Kinder zeichnen, malen und gestalten - Georg Peez - E-Book

Kinder zeichnen, malen und gestalten E-Book

Georg Peez

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  • Herausgeber: Kohlhammer
  • Kategorie: Bildung
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2015
Beschreibung

Die bildnerisch-ästhetische Praxis in der KiTa zielt einerseits auf den taktilen, visuellen und sensomotorischen Zugang zur Welt, auf sinnliche Erfahrungen als Ausgangspunkt von Bildung und Entwicklung der Kinder. Andererseits geht es um kreative Prozesse der Weltaneignung und Weltentdeckung, um den spielerischen Umgang der Kinder mit Materialien, auch mit Kunst. Ausdruck, Mitteilung und Darstellung sind wichtige zu fördernde Kompetenzen. Das Buch liefert neben dem theoretischen, mit vielen Abbildungen versehenen Grundlagenwissen inspirierende Praxisanregungen, Übungen und Tipps zur Förderung der ästhetischen Bildung und Erziehung in der KiTa.

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Seitenzahl: 309

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Entwicklung und Bildung in der Frühen Kindheit

 

Herausgegeben von Manfred Holodynski, Dorothee Gutknecht und Hermann Schöler

Georg Peez

Kinder zeichnen, malen und gestalten

Kunst und bildnerisch-ästhetische Praxis in der KiTa

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.

1. Auflage 2015

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-028731-0

E-Book-Formate:

pdf:       ISBN 978-3-17-028732-7

epub:    ISBN 978-3-17-028733-4

mobi:    ISBN 978-3-17-028734-1

Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.

VORWORT DER HERAUSGEBERIN UND DER HERAUSGEBER

Die Lehrbuchreihe »Entwicklung und Bildung in der Frühen Kindheit« will Studierenden und Fachkräften das notwendige Grundlagenwissen vermitteln, wie die Bildungsarbeit im Krippen- und Elementarbereich gestaltet werden kann. Die Lehrbücher schlagen eine Brücke zwischen dem aktuellen Stand der einschlägigen wissenschaftlichen Forschungen zu diesem Bereich und ihrer Anwendung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern.

Die einzelnen Bände legen zum einen ihren Fokus auf einen ausgewählten Bildungsbereich, wie Kinder ihre sozio-emotionalen, sprachlichen, kognitiven, mathematischen oder motorischen Kompetenzen entwickeln. Hierbei ist der Leitgedanke darzustellen, wie die einzelnen Entwicklungsniveaus der Kinder und Bildungsimpulse der pädagogischen Einrichtungen ineinandergreifen und welche Bedeutung dabei den pädagogischen Fachkräften zukommt. Die Reihe enthält zum anderen Bände, die zentrale bereichsübergreifende Probleme der Bildungsarbeit behandeln, deren angemessene Bewältigung maßgeblich zum Gelingen beiträgt. Dazu zählen Fragen, wie pädagogische Fachkräfte ihre professionelle Responsivität den Kindern gegenüber entwickeln, wie sie Gruppen von Kindern stressfrei managen oder mit Multikulturalität, Integration und Inklusion umgehen können. Die einzelnen Bände bündeln fachübergreifend aktuelle Erkenntnisse aus den Bildungswissenschaften wie der Entwicklungspsychologie, Diagnostik sowie Früh- und Sonderpädagogik und bereiten für den Einsatz in der Aus- und Weiterbildung, aber ebenso für die pädagogische Arbeit vor Ort vor. Die Lehrbuchreihe richtet sich sowohl an Studierende, die sich in ihrem Studium mit der Entwicklung und institutionellen Erziehung von Kindern befassen, als auch an die pädagogischen Fachkräfte des Elementar- und Krippenbereichs.

Mit dem Band »Kinder zeichnen, malen und gestalten« erklärt der renommierte Kunstpädagoge Georg Peez, Professor am Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dem Leser auf inspirierende Weise die Kunst und die bildnerisch-ästhetische Praxis in der KiTa, ein für die Frühe Bildung so wichtiges Thema. Von den einen als Malen und Basteln belächelt, von anderen als selbstbildende Heilsquelle verklärt, zeichnet er ein faszinierendes und vielsagendes Bild, welche entwicklungspsychologische Bedeutung das Malen, Zeichnen und Gestalten für Kinder einnehmen kann und wie pädagogische Fachkräfte in der KiTa dazu beitragen können, dieses Potenzial mit den Kindern zu erschließen. Malen, Zeichnen und Gestalten beinhalten für Kinder nicht nur ein Ausprobieren im Material, sondern immer auch eine Kommunikation ihrer Beziehung zur Welt und zu den eigenen Erlebnissen in ihr. Malen, Zeichnen und Gestalten mit Kindern verkörpern und ermöglichen eine Begegnung und ein Mitfühlen mit ihren persönlichen Realitätsverarbeitungen. Den Leserinnen und Lesern dieses Potenzial bildnerisch-ästhetischer Praxis in fundierter und anschaulicher Weise nahezubringen, ist das große Verdienst des vorliegenden Bandes.

Wesentliche Erkenntnisse zur bildnerisch-ästhetischen Entwicklung vom Säugling bis zum Zehnjährigen werden vom Autor informativ und kompetent zusammengetragen und vor dem Hintergrund aktueller Modelle der bildnerischen Entwicklung diskutiert. Dabei dient ihm die Kinderzeichnung von den ersten Kritzelzeichnungen bis zum verschachtelt gezeichneten narrativen Plot als kristalliner Kern, an dem sich die Entwicklung der bildnerischen Gestaltungsfähigkeiten von Kindern veranschaulichen lässt.

Professionalität in der bildnerisch-ästhetischen Bildung benötigt auch eine Kenntnis bestehender Diagnoseverfahren, angefangen bei standardisierten Zeichentests bis zu qualitativen Analysen von Kinderzeichnungen. Dieses Spektrum an Verfahren wird instruktiv und übersichtlich vorgestellt, wie die pädagogische Fachkraft zu einer Einschätzung der bildnerisch-ästhetischen Fähigkeiten eines Kindes kommen kann, um darauf aufbauend entwicklungsförderliche Anregungen und Angebote zu planen und zu gestalten.

Darüber hinaus nimmt Georg Peez die Leser und Leserinnen mit auf eine inspirierende Reise zu Fragen, was Kreativität sei, ob Kinder schon »Künstler« seien, wie mit Anforderungen von Inklusion und kultureller Vielfalt umgegangen werden kann und wie sich Sexualität in Kinderzeichnungen ausdrückt. Eingängig sind auch die Erläuterungen und Anregungen, bildnerisch-ästhetische Praxis nicht nur auf die Praxis in der KiTa zu beschränken, sondern durch den Besuch von Museen und Ausstellungen den Kindern auch die Welt der Ästhetik und Kunst nahezubringen.

Georg Peez hat mit diesem Buch ein eindrucksvolles Lehrbuch zur bildnerisch-ästhetischen Bildung vorgelegt, von dem wir hoffen und uns wünschen, dass es den ihm gebührenden Status eines Standardwerkes für die bildnerisch-ästhetische Bildung erhalten möge.

Münster, Freiburg und Heidelberg im Juni 2015

Dorothee Gutknecht, Hermann Schöler und Manfred Holodynski

Inhalt

Vorwort

1 Einführung

2 Eingrenzung und Begriffsklärungen

2.1 Zusammentreffen von Bewegung und Material

2.2 Mit den Sinnen wahrnehmen und empfinden: »ästhetisch« erleben

2.3 Unsere Sinne

2.4 Rezeption, Produktion und Reflexion

2.5 Kulturelle Teilhabe und Bildkompetenz

2.6 Bildnerische Gestaltung im »Konzert der Künste«

2.7 Kinderbilder im Papierkorb

2.8 Malen, Zeichnen, Basteln, plastisches Gestalten

2.9 Bildnerisch-ästhetische Erfahrungsprozesse

2.10 Ästhetische Erfahrungs- und Bildungsprozesse in der KiTa

3 Bildnerische Entwicklung und Phasen der Kinderzeichnung

3.1 Modelle und Phaseneinteilungen zur Systematisierung von Entwicklung

3.2 Früheste Materialerkundungen

3.3 Schmieren

3.4 Kritzelphase

3.5 Sinnunterlegtes Kritzeln

3.6 Konzeptkritzel, erste Mensch-Darstellung und Streubild

3.7 Frühe Schemaphase

3.8 Mittlere Schemaphase

3.9 Späte Schemaphase

4 Weitere Modelle bildnerischer Entwicklung

4.1 Psychoanalytisch orientierte Ansätze

4.2 Tiefenpsychologisch orientierte Ansätze

4.3 Zeichnen und Malen als Ausdruckshandlung – »Formulation« nach Arno Stern

4.4 Zeichnungen als Mitteilungen – kommunikationstheoretisch orientiertes Verständnis

4.5 Formal-grafisch orientierte Ansätze

4.6 Bildnerische Entwicklung im plastischen Gestalten

4.7 Die Verwendung von »Farbe« – Vom Ausdruck zur Darstellung

5 Zeichentests

5.1 Zeichentests als Diagnoseinstrumente

5.2 Entwicklungsbezogene und projektive Tests

5.3 Mensch-Zeichen-Tests

5.4 Der »Mann-Zeichen-Test« (MZT)

5.5 »Familie in Tieren«

5.6 »Test zum Schöpferischen Denken – Zeichnerisch« (TSD-Z)

5.7 Gütekriterien für Zeichentests und darüber hinaus

6 Methoden zur Analyse von Kinderzeichnungen

6.1 Beobachten, Dokumentieren und Forschen

6.2 »Drei Qualitäten einer Zeichnung« (Barbara Wichelhaus und Hans-Günther Richter)

6.3 »Modifizierter Ansatz zur Charakterisierung der Stufen der Kinderzeichnung« (Christa Seidel)

6.4 »Handlungsmodell zur Analyse von Kinderzeichnungen« (Hermann Hinkel)

6.5 »Modell zur qualitativ-empirischen Analyse von Kinder- und Jugendzeichnungen« (Annette Wiegelmann-Bals)

6.6 »Ebenen in Kinderzeichnungen« (Norbert Neuß)

6.7 Datenschutz

7 Machen Kinder »Kunst«?

7.1 Kinderzeichnungen als Anregung für die bildende Kunst

7.2 »Kunst«-Ansprüche an Kinderbilder aus pädagogischer Sicht

8 Kreativität

8.1 »Schlüsselkompetenz« Kreativität

8.2 Kreativität – Was ist das?

8.3 Kreativität bei Kindern

8.4 Kreativitätsförderung in der KiTa

8.5 Objektive und subjektive Kreativität

9 Ästhetisch-bildnerische Kompetenzen und Standards in Bildungsplänen

9.1 Grundsätzliches zu Kompetenzen und Standards

9.2 Ein kritischer Blick in die fachspezifischen Anteile einiger Bildungspläne

9.3 Dekorative Funktionalisierung von Kinderbildern

9.4 Fachspezifische Schwerpunkte in den Bundesländern

9.5 Fachspezifische Kompetenzen aus Sicht der Kunstpädagogik

9.6 Über 40 Jahre alte Fähigkeitsbeschreibungen neu betrachtet

10 Kulturelle Vielfalt

10.1 Kulturelle Einflüsse und physiologische Voraussetzungen

10.2 Transkulturelle Studien zur Kinderzeichnung

10.3 Forschungsmethodische Herausforderungen

10.4 Bildnerische Gestaltung im Rahmen einer kultursensitiven Frühpädagogik

11 Heterogenität, Inklusion und Kompensation

11.1 Inklusion und Kompensation als Herausforderungen in KiTa und Gesellschaft

11.2 Funktionen ästhetisch-bildnerischer Prozesse im Rahmen inklusiver Ansätze

11.3 Beobachtung, Diagnose und Förderung des Individuums in der Gruppe

12 Kunstbegegnung in Museen und Ausstellungen

12.1 Formen der Kunstbegegnung in der Frühpädagogik

12.2 Bildungswirkungen durch Kunstbegegnung

12.3 Unterschied von Original und Reproduktion

12.4 Pädagogische Haltungen zum Umgang mit Kunst für Kinder

12.5 Museum als Raum

12.6 Bild-Präferenzen von Kindern und hierauf bezogene pädagogische Werkauswahl

12.7 Rezeption kombiniert mit bildnerischer Praxis

13 Sexualität in Kinderzeichnungen und sexuelle Gewalt an Kindern

13.1 Kindliche Sexualität

13.2 Differenz zwischen Geschlecht und Sexualität anhand von Kinderzeichnungen

13.3 Sexuelle Gewalt und Kinderzeichnung

14 »Kunst und bildnerische Gestaltung« in drei frühpädagogischen Konzepten

14.1 Konzepte zur »Befreiung der schöpferischen Natur des Kindes«

14.2 Montessori-Pädagogik

14.3 Waldorf-Pädagogik

14.4 Reggio-Pädagogik

Literatur

1         Einführung

Zeichnen, Malen und plastisches Gestalten sowie Sammeln, Bauen, Kleben, Collagieren oder Konstruieren sind für nahezu alle Kinder sehr wichtige Tätigkeiten, mit denen sie Erfahrungen machen, die Welt erkunden und verstehen sowie lernen sich auszudrücken. Im vorliegenden Band der Reihe »Entwicklung und Bildung in der Frühen Kindheit« wird die große Bedeutung des Bildnerischen in der Frühpädagogik anhand zentraler Themenfelder systematisiert sowie multiperspektivisch begründet. Denn Wissen um schöpferisch-bildnerische Prozesse ist grundlegend für ein Verstehen der Kinder und ihrer Möglichkeiten sowie für die professionelle Planung frühpädagogischer Angebote im Bereich »Kunst und bildnerische Gestaltung«. Auf die Darstellung unterschiedlicher Modelle und Konzepte für die frühkindliche Bildung wird hierbei Wert gelegt. Das vorliegende Buch gibt somit einen Überblick und will gleichzeitig dazu anregen, sich vertiefter mit einzelnen Ansätzen zu beschäftigen.

Innerhalb der Kunstpädagogik finden sich die meisten und einflussreichsten Forschungstraditionen im Bereich der Untersuchung von Kinderzeichnungen. Seit über 120 Jahren steht diese bildnerische Ausdrucksform im Fokus. Am Zeichnen können deshalb exemplarisch die frühkindliche Wahrnehmung, das bildnerische Denken und die bildnerische Entwicklung analysiert werden. Daher beziehen sich viele der folgenden Kapitel auf die Kinderzeichnung. An der Zeichnung lassen sich zudem wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten von Kindern beobachten, etwa das Erzählen und Argumentieren mit Bildern, die Illustration von gehörten oder selber ausgedachten Geschichten bis hin zu vorwissenschaftlichen Verfahren der zeichnerischen Dokumentation von Erkundungen durch die Kinder selbst. Heute, da medial vermittelte Bilder im Zusammenleben der Menschen allgegenwärtig sind, ist es sehr bedeutsam, dass auch in der Frühpädagogik Bildkompetenzen und visuelle Kompetenzen sowie deren Aufbau und Förderung thematisiert werden.

Bildnerisch-ästhetisches Denken und Handeln können zwar angeregt und quasi von außen beobachtet werden, aber letztlich ist das Kind darin autonom, ob und inwieweit es sich auf seine Umwelt sowie (kunst-)pädagogisch arrangierte Situationen einlässt. Trotz der Eigendynamik bildnerischer Prozesse gibt es verallgemeinerbare Wahrnehmungsdispositionen, Entwicklungsverläufe, ein Hintergrundwissen um Besonderheiten sowie kunstpädagogisch zu fördernde Handlungsweisen.

Im Anschluss an diese Einführung (Kap. 1) werden in Kapitel 2 zunächst wichtige Eingrenzungen und Begriffsklärungen vorgenommen, etwa zur Kunst, zu den Bezeichnungen »ästhetisch« und »bildnerisch« sowie zu deren Potenzialen für Erfahrungs- und Bildungsprozesse. Kapitel 3 stellt die bildnerische Entwicklung von Kindern exemplarisch anhand des Zeichnens vor, und zwar mittels einer Theorie der kognitiven Entwicklung. Daraufhin werden in Kapitel 4 fünf alternative Modelle der bildnerischen Entwicklung umrissen, komplettiert durch die Schilderung des plastischen Gestaltens sowie den Einsatz von Farbe. Weil das Zeichnen, wie oben erwähnt, der am intensivsten erforschte Bereich des bildnerischen Ausdrucks von Kindern ist, widmen sich Kapitel 5 und 6 psychologischen Untersuchungsverfahren und kunstpädagogisch geprägten Verfahren zur Analyse von Kinderzeichnungen.

Nachfolgend werden Bezüge zwischen der Schöpferkraft von Kindern im Überschneidungsbereich zur Kunst (Kap. 7) sowie zur Kreativität und Kreativitätsforschung (Kap. 8) behandelt. Die anschließenden Kapitel beleuchten knapp die Bedeutung und den Umgang mit Kinderzeichnungen sowie bildnerischen Prozessen und Produkten von Kindern zunächst anhand der Bildungspläne aus einigen Bundesländern (Kap. 9), bevor in Kapitel 10 Fragen der Transkulturalität im Hinblick auf die Kinderzeichnung erörtert werden. Aspekte der Heterogenität, Inklusion sowie Kompensation durch ästhetisch-bildnerische Prozesse komplettieren die Erörterungen zur in der Kindertageseinrichtung (KiTa) gelebten Vielfalt (Kap. 11).

In Kapitel 12 stehen die Kunstbegegnung und kulturelle Teilhabe durch Kinder etwa in Museen, Ausstellungen, aber auch in der KiTa selbst im Mittelpunkt. Die Bedürfnisse und Ausdruckspotenziale von Kindern im Bildnerischen werden in Kapitel 13 am Thema der Sexualität exemplarisch fokussiert; hieran zeigt sich, dass die Kinderzeichnung sowie der Bereich des Bildnerischen stets auch mit der Gesellschaft und den Themen der Erwachsenen verbunden sind. Das Malen und Zeichnen ist kein Refugium einer »heilen Kinderwelt«. Den Abschluss bildet Kapitel 14 mit den gegenwärtig einflussreichsten frühpädagogischen Konzepten der Montessori-, Waldorf- und Reggio-Pädagogik und deren Gehalte im Hinblick auf das Bildnerische und Künstlerische.

Das Buch verfügt über ein umfangreiches Verweissystem, welches es erleichtert, nach den ersten drei Kapiteln das weitere Lesen von den eigenen Interessen leiten zu lassen.

In der Kinderzeichnungsforschung werden Altersangaben so geschrieben, dass die Jahresangabe von der Monatsangabe durch ein Semikolon getrennt wird, nicht durch ein Komma, um Verwechslungen mit einer am Dezimalsystem orientierten Schreibweise zu vermeiden (vgl. vor allem die Abbildungsunterschriften). Zugleich ist mit Altersangaben im Rahmen der kindlichen Entwicklung immer vorsichtig umzugehen, denn trotz modellhaft vorgestellter Entwicklungsfolgen wäre es irreführend und daher womöglich falsch, hiervon eindeutige Altersnormen abzuleiten, in welchem Alter welches Entwicklungsmerkmal oder gar welche Kompetenz auftreten »muss«. Der Blick auf Kinder ist somit nicht primär von Altersnormen geprägt, ohne die man freilich in der Beurteilung von Entwicklungs- und Bildungsprozessen nicht auskommen kann, sondern stärker am Kind als Individuum orientiert.

Eine Beschränkung auf die individualisierende Perspektive des Einzelfalles käme aber einer folgenreichen Beeinträchtigung gleich. In Forschungen zu typischen Phänomenen werden kollektive Gruppierungen zusammengefasst, sodass verallgemeinerbare Erkenntnisse konzipiert werden können. Anders aber ist das Wissen über die verschiedenen Gruppierungen von Kindern mit bestimmten kulturellen Erfahrungen, Gendererfahrungen oder mit Körpererfahrungen nicht erreichbar und kommunizierbar. (Prengel, 2014, S. 27)

Für ein professionelles pädagogisches Handeln kommt es darauf an, das verallgemeinerbare Wissen zu typischen kindlichen Lebenslagen und die kollektive Kategorienbildung mit einem Verstehen zu kombinieren, das sich auf den Einzelfall bezieht (ebd.). Insbesondere gelingt dies über die Professionelle Responsivität, die Interaktionskompetenz des Fachpersonals (Gutknecht, 2012).

Somit will das vorliegende Buch dazu anregen, in Forschung und Praxis jeweils situativ spezifisch passende Möglichkeiten der Kategorienbildung auszuwählen und die sich hieraus ergebenden Erkenntnis- und Handlungsperspektiven zu ergreifen. Ein solches Vorgehen begründet aus diesem Blickwinkel nochmals die Bedeutung der Kenntnis unterschiedlicher Konzepte und Ansätze der pädagogischen Fachkräfte in KiTas.

2         Eingrenzung und Begriffsklärungen

2.1        Zusammentreffen von Bewegung und Material

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem sonnigen Strand im warmen Sand. Wenn Sie kurz die Augen schließen, glauben Sie vielleicht die Wärme der Sonne auf Ihrer Haut zu empfinden oder das Rauschen der Wellen zu hören. Außerdem riechen Sie eventuell die Meeresluft und spüren den leicht kühlenden Wind auf Ihrer Haut. Sie nehmen die Umgebung auf diese Weise mit Ihren Sinnen vielfältig wahr.

Unwillkürlich fassen Sie nun mit einer Hand oder beiden Händen in den Sand und Sie fühlen ihn zwischen Ihren Fingern. Ihre Fingerkuppen gleiten über den Sand, tauchen leicht hinein und hinterlassen dabei Vertiefungen und Spuren. Sie betrachten diese durch die Bewegung intuitiv und spontan entstandenen Spuren im Sand und gehen daraufhin bewusster vor, indem Sie beispielsweise Linien, Kreise, Zickzack oder ein Rechteck mit dem Zeigefinger in den Sand ziehen. Der Kreis mit zufälligen Vertiefungen mag in Ihnen die Erinnerung an ein Gesicht wecken, Sie setzen deshalb zwei Punkte und eine Linie hinein. Sie beobachten die Entstehung Ihrer eigenen Sandzeichnung und kommen durch die Fingerbewegung und deren Spuren im Sand zu Assoziationen und Ideen, welche Ihr weiteres zeichnerisches Tun anregen.

Bei dieser beschriebenen Situation handelt es sich um eine ursprüngliche Zeichenerfahrung. Ob jung oder alt – so oder so ähnlich mag es jedem Menschen ergehen bzw. zu allen Zeiten ergangen sein. Zugleich gibt es jedoch sehr große Unterschiede, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine solche Situation wahrnehmen. Diese Unterschiede sind vor allem durch die Vorerfahrungen und Fähigkeiten der jeweiligen Person geprägt, diese hängen u. a. vom Alter oder auch von kulturellen Einflüssen ab, in denen ein Mensch aufwächst. Es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass die eigene Wahrnehmung der eines anderen Menschen oder gar eines Kindes entspricht. Freilich gibt es Ähnlichkeiten, doch vor allem Unterschiede! Denn tatsächlich kann niemand die Welt mit den Augen eines anderen Menschen sehen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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