18,99 €
Pädagogische Sicherheit in der Konfi-Arbeit
Soll die Konfi-Zeit nachhaltig sein, braucht sie gute Pädagogik. Wer eine Gruppe von Jugendlichen anleitet, sollte nicht nur über theologische Kompetenz, sondern auch über pädagogische Fähigkeiten und didaktische Möglichkeiten verfügen. Welche Gruppenphasen gibt es, wie plane ich eine Konfi-Einheit, wie wechsele ich meine Methoden sinnvoll ab, wie bringe ich Konfis in vertiefenden Gesprächen zu eigenen Gedanken?
Dieses pädagogische Praxishandbuch bietet allen, die hauptamtlich Konfi-Zeit verantworten, grundlegende Informationen zu didaktischen Grundlagen und Chancen für die Konfi-Arbeit, zur Lebenssituation von Konfis, zur Arbeit im Team, zu Gruppenpädagogik, Kommunikation und Jugend-Spiritualität.
Im praktisch-methodischen Teil werden konkrete Elemente für die Gestaltung von Konfi-Einheiten ausgeführt: Planung und Vorbereitung, Spiele und kreative Methoden, Moderation, Gesprächsführung, Präsentation und Auswertung sowie Tipps zu Gottesdienst und Andachten mit Jugendlichen. Hinweise zu Werbung, Eltern-Kontakten, Organisation sowie rechtliche Grundlagen runden diesen pädagogischen Leitfaden der Konfi-Arbeit ab.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 246
Veröffentlichungsjahr: 2023
Wer mit Konfis arbeitet, merkt: Es läuft anders, als man denkt. Gut, wenn man dann nicht nur über theologische Kompetenz, sondern auch über pädagogische Kenntnisse und didaktische Möglichkeiten verfügt. Was kann ich tun, wenn niemand redet oder alle kichern? Warum ist es sinnvoll, Gruppenphasen zu kennen und zu beachten? Wie wird eine Konfi-Einheit aufgebaut? Wie reflektiere ich tolle Methoden im Gespräch?
Dieses pädagogische Praxis-Handbuch zeigt Grundlagen, die wesentlich zum Verständnis von Gruppenprozessen, Bildungschancen und Glaubenserfahrungen sind. Es hilft zur Wahrnehmung des Gesamtgeschehens, damit man den Konfis wertschätzend begegnet und sinnvolle Erlebnisräume anbietet. Gruppenpädagogik, Kommunikation und erfahrungsorientierte Methodik werden in Theorie und Praxis so aufbereitet, dass die eigene Leitungspraxis weiterentwickelt wird. Darüber hinaus findet man eine Fülle von praktisch-methodischen Anregungen für die Gestaltung von Konfi-Einheiten, für Planung und Vorbereitung, Spiele und kreative Methoden, Moderation, Gesprächsführung, Präsentation und Auswertung sowie Tipps zu Gottesdienst und Andachten mit Jugendlichen.
Das Buch ermuntert auszuprobieren, wie pädagogische Grundlagen und didaktische Möglichkeiten Konfis zu einer wirklichen Auseinandersetzung mit ihren Fragen, Gott und dem Leben verhelfen. So erleben alle eine lebendige, intensive und gewinnbringende Konfi-Zeit.
Irmela Redhead, geboren 1971, Pfarrerin, Beauftragte für Konfi-Arbeit der Nordkirche, Pädagogisch Theologisches Institut der Nordkirche, Hamburg; sie war 17 Jahre Gemeindepastorin in Hamburg mit Schwerpunkt Arbeit mit Kindern, Konfis und Jugendlichen und hat eine Zusatzqualifikation als systemische Coachin.
Astrid Thiele-Petersen, geboren 1963, Theologin, Spiel- und Theaterpädagogin (AGS), Systemische Beraterin (SG), Autorin. 2000–2014 Leiterin des Jugendpfarramtes und Konfi-Beauftragte im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, seit 2015 freiberuflich als Dozentin in der kirchlichen Erwachsenenbildung mit dem Schwerpunkt erfahrungsorientierter Methoden (Bibliodrama, Bibeltheater, Bibliotanz, Kreative Gestaltung).
Irmela Redhead Astrid Thiele-Petersen
KONFI-ZEIT
PRAKTISCH
Das pädagogische Praxishandbuch für die Konfi-Arbeit
Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.
Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.
Wir haben uns bemüht, alle Rechteinhaber an den aufgeführten Zitaten ausfindig zu machen, verlagsüblich zu nennen und zu honorieren. Sollte uns dies im Einzelfall nicht gelungen sein, bitten wir um Nachricht durch den Rechteinhaber.
Copyright © 2023 Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
Umschlagmotiv: © Zarya Maxim Alexandrovich – shutterstock.com
ISBN 978-3-641-30203-0V001
www.gtvh.de
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
A GRUNDLAGEN
1 KIRCHLICHE BILDUNG, PÄDAGOGIK, DIDAKTIK
1.1 Konfi-Zeit als Teil des kirchlichen Bildungsauftrags
1.2 Pädagogik und Didaktik
1.3 Didaktische Grundsätze für die Konfi-Arbeit
2 DIE KONFIS
2.1 Entwicklungspsychologische Aspekte
2.2 Gesellschaftliche Aspekte
2.3 Perspektiven für die Konfi-Zeit
3 ARBEITEN IM TEAM
3.1 Multiprofessionelle Teams
3.2 Gemeindeverbindende Teams
3.3 Jugendliche Teamer*innen in der Konfi-Zeit
3.3.1 Die Rolle von Teamer*innen zwischen Konfis und Hauptamtlichen
3.3.2 Aufgaben, Rechte und Pflichten von Teamer*innen
3.3.3 Qualifizierung und Begleitung der Teamer*innen
4 GRUPPENPÄDAGOGIK
4.1 Einführung in Gruppenpädagogik
4.2 Gruppenphasen
4.3 Rollen in Gruppen
4.4 Leitungsstile
4.5 Konfi-Zeit inklusiv gestalten
4.6 Sensibilität für grenzverletzendes Verhalten
4.7 Sensibilität für Geschlechtervielfalt
4.8 Konflikte und »Störungen«
4.8.1 Grenzen setzen und Spielräume eröffnen
4.8.2 »Störungen« im Verlauf einer Konfi-Einheit
5 MITEINANDER IM GESPRÄCH: KOMMUNIKATION
5.1 Grundlagen für wertschätzende Kommunikation
5.2 Das Kommunikationsquadrat
5.3 Ich-Botschaften
5.4 Das Modell der Gewaltfreien Kommunikation
5.5 Aktives empathisches Zuhören
5.6 Die klassischen Kommunikationsregeln aus der Themenzentrierten Interaktion
6 GLAUBEN UND SPIRITUALITÄT
6.1 Jugendliche und Spiritualität
6.2 Erfahrungsraum Spiritualität
B METHODIK
7 PLANUNG, VOR- UND NACHBEREITUNG
7.1 Raum und Atmosphäre
7.2 Rituale
7.3 Schritte der Vorbereitung vom Thema zum Ablauf der Konfi-Einheit
7.3.1 Vorbereitung einer Konfi-Einheit
7.3.2 Möglicher Aufbau einer Konfi-Einheit
7.4 Situationsorientierung
7.5 Nachbereitung und Feedback
8 MODERATION
8.1 Gesprächsrunden anleiten
8.2 Was mache ich, wenn …
8.3 Kreative Moderationsmethoden
9 SPIELPÄDAGOGIK
9.1 Was ist Spiel?
9.2 Spielpädagogik in der Konfi-Arbeit
9.3 Spiele planen und anleiten
9.4 Spiele verschiedener Kategorien
9.4.1 Kennenlernen
9.4.2 Spiele als Einstieg in biblische Themen
10 THEOLOGISIEREN MIT KONFIS: KREATIVE METHODEN
10.1 Darstellerische Methoden
10.1.1 Standbilder
10.1.2 Elemente aus dem Bibliodrama
10.1.3 Rollenspiel-Ideen
10.2 Gestalterische Methoden
10.3 Kooperative Methoden
10.4 Digitale Methoden
10.5 Meditative Methoden
10.6 Musikpädagogische Methoden
11 THEOLOGISIEREN MIT KONFIS: GESPRÄCHE
11.1 Inhaltliche Verknüpfung lebensrelevanter Konfi-Themen mit christlicher Tradition
11.2 Methodische Anregungen für theologische Gespräche
12 WERTSCHÄTZUNG: PRÄSENTATION, AUSWERTUNG, FEEDBACK
12.1 Wahrnehmen und Wertschätzen
12.2 Präsentationsformen und Auswertung
12.3 Feedback
12.3.1 Regeln für anerkennende Rückmeldung
12.3.2 Feedback-Methoden
13 GLAUBEN LEBEN: ANDACHTEN UND GOTTESDIENSTE
13.1 Gottesdienste und Andachten mit Konfis feiern
13.2 Andachten und Gebete zu verschiedenen Gelegenheiten
13.3 Andachten und Gottesdienste mit Konfis vorbereiten
13.3.1 Vorentscheidungen
13.3.2 Vorbereitung, Feiern, Nachbereitung
13.4 Die Konfirmation
C SONSTIGES
14 ORGANISATORISCHES
14.1 Werbung für die Konfi-Zeit
14.2 Kontakthalten
14.2.1 Info-Abende
14.2.2 Kontakthalten zu den Erziehungsberechtigten
14.2.3 Kontakthalten zu den Konfis
14.3 Orga-Tipps und -Tricks
15 GESETZESÜBERBLICK
15.1 Jugendschutzgesetz
15.2 Aufsichtspflicht
15.3 Prävention, Kindeswohlgefährdung
15.4 Datenschutz
15.5 Urheberrechte Musik
15.6 Bildrechte, Urheberrechte
15.7 Konfi-Ordnungen der Landeskirchen
16 ERMUTIGUNG ALS SCHLUSSWORT
17 LITERATURVERZEICHNIS
Danksagung
Anmerkungen
EINLEITUNG
Wie wird eigentlich eine gelingende Konfi-Einheit aufgebaut? Was kann ich tun, wenn niemand redet oder alle gleichzeitig kichern? Warum ist es sinnvoll, Gruppenphasen und -prozesse zu kennen und zu beachten? Warum entsprechen Spiel- und Methodenvielfalt tiefgehenden Bildungsprozessen? Warum ist es wichtig, dass die Konfis selbst erforschen können? Wie können die Fragen, Gedanken, Haltungen der Konfis mit biblischen Geschichten in Beziehung treten? Wie können Konfis herausfinden, was für ihr eigenes Leben wertvoll ist?
Glaube ist etwas sehr Persönliches. Gleichzeitig möchte Glaube Nahrung haben, gebildet werden – nicht in Vorträgen, was »zum Glauben zentral ist«, sondern in einer aktiven Auseinandersetzung, was »das Ganze« mit mir, meinen Liebsten und meinem Leben zu tun hat. Das zu ermöglichen braucht ein Zusammenspiel von theologischem und pädagogischem Know-how, Wissen um didaktische Zusammenhänge und kommunikative Prozesse sowie psychologische Feinfühligkeit.
Wenn sich die gemeindlichen Aufgaben verdichten, ist der Griff zu Arbeitsblättern oder das Halten von Monologen vor der Gruppe schnell getan. Das langweilt alle Beteiligten. Konfi-Zeit kann und soll ein Gesamtgeschehen sein, das sich auf die Interessen und Lebenswirklichkeit der Konfis einlässt und ihnen Bibel, Glauben und Kirche als Welt-, Lebens- und Selbstdeutung anbietet. Denn: Die Konfis entscheiden, ob der christliche Glaube ihre Lebensgrundlagen bereichert oder nicht, ob sie sich ernst genommen fühlen, ob und wie lange sie zu einer Kirche gehören wollen. Sie spüren genau: Ist das Angebot auf sie abgestimmt oder spult die Leitung nur ab, was sie seit Jahren in der Schublade hat?
In diesem Buch stellen wir pädagogisches Grundwissen dar und bieten Ideen zur Umsetzung in der Konfi-Gruppe an. Wir hoffen, dass es hilft, Hintergründe zu verstehen und geeignete Lösungen zu finden, damit die Konfi-Zeit eine wertvolle und fröhliche Zeit für alle Beteiligten wird.
Einige Hinweise zum Buch:
Dieses Buch lässt sich von vorne nach hinten als Grundlagenwerk durchlesen. Es lässt sich aber auch als Nachschlagewerk einzelner Aspekte nutzen. Durch dieses Anliegen werden manchmal Aussagen in Variationen wiederholt. Sie ergänzen sich gegenseitig. In jedem (Unter-)Kapitel nehmen wir Bezug auf die Gestaltung der Konfi-Zeit, so dass schon bei den Grundlagen im ersten Teil Ideen zur Umsetzung mitgegeben werden. Um ein schnelles Erfassen zu ermöglichen, arbeiten wir oft mit Aufzählungen wie dieser hier.Wir sprechen von Konfi-Zeit, wenn wir von der gesamten konkret verbrachten Zeit mit den Konfis sprechen; von Konfi- Arbeit, wenn das Drumherum an Vorbereitung, Konzeption, Teambuilding u. a. einbezogen wird. Das Wort Konfi-Einheit umfasst das Treffen mit dem Spannungsbogen von Beginn bis zum Ende – unabhängig von der zeitlichen Dauer vor Ort. Das können je nach Modell (zwei-)wöchentliche 90 Minuten, ein monatlicher Konfi-Tag oder ein Modul im KonfiCamp sein. Die pädagogischen Grundlagen sind grundsätzlich und damit unabhängig von dem Konfi-Modell vor Ort. Für dieses Buch nutzen wir die Bibelausgabe »Lutherbibel 2017«, für den direkten Einsatz vor Ort gibt es viele Gründe für diese oder eine andere Bibelübersetzung.In der Konfi-Arbeit wirken viele mit. Deshalb schreiben wir ›Konfi-Leitende‹, die ›Leitung‹ oder ›Verantwortliche‹ für die Erwachsenen, die die Konfi-Zeit hauptamtlich verantworten (z. B. Pfarrer*innen, Pastor*innen, Diakon*innen, Gemeindepädagog*innen oder Mitarbeitende anderer Berufe). Jugendliche Ehrenamtliche in der Konfi-Zeit nennen wir altersunabhängig ›Teamer*innen‹.A GRUNDLAGEN
2 DIE KONFIS
Eine neue Konfi-Gruppe11 beginnt. Sie vereint lauter Individuen unterschiedlicher familiärer Herkunft, Bildungsbegabungen, Fähigkeiten, Einschränkungen und Talente. Die jungen Menschen befinden sich in einer Umbruchphase von Körper, Geist und Seele, kurz: in der Pubertät. Sie sind eine neue Generation, die in anderen Zeiten aufwächst als die meisten Verantwortlichen der Konfi- Zeit, sie machen andere Erfahrungen und haben neue Aufgaben der Zukunftsbewältigung. Wenn wir uns bewusst machen, was für ein tiefgreifender Umbau im Körper und in der Psyche der Konfis stattfindet und was dieser für Auswirkungen für ihr Verhalten hat, können die Verantwortlichen zugewandt und förderlich mit den Verhaltensweisen der jungen Menschen umgehen – auch wenn es manchmal an den Nerven zerrt. Soll die Konfi-Zeit ihnen »etwas bringen«, müssen wir verstehen, dass und warum manche Inhalte und Methoden an ihnen vorbeirauschen, und wann sie spüren, dass es wirklich um sie geht. Dazu gehört, die Persönlichkeiten, Lebensthemen und Entwicklungen ernst zu nehmen. Die biblischen Geschichten, christlichen Rituale, Traditionen und Engagementfelder bieten viel Auswahl, so dass wir diejenigen aussuchen und aufbereiten, mit denen die Konfis auf Entdeckungstour gehen können und herausfinden, ob und welche Angebote des Glaubens für sie lebensbedeutend sind.
2.1 Entwicklungspsychologische Aspekte
Mit der Zeit der Pubertät tritt ein junger Mensch in eine Zeit der Selbstwerdung ein, die durch instabile Emotionen, Konflikte in Alltagssituationen und allgemein in ein sich veränderndes Verhalten führt. Gerade in der klassischen Konfi-Zeit zwischen 12 und 14 Jahren starten diese Veränderungen voll durch – allerdings nicht zeitgleich bei allen. Während die einen schon Erwachsenenrollenmuster ausprobieren, sich schminken oder besonders cool sein wollen, spielen andere noch mit Lego. Manche tauchen ein in die Peergroup-Welt und tun alles, um »dabei zu sein«, andere ziehen sich in ihr Zimmer zurück.
Veränderungen im Körper
Viele Hormone werden verstärkt ausgeschüttet und in der Folge
– verändert sich der Schlaf-Rhythmus,
– wachsen die jungen Menschen in die Höhe,
– prägt sich ihre Statur aus und sie legen deutlich an Gewicht zu,
– entwickeln sich die äußeren und inneren Geschlechtsorgane.
Das verwirrt natürlich zutiefst: In der Regel nehmen das Selbstwertgefühl und die Körperzufriedenheit in dieser Zeit ab und steigen erst nach Jahren wieder an.
Daher ist es in der Konfi-Zeit geboten, sensibel mit der sich ausbildenden Körperlichkeit der jungen Menschen umzugehen und bei allen Methoden und verbalen Äußerungen auf ein angemessenes Verhältnis von Nähe und Distanz zu achten (siehe Kap 4.6: Sensibilität für grenzverletzendes Verhalten).
Veränderungen in der intellektuellen Leistungsfähigkeit
Ebenso betroffen von der Umbauphase ist das Gehirn:
Die Alltagsorganisation wird schwieriger. Ständig scheinen die jungen Menschen etwas zu vergessen und das Leben scheint nur »bei ihnen anzukommen«, wenn es mit starken Emotionen verbunden ist.Die jungen Menschen entscheiden in dieser Phase impulsiver als vor- und hinterher, die Kontrollmechanismen im Gehirn treten in den Hintergrund (z. B. steigert sich das risikobereite Verhalten vor allem, wenn Gleichaltrige in der Nähe sind).Sie verspüren einen ausgeprägten Drang nach Neuem. Gleichzeitig baut das Gehirn die Fähigkeiten des abstrakten Denkens aus, z. B. die Fähigkeiten, Schlussfolgerungen zu ziehen, Möglichkeiten zu kombinieren, zu reflektieren, Weltdeutungen, Religionen und Wertesysteme zu hinterfragen.Um die Konfis in dieser Phase zu fördern und zu unterstützen, sind erlebnisintensive Angebote folgerichtig. Sie halten die Mehrdeutigkeit des Lebens und der Gotteserfahrung offen (siehe Kap 9: Spielpädagogik, Kap 10 und 11: Theologisieren mit Konfis) und fördern die eigene Ausdrucksfähigkeit. Sie beginnen zu hinterfragen (und testen bzw. provozieren die Leitenden). Auch wenn es manchmal anstrengend ist: Diese Fähigkeit ist neu und will erprobt werden. Die Fragen und Thesen aufzugreifen und die Konfis zu eigenen Antwortversuchen zu ermutigen stärkt sie. Die eigenen und biblischen Antwortversuche als ein Angebot danebenzustellen wird zum Gewinn für alle und Anlass für viele theologische Gespräche.
Veränderungen im Identitätsgefühl
Der Übergang von der Identität als Kind hin zu einer Identität als jugendliche bzw. erwachsene Person führt durch eine Zeit des Ausprobierens:
Verschiedene vorgelebte und medial vermittelte Rollen werden ausprobiert.Die jungen Menschen testen, wie andere auf sie reagieren, ob sie selbst sich wohlfühlen, anerkannt werden, in verschiedenen Peergroups mithalten können. Sie proben, wer sie sein möchten, welche Werte ihnen von Bedeutung sind, in welchen Zusammenhängen sie ihr Leben verstehen wollen. Sie bilden ihre eigene geschlechtliche Identität aus (siehe Kap 4.7: Sensibilität für Geschlechtervielfalt).Die Bibel ist voll von Geschichten, die Deutungsangebote für Fragen machen wie »Wer bin ich?« oder »Wie möchte ich leben?«: Jakob zwischen Betrug und Segen, Josef zwischen Patchworkfamilie und Anerkennung, Petrus zwischen Versagen und »Fels«, David zwischen Jonathan und Königreich.
Die Geschichten bieten die Hoffnung an, dass in und trotz allem Leben gelingt und Segen wirkt: »Gott verlässt uns nicht, auch wenn wir das nicht immer spüren.« Wenn diese alten Geschichten für Konfis faszinierend aufbereitet werden und sie große und kleine Gemeinschaftserlebnisse erfahren, können sie in einem geschützten Raum für sich (zumindest vorläufige) Antworten finden.
Veränderungen in der Beziehung zu Gleichaltrigen
Um eine eigene neue Identität zu finden, werden Gleichaltrige und etwas ältere Jugendliche immer bedeutsamer. Schließlich durchleben sie ebenfalls körperliche Veränderungen und sind mit ähnlichen Themen beschäftigt bzw. sind schon einen Schritt weiter. Die Erfahrung der bewussten Anerkennung durch andere stützt die Identitätsentwicklung.
Es werden neue Identifikationsmöglichkeiten und Lebensstile gesucht, Normen übernommen, Anerkennung und emotionale Geborgenheit gefunden. Es werden die eigenen Ziele und Wünsche abgeglichen, Vertrautheit und Zuverlässigkeit ausprobiert.Es entstehen die ersten romantischen Liebesbeziehungen und es wird geübt, was für ein Freundschafts- und Beziehungsleben wesentlich ist.Da die eigene Identität noch im Aufbau ist und damit als angreifbar erfahren wird, erleben die Jugendlichen viele Verhaltensweisen als »peinlich«. Oft überspielen sie ihre eigene Unsicherheit hinter Verhaltensweisen wie »ich bin der*die Coolste«, verbergen sich hinter Kapuzen oder langen Haaren.
Wenn keine Geborgenheit bei Gleichaltrigen gefunden wird, der Anschluss an eine Peergroup ausbleibt bzw. von einzelnen Gruppen ein hoher Anpassungsdruck (bis hin zur Diskriminierung) ausgeübt wird, ist das Leiden groß (und kluges Eingreifen dringend nötig). Die Konfi-Zeit bietet die große Chance, direkt mit der Gruppe und ihren Prozessen zu arbeiten und gemeinsam neue Verhaltensmuster auszuprobieren. Die Mitarbeit von älteren Jugendlichen als Teamer*innen bringt neue Vorbilder zur Orientierung. Wird die Gruppe zu einer eigenen Peergroup, kommen die Konfis supergerne – und wollen selbst Teamer*in werden (siehe Kap 3.3: Jugendliche Teamer*innen).
Veränderungen in der Familie
Mit der Zuwendung zu Peergroups geht die emotionale Lösung von den Eltern einher:
– Es wird deutlich weniger Zeit mit der Herkunftsfamilie verbracht.
– Die überlieferten Werte bzw. Normen werden hinterfragt und überprüft.
– Die Jugendlichen suchen mehr Privatheit und schirmen sich öfter ab.
– Eine eigene Balance zwischen Selbstständigkeit und Verwurzelung bildet sich.
