Kneipenkind - Matthias Riedel - E-Book

Kneipenkind E-Book

Matthias Riedel

4,8

Beschreibung

Eine Dorfkneipe, irgendwo in der Eifel. Dicke Rauchschwaden ziehen über die Köpfe hinweg. Lautes, derbes Gelächter. Obwohl es erst früh am Abend ist, sind die meisten Gäste schon ziemlich betrunken. Der Geruch von gebratenem Hähnchen dringt aus der Küche hinaus in den Gästeraum. Es könnte ein so typisches Abbild deutscher Kneipenkultur sein, wenn da nicht dieser kleine blonde Junge an der Theke sitzen würde. Angefeuert von seinem Vater wirft er immer wieder Geldstücke in den Glücksspielautomaten. Der Junge heißt Christian und sein Vater ist der Arzt des Dorfes. Manchmal weiß Christians Vater nicht so recht, in welcher Welt er eigentlich zu Hause ist. Ist er auch nur einer dieser Säufer, die jeden Abend an dieser Theke sitzen? Oder ist er nicht doch der angesehene Arzt, der mit seiner attraktiven Frau und den drei wunderbaren Kindern ein großes, luxuriöses Haus bewohnt? Kneipenkind erzählt in erster Linie die Geschichte von Christian, und beschäftigt sich mit der Frage ob man sein eigenes Leben tatsächlich selbst in die Hand nehmen kann.

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Die Namen der beteiligten Personen sind frei erfunden.

Auch einige Ortsbezeichnungen sind der Fantasie des Autors entsprungen.

Für Raphaela

Wenn ich morgens in den Tag hinein schaue, dann umarmt mich ein Gefühl der Gewissheit. Es ist die Sicherheit zu wissen, dass nicht die Unsicherheit ihre kratzigen Arme über mich legen wird, sondern die Vorhersehbarkeit.

Es klingt nicht sonderlich nach Abenteuer, und es wird auch nicht, wie so oft in meinem Leben, ein Drama aufgeführt werden auf der Bühne meines Daseins. Nein, nicht an diesem Tag, wahrscheinlich auch nicht morgen und wohl auch nicht an den darauffolgenden Tagen.

Wahrscheinlich wird eines meiner Kinder mal wieder ein, wenn auch kleines Drama erleben. Es könnte sein, dass eine Tischkante den Weg versperrt hin zur Schokolade, die irgendwann auf dem Küchentisch liegen wird. Der direkte Weg kann auch manchmal ein schmerzhaftes Erlebnis sein, und dann wird für einige wenige Minuten ein Drama stattfinden, ein Drama ganz ohne Drehbuch, aber mit all dem Weltschmerz, dem man als Kind so oft erliegt. Nichts ist schlimmer und nichts kann schlimmer sein, als der Schmerz, entstanden nach einer direkten Konfrontation mit dem Hartholz eines Küchentischs.

Aber diese Vorhersehbarkeit muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein. Zugegeben, es ist vielleicht nicht so spektakulär wie all das, was sich zuvor in meinem Leben so abgespielt hat, aber es ist ein angenehmes Gefühl, ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Kapitel 73

Kapitel 74

Kapitel 75

Kapitel 76

Kapitel 77

Kapitel 78

Kapitel 79

Kapitel 80

Kapitel 81

Kapitel 82

Kapitel 83

Kapitel 84

Kapitel 85

Kapitel 86

Kapitel 87

Kapitel 88

Kapitel 89

Kapitel 90

Kapitel 91

Kapitel 92

Kapitel 93

Kapitel 94

Kapitel 95

Kapitel 96

Kapitel 97

Kapitel 98

Kapitel 99

Kapitel 100

Kapitel 101

Kapitel 102

Kapitel 103

Kapitel 104

Kapitel 105

Kapitel 106

Kapitel 107

Kapitel 108

Kapitel 109

Kapitel 110

Kapitel 111

Kapitel 112

Kapitel 113

Kapitel 114

Kapitel 115

1.

Als Kind muss man einfach ein fundamentales Vertrauen zu seinen Eltern haben, es bleibt einem ja nichts anderes übrig.

Es mag sein, dass man im Alter von fünf nicht immer die ganze Tragweite einer Situation erfassen kann, aber was spielt das auch für eine Rolle, wenn eigentlich immer alles gut läuft.

Ich kann mich auch nicht mehr an jeden einzelnen Tag meiner Kindheit erinnern, ich weiß aber noch sehr genau, dass mein Vater Martin Berger jeden Tag 1,0 Promille Alkohol im Blut gehabt haben muss, mindestens! Eine Voraussetzung, die das Führen eines Personenkraftwagens nicht unbedingt erleichtert, aber es ist ja immer gut gegangen.

Der Ein oder Andere würde es vielleicht als ein kleines Wunder bezeichnen, dass meinem Vater und mir nie etwas zugestoßen ist, denn immerhin hat er mich oft mitgenommen zu seinen Hausbesuchen. Als Landarzt musste er zahlreiche Patienten auch in den umliegenden Dörfern versorgen, also da kamen schon einige Kilometer zusammen.

Und abends und am Wochenende betrachtete er es als seine persönliche Pflicht, den Kneipenbesitzern in unserem und den benachbarten Dörfern einen Besuch abzustatten und ich habe ihn dabei häufig begleitet. Meistens jedoch besuchte er die beiden Kneipen in unserem Dorf, er hatte also zwei Stammkneipen. Jeder dort kannte ihn, er genoss hohes Ansehen unter den anderen Stammgästen, die meisten von ihnen waren Bauern oder Handwerker.

Da saß mein Vater nun jeden Abend gemeinsam mit den Männern aus Lichtenfeld und den Nachbardörfern an einer Theke. Eigentlich war das eine Konstellation, die langfristig zum Scheitern verurteilt war, denn ihr Hausarzt, mit dem sie da ein Bier nach dem anderen tranken, war politisch betrachtet der absolute Außenseiter in dieser gemütlichen Runde. Am frühen Abend gelang es meist allen Beteiligten noch, die Politik außen vor zu lassen, und einfach nur den verdienten Feierabend mit einem kalten Bier einzuläuten. Aber zu fortgeschrittener Stunde und mit viel Alkohol im Blut schlug die Stimmung dann schlagartig um. Mein Vater war ein überzeugter Linker, der an den Sozialismus glaubte und dem das viele Geld, das er als Arzt verdiente, im Grunde nichts bedeutete. Außerdem verabscheute er das kleinbürgerlich-spießige Streben nach Ordnung und Anstand, das in seinen Augen für die meisten Bewohner unseres Dorfes galt.

Viele Jahre später, als ich schon erwachsen war, erzählte er mir angewidert davon, wie er einmal zu einem Notfall im anliegenden Wald gerufen worden war, mitten in der Nacht. Ein Jäger hatte dort oben auf seinem Hochsitz einen Herzinfarkt erlitten, und Eile war dringend geboten. Aber dort angekommen konnte er nur noch den Tod feststellen. Voller Verachtung berichtete er mir davon, wie er dieses „dicke CDU-Arschloch“ gemeinsam mit einem anderen Jäger vom Hochsitz heruntertragen musste. Jäger und CDU-Wähler hatten noch sie zu seinen Freunden gehört, aber irgendwie musste er da was falsch verstanden haben mit dem hippokratischen Eid, den er als junger Arzt abgeleistet hatte.

Trotz dieser ausprägten Abneigung gegenüber jenen, die keinen Hehl daraus machten, bei der letzten Bundestagswahl Helmut Kohl gewählt zu haben, hatte ich stets den Eindruck, dass mein Vater sich trotz allem auf eine sehr eigene Art wohl gefühlt haben muss zwischen all den Alteingesessen.

Er verabscheute ihre Kleinbürgerlichkeit, gleichzeitig aber hatte er das Gefühl, sich nicht verstellen zu müssen, er konnte einfach er selbst sein.

Eine Sehnsucht nach Bodenständigkeit und Einfachheit zog ihn regelmäßig hin zu dem Geruch von Bier und Brathähnchen, vermischt mit einer kräftigen Nikotin-Note.

Selbstverständlich gab es regelmäßig hitzige Diskussionen, wenn er in einer seiner zwei Stammkneipen auftauchte. Es war auch nicht zu leugnen, dass sich die Kontrahenten nicht immer auf derselben geistigen Augenhöhe begegneten. Ein politisch denkender Arzt, der unter seinen Kollegen ein hohes Ansehen genoss traf auf einen Landwirt, dem womöglich nie die Gelegenheit geboten worden war, auch nur einen Hauptabschluss zu machen.

Trotzdem funktionierte diese Konstellation über viele Jahre und es schadete nicht wirklich der Beliebtheit meines Vaters. Dazu waren die Dorfbewohner ihm viel zu dankbar, sie schätzten ihn für seine diagnostischen Fähigkeiten, und dafür, dass er zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar war.

Eines Nachts klingelte die Polizei an der Haustür, mein Vater und ich hatten bereits tief geschlafen. Sie hatten irgendeinen Mann im Schlepptau, der offenbar betrunken Auto gefahren war. Da mein Vater damals der einzige Arzt weit und breit war, baten ihn die Polizisten, dem jungen Mann eine Blutprobe abzunehmen, und einige Tests mit ihm durchzuführen.

Was für eine aufregende Nacht für einen kleinen Jungen, wirklich!

Vielleicht hätte der unbekannte Mann auch den Polizisten etwas schenken sollen, dann hätte er seinen Führerschein vielleicht behalten können.

Mein Vater war diesbezüglich durchaus einfallsreich: Dem Hauptkommissar aus einer benachbarten Kleinstadt hatte er einmal eine Kassette von „The Police“ geschenkt, und es sollte tatsächlich noch viele Jahre dauern, bis meinem Vater der Führerschein abgenommen werden sollte. Ob ein es einen Zusammenhang gibt zwischen dieser Kassette und dem großen Glück, was seine Fahrerlaubnis betraf, kann ich nicht sagen.

Ich kann nur sagen, ich hatte wirklich keine schlechte Kindheit. Wir hatten ein verdammt großes Haus mit einem Pool im Keller, einige hübsche Arzthelferinnen, die ab und zu auf uns Kinder aufpassen mussten, einen großen Garten und auch sonst all die Dinge, die Kinder glücklich machen können.

2.

Am Abend vor meinem sechsten Geburtstag waren meine Eltern in die Stadt gefahren, irgendwie hatte ich mitbekommen, dass sie mir mein Geburtstagsgeschenk kaufen wollten. Ich war fest davon überzeugt, dass sie mir ein Kettcar schenken wollten. Ich wollte nur eben dieses eine Kettcar, nichts anderes, zugegeben, nicht unbedingt ein bescheidener Wunsch, aber ich wusste schon, dass wir nicht zu den ärmsten Familien im Dorf gehörten. Es sprengte zwar meine Vorstellungskraft, um mir über den Wert dieses Kettcars Gedanken machen zu können, aber wenn unser Haus doppelt so groß war, wie die meisten anderen Häuser in Lichtenfeld, dann sollte doch die Anschaffung eines etwas teureren Spielzeugs kein Problem darstellen.

Leider musste ich an dem Vorabend meines Geburtstages so früh ins Bett gehen, dass ich nicht mehr mitbekam, als meine Eltern wieder aus der Stadt zurückkehrten.

Ich konnte auch kaum schlafen vor Aufregung, wann endlich würde dieser dumme nächste Tag beginnen? Warum nur musste die Zeit immer dann so langsam vergehen, wenn man es nun gar nicht gebrauchen konnte?

Vielleicht würde ich die Zeit nicht überlisten können, aber einfach früher aufstehen als sonst, das könnte auch hilfreich sein. Das war mein Plan, um dieses unerträgliche Warten zu verkürzen.

Die Sonne machte gerade die ersten zaghaften Versuche, die Nacht zu verdrängen, als ich schlagartig aus meinem ohnehin schon leichten Schlaf erwachte. Schnell zog ich mir eine Jacke und Turnschuhe an und schlich auf Zehenspitzen über den Teppichboden im Flur zur Treppe. Vorsichtig stieg ich die Stufen hinunter, nun war der Weg zur Garderobe nicht mehr weit. Im Halbdunkel der aufgehenden Sonne suchte ich nach den Autoschlüsseln des VW Passat Kombi, in dessen Kofferraum ich mein neues Kettcar vermutete. Ich öffnete leise die Haustür und ging nach draußen, hinein in den frischen Morgen eines wahrscheinlich wunderschönen Sommertages.

So leise wie möglich steckte ich den Schlüssel in das Kofferraumschloss des Passats und hatte einige Mühe damit, die schwere Tür zu öffnen. Aber davon ließ ich mich nicht aufhalten, nichts und niemand konnten mich jetzt noch von meinem Kettcar trennen. Endlich hatte ich Zugang zum Kofferraum und entdeckte voller Freude das Objekt meiner Begierde. Offenbar war dieses wunderschöne kleine Auto bereits zuvor zusammengebaut worden, mein Glück! Hätte es noch, zerlegt in seine Bestandteile, in einem Pappkarton gesteckt, es wäre eine Katastrophe für mich gewesen. Aber nun konnte ich es einfach aus dem Kofferraum hieven. Zu diesem Zweck hatte ich mit Hilfe von zwei Brettern eine Laderampe gebaut, die es mir ermöglichten, das schwere Gefährt auf die Straße rollen zu lassen.

Ich hatte es geschafft! Endlich! Da stand es nun vor mir, mein Schatz, mein Kettcar! Immer wieder betrachtete ich es von allen Seiten, bestaunte den Schaltknauf und das kleine Lenkrad. Vorsichtig, fast schon ehrfürchtig, setzte ich mich auf den Fahrersitz und hielt einige Sekunden inne.

Dann setzte ich meine Füße auf die Pedale und fuhr langsam los. Ich hätte beinah vor Begeisterung geschrien, aber dann hätte ich womöglich meine Eltern geweckt.

Langsam steigerte ich das Tempo und fuhr von unserem Privatweg hinunter zur Straße, immer wieder fuhr ich mit voller Geschwindigkeit in die Kurven, dabei verlor meistens eines der Vorderräder den Bodenkontakt. Inzwischen strahlte mich die Sonne so intensiv an, als wenn sie sich mit mir über mein neues Gefährt freuen würde. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, in diesem Augenblick gab es nur mich und mein kleines neues Auto.

Irgendwann hörte ich die aufgeregte Stimme meiner Mutter hinter mir:

„Christian! Um Himmels Willen! Was machst du hier?“

Ich hatte das Kettcar elegant gewendet, um zu ihr fahren zu können. Außerdem sollte sie ruhig sehen, was für ein toller Fahrer ich doch schon war.

Sie lief auf mich zu, ihren Gesichtsausdruck konnte ich nicht wirklich deuten. Sie konnte sich offenbar nicht entscheiden, ob sie sich nun ärgern oder freuen sollte.

„Du machst ja Sachen! Ich hab dich im ganzen Haus gesucht!“ Jetzt stand sie direkt vor mir und sah mir fest entschlossen in die Augen: „Christian, was machst du denn für Sachen? Wie bist du denn überhaupt an das Kettcar gekommen?“

Ich fummelte etwas verunsichert am Lenkrad herum, ich wusste nicht, wohin mit meinen Händen. Dann setzte ich den Ausdruck eines unschuldigen kleinen Hundes auf und sagte; „Ich wollte doch nur Kettcar fahren.“

Charlotte lächelte jetzt und beugte sich zu mir herunter und sagte mit ruhiger Stimme: „Alles Gute zum Geburtstag mein Kleiner“, und küsste mich auf die Stirn.

Irgendwann waren unsere Großeltern väterlicherseits zu uns gezogen, ich muss noch so klein gewesen sein, dass ich mich nicht daran erinnern kann, plötzlich waren sie einfach da. Sie hatten direkt an unser Wohnhaus angebaut, so lebten auf einmal drei Generationen unter einem Dach.

Oma Maria wollte unbedingt in der Nähe ihres Sohnes sein, da sie sehr unter ihrer Diabetes litt, und Opa Werner gab diesem Wunsch schließlich widerwillig nach. Es passte ihm überhaupt nicht, sein schönes Haus mit Waldgrundstück aufzugeben, in das er so viel Arbeit investiert hatte.

Irgendwie gelang es ihm nie, seine Wut darüber vor uns Kindern zu verbergen. Und es gelang ihm noch weniger, den Kummer und die Enttäuschung darüber für sich zu behalten, dass sein Sohn, ein angesehener Arzt, Alkoholiker war und zwei Schachteln Zigaretten am Tag rauchte.

Im Grunde schimpfte er jeden Tag über seinen heruntergekommenen Sohn, für den er sich so sehr schämte. Denn er selbst war diszipliniert, rauchte nicht und trank keinen Alkohol und Ordnung war für ihn das halbe Leben.

Ein durchaus spannender Konflikt für einen sechsjährigen Jungen, der seinen Vater über alles liebte und voller Bewunderung für den Großvater war.

Auch meine vollkommen neurotische Großmutter war hin-und hergerissen zwischen der Bewunderung für ihren von allen Seiten verehrten Sohn einerseits und der Missbilligung seines ruinösen Lebenswandels andererseits

Trotz allem konnten meine Geschwister und ich einige schöne Jahre mit unseren Großeltern erleben, die wir jederzeit besuchen konnten und die sich immer sehr über den Besuch ihrer Enkelkinder gefreut haben.

Die Konflikte zwischen meinem Vater und seinen Eltern waren unangenehm für alle Beteiligten, aber für uns Kinder waren sie doch irgendwie abstrakt und auch nicht immer von großer Bedeutung. Vielleicht empfanden wir es auch als nicht allzu dramatisch, weil es eben „nur“ unsere Großeltern betraf und es fast nie unmittelbare Auseinandersetzungen zwischen ihnen und unserem Vater gab.

Es gibt einfach Konflikte innerhalb einer Familie, von denen man als Kind kaum etwas mitbekommt oder nicht mitbekommen will. Kinder scheinen diesbezüglich über einen Selbstschutz zu verfügen, der das Verdrängen erleichtert. Wenn es schon den Erwachsenen nicht gelingt, für eine behütete Kindheit zu sorgen, dann sollten Kinder das Recht haben, alles zu ignorieren, was ihrer unschuldigen Kinderseele Schaden zufügen könnte.

Zugegeben, meine Mutter und mein Vater hatten regelmäßig durchaus heftige Auseinandersetzungen, wenn es um seinen Alkoholkonsum ging. Aber dann verschwanden wir Kinder einfach mal für ein paar Stunden und alles war vergessen.

Wir, also meine kleine Schwester Stefanie, mein älterer Bruder Frederick und ich, sowie die Nachbarskinder, waren ohnehin die meiste Zeit draußen unterwegs. Unsere Kindheit spielte sich größtenteils draußen in den Wäldern ab oder auf dem Dorfspielplatz. Besonders verlockend war für uns der alte Heuschober, der einsturzgefährdet war aber dafür nur wenige Meter von unserem Haus entfernt lag. Es war schon aufregend, auf den wackeligen Holzbalken zu klettern, um von dort auf den mächtigen Berg aus Stroh zu springen. Das konnten wir stundenlang wiederholen, bis wir vor lauter Erschöpfung abends wieder nach Hause marschiert sind.

Zu Hause wieder angekommen, durften wir dann noch eine halbe Stunde fernsehen. Heidi, Captain Future oder den Pumuckl. Es gab damals ja nur drei Kanäle, die Auswahl war also nicht sehr groß. Aber es spielte auch keine allzu große Rolle, wie viele Angebote es für Kinder im Fernsehen gab. Nicht die Quantität zählte, sondern die Qualität der Sendung. Alle Kinder unterhielten sich am Montagmorgen über denselben Film oder dieselbe Serie, die sie am Wochenende gesehen hatten.

Ein medialer Meilenstein in meiner Kindheit waren für mich und meine Freunde die Weihnachtsserien im ZDF.

Die Geschichten von Timm Thaler oder Silas ließen uns, damals anfangs der 1980-er Jahre, wie gebannt vor dem Röhrenfernseher verharren.

Das waren wahrhaftige Abenteuer, moderne Märchen, die uns hinein tauchen ließen in eine andere Welt. Wenn die eine Weihnachtsserie mit der letzten Folge ausgelaufen war, konnten wir es kaum erwarten bis zum nächsten großen Mehrteiler.

In der kalten Jahreszeit gab es zumindest in der Eifel noch ein anderes Ereignis, auf das wir uns wahnsinnig freuten: Schnee!

In meiner Kindheit, in dem kleinen Dorf im Dreiländereck zwischen Deutschland, Luxemburg und Belgien hat es im Winter immer geschneit, zeitweise kam so viel Niederschlag aus den grauen Wolken, dass mein Bruder und ich Iglus oder Schneehöhlen bauen konnten, ohne uns wirklich anstrengen zu müssen.

Die weiße, kalte Masse türmte sich manchmal so hoch vor uns auf, dass uns unsere Eltern suchen mussten, um uns abends wieder ins Haus holen zu können.

Meine Geschwister und ich konnten uns noch so sehr darum bemühen, die Leichtigkeit unserer Kindheit mit all unserer Kraft festzuhalten, jene Kindheit, die in großen Teilen so unbekümmert und atemberaubend erschöpfend schön war.

Irgendwann konnte es uns einfach nicht mehr gelingen, den Lärm und die Verzweiflung zu überhören, unsere Eltern waren am Ende ihrer Liebe angekommen. Ihre gutgemeinten Versuche, ihre Zuneigung füreinander zu bewahren sollten sich mit jedem Tag mehr und mehr in Luft auflösen. Wir hätten das Spielen im Schnee, die Abenteuer im Heuschober und die Wettrennen mit unseren Kettcars mehr genießen sollen, noch mehr genießen sollen. Wir hätten alles viel bewusster erleben sollen, aber Kinder denken meistens nicht im Voraus.

Die dunklen Wolken, die sich immer deutlicher am bis dahin blauen Himmel unserer Kindheit abzeichneten, hielten mich nicht davon ab, meinen Vater weiterhin anzuhimmeln und ihn bei seinen Hausbesuchen zu begleiten. Es war für mich beinah wie ein kleines Abenteuer! Mein Vater war beliebt bei den Menschen in unserem Dorf, und bei den Bauern, die teilweise außerhalb der Ortschaften auf ihren einsamen Höfen lebten.

Mein Vater hatte ein Funkgerät im Auto installiert, und wenn wir unterwegs waren, kam es regelmäßig vor, dass meine Mutter Charlotte oder eine Arzthelferin einen Notruf an meinen Vater weiterleiteten. Dann hieß es, bloß keine Zeit zu verlieren, und so schnell wie möglich den betroffenen Patienten zu erreichen.

Selbstverständlich musste ich dann so lange im Auto sitzen bleiben, bis mein Vater denjenigen versorgt hatte. Wahrscheinlich ist es im Nachhinein eine gute Entscheidung gewesen, mir im Fall eines solchen Notfalls den Anblick eines schwerkranken oder verunglückten Menschen zu ersparen.

Aber ich war in diesen Momenten furchtbar stolz auf meinen Vater, und mein Vater war stolz darauf, den Patienten seinen Sohn präsentieren zu können.

Die Tatsache, dass besonders ältere Damen ein Faible für kleine Kinder mit hellblonden Locken hatten, versetzte mich beinahe täglich auf die Sonnenseite kindlichen Daseins. Wie eine goldene Palme, aus deren Zweigen flüssige Schokolade läuft, wurde ich nahezu bombardiert mit kleinen Schokoladentäfelchen, Gummibärchen und anderen Leckereien.

Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, bekam ich von einem Kirmesbetreiber, der mit seinen Autoscootern die alljährliche Kirmes dominierte, ungefähr 100 Chips geschenkt, weil mein Vater seine Frau spontan verarztet hatte. Dieser Nachmittag war mein Nachmittag!

Eines Tages waren mein Vater und ich bei einem Bauern zu Besuch, es handelte sich wohl um eine Routinekontrolle. Während mein Vater die Frau des Bauern begutachtete, spielte ich voller Begeisterung im großen Kuhstall mit den Katzen, die überall wild herumsprangen. Der Bauer hatte mich offenbar schon eine Zeit lang beobachtet, was ihn schließlich dazu verleitete, mir eine der Katzen zu schenken.

Neben den unzähligen Süßigkeiten, die üblicherweise meine Taschen füllten, saß nun auch noch eine kleine Katze auf meinem Schoß, als wir den Hof verließen.

3.

Ich bin der Ansicht, dass es nur einen, wenn auch elementaren Nachteil gibt, wenn Eltern ihre Kinder mit Struktur und mit immer wiederkehrenden Ritualen die Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, die Kinder ohne Zweifel brauchen, um Selbstsicherheit und Selbstvertrauen entwickeln zu können. Wenn doch irgendwann einmal die Ausnahme von der Regel in Erscheinung tritt, dann kann es durchaus passieren, dass sie zumindest für einige Tage vollkommen verwirrt sind.

Vielleicht sogar mehr, als es bei anderen Kindern aus „chaotischen“ Familien der Fall wäre.

Dieser Gedanke trifft zumindest auf unsere Kinder zu. Wenn sie einmal nicht in ihrem Bett schlafen können, wenn nicht die täglichen Einschlafrituale stattfinden, wenn sie doch ausnahmsweise viel später wie sie es gewohnt sind, ins Bett gehen, dann laufen sie spätestens am nächsten Tag völlig aus dem Ruder. Dann kann man eigentlich nur hoffen, dass dieser Tag so schnell wie möglich zu Ende geht.

Unsere Kinder sind fröhliche Kinder, sie können schnell Vertrauen zu anderen Menschen aufbauen, sie schlafen häufig bei ihren Großeltern oder Tanten, und sie machen einen insgesamt ausgeglichenen Ausdruck.

Wenn ich sie beobachte, stelle ich mir sehr oft die Frage, ob sie nicht etwas versäumen könnten, geborgen in ihrem sicheren Nest, das die Großfamilie um sie herum gebaut hat. Es gibt nicht viele (böse) Überraschungen in ihrem Leben, morgens wissen sie bereits, wie der eben begonnene Tag wahrscheinlich verlaufen wird. Sie werden, wie so oft, viel lachen und toben können und abends werden sie erschöpft in ihren Betten einschlafen und von Ritterburgen, Feuerwehrautos oder dem Sandmännchen träumen. Die Gewissheit, dass viele Menschen immer auf sie aufpassen werden, ist für sie wie das große Tor einer Burg, hinter dem sie sich verstecken können, fest davon überzeugt, dass es keinem bösen Wesen gelingen wird, in die Burg hinein zu gelangen.

Aber was ist mit all den Abenteuern, die ich als Kind erlebt habe? Was ist mit all den Dramen, die auf der Bühne meiner Kindheit fast täglich aufgeführt worden sind?

Zugegeben, die meisten Menschen in meinem Umfeld schütteln den Kopf, wenn ich ihnen Geschichten aus meiner Jugend erzähle, sie möchten sich am liebsten gar nicht vorstellen, unter welch chaotischen Umständen wir aufgewachsen sind, aber für uns war es eben „normal“.

Spätestens in der Schulzeit habe ich Kinder kennengelernt, für die der liebe Gott tatsächlich die falschen Eltern und ein trauriges Umfeld ausgesucht hatte. Die von ihren Eltern geschlagen wurden, die keine Aufmerksamkeit und kein Lob bekamen, und froh sein konnten, wenn sie im Kühlschrank etwas zu essen fanden.

Unsere Eltern verhielten sich nie gewalttätig uns gegenüber, körperliche Gewalt war für sie ein absolutes Tabu. Selbst wenn wir großen Mist gebaut haben, und gerade meine Schwester und ich waren in der Pubertät keine Engel, Charlotte wäre niemals auf die Idee gekommen, uns eine Ohrfeige zu geben. Sie bevorzugte es, die Probleme anzusprechen und verständnisvoll mit uns umzugehen. Unsere Mutter hat uns mit Bildung überschüttet, bei uns zu Hause schallte so selbstverständlich Franz Schubert, Mozart und Bach aus den Boxen der Hifi-Anlage wie bei anderen Menschen Popmusik aus dem Küchenradio. Charlotte lobte uns, wenn sie stolz auf uns war und sie interessierte sich für unsere Hobbies.

Was mir heute, viele Jahre später ein wenig skurril vorkommt, ist die Tatsache, dass sie sehr viel Wert auf gutes Benehmen legte. Für sie gehörte es selbstverständlich zu einer guten Erziehung dazu. Wir haben häufig gute Restaurants besucht und Charlotte legte großen Wert darauf, dass meine Geschwister und ich die geläufigen Tischmanieren beherrschten. Sich von seinem Stuhl zu erheben, wenn jemand herein kommt und einem die Hand geben möchte. Der Mutter eines Freundes einen Blumenstrauß mitbringen, wenn sie Geburtstag hat. Ohne Zweifel ziehe ich heute noch einen großen Nutzen davon, besonders in der Arbeitswelt. Aber das alles erinnert mich an eine bestimmte Szene im Film „Titanic“, in der das Orchester immer weiter spielt, obwohl das Schiff bereits dem Untergang geweiht ist.

Also es ist natürlich nur ein Gleichnis, wir sind ja tatsächlich nicht „untergegangen“, aber als ich mit 13 oder 14 Jahren unsere Lebenssituation schon um einiges besser begreifen konnte als eben noch mit 9 oder 10, fiel mir schon auf, dass meine Mutter offenbar andere Prioritäten setzte als die meisten Mütter meiner Klassenkameraden.

Sie wollte niemals nur als Hausfrau und Mutter wahrgenommen werden, diese Bezeichnung hätte auch nicht zu ihr gepasst. Charlotte hat sich dann, nachdem sie unseren Vater verlassen hatte, stets als alleinerziehende Einzelkämpferin mit drei Kindern gesehen. Es war ihr auch egal, in welchem Zustand sich unsere Wohnung befand, und ich mich deshalb oft nicht traute, Freunde einzuladen. Meine Mutter besuchte lieber mit uns irgendwelche Kunstausstellungen in Luxemburg, anstatt in dieser Zeit die Wohnung zu putzen. Es lag ihr mehr am Herzen, dass ich mein musikalisches Talent nicht brach liegen ließ und suchte fortwährend nach einem Klavierlehrer für mich, der mir meine Flausen austrieb. Aber dieser ganze gut gemeinte Eifer ging häufig an unseren tatsächlichen Bedürfnissen vorbei.

Kinder sind genau genommen sehr bescheidene Wesen, die nur sehr wenige Dinge benötigen, um glücklich zu sein: Ruhe, Beständigkeit, Aufmerksamkeit, Spaß und ein kleines bisschen Geld. Ich kann nicht behaupten, dass diese Faktoren in unserer Kindheit überhaupt nicht zur Geltung kamen, aber sie waren irgendwie nicht gleichmäßig verteilt, immer fehlte irgendetwas.

Unsere Mutter hatte auch immer Schwierigkeiten damit, auf „normale“, oder wie sie es formuliert hat, spießige Altersgenossen zu zugehen und sich auf sie einzulassen. Sie traf sich nicht mit den Müttern meiner Freunde auf einen Kaffee, sie konnte nichts mit ihnen anfangen.

In der ersten Zeit in Trier, kurz nach der Trennung von Martin, lernten wir auf einem Weinfest einen sehr sympathischen Winzer kennen, der offenbar Gefallen an Charlotte gefunden hatte. Wir Kinder waren ganz vernarrt in ihn und seinen lustigen Hund, auch meine Mutter fand ihn auf eine besondere Art sehr anziehend. Immer wieder, wenn er uns kurz verließ, redeten wir wie besessen auf Charlotte ein, sie solle sich doch unbedingt mal mit ihm treffen und betonten gebetsmühlenartig wie begeistert wir von ihm waren.

Aber leider blieb es bei diesem einmaligen Treffen, ich bin fest davon überzeugt, dass der nette Winzer einfach zu bodenständig für unsere Mutter war. Wovor hatte sie Angst?

Eine Insel der Ruhe und Verlässlichkeit fanden Frederick, Stefanie und ich, wenn wir zu Charlottes Eltern gefahren sind. Oma Anna und Opa Ludwig lebten in einem kleinen nordhessischen Dorf, ein gepflegtes Haus am Waldrand, ein großer Garten. Es war wie ein Paradies, Sommer wie Winter.

Wenn wir nach einer langen Autofahrt dort ankamen, war bereits der Tisch gedeckt, und es gab Toastbrot mit Leberwurst oder Püree mit brauner Soße und grünen Wackelpudding hintendran. Es war alles immer so schön aufgeräumt, alles hatte seinen Platz und mein Opa erzählte meistens die gleichen Geschichten. Es war vielleicht nicht furchtbar spektakulär, was unsere Großeltern uns zu bieten hatten, aber es vermittelte so etwas wie Geborgenheit. Die Welt und die Zeit schienen an diesem Ort stehen geblieben zu sein, alles war und blieb gleich. Dieser Zwang, immer alles verändern zu müssen und der unsere Familie verfolgte wie ein Fluch, musste dort den Ritualen und Strukturen weichen, die unsere Großeltern über all die Jahrzehnte hinweg bewahrt hatten, wie das in Plastikfolie gepackte Brautkleid meiner Oma.

Wenn wir im Winter stundenlang mit dem Schlitten unterwegs gewesen waren und frierend wieder zurückkehrten, zog uns Oma Anna schleunigst die nassen Sachen aus und hing sie im Heizkeller auf zum Trocknen. Und anschließend bereitete sie uns ein herzhaftes Abendessen zu, mit einem heißen Kakao!

Es war vielleicht nicht das selbstgebackene Vollkorn-Sauerteig- Brot unserer Mutter und auch nicht ihr Rinderfilet mit Risotto, aber ein Toastbrot mit Leberwurst kann ein Kind genau so glücklich machen.

4.

Unter materiellen Gesichtspunkten (und eben auch kulinarischen) betrachtet, waren wir Kinder eigentlich immer gut versorgt, darüber konnten wir uns wahrlich nie beklagen. Dieses Problem teilten wir nicht mit den Kindern aus anderen schwierigen Familien. Betrachte ich die Jahre meiner Kindheit, dann fehlte es uns im Grunde genommen an nichts, auch als mein Vater die Praxis schließen musste. Meine Mutter war viel zu stolz, um ihre Kinder mit billiger No-Name-Ware einzukleiden. Sie brauchte zwar nach der Trennung von unserem Vater einige Zeit, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, aber so lange fuhr sie lieber in einem alten, verrosteten Benz als auf den lieb gewonnenen Lebensstandard zu verzichten. Bei uns gab es nie irgendein Fertigessen, sondern eher die Leckereien aus der Feinkostabteilung einer bekannten Kaufhaus- Kette.

Das war so, als mein Vater noch als Arzt ein fünfstelliges Monatsgehalt verdient hatte, und daran änderte sich auch nicht viel, als Charlotte ein neues Leben allein mit drei Kindern beginnen musste.

Natürlich konnten auch wir Kinder den Unterschied zwischen einem luxuriös ausgestatteten Einfamilienhaus und einer 08/15-Wohnung nicht übersehen.

Der Swimming-Pool gehörte nun der Vergangenheit an, anstatt eines großen Gartens gab es nun eine wilde Wiese hinter dem Haus und wir hatten auch kein separates Spielzimmer mehr, in dem wir die Wände bemalen durften.

Aber ich glaube, dass unsere Mutter sich alle Mühe gegeben hat, uns, auch nachdem wir das kleine Eifeldorf hinter uns lassen mussten, ein gutes Leben zu ermöglichen. Wir konnten nach wie vor jedes Jahr in Urlaub fahren und viele unserer Wünsche konnte sie uns auch ohne gut verdienden Mann an ihrer Seite erfüllen.

Die kulturelle Förderung ihres Nachwuchses lag unseren Eltern immer sehr am Herzen, ein Vorsatz, dessen Umsetzung natürlich immer wieder von den jeweils gegebenen Umständen abhing. Waren ihre Konflikte untereinander oft nicht zu ertragen für uns, jeder für sich nahm sich auf seine Weise unser an. Natürlich gelang es meinem Vater im Laufe der Zeit immer weniger, Einfluss auf meine Geschwister auszuüben, sie wollten einfach nichts mehr mit ihm zu tun haben. Aber sein getriebener Geist war auch ihn ihnen tief verwurzelt.

Unsere Talente wurden bereits früh entdeckt und gefördert. Ich erhielt bereits im Alter von fünf Jahren Klavierunterricht bei einem Dirigenten, der hauptberuflich die Big Band eines bekannten Fernsehsenders leitete.

Mein Bruder Frederick zeigte früh, dass ein beachtliches naturwissenschaftliches Talent in ihm schlummerte, deshalb bekam er regelmäßig Experimentier-Baukästen jeglicher Art geschenkt. Ebenso ein Schachbrett und viele Bücher, für die er eigentlich noch viel zu jung war.

Meine kleine Schwester verfügte bereits im Alter von vier Jahren über ein gut entwickeltes malerisches Auge und sollte einige Jahre später mit dem Gewinn eines bundesweit stattfindenden Malwettbewerbs unter Beweis stellen, dass eine talentierte Künstlerin in ihr steckte.

Meistens war unsere Mutter diejenige, die die Talentförderung ihrer Kinder in die Hand nahm. Stets getrieben davon, dass ihre eigenen Eltern ihr den Besuch eines Gymnasiums untersagt hatten, um dort Abitur machen zu können, legte sie nun bei ihren eigenen Kindern einen Eifer an den Tag, der kaum zu bändigen war.

Ich glaube, dass meine Mutter all das gut gemeint hat, aber meine Geschwister und ich hatten damals wirklich andere Sorgen, als uns für die stetige Entwicklung unserer Talente verantwortlich fühlen zu müssen.

Ein wenig mehr Ruhe und Frieden, danach haben wir uns gesehnt.

Aber Ruhe und Frieden hatten sich immer mehr aus unserem Haus verabschiedet.

Die Verzweiflung meiner Mutter über das immer größer werdende Alkoholproblem meines Vaters wurde von Tag zu Tag spürbarer, auch für uns Kinder.

Wenn ich heute mit meiner Mutter über diesen, lange zurück liegenden Lebensabschnitt rede, dann erzählt sie meistens, wie furchtbar es für sie gewesen ist, dass all die Träume, die sie mit unserem Vater realisieren wollte, nach nur wenigen Jahren wie eine Seifenblase zerplatzt sind.

Als sie ihn Ende der 1960-er Jahre in einem Krankenhaus kennengelernt hat, in dem sie als Krankenschwester beschäftigt war, hatte sie sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Ein attraktiver, charismatischer Oberarzt, der so ganz anders war als die langweiligen und angepassten Männer aus ihrem Dorf. Als sie Martin zum ersten Mal sah, wusste sie gleich, dass sie mit diesem Mann Kinder bekommen wollte. Schließlich heirateten sie und es ergab sich zufällig die Gelegenheit, in diesem kleinen Eifeldorf eine Praxis eröffnen zu können. Die Menschen dort hatten großen Bedarf nach einem Hausarzt und ein geeigneter Bauplatz war auch schnell gefunden.

Die Geschichte meiner Eltern hatte wie ein schöner Traum begonnen, aber aus dem Traum wurde ein furchtbarer Albtraum. Natürlich wurde meiner Mutter schnell klar, dass Martin ein schwerwiegendes Drogenproblem hatte, aber vielleicht glaubte sie ja an die Kraft der Liebe, wie man so schön sagt.

Einige Jahre später wurde sie leider eines Besseren belehrt.

Martin, meinem Vater gelang es immer seltener, morgens rechtzeitig aus dem Bett zu kommen, man musste ihn manchmal mit Gewalt aus dem Bett ziehen.

Das Wartezimmer war meistens bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn er mit großer Verspätung in die Praxis trottete, welche direkt an unser Wohnhaus angebaut worden war.

Langsam und nicht für alle direkt wahrzunehmen, aber mit all der Gnadenlosigkeit, die das Schicksal offenbar für ihn vorgesehen hatte für den zweiten Abschnitt seines Lebens, ging es bergab mit meinem Vater.

Viele Patienten verloren die Geduld mit ihm, weil ihr Hausarzt, den sie eigentlich so verehrten, zusehends einen verwirrten und überforderten Eindruck bei ihnen hinterließ.

Unaufhörlich verringerte sich die Zahl der Patienten, das Wartezimmer füllte sich nur noch selten bis zum letzten Platz.

Wer wollte schon von einem Arzt behandelt werden, der morgens schon betrunken war und dessen aufgequollene Hände übersät waren von winzigen Blutergüssen, die dem regelmäßigen Spritzen von Opiaten geschuldet war.

Auch wenn die Welt für meine Geschwister und mich unterzugehen schien, unsere Eltern waren immer bemüht, uns irgendwie aus diesem Katastrophenszenario heraus zu manövrieren. Besonders Charlotte mobilisierte ihre letzten Kräfte, um ihren Frust und den Stress von ihren Kindern fern zu halten. Mit viel Liebe und ihrer zärtlichen Art gelang es ihr, uns das Gefühl zu vermitteln, nicht alleine zu sein und wenigstens noch eine verlässliche Bezugsperson zu haben. Auch unser Vater Martin, der noch wenige Jahre zuvor so ein angesehener Arzt gewesen war, und nun vor den Trümmern seiner Karriere stand, versuchte mit aller Kraft, für seine Kinder da zu sein. Aber dazu war er schon seit langer Zeit nicht mehr in der Lage.

Sie waren so sehr mit sich selbst, dem Ende ihrer Liebe und der sich anbahnenden Insolvenz der Praxis beschäftigt, dass sie kaum noch wahrnehmen konnten, wie sehr ihre Kinder unter all dem zu leiden hatten.

5.

Mein erstgeborener Sohn ist jetzt so alt wie ich damals, als die große Krise über uns herein fiel, wie ein Tiger, der sich schleichend seiner Beute annähert.

Ich wünsche mir, dass unsere Kinder in einer friedlichen und ruhigen Umgebung aufwachsen können, dass sie sich auf ihre Eltern und alle anderen Freunde und Verwandte verlassen können. Nur der kindliche Augenblick soll für sie von Bedeutung sein, das Dasein im Hier und Jetzt.

Aber was wäre ich für ein Mensch geworden, wenn all das nicht passiert wäre, wenn meine Geschwister und ich nicht in diesem aufgeregten Umfeld aufgewachsen wären? Wenn ich in einer Familie groß geworden wäre, die zwar keinen Swimming-Pool im Keller gehabt hätten, die aber ihrem Nachwuchs Verlässlichkeit und Sicherheit hätten bieten könnten?

Wenn meine Frau und ich unsere Kinder dabei beobachten, wie sie im Garten spielen und gedankenverloren im Sandkasten buddeln, dann freuen wir uns einfach über dieses Bild vor unseren Augen und hoffen, dass dieser Zustand so lange wie möglich bestehen bleibt.

6.

Irgendwann war es dann soweit. Ich muss sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein.

Meine Mutter hatte endgültig die Reißleine gezogen und beschlossen, gemeinsam mit ihren drei Kindern einen Neuanfang zu wagen. Weit weg von ihrem Mann und raus aus diesem kleinen Dorf in der Eifel, in dem alles so vielversprechend begonnen hatte, aber diese Geschichte war nun zu Ende erzählt, davon war meine Mutter überzeugt.

Die Koffer waren gepackt, unsere Möbel waren in diversen Kleintransportern verstaut und den größten Teil unserer Spielsachen hatten wir auch dabei.

Das Gehirn eines Kindes hat die seltsame Eigenschaft, Situationen aus der Kindheit nach einem scheinbar nicht nachvollziehbaren Algorithmus zu speichern, ein Erinnern nach Gutdünken sozusagen. Warum nur kann ich mich daran erinnern, wie ich als 5-Jähriger auf der Insel Norderney weggelaufen bin und meine Eltern mich fünf Stunden lang suchen mussten? Aber warum kann ich mich nicht daran erinnern, wie wir damals nach Trier gezogen sind?

War es ein großer LKW? Wer hat all die Möbel getragen? Haben wir uns an diesem Tag auch von unserem Vater verabschiedet? Hat er vielleicht geweint?

Es ist alles weg, ich weiß es einfach nicht mehr. Ich kann mich aber noch gut an meinen ersten Tag an der neuen Schule erinnern, ich kam dort nach Ende der Sommerferien in die zweite Klasse. Wir hatten eine große Altbauwohnung mitten in der Trierer Innenstadt bezogen, nur wenige Hundert Meter von meiner Schule entfernt.

Es dauerte nicht lang, bis ich mit einigen Mitschülern befreundet war. Da war zum Beispiel Til, ein Junge aus der gehobenen Mittelschicht, der mit seinen Eltern in einer kleinen Villa direkt am Stadtpark lebte und Mohamed, der sich mit seiner türkischen Großfamilie eine kleine Wohnung teilte, die direkt gegenüber von unserer neuen Bleibe lag.

Mohamed und ich mussten irgendwie einen Pakt geschlossen haben, ohne dass wir darüber je gesprochen hätten. Er war ein kleiner, kräftiger Junge, der einige Kampfkunsttechniken beherrschte und ich war damals ein schmächtiger Kerl, der dafür aber mit einem losen Mundwerk gesegnet war.

Unser Pakt bestand darin, dass ich Mohamed mit Hilfe meines ausgeprägten Wortschatzes verteidigte, wenn ihn ein anderer Schüler als „Kümmeltürke“ beschimpfte. Im Gegenzug stellte sich Mohamed dann mit seinen breiten Schultern schützend vor mich, wenn mir jemand zu nahe kommen sollte.

Til hingegen war ein sensibler und sehr intelligenter Junge, sein Auftreten war von Selbstvertrauen und einer gewissen Arroganz geprägt. Wenn ich ihn bei sich zu Hause besuchte, fühlte ich mich auf Anhieb wohl, alles erinnerte mich ein wenig an unser großes Haus in der Eifel, in dem mein Vater nun alleine lebte.

Nach kurzer Zeit zogen wir wieder um, in eine etwas kinderfreundlichere Umgebung, in einem Vorort von Trier.

Die neue Wohnung war eigentlich etwas zu klein für uns, aber die verkehrsberuhigte Lage, und die Felder und Wiesen hinter dem Haus glichen diesen Nachteil wieder aus.

In fast jedem Haus unserer Straße wohnten Familien mit Kindern, wir fanden schnell neue Freunde, in den Wintermonaten waren so viele Kinder auf der Straße unterwegs, dass wir gigantische Schneeballschachten veranstalten konnten. Wir fuhren mit mehreren Schlitten die steilen Straßen hinunter und bauten zahlreiche Schneemänner.

In dieser Zeit verliebte ich zum ersten Mal unsterblich. Sie hieß Anne, Tochter einer Französin und eines Deutschen und war ein Jahr jünger als ich. Ich war mit ihrem großen Bruder befreundet, was die ganze Sache etwas verkompliziert hatte. Schließlich fand er es ziemlich bescheuert, dass ich mich ausgerechnet in seine kleine Schwester verlieben musste.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie oft ich mit meiner Nasenspitze am Fenster meines Zimmers geklebt habe, um ja nicht zu verpassen, wenn sie aus dem Haus kam, um mit ihren Puppen im Vorgarten zu spielen.

Einmal hat sie mich sogar geküsst als wir in ihrem Zimmer waren, einfach so, direkt auf den Mund. Diesen Tag werde ich wohl niemals vergessen. Kurze Zeit später trennten sich auch ihre Eltern und sie zog mit ihrer Mutter wieder nach Frankreich.

Seitdem hab ich sie nie wieder gesehen.

7.

Nachdem meine Mutter unseren Vater verlassen hatte, legte sie großen Wert darauf, dass wir ihn so oft wie möglich an den Wochenenden besuchen sollten. Meistens brachte sie uns freitags dorthin und am Sonntagabend holte sie uns wieder ab. Die Unterhaltung zwischen unseren Eltern beschränkte sich meist auf das Nötigste, wahrscheinlich konnte sie seine Anwesenheit kaum noch ertragen und mein Vater hasste sie dafür, dass sie ihm seine Kinder weggenommen hatte.

Nach und nach zeigte sich aber, dass weder meine Schwester und schon gar nicht mein Bruder noch länger Lust dazu hatten, ihren abgewrackten Erzeuger regelmäßig zu besuchen.

Frederick, gerade mal ein Jahr älter als ich, hatte im Grunde überhaupt kein Verhältnis zu ihm, er konnte nichts anfangen mit diesem dauerhaft berauschten Choleriker, der so laut und extrovertiert sein konnte. Meine Schwester war ihm gegenüber nicht ganz so gnadenlos, dafür mochte sie ihn zu sehr. Aber auch sie kam irgendwann an ihre Grenzen, auch ihr wurde einfach alles zu viel.

Es gelang Martin aber noch, sie zu einer gemeinsamen Fahrt mit dem Schlafwagen nach Paris zu überreden. Es bedurfte aber auch nicht viel seiner Überredungskunst, um mich für dieses Abenteuer zu begeistern. Wir hatten unser enges Vater-Sohn-Verhältnis bis dahin aufrechterhalten können, und Züge waren ohnehin meine große Leidenschaft.

Nach der Paris-Reise war ich das einzige Kind, das von da an überhaupt noch Kontakt zu seinem Vater haben wollte.

Ich kann mich nicht mehr an jede Einzelheit dieser Reise erinnern, aber meine Schwester muss das alles ziemlich verstört haben.

Er war wie so oft aufbrausend, extrovertiert, betrunken und irgendwie immer ein wenig verrückt. Vielleicht hatte sie sich auch einfach nur erdrückt gefühlt von seinem einnehmenden Wesen.

Die letzte Gelegenheit für meinen Vater, eine Reise mit einem seiner Kinder zu unternehmen, sollte sich ungefähr ein Jahr später ergeben. Da meine Geschwister nicht mehr das geringste Bedürfnis danach verspürten, Zeit mit unserem Erzeuger zu verbringen, blieb nur noch ich übrig, um Martin auf seiner Reise nach Nord-Spanien zu begleiten. Wir hatten immer noch ein gutes Verhältnis und noch regelmäßigen Kontakt.

8.

Ich war 10 oder 11 Jahre alt, als mir mein Vater voller Begeisterung den Vorschlag unterbreitete, gemeinsam mit ihm nach Spanien zu fahren. Mit dem Auto, nach Katalonien, nur wir zwei, auf irgendeinen Campingplatz direkt am Meer.

Meine Mutter war natürlich von dieser Idee überhaupt nicht begeistert, schließlich befand sich ihr Ex-Mann inzwischen in einem desolaten Allgemeinzustand. Als Arzt praktizierte er längst nicht mehr, allein schon aus dem Grund, weil seine Patienten sich vor einer Fehlbehandlung fürchteten und sowieso schon ein wenig Angst vor diesem schnell aufbrausenden Alkoholiker hatten.

Unser schönes, großes Domizil gehörte längst wieder unserer Hausbank, mein Vater hauste wie ein verlorener Waldschrat, der einen Schatz behüten musste, in dem über 250m2 großen Gebäude. Seine Eltern hatten auch bereits das sinkende Schiff verlassen und hatten ein kleines Haus im Nachbardorf gemietet.

Also im Grunde genommen würde keine Mutter es zulassen, dass ihr Kind unter solchen Voraussetzungen eine Reise mit dem Vater unternimmt. Ich glaube, meine Mutter hatte große Gewissenskonflikte, weil sie das Gefühl hatte, Martin im Stich gelassen zu haben, und dass sie ihm seine Kinder „weggenommen“ hatte.

Sie wollte auf jeden Fall verhindern, dass der Kontakt zwischen ihm und seinen Kindern endgültig abreißen könnte. Ich war ohnehin das einzige Kind, das sich überhaupt noch traute, ab und zu noch zu ihm in die Eifel zu fahren. Meine Geschwister hatten ihn längst abgeschrieben.

So kam es also, dass ich eines Tages gemeinsam mit meiner Mutter das Jugendamt der Stadt Trier besuchte, offenbar hatte sie dort einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbart.

Eine freundliche Mitarbeiterin bat uns, in ihr Zimmer einzutreten. Sie gab uns beiden die Hand und zeigte auf die beiden Stühle, die vor ihrem Schreibtisch standen:

„Hallo! Ich heiße Sophie Bertram. Nehmen Sie doch bitte Platz!“

Nachdem auch sie sich hingesetzt hatte, lächelte sie mich an, ihr Blick wirkte auf den ersten Blick gutmütig und vertrauenswürdig, so wie der Zahnarzt, der einem beruhigend über die Wange streichelt, aber dann doch eine riesige Betäubungsspritze hinter seinem Rücken bereit hält. Routiniert fuhr sie fort:

„Christian, also du weißt ja, warum du gemeinsam mit deiner Mama hierhergekommen bist?“, fragte sie mich und hatte immer noch diesen beseelten Gesichtsausdruck.

„Glaub schon. Sie will nicht, dass ich mit meinem Papa nach Spanien fahre.“

Meine Mutter nahm daraufhin meine Hand und streichelte sie sanft. Dann sagte sie zu mir: „Ach Christian, es geht gar nicht darum, was ich will. Ich habe doch gar nichts dagegen, wenn du was mit deinem Papa machst.“

„Ok, aber ich weiß gar nicht, was ihr von mir wollt.“

Bevor meine Mutter darauf eine Antwort geben konnte, kam ihr die Mitarbeiterin des Jugendamtes zuvor: „Ich sehe das genau wie deine Mutter. Sie will dir ja gar nichts verbieten, ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie sich viele Sorgen macht, wenn ihr zwei nach Spanien fahren solltet, “ sagte sie und setzte dabei ein sehr betroffenes Gesicht auf. Jetzt befreite sie meine Hand aus ihrer sanften Umklammerung um mir sanft über die Haare zu streicheln. Mit ruhiger Stimme sagte sie zu mir: „Christian, bitte, ich will dir doch gar nichts Böses. Aber..., “ trotzig unterbrach ich sie: „Aber?“

„Aber du weißt genau, dass es deinem Papa in letzter Zeit sehr schlecht geht. Er trinkt immer mehr, und er wird immer so schnell wütend. Wenn du mit ihm mit dem Auto unterwegs bist, dann hab ich keine ruhige Minute. Ich habe dann solche Angst!“

Heute weiß ich, dass meine Mutter sich damals wirklich große Sorgen um mich gemacht hat, immer dann, wenn ich bei meinem Vater unterwegs gewesen bin. Aber sie wusste, welche Bedeutung Martin für mich hatte und dass es meinen Vater noch mehr aus der Bahn geworfen hätte, wenn nun auch noch der Kontakt zu mir beendet worden wäre.

Aber die beiden Frauen, die da mit mir in dem kleinen Büro des Jugendamtes saßen, hatten offenbar nicht verstanden, dass ich mich unter keinen Umständen davon abbringen lassen würde, gemeinsam mit meinem Vater diese Reise anzutreten.

Mit verschränkten Armen und voller Entschlossenheit fixierte ich die beiden mit meinen Augen und sagte: „Ich weiß, dass es Papa nicht gut geht. Aber wenn ich nicht mit ihm fahre, geht’s ihm noch schlechter. Ich will nicht, dass mein Papa immer alleine ist!“

Meine Mutter schüttelte resigniert den Kopf und suchte den Blickkontakt zu Frau Bertram.

Aber auch sie schien mit ihrem Latein am Ende zu sein: „Christian, du bist noch ein Kind, und Kinder verstehen vielleicht noch nicht immer alles. Aber ich weiß, dass du ein schlauer Junge bist. Stell dir doch einfach mal vor, dein Vater fahrt tatsächlich mit dir nach Spanien und er ist betrunken. Dann passiert ganz schnell ein Unfall. Überleg doch mal, Christian! Dann kann dir und deinem Papa was ganz Schlimmes passieren!Und dann ist deine Mutter traurig, und dein Bruder und deine Schwester auch!“

Ich hatte all das durchaus verstanden, auch wenn ich erst 10 oder 11 war. Aber mit jedem einzelnen Wort, mit dem die beiden versuchten, mich von meinem Vorhaben abzubringen, wuchs der Trotz in mir immer mehr an. Natürlich wollte ich meiner Mutter kein Leid zufügen, aber da war ja eben auch noch mein Vater, der nur noch mich hatte.

Ich setzte mich so aufrecht wie möglich hin, und versuchte mit meiner Gestik und Mimik meine Entschlossenheit zu unterstreichen: „Hab ich alles verstanden, ich will trotzdem mit meinem Vater fahren, hab ich ihm versprochen!“

Ich konnte es genau hören, dieses leise, genervte Stöhnen, dass Frau Bertram von sich gab. Aber sie blieb weiterhin freundlich und gab sich sichtlich alle Mühe, souverän zu bleiben. Sie nickte kurz meiner Mutter zu und sagte: „Gut, Christian, ich glaube, wir werden dich davon nicht abhalten können, auch wenn es keine gute Idee ist. Ich denke, es ist das Beste, wenn wir jetzt unser Gespräch beenden.“

Ich wollte schon aufstehen, da fuhr sie fort: „Aber versprich mir, dass du nochmal über alles nachdenkst!“

Sie hielt mir ihre Hand entgegen, worauf hin ich ihr entgegnete: „Mach ich Frau Bertram, mach ich wirklich.“

Dann wandte sie sich Charlotte zu: „Es wäre ganz gut, wenn Christian noch ein paar Minuten auf dem Flur warten würde, wir beide müssen uns noch mal kurz unterhalten.“

Meine Mutter sah mir tief in die Augen: „Du hast gehört, was Frau Bertram gesagt hat? Bitte geh schon mal raus, und warte dort auf mich!“

Ich ging mit schnellen Schritten Richtung Flur und schloss die Bürotür hinter mir.

Ich habe überhaupt keine Vorstellung davon, über was die beiden Frauen sich unterhalten haben. Aber es ist im Nachhinein auch von keinerlei Bedeutung, denn niemand hätte mich damals von meinem Vorhaben abhalten können. Ich hatte es meinem Vater schließlich versprochen. Die Reise nach Spanien konnte beginnen!

9.

Mein Vater und ich in Spanien

Irgendwann stand Papas bordeauxroter Audi vor unserem Haus, es war an einem heißen Sommertag in den Ferien. Meine Mutter hatte in dieser Nacht kaum geschlafen, ich glaube, dass die Sorge um ihr Kind sie wach gehalten hat.

Mein Vater klingelte an der Tür und ich lief mit meinem Rucksack die Treppe herunter. An der Straße angekommen, umarmte er mich und warf mich vor Freude einige Male in die Luft. Mit seiner tiefen, brummigen Stimme rief er dabei immer wieder: „Ich freu mich so! Ich freu mich so!“ Er ließ mich schließlich wieder zu Boden, weil er meine Mutter entdeckt hatte, die mit finsterer Miene und meinem Koffer in der Hand aus der Haustür gekommen war. Von diesem Moment an war jede Euphorie verflogen, Nüchternheit und Tristesse drückten wie ein Sack Zement auf meinen kleinen Kopf. Meine Eltern grüßten sich kurz und sie übergab ihm wortlos meinen Koffer. „Kannst dich schon mal ins Auto setzen. Ich muss Christian noch mal unter vier Augen sprechen.“ Ohne zu widersprechen setzte er sich in sein Auto, während Charlotte sich vor mich kniete und mir tief in die Augen schaute: „Christian, bitte pass auf dich auf, bitte! Ich weiß, dass du dich ganz doll freust, aber ich werde keine ruhige Minute haben, bist du wieder zurück kommst.“ Ich streichelte ihr sanft über ihre Wange und sagte: „Mama, mir passiert schon nix, wirklich!“

„Ja, ich würde mich freuen, wenn das so ist. Aber du weißt, wie dein Papa manchmal sein kann. Ich habe dir hier auf den Zettel unsere Adresse und die Telefonnummer aufgeschrieben.“ Sie drückte mir einen in Folie eingeschweißten Zettel in die Hand und gab mir einen innigen Kuss auf die Stirn. Dann umarmte sie mich so fest, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Ich spürte, wie das Wasser einer winzigen Träne an meiner Wange hängenblieb, als sich unsere Gesichter berührten. Ich flüsterte direkt in ihr Ohr: „Mama, mach dir keine Sorgen, ich glaube, es gibt da einen, der immer auf mich aufpasst.“

Ihre Stimme klang nun zerbrechlich, als auch sie mir etwas ins Ohr flüsterte: „Ich weiß, aber du musst auch ein bisschen auf deinen Vater aufpassen. Du bist der Einzige, auf den er überhaupt noch hört!“

Ich löste mich aus ihrer Umarmung und ging zum Auto. Nachdem ich Platz genommen hatte, kurbelte ich die Scheibe herunter und rief ihr zu: „Ich hab dich lieb, Mami!“ In diesem Augenblick fuhr das Auto los und ich steckte meinen Kopf aus dem Fenster um ihr winken zu können. Ich konnte gerade eben noch hören, wie sie mir: „Ich dich auch, mein Schatz!“ hinterher rief.

Kurze Zeit später befanden wir uns auf der Autobahn Richtung Frankreich, mein Vater wuschelte mir vor lauter Begeisterung ständig durch die Haare, oder schlug mir auf meine dünnen Oberschenkel. Dabei sagte er Sachen wie: „Mensch Christian! Du und ich, ab nach Spanien!“ oder „Spanien ist toll, wirst schon sehen, glaub mir!“ Dann er drehte er das Radio noch lauter auf, es war meistens irgendeine spanische Folklore, die mir in Diskolautstärke um die Ohren flog. Meist ließ ich ihn dann für einen kurzen Moment die Euphorie des Augenblicks genießen, dann drehte ich das Radio wieder leiser. Dabei blieb ich häufig an den Lakritzresten hängen, die an mehreren Stellen des Armaturenbretts ihr Dasein fristeten.

Martin schaute mich dann zwar enttäuscht an, aber er ließ sich das alles wortlos gefallen. Ich genoss Narrenfreiheit bei meinem Vater, aus lauter Dankbarkeit erlaubte er mir beinahe alles. Ich hätte jederzeit sagen können, dass ich auf der Stelle wieder nach Hause will, ich wäre immer noch sein Ein und Alles geblieben.

Die grauen Rauchschwaden, die mein Chauffeur mit Hilfe einer ganzen Armee französischer Zigaretten produzierte, schwebten planlos durch den Innenraum unseres Autos. Fasziniert beobachtete ich sie dabei, wie sie, kaum geboren, uns auch wieder verließen. Hinaus durch die geöffneten Fenster, mit derselben Geschwindigkeit, mit der der Audi über die Autobahn raste.

„Papa, rauch nicht so viel, mir wird schlecht!“ Diesen Satz sagte ich oft während unserer Fahrt. Aber Martin war so abhängig von seinen Zigaretten, dass es ihm nicht möglich war, diese Sucht zu bändigen, nur weil ich ihn darum bat. Er war ein durch und durch süchtiger Mensch. Seine tiefe Dankbarkeit, die er mir gegenüber empfand, fand dann seine Grenzen, wenn die Abhängigkeit seinen schwachen Geist im Würgegriff hielt.

Mein Vater hatte auch nie mit dem Trinken aufgehört, nur um mir einen Gefallen zu tun, und er hatte auch nie damit aufgehört, sich selbst opioide Schmerzmittel zu spritzen, nur weil ich es mir gewünscht hätte.

Die französisch-spanische Grenze war nur noch wenige Kilometer entfernt, als sich vor unseren Augen die Ausläufer der Pyrenäen aufbauten. Ein gigantischer Anblick, der strahlend blaue Himmel und die zentral stehende Mittagssonne ließen sie noch majestätischer erscheinen, als sie ohnehin schon waren.

Aus den Lautsprecherboxen des Autoradios lief „Josephine“ von Chris Rea, eines von Martins Lieblingsliedern. Ein wunderbares Lied, mit dem der englische Sänger die Liebe zu seiner gleichnamigen Tochter zu einem musikalischen Denkmal gemacht hat. Mein Vater hat mir damals sehr oft erklärt, warum Chris Rea diesen Song geschrieben hat, aber ich habe diese Anspielung erst viele Jahre später verstanden.

Irgendwann während der Fahrt musste ich eingeschlafen sein, denn ich wurde erst wieder wach, als Martin den Wagen im Schritttempo über den holprigen Boden des Campingplatzes lenkte.

Wir waren endlich angekommen, in irgendeinem Ort wenige Kilometer entfernt von Barcelona. Es war ein eher kleiner Campingplatz, direkt am Meer gelegen, in der Mitte der Anlage befand sich ein Haus, in dem die Rezeption und eine rustikale Kneipe zu finden war.

Mein Vater hatte in Bezug auf den Komfort unserer Schlafgelegenheit keine hohen Ansprüche. Kurz nach unserer Ankunft hatte er unser kleines Zelt aufgestellt, zwei Luftmatratzen aufgeblasen und die Schlafsäcke im Zelt untergebracht.

Anschließend gingen wir die wenigen Meter bis zum Strand und erfreuten uns an dem Anblick des blau-grün glitzernden Meeres. Kurz darauf sagte mein Vater: „Ist das nicht schön hier? Sag mal!“ Ich drehte mich zu ihm um und sah in seine kleinen, müden Augen: „Ja Papa, war eine gute Idee von dir. Hab jetzt Lust, schwimmen zu gehen!“ Er lächelte mich an und die Antwort, die er mir gab, war auf eine sehr traurige Art vorhersehbar gewesen: „Mach das, hol dir deine Badehose und geh schwimmen. Ich muss jetzt erst mal was trinken. Das war eine anstrengende Fahrt!“

Wir gingen wieder hinauf zum Campingplatz. Ich suchte im Auto nach meiner Badehose und der Taucherbrille, Martin steuerte zielstrebig auf die Kneipe des Campingplatzes zu. Ich glaube, dass ich damals das Verhalten meines Vaters häufig ignoriert habe, um es überhaupt für einen längeren Zeitraum in seiner Gegenwart aushalten zu können. Ich weiß nicht, ob er in der ganzen Zeit, die wir zusammen verbracht haben, mir zuliebe den Alkoholkonsum reduziert hat, wahrscheinlich nicht. Ich kann mich wirklich kaum daran erinnern, meinen Vater jemals vollkommen nüchtern erlebt zu haben.

Ich hatte auch damals in Spanien nicht damit gerechnet, dass sich daran etwas ändern könnte. Wenn wir nicht irgendwelche Ausflüge in die Umgebung gemacht haben, hat er die meiste Zeit am Tresen der Campingplatz-Kneipe verbracht.

Aber ich konnte einigermaßen damit leben, ich hatte auch ohne ihn viel Spaß. Auf der Anlage gab es sehr viele Kinder in meinem Alter, wir spielten Fangen, tobten im Meer herum und bauten Burgen aus Sand. Ab und zu lief ich voller Begeisterung zu meinem Vater in die Kneipe, um ihn einen Seeigel zu zeigen, den ich aus dem Wasser geholt hatte oder erzählte ihm von meinen neuen Freunden, die ich gefunden hatte. Er drehte sich dann im Tempo einer Schildkröte zu mir herum und tätschelte mir liebevoll auf die Schulter: „Christian! Mensch! Du warst ja lange nicht mehr hier, “ dann nahm er meist nochmal einen kräftigen Schluck Bier zu sich, um schließlich so konzentriert wie möglich fortzufahren: „lange nicht mehr hier. Mensch, du hast ja viel Spaß hier, ne?“ Oft sagte er dann auch: „Du, ich sitz hier gerad so gemütlich, spiel doch noch ein bisschen mit den anderen Kindern! Ich komm gleich mal raus.“ Aber er kam eigentlich nie raus, er saß den ganzen Tag an dieser Theke, und manchmal winkte er mir durch die Fensterscheiben zu, wenn er mich sah.

An einem besonderen Tag war es mir jedoch gelungen, ihn von seinem Stammplatz auf dem Barhocker wegzulocken.

Mein Vater, ein linker Pazifist, der noch als kleiner Junge das Ende des Zweiten Weltkriegs miterlebt hatte, war auf die sonderbare Idee gekommen, mir einige Tage vor unserer Reise nach Spanien eine Signalpistole zu schenken. Eigentlich hatte er sich die kleine schwarze Waffe zu seinem eigenem Schutz besorgt, aber ich bin davon überzeugt, dass er sich selbst nicht immer zugetraut hat, so gewissenhaft auf sein Kind aufpassen zu können, wie man es eigentlich von einem Vater erwarten würde. Vielleicht war er von der Angst getrieben, in einer gefährlichen Situation seinen Sohn nicht verteidigen zu können, wenn sich der Promillegehalt an Alkohol in seinem Blut der 2,0 –Marke näherte.

So kam es, dass ich von da an eine Signalpistole in meinem Gepäck mit mir herum trug. Er hatte mir selbstverständlich auch gezeigt, wie ich damit umgehen sollte. Eigentlich war es nicht sonderlich kompliziert. Das Magazin laden, die kleine Farbkapsel in den Trichter legen und fertig.

An diesem einen besonderen Tag war mir so langweilig gewesen, dass ich die Pistole aus meinem Koffer nahm, sie unter meinem T-Shirt versteckte und zielstrebig zu einer kleinen Brücke ging. Sie trennte den Campingplatz von einem Schilfwald. Unter der Brücke, die nur von wenigen Autos befahren wurde, verlief ein ausgetrocknetes Flussbett. Ich krabbelte auf allen Vieren unter der Brücke hindurch und gelangte so mitten in das hohe Schilf, das mich um mindestens einen Meter überragte. Es schien ein guter Ort zu sein, um mein neues Geschenk zu testen, weit weg vom Campingplatz. Ich nahm die Pistole, lud sie mit Munition und hielt sie mit gestreckten Armen so nach oben, wie mein Vater es mir gezeigt hatte.

Dann drückte ich ab, ein leichter Rückschlag zuckte durch meine Hände. Voller Begeisterung sah ich dem roten Leuchtstreifen hinterher, der in einem atemberaubenden Tempo in den Himmel schoss. Es war nur ein kurzer Augenblick, aber es fühlte sich großartig an!

Neugierig folgten meine Augen der Flugkurve des Geschosses. Nach wenigen Sekunden war der Höhepunkt erreicht, und die immer noch glühende Munition fiel wieder zu Boden. Ich glaube, es muss dieser Augenblick gewesen sein, als mir klar wurde, dass es keine gute Idee war, die neue Pistole genau an dieser Stelle zu testen. Die nun nur noch schwach brennende Kapsel landete wieder auf dem Boden, mitten in dem dichten Schilfwald, der zum größten Teil ausgetrocknet war. Wenige Meter von mir entfernt begannen nun etliche, mannshohe Halme zu brennen.

Ich blieb für einen kurzen Moment wie gebannt stehen und betrachtete voller Entsetzen mein Werk. In meiner linken Brust spürte ich das Stakkato meines Herzens, es schlug so schnell, als ob es sich aus irgendeiner Umklammerung befreien wollte. Ich hatte solche Angst, dass ich rasend schnell wieder zur Brücke lief und mit gebücktem Oberkörper über das Flussbett stolperte, zurück zum Campingplatz.

Eine innere Stimme sagte mir, dass es hilfreich sein könnte, sich so schnell wie möglich wieder zu beruhigen. Diese Gedanken schossen mir durch den Kopf, während ich mit schnellen Schritten zur Kneipe ging, in der ich meinen Vater vermutete. So unauffällig wie möglich betrat ich den verrauchten Raum und entdeckte ihn zum Glück sofort, er unterhielt sich angeregt mit einem anderen Urlauber.

Ich stellte mich direkt neben ihn und zog immer wieder an seinem T-Shirt, um auf mich aufmerksam zu machen, dabei sagte ich immer wieder: „Papa! Papa! Ich muss dir was sagen!“ Offenbar amüsiert von der Unterhaltung mit dem Fremden drehte er sich endlich zu mir um und fragte: „Was ist denn los, um Himmels Willen?“

Ich zog nochmal voller Entschlossenheit an seinem verschwitzten T-Shirt und stammelte mit ängstlicher Stimme: „Los, Papa! Jetzt komm mal kurz mit raus, du musst dir das ansehen!“ Es schien ihn zu nerven, dass er sein kaltes Bier auf der Theke stehen lassen und die Unterhaltung unterbrechen musste, langsam rutschte er von seinem Barhocker herunter und folgte mir nach draußen.