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Die Köchin Sara kommt mit gebrochenem Herzen im Dörfchen Lyme Regis in Dorset an. Sie hat ihren Freund Victor mit einer anderen erwischt. Gut, dass Tante Marjorie samt verstauchtem Knöchel gerade Hilfe mit dem Corgi-Rudel braucht. Schon bald geht es für Sara in Herzensangelegenheiten drunter und drüber: Victor will sie zurückgewinnen. Marjorie kennt jede Menge Single-Männer und versucht, sie zu verkuppeln. Und dann ist da noch der verschrobene Colin. Erst, als ihr Lieblings-Corgi verschwindet, zeigt sich, wer ein echtes Herz für Sara hat ...
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Die Köchin Sara kommt mit gebrochenem Herzen im Dörfchen Lyme Regis in Dorset an. Sie hat ihren Freund Victor mit einer anderen erwischt. Gut, dass Tante Marjorie samt verstauchtem Knöchel gerade Hilfe mit dem Corgi-Rudel braucht. Schon bald geht es für Sara in Herzensangelegenheiten drunter und drüber: Victor will sie zurückgewinnen. Marjorie kennt jede Menge Single-Männer und versucht, sie zu verkuppeln. Und dann ist da noch der verschrobene Colin. Erst, als ihr Lieblings-Corgi verschwindet, zeigt sich, wer ein echtes Herz für Sara hat …
Rosie Adams ist nicht nur Fan der englischen Landschaft und Kultur, sondern auch große Freundin von Hunden, Pferden, Katzen und der gesamten Vogelschar. Seit ihrer Kindheit ist alle freie Zeit dafür reserviert, in Geschichten zu schwelgen, in denen neben Liebe und Freundschaft auch Tiere immer eine Rolle spielen.
ROSIE ADAMS
KleinerHund und große Liebe
ROMAN
Vollständige eBook-Ausgabe
des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes
Originalausgabe
Copyright © 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln
Lektorat: Daniela Jarzynka
Umschlaggestaltung: Christin Wilhelm, www.grafic4u.de unter Verwendung von Motiven von © shutterstock: Julia Remezova | StevanZZ | ian woolcock | sumroeng chinnapan | New Africa
eBook-Produktion: Dörlemann Satz, Lemförde
ISBN 978-3-7517-0403-8
www.luebbe.de
www.lesejury.de
Zur Erinnerung an meinen Colin
Und für meine kleine Mariele,
die mich beim Schreiben stets begleitet hat
Der Sommer ist meine liebste Jahreszeit. Den ganzen Tag steht die Tür in den Garten auf, und ich kann mit meinen hübschen Ladys Diana, Lizzy, Katy und Meghan auf der Wiese herumtollen. In diesem Jahr ist allerdings etwas anders: Mit der einen Pfote unserer Chefin stimmt was nicht. Da ist ein Verband drumgewickelt, und durchs Haus kann sie nur humpeln. Für unsere ausgiebigen Spaziergänge holt uns ein komischer Kauz ab. Hat auch was, denn der hat mir gar nichts zu sagen. Die Mädels folgen brav, wenn er nach ihnen ruft. Aber ich wäre kein hoch prämierter Champion-Rüde, wenn ich auf so ein stümperhaftes Gepfeife hören würde. Nein, ich werde die Gelegenheit nutzen und mal wieder die Gegend unsicher machen. Dabei habe ich natürlich diesen einen gewissen Strandabschnitt im Sinn. Da gibt es immer Vögel zum Aufscheuchen, die mich dann empört beschimpfen und Angriffe auf mich starten – eine echt lustige Sache. Selbstverständlich bekommen sie mich mit ihren scharfen Schnäbeln nie zu packen. Immerhin gehöre ich der nicht nur unternehmungslustigsten, sondern auch flinksten aller Hunderassen der Welt, ach, was sag ich, ganz Englands an. Schließlich bin ich ein Corgi!
»Dad, das ist nicht dein Ernst!«
Sara Cowell betrachtete ihren Vater mit der Skepsis, die sie sich in den vergangenen dreiundvierzig Jahren angewöhnt hatte, wenn es um seine tollen Einfälle, wie er es nannte, ging.
Sie saßen im Sonnenschein des sommerlichen Spätnachmittags auf einer Bank im St. James’s Park, und ihr Dad fütterte entgegen allen Verboten die Enten auf dem See mit Brotstückchen.
»Wieso nicht? Dein Restaurant ist jetzt für drei Wochen geschlossen. Aber ich kenne dich: Statt in den Urlaub zu fahren und auszuruhen, wirst du trotzdem jeden Tag dort herumhängen.«
»Das Rosmary ist nicht nur mein Restaurant, sondern auch Victors«, erinnerte Sara ihn. »Ich kann ihn nicht einfach mit der Renovierung im großen Gastraum hängen lassen. Und in der Küche steht auch mal wieder eine Inventur an.«
Ihr Vater winkte nur ab. Er hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er nicht viel von Saras Lebensgefährten hielt. Für ihn war nie jemand gut genug für seinen Augenstern gewesen.
»London ist doch scheußlich in den Sommermonaten. Pack deine Koffer, und fahr nach Lyme Regis! Da ist es gerade ganz wundervoll bei diesem Wetter. Das Meer, dieses idyllische kleine Städtchen an den Klippen. Du könntest am Strand Fossilien sammeln – das hast du früher immer so gern gemacht.«
Sara seufzte.
»Da war ich zehn, Dad. Es ist Jahrzehnte her, dass wir Tante Marjorie das letzte Mal zusammen in ihrem kleinen Cottage besucht haben. Hatte es nicht sogar einen Namen?«
»Ivy Cottage. Es ist wunderbar dort!«
»Wenn es dort so erholsam und wunderbar ist, wieso fährst du dann nicht selbst hin?«
Er schüttelte bedauernd den Kopf.
»Du weißt doch: In der Bücherei bin ich unabkömmlich. Ich habe inzwischen sieben Lesehilfe-Schüler. Gerade jetzt, so kurz vor den Zeugnissen, kann ich die nicht im Stich lassen.«
Als pensionierter Lehrer nahm er seine Aufgabe als ehrenamtlicher Helfer in der Stadtteilbibliothek sehr ernst.
Jetzt beugte er sich vor, um aus der Brottüte die letzten Krümel zu schütteln, und sah Sara mit seinen leuchtend grünen Augen, die sie von ihm geerbt hatte, bittend an.
»Komm schon, Kleine, es wäre ja nur für eine oder zwei Wochen.«
Sara runzelte die Stirn.
»Was wäre nur für eine oder zwei Wochen?«
Ihr Dad zuckte mit den Schultern.
»Ach, du kennst Marjorie doch. Sie hat es nicht gern, wenn jemand Fremdes sich um ihre Hunde kümmert.«
Sara erinnerte sich noch gut an diverse Besuche der energischen Schwester ihres Vaters in Begleitung einer Handvoll aufgeregter Corgis. Die lustigen, kurzbeinigen Hunde vom Land hatten sich in London nicht recht wohlgefühlt. Aber Tante Marjorie wollte sie einfach bei niemandem in ihrem Heimatort an der Küste Dorsets zurücklassen. Und wann immer sie ihren Bruder und ihre Nichte sehen und mal wieder etwas Stadtluft schnuppern wollte, hatte sie fünf quirlige Begleiter dabei.
»Ähm … Was hat das damit zu tun, dass ich nach Lyme Regis in den Urlaub fahren soll?«, erkundigte sich Sara vorsichtig.
Ihr Vater war zumindest so nett, schuldbewusst dreinzublicken.
»Also, um ehrlich zu sein … Marjorie ist wohl gestolpert und hat sich verletzt. Sie kann gerade nicht so, wie sie möchte. Die langen Spaziergänge mit den Hunden und so …«
Sara sprang von der Bank auf.
»Was?!? Das glaub ich jetzt nicht! Du willst mich gar nicht zu einem schönen erholsamen Urlaub überreden, sondern ich soll mich um Tante Marjories ausgeflippte Hundemeute kümmern?!«
»Du liebst Tiere doch«, sagte ihr Dad und lächelte schief. »Und Marjorie meint, ihr Harry hat dich ganz besonders ins Herz geschlossen. Während er mich immer in die Fersen zwickt. Und da dachten wir …«
Sara verschränkte die Arme.
»Erstens hättest du mich das direkt fragen können. Und zweitens: Kommt überhaupt nicht infrage! Egal, was Tante Marjorie und du da ausgehandelt habt. Ich verbringe die drei Wochen hier in der Stadt, kümmere mich mit Victor ums Restaurant, treffe mich mit Freunden, gehe mal wieder tanzen und ins Museum. Wenn du deiner Schwester helfen willst, musst du schon selbst hinfahren!«
»Sara, nun überleg es dir wenigstens mal. Es würde dir sicher guttun. Immer hast du nur das Restaurant und die Kocherei im Kopf. Es gibt doch noch andere Dinge im Leben.«
»Ach ja? Na, dann viel Spaß damit! Mach’s gut, wir sehen uns!«
Sie wandte sich um und schritt über den knirschenden Kiesweg davon. Hinter sich hörte sie ihren Dad etwas rufen. Sie drehte sich nicht noch einmal um.
Kopfschüttelnd marschierte sie an den blühenden Staudenbeeten und dem Pavillon vorbei, wich den Blicken der schlendernden Touristen aus, die sich wahrscheinlich darüber wunderten, dass ihre Lippen sich tonlos, aber heftig bewegten.
Es gab noch andere Dinge im Leben? Sie hatte nur die Kocherei im Kopf?
Das waren doch nur Vorwände, die ihr Dad rauskramte, um sie zu diesem Hilfsakt zu überreden. Da hatten er und Tante Marjorie über ihren Kopf hinweg einen schönen Plan ausgetüftelt. Sara sollte als kostenlose Hilfskraft einspringen, während Tante Marjorie …
Sara blieb abrupt stehen. Als sie sich umsah, war die Bank, auf der sie mit ihrem Vater gesessen hatte, bereits hinter einer riesigen Trauerweide aus ihrem Blickfeld verschwunden.
Sie hatte gar nicht gefragt, was es mit Tante Marjories Unfall auf sich hatte. Was war ihr passiert, dass sie nach einem Stolpern ihre Hunde nicht mehr versorgen konnte? Sofort übermannte Sara das schlechte Gewissen. Andererseits: Schwer verletzt konnte Marjorie nicht sein, sonst läge sie im Krankenhaus. Wenn sie nur für eine oder zwei Wochen Hilfe brauchte, war es vielleicht ein verstauchter Knöchel oder so etwas … Das war keine gravierende Verletzung, aber für die äußerst umtriebige Tante Marjorie wäre es eine erhebliche Einschränkung in ihrem Tagesablauf. Schließlich liebte die landesweit bekannte Corgi-Züchterin es, mit ihrer Hundemeute die Hügel über dem hübschen Küstenörtchen unsicher zu machen oder mit ihnen auf den Felsen am Meer herumzuklettern. Wenn Tante Marjorie nicht mit ihren Vierbeinern unterwegs sein konnte, würde sie mit Sicherheit sehr unglücklich sein.
Durch ihr aufwallendes Mitgefühl ein wenig besänftigt, setzte Sara ihren Weg fort. Gedankenverloren verließ sie den Park gen Süden und steuerte auf die St.-James’s-Park-Tube-Station zu, um die Circle Line zu nehmen. Erst, als sie in South Kensington die Stufen zur Straße hinaufstieg, wurde ihr klar, dass sie unbewusst nicht den Weg nach Hause, sondern zum Restaurant eingeschlagen hatte. Dabei war nicht nur das Restaurant geschlossen, auch Victor war heute nicht in der Stadt. Er traf sich mit einem angesagten Innendekorateur in Bath.
Sara zuckte mit den Schultern. Na, dann würde sie eben schon mit der Inventurliste der Küche beginnen.
Das Rosmary lag in einer kleinen Seitenstraße und war schon von Weitem durch ein ovales Schild zu erkennen, das über der Tür auf den Bürgersteig hinaushing. Darauf zu sehen war der elegante Schriftzug, der von einem Rosmarinzweig harmonisch eingerahmt wurde.
Selbst heute noch – vier Jahre nach Eröffnung ihres eigenen Feinschmeckerlokals – bekam Sara Herzklopfen, wenn sie dieses Schild und den weißen Schriftzug über den beiden Fenstern des Gastraums sah. Schließlich war damit ihr Herzenswunsch, der Traum ihrer Kindheit in Erfüllung gegangen.
Schon als kleines Mädchen hatte sie gern in der Küche herumgewerkelt und neue Kompositionen ausprobiert. Zugegeben, als Elfjährige hatten ihre Ideen manchmal seltsame Blüten getrieben – Reis mit Apfelmus und Chili, frittierte Kartoffeln mit süßen Rübenschnitzeln, gekochter Pudding mit Pfefferschärfe –, aber alles hatte dazu beigetragen, dass sie zu der ausgezeichneten Köchin geworden war, für die das Rosmary heute in London bekannt war.
Ihr Dad hatte sich große Sorgen gemacht, dass ihr kindliches Interesse fürs Kochen etwas damit zu tun haben könnte, dass ihre Mum so früh gestorben war. Eine Art ungesunde Kompensation sozusagen. Er hatte versucht, sie für Fußball, Reiten, Schach und Aquaristik zu interessieren. Sara hatte keine Ahnung, ob er damals mit seinen Befürchtungen recht gehabt hatte. Sie wusste nur, dass keiner seiner Vorschläge sie derart begeistert hatte wie das Experimentieren mit ungewöhnlichen Zutaten und neuen Rezepten. Sie war ihren Töpfen und Pfannen treu geblieben und hatte lieber auf dem Markt nach frischem Gemüse gestöbert, als Schuhe oder Modeschmuck zu shoppen. Und ihr Vater hatte es schließlich akzeptiert, sie beständig in ihrem Hobby unterstützt und jede neue Kreation mit Begeisterung probiert.
Ach, Dad.
Plötzlich tat es Sara leid, dass sie gerade einfach so weggegangen war. Denn er hatte es nur gut gemeint, wie immer.
Sie würde ein Glas Wasser trinken, sich eine Karotte zum Knabbern aus dem Kühlraum stibitzen und ihn dann mit dem Handy anrufen. Vielleicht wanderte er ja immer noch im Park herum und hatte doch noch Lust auf den eigentlich geplanten Vater-Tochter-Abend. Sie könnten die neu eröffnete Bar mit Blick aufs London Eye ausprobieren und anschließend ins Kino gehen, um einen ihrer geliebten Programmfilme zu sehen, über die sie dann stundenlang diskutieren konnten.
Sara öffnete die Fronttür des Restaurants, ging hinein und schloss hinter sich wieder ab, damit nicht doch ein Passant das Geschlossen-Schild ignorieren und ihr in den Laden folgen würde.
Sie meinte, Victors Aftershave zu riechen, von dem er gerne mal zu viel nahm. Kein Wunder, dass sie beinahe seine Anwesenheit spürte, denn diesen Ort kannte sie kaum jemals ohne ihn.
Abends, wenn das Rosmary geöffnet hatte, ging er in seinem feinen, lässig sitzenden Anzug zwischen den Tischen herum, begrüßte die Gäste, kümmerte sich um die Aperitifs und stellte ihnen Oscar oder Ashley als ihre Servicekraft des Abends persönlich vor.
Victor war ein großer, feingliedriger Mann mit grauen Schläfen und Goldrandbrille. Er war klug und eloquent, das Musterbeispiel eines gepflegten Gentlemans. Besonders bei den weiblichen Gästen kam er gut an, womit Sara ihn gern aufzog. Sie konnte das gut nachvollziehen, hatte sie sich selbst bei ihrem Kennenlernen vor fünf Jahren von seiner leicht distinguierten Art sehr angezogen gefühlt.
Nach der ersten Phase des Frischverliebtseins waren sie dann rasch in die Restaurantplanung eingetaucht. Dad hatte gemeckert, dass Victor sie mit ihrem Kochtalent nur für seine ehrgeizigen Pläne ausnutzen wolle, doch für Sara war es die aufregendste Zeit ihres Lebens gewesen.
Der acht Jahre ältere Victor hatte einige Erfahrungen im Restaurantbereich und gute Kontakte mitgebracht. Und so hatten sie schon zwölf Monate später ihre ersten Gäste im Rosmary empfangen können.
Dass ihr Job ihr häufigstes Gesprächsthema war, war nur logisch. Egal, was ihr Dad sich da zurechtdachte, von wegen, sie habe nichts anderes im Kopf. Victor und sie hatten sich miteinander einen gemeinsamen Traum erfüllt.
Da war es wahrscheinlich kein Wunder, dass sie in den letzten Wochen vor ihren ersten richtigen Betriebsferien irgendwie verschwitzt hatten, einen gemeinsamen Urlaub zu planen – auch wenn es der erste seit der Eröffnung gewesen wäre.
Sie ließ ihren Blick kurz durch den tadellos aufgeräumten Gastraum schweifen. Alles blitzte vor Sauberkeit. Jeder, der enttäuscht am Geschlossen-Schild vorbei in den Raum sehen würde, sollte erkennen, dass sich ein Besuch nach den Betriebsferien definitiv lohnen würde.
Die zwanzig Tische standen in angenehmem Abstand zueinander und waren teilweise durch große Pflanzen oder Regale mit Weinflaschen voneinander getrennt, sodass der Eindruck von intimen Nischen entstand. Natürlich waren sie auch jetzt mit leuchtend roten Tischdecken und feinem Geschirr eingedeckt. An den Wänden hingen Schwarz-Weiß-Fotografien berühmter Köchinnen und Köche im Wechsel mit getrockneten Kräutersträußen.
Auf dem Weg zum Kühlraum tippte Sara mit dem Finger in die Erde des mannshohen Rosmarinstrauches, den sie selbst zu einem kleinen Stamm mit kugeliger Krone gezogen hatte. Die Erde war leicht bröselig, nicht zu feucht. Gut so.
Sie blieb kurz stehen und sah sich um. Eigentlich war alles wunderbar so, wie es war. Sie wünschte im Grunde überhaupt keine größeren Veränderungen. Wieso wollte Victor unbedingt mit diesem hippen Inneneinrichter sprechen, der zudem nicht einmal gewillt war, die zweistündige Fahrt von Bath nach London anzutreten, um das Rosmary anzusehen?
Sie schüttelte den Kopf und setzte ihren Weg fort.
Als sie nun die Küche Richtung Kühlraum durchquerte, hielt sie plötzlich inne. Verwirrt sah sie sich um. Irgendetwas irritierte sie.
Und dann bemerkte sie es: Zwei Gemüsemesser am Magnetstreifen an der Wand waren der Größe nach vertauscht. Und eine der kleinen Metallschüsseln befand sich nicht an ihrem Platz auf dem Regal über dem Herdbereich, sondern stand daneben.
Sara streckte die Hand aus und fuhr darüber. Sie war noch feucht. Jemand hatte sie benutzt und abgewaschen, aber nicht ordentlich abgetrocknet und an den richtigen Platz zurückgestellt.
Sara schnupperte.
Es lag ein Geruch in der Luft. Gewürze. Ein Hauch von Paprika und Tomate. Und etwas Süßes, das ihr bekannt vorkam. Was war es nur?
Plötzlich hörte sie aus dem hinteren Bereich des Hauses ein Geräusch.
Ihr Herz blieb beinahe stehen. Einbrecher? Sie lauschte angestrengt. Sollte sie die Polizei rufen? Was, wenn es etwas anderes war? Eine Katze vielleicht?
Einmal hatte eine aus der Nachbarschaft sich während der Anlieferung von Lebensmitteln zur Hintertür reingeschlichen und war ins Lager geraten. Sara hatte sich fast zu Tode erschrocken, als sie Stunden später hineinging und aus dem Regal von zwei grünen Augen vorwurfsvoll angestarrt wurde.
Aber da waren die Schüssel und die vertauschten Messer …
Sie griff nach ihrem Lieblingsmesser, das scharf wie ein Skalpell war. Beruhigend vertraut lag es schwer in ihrer Hand. Mit gespitzten Ohren und auf leisen Sohlen schlich sie aus der Küche und den schmalen Flur entlang, der den vorderen Bereich – Gastraum, Küche und Kühlraum – vom hinteren – Lager, Umkleide und Büro – trennte.
Von dort waren eindeutig Stimmen zu hören.
Sara zögerte kurz.
Der süße, diffus bekannte Geruch stieg ihr erneut in die Nase. Die Erkenntnis, um was es sich handelte, lag ihr auf der Zunge wie ein Wort, nach dem sie vergeblich suchte.
Die Geräusche, die zu ihr drangen, klangen nach … Keuchen oder … Stöhnen?
Und da wurde ihr klar, was sie hörte.
Verdammt. Victor und sie hatten lange überlegt, ob sie ihren Angestellten Schlüssel zu den Räumlichkeiten anvertrauen konnten. Dann hatten sie schließlich entschieden, dass ihre wichtigsten Servicekräfte Oscar und Ashley einen erhalten sollten, die Spül- und Küchenhilfen jedoch nicht.
Nun hatte offenbar jemand die Betriebsferien für einen kleinen persönlichen Ausflug ins Restaurant genutzt.
Sara tippte auf Oscar, denn der smarte Kerl ließ gern und häufig Bemerkungen zu seinen neuen Eroberungen fallen. Bisher hatte Sara das mit einem gutmütigen Lächeln quittiert, aber dies hier ging eindeutig zu weit.
In diesem Augenblick hörte sie ein Kichern, und eine weibliche Stimme gurrte: »Das hast du doch mit Absicht gemacht, mir diesen leckeren Salat vorzusetzen – das Spezialdressing war ein Aphrodisiakum, gib’s zu!«
Sara zuckte zurück.
Das war nicht Oscar, das war Ashley! Unfassbar. Sie hatte die Kellnerin bisher immer für ihre korrekte Art geschätzt und ihre herrlich kurvige Figur bewundert. Nun wusste Sara auch, welchen süßlichen Duft sie in der Küche und im Flur wahrgenommen hatte: Es war Ashleys dezentes Parfüm.
Weil Sara nicht mehr mit einem Einbrecher rechnete, sondern vielmehr mit einem äußerst schuldbewusst dreinschauenden Pärchen, ging sie festen Schrittes weiter zur Tür der geräumigen Umkleide. Darin standen nicht nur die Schränke für die Sachen der Angestellten, sondern außerdem ein Tisch und ein ausladendes Sofa.
Ausladend und offenbar auch … einladend, dachte Sara grimmig.
Die Tür war nur angelehnt. Von drinnen drangen erneut eindeutige Geräusche heraus.
Peinlich musste diese Situation nur Ashley sein, nicht ihr selbst, entschied Sara, hob die Hand und klopfte laut an den Türrahmen.
Dann stieß sie die Tür auf.
* * *
»Ich hab immer gesagt, der Kerl taugt nichts«, knurrte Dad und stellte vor Sara eine Tasse Tee auf dem Tisch ab.
Ein guter Tee war seiner Meinung nach die beste Erste-Hilfe-Maßnahme in ausweglos erscheinenden Situationen. Besorgt betrachtete er Saras gerötete Augen im übermüdeten Gesicht.
»Oder möchtest du etwas … Stärkeres?«
»Oh, nein, danke. Ich hatte gestern Abend zwei, drei Gläser zu viel«, stöhnte Sara und hielt sich den Kopf.
Leider hatte auch der teure Rotwein die Bilder in ihrem Kopf nicht vertreiben können. Die Bilder von Victor und Ashley auf dem Sofa der Umkleide, wie sie halb nackt ineinander verschlungen dort gelegen und gekeucht hatten, Victor über Ashleys volle Brüste gebeugt, die er hingebungsvoll knetete, während sie mit geschlossenen Augen und weit geöffnetem Mund unter ihm stöhnte.
Es hatte zwei, drei Sekunden gedauert, bis Sara begriff. Sekunden, bis der Schock sie wie eine Tsunamiwelle mit sich riss.
Dann war ihr ein Geräusch entfahren. War es ein Aufschrei gewesen? Ein Schluchzer? Sara wusste es nicht mehr.
Doch es hatte Victor dazu gebracht, über seine Schulter zu schauen …
Wie er ihren Namen rief. In einer Mischung aus Ekstase und Entsetzen. Wie Ashley aufkreischte. Und wie Sara selbst die Flucht ergriff. In Panik durch den engen Flur, an der Küche vorbei, durch den Gastraum zur Tür. Ihre flatternden Hände, die es kaum fertigbrachten, den Schlüssel aus ihrer Tasche zu ziehen und ins Schloss zu stecken. Victor, der plötzlich hinter ihr stand, mit einer Hand versuchte, das Hemd zurück in die eiligst wieder angezogene Hose zu stopfen, die andere Hand an ihrer Schulter. Sie hatte seine Hand fortgeschlagen, hatte ihn angeschrien, sie wusste nicht einmal mehr, was sie gebrüllt hatte. Dann endlich hatte sie es geschafft. Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Sie hatte die Tür aufgerissen und war hinausgestürzt. Weg, einfach nur weg von dem, was sie gesehen hatte.
Sara hatte keine Ahnung, wie lange sie für den Heimweg gebraucht hatte. Sie war den Bürgersteig entlanggerannt, hatte sich im Netz der Straßen verirrt und lange auf einer Bank in einem kleinen Park gesessen, in irgendeinem ihr unbekannten Stadtteil. Stunden später erst, längst war es dunkel gewesen, hatte sie es gewagt, die Stufen zu dem Haus hinaufzusteigen, in dem ihre Wohnung lag. Die Fenster im zweiten Stock hatten wie blinde Augen dunkel auf die Straße hinausgeblickt. Als sie eintrat, waren die Räume leer, Victor war nicht da. Auf dem Küchentisch lag ein Zettel: Ruf mich an! Wir müssen reden! V.
Doch Sara wollte nicht reden. Sie wollte nichts, als ihre frischen, blutenden, schmerzenden Wunden zu lecken. Und wie ginge das besser als in Gesellschaft von zwei Flaschen bestem Rotwein?
Irgendwann hatte sie sich auf dem Gästebett zusammengerollt und sich in den Schlaf geweint.
Als sie heute Morgen erwacht war, hatte nicht nur ihr Kopf, sondern auch ihr Herz höllisch wehgetan. Daran hatten die Dusche und eine Tasse starker Kaffee nichts geändert.
Nun saß sie im kleinen Apartment ihres Dads und war gerne bereit, ihm zuzugestehen, dass seine Menschenkenntnis besser als ihre eigene war.
»Hast du schon mit ihm gesprochen?«
»Nein. Er hat ungefähr hundert Mal angerufen und bombardiert mich mit Textnachrichten, dass es ihm leidtut, dass er sich hat hinreißen lassen, dass Ashley ihm nichts bedeutet und sie sowieso gestern Abend fristlos gekündigt hat, dass wir reden müssen, aber …«
Sara brach ab und senkte den Kopf.
»Verstehe«, murmelte ihr Dad. »Verstehe.«
Er legte seine große, warme Hand auf ihre. Eine tröstliche Geste, die sie sich auch nach den vergangenen Kindertagen bewahrt hatten und die stets ihre Wirkung tat. Es war so gut, ihn an ihrer Seite zu haben.
»Weißt du, du erinnerst mich immer mehr an Marjorie. Schon als wir Kinder waren, ist sie ein echter Sturkopf gewesen. Es hatte keinen Sinn, sich mit ihr anzulegen. Wenn sie etwas wollte, steuerte sie darauf zu wie eine Dampfmaschine. Wenn sie etwas nicht wollte, konnten keine zehn Pferde sie dazu bringen. Ich habe sie immer für ihre hartnäckig vertretenen Überzeugungen beneidet. Neben ihr hab ich mich regelrecht wankelmütig gefühlt. Ja, du erinnerst mich wirklich an sie. Besonders heute.«
Er versank kurz in seinen Erinnerungen. Dann ging ein Ruck durch seinen Körper, er hob den Kopf und lächelte sie aufmunternd an.
»Hey, möchtest du ’ne Weile hier wohnen? Für uns zwei ist meine Behausung wohl etwas zu klein mit dem einen Zimmer und der Kochnische, aber ich frage Sam, ob ich für ein, zwei Wochen in sein Gästezimmer ziehen darf. Dann hast du hier deine Ruhe und kannst darüber nachdenken, wie du weitermachen willst.«
Sara war ihm dankbar, dass er weder nach ihrer gemeinsamen Wohnung mit Victor noch nach dem Rosmary fragte. Sie wusste schließlich selbst noch nicht, wie es weitergehen sollte.
Die Erwähnung seiner Schwester hatte in ihr allerdings erneut einen Gedanken angestoßen, der ihr schon die ganze Nacht im Kopf herumgespukt war.
Ihr Dad schob ihr die Teetasse hin.
Sie nahm einen großen Schluck.
»Dein Angebot ist superlieb, Dad. Victor wird allerdings schnell auf die Idee kommen, mich hier bei dir zu suchen. Und ich will erst in Ruhe nachdenken, ehe ich ihm begegne. Deswegen habe ich gerade etwas beschlossen.«
Ihr Vater sah sie aufmerksam an.
»Ich werde nach Lyme Regis fahren und Tante Marjorie mit den Hunden helfen. Im Grunde ist das ein Wink des Schicksals. Dort bin ich ungestört und kann mir darüber klar werden, was ich selbst will.«
Ihr Dad schwieg eine Weile.
»Steht dein Entschluss hundertprozentig fest?«, fragte er dann.
»Auf jeden Fall! Ich muss hier weg!«
Sara versuchte, die Bilder in ihrem Kopf zu verdrängen, die wieder vor ihrem inneren Auge aufziehen wollten. Victor mit …
»Ich meine, willst du nicht lieber zum Wandern in den Lake District? Oder aufs Festland? Vielleicht eine Städtetour durch Paris, Florenz, Madrid?«
»Nein! Da würde ich ja doch nur die ganze Zeit grübeln und die Reise nicht genießen können. Tante Marjorie kennt mich, ihr muss ich nichts vormachen. Trotzdem werden wir bestimmt eine gute Zeit miteinander haben. Ich kann für uns kochen. Und es wird mir guttun, am Meer mit den Hunden spazieren zu gehen, einfach etwas Sinnvolles zu tun zu haben.«
»In Ordnung.« Ihr Dad nickte. »Es ist nur … Zu einem Detail bin ich gestern noch gar nicht gekommen, weil du gleich auf und davon warst …«
»Ein Detail? Welches Detail?«
Ihr Dad lächelte.
»Marjories jüngste Hündin hat gerade Welpen. Sechs kleine süße Corgi-Babys.«
Sara hatte keine Ahnung, ob das eine gute oder eine katastrophal schlechte Nachricht war.
Die wunderbare Sara ist zu Besuch bei uns!
Ich kenn sie, seit ich als Mini-Corgi mal in der großen Stadt war. Da hat sie mich überall herumgetragen und mir Dinge gezeigt, die wir hier am schönsten Platz der Welt nicht haben. Sie versteht es eben, einen anspruchsvollen Rüden wie mich zu unterhalten. Außerdem duftet Sara immer besonders gut – nach all den leckeren Sachen, die sie den lieben langen Tag in der Küche zubereitet.
Die Chefin ist zwar genauso entzückt davon, dass Sara bei uns ist, wie ich und meine Mädels, aber ich kann auch spüren, dass sie sich so ihre Gedanken macht. Die Chefin und ich haben eben einen ganz besonderen Draht zueinander.
Lyme Regis, auch die Perle von Dorset genannt, lag an der Jurassic Coast, einem Küstenabschnitt Südenglands. Berühmt geworden war das kleine Städtchen, weil an seinen Stränden mit den gewaltigen Felsbrocken, Steinen und Sandabschnitten unzählige Fossilien zu entdecken waren.
Die damals zwölfjährige Mary Anning hatte hier 1811 das erste vollständige Skelett eines Ichthyosaurus entdeckt, ein Fischsaurier, der vor Urzeiten in den Wassern dieses Meeres gelebt hatte. Durch ihre weiteren Fossilienfunde – ein Plesiosaurier und ein Flugsaurier – machte sich die junge Frau einen Namen und zählte heute zu den bekanntesten Paläontologinnen ihrer Zeit. Nach wie vor sorgte ihre außergewöhnliche Geschichte für einen Strom an Touristen.
Viele hübsche Tearooms, Shops und natürlich das Museum im Herzen der Stadt, am Ort des Anning-Hauses gebaut, versüßten den Urlaubern ihre historische Spurensuche. Jetzt, im Juni, war die Zahl der Menschen, die Lyme Regis bevölkerten, von den knapp fünftausend der üblichen Einwohner auf das Doppelte angeschwollen. Trotzdem schien Sara der Ort im Gegensatz zum trubeligen London nahezu beschaulich.
Gestern Nachmittag, nach ihrer Ankunft, hatte Sara einige Zeit mit Tante Marjorie zusammengesessen, von ihrem Dad und aus London berichtet und Marjories fantastischen Tee genossen. Nur sehr kurz war ihre eigene Lage Thema gewesen, wofür Sara sehr dankbar gewesen war.
»Du hast es richtig gemacht!«, hatte ihre Tante nur knapp gesagt. »Ihn nach so einer Geschichte erst mal in seinem eigenen Saft schmoren lassen. Unerreichbar für ihn sein. Er soll in Ruhe darüber nachdenken, was er angerichtet hat, und sich nicht mit irgendwelchen Entschuldigungen rausreden. Und du, du wirst hier lauter Dinge unternehmen, die dich auf andere Gedanken bringen! Ich hab da so einige Vorschläge. Wart’s nur ab, du wirst hier eine schöne Zeit haben. Auch wenn du dir das jetzt vielleicht noch nicht vorstellen kannst.«
Anschließend hatte Marjorie ihr einen langen Spaziergang mit ihren fünf kurzbeinigen Hunden entlang der Klippen verordnet. Sara hatte gezögert, denn schließlich kannte die kleine Hundemeute sie nur flüchtig. Die fünf begeisterten Vierbeiner hatten sich jedoch so vorbildlich benommen, als wollten sie Sara beweisen, dass ihr Entschluss hierherzukommen goldrichtig gewesen war. Und Sara hatte den Gang in der frischen Meeresbrise genossen.
Herrlich, wenn der Wind mit dem deutlichen Salzgeschmack über die Wiesen oberhalb der zum steinigen Strand hin abfallenden Klippen fuhr und ihr das rotblonde Haar zerzauste. Es schien, als wollte er ihre düsteren Gedanken einfach wegpusten.
Das Bett in Tante Marjories behaglich eingerichtetem Gästezimmer war außerordentlich bequem gewesen, und so sah Sara nun ihrem ersten Tag in Lyme Regis mit leiser Zuversicht entgegen.
»Wie wäre es, wenn ich heute für uns koche?«, schlug sie beim gemeinsamen Frühstück auf der Terrasse vor.
Tante Marjories Cottage mit dem riesigen Garten lag oberhalb des kleinen Städtchens am Ortsrand, sodass sie von der Südseite aus bis hinunter ans Meer schauen konnten, während sie ihren Toast aßen.
»Goldkind! Dich schickt der Himmel!«, kommentierte Marjorie das strahlend. »Das ständige Hin und Her am Herd ist für meinen Knöchel Gift. Colin bringt mir zwar jeden Tag etwas vorbei, aber … hm, ich drücke es mal so aus: Junggesellen-Ernährung ist nicht ganz mein Geschmack. Ehrlich gesagt hatte ich auf genau so ein Angebot gehofft.«
Sara ging im Kopf ein paar mögliche Gerichte durch, und ihre Stimmung hob sich allein dadurch.
»Wo bekomme ich hier denn das beste Gemüse?«
»Oh, da musst du zu Alice gehen. Sie hat ihr kleines Geschäft ungefähr auf halbem Weg runter in den Ort. Du könntest dich erst ein bisschen im Städtchen umschauen und dann auf dem Heimweg alles mitbringen, was du brauchst.«
»Wie finde ich diese Alice denn?«
Obwohl Lyme Regis ein kleiner Ort war, gab es auch hier durchaus mehrere Straßen, die sich den steilen Hang hinaufwanden.
»Kein Problem. Nimm die Hunde mit. Dann machst du zuerst einen kleinen Bummel, und wenn du genug vom Sightseeing hast, sagst du Harry, dass er dich zu Alice führen soll. Du kannst dich auf ihn verlassen. Er liebt sie.«
Skeptisch sah Sara zu dem kleinen Rüden hinunter, der mit nach hinten ausgestreckten Hinterbeinen platt auf dem Bauch neben dem Tisch auf den Terrassenfliesen lag. Als Züchterin nannte Marjorie die Farbe ihrer Hunde red, also rot. Doch für Sara sahen sie alle aus wie Sahnekaramellbonbons: weiße Brust, Pfoten und Schwanzspitze, während der restliche Körper in den Nuancen von hellem Blond bis Rötlichbraun gefärbt war. Die Ohren der Corgis schienen im Gegensatz zu ihren kleinen, eher gedrungenen Körpern riesig und gaben ihren niedlichen Gesichtern eine gewisse Komik.
Als hätte er gespürt, dass sie über ihn sprachen, hob Harry den Kopf und hechelte Sara fröhlich an.
»Es sieht aus, als würde er lächeln«, bemerkte die und konnte nicht anders, als zurückzulächeln.
»Natürlich tut er das.« Marjorie hob den Zeigefinger. »Unterschätze nie einen Corgi! Die verstehen viel mehr, als man meint. Kleine Hunde, aber große Persönlichkeiten.«
Prompt wedelte Harry mit dem Schwanz, und sie mussten beide lachen.
»Was machst du mit den Welpen, wenn ich verschwinde? Im Welpenzimmer muss aufgeräumt und sauber gemacht werden.«
Marjorie winkte ab.
»Colin kommt gleich vorbei. Also habe ich heute noch Hilfe. Wenn du das ab morgen übernehmen würdest, wäre das toll.«
Diesen Colin hatte Tante Marjorie gestern schon ein paarmal erwähnt. Sara stellte sich unter dem Inhaber der örtlichen Whisky-Destillerie einen hart gesottenen Kerl in Marjories Alter vor, der vielleicht mit seinem freundlichen Hilfsangebot die ungebundene, temperamentvolle Frau becircen wollte. Aus welchem Grund sonst sollte er die letzten Tage ganz unentgeltlich fortwährend hier aufgetaucht sein und seine Hilfe angeboten haben?
»Natürlich mach ich das gern. Deswegen bin ich doch hier!«
Marjorie sah sie einen Augenblick lang mit hochgezogenen Brauen an.
»Betrachte die Welpen als eine weitere Möglichkeit, auf andere Gedanken zu kommen und dich ein bisschen zu erden. Aber eigentlich bist du ja wegen etwas ganz anderem hier.«
Sara spürte, wie sie errötete. Bei ihrer hellen Haut und den rotblonden Haaren passierte ihr das leicht. Ob ihr Dad seiner Schwester erzählt hatte, dass sie erst zu dieser Hilfeleistung bereit gewesen war, als sie selbst nach ihrer persönlichen Katastrophe einen Rückzugsort gebraucht hatte?
Marjorie schien ihre Gedanken zu erraten und klopfte ihr auffordernd auf den Handrücken.
»Na, dann mal los! Mach Lyme Regis unsicher!«
Also machte Sara sich nach Abräumen des Frühstückstisches auf den Weg.
Die hübsche Hündin Meghan, deren zuckersüße Welpen im eigens dafür eingerichteten Zimmer herumtollten, war die Erste am Gartentor. Offenbar konnte sie eine kleine Pause von den wilden Rangen kaum erwarten.
Und so lief Sara begleitet von fünf quietschfidelen Corgis, die ihr die Aufmerksamkeit aller anderen Passanten an diesem Morgen garantierten, durch den Ort bis hinunter zur Hafenmauer und dann mit diversen Schaufensterstopps wieder den Hügel hinauf.
Lyme Regis war eine echte Touristenperle. Neben diversen Cafés und Tearooms gab es etliche Fischrestaurants, Bars und Souvenirläden, die in erster Linie aufgearbeitete Fossilien in allen Varianten anboten: faustgroße Steine mit herauspolierten Ammoniten, Tassen und T-Shirts mit aufgedruckten fossilen Skeletten oder auch mit Bildern der Tiere, wie sie wohl vor Millionen von Jahren ausgesehen hatten, Taschen, Stifte, Hausschuhe mit dem Schriftzug Lyme Regis und etliche Dinge mehr.
Als Sara genug von diesen Touri-Attraktionen hatte, wartete sie ab, bis sie in einer kleinen Nebenstraße allein mit den Hunden war. Dann wandte sie sich an Harry, der geschäftig an einer Mauer schnüffelte.
»Harry?«
Der Rüde hob neugierig den Kopf, als er angesprochen wurde.
»Wo ist Alice?«, fragte sie ihn. »Komm, wir gehen zu Alice!«
Auf diese Weise, hatte Tante Marjorie ihr gesagt, sollte er begreifen, was sie von ihm wollte.
Und tatsächlich schien der kleine Kerl gleich Bescheid zu wissen. Er straffte regelrecht den langen Rücken und trabte los, der Gruppe eifrig vorweg.
Sara folgte ihm eiligst und hatte schon bald Mühe, mit den kurzen Beinen ihres pflichtbewussten Guides mitzuhalten. Der Weg führte steil bergan, und Harry schien damit weit weniger Probleme zu haben als seine Begleiterin auf zwei Beinen.
»Hey, Harry, langsamer«, keuchte Sara und wollte gerade anhalten, um nach Luft zu schnappen, als die Schar Corgis um eine Ecke bog.
Dahinter waren auf dem breiten Bürgersteig ein paar Tische wie Marktstände aufgebaut, auf denen viele verschiedene Sorten Gemüse und Obst präsentiert wurden.
Harry stoppte vor der Tür und bellte fröhlich wedelnd, als freute er sich darüber, seine Aufgabe so gut gelöst zu haben.
Beinahe augenblicklich stürzte eine junge Frau aus dem Laden.
»Ein Überraschungsbesuch! Hurra!«, rief sie, ließ sich auf die Knie nieder und knuddelte die Hunde, die sich allesamt auf sie stürzten, um ihr Gesicht abzulecken.
Sara sah dem Knäuel aus Wiedersehensfreude schwer atmend, aber mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht zu.
Alice wirkte wie ein Negativ ihrer selbst: Sie war etwa zehn Jahre jünger als Sara, also Anfang dreißig, hatte schwarzes Haar, samtig braune Haut und dunkle, schelmisch blitzende Augen. Über ihrer dunkelgrünen Hose trug sie ein hellgrünes T-Shirt mit der Aufschrift Fresh Alice, deren einzelne Buchstaben sich aus Obst- und Gemüsesorten zusammensetzten.
»Ja, ist ja gut, ihr Süßen! Ist ja gut! Ich freu mich auch, euch zu sehen!« Sie kicherte, während sie die Corgis streichelte.
Dann hob sie den Kopf und sprang auf.
»Du musst Sara sein!«
Ihre feingliedrige Hand schoss vor und griff nach Saras, um sie herzlich zu schütteln.
»Ähm …?«, machte Sara überrumpelt.
Alice winkte lachend ab.
»Marjorie erzählt so oft von dir. Und gestern sag ich noch zu Jamie, das ist mein Mann, ›Jamie‹, sag ich, ›ich wette, Sara kommt aus London, um Marjorie mit den Hunden zu helfen, jetzt, da sie selbst nicht so richtig kann.‹ Genau das hab ich gesagt. Weil sie doch sonst keine Familie hat, und ihr Bruder, also dein Dad, der kommt mit den Hunden ja nicht so gut zurecht. Deswegen dachte ich, du springst bestimmt ein. Und peng! Hier bist du!«
Sie deutete auf Sara, als wolle sie sie einem größeren Publikum vorstellen.
Wieder spürte Sara, wie ihr heiß wurde, weil sie für etwas gelobt wurde, das sie erst in Erwägung gezogen hatte, als sie selbst in Not war.
»Es ist toll, mal wieder hier zu sein«, murmelte sie verlegen. »Zuletzt war ich als Teenager in Lyme Regis.«
Alice zeigte zwei Reihen strahlend weißer Zähne, als sie sie angrinste.
»Dann herzlich willkommen! Wenn du außerhalb meiner Ladenzeiten mal etwas trinken gehen möchtest oder Lust auf eine Tour in der Umgebung hast, sag einfach Bescheid.«
»Oh, danke, ich weiß noch gar nicht …«
»Keine Eile, keine Eile! Du sollst nur wissen, dass du mich jederzeit ansprechen kannst. Marjories Familie ist quasi unsere eigene. Jamie und ich verdanken ihr so viel. Aber jetzt willst du bestimmt ein paar frische Sachen mitnehmen, oder? Marjorie kommt fast täglich vorbei. Hat sie dir einen Einkaufszettel mitgegeben? Halt! Warte! Du bist doch Köchin mit einem eigenen Restaurant in London, richtig? Natürlich, wie dumm von mir, das zu vergessen! Da wirst du bestimmt selbst wissen, was du brauchst. Du kochst für euch zwei Hübschen, oder?«
Sara nickte.
»Na, Gott sei Dank. Marjorie hat erzählt, Colin kümmert sich, was ja kein Wunder ist nach dieser Geschichte mit ihrem Knöchel. Er hat wahrscheinlich ein mächtig schlechtes Gewissen, nicht? Da ist es ja das Mindeste, dass er mal mit den Hunden geht und für Marjorie mitkocht. Aber um ehrlich zu sein: Ich gönne Marjorie ein wirklich genießbares Dinner.«
Alice zwinkerte ihr zu und beugte sich dann noch einmal zu den um sie herumwuselnden Hunden hinunter, um jeden einzelnen gebührend zu streicheln.
Sara war von dem hervorsprudelnden Wortschwall ein wenig überrumpelt. Alice schien einiges über sie zu wissen, während sie selbst bis heute Morgen noch nie von ihr gehört hatte. Tante Marjorie erzählte offenbar viel von ihrem Dad und ihr und ihrem Leben in London. Wie beschämend, dass sie selbst so wenig über ihre Tante wusste.
Und auch in Alice’ Geplapper tauchte wieder dieser Colin auf. Was hatte er denn mit Marjories Knöchel zu tun, dass er nun durch seine Hilfsangebote Abbitte zu leisten versuchte? Ihre Tante hatte kein Wort dazu fallen lassen.
»Was soll es denn heute geben?«, unterbrach Alice sie nun in ihren Gedanken und erhob sich endgültig, während sie die Hände an ihrer Hose abwischte.
Puh, endlich vertrautes Terrain!
Sara erzählte von der geplanten Pilzsuppe, der Gemüsepie und dem Hafermilchpudding mit frischen Früchten.
Die Augen ihres Gegenüber leuchteten auf. Alice winkte sie in den kleinen Laden hinein, in dem jeder Quadratzentimeter für grob gezimmerte Regale im Country-Style genutzt war, auf denen fantastisch aussehende Früchte, Gemüse in den schönsten Formen und Farben und aromatisch duftende Kräuter zu finden waren.
»Ich bin im Himmel!«, seufzte Sara.
Die Hunde wussten offenbar genau, dass sie den Laden nicht betreten sollten. Mit gespitzten Ohren beobachteten die Hündinnen Diana, Lizzy, Katy und Meghan sie aus ihren braunen Knopfaugen brav durch das große Schaufenster. Jedes Mal, wenn Sara sich kurz umwandte und zu ihnen hinaussah, wedelten sie. Harry jedoch behielt die Straße im Blick, immer bereit, auf der anderen Seite vorübergehende fremde Rüden mit lautem Gekläff in die Flucht zu schlagen.
Bald war der mitgebrachte Einkaufskorb prall gefüllt mit den leckersten Sachen, und Sara machte sich glücklich auf den Heimweg.
Die Aussicht, die nächsten zwei Wochen in der Nähe dieses grandiosen Ladens zu verbringen, dessen Inhaberin allein über verschiedene Apfelsorten einen kleinen Vortrag halten und über jedes ihrer dargebotenen Gemüse ins Schwärmen geraten konnte, versetzte sie in genau die gute Laune, die ihr Dad ihr für den Aufenthalt hier prophezeit hatte.
Die Hunde wetzten vorweg zu Tante Marjories Cottage, das hoch oben über dem Städtchen am Hang thronte.
Der Aufstieg war eine kleine Herausforderung. Konnte es allen Ernstes sein, dass diese kleinen, kurzbeinigen Hunde eine bessere Kondition hatten als sie selbst? Na ja, zugegeben, bei der Arbeit im Rosmary war sie zwar ständig in Bewegung, aber das regelmäßige Joggen im St. James’s Park, das sie sich irgendwann einmal vorgenommen hatte, fiel meist hinter den alltäglichen Aufgaben zurück. Da blieb ihre Fitness eben auf der Strecke.
Am Törchen angekommen, stürmten die Corgis in den Garten und dann hinein ins Haus.
Von drinnen waren Stimmen zu hören, eine weibliche und eine männliche, dann Gelächter. Offenbar war also dieser Colin noch da.
Sara blieb für einen Augenblick im mit einer gewaltigen Rambler-Rose bewachsenen Durchgang zum Garten stehen und gönnte sich einen Blick zurück, während sie den feinen Duft der Hunderten zartrosa Blüten einsog.
Unter sich sah sie die schmalen Straßen des Ortes, die sich einladend und bunt bis hinunter an die Promenade zogen. Die Befestigung über dem Strand lief in eine gewaltige Hafenmauer aus, The Cobb genannt, die ins Meer hineinragte und den leichten Booten Schutz vor der Brandung gewährte. The Cobb spielte eine bedeutende Rolle in Jane Austens berühmtem Roman Überredung, ein Buch, das Sara schon als Mädchen verschlungen hatte. Aber es war nicht nur die Erinnerung an selige Lesestunden im Schaukelstuhl ihres Vaters, die sie jetzt versonnen innehalten ließ. Es war die Kombination dessen mit dem heutigen Anblick des blauen Meeres, auf dessen Wellen weiße Gischt tanzte und über dem die Möwen in halsbrecherischen Aktionen segelten und dabei schrien. Dazu der Korb an ihrem Arm, aus dem es nach all den frischen Lebensmitteln duftete.
Ihr Dad hatte mit seinem Vorschlag verdammt recht gehabt. Es war genau richtig, hier zu sein.
Sara lächelte bei der Erinnerung an seine grimmige Miene, als er sie am Bahnhof Paddington zum Zug begleitet hatte. Selbst wenn Victor ihr dort aufgelauert hätte, um sie zu einem Gespräch zu nötigen, wäre er an ihrem Vater nicht vorbeigekommen. Natürlich war Victor nicht dort gewesen. Er hatte ja keinen blassen Schimmer von Tante Marjories Notstand und Saras Entschluss, hierherzureisen. Victor.
Allein sein Name ließ Saras Lächeln in sich zusammenfallen, und sie seufzte leise.
Verflixt, wieso musste sie auch an ihn denken, statt einfach erst einmal zur Ruhe zu kommen?
Obwohl es ihr schwerfiel, lag ihr Handy ausgeschaltet in der Kommodenschublade in Tante Marjories Gästezimmer. Nachdem sie Victor eine einzige Nachricht geschickt hatte, dass es ihr gut ginge und sie sich bei ihm melden würde, sobald sie so weit war, hatte Sara keine weiteren Nachrichten von ihrem … hm … Ex anschauen wollen. Sie hatte das dringende Bedürfnis, erst einmal wieder zu sich selbst zu finden.
Selbst Tante Marjorie, mit ihrer weit größeren Lebenserfahrung, hatte gesagt, es sei das Beste für sie, erst einmal unerreichbar für ihn zu sein.
Natürlich würde Sara sich in ein paar Tagen damit beschäftigen müssen, wie sie nun reagieren, wie sie ihr Leben anfassen sollte. Momentan war sie noch keinen Deut schlauer, wie sie mit der surrealen Situation umgehen sollte. Was bedeutete ihr deutliches Zögern, wenn sie an Victor als ihren Ex-Freund dachte? Hieß das etwa, dass in ihren Augen, in ihrem Herzen noch gar nicht alles vorbei war? Natürlich konnte es noch nicht wirklich zu Ende sein, ohne ein Gespräch mit ihm. Aber konnte es nach so einem »Ausrutscher«, als den Victor das Geschehene in einer seiner Mailboxnachrichten bezeichnet hatte, weiterhin ein Wir geben? Ein Wir, das von Liebe und Gemeinsamkeit sprach? Und wenn das nicht möglich sein würde, was würde dann mit dem Rosmary geschehen? Jedes Mal, wenn Sara an diesen Punkt kam, zog sich in ihr etwas schmerzhaft zusammen. Ihr Herzenswunsch, ihr Kindheitstraum – würde Victors »Ausrutscher« über Ashleys große Brüste nun das Aus dafür bedeuten?
»Es braucht Zeit«, sagte eine raue Stimme hinter ihr.
Sara drehte sich herum.
Auf dem Gartenweg stand Tante Marjorie. Sie war genauso klein und kompakt wie ihr Bruder, Saras Dad, mit einem sonnenverwöhnten Gesicht, um das die silbergrauen Haare wogten und in dem die familiengrünen Augen leuchteten. In Jeans und T-Shirt machte sie wirklich nicht den Eindruck einer Frau Mitte sechzig. Jetzt allerdings stützte sie sich auf eine Krücke, trug nur links einen ihrer geliebten Turnschuhe, während ihr rechter Fuß mit der festen Bandage in einer Sandale steckte.
»Woher weißt du, was ich gerade gedacht habe?«, erkundigte sich Sara lächelnd.
Marjorie wiegte den Kopf.
»Sagen wir mal so, ich kenne diesen Gesichtsausdruck.«
»Heißt das, du hast auch schon mal so einen Schlamassel erlebt?«, wollte Sara wissen.
Seit sie gestern hier angekommen war, war ihr mehr als einmal klar geworden, wie wenig sie von ihrer Tante wusste.
Wieso hatte sie eigentlich nie geheiratet? Dabei hatte es mal irgendetwas gegeben. Sara erinnerte sich an ihre eigene, kindliche Freude darüber, bei einer Trauung Blumenmädchen sein zu dürfen. Und an ihre bodenlose Enttäuschung, dass dann doch nichts daraus wurde. Die Gründe dafür bekam sie nicht mehr zusammen.
Über Marjories Gesicht huschte für einen kurzen Augenblick ein Schatten. Dann lächelte sie wieder ihr breites Lächeln.
»Ich alter Knochen? Ach was! Nein, ich hab diesen Ausdruck schon öfter gesehen, wenn Freundinnen oder Freunde ähnliche Situationen erlebt haben wie du jetzt.«
Sara trat nun auch durch das Gartentörchen und schloss es sorgfältig hinter sich. Harrys Ausbruchkünste waren legendär.
Unsicher, was sie zu diesem Thema noch sagen sollte, sah sie Marjorie zögernd an.
Die deutete nur lächelnd auf den vollen Korb.
»Du hast Alice also gefunden.«
»Harry hat mir tatsächlich den Weg gezeigt. Er ist wirklich eine Wucht.«
Marjorie grinste.
»Leider weiß er das auch.«
In diesem Moment erschien in der Tür des Cottage eine große Gestalt.
»Der Auslauf der Kleinen ist dann wieder sauber, Marjorie«, sagte der Fremde. »Und wegen des Rosenspaliers komm ich morgen rum. Das dürfte nicht allzu viel Arbeit machen.«
»Wunderbar, Colin, vielen lieben Dank! Das hier ist meine Nichte Sara. Sara, Colin Buck betreibt hier in Lyme Regis die Whisky-Destillerie.«
Das war Colin?
