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Soul boost - Andachten, die berühren
Konfirmand*innen sind in einer Lebensphase, die durch Übergänge geprägt ist. Der Übergang vom Kind zum Jugendlichen, von vermeintlicher Unmündigkeit zur (Religions)-Mündigkeit, vom Familiennest hinein in die Peergroups, all das wirkt sich auf die Wirklichkeit und Wahrnehmung von Konfirmand*innen aus. In dieser fragilen Lebensphase brauchen junge Menschen in besonderer Form Unterstützung und Begleitung, sie müssen Fragen stellen können und Räume finden, in denen sie ihre Wahrnehmungen und Einstellungen zur Welt reflektieren können. Darüber hinaus brauchen sie Geborgenheitserfahrungen und das Gefühl, in dieser Welt gehalten zu sein. Aus entwicklungspsychologischer Perspektive sind Spiritualitäts- und Gemeinschaftserfahrungen wichtige Resilienzfaktoren.
Daher haben in der Arbeit mit Konfirmand*innen die Andachtsformate eine besondere Bedeutung, die es den Konfirmand*innen ermöglichen, sich in der Gemeinschaft religiös zu erleben und auszuprobieren.
Dieses Buch soll gelungene Beispiele darstellen, die zum Nachmachen einladen. Ehrenamtliche und Hauptamtliche in der Arbeit mit Konfirmand*innen sollen durch diese Impulse zum Ausprobieren ermutigt werden, einerseits die biblische und kirchliche Tradition und andererseits die Lebenswelt der Jugendlichen im Kontext religiöser Gemeinschaftserfahrung zu berücksichtigen.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Auf die Plätze, fertig, Andacht!
Konfirmand*innen sind in einer durch Übergänge geprägten Lebensphase. Kinder werden zu Jugendlichen und Religionsmündigen, Peergroups werden wichtiger als das Familiennest.
All das stellt die jungen Menschen vor Herausforderungen, die in den gemeinsamen Andachten zur Sprache kommen und durch das biblische Lebenswissen in ein neues Licht gestellt werden.
Dieses Buch bietet 35 gelungene best-practice Andachten für, mit und von Konfirmand*innen, die zum Nach- und Mitmachen einladen. Mitarbeitende in der Arbeit mit Konfirmand*innen finden hier Impulse dafür, biblische und kirchliche Traditionen und die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen aufeinander zu beziehen.
Irmela Redhead, geboren 1971, Pfarrerin, Beauftragte für Konfi-Arbeit der Nordkirche, Pädagogisch Theologisches Institut der Nordkirche, Hamburg; sie war 17 Jahre Gemeindepastorin in Hamburg mit Schwerpunkt Arbeit mit Kindern, Konfis und Jugendlichen und hat eine Zusatzqualifikation als systemische Coachin.
Anne-Rose Rapraeger, geboren 1980, Pfarrerin in der Ev. Kirchengemeinde Groß Bisdorf und Jugendpastorin im Kirchenkreis Pommern, Nordkirche. Sie war Studienleiterin für Gemeindepädagogik am Pädagogisch-Theologischen Institut der Nordkirche und hat eine Zusatzqualifikation in Pastoralpsychologischer Seelsorge (KSA) nach DGfP.
Irmela Redhead Anne-Rose Rapraeger
Voll inspiriert!
Andachten für, mit und von Konfis
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in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München
(Vorstehende Angaben sind zugleich
Pflichtinformationen nach GPSR.)
Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
Umschlagmotiv: © melita – Adobe Stock.com
ISBN 978-3-641-33467-3V001
www.gtvh.de
Inhaltsverzeichnis
Gemeinsame Andachten – Leben feiern
Andachten für Konfis – Innerlichkeit anbieten
Paul Glüer
Ermutigung zur Stille
Taizé-Andacht (Psalm 23)
Anne-Rose Rapraeger
Barfuß im Herzen
Auf der Suche nach dem Heiligen (2. Mose 3,1-15)
Kerstin Schiffner, Stefanie Elkmann, Melanie Stollwerk
… und ich bin da.
Abendmahlsfeier am Ende jedes Pilgertags
Dennis Pferdmenges
Mit Abraham aufbrechen
Abendmahlsfeier am Vorabend der Konfirmation (1. Mose 12,1-9)
Irmela Redhead
Von guten Mächten
Ein Lied klingt durch die Zeit
Anne-Rose Rapraeger
Wenn es leise wird um mich, dann …
Zur Ruhe kommen und sich öffnen (1. Könige 19,11-13)
Anne-Rose Rapraeger
Friedensbitte
Ein Friedensgebet in beängstigenden Zeiten (Matthäus 5,1-10)
Dennis Pferdmenges
GottesBerührungen
Dann verändert sich alles – eine Morgenandacht (Lukas 8,43ff)
Gesa Sönnichsen
Da ist Musik drin
Eine Andacht über die Bedeutung von Musik (1. Samuel 16,31)
Tash Hilterscheid
Josef*ine! – Endlich angenommen
Jo* – queersensibel (1. Mose 37-50)
Anne-Rose Rapraeger
Einen Knoten zur Erinnerung
Eine Andacht für den Abschluss der gesamten Konfi-Zeit (Prediger 3,1-15)
Anne-Rose Rapraeger
Ein Festmahl in unsicheren Zeiten
Feierabendmahl in der Passionszeit (Matthäus 26,17-56)
Irmela Redhead
Manchmal ist die Gemeinschaft wie eine Arche
Taufgottesdienst am Badesee (1. Mose 6,5-9,17)
Lisa Espelöer, Mathias Thieme
Sei behütet!
Konfirmationspredigt mit vielen Lebenshüten
Irmela Redhead, Corinna Harms
Ein Koffer voller Erinnerungen
Konfirmationspredigt mit Symbolen aus der Konfi-Zeit
Andachten mit Konfis – Beteiligung ermöglichen
Irmela Redhead
Ein Wort für dich
Konfis legen Bibelverse aus
Irmela Redhead
Ein Bibelvers auf Probe
Konfis suchen ihren Konfirmationsspruch aus
Tobias Bernhard
Fremde Menschen – Gute Taten
Wie setzen wir Gottes Auftrag um? (Apostelgeschichte 6,1-7a)
Anne-Rose Rapraeger
Wie sieht deine Welt aus?
Erzähl mir deine Geschichte! (Apostelgeschichte 17,28a)
Irmela Redhead
Liebe ist …
… ja, was denn eigentlich? (Das Hohelied Salomos, Kapitel 1-4 in Auswahl)
Anne-Rose Rapraeger
Lass dein Licht leuchten!
… und stell es nicht unter den Scheffel (Matthäus 5,14-15)
Wiebke Johannsen und Teamer*innen
86.400 Sekunden täglich
Ab in die Sommerferien!
Wiebke Johannsen und Teamer*innen
Für ihn macht es einen Unterschied …
Eine Mut-zur-Tat-Andacht
Irmela Redhead, Anne-Rose Rapraeger
Da berühren sich Himmel und Erde
Wegeandacht für Passion und Ostern
Anne-Rose Rapraeger, Antje Reich
Ich segne dich
Konfis segnen einander mit Öl und Glitzercreme
Anne-Rose Rapraeger, Irmela Redhead, Stephan Dann
Ein Platz bleibt leer
Abschied, Tod und Trauer begleiten
Hanna Wichmann
Gemeinschaft mit allem, was lebt
Naturnahe Morgenandacht mit Konfis im Wald
Anne-Rose Rapraeger
Fürchtet euch nicht!
Konfis erzählen am Lagerfeuer die Weihnachtsgeschichte (Lukas 2,1-20)
Wiebke Johannsen und Teamer*innen
Weihnachten ist eigentlich ganz anders
YouGo! Heiligabend-Jugendgottesdienst um 23 Uhr (Lukas 2,1-20)
Andachten von Konfis – Impulse zur Umsetzung
Irmela Redhead
Auf die Plätze, fertig, Andacht!
Ideen für den Start
Irmela Redhead
Gottesdienst in Stationen
Konfis bereiten einen begehbaren Gottesdienst vor
Oliver Wildner, Annika Siegesmund und Teamer*innen
Soulfood
Seelenstärkung für die ganze Gruppe
Anne-Rose Rapraeger
How to?
Mit Konfis Gottesdienst entdecken
Anne-Rose Rapraeger
Step by step
Konfis bereiten ihren Vorstellungsgottesdienst vor
Dennis Pferdmenges
Konfirmationsworkshop
Konfis und Pat*innen planen den Konfirmationsgottesdienst
Endnoten
Literaturverzeichnis
Dankeschön!
Gemeinsame Andachten – Leben feiern
Das Leben lässt uns jubeln. Das Leben kann weh tun. Oft liegt beides dicht beieinander und viel dazwischen. Heranwachsende in der Pubertät spüren die Bewegungen der Gefühle besonders intensiv. Konfis strecken sich einerseits aus der Kindheit heraus und andererseits suchen sie Nestwärme, um äußerlich und innerlich zu reifen. Wir laden Sie ein, mit den Konfis auf die Suche nach Himmelsverbindungen zu gehen, die ihnen Halt geben können in dieser Zeit.
Eine Frage, die uns wichtig ist, lautet: Wie können wir mit Konfis das Leben in allen Facetten feiern? Wir wollen mit ihnen in den menschlichen Rissen und Brüchen, die sich auftun, wenn gelebt und überlebt wird, die Würde und den Glanz suchen. Dabei vertrauen wir darauf: Unser Leben ist gehalten von einer Verbindung zum Himmel. Wir sind getragen durch die Ewige, die uns leuchtet, tröstet und bewahrt. Von diesem Gott wollen wir erzählen.
Wir sind zwei Pfarrerinnen, die gerne Gottesspuren suchen. Deshalb freuen wir uns, dass neben unseren erprobten Andachten und Gottesdiensten ebenfalls Kolleg*innen und Teamer*innen ihre Ideen beigetragen haben. So finden Sie Andachten, Gottesdienste und Anleitungen aus Ost und West, Stadt und Land, mit kleinen und großen Gruppen, aus dem Alltag und von Camps und Touren.
In allen Beiträgen haben wir die Lebensfreude entdeckt, die uns eine heilige Verpflichtung ist. Wir spüren Lebensfreude facettenreich als ein (zweifelndes) Festhalten an unserem Glauben; als Gewissheit, dass Gott uns nicht lässt; wir finden sie in der Fürsorge gegenüber unseren Mitmenschen und ahnen sie da, wo unsere Herzen angerührt werden. In diesem Buch haben wir Beiträge gesammelt, in denen wir emotionale Dichte entdecken konnten: in Ritualen, die den innerlichen Gefühlen Flügel verleihen; in einem Konfirmationsgottesdienst, der den Konfis hilft, die Lebensschwelle zu übertreten; in einer schlichten und wärmenden Andacht. Es sind Beiträge, die sich auf Gott beziehen und dieser Beziehung Platz machen. Sie ermutigen zu danken, zu bitten und zu klagen. Sie helfen, sich vor sich selbst, vor Gott und in der Gemeinschaft mit der eigenen Menschlichkeit auszudrücken. Wir hoffen, dass Sie diese heiligen Momente in den ausgewählten Werken ebenfalls entdecken und Sie sich inspirieren lassen für die Arbeit mit Jugendlichen und für das Leben in allen Facetten.
Andachten für, mit und von Konfis feiern – der Weg
Viele Konfis kommen erst in der Konfi-Zeit mit Andachten und Gottesdiensten in Berührung. Wir erleben Gänsehautmomente, wenn wir mit Konfis das Andacht-Feiern üben. Wir staunen, wenn Konfis über sich hinauswachsen, weil sie sich in die Gestaltung von Andachten und Gottesdiensten einbringen – bis sie schließlich ganze Feiern füllen.
Wir haben die ausgewählten Andachten und Gottesdienste und unterstützende Anleitungen in eine Reihenfolge gebracht, in der die steigende Beteiligung der Konfis gefördert wird: FÜR, MIT und VON Konfis. Auf diese Weise können Konfis die Chance nutzen, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Sie übernehmen Verantwortung für ihre Glaubensfragen. Wir wollen damit keine eindeutige Reihenfolge vorgeben, eher einen Such- und Finde-Leitfaden für Ihren Weg nach passenden Ideen. Darüber hinaus finden Sie in den Beiträgen unterschiedliche Überleitungen zum Vaterunser, variierende Segens- und Spendeworte, Ein- und Überleitungen – stöbern Sie gerne nach Formulierungen und Umsetzungsimpulsen, die zu Ihnen passen. Viele Andachten und Gottesdienstideen sind ergänzt durch Variationsmöglichkeiten, Einbettungen in Konfi-Einheiten und Ideen für die Rahmung. Dort, wo Sie keine Quellenangaben finden, sind die Texte Eigenkreationen.
Das Kapitel ›Andachten von Konfis‹ ist in besonderer Weise zu lesen: Hier finden Sie Anregungen und Anleitungen, wie Konfis Andachten und Gottesdienste für sich entdecken und auf ihre Art entwickeln und umsetzen können. Die Beiträge beschreiben Prozesse, in denen dies ermöglicht wird, und wir hoffen darauf, dass Sie Lust haben, Konfis eigene Gestaltungsräume zu eröffnen.
Andachten für, mit und von Konfis feiern – die Erfahrung
Wir möchten, dass Konfis ausprobieren, ob und welche Andachten wohltuend und wärmend für sie sind. Wir können Angebote schaffen, in denen sie die Möglichkeit bekommen, auf Spurensuche zu gehen. Die (Kirchen)-Räume, unsere Symbole, Rituale und Traditionen, Musik und Kunst helfen, unsere Gefühle zu übersetzen und ihnen Ausdruck zu verleihen. Gelingt dies (und gibt Gottes Geistkraft ihren Segen), »dann haben wir plötzlich das Gefühl, etwas Umfassendes zu erleben: etwas, das Sinn und Zugehörigkeit vermittelt.«1
Wenn wir zusammen singen und beten, lachen und spielen, können Konfis ihre Empfindungen oder ihren Glauben verorten und verankern. Und dafür ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten: Konfis achten instinktiv genau darauf, wie wir als Haupt- oder Ehrenamtliche ihnen begegnen. Sie lassen sich nur ein, wenn sie uns, den Formen, Methoden und der Gruppe Vertrauen schenken. Wir möchten dazu sensibilisieren, dass Konfis ein Gespür haben, mit welcher inneren Haltung wir mit ihnen arbeiten. Um diese zum Ausdruck zu bringen, achten wir (nicht nur) in unseren Andachten in der Arbeit mit Konfis auf Folgendes:2
In Andachten und Gottesdiensten möchten Konfis warm und herzlich ausgesprochen werden. Konfis wittern, ob wir Standardsprüche bringen oder ob wir etwas sagen, was uns wirklich wichtig ist. Alltagsworte und Geschichten eignen sich mehr als Worte aus dem theologischen ›Inner Circle‹: ›Was ist Gnade? Wie sieht sie aus?‹ Konfis verlangen zu Recht anschauliche Übersetzungen für solche Worte. Tonfall, Worte und Mimik sind Geschwister. Wir Menschen reagieren intuitiv. Selbst wenn Konfis nur wenige Worte verstehen, spüren sie, ob sie angeschaut sind und eine Erzählung mit Herzblut gefüllt ist. Emotionen fließen ins (Herzens-)Gedächtnis der Konfis, stärker als theoretische Erklärungen. Sie erahnen in der Kombination aus ihren und unseren Glaubensimpulsen, warum das Geschehen das eigene Leben bereichern könnte.Mit Gegenständen und Symbolen werden Andachten plausibler. Sie bündeln die Aufmerksamkeit und lassen einen Deutungsspielraum zu, den jede*r für sich ausfüllen kann. Konfis reagieren angeregt, ihre Gedanken einzubringen und sich zu positionieren. Besonders wenn eigene Produkte und Erlebnisse der Konfis im Zentrum stehen, führt die Andachtserfahrung weit über den eigentlichen Moment hinaus. In beteiligenden Handlungen wie Kerzenanzünden, Fürbitten aussprechen, predigen drücken sie ihren Glauben aus. Neben dem, was wir vorbereiten und planen, erleben die Konfis noch viel mehr, nämlich ihr eigenes großes Leben. Unsere Aufgabe ist es, dies zu wollen (eigene Haltung), Konfis als eigenständige Persönlichkeiten anzuerkennen und unsere zugewandte Professionalität zur Verfügung zu stellen. Je stärker die Konfis das Angebot sinnvoll finden und sich innerlich wie äußerlich beteiligen, desto mehr erleben sie sich und ihre eigenen Kompetenzen.3Andacht und Gottesdienst feiern umfasst gleichfalls ›über Gott reden‹ und mit Gott reden. Durch Gebete erfahren Konfis, dass Gott kein zu glaubendes ›Etwas‹, ein Glaubensding ist, sondern eine nahe Wirklichkeit, ein Gegenüber – unabhängig davon, wie wir uns Gott vorstellen.4Gebete, herausragend in Kontexten von Freizeiten und Camps, sind Gamechanger und stärken die Gemeinschaft.5 Hier entstehen Beziehungen: zu sich, zu anderen und Gott. Gebete können alles aufgreifen, was die Konfis, die Teamer*innen, die Welt bewegt: Klausuren in der Schule, Gesundung von Kranken, Streit, Missverständnisse, Langeweile, Spaß, Trauer um Verwandte und Haustiere … Wenn Konfis eigene Gebete schreiben, spüren wir die Ernsthaftigkeit der Bedürfnisse. Es ist nebensächlich, ob Konfis von zu Hause aus gewohnt oder nicht gewohnt sind, dass gebetet wird. Die meisten finden diese Möglichkeit ›irgendwie richtig schön‹.
Der Raum predigt mit. Im rumpeligen Konfi-Keller entfaltet sich etwas anderes als in der ehrwürdigen Kirche, unter dem Sternenhimmel anderes als in einem sterilen Mehrzwecksaal. Orte und Gestaltung unterstreichen die Wirkung einer Gottesbegegnung oder fordern sie heraus. Lieblosigkeit in der Vorbereitung wird genauso bemerkt wie Sich-Mühegeben.6Segnen und gesegnet werden sind Gänsehautmomente. Segnen hat eine eigene Anziehungskraft und wirkt durch die direkte Ansprache und besondere Gesten. Der Segen holt das nicht-Machbare-aber-Wohltuende ins Leben. »Für Konfis gewinnt er dann eine hohe Bedeutung, wenn sie sich gesehen und behütet fühlen, gerade weil sie sich und die Welt um sich als unverständlich erfahren. Die Form des Segens kann variieren: frei formuliert, als aarontischer Segen oder irischer Segenswunsch. Die Segensworte tragen eine Kraft in sich.«7 Und natürlich bezaubert es alle Anwesenden, wenn Konfis einander segnen.Um diese starkmachenden Gefühle der Gottesgegenwart in den Alltag zu integrieren, unterstützen Mitgebsel. Den Konfis entsprechend werden Bibelverse oder Segenssprüche, (Festival-)Bändsel für das Handgelenk, gestaltete Teelichter oder Stabkerzen, Handschmeichler, Sticker ausgewählt. Wenn das Erleben stimmt, entfalten sie sich zu ›Gott denkt an dich’s‹ mitten im Alltag.8So, und nun: Fröhliches Stöbern und Ausprobieren! Möge uns alle Gottes Lächeln in unserem Tun und Lassen begleiten.
Irmela Redhead und Anne-Rose Rapraeger
Unter diesem Link https://content.penguinrandomhouse.de/content/share/Downloadmaterial-Redhead-Rapraeger-Voll-inspiriert.zipkönnen Sie alle Andachten als pdf-Datei downloaden.
Andachten für Konfis – Innerlichkeit anbieten
»… naja, das ist dann wie, wenn das Licht durch das bunte Fenster fällt und alles so anders aussieht. Dann ist das wie, so halt innen drin … dann spürt man Gott … keine Ahnung …« (Konfi, 2022)
Zu Beginn der Konfi-Zeit ist es vielen Konfis fremd, eine Andacht zu feiern: Was ist überhaupt eine Andacht? Lieblingslieder wollen erst gelernt werden, eigene Worte für Gebete purzeln stotternd und tastend aus dem Mund. Stille auszuhalten ist zusätzlich enorm anstrengend.
Sie erkennen diese Unsicherheit am Kichern, indem Konfis abweisend gucken oder dauerplaudern. Mit zugewandter Geduld, starken Nerven und charmanten Sätzen vorneweg bildet sich nach und nach eine Wohlfühlatmosphäre aus, in der sich die Konfis mit der Zeit zurechtfinden. Je wohler sich die Konfis fühlen, desto mutiger werden sie, sich selbst auszuprobieren.9
Je nach Gruppe werden Sie schnell spüren, ob sich die Konfis schon von Beginn an beteiligen mögen oder ob Zwischenschritte nötig sind, ob gemeinsam gesprochene Texte den Weg ebnen oder erst einmal ein Genuss der (noch unbekannten) Atmosphäre entwickelt werden möchte. Und dann darf sich alles abwechseln.
Irgendwann wird sich zwischen Beteiligung, Selbstgestaltung und Einfach-Empfangen ein Rhythmus einstellen.
Sinnvolle Themen für Andachten und Gottesdienste orientieren sich an dem, was Konfis zutiefst bewegt. In den Ankommens- und Feedbackrunden der Konfi-Treffen geben die jungen Menschen viel von sich Preis – sowohl verbal als auch nonverbal. Diese Äußerungen gilt es fürsorglich aufzunehmen und in eine Andachtsform zu übersetzen, in einen Zusammenhang zu überführen. Geschichten, Musik, Symbolhandlungen werden passend ausgewählt, sie bieten eine Deutung an. Ein klassisches Beispiel hierfür sind die Gespräche über Schulnoten. Dahinter können sich Versagensängste oder Fragen nach dem eigenen Wert verbergen: ›Bin ich genug? Halte ich ›allem‹ Stand? Bin ich anerkannt?‹ Andachten oder Gottesdienste, in denen solche Themen und Fragen aufgenommen werden, sind im besten Sinn seelsorglich.
Weitere Themen speisen sich aus den klassischen Fragen der Adoleszenz: Wer bin ich? Wo komm’ ich her? Wer will ich sein? Die biblischen Texte bieten eine Reihe von Vorbildern oder Rollen, an denen sich junge Menschen orientieren und abarbeiten können.
Einige Themen werden durch äußere Einflüsse und Rhythmen bestimmt, wie Weltgeschehen, Großsorgen (Klimawandel) oder das (Kirchen)Jahr, wie beispielsweise Sommerferien, Bäumepflanzen oder die Passionszeit.
Paul Glüer
Ermutigung zur Stille
Taizé-Andacht (Psalm 23)
Die Konfi-Zeit, die Paul Glüer gestaltet, ist geprägt von abwechslungsreichen Methoden, Action, Input, Essen und mehr. Als ein komplett anderes Erleben und damit als stimmiger Contra-Punkt wird am Ende jeden Treffens eine Taizé-Andacht gefeiert. Aus seiner Erfahrung ergänzt diese Form das Erleben der üppigen Konfi-Zeit. Die Konfis kommen zur Ruhe, schweigen, finden sich ein in die gleichbleibenden Gesänge. Die Konfis kommen zu Wort, allerdings in geborgten Worten. Genau dadurch gewinnen sie eine Verarbeitungsmöglichkeit zu ihrem prallen Leben mit vielen Erwartungen von außen und innen, ihrem Aufgewühltsein und unbenannten Gefühlen, die bislang oft ohne Adressat*in gewesen sind.
Die Andacht lebt von der Wiederholung. Fremdes wird vertraut. Die Andacht wirkt wie eine Kostprobe von Einkehr, Mystik und Liturgik. So wie Paul Glüer es wahrnimmt, genießen die Konfis diese Zeit. Sie gibt Halt in aufregenden Zeiten.
Als bezaubernder Nebeneffekt kommt hinzu, dass durch das regelmäßige Beten des Vaterunsers und des Psalms 23 die Konfis diese beiden Texte ›by heart‹, also von Herzen kennen. Ihre innere Bedeutung erlangen die Gebete durch die Kombination von gemeinsamer Erfahrung und Andachtskontext, wohltuender Atmosphäre und Ergänzung zum Leben.
Vorüberlegungen
Die Konfi-Zeit findet einmal monatlich an einem Freitag-Nachmittag beziehungsweise Freitag-Abend statt. Die Andacht wird am Ende der Konfi-Einheiten gefeiert. Die Gruppe geht vom Gemeinderaum in die Klosterkirche.
Alle stehen im Halbkreis zum Altar hin. Das Licht bleibt aus, die Osterkerze brennt. Beim Hineingehen bekommen alle eine Taizé- bzw. Vigil-Kerze. Auf dem Taufstein stehen weitere Kerzen, beispielsweise Teelichter, die beim zweiten Lied angezündet werden.
Die Atmosphäre strahlt Ruhe aus, so dass alle mit der Zeit ruhig, mit steigender Vertrautheit ruhiger werden. Bei den ersten Malen ist eine Einleitung hilfreich, wie die Texte von verschiedenen Personen, jeweils nach Wunsch gelesen werden können. Das erfordert etwas Mut sowie Geduld von der Leitungsperson oder dem Team. Dann, nach und nach, entsteht eine Gebetswolke, die die Anwesenden einhüllt und ausdrückt.
»Ich mag es sehr, wenn jeweils eine*r oder mehrere sprechen, Vers für Vers, wer in diesem Moment möchte. Wer gerade nicht möchte, hört zu. Zeitweise entsteht eine längere Pause, weil sich keine*r traut zu sprechen. Oder es stimmen zwei oder mehr gleichzeitig ein. Das macht nichts. Es gibt anfangs Gekicher, doch irgendwann kennen die Konfis den Ablauf. Sie sprechen plötzlich gemeinsam ›ihren‹ Vers. Das Vaterunser sprechen wir zusammen. Beim zweiten Lied entzünden wir die Kerzen auf dem Taufstein. Die dunkle Kirche wird merkbar heller. Das wirkt wie eine kleine Osternacht. Ich vermute: Weil es mein Herzensding ist und mir oft Gänsehaut gibt, merken die Konfis, dass diese Zeit einen heiligen Moment birgt.« (Paul Glüer)
Material
Taizé- oder Virgil-Kerzen Weitere TeelichterEin ästhetische gestaltetes LiedblattAblauf
Eine*r: Wir feiern Andacht im Namen des Vaters und des Sohnes und der Heiligen Geistkraft.
Alle: Amen.
Lied: Bless the Lord, my soul (Text und Melodie: Taizé-Kommunität)
Wir halten inne und werden still.
Dabei werden die Virgil-Kerzen angezündet.
Psalm 23
Jeweils eine*r oder mehrere sprechen ihren*seinen (jeweils an dem Tag aktuellen) Vers entlang des Psalms. Wie oben beschrieben, kann es zu Beginn Gekicher geben, wenn mehrere gleichzeitig starten oder etwas längere Zeit keine*r sich traut. Das legt sich mit der Zeit. Der Psalm wird dadurch zu einer Psalmcollage, deren Klang zeigt, welche Verse den Konfis wichtig sind.
Lied: Bleib mit deiner Gnade bei uns (Text und Melodie: Taizé-Kommunität)
Dabei werden die Teelichter am Taufbecken angezündet.
Alle: Vaterunser …
Jeweils eine*r oder mehrere sprechen ihre*seine Zeile entlang des Segens:
In Gottes Frieden gehen wir in diese Nacht.
Gott sei über dir, um dich zu beschützen.
Gott sei hinter dir, um dir den Rücken zu stärken.
Gott sei vor dir, um dir den Weg zu zeigen.
Gott sei neben dir, um dich zu begleiten.
Gott sei in dir, um dich mit seiner Liebe zu erfüllen.
So segne und bewahre dich der liebende und starke Gott.
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen....Ende der Leseprobe
