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Der Klimanotstand bedroht die Existenz des gesamten Planeten! Die internationale Staatengemeinschaft hat die globale Erwärmung als größte Bedrohung zwar anerkannt, aber getan hatte sich bisher trotz allem relativ wenig. Doch das scheint sich jetzt endlich zu ändern. Wird im Jahr 2021 endlich die Wende eingeläutet? Immerhin beflügeln bereits zwei Ereignisse die Hoffnungen der Menschen, denn zum einen hatte Joe Biden, der neue Präsident der USA, einen radikalen Wechsel in der Klimapolitik seines Landes angekündigt und zum Onlinegipfeltreffen am 22. und 23. April über 40 Regierungschefs, darunter auch Russlands Präsident W. Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, eingeladen. Und die haben es sich nicht nehmen lassen, der Welt neue, hehre Klimaziele zu verkünden. Zum anderen sorgte am 29. April ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts für Furore. Die Karlsruher Richter*innen haben zum ersten Mal auf höchster Ebene Generationengerechtigkeit in Klimafragen juristisch sichergestellt. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Folgen. Endlich steht fest: Klimaleugnen ist gestrig, die fossile Dominanz erschüttert und Nichtstun keine Option mehr. Um all das besser zu verstehen und einordnen zu können, ist dieses Buch entstanden. Es erklärt anschaulich, was Klima und Wetter eigentlich sind, beantwortet Fragen zur klimatischen Geschichte unseres blauen Planeten und zeigt auf, was passieren wird, wenn wir so weiter machen. Und natürlich stellt es die wichtigsten Emissionstreiber vor und hilft dir, sie zu vermeiden oder wenigstens deutlich zu reduzieren. Denn es muss endlich Schluss sein mit Green-Wischiwaschi!
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Seitenzahl: 255
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Mika Beek
Klimanotstand
Sind wir noch zu retten?
Dürren und Waldbrände, Regenbrüche und Überschwemmungen, Stürme und Gewitter von einer Stärke, die wir nie zuvor gesehen haben: Das Wetter scheint verrückt zu spielen. Die Gletscher schmelzen und Eisbären hungern, die Wälder sterben, die Obstbäume tragen nicht genug Früchte, die Schifffahrt kommt wegen des zu niedrigen Wasserstandes zum Erliegen und die Zahl der Toten durch Vibrio-Infektionen steigt. Weltweit schlagen Wissenschaftler Alarm, weltweit gehen Menschen auf die Straße. Und doch wird nichts so kontrovers diskutiert wie das, was hinter diesem Wort steckt: Klimawandel.
Anmerkung: Vibrio-Infektionen werden durch Bakterien der Gattung Vibrio hervorgerufen. Vibrio cholerae, der Auslöser der Cholera, ist das bekannteste Bakterium aus der Gattung der Vibrionen. Die Erreger kommen in Salz- und Süßwasser vor und vermehren sich bei Temperaturen ab 20 Grad Celsius besonders stark.
Alle reden über das Wetter. Sie reden über Sonnenschein und Regen, über Hitze und Kälte. Im kühlen Norden erscheinen uns drei Grad zusätzlich auf dem Thermometer eher wie ein Segen als eine Katastrophe. Doch wenn wir über das Wetter reden, meinen wir fühlbare Schwankungen zwischen den Wetterlagen, nicht jedoch das Klima als solches, denn Wetter und Klima sind nicht dasselbe. Das Klima stellt einen mit meteorologischen Methoden ermittelten Durchschnitt der dynamischen Prozesse in der Atmosphäre dar. Dabei bezieht man sich auf eine Region und betrachtet diese Prozesse im Jahresverlauf. Es wird nicht nur auf die physikalischen und chemischen Abläufe innerhalb der Atmosphäre geschaut, sondern auch auf die Einflüsse und Wechselwirkungen der Hemisphären. Die Datensätze werden immer in 30-Jahre-Schritten zusammengefasst, um dadurch mehr Aussagekraft zu erhalten. Der aktuelle und zugleich letzte Vergleichszeitraum umfasst die Jahre von 1961 bis 1990. Nach 2021 wird unsere jetzige Periode von 1991 bis 2020 zur Referenzperiode.
Man kann also sagen, das Klima stellt das durchschnittliche Wetter dar, ohne selbst ein Wetterereignis zu sein. In die Klimastatistik gehen somit Regen als auch Sonne, Hitze als auch Kälte und Wind als auch Flaute ein. Die Statistiken beinhalten ebenso alle Extreme. Wenn man aber von Klimazonen spricht, gelten dort normalisierte – also Durchschnittswerte.
Das Klima wird unterteilt in Mikroklima, Mesoklima und Makroklima. Das Mikroklima wird auch Kleinklima genannt, weil es sich auf den Bereich der bodennahen Luftschichten von etwa zwei Metern Höhe beschränkt. Das ist das Klima, welches wir als Mensch im Alltag wahrnehmen. An der See herrscht zum Beispiel ein Mikroklima, das deshalb als gesund gilt, weil der Aerosolanteil hoch ist. Das Mikroklima verändert sich kaum: Der Salzgehalt der Luft ist nicht abhängig von Sonne und Regen oder Wind und Temperatur. Klima ist also eigentlich etwas sehr Stetiges, es kann sich aber durch Eingriffe ändern. Zum Beispiel ist das Mikroklima in einem Passivhaus anders als das in einer Lehmhütte.
Das Mesoklima ist eine Zusammenfassung zweier Einzelklimate, die eine Ausdehnung von einigen hundert Kilometern besitzen. So misst man beispielsweise das Klima des Regenwaldes oder das Klima im Ökosystem einer Stadt. Berlin hat ein anderes Mesoklima als Schwerin.
Das Großklima nennt sich Makroklima und umfasst großräumige, atmosphärische Zirkulationsmuster von mehr als 500 Kilometern Ausdehnung. Hierzu gehören auch Meeresströmungen und Windsysteme, wie der Passat oder der Monsun.
Weil die Erde eine Kugel ist, treffen die Strahlen der Sonne mit unterschiedlicher Intensität auf die Erdoberfläche. An den Polen kommen die wenigsten der wärmenden Strahlen an und um den Äquator die meisten. Da die Erdachse leicht geneigt ist, verlaufen die Klimazonengrenzen nicht parallel zu den Koordinatenlinien, und weil auch die Ozeane das Klima stark beeinflussen, variieren die Grenzlinien. Ganz klare Grenzen gibt es nicht. Wie wir noch sehen werden, können sich Klimazonen auch verschieben, denn Klimazonen sind keine Rahmen, innerhalb deren Grenzen ein bestimmtes Klima herrscht. Vielmehr sind sie ein Abbild des herrschenden Klimas innerhalb einer global betrachteten Region. Der Geowissenschaftler Wladimir Köppen hat 1936 eine objektive Klimaklassifizierung der Erde vorgenommen. Daran orientiert man sich noch heute, fasst aber zur Vereinfachung die Zonen zusammen. Es lohnt sich jedoch, diese Zonen genau anzusehen, um zu verstehen, was eine auch nur geringfügige Verschiebung der Klimazonen für die betroffenen Länder bedeutet. Darum macht es Sinn, die Länder in den jeweiligen Klimazonen mit aufzuführen.
In der Polaren Zone ist es immer kalt, es herrschen fast immer Minusgrade und selbst an den wärmsten Tagen im Jahr wird es selten wärmer als 10 °C. Allerdings gibt es verschiedene Zonen innerhalb dieser Zone. Einerseits ist es am Südpol im Schnitt kälter als am Nordpol und andererseits gibt es auch in den Polargebieten eine Abstufung. In der Antarktis können in Meeresnähe zum Beispiel Pinguine leben, während in Polnähe Temperaturen von -20 bis -40 und sogar bis zu -85°C alles gewöhnliche Leben unmöglich machen. Am Nordpol gibt es eine Kältesteppe – Tundra genannt – in der bei geringem Niederschlag kleine Pflanzen bis hin zu Sträuchern gedeihen. In der Kältewüste hingegen können nur Moose, Flechten und flache Gräser wachsen. Andere Pflanzen haben auf dem Permafrostboden bei unwesentlichen Niederschlägen keine Chance zu gedeihen. Insgesamt ist die Luftfeuchtigkeit gering, die seltenen Niederschläge fallen nur als Schnee, die Temperaturen sind permanent im Minusbereich. Eine negative Strahlungsbilanz ergibt sich dadurch, weil der Einstrahlwinkel der Sonne niedrig ist. Es gibt hier keine Jahreszeiten und die Vegetationsperiode dauert nur einen bis drei Monate. Als einzig messbare Größen gibt es die Polarnacht und den Polartag. Das bekannteste Phänomen dieser Klimazone ist das Polarlicht. In der Polaren Zone liegen Alaska, Kanada, Grönland, Island und die nördlichsten Teile Norwegens, Schwedens und Finnlands.
Die Subpolare Zone ist ebenfalls sehr kalt und im Winter auch trocken, aber im Sommer fallen mehr Niederschläge als in der Polaren Zone. Die Sonneneinstrahlung ist flach, es gibt praktisch keine Jahreszeiten und die Permafrostböden verhindern ein Versickern von Niederschlägen. Die Luftfeuchtigkeit ist gering, die Verdunstungsrate niedrig und die Vegetationsperioden sind kurz. Pflanzen wachsen langsam, wodurch Tundren entstehen. Die Subpolare Zone teilt viele Eigenschaften der Polaren Zone, sie bildet einen Übergang zwischen der Polaren Zone und der Gemäßigten Zone. In ihr liegen die größten Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und der Russischen Föderation.
In der Gemäßigten Zone gibt es in Meeresnähe ausgeglichene Temperaturen, doch landeinwärts sind starke Schwankungen zu verzeichnen. Man teilt diese Zone ein in nemoral (warmgemäßigt) und boreal (kaltgemäßigt). Gemäßigt bedeutet jedoch nicht, dass das Klima überall gleich ist. Der Begriff bezieht sich nur auf die Jahres-durchschnittstemperatur, die mit 10°C eben nicht arktisch-kalt und auch nicht tropisch-heiß ist. In der Mitte des Kontinents gibt es heiße Sommer und kalte Winter mit Temperaturunterschieden von bis zu 30°C. Man nennt es das "Kontinentalklima". An den Küsten und auf den Inseln ist über das Jahr mehr Niederschlag messbar als im Landesinneren. Die Gemäßigte Zone zeichnet sich zudem durch klar erkennbare Jahreszeiten und eine große Artenvielfalt aus. In dieser Zone liegen Deutschland und seine unmittelbaren mittel-, ost- und westeuropäischen Nachbarländer, also Polen, Dänemark, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, der größte Teil der Schweiz, die Tschechische und die Slowakische Republik und die nördliche Hälfte Frankreichs sowie Großbritannien und Irland.
In der Subtropischen Zone sind die Sommer warm und trocken, die Winter gemäßigt und feucht. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt circa 20°C, die Höchstwerte liegen im Schnitt bei 40°C und im Regelfall gibt es keine Temperaturen im Minusbereich. Die Strahlungsintensität der Sonne im Sommer ist hoch, im Winter niedrig. Es gibt keine spürbaren Jahreszeiten, sondern vielmehr Regenzeiten und Trockenzeiten. Das Wetter wird durch Passatwinde beeinflusst, es sind Extremwetterereignisse möglich. In den Subtropen liegen zum Beispiel die größten Teile der mittel- und südamerikanischen Länder Kuba, der Dominikanischen Republik, Venezuela, Guayana, Peru, Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Paraguay, Brasilien, Mexikos, Guatemala, Nicaragua sowie auf dem afrikanischen Kontinent Ghana, Benin, Togo, Nigeria, Kamerun, Gabun, Äthiopien, Uganda, Kenia, Tansania, Kongo, Sambia, Ruanda, und Burundi, der nördliche Bereich von Australien und in Asien zum Beispiel Indonesien, Malaysia, Papua-Neuguinea, die Philippinen, Indien, Thailand, Vietnam und der Süden Chinas. Auch unsere europäischen Mittelmeerländer gehören zu dieser Zone.
In der Tropischen Zone herrschen das ganze Jahr über hohe Temperaturen um 30°C. Die Sonneneinstrahlung ist hoch, denn die Sonne steht fast ganzjährig am Zenit. Statt Jahreszeitenklima herrscht Tageszeitenklima, trotzdem ist das Klima relativ beständig. Abhängig von Niederschlag und Luftfeuchtigkeit haben sich zwei Vegetationszonen herausgebildet. Gibt es im Jahr bis zu drei aride (trockene) Monate, begünstigt das den Regenwald. Gibt es drei bis fünf aride Monate, bildet sich eine Feuchtsavanne. Bei fünf bis acht Monaten reicht es nur noch zur Trockensavanne und bei acht bis zehn Monaten anhaltender Trockenheit zur Dornstrauchsavanne. Ist es zehn bis zwölf Monate trocken, entstehen Wüsten. Im Umkehrschluss werden in der humiden (feuchten) Zeit auf dem umgekehrten Weg Wüsten zum Regenwald. Der Nährstoffgehalt der Böden in der Tropischen Zone ist als niedrig anzugeben, denn durch natürliche Erosion und UV-Einstrahlungen werden viele Bodennährstoffe zerstört. Nach der Vegetationsbildung richtet sich die Artenvielfalt, die in dieser Zone als insgesamt sehr hoch angesehen werden kann. In der Tropischen Zone liegen Mittelamerika und die größten Teile Südamerikas und Afrikas und Asiens.
Die vorgenannte Zoneneinteilung hat einige Lücken. So gibt es auf der englischen Insel - anders als auf dem europäischen Kontinent - ein eher feuchtes Klima, wie der legendäre englische Nebel zeigt. Auch schwanken die Temperaturen üblicherweise nicht so stark, wie es auf dem Festland der Fall ist. Dieses "Seeklima" ist auch auf anderen Inseln zu beobachten. Zwischen Seeklima und Kontinentalklima gibt es ein Übergangsklima. Wiederum haben Regionen, die mitten auf dem Kontinent liegen, ein Kontinentalklima. In Europa ist das wegen der geringen Größe kaum relevant, aber mitten auf dem eurasischen Kontinent gibt es Länder mit heißen Sommern und sehr strengen Wintern.
Vielen Menschen dürfte gar nicht bewusst sein, dass auch Europa mehrere Klimazonen hat. Deutschland liegt zusammen mit Belgien, der Niederlande, Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Bulgarien, Ungarn, der Ukraine, Belarus, Lettland, Estland, Litauen, Polen, Dänemark und den größten Teilen Schwedens, Norwegens und Finnlands in der Gemäßigten Zone. Auch Großbritannien, Irland und Island liegen in dieser Zone, bilden aber durch das Seeklima eigene Unterzonen. Frankreich hingegen liegt zu einem beträchtlichen Teil bereits in der Subtropischen Zone, ebenso Portugal, Spanien, Monaco, Italien, Griechenland, Malta und große Teile des Balkans, also Serbien, Montenegro, Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, dem Süden Kroatiens, Rumäniens und Bulgariens sowie Zypern. Wiederum liegen kleine Gebiete im Norden von Norwegen, Schweden, Finnland und Island in der Subpolaren und einige Gebiete Russlands sogar in der Polaren Zone. In den USA kann man ebenfalls von Norden nach Süden durch vier globale Klimazonen reisen. Der Kontinent ist auch noch einmal von Ost nach West in verschiedene Klimazonen aufgeteilt, weil Hochgebirge und Windströmungen für direkte Einflüsse, sprich für Klimaphänomene sorgen.
Klima ist also sehr komplex. Und das Wetter ist etwas ganz Anderes.
Während das Klima ein über einen langen Zeitraum beobachteter, auf den Durchschnitt gerechneter Gesamtzustand des Wetters ist, ist das Wetter selbst stets ein kurzfristiges Ereignis – spürbar, messbar und relativ vorhersagbar. Für das Wetter kann man die Temperatur, den Luftdruck, die Windstärke, die Luftfeuchtigkeit und auch die Windrichtung erfassen. So ein Wetter lässt sich sogar im Labor erzeugen, denn es basiert auf rein physikalischen Grundsätzen.
Die Atmosphäre der Erde besteht in den ersten zehn Kilometern ab der Erdoberfläche aus Luft und da diese Luft aus chemischen Elementen besteht, wiegt diese Luft natürlich auch etwas. Wenn man sich einen Quadratmeter Erdoberfläche vorstellt und von diesem gedanklich eine zehn Kilometer hohe Säule bildet, dann wiegt die Luft in dieser Säule 10.000 Kilogramm. Der Druck, den diese Säule am Boden bildet, wird umgerechnet in die Einheit Pascal (Pa) und Hektopascal (hPa). Der Standardluftdruck, berechnet auf die Höhe des Meeresspiegels bei 15°C, beträgt 1013 hPa.
Umso höher man in dieser Säule nach oben steigt, desto geringer ist das Gewicht, das auf einem Körper lastet. Darum ist der Luftdruck beispielsweise im Gebirge geringer als im Tal. Wir empfinden die Luft als "dünner", weil durch den niedrigeren Luftdruck unsere Lungen weniger Sauerstoff aufnehmen können. Darum haben wir in Höhenlagen mit unserer Atmung zu kämpfen und geraten schneller in Stress.
Erwärmt sich nun die Luft in dieser imaginären Säule, dehnt sie sich aus und wird leichter.
Nachvollziehbar wird der Effekt des Luftdrucks insbesondere beim Wasserkochen. In oberen Höhenlagen kocht Wasser schon bei geringeren Temperaturen. Vor allem in der alpinen Gastronomie sorgt dies zuweilen für große Herausforderungen, weil zum Beispiel Kartoffeln nicht oder nur sehr viel langsamer garen.
Die Lufterwärmung lässt den Luftdruck sinken und es entsteht ein Tiefdruckgebiet. Kühlt die Luft wieder ab, zieht sie sich zusammen, verdichtet sich also, wird schwerer und es entsteht ein Hochdruckgebiet. Auf der Wetterkarte sind immer beide zu sehen: Das Hoch mit Sonnenschein und das Tief mit dicken Wolken und Niederschlag. Zwischen beiden entsteht ein Ausgleich, den wir als Wind wahrnehmen. Gut beobachten kann man diese Erscheinung bei der Benutzung von Sprühsahne, die in einer Sprühdose unter hohem Druck komprimiert ist. Erst wenn man auf den Sprühknopf drückt, dehnt sich der Inhalt schlagartig aus, weil draußen ein geringerer Druck herrscht. Sie nimmt sich den Platz, der vorhanden ist, besser gesagt den sie braucht. Darum ist es auch nicht korrekt zu sagen, dass warme Luft nach oben steigt – sie wird vielmehr von der kalten Luft nach oben "gedrückt".
Die Gründe für Windentstehung sehen wir nicht auf der Wetterkarte. Wir sehen dort lediglich die Buchstaben "T" für Tiefdruckgebiet und "H" für Hochdruckgebiet. Damit sind aber nur die Bodentiefs und Bodenhochs gemeint. In den höheren Luftschichten ist über jedem Bodenhoch ein Höhentief und über jedem Bodentief ein Höhenhoch zu finden. Schließlich schiebt die kalte Luft von unten die warme nach oben und umgekehrt. Man kann auch sagen, wo ein Tief ist, kann kein Hoch sein, darum gibt es in der Vertikalen immer beides. Ist nun in der Horizontalen links ein Bodentief und rechts ein Bodenhoch, saugt das Bodentief das Bodenhoch aus. Dasselbe passiert in den oberen Luftschichten spiegelverkehrt: Das linke Höhenhoch saugt das rechte Höhentief aus. So entstehen in Bodennähe Winde und in den oberen Luftschichten passiert das Gleiche.
Indem das Oberflächenwasser der Erde erwärmt wird entsteht Niederschlag. Die Wassermoleküle dehnen sich aus, das Wasser wird gasförmig und steigt auf. In den kühleren oberen Luftschichten kondensiert das Wasser wieder. Es bilden sich Tropfen, die wir in ihrer Masse als Wolken am Himmel wahrnehmen. Diese Tropfen schließen sich zusammen und werden immer größer. Wenn sie ein gewisses Gewicht erreicht haben, fallen sie zur Erdoberfläche zurück. Große Tropfen nehmen dabei kleinere Tropfen mit.
Wir können diesen Vorgang beispielsweise vereinfacht beim Kochen an einer kühlen Fensterscheibe beobachten, an der sich der Wasserdampf niederschlägt und in Tropfen herabläuft.
Wie der Niederschlag auf der Erdoberfläche ankommt, hängt von einigen Faktoren ab. Bleibt es bei kleinen Tropfen, gibt es einen Nieselregen, sind die oberen Luftschichten mit unter -12 °C so kalt, dass das Wasser nicht zu Dampf, sondern Eis kondensiert, fällt Schnee. Bildet sich zwar Wasser, sind aber die Temperaturen in den Schichten unterhalb der Wolken zu niedrig, frieren die kleinen Tröpfen zu Körnchen und kommen als Graupelschauer bei uns an. Wenn sie durch mehrere Luftschichten fallen und sich mehrere Eisschichten an ihnen bilden, dann wachsen sie zu Hagelkörnern. Nicht alles Wasser kondensiert erst in ein paar Kilometern Höhe: Wenn die Luft in Bodennähe kühl genug ist, bildet sich schon auf den Pflanzen Tau. Friert es dazu noch, wird der Tau zu Reif.
Unsere einzige natürliche Luftwärmequelle ist die Sonne. Sie ist ein Stern, der sich in etwa 149,6 Millionen Kilometern Entfernung befindet und 700-mal so schwer ist, wie alle acht Planeten ihres Systems zusammen. Die Sonne ist ein Gasriese der Leuchtkraftklasse V. Sie setzt in einer Sekunde mehr Energie frei, wie alle 2011 noch auf der Erde vorhandenen Kernkraftwerke es bei gleichbleibender Leistung in 750.000 Jahren tun würden. Auf der Erdoberfläche kommen im Jahresmittel pro Quadratmeter 1.367 Kilowatt Leistung pro Sekunde an. Ohne die Sonne wäre in keiner uns vorstellbaren Form Leben auf einem der Himmelskörper möglich.
Die Sonnenstrahlen erwärmen zwar auch die äußere Luftschicht der Erde, aber die meisten für die Erwärmung relevanten Strahlen durchdringen die Atmosphäre und erreichen abgeschwächt die Erdoberfläche. Dort werden sie reflektiert und erwärmen auf dem Weg zurück ins All die Luftschichten. Je nach Beschaffenheit der Erdoberfläche geschieht dies in verschiedener Intensität. Schnee reflektiert die Sonnenstrahlen sehr stark, Wasseroberflächen ebenso, Land hingegen weniger. Darum gibt es auch die verschiedenen Hoch- und Tiefdruckgebiete und darum gibt es innerhalb der Klimazonen eine Dynamik.
Temperatur, Luftdruck, Niederschlagsmenge – das alles ist messbar und vor allem spürbar. Wetter liegt uns näher als Klima, weil wir uns an das Wetter von gestern guterinnern können, aber an das Durchschnittswetter der letzten dreißig Jahre nicht. Selbst wenn, dann bleiben nur Extreme in Erinnerung: Der Jahrhundertwinter, der Jahrhundertsommer, die Jahrhundertflut, der Jahrhundert-sturm.
In der Klimadebatte geht es nicht um das Wetter, auch wenn selbst mächtige Politiker das zu glauben scheinen und gegen das Klima "wettern". Es geht nicht darum, mehr Regen für Afrika oder weniger Sonne für Europa zu beschließen, weil das schlicht unmöglich wäre. Trotzdem können wir das Wetter ändern und damit auch das Klima. Und genau das tun wir bereits – seit über 30 Jahren. Die Auswirkungen sind es, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf die Straße treiben, weil sie Angst vor der Zukunft haben. "Was haben wir nur Schlimmes getan?", wird häufig gefragt. Viele Menschen wissen oder verstehen gar nicht, wo das Problem liegt - oder sie wollen es nicht wahrhaben. Über 60.000 Wissenschaftler weltweit schlagen heute Alarm, und das Wort Klimawandel ist in aller Munde.
Um den Klimawandel zu verstehen ist es wichtig, den Planeten Erde zu verstehen. Man muss auf die Entstehung des Planeten zurückblicken und seine Stellung im Sonnensystem betrachten. Es gibt viele Faktoren, die Leben verhindern können und nur wenige, die es ermöglichen. Dass sich auf der Erde Leben entwickeln konnte, war eine Verkettung von mehr oder weniger glücklichen Umständen und insgesamt ein sehr langer Prozess über mehrere Milliarden Jahre. Auch ein Blick zu den Nachbarplaneten im Sonnensystem ist für das Verständnis unserer Entwicklungsgeschichte erforderlich. Diese Reise soll das Verständnis dessen fördern, was Klimawandel bedeutet.
Die Strahlen der Sonne fallen auf alle sie umkreisenden Planeten. Auf dem Merkur, der in nur 58 Millionen Kilometern Entfernung um das Zentralgestirn kreist, ist es 430 °C heiß. Da der Merkur sich um seine eigene Achse dreht, gibt es auf ihm einen bis zu -170°C kalten Schattenbereich. Auf dem sonnenfernsten Planeten Neptun, der in etwa 4,5 Milliarden Kilometern um die Sonne kreist, herrschen Temperaturen bis -201 °C. Noch bis 2006 galt Pluto als der äußerste Planet, doch nachdem man immer mehr ähnlich große Himmelskörper fand und klar wurde, dass Pluto kein eigener Planet, sondern ein Teil des Kuipergürtels ist, wurde er den Zwergplaneten zugeordnet. Neptun gilt als der äußerste Planet des Sonnensystems.
Zwischen der Erde und dem Merkur liegt die Venus. Sie ist 108 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und hat eine mit der Erde vergleichbare Größe. Venus ist wie die Erde ein Gesteinsplanet, doch ganz anders strukturiert. Der Oberflächendruck auf der Venus ist neunzigmal höher als auf der Erde. Diesen Druck würden wir Menschen nur in Druckkammern aushalten, die wir auch nicht verlassen sollten, denn mit einem CO2-Anteil von 96% ist die Venus-Atmosphäre tödlich. Sauerstoff kommt als Element wahrscheinlich nicht vor, es regnet Schwefelsäure und die Temperaturen sind mit einem Durchschnitt von 464°C lebensfeindlich, wobei Bakterien in der Atmosphäre durchaus Nährstoffe finden würden und das Fehlen bestimmter Gase Rückschlüsse auf Bakterien zulässt, die diese Gase verwerten. Die Venus liegt in der dichtesten Position etwa 38 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und ist mit dem bloßen Auge als Morgenstern sichtbar.
Wenn der Mars der Erde am dichtesten kommt, ist er 57,6 Millionen Kilometer entfernt. Seine Temperaturen liegen im Durchschnitt bei -55°C, je nach Standort exakt zwischen -133°C und +27°C. Sein Luftdruck wäre für die Menschen auszuhalten. Der Mars hat eine Gesteinsoberfläche und es wurden sogar Wasser und Sauerstoff nachgewiesen. Mit 95,97% CO2-Gehalt ist die Mars-Luft trotzdem nicht zum Atmen geeignet. Bakterien und theoretisch auch Flechten könnten hier aber leben. Ob und welches Leben auf dem Mars tatsächlich existiert, daran wird gerade intensiv geforscht.
Daraus kann man einiges schließen: Unser Planet ist der einzige, der Leben nach unseren Maßstäben hervorbringen konnte. Seine direkten Nachbarn würden nicht annähernd ein uns bekanntes Leben ermöglichen. Es ist das Wasser, welches unseren Planeten so einzigartig macht, außerdem haben alle anderen Planeten eine lebensfeindliche Atmosphäre. Selbst unser Mond, der die Erde in nur 384.400 Kilometern Entfernung umrundet, ist mit 130°C Tagestemperatur und -160°C Nachttemperatur zum Leben ungeeignet.
Die Erde ist vor rund 4,6 Milliarden Jahren entstanden. Milliarden kleiner Staubteilchen und Himmelskörper hatten sich in Jahrmillionen auf ihrem Weg um die Sonne zu Klumpen verschmolzen. Einer dieser unförmigen Klumpen, der da auf ungleichmäßigen Bahnen durch das All raste, war unsere Erde. Immer wieder getroffen von anderen Klumpen entstand mit gewaltiger Energie Vulkanismus, der den Klumpen zu einem Feuerball werden ließ. Dadurch wurden Schwermetalle geschmolzen, sie sanken in die Tiefe, bildeten einen Eisenkern. Die schnell rotierende und an der Oberfläche immer fester werdende Kugel wurde langsamer, und nach ca. 70 Millionen Jahren wäre ihre Geschichte vorbei gewesen. Ein riesiger Himmelskörper mit der Masse des Mars schlug auf die Erde ein. Ein etwas anderer Einschlagswinkel hätte die Erde in zwei Teile spalten können, aber so rissen beim Impact nur Teile der inzwischen festen Erdoberfläche heraus und schleuderten in den Orbit, wo sie die Erde lange umkreisten und sich schließlich zum Mond verklumpten.
Der Mond hat so viel Anziehungskraft, dass er die Erde verformt und die Rotation bremst. Davon wird unsere Erdzeit beeinflusst, nur werden wir den nächsten eine Sekunde längeren Tag nicht mehr erleben, denn das ist nur alle 40.000 Jahre der Fall. In der langen Erdgeschichte summierten sich die Sekunden jedoch zu Minuten und Stunden – und das hatte erhebliche Auswirkungen.
Der Planet bewegte sich nun auf einer geordneten Umlaufbahn. Wäre die Erde nur 5% näher an der Sonne, würde es auf ihr kein Wasser geben. Wäre sie 5% weiter entfernt, wäre es dramatisch kälter. Wäre sie kleiner, wäre sie wie der Mars längst erkaltet und wäre sie größer, würde heftiger Vulkanismus die Evolution lähmen.
Der beschriebene Einschlag brachte Unmengen neues Material auf die Erde, das schmolz und ins Erdinnere sank. Staub und Gase entwichen und bildeten eine Atmosphäre, die das Sonnenlicht bremste. Die Erde kühlte sich ab und bildete Gesteinsschichten. Schließlich hatte sich 4,2 Milliarden Jahre vor unserer Zeitrechnung die Oberfläche auf weniger als 100 °C abgekühlt. Erst das machte die Kondensation des von Vulkanen ausgestoßenen Wasserdampfs möglich und erst darum konnten Wasseroberflächen entstehen. Richtige Ozeane bildeten sich aber nur, weil immer weiter Kometen auf die Erde einschlugen und ihr kilometerdickes Eis schmolz. Verdunstung und Kondensation sorgten für einen Wasserkreislauf und der Niederschlag für Erosion. Daraus sind in einem langen Prozess die Kontinente entstanden. Vor vier Milliarden Jahren zerbrach die geschlossene Erdkruste unter dem Druck des Erdinneren in die uns heute bekannten Kontinentalplatten. Auflaufende Erdplatten bewegten und verhakten sich. Dabei entstehende Spannungen entluden sich durch Erdbeben, und wo zwei Platten unmittelbar aufeinanderstießen, pressten sich Gebirge in die Höhe. Vor 2,5 Milliarden Jahren bildete sich am Äquator ein Superkontinent. Wohl alle 500 bis 700 Millionen Jahre brach der Superkontinent auseinander, zuletzt vor 150 Millionen Jahren, als aus "Pangäa" die beiden Teile "Laurasia" und "Gondwana" entstanden. Vor hundert Millionen Jahren zerbrach Laurasia in Nordamerika und Eurasien, Gondwana zerfiel in Südamerika, Afrika, Indien, Australien und die Antarktis. Vor 50 Millionen Jahren kollidierte Indien mit Asien und türmte den Himalaja auf. Nord- und Südamerika drifteten weiter zusammen, nur die Antarktis und Australien blieben isoliert.
Das Leben entstand vor 3,48 Milliarden Jahren in den Ozeanen. Das erste höher entwickelte Lebewesen war nach neuesten Erkenntnissen nicht der Schwamm, sondern die Qualle. Als erstes ragten vor etwa 480 Millionen Jahren Pflanzen aus dem Wasser und vermehrten sich auf dem Land. Das war ein wichtiger Einschnitt, denn die Pflanzen entzogen der Atmosphäre Kohlendioxid und gaben Sauerstoff ab. Dadurch war das Leben für Lebewesen, die Sauerstoff brauchen, erst möglich. Man spekuliert heute darüber, warum die Pflanzen den Ozean verließen. Die Tatsache, dass auch Tiere es ihnen nachtaten, lässt entweder den praktischen Schluss zu, dass es in den Meeren zuerst nicht mehr genug CO2 und dann auch nicht mehr genug Sauerstoff gab oder den theoretischen Schluss, dass die Ausbreitung zum Sinn der Evolution gehört. Dann wäre es nur logisch, dass wir unseren Planeten unbewohnbar machen, damit wir uns auf anderen Planeten ausbreiten können. Allerdings eilt unser Handeln unserem Bewusstsein voraus: Kaum ein Mensch will woanders als auf der Erde wohnen – viele können sich nicht einmal vorstellen, auch nur ihr Land zu verlassen. Außerdem wäre ein Leben außerhalb unseres Planeten so grundlegend anders, dass wir genauso gut in künstlichen Biosphären auf der sterbenden Mutter Erde bleiben könnten.
Die ersten tierischen Lebewesen, die den Ozean verließen, waren Gliederfüßler und man nimmt an, dass verschiedene Unterstämme zu verschiedenen Zeiten parallel den evolutionären Schritt vom Wasser zum Land vollzogen haben. Die ersten Wirbeltiere an Land waren Knochenfische und die ersten echten vierbeinigen Tiere sind vor 416 bis 359 Millionen Jahren an Land gegangen. Vor 245 Millionen Jahren tauchten die ersten Dinosaurier in der Erdgeschichte auf, deren Ära vor 65 Millionen Jahren endete. Warum, das wurde erst vor Kurzem herausgefunden:
Bis vor 466 Millionen Jahren war die Erde klimatisch homogen. Es herrschte überall in etwa dasselbe Klima, von Temperaturunterschieden zwischen den Polen und dem Äquator abgesehen. Wissenschaftler der Universität von Chicago nehmen an, dass damals ein Asteroid in Erdnähe zerbrach und seine Bruchstücke und sein Staub in die Erdatmosphäre gelangten. Normalerweise fallen jährlich 40.000 Tonnen Weltraumstaub zur Erde, doch damals könnte diese Masse um das tausend- oder zehntausendfache höher gewesen sein. Man geht davon aus, dass diese Staubmasse über zwei Millionen Jahre für eine Verdunklung und Abkühlung der Erde gesorgt hatte. An den Polen bildeten sich Eiskappen und die Klimazonen entstanden. Da dieser Prozess lange dauerte, konnte sich das Leben auf dem Planeten anpassen, was erst die Entstehung vieler neuer Spezies möglich machte. Die Vögel überlebten als direkte Nachfahren der Flugsaurier. Viele Gruppen der neu entstandenen Säugetiere kennen wir heute noch, auch wenn sie inzwischen anders aussehen. Man vermutet sogar, dass auch die Primaten schon vor rund 90 Millionen Jahren zusammen mit den Dinosauriern lebten. Fossilienfunde, die nicht einmal halb so weit zurückreichen, konnten diese Theorie bisher noch nicht bestätigen.
Den Menschen gibt es wohl erst seit etwa 2,8 Millionen Jahren – soweit reicht der aktuell älteste Fund zurück. Der moderne Mensch ist nicht aus einer Gattung entstanden – es gibt auch Funde, die 3,2 Millionen Jahre alt sind und Frühmenschen zeigen. Bis zum Jahr 2015 ging man davon aus, dass der Mensch seit 2,4 Millionen Jahren existiert. Neuere Erkenntnisse auf Grund des Fundes eines 2,8 Millionen Jahre alten Skelettrestes zeichnen nun ein klareres Bild: Vor 2,8 Millionen Jahren hat sich das Klima der Erde gewandelt und in der Evolutionsfolge ist dann der Mensch entstanden, von dem wir direkt abstammen. Würde man die ganze Weltgeschichte in einen Tag mit 24 Stunden packen, wären wir quasi erst zwei Minuten vor Mitternacht entstanden, ganz allmählich an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Gattungen. Nur wer sich in allen Bereichen – auch genetisch – anpassen konnte, der überlebte. Es stimmte also einfach alles: Die Größe des Planeten, seine Stellung zur Sonne, das Vorhandensein eines ausreichend großen Mondes, die Kometeneinschläge, der Vulkanismus, die Entstehung der Atmosphäre, der Landgang der Pflanzen und als letzte Zutaten auch noch der genau richtige Meteoriteneinschlag, der zu einem Klimawandel führte, aus dem der Mensch erst hervorgehen konnte. All das zeigt, wie einzigartig unser "Raumschiff Erde" ist und wie gewaltig die Klimavergiftung unser Überleben bedroht. Es gibt nichts, wohin wir flüchten können. Um aber handeln zu können, müssen alle das Problem erkennen und auch verstehen. Wir müssen uns vor Augen führen, welches Verhalten uns an den Punkt führte, an dem wir jetzt stehen und wohin es uns führt, welchen Weg wir ab jetzt gehen – oder eben nicht gehen.
Es gibt ein paar Komponenten, die das Klima des Planeten verändern können. Die meisten davon ereignen sich über Millionen von Jahren hinweg. Dazu zählen zum Beispiel die Abkühlung des Erdkerns, die Veränderung der Erdrotation und der Neigung der Erdachse, die Veränderung der Umlaufbahn um die Sonne, die Veränderung der Umlaufbahn des Mondes um die Erde, des Erdmagnetfelds, natürlich auch der Zustand der Sonne selbst. Das passiert alles nicht von heute auf morgen – höchstens durch den Einschlag eines Meteoriten, Kometen oder Planetoiden oder eines hypothetischen Eingriffs von außen.
Innerhalb unseres "Raumschiffes" ist es etwas einfacher einen Klimawandel herbeizuführen. Einmal abgesehen von der Vernichtung des Lebensraumes durch Bomben, reicht für eine Klimaveränderung auch in friedlichsten Zeiten schon eine Änderung im Gasgemisch der Atmosphäre. Auch das geht nicht von heute auf morgen, aber innerhalb des Referenzzeitraumes der Klimamessung ist solche Veränderung sehr gut feststellbar. Das Wetter wurde in Deutschland 1719 erstmals über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet. Seit der Gründung der Mannheimer Meteorologischen Gesellschaft um 1780 wird es generell aufgezeichnet und seit 1881 liegen so viele Daten von verschiedenen Messstationen vor, dass sich aus ihnen ein ganzheitliches Bild zeichnen lässt.
Frühere Wetterdaten lassen sich heute nur als Klima rekonstruieren, indem Forscher in der Antarktis tief ins Eis bohren, die so gewonnenen Stangen nach Schichten analysieren, das Alter der Schichten bestimmen, die Schichten auftauen und die Zusammensetzung der darin eingeschlossenen Gase analysieren. So ergibt sich ein Bild von der Zusammensetzung der Atmosphäre zur Zeit der Bildung der jeweiligen Eisschicht, aus der man Rückschlüsse auf das Klima – also das durchschnittliche Wetter – ziehen kann. Einige Informationen lassen sich auch aus Analysen von Flusssedimenten und Jahresringen von Bäumen ablesen.
Die Wissenschaft öffnet uns damit ein Fenster in das Pliozän [Das Pliozän begann vor etwa 5,333 Millionen Jahren und endete vor etwa 2,588 Millionen Jahren. Vor dem Pliozän liegt das Miozän. Nach ihm folgt das Pleistozän, die Eiszeit, mit einem Wechsel von Warm- und Kaltzeiten bis ins Holozän, die geologische Gegenwart]. Wir wissen auch, wie das Klima bei den Dinos war: Vor 2,5 Millionen Jahren lag der CO2-Wert bei 410 ppm [Wörtlich übersetzt „part per million“. Ein ppm ist ein Prozent von einem Prozent von einem Prozent oder ein Promille von einem Promille. 1 ppm entspricht daher 0,001 ‰]
