich fällt es auf, dass der Tod hier eine Dame ist, was im Spanischen auch der Fall gewesen wäre, la muerte, auf Deutsch dagegen unnatürlich wirkt, denn bei uns ist der Tod männlich, der Sensenmann. Aber das Gleichnis hinkt im Zusammenhang mit Kutzenbergers Geschichte ohnehin, da dieser seinem Schicksal ja nicht zu entkommen versuchte, sondern sich wahrscheinlich nicht einmal mehr an den Satz erinnerte, den er 1992 an seine Freundin gerichtet hatte. Ich weiß auf jeden Fall nicht, ob er schaudernd seiner Worte von damals gedachte, als er drei Jahrzehnte später ein weiteres Mal in dieser so entlegenen Zwillingsstadt gelandet war.
Wer ich bin? Sicher nicht der Tod und auch nicht la muerte, da können Sie beruhigt sein, liebe Leserin, lieber Leser. Ihr Erzähler ist harmlos, ein Mensch aus Fleisch und Blut, etwas kompliziert bekannt mit Kutzenberger, zu entfernt vielleicht, um sich hier aufzuspielen und sein Leben zu Ende erzählen zu wollen, könnte man einwerfen. Aber wer sonst sollte es tun? Freiwillige vor! Nun, sehen Sie, niemand. Es bleibt an mir, das zu vollbringen, und aus einem gewissen Pflichtbewusstsein heraus mache ich es nun eben, nicht dass Sie glauben, es macht so viel Spaß, sich jeden Tag an den Tisch zu setzen, um über einen Menschen zu schreiben, der einem die Polizei an den Hals gehetzt hat, der einen zur Flucht gezwungen hat, der einen nötigte, ein respektables österreichisches Leben gegen das eines Flüchtlings in Südamerika einzutauschen, und mit dem man nahezu nichts gemein hat, sicher nicht das Pflichtbewusstsein, manchmal erscheint es mir, als wäre ich der Letzte einer Generation, der dieses Wort überhaupt noch kennt. Was Kutzenberger nicht wissen konnte, ist, dass auch ich glücklich bin hier, überraschenderweise glücklicher, als ich es in Österreich je war. Vielleicht ist es eine vertrackte Dankbarkeit, die mich dazu bringt, aufzuschreiben, wie sich Kutzenberger und die Kugel, die sein Leben beendete, immer näher und näher kamen, so nah, bis ihre Wege einander auf höchst fatale Weise kurzzeitig kreuzten. Am Anfang der Geschichte waren sie allerdings noch durch ein Weltmeer getrennt auf zwei unterschiedlichen Kontinenten, und auch das Zimmer, in dem sie schließlich aufeinandertreffen sollten, Kutzenberger und die Kugel, war beruhigende 11.316 Kilometer Luftlinie von ihm entfernt. Doch schon schien Kutzenberger all seine Schritte so zu setzen, um diese ungeheure Distanz zu überwinden.
km 11.316
Der große Festsaal der Universität Wien war bereits voll, als Kutzenberger eintrat. Die deutschsprachige Literaturprominenz hatte sich eingefunden, große Namen waren darunter, die allergrößten freilich nicht, der Nobelpreisträger und die zwei Nobelpreisträgerinnen hatten kein Interesse an einem Austauschstipendium. Auch nicht, wenn dieses zu Ehren von Stefan Zweig vergeben wurde, dessen Todestag sich zum achtzigsten Mal jährte.
Am 22. Februar 1942 hatte sich Zweig im brasilianischen Exil an seinen Schreibtisch gesetzt und Abschiedsbriefe geschrieben, den letzten davon an seine erste Frau. Bereits der anderen Frau in den Tod verschworen, dachte er doch jener, für die er gelebt, die ihn geliebt: Friderike Maria Zweig. Dann folgte noch eine offene Seite an alle, die es wissen wollten. Er setzte unterstrichen das portugiesische Wort Declaracão darüber, das man streng genommen declaração schrieb, da es andernfalls deklarakao ausgesprochen wurde, was in unseren Ohren nach Kakao klingt, in den brasilianischen jedoch nach declara cão, was Es erklärt der Hund bedeutete – eine eigenartige Überschrift für die letzte Erläuterung des erfolgreichsten Schriftstellers seiner Generation. Vielleicht war es ein ultimativer subversiver Akt, eine Botschaft an die verhassten Nazi-Schergen, die seine geistige Heimat Europa in den Untergang getrieben hatten. Von Salzburg hatte er nach London flüchten müssen, wo er die Grabrede für den ebenfalls gerade noch davongekommenen Professor Freud hielt, weiter ins hektische New York, um schließlich im ruhigeren Petrópolis, eine Autostunde von Rio de Janeiro entfernt, entkräftet aufgeben zu müssen. Frieden gab es nur am unbekannten Ort, und dorthin wollte er nun mit seiner Frau Lotte aufbrechen. Natürlich würden ihm Passivität und Schwäche vorgeworfen werden, doch hatte er keine Wahl, seine Lebensenergie war aufgebraucht, zu Ende. Ein einziges Mal wollte er jetzt noch zubeißen, zumindest im Abschied den Spieß umdrehen und den Barbaren die Zähne zeigen. Vom sicheren Brasilien aus auf die Feinde Deutschlands – denn natürlich waren die Nazis das – hinzuschlagen, kam ihm zu billig vor. Das konnte jeder, noch mehr, wenn man nur noch Stunden zu leben hatte, das war kein Heldentum. Seine Kritik musste subtiler sein. Und so ermächtigte er sich als Jude des Totems der Barbaren, des Hundes, den Hitler als Herrengeschöpf bezeichnete, im Gegensatz zur jüdischen Katze. Elegant verkleidet als Lieblingstier des Führers, erklärte Zweig diesem also ein letztes Mal, dass Freiheit das höchste Gut auf Erden sei.
Dann nahm er sich die Freiheit zu gehen, auch wenn er wusste, dass es verständnisloses oder arrogantes Kopfschütteln Thomas Manns auslösen würde, bestürzte Trauer unter tapferen Weggefährten, die Freude des Nazis, für den sein Selbstmord die Bestätigung war, dass der Jud nicht auserwählt war zu überleben. Aber er hatte sich entschieden, und es war zu spät, noch daran zu rütteln, nichts konnte ihn mehr aufhalten. Der 22.02. war ein schönes Datum, neunundfünfzig Mal war es im Laufe seines Lebens an ihm vorbeigezogen, harmlos und unerkannt. Nun, beim sechzigsten Mal, einem Sonntag, war Schluss mit dem Vorüberziehen, die Zeit würde stehen bleiben, sich in der Unendlichkeit auflösen.
Am Abend zuvor hatte er dem deutschen Journalisten Ernst Feder ausgeliehene Bücher zurückgegeben, er wollte keine Schulden hinterlassen, die Miete für den Monat März lag in einem Kuvert auf dem Schreibtisch. Feder hatte er berichtet, dass er endlich den Wilhelm Meister beendet hatte. Für seine Zeitgenossen hatte er keine Geduld mehr, stattdessen las er in den letzten Monaten all die Klassiker wieder, die ihn begleitet hatten: Homer, Dante, Shakespeare und nun eben auch Goethe. Dante hatte den Test am besten bestanden, die Göttliche Komödie war das, was dem Göttlichen am nächsten kam. Dante Alighieri, der florentinische Exildichter, war ihm, dem Habsburger in Brasilien, am nächsten, er war derjenige, der nach einem lange in der Literatur verbrachten Leben übrig blieb. Schade, dass das letzte Buch, das er gelesen hatte, ein schales war.
Am Dienstag war Faschingsdienstag gewesen, Karneval in Rio! Der von allen herbeigesehnte schönste Morgen mit den leuchtendsten Farben und fröhlichsten Herzen, so glücklich, dass man sich in Brasilien jedes Jahr aufs Neue fragte, ob es danach noch einen weiteren Tag geben könnte. Die Antwort war nein, der Karneval war vorüber, keiner hörte mehr ein Lied, keiner stolzierte mehr vorbei, im Herzen nur noch Wehmut und Asche. Das war, was übrig blieb. Dementsprechend begann der Aschermittwoch mit einer Hiobsbotschaft, seinem Todesurteil: Singapur war gefallen, die Japaner einmarschiert, die Engländer auf der Flucht. Damit war der Krieg verloren, der letzte Posten der Zivilisation aufgegeben. Keine Armee der Welt konnte die Deutschen nun mehr aufhalten, noch vor Weihnachten würde Rio deutsch sein. Wozu so lange warten? Allzu ungeduldig beschloss er voranzugehen.
Stefan Zweig ordnete seine Abschiedsbriefe, legte die Declaracão obenauf, das Kuvert mit dem Geld daneben, nahm zwei Gläser, bedeckte den Boden einen Finger dick mit Veronal. Da kam Lotte ins Zimmer. Sie war siebenundzwanzig Jahre jünger als er. Natürlich stand ihr frei zu tun, was sie wollte, doch auch sie hatte sich entschieden. Bei ihrem ständigen Asthma wäre dieser Schritt das Beste, sie würde ihn begleiten. Er nahm die Flasche Mineralwasser der Marke Salutaris, heilsam auf Latein, ihm entging nicht die Ironie, und er musste leise lächeln. Dann füllte er beide Gläser und rührte das Barbiturat auf, kleine, weiße Kristalle. Er küsste Lotte auf die Stirn, und sie war so kalt, als wäre ein Teil ihres Wesens bereits vorausgestorben. Dann leerte er sein Glas in zwei, drei großen Schlucken und legte sich aufs Bett. Lotte betrachtete ihn zärtlich und zögerte. Sie setzte sich an die Bettkante und sah, wie ihr Stefan keine Augen mehr für sie hatte, wie er schon anderswo war, bei Friderike vielleicht oder im Wien seiner Jugend. Doch da lag sie falsch, seine liebe und treue Gefährtin, er war genau da, vor ihr, in Petrópolis, fünfzig Kilometer von Rio de Janeiro entfernt, und er, der große Europäer, fühlte, dass er in Lateinamerika angekommen war, wusste plötzlich, dass er falschgelegen hatte, Brasilien als das Land der Zukunft zu beschreiben, sah die Militärdiktatur, das ewige Unrecht zwischen Arm und Reich und all den Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß, aber auch, dass er andererseits sehr wohl recht gehabt hatte mit der Zukunft, er war im Kontinent der Literatur angekommen. Was seine Generation in Europa begonnen hatte, würde nun in Lateinamerika weitergeführt werden. Joyce, Proust, Musil, Broch, Mann, ja, warum nicht auch Thomas Mann, der strenge Richter, der auf ihn hinabgeblickt hatte, ein Leben lang, obwohl er selbst, Mann, ein schlechterer Schriftsteller war, als er dachte, ein schlechterer Vater, als er, Zweig, Stiefvater gewesen war, was nun aber völlig bedeutungslos war, alles löste sich auf im Nichts, im Angesicht der Unendlichkeit, die sich allerdings nicht und nicht einstellen wollte. Viele zarte Saiten hielten Stefan Zweigs Seele mit dessen Körper verbunden, da ihm ein langes, erfülltes Leben bestimmt gewesen wäre, ein längeres noch als seinem Jahrgangskollegen Pablo Picasso, der erst 1973 in Frankreich sterben sollte, doch auch das war nicht mehr wichtig, eine weitere Saite gerissen, nur um klarer zu machen denn je, dass die Literatur hier, auf dem Kontinent, auf dem er im Sterben lag, weitergeführt werden würde, die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gehörte Lateinamerika, bald würde Borges seine Fiktionen veröffentlichen, die Hälfte der weltverändernden Erzählungen waren bereits geschrieben, Zweig sah einen Garten, dessen Wege sich verzweigten, einen jüdischen Professor im Flugzeug nach Costaguana, kreisförmige Ruinen in Flammen, das Universum auf einer Kellerstufe, und er fühlte, dass er sich durchaus mehr hätte trauen können, den Mut, von den Fakten abzusehen, Leerstellen frei und unverzagt aufzufüllen, die Grenze zwischen Leben und Tod nicht so verbissen ernst zu nehmen, denn wozu auch, sie war es nicht wert, Menschen lebten und starben nicht, sie flossen, er sah einen Schriftsteller, der die Kugel, die ihn erschießen sollte, zum Stehen brachte, nur um Zeit zu gewinnen, sein Werk im Geiste zu vollenden. Was war hier, in Lateinamerika, nicht alles möglich! Juan Rulfo und Octavio Paz schrieben schon, Gárcia Márquez spann die Erzählungen seiner Großeltern weiter, und ohne Scheu flogen Figuren, wenn sie wollten, vor aller Augen in den Himmel, das hätte ihm auch einfallen sollen, doch wollte er sich nicht beklagen, es war schon alles gut so, wie es war, und pling, eine weitere Saite gerissen, auf einem Bahnhofsvorplatz wurden dreitausend Menschen erschossen, João Guimarães Rosa hatte schon ein kleines Bändchen veröffentlicht, Vargas Llosa dachte fälschlich, dass sein Vater gestorben war, Bolaños Vater nicht, dass er einen Sohn zeugen würde, wieder eine Saite weniger, eine Hexe stopfte einem lebenden Menschen Kräuter in den Bauch, noch waren genug Saiten da, so dicht war Stefan Zweigs Seele mit seinem Körper verwoben gewesen, und er sah, dass Juan Carlos Onetti bereits seinen zweiten Roman mit dem schönen Titel Niemandsland veröffentlicht hatte, und wenngleich er spürte, wie nichtig alles war, flog leicht wie ein Windhauch ein zarter Schatten über sein Gemüt, nicht selbst auf die Idee gekommen zu sein, eine Erzählung Niemandsland zu nennen, denn was anderes war die Literatur als das Land zwischen den Ländern, das alle oder niemand in Beschlag nehmen konnten, no man’s land, tierra de nadie, hier war man frei, kein Mensch konnte einen aus dem Land vertreiben, das niemandem gehörte, das war seine wahre Heimat gewesen, pling, eine weitere Saite gerissen und seine Seele ein Stückchen höher gestiegen, so hoch, dass er noch weiter sah, über die Jahrtausendwende hinaus ins einundzwanzigste Jahrhundert, das immer so unendlich weit weg geklungen hatte, eine Zeit, in der es sicher schon fliegende Autos geben würde, wie man vermutete, nicht ein von der Bergstraße in den Abgrund stürzendes Auto, das viele Hundert Meter weiter unten zerschellt, vier Tote, drei Mädchen und ein Junge, das hat es in seinem Jahrhundert auch schon gegeben, sondern andere, futuristischere, luftschiffartige Autos vor Wolkenkratzerfenstern, aber das sah er nicht im einundzwanzigsten Jahrhundert, sondern Frauennamen auf Buchdeckeln, das war, was er sah, und ein paar konnte er im Vorbeischweben entziffern, Samanta Schweblin, Fernanda Melchor, Guadalupe Nettel, Margo Glantz, Rosa Beltrán, so würde die Zukunft aussehen, und er sah, dass es gut war. Pling, nur noch wenige zarte Fäden verbanden nun Stefan Zweigs Körper mit seiner Seele, das Gift war stark, er schloss die Augen, atmete ein letztes Mal stockend ein und nie mehr aus.
Da liegt er also, dachte Lotte, die auf der Bettkante saß, da liegt er also, ihr Mann, der berühmte Schriftsteller, den die Lebenskraft verlassen hatte. Und der nun wohl bereits diesen geheimnisvollen letzten Ort wusste, das große, heilige Rätsel gelöst hatte, welches sie mit einem Schlag nicht mehr ängstigte, sondern am ehesten noch amüsierte. Was für ein Rätsel sollte denn das sein, das ohnehin alle lösen würden? Nur eben immer zu spät. Es interessierte sie nicht mehr. Plötzlich war sie sich sicher: Wir werden nach dem Sterben nichts voneinander wissen, nie mehr zusammenfinden. Aber es machte nichts, alles war unbedeutend im Angesicht der Ewigkeit, auch ein Wiedersehen mit dem vorausgegangenen geliebten Mann. Deshalb ging sie nicht zum Schreibtisch, um den letzten Brief an Friderike zu lesen. Sie fühlte sich unendlich müde. Tränen und Trauer waren vertrocknet, am ehesten erahnte sie eine gewisse Scham als letztes Gefühl. Die Scham, gelebt zu haben. Sie griff zum Glas, sprudelte das abgesetzte Pulver auf und trank es gierig. Genug gelitten, genug, da hatte Stefan recht gehabt. Wie zuvor dieser, starrte nun sie auf die Zimmerdecke, die zu derjenigen des Hauses ihrer Geburt wurde, erst dreiunddreißig Jahre war es her, nicht ein Haus an der Ringstraße der Habsburgerhauptstadt wie bei ihm, sondern in Kattowitz, Schlesien, wie auch immer Arthur Kingfisher, der legendäre UNESCO-Präsident für Literatur, die letzten Gedanken der Sterbenden vermittelt bekommen haben wollte, die er nun dem erstaunten Publikum in seiner Eröffnungsrede wiedergab.
Nur wenige Hundert Meter von Stefan Zweigs Geburtshaus entfernt, stand der mächtigste Mann der literarischen Welt im großen Festsaal der Universität Wien auf dem Podium und hielt als Auftakt des größten Autorenaustauschprogramms der Geschichte der UNESCO einen Vortrag. So hatte es mir jedenfalls Marta berichtet, auch, dass die Rede nicht sonderlich gut angekommen war. Sie hörte, wie eine Autorin vor ihr laut fragte: Wirklich, Zweig? Wer liest denn heute bitte noch Zweig? Kingfishers Vorträge, Schriften und Publikationen wurden, stimmten die Gerüchte, normalerweise von seiner deutlich jüngeren, und böse Zungen würden auch behaupten, deutlich klügeren, südamerikanischen Partnerin geschrieben. Die Idee zu diesem Event und der Text zu diesem esoterischen Eröffnungsvortrag konnten aber unmöglich von ihr gekommen sein, so altbacken und sexistisch war das alles, wie es nur einem mächtigen, alten, weißen Mann hatte einfallen können. Deutschsprachige und lateinamerikanische Autoren und Autorinnen wurden zu gemischtgeschlechtlichen Paaren zusammengewürfelt, um gemeinsam in österreichischen Top-Urlaubsdestinationen drei Wochen Kreativurlaub zu verbringen. Kingfisher erklärte, dass seine Präsidentschaft im Begriff war auszulaufen, er sich zur Ruhe setzen wolle und seine Position nicht nachbesetzt werden würde. Bevor die Analphabeten vollständig das Ruder übernähmen, sagte er, wolle er es auf seine alten Tage noch einmal richtig krachen lassen, und so hatte er die Idee zu diesem noch nie da gewesenen internationalen Schriftstellerverkehr gehabt, um Stefan Zweig als intellektuelles Symbol für den Kampf gegen jede Form der Gewaltherrschaft hochleben zu lassen.
Schriftstellerverkehr, schnaufte der bekannte österreichische Autor neben Kutzenberger, so nennt man das heute also! Kutzenberger hatte sich in die Reihe ehemaliger Deuticke-Autoren gesetzt, die er noch von früher, vor allem von den legendären Weihnachtsfeiern des in der Zwischenzeit aufgelösten Verlags kannte. Wie bei einem Familientreffen saß man nebeneinander und schwätzte, während Kingfisher vom habsburgischen Wien als vorbildlich vielsprachiger Hauptstadt eines multinationalen Staatengebildes sprach. Aber auch in den anderen Reihen wurde getuschelt, man schaute gelangweilt oder ungeduldig auf die Bühne. Über den Köpfen, an der Decke des großen Festsaals der Universität Wien, hätte man drei Schwarz-Weiß-Reproduktionen von Gustav Klimts riesengroßen Fakultätsbildern sehen können. Die Originale waren angeblich am letzten Tag des Zweiten Weltkriegs, am 8. Mai 1945, verbrannt. Drei Jahre, zwei Monate und fünfzehn Tage hätte sich das Ehepaar Zweig noch bis dahin gedulden müssen, denn nicht immer siegt das Böse. An diesem Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht setzten abziehende SS-Truppen das Schloss Immendorf im Weinviertel in Brand. Im großen Salon waren Kunstwerke aus dem Wiener Belvedere gelagert gewesen, um der Bombardierung und somit eben der Vernichtung durch die Flammen zu entgehen, die nun erst recht stattfand. Denn, wir wissen es, so leicht entkommt man seinem Schicksal nicht. Manchmal dann aber doch. Kutzenberger behauptet zumindest in seinem Debütroman, dass eines dieser unbezahlbaren, verschollenen Hauptwerke Gustav Klimts Jahrzehnte später aufgetaucht ist. Das Gemälde der Jurisprudenz nämlich, das von Gustav Klimt erträumte Symbol der Rechtsprechung. Zehn Jahre seines Lebens hatte er den drei Fakultätsbildern gewidmet, der Philosophie, der Medizin und schließlich, als Krönung, der Jurisprudenz. Zehn Jahre Arbeit an drei gewaltigen Leinwänden, je zwölf Quadratmeter groß, die seinen ganz persönlichen Weg in die Moderne weisen sollten, welcher naturgemäß nicht verstanden wurde. Wozu ich das erzähle? Denn niemand, nicht einmal Kutzenberger, warf auch nur einen Blick an die Decke des prunkvollen Festsaals der Universität. Man schwätzte, als wäre man auf einem Schulausflug.
Was sollen diese Paarungen, was wollen die erreichen? Die Scheidungszahlen unter Dichtern erhöhen?, wisperte die Freundin eines Autors ihrer Sitznachbarin zu. Man lachte, manche Partner beunruhigt, andere eher amüsiert.
Ich finde das nicht lustig, fuhr die Freundin des Autors fort, muss das sein? Drei Wochen mit einer südamerikanischen Schriftstellerin in einem Hotel? Soll das der Inspiration dienen? Oder die Kraft des Willens messen?
Mach dir keine Sorgen, beruhigte sie ihr Freund, du bist meine schönste und liebste Nachbarin, was soll da passieren?
Der geneigte Leser, die müßige Leserin erkennt bereits, wie ich mich winde, um keine Namen nennen zu müssen. Europäische, aber vor allem deutschsprachige Schriftsteller zu nennen, ist immer noch gewagt in Santa María. Historische Autoren wie Stefan Zweig sind möglich, außerdem starb dieser in Brasilien, verfasste sein literarisches Vermächtnis, die Schachnovelle, hier in Südamerika, weshalb er als südamerikanischer Autor durchgeht. Die Namen der Autorinnen und Autoren zu nennen, die bei diesem groß angelegten Austausch beteiligt waren, die Namen der anwesenden Politiker auszusprechen, auch wenn sie schon teilweise im Ruhestand waren, ist allerdings zu riskant. Hauptsächlich schreibe ich zwar für mich oder auf verquere Weise auch für den seligen Kutzenberger, doch natürlich werde ich versuchen, für das übersetzte Manuskript einen Verlag zu finden, und möchte dann die Zensur mit einer Aufzählung deutschsprachiger Autoren und Autorinnen nicht unnötig reizen. Den Festakt an der Wiener Uni zu beschreiben, ist aber notwendig, denn ohne diesen hätte Kutzenbergers Weg niemals nach Santa María geführt.
Bevor die Spannung gar zu groß werden würde, meinte Kingfisher in der Zwischenzeit, übergebe er nun an seine Wiener Kollegin. Applaus. Die Wiener UNESCO-Kollegin betrat die Bühne und schüttelte ihrem Chef artig die Hand. Und nachdem sie die Co-Finanzierung durch den Deutschen Literaturfonds, das österreichische Bundeskanzleramt und die Stadt Wien erwähnt hatte, begann die eigentliche Show.
Auf einer Leinwand wurde der Name des österreichischen Teils der ersten Paarung eingeblendet. Die Moderatorin sagte ein paar Sätze zur Biografie der Autorin und bat sie auf die Bühne. Kutzenberger hatte sie einmal auf einer Weihnachtsfeier gesehen, allerdings nie mit ihr geredet. Wie bei einer Castingshow stand sie nun auf der Bühne und wartete darauf, dass ihr Partner verlautbart würde. Es erschien eine mexikanische Fahne auf der Leinwand, und das Publikum gab zustimmende Laute von sich. Die Schriftstellerin lachte. Heißen Sie herzlich willkommen: Gabino Luna!, rief die Moderatorin, höflicher Applaus, und ein verunsichert wirkender, bärtiger Mann in Holzfällerhemd und Jeansjacke betrat mit gelb getönter Brille die Bühne. Sie umarmten einander etwas gehemmt.
Was soll denn das wirklich?, fragte Kutzenbergers Sitznachbar.
Die beiden werden die nächsten drei Wochen im luxuriösen Almwellness Hotel Pierer, nahe von Roseggers Waldheimat, verbringen, verkündete die Moderatorin. Wir sind schon gespannt, welche literarischen Früchte dieser kulturelle Austausch bringen wird! Ein Tusch vom Band und Applaus. Schriftstellerin und escritor verschwanden backstage, und die nächste Paarung wurde aufgerufen.
Die Reihen rund um Kutzenberger leerten sich nach und nach. Ein berühmter deutscher Autor verließ die Bühne mit einer schüchtern wirkenden Autorin aus Französisch-Guayana in einem für den Wiener Winter unpassenden weißen Sommerkleidchen. Er nahm sie bei der Hand, und sie verschwanden hinter der Bühne. Seine Frau lachte und applaudierte im Publikum. Eine intellektuell wirkende Autorin aus Berlin bekam einen nach Computernerd aussehenden japanischen Peruaner mit in ein Luxushotel in Bad Aussee.
Ich möchte auch einen Japaner, sagte eine weibliche Stimme hinter Kutzenberger.
Eine Emilie Flöge ähnelnde Autorin aus der Dominikanischen Republik stand etwas verloren neben einem deutschen Schriftsteller, der wie der große Argentinier Julio Cortázar aussah und genauso sympathisch wirkte. Ihr Ziel war die Alpen Select Lodge in Vorarlberg.
Da kostet die Nacht tausend Euro, hörte Kutzenberger den Autor neben sich sagen, der als Nächster an die Reihe kam. Ihm wurde eine kolumbianische Schriftstellerin zugewiesen, die entschieden wie ein Model aussah, aber noch von der Brasilianerin überstrahlt wurde, die wie ein Bond-Girl einen anderen ehemaligen Deuticke-Autor mit einem Kuss in Empfang nahm.
Musste das sein?, fragte dessen Freundin oder Nachbarin.
Kutzenberger wusste keine Antwort.
Jetzt sind nur noch wir zwei übrig, sagte die österreichische Autorin hinter ihm und tippte auf seine Schulter.
Er drehte sich um und sagte, vielleicht werden ja wir einander zugelost.
Sie verdrehte die Augen, und er blickte schnell wieder auf die Bühne, auf der gerade sein Name verkündet wurde, gefolgt von ein paar Sätzen zu seiner Person, erster Roman Friedinger im Deuticke Verlag, zweiter Roman Jokerman im Berlin Verlag, und der dritte Roman spielt nun wohl in Santa María! Eine blau-weiß gestreifte Flagge mit einer goldenen Sonne links oben erschien auf der Leinwand. Ihm war eine Uruguayerin zugewiesen worden. Wie konnte es sein, dass manche Länder sexy wirkten, andere weniger und wiederum andere einfach gar kein Bild evozierten? Die deutschsprachigen Autoren mussten mit neckischen oder neidischen Blicken rechnen, wenn ihnen eine Kolumbianerin oder Brasilianerin an die Seite gestellt worden war. Aber Uruguay? Kutzenberger ging vom langen Sitzen etwas steifbeinig auf die Bühne. Die ersten Reihen des großen Festsaals der Uni Wien waren beinahe leer, die Stimmung erloschen, der Programmverlauf nicht ganz durchdacht gewesen.
Marta Ferreira!, hörte er.
Eine kleine Indiofrau ging ihm strahlend in einer bunten Andentracht samt Hut, der einer Melone ähnelte, entgegen. Es ist leichter, über sie zu hüpfen, als um sie herumzulaufen. So hatte seine Ex-Schwägerin über kleine, stämmige Leute gescherzt, obwohl sie selbst nicht unähnlich wirkte, und Kutzenberger hatte das nie lustig gefunden. Trotzdem schoss ihm dieser Spruch nun durch den Kopf.
Stefan und Marta werden die nächsten drei Wochen im Hotel Greif in Wels verbringen!, rief die Moderatorin in die mittlerweile leeren Reihen. Niemand reagierte, und Stefan folgte Marta in den Backstagebereich. Sie nahmen einander nicht bei der Hand.
km 0,012
Das letzte Mal, dass man eine Hand in der eigenen hält, das letzte Mal, dass man im Meer schwimmt, mit Freunden um die Wette läuft, ein Buch zu Ende liest, die Wolken von oben sieht, erschüttert ein Werk von Bach hört, vor Freude springend zu einem ewig langen Solo Neil Youngs Luftgitarre spielt, das letzte Mal, dass man seine Eltern sieht, seine Kinder, das letzte Mal, dass man sich in der Früh träge umdreht, um im warmen Bett weiterzudösen. Wie die meisten Menschen hatte Kutzenberger keine Ahnung, wann es das letzte Mal war, dass er diese Dinge tat. Ich hingegen schon. Deshalb werde ich die wichtigsten letzten Male klar und deutlich aussprechen, um seine Abschiede vom Leben eindeutiger und, warum nicht, auch bedeutsamer zu gestalten. Sonst wäre es ein alltäglicher Spaziergang, so aber ist es das letzte Mal, dass er den Schotterweg am Bach entlanggeht und wie immer an den Schotterweg der Kindheit denkt, den hinter der Siedlung, in der er aufgewachsen ist, der zur Post führte und auf dem ihm einmal der Großvater wegen einer schlechten Deutschschularbeit eine ernste Rede gehalten hatte, denn zumindest die Muttersprache sollte man beherrschen, wie er in seinem von niederländischen Ausdrücken durchzogenen Deutsch sagte, ohne Sprache sei man nichts, und es war das letzte Mal, dass er den Großvater gesehen hatte. Oder das letzte Mal, dass man unkontrolliert lachen muss, das letzte Mal eine Kerze ausblasen, das letzte Mal die Mutter nicht zurückzurufen, den Duft der geliebten Person bei der letzten Umarmung gierig mit der Nase aufsaugen, das letzte Mal.
km 11.316
Im kleinen Festsaal hinter der Bühne der Universität Wien roch es gegen Ende der Veranstaltung nach verschüttetem Bier. Kutzenberger mochte sie eigentlich, seine Schriftstellerkollegen, auch wenn ihn erfahrenere Autoren immer wieder gewarnt hatten, niemandem zu trauen, denn sie seien nur freundlich, solange man nicht zu erfolgreich werde. Aber die Gefahr war in seinem Fall ohnehin nicht groß, das zeigte auch die für ihn ausgewählte Destination. Alle anderen logierten mit hippen Menschen in den teuersten Hotels der schönsten Tourismusorte des Landes, er aber fuhr mit einer quadratischen Person aus Uruguay nach Wels. Im Backstagebereich sah es nicht so aus, als ob der größte Literaturaustausch der UNESCO-Geschichte zu sehr viel Austausch führen würde, man stand neben den Leuten, die man ohnehin kannte, und nippte an seinem Getränk. Das Niveau der Unterhaltungen blieb, zumindest im österreichischen Sektor, tief, chauvinistisch, oberflächlich, die Literatur, wie immer, außen vor. Zeit, das Fest zu verlassen, dachte Kutzenberger, als er nach einem vollen Bierglas griff und nicht mehr wusste, das wievielte es war. Das Servierpersonal hatte schon mit dem Abräumen begonnen, in wenigen Stunden würde er Marta am Hauptbahnhof treffen. Er suchte den Raum ab, ob sie noch da war, in ihrer bunten Andentracht. Der Mexikaner, den die erste deutsche Autorin zugelost bekommen hatte, kam auf ihn zu.
Du bist mit Marta zusammen, richtig?, fragte er auf Englisch. Ich bin Gabino.
In einer Hand hielt er einen Teller mit Spanferkelstückchen, in der anderen ein Bier.
Kutzenberger blickte darauf, dann sagte er: Man bräuchte eine dritte Hand.
Gabino grinste etwas gezwungen und drehte sich suchend im Kreis. Hinter ihm war ein Stehtischchen, auf dem einige leere Gläser standen. Er stellte den Teller ab und prostete Kutzenberger zu. Dieser war verlegen, es fiel ihm nichts weiter ein.
Marta ist schon gegangen, sagte der Mexikaner.
Das wollte ich auch gerade, meinte Kutzenberger. Sie sprachen noch immer Englisch.
Du hast ein Dylan-Buch geschrieben, nicht wahr?, überraschte ihn Gabino.
Ja, einen Roman, Bob Dylan kommt drin vor, seine Lieder zumindest, woher weißt du das?
Ich habe die österreichischen Schriftsteller gegoogelt, ist wohl das Mindeste, was man vor so einem Event tun kann.
Anscheinend nicht, Kutzenberger hatte auf jeden Fall niemanden gegoogelt. Aber er hatte gar nicht können, fiel ihm ein. Wir wussten ja nicht, wer unsere Partner sind, erklärte er.
Ist klar, sagte Gabino, wir waren die Überraschung. Mit Marta hast du ein ganz besonderes Los gezogen. Ich kenne sie schon lange. Nun denn, bei mir geht’s morgen in die Waldheimat. Weißt du was darüber?
Der Vater des Cousins einer meiner besten Freunde ist Tierarzt dort in der Nähe, sagte Kutzenberger. Und Otto und Renate, Freunde aus der Steiermark, wohnen auch nicht weit entfernt, die würden sicher ebenso helfen, wenn du Probleme hast.
Das beruhigt mich. Ich werde mich bei dir melden, wenn ich Hilfe brauche, sagte Gabino ironisch lächelnd. Aber eigentlich wollte ich auf Peter Roseggers Waldheimat anspielen. Er ist faszinierend, fügte er hinzu.
Rosegger?, fragte Kutzenberger erstaunt.
Ja, natürlich, ich habe alles von ihm gelesen, was in Übersetzung zu kriegen war. Ein Heimatdichter im engsten und damit im weitesten Sinn. Frei von jedem Nationalismus. Ich glaube, dass man ihn nicht zufällig für den Nobelpreis nominiert hatte.
Rosegger?, fragte Kutzenberger wieder.
Gabino lachte. Ich merke schon, du magst ihn nicht, sagte er.
Nein, ich habe nur noch nie etwas von ihm gelesen, gab Kutzenberger unumwunden zu.
Tatsächlich? Und ich dachte, in Österreich lesen alle Rosegger.
Nun lachte Kutzenberger. Das glaube ich nicht, vielleicht in der Steiermark, in der Waldheimat, aber nicht auf der Uni.
Wer war es dann, der dich zur Literatur gebracht hat?, wollte Gabino wissen.
Kutzenberger überlegte. Zweig, ja, es war tatsächlich Stefan Zweig, sagte er schließlich, wir haben mit sechzehn in der Schule eine kleine Arbeit über einen Schriftsteller schreiben müssen, und ich habe Stefan Zweig gewählt. Das war’s dann für mich. Ab dem Zeitpunkt wusste ich, dass ich mein Leben der Literatur widmen wollte.
Zweig? Kann man den noch lesen?
Ich weiß nicht, habe ich seit dreißig Jahren nicht mehr getan, aber damals hat er mich begeistert. Die Welt von Gestern, die Schachnovelle, sein Magellan-Buch. Das war schon alles sehr gut geschrieben und sehr klug. Vielleicht wird er ja wieder populärer, ich glaube schon, dass er wert ist, gelesen zu werden, muss es nochmals tun. Er hat mich damals zu Thomas Mann gebracht.
Den er ja, laut Kingfisher, nicht ausstehen konnte.
Richtig, das habe ich nicht gewusst. Komische Rede, nicht wahr? Wie kommt er dazu, uns zu erzählen, was Stefan Zweigs letzte Gedanken und Visionen waren?
Ja, das war in der Tat eigenartig. Wahrscheinlich war es ein Versuch, sich bei seiner Frau einzuschmeicheln. Es ist letztens zu einem ziemlichen Eklat zwischen den beiden gekommen.
Kutzenberger sah Gabino fragend an.
Du hast nichts davon gehört? Die kleine literarische Welt hat sich fast überschlagen vor Aufregung. Kingfisher ist von seiner Frau öffentlich als alter, weißer Mann gebrandmarkt worden, der nur fantasielose deutsche Romane lese und mehr Bürokrat als Literaturwissenschaftler sei. Und hinter vorgehaltener Hand soll sie auch noch gesagt haben, dass sie von nun an keine Reden und Aufsätze mehr für ihn schreiben würde. Anscheinend wollte er ihr hier mit seiner Wiener Rede beweisen, dass er sehr wohl ein Mann der Fantasie ist. Was mir aber mehr wehgetan hat als Stefan Zweigs Visionen, war diese Aufzählung lateinamerikanischer Autoren. Wie kann er sich trauen, mit so was zu kommen? Das kann doch nur schiefgehen. Welche Namen hast du zum Beispiel vermisst?
Julio Cortázar, sagte Kutzenberger nach kurzer Nachdenkpause.
Natürlich, und wen noch, so auf den ersten Blick?
Adolfo Bioy Casares und Ernesto Sabato, zählte er nun die Autoren auf, die er während seines Studienaufenthalts in Buenos Aires sogar noch persönlich kennengelernt hatte.
Und?
Was weiß ich, es gibt ja so viele, Alejo Carpentier hätte wahrscheinlich nicht fehlen dürfen, als derjenige, der das wunderbar Wirkliche des magischen Realismus erstmals benannt hat. Denn darum ging es in Kingfishers Rede wohl, nicht?
Ja, wahrscheinlich. Rübergekommen ist für mich allerdings nur, dass sich Kingfisher mit der lateinamerikanischen Literatur nicht auskennt. Auch wenn die Frage, ob ein Habsburger Autor, der in Brasilien lebt, zu einer Form des magischen Realismus hätte finden können, durchaus spannend ist. Besonders peinlich war dann die Aufzählung dieser fünf Frauennamen als Beispiele für die Literatur des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Als ob Kingfishers Frau ihm gesagt hätte, er müsse auch Schriftstellerinnen erwähnen, und er dann gehorsam die ersten fünf Namen aus ihrem Bücherregal eingefügt hat. Wo soll man denn da anfangen, diese Liste zu ergänzen? Gabino schaute Kutzenberger erwartungsvoll an.
Gabriela Mistral, stammelte er gehorsam, die erste lateinamerikanische Nobelpreisträgerin, das wusste er, auch wenn er nie etwas von ihr gelesen hatte.
Ja, natürlich, und?
Es war eine strenge Frage, gespannt blickte Gabino auf Kutzenberger, und dieser begann zu schwitzen, schlimmer als bei einer Prüfung auf der Uni.
Luisa Valenzuela, brachte er heraus, nicht weil er so viel von ihr gelesen hätte, sondern weil er wusste, dass eine liebe Kollegin am Komparatistikinstitut die argentinische Autorin so sehr schätzte.
Das geht aber mühsam mit dir, du musst mehr Frauen lesen!
Stimmt, sagte Kutzenberger und blickte ertappt in sein Glas.
Das ist ja keine Verpflichtung, sondern eine Freude. Du machst das für dich!
Ich lese ja eh –, versuchte Kutzenberger, sich zu verteidigen.
Doch Gabino fiel ihm ins Wort: Wie ist es dann nach Zweig mit deiner Reise in die Literatur weitergegangen?
Nach Stefan Zweig waren bei mir Thomas Mann und Hermann Hesse an der Reihe, antwortete Kutzenberger erleichtert darüber, wieder festeres Terrain unter den Füßen zu haben. Und von da an gab es kein Halten mehr: Dostojewski, Cervantes, Stendhal, Flaubert und so weiter, immer weiter. Ich würde mir wünschen, dass ich heute noch so lesen könnte wie damals.
Wie meinst du das?
Ich war damals ein großartiger Leser, aufmerksam, hoch konzentriert, habe mir alles gemerkt. Seitdem ich aber offiziell als Schriftsteller gelte, habe ich meine Unschuld verloren. Ich lese unkonzentriert und faul, lieber einfache Bücher als komplizierte. Lesen ist kein Eintauchen mehr in ein fremdes Leben, ein Buch kein heiliges Objekt mehr.
Weil du selbst eins geschrieben hast?
Nicht weil ich eins geschrieben habe, aber weil ich jetzt weiß, wie es gemacht wird.
So wie der Geschlechtsakt nicht so schön ist, wenn man nur ans Babymachen denkt?
Kutzenberger lachte. Nein, das meine ich nicht. Oder doch, ich weiß nicht. Vielleicht, weil ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Ein ganzes Team arbeitet daran, Autor, Verlegerin, Lektor, Herstellerin, Setzer, Korrektor, Layouter, Drucker, Vertrieb, Marketing, Presse und nicht zuletzt dann Buchhändler, Veranstalter, wer auch immer beteiligt ist, damit ein Buch zum Leser oder vor allem zur Leserin kommt, da es ja viel mehr Leserinnen als Leser gibt.
Und deshalb hat das Buch an Heiligkeit für dich verloren?
Irgendwie schon. Ich weiß jetzt, dass es keine von Gott, der Muse, der Inspiration oder sonst wem diktierten Texte des reinen Geistes sind, sondern spüre den Schweiß der Arbeit dahinter. Und das mag ich nicht. Das kommt mir so amerikanisch vor, wer hart arbeitet, kann alles erreichen. Diese Logik, diese Moral behagt mir nicht. Ich möchte, dass einem die Dinge automatisch in den Schoß fallen.
Ja, das wäre schön, das mag ich auch, sagte Gabino. Und du hast schon recht, mich hat der Einblick in den Buchmarkt auch ziemlich ernüchtert. Mein erster Roman war ein überschaubarer Erfolg, und alle waren freundlich zu mir. Dann bekam ich den größten Buchpreis Spaniens, und plötzlich hat niemand mehr mit mir geredet. Hunderttausend Euro waren zu viel, da war der Neid zu groß. Seitdem ich wieder weniger erfolgreich bin, redet man wieder mit mir, aber jetzt will ich nicht mehr.
Das klingt wild. Ich dachte, dass das eher bei den Schauspielern so ist, aber auch bei uns Schriftstellern? Dafür hab ich zu wenig Einblick, weiß nicht, ob das in Österreich auch so wäre, aber alle Kollegen, die ich bisher kennengelernt habe, waren sehr nett zu mir.
Vielleicht bist du auch zu nett, um dir böse sein zu können, sagte Gabino, und Kutzenberger wusste nicht, was er antworten sollte. Nun denn, grüß Marta von mir, sagte der Mexikaner schließlich, und alles Gute!
Kutzenberger hob sein Glas, nahm einen Schluck, und als er es wieder abgesetzt hatte, war der andere verschwunden, als wäre er geflüchtet.
km 0,012
Viele Menschen meinen, dass man den Sinn des Lebens in der so flüchtigen Gegenwart finden kann. Carpe diem, nutze den Tag, lebe den Moment. Doch das ist Blödsinn, es gibt keinen Moment. Es gibt die Vergangenheit und die Zukunft, der Wellenbug der Gegenwart ist ungreifbar, in ihm den Sinn zu suchen, kann nur im Unglück enden. Wenn Sinn im Augenblick gefunden werden kann, dann nur in einem einzigen: dem letzten. Der finale Moment des Lebens ist gleichzeitig dessen Sinn, da er nicht mehr in den ewigen Wüsten der Zeit entschwinden kann und endlich endlich wird. Er hat zwar eine Vergangenheit, ist aber seiner Zukunft beraubt, der dahinjagende Pfeil des Lebens hat seine Begrenzung gefunden und kann nun, ein einziges Mal, begriffen werden. Wie ein feuchtes Tuch, das an die Wand geklatscht wird, bleibt er, fast erschrocken und eine kurze Weile die Gesetze der Schwerkraft leugnend, an der Wand kleben, um dann zu Boden zu fallen. In diesem Moment der Aufhebung allen Seins liegt die Erfüllung, selbst dann, wenn es das Gehirn ist, das an die Wand klatscht, und nicht das metaphorische Tuch. Die tausendfach geteilte Sekunde, die ein Projektil nur braucht, um vom Stirnbein zum Hinterkopf zu gelangen (t=s/v), reicht aus, um alle Fragen zu klären und alle noch offenen Fäden zu verknüpfen. Das ist die Schönheit des Todes, deshalb sind alle Enden gut.
km 4.213
Der Zug fuhr kurz nach der Station Wien-Meidling in einen Tunnel, und mit einem Schlag verschwand die winterlich graue Stadt vor dem Fenster, das sich wie durch Zauberhand von einem Moment auf den anderen in einen dunklen Spiegel verwandelte, der das müde Gesicht Kutzenbergers reflektierte. Die Beziehung zwischen ihm und Marta hatte holprig begonnen. Sie hatten einander am Morgen nach der UNESCO-Veranstaltung am Wiener Hauptbahnhof getroffen, Marta trug wieder ihre Andentracht, obwohl der Gebirgszug Tausende Kilometer von Uruguay entfernt lag. Auf seinen Reisen durch Südamerika hatte Kutzenberger sich in der Andenregion immer sehr wohl gefühlt, sich freundlich mit den Einwohnern der kleinsten Dörfer auf diversen Märkten unterhalten, auf gestampften Lehmböden geschlafen, gegrillte, mit halluzinogenen Kräutern gefüllte Meerschweinchen gegessen, Durchfall bekommen, Coca-Tee getrunken, ein Fest als Ehrengast eröffnet, Zuckerrohrschnaps gesoffen, Blicke ausgetauscht, einen Stein auf den Kopf bekommen, krachende Lautsprecher repariert, hölzern getanzt und schließlich von einem vaquero, cowboy, Kuhhirten, dessen Sporen geschenkt bekommen. Als dieser, noch betrunkener als Kutzenberger, direkt neben der Tanzfläche des Dorffests eingeschlafen war, kam eine nüchterne Indiodame in bunter Tracht auf ihn, den ausländischen Gast, zu, schaute auf die Sporen in seinen Händen und sagte: Gib sie ihm zurück!
Aber er hat sie mir geschenkt, entgegnete Kutzenberger.
Er ist betrunken.
Trotzdem hat er sie mir geschenkt, als Freundschaftsbeweis.
Er ist betrunken, siehst du das denn nicht? Wenn er morgen aufwacht, hat er keine Sporen mehr, was blöd ist, weil er sie braucht. Du wirst munter und hast Sporen, die du nicht brauchst. Und in zwanzig Jahren wirst du sie in einer Kiste im Keller wiederfinden und dich gar nicht mehr erinnern, warum du diese Dinger hast.
Gar nicht wahr, die Sporen sind für mich genauso wichtig wie für ihn. Ein Symbol für die Freundschaft zwischen mir und diesem Dorf, zwischen Österreich und Peru, zwischen Europa und Lateinamerika!
Die Frau schüttelte den Kopf, sagte irgendetwas auf Quechua und ließ Kutzenberger mit der sporenlosen Alkoholleiche allein.
Zwanzig Jahre später fand Kutzenberger beim Kellerausmisten in einer Schuhschachtel ausgebleichte Lederriemen mit metallenen Teilen daran, die in sternförmigen Rädchen mündeten. Es dauerte eine Weile, bis er erkannte, dass es sich dabei um Sporen handelte, und noch länger, bis er sich erinnerte, woher diese kamen. Kurz überlegte er, die Dinger einfach wegzuschmeißen, als ihm die prophetischen Worte der Indiodame in den Sinn kamen. Verlegen legte er die Sporen zurück in die Schachtel und trug sie in sein Büro, wo sie seitdem im Bücherregal neben dem Schreibtisch stand, wertvollen Platz wegnahm und ihn jedes Mal, wenn er sie sah, ärgerte und gleich darauf beschämte. Ob ihn Martas Andentracht daran erinnerte, wie arrogant er in Peru agiert hatte, und er, statt zu versuchen, seine Gier wiedergutzumachen, sie durch Abweisung ungeschehen machen wollte? Ich kann das nicht sagen. Wie ich generell über viele, ja, die meisten der mir oft unverständlichen Handlungen Kutzenbergers nur spekulieren kann.
km 0,012
Mit vielen Beteiligten des hier berichteten Geschehens habe ich gesprochen, alle in Südamerika lebenden Zeugen dieser Erzählung habe ich zu kontaktieren und zu interviewen versucht, doch die geheimen Gedanken der Figuren und vor allem die Beweggründe unseres Protagonisten Kutzenberger, die kenne ich nicht. Nur wenige Male habe ich ihn getroffen, nur flüchtig kennengelernt, nur oberflächlich mit ihm gesprochen. Umso schwerer fallen mir die direkten Reden, die ich rekonstruieren muss, denn auch diejenigen, die ich interviewt habe, konnten sich naturgemäß nach so langer Zeit nicht mehr wörtlich an die Gespräche mit ihm erinnern. Die direkten Reden führen mir am deutlichsten vor Augen, dass ich kein Schriftsteller bin. Wie soll man einen Dialog in Schrift umwandeln? Vor allem, wenn viele dieser Gespräche in verschiedenen Sprachen geführt werden und auch das österreichische Deutsch teilweise sehr weit vom Schriftdeutsch entfernt ist. Hat man das Problem der Verschriftlichung des Gesprochenen einmal gelöst, bleibt noch immer die Frage, wie man die Dialogzeilen verbinden soll. In der Schule lernten wir, dass man nicht immer sagte er, sagte sie schreiben darf, es gab dann eine Wellenlinie unter die Worte und ein WW! an den Seitenrand, und drei WWs zählten so viel wie ein R oder G, Rechtschreib- oder Grammatikfehler also. Wobei sich das Problem mit der Wortwiederholung im Zug von Wien nach Wels aber ohnehin nicht stellt, da kaum ein Wort gewechselt wurde.
War Kutzenberger verkatert oder tatsächlich noch so verbittert, dass seine Kollegen an die touristisch schönsten Plätze Österreichs gebracht wurden und er nach Wels musste? Warum also kamen er und Marta in Wels an und waren verfeindet? Wobei das ein zu großes Wort ist – aber warum kamen die beiden an und sprachen nicht miteinander, warum gingen sie dieses Abenteuer nicht gemeinsam an, sondern zogen sich wortlos in die überheizten Zimmer des Hotel Greif zurück?
Teure Leserin, werter Leser: Haben Sie Nachsicht mit Ihrem unerfahrenen Erzähler, ich kenne die Antworten auf diese Fragen nicht. Ich vergaß, Marta über die Zugfahrt zu befragen, da es so viele andere Dinge gab, die mir wichtiger erschienen, vor allem, da sich diese anfängliche Kälte zwischen den beiden am Ende des Aufenthalts ohnehin in eine gegenteilige Empfindung gewandelt hatte. Seien Sie also nicht zu ungeduldig mit meinem Bericht, man kann nicht alles gleichzeitig erzählen, und nach und nach wird sich der Sinn des Geschehens schon erschließen. Fragen Sie bitte nicht zu viel nach, zweifeln Sie nicht zu sehr an meinem Vermögen, das Leben von Stefan Kutzenberger erzählen zu können, denn auch der alte Vater kann ein guter Vater sein, gerade der spät zu einem Kind gekommene Mann ist oft das bessere Vorbild, eine gewisse Ruhe und Lebenserfahrung kann die Dynamik der Jugend leicht ausgleichen. Genauso ist es mit dem Text. Auch wenn dies mein erster Versuch ist, eine große Erzählung zu schreiben, so brauchen Sie mich nicht misstrauisch zu beäugen und meine Fehler zu zählen. Lehnen Sie sich ruhig zurück, vertrauen Sie mir, nehmen Sie meine freundschaftlich ausgestreckte Hand und lassen Sie sich in diese Geschichte ziehen, die nun gerade, nach dem Auftakt in Wien, im Hotel Greif in Wels gelandet ist, wo wir unsere beiden Helden kurz kopfschüttelnd beobachten werden, bevor die Erzählung nach der Überquerung eines Ozeans, einer Katastrophe in Europa und einem Neubeginn in Südamerika, wie Sie wissen, in einem verkommenen Hinterzimmer einer Pension in Santa María, nur zwölf Meter von meiner Wohnung entfernt, blutig zu Ende gehen wird.
km 11.170
Das Hotel Greif war einst das beste Haus am Platz. In diesem Fall am Kaiser-Josef-Platz, der als einer von drei lang gezogenen Plätzen das Zentrum von Wels bildet. Es gab hier, glaubt man den älteren Einheimischen, und warum sollte man das nicht tun, ein schönes, klassisches Kaffeehaus samt Bridge-Club und Separee, von dem man heute noch, lange nach der Schließung des Cafés, nur verschämt lächelnd oder übertrieben laut lachend erzählt. Im hinteren Bereich des Hotels war ein großer Saal, in dem winters legendäre Bälle stattfanden und jeden Herbst die Tanzschule. Im Gegensatz zum Kaffeehaus existierte der Ballsaal noch als nun Spiegelsaal genannter, überdimensionierter Frühstücksraum des Hotels, das in Wirklichkeit gar kein Hotel mehr war, sondern eine Jugendherberge. Und da es in Wels im Winter keinen Tourismus gab, am wenigsten Jugendtourismus, stand das Haus leer. Nur im obersten Geschoss, am Ende eines langen Ganges, waren zwei kleine Einzelzimmer bezogen, die Rechnung sei bitte an das Büro der UNESCO in Wien zu senden, denn die uruguayische Schriftstellerin und der Linzer Autor seien Teil eines weltweiten Austauschprogramms und hätten selbstverständlich nichts zu bezahlen. Warum man ihnen dann aber nicht größere Zimmer des verwaisten Etablissements zugeteilt hatte, zumindest jeweils ein Doppelzimmer oder gleich eine Suite, und warum die beiden täglich das kalte Stiegenhaus bis in den dritten Stock hinaufsteigen mussten, wo doch auch weiter unten genügend ansehnliche Räume frei gewesen wären, waren Fragen, die nicht mehr zu klären sind, denn das Hotel wurde, kurz nachdem die beiden ihre Zimmer wieder verlassen hatten, abgerissen, um einem Bürogebäude des Magistrats Platz zu machen.
Kutzenberger wohnte im allerletzten Zimmer am Ende des Korridors des obersten Stockwerks, musste also an Martas Tür vorbei, um zu seiner zu gelangen, wie ja oft auch die Damentoilette vor der Herrentoilette situiert ist – vielleicht damit man eindringende Lustmörder eher bemerken könnte? Kutzenberger war aber ohnehin weder zur Lust noch zum Mord prädestiniert, sondern saß frustriert und mit dumpfen Kopfschmerzen in seinem stickigen, kleinen, mit blauem Teppich ausgelegten Jugendherbergszimmer.
Er öffnete das Fenster und schaute nach unten, wo auf dem Vordach ein zerplatzter Karton Milch lag, den er nachts zuvor auf das Fensterbrett gestellt hatte, da es im Raum keinen Kühlschrank gab. Das Fenster schaute auf eine schmutzig graue Feuermauer, am Schreibtisch war es düster, obwohl es nicht einmal Mittag war. In einer Woche musste er eine Seite geschrieben haben, die neben Martas Kolumne in den Oberösterreichischen Nachrichten veröffentlicht werden würde. Das war alles, mehr wurde nicht von ihnen erwartet, drei kurze parallele Kolumnen über ihr Leben in Wels, jede Woche eine. Die nie ausgesprochenen Fragen, die sich dieses Projekt wohl stellte, waren, wie unterschiedlich die zwei, der Österreicher und die Fremde, auf die Stadt eingehen würden, ob ihre Erlebnisse einander ähneln würden oder widersprechen, ob sie im Bericht des jeweils anderen Erwähnung finden würden. Diese Gefahr war für Kutzenberger nicht gegeben, er hatte nicht vor, Marta öfter als notwendig zu sehen, und schon gar nicht, über sie zu schreiben. Auch wenn Kingfisher behauptet hatte, dass die Wege der Literatur geheimnisvoll waren und es durchaus sein könnte, dass diese gemeinsam verbrachten Tage in einem österreichischen Hotel Jahre später plötzlich den Ausschlag für einen monumentalen Roman geben würden.
Kutzenberger schloss das Fenster, knipste das Licht an und gleich darauf wieder aus. Dann ging er hinunter, zum Wasserkocher. Dieser stand im großen Ballsaal, in dem auf einem Bürotisch an der Wand ein kleines Frühstücksbuffet improvisiert worden war, das aus ein paar trockenen Semmeln, einem Glas Nutella, einer Thermoskanne mit Kaffee, einer Schachtel mit Teebeuteln und dem Wasserkocher bestand. Im Saal gab es eine lange Tafel, an der Marta mit einem jungen Mann fröhlich frühstückte. Es war das erste Mal, dass Kutzenberger sie ohne ihre Andentracht sah, und er musste zwei Mal hinschauen, um sie in der engen Jeans und dem grauen Sweater mit aufgedrucktem Sigel einer Universität zu erkennen. Sie trug das Haar offen und begrüßte ihn freudig.
Hi, Stefan, hattest du auch so eine wunderbare Nacht?, fragte sie auf Englisch.
Diese Frage kam so unerwartet, dass Kutzenberger sie schlichtweg nicht verstand. Wie konnte man in diesem Abbruchhotel in Wels eine wunderbare Nacht haben? Die anderen Paare des UNESCO-Programms genossen wahrscheinlich gerade in den Spa-Bereichen ihrer Wellness-Chalets Paarmassagen, dachte er, während Marta übersprudelte wie eine Champagnerflasche, dem jungen Mann an ihrer Seite zärtlich über das Gesicht streichelte und in erstaunlich flüssigem Englisch erzählte, wie sie am Abend zuvor durch die Stadt gewandert und bei einem Schloss vorbeigekommen war, dem Stadtschloss, auf dem eine Gedenktafel an Hans Sachs erinnerte.
Du weißt schon, der aus den Meistersingern von Richard Wagner, sagte sie zu Kutzenberger und begann tatsächlich zu singen, auf Deutsch: All Dichtkunst und Poeterei/ist nichts als Wahrtraumdeuterei, in langen Tönen, um gleich darauf wieder ausgelassen zu lachen und weiterzuerzählen über Hans Sachs, der mehrere Jahre lang in Wels verbracht hatte, wo ihn, den Schusterlehrling, als er auf einer Wiese in der Sonne lag, die neun Musen küssten, alle neune, und ihm eine große dichterische Laufbahn voraussagten, was sich schließlich auch bewahrheitete, weil Sachs Meistersinger wurde und der zu Lebzeiten berühmteste deutsche Poet überhaupt, so berühmt, dass Goethe später ein Gedicht über ihn schrieb und Wagner eben die Oper, kannst du dir das vorstellen, Stefan? Und wir dürfen hier sein, in Wels, dem inspirierendsten Ort Mitteleuropas, in der Stadt des Musenkusses! Sprach’s und küsste den adretten jungen Mann am Frühstückstisch leidenschaftlich auf den Mund.
Es stellte sich heraus, dass er adelig war, der Frühstücksfreund, dass seiner Familie das Stadtschloss gehörte, wo am Abend zuvor ein großes Fest gefeiert worden war, auf das er die vor dem Fenster nach oben blickende Marta kurzweg eingeladen hatte, indem er ihr gedeutet hatte, zu warten, um sie dann unten abzuholen, verschwitzt im vom ausgelassenen Feiern zerknautschten und verrutschten Anzug. Der Welt gegenüber offen und wehrlos vom Champagner im Blut, nahm er sie bei der Hand und geleitete sie in die Beletage, wo sie ihm nach nur wenigen Metern im Trubel abhandenkam. Marta aber ließ sich widerstandslos in das Fest hineinziehen, trieb von Raum zu Raum, nahm dankend alle ihr angebotenen Getränke entgegen, parlierte auf Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und auch in abenteuerlichem Deutsch, und die Gäste, die zum Großteil aus Wels kamen, enthüllten erstaunliche internationale Beziehungen, konnten Anekdoten aus Lateinamerika zum Besten geben, obwohl es ohnehin bald nicht mehr um so schnöde Dinge wie Herkunft ging, denn die Frage, woher man kommt, stellt sich nicht, wenn man im Champagnerrausch beheimatet ist, sondern die der Intimität, die dem Urknall entgegengesetzt ist, durch den ja bekanntlich alles auseinanderstrebt, was nicht gut ist, denn man will zueinanderkommen, muss gegen die Fliehkräfte des Big Bangs ankämpfen, gerade in so unruhigen Zeiten wie den gegenwärtigen, in denen alles auseinanderzufallen droht. Allerdings: Wie soll man gegen die Kraft eines explodierenden und auseinanderstrebenden Universums ankämpfen? Durch die Bildung eines Kreises natürlich! Also fassten alle einander bei den Händen und formten einen Kreis, tanzten einen Kreistanz und retteten den Kosmos, denn so war es, wer es nicht glaubt, beweise das Gegenteil. Die eine Hand, die Marta beim Kreistanz hielt, in ihrer Rechten, war die Linke des Adligen, desjenigen, der sie hinaufgebeten hatte und der auch der junge Mann am Frühstückstisch war. Sie hatte die Hand das restliche Fest nicht mehr losgelassen und schließlich bis in den dritten Stock des Hotels hinaufgebracht, den Rest des Körpers praktischerweise gleich mit, denn so konnte der Adlige erstmals hier im Hotel schlafen, was sein ausdrücklicher Wunsch war, da er als Welser in seiner Heimatstadt natürlich noch nie in einem Hotel genächtigt hatte, auch wenn er, wie so viele, im Spiegelsaal, in dem sie gerade saßen und frühstückten, zur Tanzschule gegangen war, wie er berichtete und dabei verlegen und süß kicherte, so süß, dass er einen weiteren Kuss von Marta erhielt.
Zwei Schriftsteller ganz allein in einem Hotel, das erinnert an The Shining, sagte er daraufhin.
Wir müssen einen Shining-Filmabend organisieren!, rief Marta.
Und das tat sie. Nur zwei Tage später projizierte ein Beamer aus einem Architekturbüro den Horrorklassiker von Stanley Kubrick an die Wand des früheren Ballsaals, die großen Spiegel reflektierten das immer irrer werdende Szenarium hin und her in die Unendlichkeit, und alle schrien auf vor Freude am Schrecken. Alle, das war eine beeindruckend bunte Mischung an Leuten aus den verschiedensten Teilen der Welser Gesellschaft, nur Kutzenberger fehlte, er erfuhr wieder einen Tag zu spät von dem Fest, nämlich als er Marta mit einem zerzausten Mann an der Frühstückstafel antraf, dem Beamer-Besitzer und Architekten, der einen Großteil der Leute mitgenommen hatte und nun auch einmal im Greif hatte schlafen dürfen, falls die beiden dazu gekommen waren.
