King's Glory - Chiara Feneberger - E-Book

King's Glory E-Book

Chiara Feneberger

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Beschreibung

Ungeachtet der Meinung seines Vater verschwindet Silver Maran aus der alten Schmiede um seinen Traum zu leben. Ein Krieger Morganhavens zu werden. Doch bald bemerkt Silver, dass er mehr ist als der einfache Sohn eines Schmiedes. Leider kann er seinen Traum nicht lange ausleben. Ungeahnte Ränke werden geschmiedet und schon bald findet er sich auf einer Reise wieder, die das gesamte Schicksal des Königreiches verändern könnte.

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Seitenzahl: 329

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel Eins

Kapitel Zwei

Kapitel Drei

Kapitel Vier

Kapitel Fünf

Kapitel Sechs

Kapitel Sieben

Kapitel Acht

Kapitel Neun

Kapitel Zehn

Kapitel Elf

Epilog

PROLOG

Tapfer standen die drei mächtigsten Krieger der Reiche zusammen auf dem großen Hügel, auf welchem man ganz Noria überblicken konnte. Doch in diesem Moment sahen sie nicht die unendlich saftigen Wiesen und klaren Flüsse vor sich. Der Himmel war nicht wie immer klar und die Schlösser der Reiche glänzten nicht so wie an jedem anderen Tag.

Das Gras und das Wasser waren gesäumt von Blut. Rauchschwaden verdeckten den blauen Himmel und zwei der drei Schlösser drohten auseinander zu brechen.

Vor ihnen tobte ein Krieg so groß wie ihn keiner der drei je gesehen hatte. So grausam wie noch kein Kampf zuvor.

Doch Darius, Milenia und Chiron waren es leid erneut Morganhaven gegen Dielonera verteidigen zu müssen. Immer und immer wieder versuchte deren Adelsgeschlecht der Sinera Morganhaven zu übernehmen und mit jedem Krieg wurden die Opferzahlen höher und die Methoden immer brutaler. Die mutigen drei vor ihnen hatten diesen Krieg schon gekämpft. Genauso wie deren Vorfahren.

„Wir sollten dennoch mitkämpfen“, erhob plötzlich Darius seine Stimme, welche über die Schreie der Kämpfenden kaum zu hören war.

„Ich werde nicht mein Leben für die Streitigkeiten zwischen Flame und Sinera opfern. Die vor uns mögen es getan haben. Aber Morganhaven muss eines Tages lernen, dass wir nicht immer deren Rücken stärken werden“, meinte Chiron ernst und hielt das mächtige Schwert in seiner Hand fest umklammert. Seine Augen, von welchen eines grün und eines blau war, überblickten das Schlachtfeld gierig und versuchten festzustellen wie nahe Dielonera am Sieg tatsächlich war.

„Mein Vater setzt dort unten sein Leben aufs Spiel und du verlangst wirklich von mir einfach nur zuzusehen, Chiron?“, fragte Darius verbissen und musterte den ältesten der drei mit festem Blick. Doch anstelle von Chirons Antwort kam eine von Milenia: „Darius, niemand zwingt dich hier neben uns zu stehen und zu warten. Aber Chiron hat recht. Unsere Kinder könnten die nächsten mutigen drei werden und müssen in wenigen Jahrzehnten ihr Leben da unten opfern. Ich bin unserem König loyal aber langsam müssen sie aus ihren Fehlern lernen.“

„Unseren Fehlern? Hörst du dir zu, Maran? Es sind doch die Sinera, die uns angreifen. Die den Frieden einfach nicht wahren können“, zischte Darius erbost zurück.

Milenia zuckte kurz zusammen als Darius sie mit ihrem Nachnamen angesprochen hatten. Die mutigen drei waren eine eingeschworene Gruppe bestehend aus guten Freunden. Sich innerhalb dieser Gruppe mit dem Nachnamen anzusprechen galt schon als unhöflich.

„Wenn du in den Kampf ziehen willst, geh. Milenia und ich sind nicht so dumm um uns für ein Reich zu opfern, dass keinen Tag dankbar für unsere Dienste war“, fuhr nun Chiron den Königssohn scharf an und musterte ihn bitter.

„Warum rufst du nicht deine Wesen? Sie könnten Morganhaven auf ewig schützen“, versuchte Darius nun Chiron mit einem sanfteren Ton zu beschwichtigen.

„Sie sind Verbündete. Keine Waffen, die man auf Schlossmauern setzt um unseren Feinden Angst und Schrecken einzujagen“, zischte der Auserwählte nun zurück und schob sein Schwert in die Scheide an seinem Gürtel.

„Ich verlasse das Reich nun. Sucht nicht nach mir. Erzählt dem König ich sei tot. Ich will ihm nicht mehr dienen“, seufzte Chiron daraufhin und erhielt damit einen erschrockenen Blick von Milenia und Darius.

„Du willst uns einfach zurücklassen? Wir sind die mutigen drei!“, entfuhr es nun Milenia während sie Chiron an der Schulter festhielt.

„Wir waren die mutigen drei“, antwortete der Krieger und setzte einen Schritt vor den anderen in die entgegengesetzte Richtung als das Schlachtfeld lag.

„Du bist ein Feigling, Fakas!“, brüllte im Darius wutentbrannt nach ehe er der Kriegerin einen verzweifelnden Blick zu warf.

„Ich bitte dich, Milenia. Hilf mir ein letztes Mal Morganhaven zu verteidigen. Sobald ich König bin werde ich nicht mehr zulassen, dass Dielonera uns angreifen, gar vernichten kann“, sprach er nur wenige Sekunden darauf an die junge Frau gewandt. In seinem Blick lag etwas Gebrochenes. Tod Trauriges.

Milenia seufzte kurz erschöpft während sie an ihren Mann und deren Sohn dachte, welche unweit vom Schlachtfeld mit unzählig anderen Bürgern in einer Höhle unter der Erde in Sicherheit gebracht worden waren. Bereits als Chiron Darius und Milenia vom Krieg weggezerrt hatte, waren ihre Gedanken mit den beiden verbunden und sekündlich fiel es ihr schwerer nicht zurück auf das Schlachtfeld zu laufen und damit ihren Liebsten etwas mehr Sicherheit zu gewähren.

„Ein letztes Mal, Darius. Nach diesem Kampf kehre ich zu meiner Familie zurück“, kam sie dem jungen Krieger nun entgegen und zog dabei erschöpft ihr Schwert. Darius nickte daraufhin selbstsicher und zog ebenfalls seine Klinge, welche düster funkelte. Seite an Seite stürmten die beiden Krieger den Hang hinunter und hinein in die Schlacht. Tapfer erschlugen sie ihre Feinde, wehrten die Gegner ab doch egal was sie taten, die Chancen von Morganhaven verbesserten sich nicht.

Milenia biss die Zähne fest aufeinander während ihr erneut das Blut des Gegners ins Gesicht spritzte und in ihren aschblonden Haaren hängen blieb. Wild sah sie sich um. Sah Darius, welcher zwanghaft versuchte seinen Vater im Schlachtfeld zu finden. Sah Krieger, welche ächzend stolperte und durch einen erneuten Streich des Gegner ihr Leben ließen.

“Darius!”, rief sie doch der Königssohn überhörte ihre Stimme. Die Angst in seiner Brust, dass er vermutlich seinen Vater lediglich tot auffinden würde, nahm ihm jegliche Fähigkeit normal zu denken. Auf seine Umgebung zu achten. Und vor allem nahm sie ihm die Fähigkeit den maskierten Jäger hinter ihm zu bemerken, welcher dem Mann gefährlich nahe kam. Der Fremde zog den kleinen Dolch und machte sich bereit dem ahnungslosen Krieger damit die Brust zu durchbohren.

“Darius!”, versuchte es Milenia nun erneut und nahm zu dem Jäger Verfolgung auf. Der Maskierte war schnell doch in Milenia tobte der Wunsch Darius zu retten. Furios lief sie durch die fremden Reihen, riss Kämpfer in den Tod und versuchte immer wieder die Aufmerksamkeit ihres Freundes auf sich ziehen zu können.

Immer tiefer trieb sie dieser Wunsch in die feindlichen Reihen. Mit jedem Schritt wurde ihre Aufgabe gefährlicher. Doch genauso wie Darius konnte die junge Frau nicht mehr klar denken. Angst machte sich in ihr breit. Immer öfter blitzten ihr Sohn und ihr Geliebter vor ihrem inneren Auge auf. Doch ihnen würde es gut gehen. Darius würde als König dafür sorgen. Die Kriegerin musste keine Angst haben. Sie musste lediglich dafür sorgen, dass der Königssohn lebte. Ihr vor Jahren geleisteter Schwur verpflichtete sie praktisch dazu.

Und so lief sie immer schneller. Kam dem Jäger immer näher. Und schaffte es schließlich seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Maskierte schien sich an ihrer Anwesenheit zu stören und ließ den Dolch fallen. Geschickt zog er nun ein Schwert aus der Scheide an seinem Gürtel und forderte Milenia damit zum Kampf auf, welche den Fremden auch nicht enttäuschte. Während das Stahl immer wieder erneut aufeinander schlug versuchte sie zu erkennen wer sich unter der Maske verbarg. Doch als sie die eisblauen Augen, welcher mit jeder Bewegung kurz funkelten, endlich erkennen konnte, war es für sie zu spät. In der Bewegung stehen bleibend sah sie an sich hinunter und machte damit den Grund für den plötzlichen brennend Schmerz in ihren Brust aus. Ein Schwert, so edel und hochwertig geschmiedet, wie es nur ein Adeliger tragen konnte.

“Warum tust du das? Welchen Ausgang wünscht du dir hiervon?”, ächzte sie und suchte den Blickkontakt zu dem Jäger, während Milenia sich auf den Boden kniete, welcher von dem Blut der Sterbenden bereits völlig aufgeweicht war. Der Jäger lächelte sie an und hockte sich vor sie.

“Gerechtigkeit für das Kind, das niemand wollte. Meinem Bruder endlich ebenbürtig sein”, murmelte er verbissen. Er kicherte kurz ehe er fort fuhr: “Du solltest dich schämen, Maran. Deine Familie wird ausbaden, was du heute begonnen hast. Ich werde König und dein Kind brennen lassen.”

Mit seinen Worten kochte in der jungen Frau erneut die Angst auf, welche sie all die Zeit unterdrückt hatte. Erneut wanderten ihre Gedanken zu dem jungen Mann in dieser Höhle, welcher krampfhaft versuchte, das Baby in seinem Arm zu beruhigen. Nicht wissend, dass die Liebe seines Lebens ihn in diesem Moment im Stich lassen sollte.

EINS

Bedächtig glitt der Blick des Jungen über die saftig grünen Wiesen, welche sich hinter dem kleinen Haus erstreckten. Sanft fuhren seine Hände währenddessen durch das hellblonde Haar und verknoteten es zu einem Zopf, welcher ihm im Nacken kitzelte. Dabei stand er vor dem Fenster in seinem Zimmer und versuchte sich fieberhaft eine Ausrede einfallen zu lassen um seinem Vater nicht erneut in der hauseigenen Schmiede helfen zu müssen. Eine Krankheit ließ er nicht mehr durchgehend und laut diesem schien auch keine Angelegenheit zu wichtig zu sein um die Arbeit mal für einen Tag liegen lassen zu können.

“Silver!”, rief nun eine bereits erzürnte Stimme durch das Haus und deutlich konnte der Junge schwere Schritte hören, welche seinem Zimmer immer näher kamen. Nur Sekunden später wurde die Tür aufgerissen und ein bereits älterer und hagerer Mann musterte seinen Sohn streng.

“Ich komme ja schon”, seufzte Silver und verfestige sich daraufhin seine Haare mit einem dünnen Lederband.

“Du solltest schon seit über einer halben Stunden draußen sein. Was treibst du denn nur so lange hier oben?”

Die Erschöpfung war deutlich aus der Stimme des Vaters zu hören und beinahe täglich wünschte sich dieser bereits endlich die Arbeit liegen lassen zu können. Doch durch die Verantwortungslosigkeit seines Jungens war dies ein Traum, welcher noch weit in der Zukunft lag.

Silver seufzte nach der kurzen Standpauke und folgte dem älteren Mann durch das Haus, hinaus in die freie Natur bis hin zu der alten Schmiede. Die Sonne blendete Silver doch die bunten Bätter, welche das sanfte Gras bereits säumten, machten nur allzu deutlich, dass die warme Jahreszeit so gut wie zu Ende war. Sobald der Winter einbrach wusste er, dass die Arbeit in der Schmiede noch rauer und härter werden würde. Die Kälte in der Stadt zu Füßen des großen Schlosses von Morganhaven war in dieser Jahreszeit beinahe kaum auszuhalten und des öfteren schneidend kalt. Sein Vater würde dann kaum noch arbeiten können und für Silver gab es noch eine Menge zu lernen bevor er die Schmiede alleine führen könnte.

“Warum muss ich eigentlich unbedingt die Schmiede übernehmen? Ich könnte doch auch einen anderen Beruf erlernen”, fragte der Junge vorsichtig während er nach seiner Lederschürze griff und sie sich überzog.

“Der Beruf des Schmiedes ist Familientradition, Silver. Mein Vater hat ihn mir gelehrt sowie dessen Vater es deinem Großvater gelehrt hat.”

Eine Antwort, welche ihn nicht zufrieden stimmte. Seine Ausbildung war bei der kleinen Familie bereits ein umstrittenes Thema gewesen und wohl auch der Grund warum sich der Sohn immer weiter von seinem Vater entfernte. Tief im Inneren wünschte er sich dessen Zustimmung. Doch er musste sie nicht haben um seinem Ziel näher kommen zu können. Silver seufzte kurz ehe er weiter sprach: “Und was bringt dir diese Tradition? Wolltest du den Schmied sein?”

Ein sanftes Lächeln umspielte die Lippen des Vaters während sein Sohn ihn immer mehr an sich selbst erinnerte.

“Als ich so alt war wie du wollte ich Abenteuer bestreiten und mich als Krieger ausbilden lassen. Wenn ich allerdings an die vergangenen Jahre denke bin ich froh, dass dein Großvater mich davon abgehalten hat.”, fuhr er nun fort und begann damit den großen Ofen der Schmiede anzuzünden. Knisternd begannen die kleinen Funken zu brennen und entfachten ein Feuer.

“Ich dachte alles sei besser geworden?”

Silver warf dem anderen Mann einen kurzen verwirrten Blick zu während er an die Geschichten in der Taverne dachte. Geschichten, in denen der neue König groß angepriesen wurde. Seit seiner Regentschaft sei das Reich friedvoller geworden und die ewigen Feinde von Morganhaven waren bis zur Gänze verstummt.

“Zeltin war ein guter König und sein Sohn scheint ihn sogar noch zu übertreffen aber ganz in Sicherheit wiegen werden wir uns nie können”, seufzte sein Vater und schien nach diesem Satz noch älter als zuvor zu wirken.

“Wie viel weißt du eigentlich tatsächlich über das Königshaus? Du sprichst soviel Böses dabei warst du doch nie mehr als ein einfacher Schmied?”, meinte Silver und klang dabei viel frecher und gemeiner als er eigentlich wollte. Sein Vater stoppt in der Bewegung und warf seinem Sohn einen kurzen Blick zu. Doch dieser kurze Augenkontakt reicht aus um Silver das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Soviel Bitterkeit und Zorn lagen darin, dass es ihm lieber gewesen wäre, wenn der alte Mann gar nicht erst angefangen hätte zu sprechen. Doch er fing an zu sprechen mit einer absolut ruhigen Stimmlage: “Ich muss den König und seine Intrigen nicht kennen um zu wissen, dass sie existieren. Abenteuer erleben zu wollen ist gefährlich und wird dich umbringen. Sowie es auch deine Mutter umgebracht hat.”

“Vielleicht hätte es sie nicht umgebracht wenn du an ihrer Seite gewesen wärst”, murmelte nun Silver so leise wie möglich aber laut genug, dass es sein Vater nicht überhören könnte.

“Wäre ich an ihrer Seite gewesen, wären wir nun beide tot! Wäre dir das lieber gewesen?”

Die Stimme des Mannes verlor jede Ruhe und bedrohlich baute er sich nun vor seinem rebellischen Sohn auf.

“Ich weiß, dass du dir mehr wünscht als Schmied zu sein. Dass du dem König dienen willst. Aber das werde ich nicht zulassen. Du wirst nicht genauso unnötig dein Leben lassen wie deine Mutter, Silver! Niemals!”

Wut machte sich nach diesen Worten in Silver breit und ließ sein Blut kochen. Erbost riss er seine Schürze hinunter und warf sie achtlos zu Boden ehe er seinem Vater den Rücken zukehrte und diesen in der Schmiede zurück ließ. Blind lief er los während er Trost in seinen Gedanken suchte.

Nicht ein einziges Mal hatte ihm sein Vater die Geschichte seiner Mutter erzählt. Hatte nur immer wieder wiederholt, dass ihr Tod die alleinige Schuld des Königs war. Hatte Zorn gegenüber dem Königshaus geschürt und war nur umso erzürnter gewesen als er erfahren hatte, dass sein Sohn ebenfalls diesem König dienen wollte. Die Angst erneut einen geliebten Menschen zu verlieren hatte den alten Mann verbittern lassen. Und Silver jegliche Chance auf ein Leben nach dessen Wünschen genommen. Erpicht war er darauf gewesen den Jungen in die selbe Rolle zu zwingen doch übersah dabei, dass der Lebensmut noch nicht aus seinem Sohn gewichen war.

Silver war auf den großen See zugelaufen an dessen Ufer sich die Stadt befand. Seufzend ließ er sich auf dem Steg nieder, welcher sich am Ufer befand und musterte das blaue Wasser. Schwach konnte er darin sein Spiegelbild erkennen. Konnte all die Wut erkennen, welche sich in seinen beiden verschiedenen Augen wiederspiegelte. Sein linkes Auge war so blau wie der Himmel während die Farbe seines rechten Auges eher die einer dunklen Gewitterwolke glich. So verschieden und doch ein Teil von ihm. Auch der Grund warum er die Stadt kaum betrat. Bereits in frühen Jahren war er von Kindern in seinem Alter verspottet worden während die Älteren ihm flüsternd merkwürdige Blicke zu geworfen hatten. Niemand wollte ihm erklären, warum seine Augen diese Reaktion hervorriefen und so hatte der Junge immer versucht sie so gut wie möglich zu verstecken.

Nach wenigen Minuten, in denen er sein Spiegelbild angestarrt hatte, sah Silver auf und beobachtete dabei ein Schiff, welches unweit von ihm an dem Ufer anlegte. Es war beinahe gigantisch. Gefertigt aus dunklen Holz mit unzähligen Schnitzereien und Verzierungen. Nachdem die Arbeiter das Boot sicher befestigt hatten, kamen die Gäste des Schiffes zum Vorschein. Allen voran verließ eine schlanke Frau das Boot. Ihre langen dunkelbrauen Haare waren kunstvoll zu einen Zopf verflochten und fielen über ihren schmalen Rücken. Ihr Körper war in ein weinrotes Kleid gehüllt, dessen Rock sie nun vorsichtig mit ihren Händen festhielt um nicht darauf zu treten.

Neugierig erhob sich Silver und versuchte vorsichtig ein Stück näher an die Frau kommen zu können. Währenddessen verließ ihre Begleitung das Schiff. Es war ein groß gewachsener Mann mit dunklen Haaren. Eine leichte Rüstung umschmiegte seinen Körper während die Scheide seines Schwertes gut sichtbar an seinem Gürtel hing. Die kunstvolle Verzierung machte nun umso deutlicher, dass es sich bei den beiden Fremden um Mitglieder des Königshauses handeln musste. Silver hatte schon oft Schwerter für diese Familie gesehen. Die Griffe waren meist aufwendig verarbeitet worden während hin und wieder auch teure Edelsteine den Stahl zierten.

Silvers Blick war wie gefesselt von dem Anblick der Schwertscheide. Erneut kam in ihm der unerbittliche Wunsch auf selber eines Tages so ein Schwert führen zu dürfen. Sein Vater würde weiterhin versuchen ihn zu Hause festzuhalten doch dieses Verlangen machte seinen Willen so stark, dass der Junge den Entschluss fasste nicht länger auf die Meinung seines Vaters einzugehen. Er würde zum Schloss aufbrechen und von der Legende höchst selbst lernen. Silver wollte für sein Reich kämpfen und gegen jegliche Gefahr verteidigen. Der Junge wollte so sein wie die Krieger und Helden aus den Geschichten und Liedern, welcher in der Taverne zum Besten gegeben wurden.

Augenblicklich verließ er den Steg und lief wie von einer Tarantel gestochen zurück zu dem kleinen Haus. Das stetige Hämmern in der Schmiede deutete ihm, dass sein Vater nach wie vor arbeitete und er nun genügend Zeit hatte sich vorzubereiten.

Bis zum Schloss würde er einige Zeit unterwegs sein also musste er zur Dämmerung aufbrechen um seinen Weg im Schutze der Nacht zurücklegen zu können.

Er schnappte sich einen kleinen Jutebeutel und begann eifrig diesen mit Kleidung und sonstigen benötigten Gegenständen zu füllen.

Seine Familie war nicht wohlhabend und so besaß Silver nicht viele Dinge, welche er auf seiner Reise unbedingt brauchen würde. Sobald er seine Ausbildung beginnen würde, würde der Junge mehr Gold am Tag verdienen als sein Vater all die Jahre in der Schmiede. Er würde in dem Wohlstand leben, welcher ihm sein Vater immer verboten hatte.

Nachdem er eifrig zusammen gepackt hatte, sah er sich erneut in seinem Zimmer um. Wollte auf keinen Fall etwas vergessen. Wenige Strähnen seiner blonden Haare fielen ihm dabei ins Gesicht. Silver setzte sich langsam auf sein Bett und musterte kurz diese Strähnen ehe er seinen Zopf öffnete und seine Haare ihm offen über die Schulter fielen. Er ließ die Finger seiner linken Hand hindurch gleiten eher er flüsternd zu sich selbst sprach: “Wenn ich ein Krieger bin, werde ich sie mir abschneiden. Den letzten Teil von diesem Leben begraben.”

Und so machte sich der Junge bereit endlich ein neues Leben beginnen zu können. Abseits seines Vaters und dessen Familiengeschichte. Weit weg von den flüsternden und tuschelnden Bewohnern des Dorfes. Und endlich in der Position sein Leben selbst in die Hand nehmen zu können. Endlich das sein zu können, was er sich jeden Tag erträumt hatte.

Die untergehende Sonne tauchte die nun ruhige Stadt in ein rotes Licht. Der Himmel wirkte als würde er in Flammen stehen und sah damit unheilvoll aus. Stetig drauf bedacht das Hämmern nicht zu übertönen, warf sich Silver seinen Beutel um die Schulter und verließ flink das kleine Haus. Sein Vater hatte seine Arbeit keine Sekunde unterbrochen und die ständigen Geräusche machten es dem Jungen leichter ein mögliches Entdecken zu vermeiden.

Er war beinahe davon überrascht wie beständig ihn sein Wunsch an trieb. Vor ihm lag ein weiter Weg doch er verbrachte keine Sekunde damit auch nur ein Stück an seinem Vorhaben zu zweifeln.

Die Straßen und Gassen des Dorfes lagen zu dieser Zeit ruhig vor ihm. Die Sonne verschwand immer weiter hinter dem Horizont und mit jedem Stück schlichen mehr Bewohner in ihre Häuser. Manche von ihnen warfen Silver die altbekannten Blicke zu doch in diesem Moment dachte der Junge nicht eine Sekunde darüber nach. Das nächste Mal, wenn er diese Stadt betritt, wird er ein Krieger und Held sein. Kein kleiner Junge über den nur aufgrund seiner Augen gesprochen wurde.

“Ist es nicht ein wenig spät für jemanden für dich? Solltest du nicht bei deiner Mutter zu Hause sein, Kleiner?”, kam plötzlich eine spöttische Stimme aus dem Schatten eines Hauses. Abrupt blieb Silver stehen und musterte den Fremden seufzend. Seine Bewegungen deuteten darauf hin, dass er soeben die Taverne verlassen hatte und allgemein sah der Mann nicht so aus, als sollte man sich an dessen Lebensstil ein Beispiel nehmen. Doch das hämische Grinsen verschwand aus dessen Gesicht als sich die Augen der beiden trafen. Überraschung machte sich in seiner Miene breit und langsam trat er aus dem Schatten heraus.

“Was macht einer wie du in diesem Dorf? Ich dachte, der König würde jeden von euch ausnutzen?”

Verwirrung lag nun in Silvers Augen und ungläubig musterte er diesen Mann.

“Wovon sprecht Ihr?”, hackte er nun nach und ließ es sich nicht nehmen den Betrunken stets mit höflichen Floskeln entgegen zu kommen.

“Deine Augen. Die haben doch zwei Farben!”

“Das weiß ich bereits mein Leben lang. Danke, dass Ihr es mir erneut mitteilt. Aber was meint Ihr damit? Wen nutzt der König aus?”

“Na, euch. Leute wie dich. Die Zweifärbigen.”

Silver verstand kaum ein Wort des Fremden. Weder in seiner Aussprache noch in seiner Bedeutung. Er winkte mit einer schnellen Handbewegung ab und setzte seinen Weg fort.

“Solltest du auf den Weg ins Schloss sein würde ich an deiner Stelle wieder umkehren, Kleiner. Der König ist skrupellos!”, brüllte ihm der Betrunkene noch nach doch der Blonde wollte keines seiner Worte noch hören. Wegen diesem Unsinn, den der Fremde von sich gab, würde er seinen Traum nun auch nicht ruhen lassen. Endlich hatte er diesen Schritt gewagt.

Silver verlor im Laufe seiner Reise sein Zeitgefühl. Er hatte gerade erst das Dorf verlassen, als die Sonne bereits erneut hinter dem Horizont hervor kam. Morganhaven war groß. Das Dorf lag zu Fuße eines Hügels an dessen Spitze das Schloss und die Unterkünfte der Soldaten lag. Die Arbeiter lebten an einem Ende des großen Sees. Nur schwach konnte man von dieser Seite das Schloss von Dielonera erkennen. Es war nur schwer zu erkennen aber dennoch unübersehbar. Dunkel und verheißungsvoll stand es dort und wirkte als würde es seinen ewigen Feind nur so beobachten.

Der Junge erinnerte sich nur noch schwach an die Geschichte aus der Zeit des letzten Krieges. Dieser lag nun bereits beinahe sechzehn Jahre in der Vergangenheit und immer öfter hörte man besorgte Stimme in den Straßen, welche predigten, dass es nicht allzu lange dauern würde, bis Dielonera wieder angreifen würde. Es kam schon beinahe einem alten Ritual gleich und bereits einige Bewohner des Dorfes hatte mehr als nur einen dieser Krieg miterlebt. Es war stets eine düstere Zeit.

Der Weg vor ihm führte um den Hügel herum bis er schließlich bei dem Schloss endet. Nur selten kamen ihm hier Leute entgegen. Und wenn dies der Fall war, waren es entweder Adelige, welche ihn verwirrt musterten oder Krieger, welche auf dem Weg zwischen dem Königshaus und dem Dorf patrouillierten.

Silver würde lügen, wenn er behaupten würde, dass er seine Entscheidung keine Sekunde in Frage stellte. Ganz im Gegenteil. Mit jedem Schritt wurde er nervöser und unruhiger. Fragte sich immer öfter ob es tatsächlich eine kluge Entscheidung gewesen war einfach zu gehen. Sein Vater würde sich ohne Frage unglaubliche Sorgen machen. Kiran würde versuchen seinen Sohn wiederzufinden bis er sich schließlich geschlagen geben würde. Akzeptieren würde, dass er sein eigenes Fleisch und Blut nun genauso verloren hatte wie die Liebe seines Lebens.

Doch anders als seine Mutter war der Junge noch am Leben. Er setzte alles daran seinen Traum zu erfüllen selbst wenn er zuvor alles verlieren musste. Bereits als kleines Kind hatte Silver die Krieger voller Ehrfurcht gemusterte, wenn sie die Straße vor seinem Haus passiert hatten. Mit ihren mächtigen Rüstungen und edlen Schwertern waren sie für ihn zu Helden geworden. Umso älter er wurde umso mehr hatte er sich in Legenden und Geschichten rund um vergangene Kriege, dem Königshaus und berühmten Soldaten vergraben. Er wollte zu einem der nächsten mutigen drei werden.

Der Blonde blieb stehen und atmete tief durch. Der Weg war steiler und anstrengender geworden. Er wandte sich um und betrachtete das Dorf, welches nun zu seinen Füßen lag. Er hatte sich bereits ein gutes Stück davon entfernt und konnte nun überall Leute herum wuseln sehen. Selbst sein Haus entdeckte er. Rauch stieg aus der dortigen Schmiede und bestätigte Silver damit, dass sein Vater noch nicht nach ihm suchte. Oder die Suche bereits aufgegeben hatte. Beides war ihm recht.

Silver konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen wer Kiran wohl war, als seine Mutter noch lebte. Oft hatte er gehört, dass sein Vater einst der beste Schmied von Morganhaven gewesen war. Abgesehen davon auch ein lebensmutiger und optimistischer Mann. Kiran war glücklich gewesen und voller Zuversicht.

Doch wenn der Junge eines wusste, dann dass in dem Dorf viele Gerüchte und Geschichten kursierten, welche gar nicht stimmten. Den Leute war langweilig. Ihr Leben war trist und grau. Also erfanden sie Sachen um es spannender zu machen. Auch wenn ihre Lügen nichts ändern würden, so fühlten sie sich dennoch besser.

Das Schloss vor ihm wurde mit jedem Schritt größer und Silver erkannte nun, warum die Leute im Dorf das Königshaus mieden. Ehrfürchtig erstreckte es sich vor ihm dem Himmel entgegen. Nur schwer konnte er die vereinzelten Krieger auf den Wehrgängen erkennen, welche ab und an zwischen den Zinnen zu sehen waren.

Doch die Höhe des Schlosses wurde von einem der Türme noch weit übertroffen. Stolz erhob sich dieser während des Dach golden in der Sonne glänzte. Dieser Turm war nichts geringeres als der Königsturm. Der König selbst sowie seine Familie lebten in diesem Teil. Die Strategien für die größten und siegreichsten Schlachten waren dort erdacht worden.

Der Junge gab sein Bestes um den Blicken der Wachen auf den Wehrgängen auszuweichen aber schnell musste er feststellen, dass dies weit schwieriger war als er angenommen hatte. Er besaß definitiv kein Talent als Spion. Durch die Arbeit als Schmied war sein Oberkörper breit, muskulös und massiv. Diesen im Schatten zu verstecken war ohne Frage eine Herausforderung.

“Was willst du?”, rief eine der Wachen von den Wehrgängen hinab während er Silver beim näher kommen beobachtete.

“Ich möchte vom König zum Krieger ausgebildet werdet, Herr”, antwortete er Angesprochene schreiend während er seine Hand schützend vor die Sonne hielt um den Fremden wenigstens etwas erkennen zu können.

Doch der Fremde lachte plötzlich laut auf während er sprach: “Du solltest nach Hause gehen, Kleiner. Die Sonne tut dir nicht gut.”

Die Wache wandte sich von dem Jungen ab und führte ihre Patrouille auf den Wehrgängen fort. Enttäuscht sah Silver ihm nach und seufzte wehmütig. Er trat näher an die Mauer des Schlosses heran um ich schützend in den Schatten zu stellen. Gedanklich begann er sich selbst an zu schreien. Schimpfte sich selbst einen Narr während sein Blick erneut auf das kleine Dorf hinunter wanderte.

Jahrelang hatte sie dort davon gesprochen, dass der König alle seiner Art mit offenen Armen begrüßte. Nie war sich Silver bewusst gewesen, was das bedeutete aber dennoch wurde in ihm der Kern einer Hoffnung gepflanzt, dass man ihn im Schloss wirklich haben wollte.

Erschöpft sank er zu Boden und riss das Gras vor sich heraus nur um es daraufhin achtlos wegzuwerfen. Der Junge dachte darüber nach ob ihn sein Vater vielleicht wieder zurücknehmen würde. Vielleicht wenn er ihm glaubhaft machte, dass er seine Aktion bereute und auf Kiran hätte hören sollen.

“Wer seid Ihr?”, fragte ihn plötzlich eine neue Stimme. Erschrocken riss Silver den Kopf in die Luft und musterte die Gestalt, welche nun vorsichtig auf ihn zu trat. Ein Junge, kaum einen Tag älter als er selbst. Kupferrote Haare fielen ihm frech ins Gesicht während seine grünen Augen den Fremden neugierig musterten.

“Mein Name ist Silver. Ich wollte mich zum Krieger ausbilden lassen aber wie ich sehe hat ein einfacher Schmied wohl keine Chance dazu”, seufzte er während er den anderen stets im Blick behielt.

“Es wäre mir neu, dass mein Vater einen Unterschied macht. In der Armee kämpfen Lords und Ladys wie auch Bauern und Mägde.”

“Dein Vater?”, fragte Silver erschrocken nach bevor er wild aufsprang und sich vor dem anderen ehrfürchtig verbeugte. “Es tut mir leid Euch nicht eher erkannt zu haben, mein Prinz.”

Der Königssohn begann zu grinsen und meinte: “Bitte, lass das. Nenne mich bitte Alistair. Ich muss ihm Schloss bereits genug von diesem Höflichkeitsmist ertragen. Es tut gut mal nicht erkannt zu werden.”

Unsicher erhob ich Silver und musterte Alistair. Ein freches Grinsen lag auf seinen Lippen während seine Augen schelmisch funkelten.

“Ganz wie Ihr meint, Herr.”

Der Prinz begann nun zu lachen ehe er laut seufzte. “Du willst ein Krieger sein?”, fragte Alistair nach um das Thema zu wechseln.

“Ja, ich träume davon bereits mein ganzes Leben lang”, antwortete Silver schnell.

Der Blonde kam nun näher auf ihn zu und musterte ihn genauer. Er betrachtete seinen Oberkörper, die muskulösen Oberarme und den massiven Körperbau. Alistair überlegte ob Silver tatsächlich dazu geeignet sei.

Nachdem der Prinz ihn umrundet hatte blieb er dicht vor ihm stehen und sah ihm in die Augen. Verwirrt verzog er das Gesicht ehe er fragte: “Könntest du aus dem Schatten heraus treten?”

Silver leistete seiner Bitte ohne zu zögern folge und trat in das Sonnenlicht. Dieses blendete ihn doch Silver kämpfe erpicht dagegen an seine Augen nicht zusammen zu kneifen.

“Du hast verschiedene Augenfarben, richtig?”, hakte Alistair nach während er seinen Blick nicht von Silvers abwenden konnte. Diesem war es bereits ein wenig unangenehm so von dem Königssohn gemustert zu werden aber er war sich sicher, dass dies sein Ticket in die königliche Armee sein könnte.

“Ja, Herr. Eines ist blau und das andere grau”, antwortete er schnell bevor seine Augen dem Licht nicht mehr standhalten konnte und er sie erschöpft zusammen kniff.

“Ich bringe dich zu meinem Vater, Silver. Er muss davon erfahren”, sagte Alistair und packte Silvers Hand. Gestresst zog er ihn hinter sich nach in Richtung des gigantischen Tores, welches Einlass in das Schloss bat.

Der junge Mann war überrascht von der plötzlichen Reaktion des Prinzen doch dabei musste er an die Worte von den Leuten aus dem Dorf denken. Offensichtlich hatten diese tatsächlich Recht bewiesen.

“Lasst uns durch”!”, rief Alistair den Wachen bei dem Tor bereits von weitem zu während diese ohne zu zögern den Eingang öffneten. Natürlich nicht ohne Silver zuvor einen zweifelnden Blick zuzuwerfen.

Der Prinz führte ihn durch das gesamte Schloss. Unzählige Blicke wurde ihm dabei gewidmet. Manche davon waren überheblich während andere voller Neugier waren.

Gemeinsam betraten sie den Königsturm, welcher aus der Nähe betrachtete noch eindrucksvoller war als ohnehin schon. Das Erdgeschoss war eine gigantische Halle voller Ölgemälde, welche eine gesamte Ahnenreihe zeigte. Jeder vergangene König war dort festgehalten worden.

Alistair und Silver nahmen eine der Treppen, welche die Stockwerke miteinander verband. Sie durchschritten weitere Räume, welche mächtigen Kriegern oder starken Herrschern gewidmet worden waren. Morganhaven legte ohne Frage großen Wert auf seine Helden.

Die Treppe führte sie schließlich in eine Art Vorraum, welche mit Marmor ausgekleidet worden war. Der Boden glänzte schwarz und weiß während des Gold der Wände im Licht der Sonne hell schimmerte.

Vor ihnen erstreckte sich eine große Tür. Daneben waren Wachen postiert, welche die beiden fragend musterten.

“Eurer Vater ist inmitten einer Konferenz mit der Königin und seinem Bruder, mein Prinz. Er wollte nicht gestört werden”, sprach eine der Wachen während Alistair bereits seinen Hand auf den Türgriff gelegt hatte.

“Ich danke Euch. Allerdings ist mein Anliegen von höchster Dringlichkeit und kann nicht verschoben werden”, antwortete der Prinz während er den Eingang öffnete und ohne zu zögern eintrat. Silver zog er dabei hinter sich nach.

Vor ihnen erstreckte sich nun ein weiterer Raum, welcher durch einen Boden aus Marmor geziert wurden. Hohe Fenster schenkten diesem Licht und ließ die Rüstungen strahlen, welche als Dekorationen an der Wand standen. Inmitten von diesem Raum stand ein großer Tisch mit unzähligen Karten und Figuren.

Um diesen Tisch standen zwei Männer und eine Frau. Einen dieser Männer und die Frau hatte Silver bereits gesehen. Er hatte sie beobachten als sie das Schiff in Morganhaven verlassen hatten.

“Alistair, wir sind in einer Besprechunng. Wie kannst du es wagen uns zu unterbrechen?”, fragte dieser nun und musterte den Prinzen mit seinen stahlblauen Augen.

“Vergil, Bruder, lasst ihn erst sprechen. Mein Sohn würde die Regeln nicht ohne Grund brechen”, antwortete der König woraufhin er auf seinen Sohn zu trat. Nachdenklich musterte er dabei Silver.

Vergil schnaubte verächtlich während sein Bruder sprach: “Alistair, Sohn, was suchst du hier? Und wer ist dieser Fremde bei dir?”

Alistair nickte seinem Vater dankend zu während er wild zu erzählen begann: “Ich habe diesen jungen Mann heute vorm Schloss entdeckt. Er sprach davon Krieger werden zu wollen. Silver ist lediglich ein Schmied aus dem Dorf aber seht Euch seine Augen an.”

Der König verzog fragend das Gesicht während er sich Silver zuwandte. Verwirrt packte er diesen an der Schulter und zog ihn an eines der Fenster. Das Licht, welches von dort hinein strömte blendete den Jungen erneut doch machte zugleich auch die Farbe seiner Augen unverkennbar.

“Ein Zweifärbiger, ich fasse es nicht”, meinte der König woraufhin nun auch Vergil an Silver herantrat und zweifelnd dessen Augen musterten.

“Sie müssen ihn im Dorf versteckt haben”, sprach der König weiter ehe er sich zu seinem Bruder umwandte:”Ich veranlasse, dass ihm sofort ein Quartier vorbereitet wird. Ich werde ihn persönlich ausbilden.”

“Darius, ich bitte Euch, hat das Königreich nicht im Moment genug Schwierigkeiten als dass Ihr Euch nun auch noch der Ausbildung eines dahergelaufenen Balges annehmen solltet?”

“Bruder, seid nicht so stur. Er ist viel zu wertvoll. Wir können ihn nicht zurück ins Dorf schicken. Ich will Dielonera unter keinen Umständen auch nur den Hauch einer Chance geben ihn zu erwischen”, antwortete Darius durch zusammen gebissene Zähne.

Vergil seufzte, unzufrieden mit der Entscheidung seines Bruders. Ohne ein weiteres Wort verließ er den Raum und kümmerte sich um seine Aufgabe, Silver ein Quartier zu organisieren.

“Du hast einen weiten Weg hinter dir, Junge. Hast du Hunger?”, fragte der König während er Silver ein sanftes Lächeln zuwarf.

“Nein, Eure Majestät”, antwortete er knapp. Er wusste nicht ob er sich in diesem Moment freuen sollte oder nicht. Er würde endlich seine Ausbildung zum Krieger beginnen. Doch die Aussagen, von Vergil hatten ihn ohne Frage verunsichert.

“Wie ist dein Name?”, hakte Darius nun weiter nach.

“Silver, Herr.”

“Du bist der Sohn von Kiran, nicht wahr? Er ist ein wahrhaft großartiger Schmied”, lächelte der König. Er spürte Silvers Anspannung und versuchte sie ihm so gut es ging zu nehmen.

Der Junge nickte lediglich während sein Blick vom König zur Königin und ihrem Sohn wanderte. Neugierig musterten die beiden ihn.

“Schaffen wir es seine Zeremonie bereits heute Abend durchzuführen? Umso früher wir mit seiner Ausbildung beginnen umso besser”, fragte Darius und wandte sich zu Alistair um.

“Ich spreche mit dem Zeremonienmeister und Vergil, Vater”, antwortete sein Sohn so gleich und ließ Silver alleine mit dem Königspaar.

Es war nicht viel Zeit vergangen als der Bruder des Königs den Raum erneut betrat. Sein Gesichtsausdruck war nach wie vor eine Mischung aus Zweifel und Wut. Darius’ Entscheidung hatte ihn ohne Frage erzürnt doch im Gegensatz zu seinem großem Bruder hatte er keine Entscheidungsgewalt wenn es um Rekruten ging.

Vergil war bereits vor Jahren von seinem Bruder zum Kommandant der Streitmächte erklärt worden doch dass dies nichts weiter als ein schöner Titel war, war schnell klar geworden.

“Das Quartier ist nun vorbereitet, Darius”, sprach der Dunkelhaarige während er den Raum betrat. Silver, welcher nach wie vor beim Fenster stand und den Blick verzweifelt nach draußen gewandt hatte, widmete er dabei keines Blickes.

“Gut, dann begleitet ihn zu seinem Quartier, besorgt ihm eine Rüstung und ein Schwert. Er feiert heute Abend seine Zeremonie. Er muss fertig ausgerüstet sein bis dahin”, befahl der König streng.

“Gewiss”, antwortete Vergil mit einem verbissenen Unterton während er sich sarkastisch verbeugte. Mit einer darauf folgend schnellen Handbewegung deutete er Silver ihm zu folgen.

Der Mann führte ihn aus dem Turm hinaus und quer durch den Innenhof. Unzählige Menschen gingen dort eifrig ihrer Arbeit nach. Ob Händler, Handwerker oder Krieger. Sie alle waren sich sicher dem richtigen zu dienen und gaben dementsprechend ihr Bestes.

Am anderen Ende angekommen öffnete Vergil eine dunkle Holztür und trat hindurch. Vor ihnen erstreckte sich ein langer Gang, dessen Boden vollständig aus Holz bestand. Die Wände waren kahl und grau. Es bestand kein Zweifel, dass sie sich nun in einem ganz anderen Teil des Schlossen befanden als zuvor.

Unzählige weitere Türen unterbrachen das Grau. Ab und an konnte man Stimmen aus den dortigen Räume hören.

“Das hier sind die Quartiere der Soldaten. Auch du wirst hier leben solange du deinem König dienst”, erklärte Vergil während er eine der Türen öffnete und eintrat.

“Für gewöhnlich teilt man sich die Zimmer mit einer zweiten Person aber du lebst fürs erste alleine.”

Das Zimmer war genauso kahl wie de Gang zuvor. Ein kleines Fenster spendete Licht. Zwei hölzerne Betten und Schränke standen darin. Ein Holzofen gab die Gelegenheit essen zu kochen und an einem Tisch mit zwei Stühlen konnte man ohne Probleme Platz nehmen. Neben jedem der Bett stand auch eine Puppe auf der die Rüstung gelagert wurde und ein Waffenständer.

“Lass deine Sachen hier. Du brauchst noch eine Rüstung und Darius will, dass du die bis heute Abend hast. Wir sind also in Eile”, sprach der Kommandant. Der bittere Unterton war nach wie vor nicht aus seiner Stimme gewichen doch Vergil schien mittlerweile nicht mehr über die Entscheidung seines Bruders nachdenken wollen. Er schien müde.

Silver nickte und verbrachte daraufhin Stunden damit Vergil zu unzähligen Schmieden und Händlern zu folgen. Viele von ihnen flüsterten gedämpft als der Junge an ihnen vorbei schritt doch die Anwesenheit des Kommandanten verhinderte, dass auch nur einer von ihnen diese Wort in einer hörbaren Lautstärke aussprach.

Vergil beauftragte drei verschiedene Schmiede für die Arbeit an der Rüstung. Die Last des Zeitdruckes lag schwer auf den Schultern des Dunkelhaarige doch er setzte alles daran es sich nicht anmerken zu lassen. Eine Verspätung würde innerhalb der Königsfamilie zu erneutem Drama führen, auf welches er gerne verzichten würde. Sein Bruder war stur und ab und an etwas zu impulsiv. Doch Darius war sein König.

“Bis deine Rüstung fertig ist wird noch einige Zeit vergehen. Derweil sollen dir Alistair und Armina den Ablauf deiner Zeremonie erklären. Das wird für dich alles andere als einfach”, erklärte der Mann und schlug erneut eine andere Richtung ein ohne auf Silver zu achten, welcher lediglich schüchtern nickte.

Vergil führte ihn nun in einen neuen Raum, welche innerhalb der Außenmauer in der Nähe des Königsturms lag. Weinroter Teppich fühlten diesen Raum aus. Ein Kamin knisterte behaglich und warf Licht auf den Tisch und die Bänke in der Mitte des Zimmers. Die Fenster waren hinter roten Vorhängen verborgen.

Alistair und ein Mädchen saßen auf einer der Bänken und sprachen wild miteinander als Vergil und Silver eintraten. Sofort kehrte Stille zwischen die beiden als sie den neuen Rekruten betrachteten.

“Ihr habt nicht viel Zeit mit ihm also gebt euer Bestes”, sprach der Mann während er dem Jungen einen leichten Schubser in Richtung der anderen Rekruten gab. Stolpernd versuchte er ich abzufangen und konnte sich lediglich mit Mühe am Tisch festhalten.

Vergil verdrehte bei diesem Anblick die Augen und während er den Raum verließ murmelte er: “Das fängt ja schon gut an.”

“Schön, dich wiederzusehen”, begrüßte Alistair Silver und deutete ihm Platz zu nehmen. “Das ist Armina Dinarus. Sie wird derzeit ebenfalls ausgebildet.”

Armina, welche ihre kupferroten Haare unordentlich zu einem Dutt hochgebunden hatte, warf Silver nun einen musternden Blick mit ihren intensiv grünen Augen zu.

“Alistair hat mir bereits von dir erzählt, Silver. Ich bin gespannt. Ich hab noch nie zuvor einen Zweifarbigen getroffen”, sprach sie ernst. Ihre Stimme war sanft und weich.

Silver war die Verwunderung ins Gesicht geschrieben. “Zweifarbigen? Was bedeutet das?” Der Junge war ohne Frage wütend auf seine Unwissenheit.