Konspiration - I.C. Gibson - E-Book

Konspiration E-Book

I.C. Gibson

0,0

Beschreibung

Als Olivia Heart den charmanten Timothy Marsh kennenlernt, scheint ihr Glück perfekt und sie folgt ihm zusammen mit ihrer Tochter Julia nach London. Bald muss sie erkennen, dass er nicht nur ein begabter Kunstmaler ist, sondern auch einer sehr reichen und mächtigen Bankiersfamilie angehört, die die bürgerliche Geliebte des Sohnes nicht gerade wohlwollend aufnimmt. Schon bald kommt es zu Auseinandersetzungen mit seinem Onkel Oliver Sun, der selbstherrlich über die patriarchalischen Familienstrukturen bestimmt. Nach ihrer Hochzeit wird Olivia eröffnet, dass die Familie einer weltweiten Verschwörung, der Société, angehört. Diese beeinflusst durch die Kamarikraft die Führenden dieser Welt in telepathischer Weise und will die Weltherrschaft an sich reißen. Nach einer Reihe mysteriöser Todesfälle in Timothys Familie fordert sein Onkel, dass Timothy und mit ihm Olivia an seiner Seite, die Geschicke des Konzerns mit entscheiden. Doch Olivia kann die zerstörerischen Ziele der Société nicht teilen. Nach einem Terroranschlag schließt sie sich ohne das Wissen ihres Mannes der Widerstandsbewegung, der Syrikat, an. Wird es ihr gelingen, die Pläne der Société zu durchkreuzen und deren Einfluss auf das Weltgeschehen entgegenzutreten? Wird ihre Liebe zu Timothy den bevorstehenden Kampf überstehen?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 491

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Teil I

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Teil II

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Teil III

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Teil IV

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Teil V

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Teil VI

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Teil VII

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Teil I

1.

Aufgeregt betrat ich das Münchner Restaurant Limoni und ließ meinen Blick schweifen. Obwohl es noch früh am Abend war, hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden und füllten die Tische. Diese waren stilvoll mit weißen Tischdecken bedeckt, elegant kombiniert mit dekorativ ineinander verschlungenen weißen Stoff- und roten Papierservietten. Dazu stand auf jedem Tisch eine Vase mit roten Rosen, farblich abgestimmt mit der roten Kerze, die allerdings nur an den Tischen brannte, an denen sich bereits Gäste niedergelassen hatten. Sanfte Klaviermusik durchflutete den Raum wie ein unsichtbarer Windhauch und verlieh dem Restaurant diese angenehm festliche Atmosphäre, für die es so bekannt war.

Ich musste meine Augen nicht lange über das bunte Treiben und die einladenden Tische gleiten lassen, da hatte ich ihn schon entdeckt. Timothy Marsh fesselte sofort meine Aufmerksamkeit. Er sah in seinem hellgrauen Anzug besser aus als auf den Fotos. Sein kantiges, bartloses Gesicht strahlte eine gewisse Männlichkeit aus und zog mich in einen Strudel der Magie, der sich nur um zwei Menschen drehte, einer jener kostbaren Augenblicke, in denen Wunsch und Erfüllung zusammenflossen.

Als er mich bemerkte, kam er mir mit einem Lächeln entgegen, die seine asiatischen Augen noch enger erscheinen ließen. Schüchtern ging ich einen Schritt auf ihn zu und erwiderte verlegen sein Lächeln. Er musste meine Unsicherheit bemerkt haben, denn er durchbrach sie unbefangen mit einer galanten Begrüßung, wie in Frankreich üblich, mit Küsschen zuerst auf die rechte, dann auf die linke und nochmals auf die rechte Wange. Sogleich fiel alle Anspannung von mir ab und eine angenehme Heiterkeit zog wärmend durch meine Brust, wobei sein herbes Aftershave meine Sinne ein wenig verwirrte.

„Olivia, ich freue mich, die charmanteste Frau zu treffen, die es auf der Erde gibt.“ Er überreichte mir eine rote Rose, die er hinter seinem Rücken hervor zog.

„Dddddaaankkkke“, stotterte ich. Er begleitete mich zum Tisch und schob mir höflich den Stuhl zurecht.

„Ich bin dem Schicksal dankbar, das dich zu mir geführt hat“, hörte ich ihn wie aus weiter Ferne sagen.

Unser Kennenlernen einige Wochen vor unserem Treffen war ein Zufall, denn ich meinte, meinen Jugendfreund Timothy Marsh auf Facebook gefunden zu haben und sandte ihm eine Freundschaftsanfrage. Aus kurzen Grüßen wurden bald längere Nachrichten. Wir erzählten uns die verschiedensten Facetten unseres Lebens, was wir hofften und was wir erträumten. Schnell entstand dieses vertraute Gefühl, einem Menschen noch nie so nahe gestanden zu haben wie Timothy, bis ich bemerkte, dass wir uns im realen Leben noch nie begegnet waren, dass der Mann, mit dem ich mich so vertraut unterhielt, ein völlig fremder Timothy Marsh war, der mit meinem alten Jugendfreund nur den Namen gemeinsam hatte.

Nun saß ich diesem Timothy Marsh gegenüber. Diesem ungemein gutaussehenden Mann, der mich mit seinen langen Haaren und den durchdringenden Augen an den Piraten Jack Sparrow erinnerte.

Der Kellner riss mich aus meiner Grübelei, als er mit den Speisekarten erschien.

„Was darf ich den Herrschaften zum Trinken bringen?“, fragte er.

„Wasser“, war mein Wunsch.

„Eine Flasche Wasser“, verlangte Timothy.

Der Kellner holte ein Feuerzeug hervor und wollte damit die Kerze anzünden. In diesem Moment streifte ihn eine Frau beim Vorübergehen und versetzte ihm einen Stoß. Er versuchte auszubalancieren und setzte mit dem brennenden Feuerzeug meine Papierserviette in Brand, die sofort in Flammen aufging. Timothy nahm die Vase. Er riss die Rose heraus. Mit Schwung wollte er mit dem Wasser das Feuer löschen, traf aber stattdessen mein Gesicht. Ich schnappte nach Luft. Mit einem Sprung fasste der Kellner nach dem Feuerlöscher. Die Serviette brannte inzwischen lichterloh. Der Kellner löste die Sicherungslasche, dann betätigte er den Bedienhebel. Das Löschmittel löschte nicht nur das Feuer, sondern ruinierte auch die Kleidung von Timothy und mir.

Es hinterließ ein Werk der Zerstörung. Meine Frisur hatte mich ein Vermögen gekostet und nun war sie ruiniert. Auf Timothys Anzug prangten Rußpartikel, ebenso wie auf meinem neuen Kleid. Wir gaben ein erbärmliches Bild ab.

„Du siehst bezaubernd aus“, flüsterte Timothy.

„Machst du dich über mich lustig?“, entgegnete ich. „Meine Frisur ist ruiniert und mein Kleid zerstört.“

„Dennoch siehst du bezaubernd aus. Darf ich einen Vorschlag machen?“

„Ja“, antwortete ich zaghaft.

„Wir könnten uns in meinem Hotelzimmer frisch machen und das Essen auf meine Suite kommen lassen. Und während wir essen, könnte dein Kleid gereinigt werden.“

Ich sah ihn an und überlegte. Als wir uns vor einer Woche zu diesem Treffen in München verabredet hatten, lehnte ich ab, mich mit ihm in seinem Hotel zu treffen. Ich zog es vor, bei meiner Freundin zu übernachten.

Doch nun stand Timothy vor mir und war anders als erwartet. Vom ersten Moment an vertraute ich ihm. Er würde die Situation nicht ausnutzen und angesichts der Zerstörung meines Kleides und meiner Frisur stimmte ich Timothy zu. Dem Kellner war die Angelegenheit überaus peinlich, weshalb wir uns schnell verabschiedeten und mit einem Taxi in sein Hotel fuhren.

An der Rezeption des Hotels sprach er kurz mit der Empfangsdame und dann führte er mich in seine Suite, die aus einem Wohnzimmer und einem Schlafzimmer bestand.

Ich ging ins Bad, zog mein Kleid aus und übergab es Timothy, der es weiter an den Zimmerservice gab. Da meine Unterwäsche alles unbeschadet überstanden hatte, zog ich den Bademantel des Hotels darüber. Meine Frisur und mein Make-up versuchte ich vorsichtig zu restaurieren. Als ich das Zimmer betrat, hatte sich Timothy schon umgezogen und trug eine graue Hose und ein weißes Hemd.

„Du siehst entzückend aus“, lachte er und rückte mir den Stuhl vor dem inzwischen festlich gedeckten Tisch zurecht. Er übergab mir die Speisekarte und wir wählten unser Menü.

„Dein Gesicht,“ begann ich kichernd. „Es war zu köstlich.“

„Und du erst. Ich habe deine schöne Frisur ruiniert und dein Kleid. Tut mir leid.“

„Nichts muss dir leid tun.“

Timothy nahm meine Hand und drückte sie. Wieder roch ich dieses herbe Aftershave, das meine Sinne betörte.

In diesem Moment wurden wir durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Auf ein „herein“ schob der Kellner einen kleinen Wagen mit unseren bereitgestellten Menüs in die Suite. Das Essen roch verführerisch und der Kellner verteilte das Essen auf unsere Teller und verließ die Suite.

„Bon appétit“, sagte Timothy und begann zu essen.

„Es schmeckt köstlich“, sagte ich zu Timothy.

„Das Hotel hat ein gutes Restaurant. Das Limoni wäre jedoch die bessere Wahl gewesen.“

„Woher weißt du das?“

„Hat mir ein Freund verraten.“

Wir waren mit dem Essen schon fertig, als mich Timothy aus meinen Gedanken riss:

„Ich mag Spaziergänge am Meer. Begleitest du mich?“

„Ich mag alles, was mit Wasser zu tun hat. Wasser ist mein Element.“

„Damit kann ich dienen. Ich habe ein Haus mit Pool.“

„Wie cool, Timothy.“

„Er ist klein und steht im Badezimmer.“

Wir lachten.

„Kannst du schwimmen?“, fragte er unversehens.

„Sicher.“

„Dann kannst du es mir bestimmt beibringen.“

„Ist das dein Ernst, du kannst nicht schwimmen?“

„Ernsthaft.“

„Das werden wir hinbekommen“, antwortete ich gelassen.

„Mein Haus hat tatsächlich einen Pool. Ich habe ihn für meinen Sohn bauen lassen“, fügte er zaghaft hinzu. Ein Haus mit Pool für einen Mann, der nicht schwimmen konnte!

Ich wusste aus seinen Erzählungen, dass sein Sohn Frank etwa im selben Alter war wie meine Tochter Julia.

„Meine Tochter befindet sich mitten in der Pubertät. Hast du Schwierigkeiten mit Frank?“

„Kinder in der Pubertät sind nicht immer einfach“, lachte Timothy.

„Wahrhaftig nicht. Es gibt endlose Diskussionen.“

„Frank kam einmal um ein Uhr in der Nacht von einer Party nach Hause. Ich hatte Stunden auf ihn gewartet.“

„Was hast du gesagt?“

„Ausreden haben sie immer in diesem Alter.“ Ich lächelte, denn das kannte ich aus eigener Erfahrung.

„Dann erhielt er eine drastische Strafe zur Abschreckung.

Das hat gewirkt, denn seitdem kommt er zur verabredeten Zeit.“

„Man muss den Kindern Grenzen setzen.“

„Und auch zusehen, dass sie eingehalten werden.“

„Auf Julia konnte ich mich in dieser Hinsicht immer verlassen. Dafür hat sie gerade große Schwierigkeiten in der Schule. Die Leistungen lassen immer mehr nach, weil man mehr Zeit für Schminken und Fingernägel benötigt.“

„In diesem Alter ist man einfach nur hormongesteuert.“

Timothy lachte.

„Da muss jeder durch und wird erwachsen“, lachte ich.

„Früher oder später.“

„Und dann verlassen sie das Haus und lassen uns einsam zurück.“

„Bist du einsam?“

„Ja“, flüsterte er.

„Erst im Moment der Einsamkeit wird uns bewusst, wie viel uns die Nähe eines Menschen bedeutet“, antwortete ich und stand auf. Timothy hatte Gefühle in mir ausgelöst, die ich verloren glaubte. An einem Abend, in einem Augenblick, hatte er mein innerstes Wesen erobert, meine Gefühle, meinen Intellekt und meine Seele. Mir wurde bewusst, dass dies eines jener magischen Momente war, die einzigartig waren und nie wieder kamen. Ich musste mich entscheiden. Ich wollte ihn. Diesen Moment auskosten und nicht an die Zukunft zu denken, sondern in der Gegenwart zu leben. Diesen herrlichen Moment, in dem man glaubte, die ganze Welt drehte sich um zwei Menschen. Diesen Moment des vollkommenen Glücks.

Ich stand auf und ging um den Tisch herum zu Timothy, der sofort aufgestanden war. Wir sahen uns in die Augen. Ich musste etwas tun, dachte ich, knöpfte den Gürtel des Bademantels auf und ließ ihn fallen.

„Du machst aus einem einsamen Mann einen glücklichen Mann“, flüsterte seine raue Stimme. Quälend langsam kam er näher und küsste mich. Er streichelte sanft meine Wangen und fuhr mir mit seiner Hand durch die Haare. Alles in mir begann zu beben. Bis in meine Zehenspitzen fühlte ich ein Kribbeln und jede Faser meines Körpers begann unter seinen Händen zu vibrieren. Ich entschied mich. Ich wollte ihn. Jetzt. Leidenschaftlich küsste ich ihn und fuhr mit der Hand über seine Brust. Dieser herrliche Augenblick sollte nicht enden und ich würde jede Sekunde auskosten. Ich ergriff die Initiative und Timothy sprang sofort auf die Welle der Zuneigung auf, die uns beide wie ein Strudel erfasste.

Timothy trug mich in das Schlafzimmer und legte mich auf das Bett. Voller Leidenschaft küsste er mich, zog mich aus, liebkoste mich. Auch ich zog ihn aus, Stück für Stück, bevor wir uns in einer stürmischen Ekstase wieder fanden.

2.

Ich wachte auf, als Timothy mir einen Kuss in den Nacken hauchte.

„Ich habe Frühstück bestellt“, flüsterte er in mein Ohr.

Verführerische Schwaden von Kaffeeduft erreichten meine Nase. Ich zog den Bademantel an und trat in das Wohnzimmer, wo der Frühstückstisch gedeckt war. Mein gereinigtes Kleid lag über einem Stuhl. Da fiel mir ein, dass meine Freundin die ganze Nacht auf mich gewartet haben musste. Ich rief sie an und gab ihr kurz Bescheid. Sie würde mich mit meinem Gepäck am Busbahnhof treffen.

„Ich habe Kaffee und Tee bestellt, weil ich nicht wusste, was du bevorzugst“, sagte Timothy.

„Ich ziehe Kaffee vor“, antwortete ich.

„Ich auch. Da bin ich Franzose.“

Höflich schenkte er mir den Kaffee ein und ich nahm mir von der warmen Milch.

„Café-au-lait“, meinte ich. „Habe ich mir vor vielen Jahren in Frankreich angewöhnt.“

Ich nahm mir ein Croissant mit Butter und biss herzhaft hinein. Die Nacht mit Timothy hatte meinen Appetit angeregt und ich sah ihn an. Es war einen Monat her, seitdem wir uns kennengelernt hatten und miteinander chatteten. Seit dem ersten Moment war ich in Timothy verliebt, doch heute Nacht hatte er mein Herz erobert.

„Ich würde gerne ein Museum besuchen“, regte ich an. Ich wollte ihn besser kennenlernen.

„Hast du einen Vorschlag?“

„Wie wäre es mit der Glyptothek?“

„Ich weiß zwar nicht, was das ist, aber es wird sicherlich interessant werden.“

Mit dem Taxi fuhren wir in die Innenstadt zur Glyptothek. Timothy bezahlte den Eintritt und wir betraten den ersten Raum.

„Antike Kunst?“ Seine Augen leuchteten, was mir zeigte, dass wir eine gemeinsame Leidenschaft hatten.

„Du magst auch antike Kunst?“, fragte er ungläubig.

„Ja, Griechenland fasziniert mich. Nicht nur die Skulpturen, auch das Theater, Philosophie und die Baukunst.“

Wir sahen uns um und blieben bei einer großen Figur stehen.

„Siehst du diese Statue? Man sieht ihr an, dass dieser Mensch gelitten hat“, sagte ich.

„Diese Figur stammt aus der Zeit des Hellenismus“, unterwies mich Timothy, „in dem die Künstler aus der Fülle des Lebens schöpften. In der Klassik standen noch Körperbau, Funktionalität und Gliederung des menschlichen Körpers im Mittelpunkt der Kunst, die vor allem körperlich ideale Körper darstellte. In dieser Zeit wendet sich der Künstler dem Individuellen und Besonderen zu. Deshalb werden nun auch unvollkommene Körper wie alte Menschen und Kranke dargestellt. Im nun folgenden Hellenismus werden psychische Zustände wie Trunkenheit, Erregung, Freude, Lust und Leid akribisch herausgearbeitet, wie du hier beim Barberinischen Faun siehst.“

Timothy war in seinem Element. Ich sah einen jungen Mann nackt ausgestreckt auf einem Felsen liegen. In einer lasziven Haltung war sein Haupt auf die Schulter gesunken. Sein rechter Arm wies über den Kopf nach hinten, der linke, weggebrochene Arm hing seitlich herab. Der Jüngling schien tief und fest zu schlafen, doch bei genauerem Hinsehen zeichnete sich eine Anspannung im sinnlichen Gesicht ab. Die Brauen über den geschlossenen Lidern waren zusammengezogen. Beim geöffneten Mund dachte man sofort an einen Mann mit schwerer Atmung. Der Efeukranz war ein Hinweis darauf, dass er ein Zecher war. Berauscht vom Wein und ermattet von einer durchzechten Nacht war der Mann in einen unruhigen Schlaf gefallen. Als ich um die Statue ging, entdeckte ich in der Rückansicht einen kleinen Pferdeschwanz, der ihn als Satyrn, eines jener halbtierischen Wesen aus dem Gefolge des Rauschgottes Dionysos auswies. Trunkenheit, Ausschweifung und sexuelle Triebhaftigkeit gehörten zum Wesen eines Satyrs. „Der Künstler hat nicht nur die laszive Haltung, sondern auch die exzessive Lebenshaltung gut herausgearbeitet“, sagte ich zu Timothy gewandt, der die Skulptur anstarrte.

Als ich meine Runde beendet hatte und zu Timothy zurückkehrte, nahm er meine Hand in seine und ließ sie nicht mehr los.

„Ja, so müsste die Frau an meiner Seite sein, mein Engel“, flüsterte er mir zu. „Eine Frau, die das Leben mit mir teilt.“

„Dann stellen wir uns dieser Herausforderung“, sagte ich lächelnd zu ihm und küsste ihn sanft. Meine Gefühle katapultierten mich in den Himmel und rissen mich wie in einer Achterbahnfahrt zurück in die Tiefe der Wirklichkeit. Als ich die Augen öffnete, lächelte er mich an.

Wir verbrachten zwei Stunden in diesem Museum, sprachen über Ausstellungsstücke und diskutierten über griechische Kunst, als mir bewusst wurde, dass ich hungrig war. Im Innenhof befand sich ein Café, das an diesem warmen Tag zum Verweilen einlud.

„Möchtest du eine Kleinigkeit essen?“, erkundigte sich Timothy in diesem Moment, als könnte er meine Gedanken lesen. Ich nickte und wir suchten uns einen Platz im gut besuchten Café.

„Was möchtest du denn gerne?“

Ich sah auf die Speisekarte und entschied mich für ein paar Weißwürste mit Brezel.

„Ein typisch bayerisches Essen“, meinte ich.

„Das probiere ich auch.“

Nach dem Essen setzten wir uns in den in den Park vor der Glyptothek auf eine Bank.

„Warum ist so eine Frau wie du allein?“

„Nachdem Julia auf die Welt kam, war die Beziehung zu meinem Ehemann die reine Hölle. Täglich hörte ich, wie schlecht das Essen schmeckte, das ich ihm kochte. Ich konnte ihm nichts recht machen. Es missfiel ihm, wie ich mich kleidete. Meine Frisur missfiel ihm, meine Stimme war zu laut. Wenn ich Julia Grenzen setzte, schimpfte er mit mir. Wir stritten nur noch und so wurde ich immer einsamer. Erst als ich ihn verlassen habe, begrüßte ich das Leben als Freund.“

„Meine Frau starb an Darmkrebs, als Frank zwei Jahre alt war. Er musste miterleben, wie seine Mutter von der Krankheit aufgefressen wurde. Tag für Tag ging es ihr schlechter, bis sie schließlich im Krankenhaus verstarb. Sie ließ mich allein zurück. Seit ich dich kennengelernt habe, fühle ich mich nicht mehr einsam. Besuchst du mich in London?“

Ich lächelte, denn mein Körper hatte sich gemerkt, was geschehen war und sehnte sich nach einer Wiederholung. „Verräter“, dachte ich, denn ich wollte mich nicht von meinem Körper abhängig machen. Ich wusste keine Antwort auf die Frage, wie ich das Karussell der Liebe, das durch unsere gemeinsame Nacht in Schwung gesetzt wurde, verlangsamen konnte. Es ging zu schnell und ich wollte mich noch nicht entscheiden.

„Du bringst selbstverständlich deine Tochter mit“, fügte er sanft hinzu. Das war die Entscheidung.

„Wir könnten Anfang November kommen, wenn bei uns Herbstferien sind“, meinte ich zaghaft.

„Dann werde ich dir meinen Sohn Frank vorstellen und wir können mit den Kindern zusammen etwas unternehmen.“

„Ich kenne London nicht“, fügte ich hinzu.

„Ich werde euer Reiseführer sein. Und dann bleibst du für immer bei mir“, flüsterte Timothy. Eine Antwort blieb ich ihm schuldig. Das ging mir zu schnell. Doch Timothy schien zu wissen, was er wollte.

Timothys Flug ging am späten Nachmittag und auch mein Bus fuhr um fünfzehn Uhr vom Busbahnhof in der Stadtmitte. Er begleitete mich zum Bus, wo meine Freundin Sandra mit meinem Gepäck wartete. Ich machte die beiden miteinander bekannt und verabschiedete mich von meiner Freundin und anschließend von Timothy.

„Du bist auch in Wirklichkeit die wundervolle Frau, die ich mir in meinen Träumen gewünscht und ersehnt habe“, zog mich Timothy zu sich heran und küsste mich zum Abschied zärtlich.

„Wundervolle Leute sind sorgfältig von Gott geschaffen ebenso sind wunderbare Momente sorgfältig von Gott geplant, so wie du, mein Engel, sorgfältig von Gott begabt wurdest. Ich liebe dich und werde dich vermissen.“

„Ich vermisse dich jetzt schon Timothy.“

Auf der Fahrt nach Hause hing ich meinen Träumen nach. Die Präsenz Timothys klang in meinem Inneren nach und ließ meinen Körper leicht erbeben. Eine Bodenwelle holte mich in die Wirklichkeit zurück. Ich wollte nicht den Fehler begehen, mich in eine Beziehung zu stürzen, nur weil ich meinen Problemen auf meiner Arbeitsstelle entfliehen wollte, nahm ich mir vor.

„Es war das schönste Wochenende seit langer Zeit“, schrieb er mir nach seiner Rückkehr. „Jeden Moment, den wir miteinander verbracht haben, werde ich in meinem Herzen behalten.“

3.

Wie eine zarte Pflanze, so keimte die Liebe in meinem Herzen. Meine Gefühle hütete ich wie einen Schatz, den ich vorerst noch nicht teilen wollte.

Als ich am nächsten Morgen die Tür zu meiner Arbeitsstätte öffnete, überrollte mich erneut die beklemmende Enge, die sich in der Kanzlei schon lange durch alle Abteilungen zog. Die meisten Mitarbeiter hatten sich entschlossen, Dienst nach Vorschrift zu machen und einer Begegnung mit den Chefs so weit wie möglich auszuweichen. Die Herren Rechtsanwälte führten ihr eigenes Regime, in dem sie jede kreative oder kritische Anregung der Mitarbeiter mit Missgunst straften und das Betriebsklima schleichend aber stetig vergifteten. Ich war schon lange frustriert und ausgebrannt und den anderen Kolleginnen ging es nicht anders.

„Die Welt ist nicht gerecht“, seufzte ich, ließ mich vor meinem Schreibtisch nieder und fuhr den Computer hoch.

„Diesen Tag werde ich auch wieder hinter mich bringen“, sagte ich mir. Doch es kam anders.

An diesem Morgen wurde ich zum Personalchef gerufen.

„Frau Heart, wir müssen uns von Ihnen trennen.“

Was sagte er da? Er wollte mich entlassen! Das konnte nicht sein!

„Sie haben Unruhe in das Team gebracht und das können wir nicht dulden.“

„Ich habe mich nur für eine Kollegin eingesetzt.“

„Sie haben sich nicht in das Team eingegliedert.“

„Das ist nicht wahr“, erwiderte ich.

„Sie wollen mir widersprechen?“

„Ja.“

„Genau das ist Ihr Problem, Frau Heart.“

„Nein, das ist Ihr Problem.“

Ich nahm das Kündigungsschreiben und stand auf.

„Die Kündigung ist unwirksam“, sagte ich, bevor ich sein Büro verließ.

Der autoritäre Führungsstil ließ keine Kritik zu. Wie lange stellte ich mich gegen das System der Unterwerfung und Bestrafung? Hier wurde jeder Konflikt durch Ausgrenzung eingegrenzt und unschädlich gemacht. Eine wirkliche Lösung gab es nicht.

Als ich sein Büro verließ, zitterten meine Beine und ich wusste nicht wohin. Im Büro meiner Kollegin setzte ich mich.

„Was ist denn los?“, fragte Steffi.

„Mir wurde gekündigt.“

„Nein, das können sie nicht.“

„Doch, das können sie. Ich hätte mich nicht in das Team eingegliedert.“

„Das ist doch gar nicht wahr.“

„Ich habe ihm widersprochen und das dulden sie nicht.“

Steffi protestierte nicht.

Die Angst kroch langsam hoch, denn mit der Kündigung war meine Existenz gefährdet. Meine Tochter war von mir abhängig. Mit depressiven Gefühlen fuhr ich nach Hause.

Das hatte ich davon, dass ich mich für meine Kollegin eingesetzt hatte. Mein Job war weg.

Meine Stimmung hellte sich sofort auf, als ich Timothys Nachricht las.

„Hallo, mein lieber Engel, danke für die gemeinsame Zeit in München. Ich schätze die Zeit, die du mir widmest und deine Liebe für mich. Nun, ich weiß nichts über die Liebe und Gefühle, die wir füreinander haben, ich weiß nur, dass du wie die Sonne für mich aufgegangen bist.“

Mir rann eine Träne hinunter, so gerührt war ich. Vielleicht führte mich ein gütiges Schicksal doch in eine andere Richtung.

„Ich zähle jede Stunde, bis wir uns in London wiedersehen“, antwortete ich.

„Ich bin sehr stolz und dankbar, dass uns das Schicksal zusammengeführt hat. Ich liebe dich mehr, als du dir vorstellen kannst und vermisse dich jeden Moment meines Lebens.“

„Auch ich vermisse dich Timothy und denke jede Sekunde des Tages an dich.“

Sein Schreiben weckte ambivalente Gefühle. Das Abenteuer lockte und hier sah ich die Chance, mein Leben grundlegend zu ändern. Andererseits wolle ich nicht von einem Abhängigkeitsverhältnis in das nächste schlittern. Ich wollte in jeder Hinsicht ein selbstbestimmtes Leben führen und mich nicht von einem Mann abhängig machen, auch wenn ich ihn über alles liebte.

Als Julia nach Hause kam, erzählte ich ihr von meiner Kündigung.

„Mami, es öffnet sich immer eine neue Tür, wenn sich eine Türe schließt“, tröstete sie mich. Sie schien zuversichtlich zu sein.

4.

Zunächst stand ich viel zu sehr unter Schock, um an Arbeit zu denken und ließ mich krank schreiben. Dann suchte ich einen Rechtsanwalt auf, und er reichte eine Kündigungsschutzklage ein, bei der ich mit sofortiger Wirkung freigestellt werden sollte.

„Dir zu sagen, dass du die schönste Frau bist, auf die ich meine Augen gelegt habe, könnte als Schmeichelei ausgelegt werden, aber diese Schmeichelei ist wahr. Du bist für mich die Verkörperung der Freundlichkeit, die wunderbarste Frau die ich je getroffen habe. Dies sage ich nicht nur, weil ich mich unsterblich in dich verliebt habe, sondern weil es wahr ist. Es ist herrlich, eine perfekte Kombination zu finden, und ich bin der glücklichste Mann, weil du mein bist.“

Nach meiner Scheidung hatte ich mich zurückgezogen, hatte mein Herz eingeigelt und mit Stacheln umgeben. Erst Timothy hatte die Stacheln entfernt und drang in mein Innerstes vor. Und mit jedem Tag eroberte er einen weiteren Teil meines Wesens.

Mittlerweile hatte Timothy unsere Flugtickets gebucht.

„Hallo, mein Engel, wie war dein Tag? Tut mir leid für die verspätete Antwort aufgrund eines Umstands außerhalb meiner Kontrolle. Ich war gestern bei einem Treffen und sehr müde, als ich nach Hause kam. Habe Geduld mit mir. Ich weiß, du schläfst schon und ich wünschte, ich wäre bei dir, um dich festhalten und dir eine liebevolle gute Nacht zu wünschen, mein Engel. Ich vermisse dich und liebe dich mehr, als du dir vorstellen kannst. Umarmungen und Küsse.“

Wir packten unsere Koffer. Es war Ende Oktober, also nicht mehr warm, und wir wollten uns die Stadt ansehen.

Tagsüber würde ich mich in Hosen wohler fühlen. Vielleicht ergab sich auch eine Gelegenheit, abends auszugehen, weshalb ich ein Abendkleid sowie verschiedene Röcke und Blusen einpackte.

„Danke für deine angenehmen Wünsche. Ich bin Gott dankbar und stolz, dich in mein Leben gebracht zu haben. Ich vermisse dich in jedem Moment und freue mich auf unser Zusammentreffen“, schrieb mir Timothy am Abend vor unserem Abflug.

Aufgeregt fuhren Julia und ich am Freitag mit dem Zug zum Flughafen nach Stuttgart und checkten ein. Knapp zwei Stunden später landeten wir in Heathrow. Nachdem wir unsere Koffer auf einen Gepäckträger gehievt hatten, gingen wir durch das Gate und wurden von Timothy empfangen, der in seinem grauen Anzug mit weißem Hemd und roter Krawatte einfach umwerfend gut aussah. Seine langen Haare hatte er zu einem Zopf nach hinten gebunden.

„TiiiTiimothy,“ stotterte ich und er küsste mich kurz. Ich wurde ruhiger, als ich das gewohnte herbe Aftershave an ihm roch.

„Darf ich dir Frank vorstellen“, sagte er in Englisch zu mir und schob einen fünfzehnjährigen Jungen vor, viel zu groß und viel zu schlank mit neugierigen Augen. Mit leicht zur Seite geneigtem Kopf und einer zerknitterten Jacke begrüßte er mich.

„Das ist Julia, meine Tochter.“

„Nice to meet you“, sagte sie. Julia war ein typisch vierzehnjähriger Teenager, mit langen blonden Haaren. Wie lange würde es dauern, bis sie sich in die englische Sprache anpassen konnte?

„Ich nehme euer Gepäck.“ Timothy schob unseren Wagen durch das Flughafengebäude zum Ausgang, wo sein Auto parkte. Der große Mercedes der E-Klasse bot reichlich Platz für unser Gepäck und noch mehr Platz für die Beifahrer. Es war ungewohnt für mich auf der linken Seite als Beifahrer Platz zu nehmen. Die Kinder setzten sich nach hinten und Frank begann eine Unterhaltung mit Julia.

„Wir wohnen auf der anderen Seite von London. Soll ich eine kleine Stadtrundfahrt für die Damen machen?“ fragte mich Timothy und ich gab die Frage weiter an Julia.

„Au ja“, war ihre spontane Antwort in Deutsch.

„Speak English“, erinnerte ich sie.

„Yes of course.“

Zuerst fuhren wir auf der Autobahn Richtung London. Als sie endete, ging es lange gerade aus Richtung Zentrum, bevor wir rechts abbogen.

„Hier links liegt der Hyde-Park“, erklärte Timothy. Julia hatte ihre Schüchternheit überwunden.

„Der Buckingham Palast“, rief sie aus.

„Die Fahne der Königin zeigt an, dass sie in London weilt“, teilte Frank mit.

Weiter ging es eine größere Straße entlang und Timothy erklärte mir, dass wir an der Westminster Abbey vorbeifuhren und bald den Big Ben sehen würden, bevor wir die Brücke überquerten. Dann erreichten wir die Autobahn, die wir erst verließen, als wir an einem riesigen Park entlang fuhren.

„Der Greenwich Park“, erklärte Timothy.

„Steht da nicht das Observatorium von Greenwich?“

„Ja, meine Liebe.“

„Das interessiert mich aber“, meinte ich.

„Wir können gerne einmal hin, später.“

„Oh ja.“

Es ging weiter und ich las St. Johns Park, als er eine Auffahrt hochfuhr und vor einem Haus hielt. Es war ein dreistöckiges Haus mit einer roten Fassade. Ich war überrascht, dass Timothy ein so großes nobles Haus in London besaß. Er schien wohlhabend zu sein.

Als Timothy das Auto abstellte, kam schon ein weißhaariger Mann heraus, um das Gepäck zu holen.

„Das ist John“, stellte Timothy vor. „John ist Chauffeur, Butler und managt hier alles.“

„Hallo John“, begrüßte ich ihn, ebenso wie meine Tochter.

John trug schwarze Jeans und ein weißes Hemd.

„Guten Tag Mrs. Heart“, begrüßte er mich.

„Nennen Sie mich Olivia“, forderte ich ihm auf.

Er holte das Gepäck, Timothy nahm eine Tasche und Frank ebenso. Eine Frau trat hinzu.

„Das ist Margret, unsere Köchin.“ Margret war klein und schlank mit grauen Haaren und blauen Augen, die mich sanft ansahen.

„Guten Abend Margret“, begrüßte ich sie.

„Guten Abend Mrs. Heart. Du musst Julia sein.“

„Ja“, sagte Julia schüchtern.

„Bitte nennen Sie mich Olivia“, antwortete ich ihr.

„Komm meine Liebe, ich zeige euch eure Zimmer“, meinte Timothy und ging mit einer unserer Taschen voraus. Frank nahm ebenfalls eine Tasche und John brachte zwei Koffer.

Wir folgten Timothy.

Ein beeindruckendes Treppenhaus führte uns in den ersten Stock, in dem sich die Schlafzimmer befanden.

„Dieses Schlafzimmer ist für Julia“, sagte Timothy und

Frank stellte die Tasche ab.

„Gefällt es dir?“ fragte Frank vorsichtig.

„Es ist wunderschön.“

Frank wirkte etwas steif und zurückhaltend auf mich.

Timothy ging weiter in das Zimmer nebenan.

„Und das ist unser Schlafzimmer.“ Timothy stellte meine Tasche ab, als auch schon John mit meinem Koffer kam.

„Wollt ihr euch frisch machen und auspacken?“

„Ja, gerne.“

„In einer Stunde gibt es Abendessen. Ist das für euch in Ordnung?“

„Ja, sicherlich.“

Timothy wollte gerade gehen, da fiel mir ein, dass wir uns in einem englischen Herrenhaus befanden.

„Timothy, was sollen wir anziehen?“

„Oh, jedenfalls kein Abendkleid.“

„Was tragen die Herren?“

„Wir tragen Anzug“, sagte Timothy.

„Aber bitte, kommt ganz leger. Ich freue mich auf das Abendessen, mein Engel.“

„Ich auch.“

Ich sah mir zuerst das Zimmer von Julia an. Es hatte ein großes Himmelbett, ein Sofa und einen Sessel am Fenster sowie ein eigenes Bad.

„Mami, ich habe einen begehbaren Kleiderschrank!“

Das war das ganze Glück meiner Tochter und so fühlte sie sich sofort wohl.

„Mami, dieses Haus ist riesig. Ist Timothy reich?“

„Ich bin auch überrascht, dass Timothy so wohlhabend ist.“

„Und Frank ist so steif“, sie kicherte.

„Ihr habt Zeit, euch in dieser Woche kennenzulernen. Er ist wohl nur ein wenig zurückhaltend, so wie du auch.“

„Dann bin ich mal gespannt Mami.“

„Zieh dir bitte ein Kleid an“, wies ich sie an.

„Muss das sein?“ Julia liebte Hosen mit Löchern, doch das schien mir unangebracht zu sein.

„Timothy sagte leger“, wandte sie ein.

„Das ist Understatement der Engländer, mein Schatz. Er meint, dass elegant zu Abend gegessen wird. Machst du mir die Freude und ziehst ein Kleid an?“

Julia verzog ihr Gesicht, doch schließlich schlüpfte sie in ein Kleid und Highheels.

Im Schlafzimmer sah ich mich zunächst um und während ich meine mitgebrachten Kleider aus dem Koffer packte, nahm ich wahr, dass Timothy wohlhabender war als gedacht. Dieses Schlafzimmer hatte zwei begehbare Kleiderschränke. In einem hingen die Anzüge von Timothy und der andere Kleiderschrank war leer und ich füllte ihn mit meinen mitgebrachten Kleidern. Voller Vorfreude zog ich einen schwarzen Rock mit einer bunten Bluse und langen Stiefeln an.

5.

Julia sah sich gerade in meinem Schlafzimmer um, als Timothy das Zimmer betrat. Er küsste meine Wange und führte uns in das Esszimmer, das sich im Erdgeschoss befand. An einem großen Tisch war für sechs Personen gedeckt. Frank stand auf und half Julia, während Timothy mir den Stuhl zurecht rückte. Der Raum war mit nussbaumfarbenen Möbeln ausgestattet, die Decke und Wände mit Nussbaum vertäfelt. An einer großen Fensterfront hingen schwere blaue Vorhänge, die den Blick in den Garten kaum freigaben. Es war schon dunkel, ich konnte gerade noch den Umriss eines Baums erkennen. Margret trat mit einer Suppenschüssel ein und stellte diese auf ein Stövchen, während sie und John sich an den Tisch setzten.

„Guten Appetit“, sagte sie.

Wir aßen und Timothy erzählte von Erlebnissen in London und was er uns alles zeigen könnte.

„Wir haben unserem Klassenlehrer gestern einen Streich gespielt“, begann Frank. „Als er das Klassenzimmer betrat, rüttelten wir auf ein Codewort hin an den Tischen und schrien 'Erdbeben'. Er war erschrocken und sofort verließen wir das Klassenzimmer. Als der Lehrer bemerkte, dass keine andere Klasse folgte, wurden wir angehalten. Im Klassenzimmer nebenan erkundigte er sich nach dem Erdbeben, doch die Klasse lachte schon laut als er zurück kam.“

„Und dann?“, fragte Julia.

„Wir sollen einen Aufsatz über Erdbeben in San Francisco schreiben.“

„Trotzdem spielt ihr euren Lehrern einen Streich?“

„Ihr nicht?“

„Nein. Sonst werden wir von der Schule geworfen.“

„Was habt ihr für Lehrer? Verstehen die keinen Spaß?“

Julia schüttelte den Kopf und lachte, während wir alle mit einstimmten.

Nach der Vorspeise verschwanden Margret und John mit den Suppentellern und kamen mit Fleisch, Gemüse, Salat und Kartoffeln wieder. Es schmeckte köstlich. Timothy reichte zum Essen einen deutschen Weißwein aus dem Rheinland.

„Ich liebe deutschen Weißwein“, erklärte Timothy. „Aber Rotwein aus Frankreich ist der Beste. Schmeckt dir dieser Wein?“

„Vorzüglich, fruchtig und leicht. Er passt zu diesem Essen.“

Bald entfaltete sich eine lebhafte Diskussion über moderne Musikgruppen. Während sich Timothy und ich eher für die Beatles oder Elvis Presley begeisterten, hörten Frank und Julia lieber One Direction, Justin Bieber oder Hip Hop. Darin waren sie sich einig.

Der Nachtisch wurde aufgetragen, doch ich war bereits satt. Margret hatte unsere Geschmacksnerven mit jedem Gang voll getroffen und zog sich mit John in die Küche zurück.

„Soll ich euch das Haus zeigen?“, fragte uns Timothy.

„Ja, gerne. Dann finden wir morgen allein den Weg in den Speisesaal“, meinte ich lächelnd.

Timothy führte uns zuerst im Erdgeschoss herum, dann im ersten Stock und in den zweiten Stock mit dem Dach. Hier standen Skulpturen, die er bearbeitete.

„Du hast mir nicht erzählt, dass du als Bildhauer arbeitest“, rief ich vor Überraschung aus. Er stellte gerade eine Skulptur aus Speckstein her.

„Ich male und ich stelle auch hin und wieder Skulpturen her. Der Besuch in München hat mich inspiriert, weshalb ich diese hier begonnen habe.“

Er führte uns in den Raum nebenan, der etwas abgedunkelt war. Hier waren Bilder aufgestellt. Er hatte mich gemalt. Über das erste Bild musste ich lachen, denn so hatte ich wohl ausgesehen, als der Feuerlöscher meine Kleidung und meine Frisur ruiniert hatte. Das zweite Bild zeigte mich auf der Bank vor der Glyptothek mit einem in die Weite versenkten Blick. Als ich die Bilder genauer betrachtete, entdeckte eine empfindsame Seele, die aufmerksam beobachtete. Er spiegelte seine Umgebung auf künstlerische Art wieder.

„Deine Bilder berühren meine Seele“, flüsterte ich sanft.

„Du hast mein Herz berührt, mein Engel. Und das ist das Ergebnis“, verkündete er stolz.

Julia stand lange vor dem ersten Bild und Timothy gab die dazu gehörende Geschichte zum Besten. Julia und Frank konnten sich vor Lachen kaum halten. Ich bemerkte einen vertrauten Umgang der Kinder miteinander und ein Stein fiel mir vom Herzen, als Timothy schon in das Erdgeschoss ging. Wir folgten brav. In einem Anbau befand sich ein Schwimmbad mit Fitnessgeräten und einer kleinen Sauna.

„Darf ich schwimmen?“, fragte Julia.

„Jederzeit. Frank schwimmt auch regelmäßig.“

„Schwimmen dient der Entspannung“, war auch meine Ansicht.

„Darf ich auch auf das Laufband?“, fragte Julia.

„Wenn du nach den Besichtigungen nicht zu müde bist“, erwiderte Frank.

„Niemals“, entgegnete Julia und beide lachten.

„Hier geht es zu den Hauswirtschaftsräumen und den Räumen von John und Margret“, erklärte Timothy.

„Wir gehen in das große Wohnzimmer“, verabschiedete sich Frank mit Julia im Schlepptau. „Und spielen Schach.“

Ich sah Julia an, die seit Jahren kein Interesse mehr an Schach gezeigt hatte, die es aber schon als kleines Kind beherrscht hatte. Ich kannte meine Tochter kaum wieder.

Kichernd verschwanden die beiden.

„Dann nehmen wir das Kaminzimmer. Darf ich dir ein Glas Wein anbieten?“, fragte mich Timothy.

„Gerne.“

Ich folgte Timothy in ein kleines Wohnzimmer mit einem L-förmigen Sofa, einem Tisch und einem großen Kamin, in dem schon ein Feuer flackerte.

„Nimm Platz mein Engel“, flüsterte Timothy mir zu. Auf dem Tisch standen zwei Rotweingläser und eine dekantierte Karaffe mit Rotwein.

Ich setzte mich auf das Sofa und Timothy kredenzte uns den Wein. Es bewegte mich, seinem Ritual zuzusehen, wie seine schön geformte Hand die Karaffe umfasste und den Wein langsam in die Gläser gleiten ließ.

Timothy konzentrierte sich auf den Wein und vergaß dabei, was um ihn war. Erst als die Gläser eingeschenkt waren, wandte er sich mir wieder zu.

„Sag mir ehrlich, meine Liebe, wie du diesen Wein findest.“

Es war ein französischer Rotwein, er hatte ein dunkles Rot und blieb ölig am Glas hängen.

Ich schloss die Augen, nahm einen Schluck und ließ diesen langsam in den Mund gleiten, während ich mich auf meinen Gaumen konzentrierte. Was ich schmeckte, begeisterte mich. Die fruchtige Note dieses Weins ließ mich eintauchen in die Sonne Frankreichs. Und da wurde mir bewusst, wie Timothy war. Sonnig wie Frankreich und geheimnisvoll wie China. Für mich eine vollendete Kombination.

Timothy sah mir meine Gefühle wohl an, da ich sein Gesicht strahlen sah, als ich meine Augen wieder öffnete.

„Mein Engel, du siehst bezaubernd aus“, flüsterte er.

Wir nahmen einen Schluck Wein, als Timothy mein Gesicht streichelte, es sacht zu sich heran zog und mich küsste, zuerst sanft und bald intensiver. Sein Kuss verwandelte meinen Körper in eine Feuersbrunst, die mich vom Kopf bis in die Fußspitzen erfasste.

6.

Was hatte ich in dieser Nacht geträumt, überlegte ich beim Aufstehen. Der Traum in einem neuen Haus würde wahr werden, doch ich konnte mich wie so oft nicht erinnern.

Timothy war schon weg und ich zog mich an. Da erinnerte ich mich wieder. Ich hatte von einem Strauß Rosen geträumt mit geschlossenen Blüten. Die Blüten gingen auf und rochen betörend und waren wunderschön anzusehen.

Ich sah es als gutes Vorzeichen für meine Beziehung zu Timothy an.

Heute wollten wir London sehen und konnten es vor Spannung kaum erwarten. Als ich das Zimmer verließ, trat Julia aus ihrem Zimmer. Zusammen gingen wir in das Frühstückszimmer, wo Timothy Zeitung las. Ich musste lächeln, denn es entsprach meinen Vorstellungen eines Engländers.

„Guten Morgen, Timothy“, sagten Julia und ich wie aus einem Mund, als wir das Zimmer betraten.

Timothy legte die Zeitung beiseite, stand auf und kam mir mit einem Kuss entgegen.

„Guten Morgen, mein Engel. Ich hoffe, du hast gut geschlafen?“

„Ja, Timothy, himmlisch.“

Zuvorkommend schob er Julia und mir den Stuhl zurecht.

Wir setzten uns neben ihn, als Frank erschien und uns höflich begrüßte.

„Der Kaffee duftet schon herrlich“, wandte ich mich an Timothy.

„Wohin gehen wir heute?“, fragte Julia.

Ich schaute Timothy an und er lächelte.

„Ich dachte, wir sehen uns zuerst die Westminster Abbey an, dann gehen wir zur Wachablösung an den Buckingham Palace, danach zur Tower Bridge und dem Parlament. Morgen besichtigen wir Trafalgar Square und Madame Tussauds. Ich habe für uns alle London-Tickets besorgt. Damit habt ihr freien Eintritt in die meisten Attraktionen und wir müssen nicht anstehen. Seid ihr mit meinen Vorschlägen einverstanden?“

„Oh ja“, sagten wir im Duett.

„Und wir besuchen heute Abend die Oper.“

Ich strahlte.

„Was wird gespielt?“

„La Traviata von Verdi“, erwiderte Timothy.

„Meine Lieblingsoper, Timothy. Woher weißt du das?“

„Das habe ich geraten, mein Engel.“

Das Wetter war noch diesig, als wir ins Auto stiegen, bahnten sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg.

„In der Stadtmitte wird es noch etwas dauern, bis die Sonne kommt“, meinte Frank und setzte sich in den hinteren Bereich, während mir Timothy die Beifahrertüre öffnete, damit ich einsteigen konnte. In der City fuhr Timothy in ein Parkhaus.

Nach der beeindruckenden Fassade der Westminster Abbey besichtigten wir das Längs- und Querschiff mit den verschiedenen Gräbern von Königen und berühmten Personen der englischen Geschichte. An der Chorschranke fand das Grabmal von Isaac Newton mein Interesse. Als wir die Königsgräber von Maria Stuart und Königin Elisabeth I. besichtigten, entbrannte eine Diskussion über die Auseinandersetzung der beiden Frauen. Timothy erzählte, dass Maria Stuart und Königin Elisabeth, anders als im Theaterstück von Schiller, niemals aufeinander gestoßen waren.

Meine Schritte hallten auf dem Boden wieder und ich sah zur Empore hinauf, die sich in hohen Streben vor mir auftürmte. Mit Timothy an meiner Seite war es warm in diesem alten Gewölbe.

Als wir die Abbey verließen, waren die Kinder froh, die muffigen alten Mauern zu verlassen und wieder in die Novembersonne zu treten. Timothy fuhr uns zum Buckingham Palace und ließ uns aussteigen.

„Leider kann ich hier in der Nähe nicht parken. Ich hole euch hier um halb eins wieder ab. Findet ihr zurück?“

„Natürlich.“

Julia, Frank und ich gingen zum Buckingham Palace, wo sich schon eine große Menschenmenge versammelt hatte.

Wir nutzten die Wartezeit, um die Wachen zu fotografieren und waren rechtzeitig zur berühmten Wachablösung zur Stelle. Die Männer in ihren Paradeuniformen mit roten Jacketts und prächtigen Bärenfellmützen traten vor und vollführten unter Begleitung einer Kapelle ein Spektakel, das wie ein Tanz einstudiert war. Nach der Zeremonie stob die Menschenmenge auseinander. Die noch verbliebene Zeit nutzten wir, um den Palast von allen Seiten zu fotografieren.

Als uns Timothy abholte, fuhr er uns an einen Parkplatz unweit der Westminster Bridge, damit wir den Big Ben und das Parlament fotografieren konnten. An der Themse entlang ging es zur Tower Bridge, wo wir pflichtgemäß unsere Aufnahmen für das Fotoalbum machten.

Sanft nahm Timothy meine Hand, und zeigte mir seine Stadt. Ich war ein Mädchen aus der Provinz und liebte das Leben in der Provinz. Timothy gab sich große Mühe, dass ich mich in der Weltstadt London wohlfühlte.

7.

Ich war froh, dass ich vorausschauend mein türkisfarbenes Cocktailkleid eingepackt hatte, das ich nun tragen konnte. Als ich das Treppenhaus in meinen Highheels hinunter schritt, wartete Timothy schon in einem dunklen Anzug mit roter Weste und einer dazu passenden roten Krawatte. Seine langen Haare hatte er zusammen gebunden und gaben ihm das verwegene Aussehen eines Piraten. Er wirkte unbestritten äußerst anziehend auf mich und als ich näher trat, betörte sein herbes Aftershave meine Sinne.

„Du siehst entzückend aus, mein Engel“, begrüßte er mich mit einem Lächeln, nahm meine Hand und hauchte einen Handkuss darauf. Schüchtern sah ich ihn an und errötete, als Frank aus dem Wohnzimmer trat.

„Donnerwetter, ihr seid ein schönes Paar“, sagte er, als er an uns vorbei ging und die Treppe nach oben rannte. Julia kam ihm entgegen.

„Wo willst du hin?“, fragte er sie.

„Ich möchte schwimmen gehen.“

„Wenn du einen Moment wartest, begleite ich dich.“

„Gern.“

Timothy trat zu mir.

„Siehst du mein Engel, jeder bewundert dich.“

Covent Garden hatte ein eigenes Parkhaus, das Timothy ansteuerte. Ich war aufgeregt, denn noch nie war ich in einer Metropole wie London in die Oper gegangen.

Gespannt folgte ich Timothy in den Eingangsbereich, als uns eine Frau mittleren Alters entgegenkam und ihn auf französische Art begrüßte.

„Timothy, wie schön dich zu sehen.“

„Charlotte, welch eine Überraschung.“

Die Frau trug ein schwarzes Cocktailkleid mit Paillettenbesatz, Highheels und hatte blonde schulterlange Haare. Timothy wandte sich mir zu.

„Darf ich dir Charlotte Gregg vorstellen“, und dieser Frau zugewandt „darf ich dir meine Begleitung Olivia Heart vorstellen.“ Artig wollte ich ihr die Hand geben, doch Charlotte umarmte mich sofort herzlich.

„Nice to meet you“, wisperte ich leise, dass es kaum zu hören war.

„Charlotte und ihr Mann sind meine Manager. Sie organisieren meine Ausstellungen und verkaufen meine Bilder“, teilte mir Timothy mit.

Charlotte wandte sich an Timothy.

„Kannst du uns ein Glas Champagner besorgen?“, fragte sie ihn.

„Gerne“, erwiderte er und begab sich an die Bar, wo sich schon eine Schlange bildete, hinter die er sich anstellte.

„Ich darf dich doch Olivia nennen?“, fragte sie mich im vertrauten Ton und ich nickte.

„Erzähl doch etwas von dir. Woher kommst du?“

„Iiiich kkkkomme aus einem verschlafenen Ort in Süddeutschland, am Bodensee“, stotterte ich. Was würde sie von mir denken? Ich lief rot an und Charlotte bemerkte es und schmunzelte. Bleib ruhig, sagte ich mir.

„Keine Angst, Olivia. Ich beiße nicht.“

Mitfühlend drückte sie meine Hand. Ich atmete tief durch und konzentrierte mich.

„Und wie hast du Timothy kennengelernt?“

„Über das Internet. Nein, keine Partnerbörse. Es war zufällig. Ich habe dem falschen Mann eine Freundschaftsanfrage gesandt und bemerkte das erst später. Aber da chatteten wir schon miteinander.“

„Das ist ungewöhnlich. Da hat sich das Schicksal viel Mühe gegeben, zwei Menschen zusammenzuführen. Darf ich fragen, was du beruflich machst?“

„Ich arbeite bei einem Anwalt.“

„Du bist Anwältin?“

„Nein, Sekretärin.“

Timothy balancierte auf einem Tablett vier Gläser, eine Flasche Champagner und etwas Fingerfood und rettete mich vor der weiteren Befragung.

„Hast du deine Neugier befriedigen können, Charlotte?“,

fragte Timothy direkt.

„Himmel, Timothy, natürlich. Olivia ist bezaubernd.“

Wir tranken den Champagner, als ein hochgewachsener Mann mit dunklen Haaren zu uns stieß.

„Das ist mein Mann David Gregg“, stellte sie ihn mir vor.

„Die Begleitung von Timothy heißt Olivia Heart und kommt aus Deutschland.“

„Freut mich, Sie kennenzulernen.“

„Hier, dein Glas Champagner.“ Timothy gab ihm ein Glas.

„Wie hast du es geschafft, Timothy in die Oper zu zerren?“, fragte mich Charlotte.

„Ich mag Opern von Verdi und Mozart“, meinte ich schüchtern. Charlotte war neugierig und ich wusste im Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte.

„Du liebst die Oper? Läuft da etwas zwischen Timothy und dir?“ Sie sah von ihm zu mir und lächelte. „Natürlich, das hätte ich sehen sollen“, flüsterte sie und ich bemerkte, wie sich mein Kopf langsam erhitzte.

„Nicht verlegen werden, werte Lady“, meinte David Gregg zu mir gewandt. „Charlotte ist manchmal etwas vorlaut, doch ansonsten reizend.“

„Du bist ein Untier“, boxte sie ihn scherzend und wir fielen in ihr Lachen ein.

„Sehen wir nach unseren Plätzen?“, fragte mich Charlotte und zog mich mit sich.

„Entschuldige, Olivia, ich wollte nicht unhöflich sein und dich auch nicht überfallen. Aber ich glaube, du hast den begehrtesten Junggesellen von London gezähmt. Und dazu gehört schon etwas.“

Ich war verlegen, doch Charlotte zerrte mich bereits eine Stufe nach oben. Timothy und David folgten uns. Die meisten Besucher hatten schon Platz genommen und es waren nur noch wenige Opernbesucher unterwegs. Ein älterer Mann und eine junge Frau überholten uns im schnellen Laufschritt auf der Treppe. Plötzlich blieb der Mann stehen und drehte sich um.

„Timothy, welche Überraschung dich hier zu sehen“, sagte er mit überlauter Stimme. Er war groß und massig mit hängenden Wangen, auf der eine runde Hornbrille seine asiatischen Augen vergrößerte. Er trug einen dunklen Businessanzug mit grauer Weste und grauer Krawatte.

Dicke Ringe funkelten an seinen Fingern. Dieser etwa siebzigjährige Mann wirkte ebenso wie seine wesentlich jüngere Begleitung protzig auf mich.

„Darf ich dir Olivia Heart sowie David und Charlotte Gregg vorstellen“, sagte Timothy zu dem Mann gewandt.

„Das ist mein Onkel Oliver Sun und seine Tochter Katie Sun“, stellte er mir die beiden vor als es das letzte Mal läutete, eine deutliche Aufforderung, nun endlich unsere Loge aufzusuchen.

„Enchanté Madame. Es ist mir eine Ehre, eine bezaubernde Lady kennenzulernen“, begrüßte er mich galant mit einem Handkuss.

„Wir sehen uns in der Pause“, raunte er Timothy zu und verschwand mit Katie in der Loge neben uns. Katie trug ein sichtbar teures Cocktailkleid in dunkelblau. Glitzernde Ohrgehänge sowie eine protzige Halskette stellten ihren Reichtum zur Schau.

Charlotte und David saßen in derselben Loge im Donald Gordon Grand Tier und so gingen wir zusammen hinein.

Timothy rückte mir artig den Stuhl zurecht und setzte sich neben mich. Er lächelte mich an, was ich verlegen erwiderte.

„Kennst du die Geschichte von La Traviata?“

„Ich habe die Kameliendame gelesen.“

Ich lächelte ihn an und flüsterte.

„Ich auch. Liest du gerne?“

„Ja.“

Die Musiker kamen herein und das Publikum applaudierte.

Sie setzten sich und stimmten kurz ihre Instrumente, bevor sie mit der Ouvertüre begannen.

Es war immer wieder eine bewegende Vorstellung, wie sich die Kurtisane Violetta Válery in Alfredo Germont verliebt. Aus Liebe gibt sie alles für ihn auf, bis der Vater kommt und sie auffordert, diese Liaison zu beenden.

Wissend, dass sie an Tuberkulose sterben wird, willigt Violetta ein und verlässt ihren Geliebten, um in ihr altes Leben als Kurtisane zurückzukehren.

In der Pause vertraten wir uns die Beine und Timothy wollte für uns gerade Champagner besorgen, als sein Onkel hinzu trat.

„Eine Flasche Champagner, aber schnell“, bestellte Oliver Sun bei einem Kellner. Er wollte sich gerade an einen reservierten Tisch setzen, als ein Gast von einem anderen Gast angerempelt wurde, und der Sekt dieses Mannes auf dem Anzug von Oliver landete.

„Sie Idiot, können Sie nicht aufpassen. Dummer Tolpatsch.

Sie haben meinen Anzug ruiniert“, schrie er ihn an.

„Entschuldigung, kann ich Ihnen behilflich sein?“ fragte dieser höflich.

„Wie sehe ich jetzt aus? Mein Jackett ist verspritzt.“

„Das kann man doch sicher reinigen“, meinte der Mann.

„Nur weil so ein hirnloser Trottel mich anrempelt.“

„Ihr Ton ist etwas daneben, Sir.“ Der Mann verneigte sich höflich, drehte sich um und ging.

Oliver setzte sich an einen für ihn reservierten Tisch.

„Setzt euch zu mir“, forderte er Timothy und mich auf und wir setzten uns. Es dauerte lange, bis der Kellner mit dem Champagner erschien. Derweil redete Oliver.

„Ich freue mich, dich wiederzusehen und zudem noch in Begleitung so einer attraktiven Lady, Timothy.“

„Warum bist du heute hier Onkel?“

„Ich begleite Katie. Eine nette Vorstellung.“

Wir hatten lange warten müssen, da der Kellner einige Gäste vor uns bedient hatte. Augenblicklich schien die gute Laune Olivers umzuschlagen. Er lief rot an und brüllte den Mann an.

„Du fauler Sack, wann bewegst du endlich deinen Arsch, um uns zu bedienen? Ich werde mich über dich beschweren, dann verlierst du deinen Job. Wenn ich sage schnell, dann solltest du sofort kommen und nicht erst andere Gäste bedienen.“

Der Kellner ließ sich nicht irritieren und schenkte uns höflich ein. Timothy und ich wechselten einen vorsichtigen Blick, sagten aber nichts.

Charlotte und David standen unweit von uns und tranken ein Glas Champagner und sahen ebenso entsetzt aus.

Sein Onkel hatte sie übersehen und nicht eingeladen.

Wir stießen an und tranken. Ich sagte kein Wort, da ja Oliver ununterbrochen redete. Ein Gespräch wollte nicht in Gang kommen, da Oliver in seinem Monolog über die Inszenierung nicht mehr zu stoppen war. Die Glocke läutete schon zum zweiten Mal und erinnerte uns daran, dass die Pause bald zu Ende war. Wir standen auf und Timothy wechselte gerade mit Katie einige Worte, als sich mir Oliver mit seinem massigen Körper in den Weg stellte.

„Lass die Finger von Timothy. Er ist eine Nummer zu groß für dich“, raunte mir Oliver zu, während er laut sagte:

„Ich habe mich gefreut, Sie kennenzulernen, Madam.“

Und zu Timothy gewandt.

„Wir sehen uns wieder.“

Wir verabschiedeten uns voneinander und jeder steuerte nach der Pause seine Loge an. Ich war froh, mich dieses unangenehmen Zeitgenossen zu entledigen.

Die Musik nahm mich wieder gefangen und wir sahen, wie Alfredo kurz vor ihrem Tod die schöne Violetta in seinen Armen auffing.

Als die Musik endete, kullerten meine Tränen. Timothy bemerkte es, nahm meine Hand und drückte sie sanft. Ich spürte eine Welle der Zuneigung. Das Publikum applaudierte und auch wir stimmten begeistert mit ein.

Erleichtert stellte ich fest, dass sein unangenehmer Onkel Oliver Sun seine Loge bereits verlassen hatte und uns nicht noch einmal über den Weg laufen würde.

„Bist du müde?“, fragte mich Timothy, als wir in seinem Haus ankamen.

„Ja und nein. Ich bin müde, aber viel zu aufgeregt, um zu schlafen“, meinte ich und Timothy lächelte.

„Geht mir ebenso. Sollen wir im Wohnzimmer noch einen Schluck Wein trinken?“

„Gerne.“

Der Wein stand schon bereit, ein Feuer brannte im Kamin und Timothy schenkte ein.

„Santé“, sagte ich auf französisch und sein Gesicht erhellte sich.

„Santé, mon amour“, antwortete er.

Wir tranken wieder diesen wundervollen fruchtigen Rotwein, dessen Abgang mich ins Träumen geraten ließ.

„Ich wusste nicht, dass Oper so nahe geht“, begann er.

„Ich danke dir dafür, dass ich dies erleben durfte.“

Er nahm meine Hände und drückte einen sanften Kuss darauf. Ich war sprachlos und sah ihn nur an.

„Seit ich dich kenne, hat sich mein Leben verändert. Wie du weißt, war ich sehr traurig nach dem Tod meiner Frau.

Sie war so lebenslustig und wir hatten viele Freunde und Gäste die uns besuchten. Nach ihrem Tod vereinsamte ich immer mehr. Ich fühlte mich allein. Mein Sohn hielt mich noch am Leben. Das ist alles was dir noch bleibt, wenn dein Herz um vier Uhr morgens ein dunkler Fleck ist und du das Gewicht der Welt auf deinen Schultern trägst.

Niemand kann dem Leid des Lebens entgehen. Nur in meiner Kunst fand ich den Ausgleich. Und nun hast du mich ins Leben zurückgerufen.“

Ich war sprachlos und den Tränen nahe, als er mir sein Herz gleichsam vor die Füße legte.

„Je t'aime mon amour“, flüsterte er mir ins Ohr und küsste mich leidenschaftlich. Wir liebten uns vor dem Kamin und gingen spät in der Nacht in das Schlafzimmer, wo ich in seinen Armen einschlief.

8.

Ich erwachte, als ein Sonnenstrahl meine Nase kitzelte und schlug die Augen auf. Timothy stand vor mir.

„Guten Morgen mein Engel“, flüsterte er. Ich drehte mich um und lächelte.

„Ich habe dir Frühstück gebracht.“

Er stellte ein Tablett auf das Bett mit einer Tasse Kaffee und Brötchen sowie etwas Käse. Es duftete herrlich und ich trank zuerst den Milchkaffee. Timothy sah mir zu, was mich irritierte. Er war schon angezogen, trug schwarze Jeans mit T-Shirt und einer anthrazitfarbene Jacke, dazu einen roten Schal. Mir fiel auf, wie modebewusst er sich kleidete. Ich nahm ein Brötchen, legte eine Scheibe Käse darauf und biss genussvoll hinein.

Nachdem ich gefrühstückt und mich angezogen hatte, übergab uns Margret Lunchpakete und wir brachen zu unser neuen Besichtigungstour auf. Unser Ziel war an diesem Tag Madame Tussauds.

„Stimmt es, dass du gerne One Direction hörst?“, fragte Timothy Julia. Julia nickte.

„Morgen geben sie ein Konzert in London und ich habe zwei Karten besorgt. Frank wird dich begleiten.“

„Ein Konzert mit One Direction?“ Sie kreischte vor Begeisterung und ich hielt mir die Ohren zu. Eine größere Freude hätte er Julia nicht machen können.

„Die Karte bezahle aber ich“, teilte ich Timothy mit.

„Mach mir die Freude und nimm es an, mein Engel.“

„Nein, es ist zu viel Timothy. Wie viel hast du für die Karte bezahlt?“

Er nannte mir den Preis und ich übergab ihm das Geld. Er hatte mich schon in die Oper eingeladen, aber dieses Konzert war zu viel. Ich war zufrieden, denn damit hatten wir unsere erste Meinungsverschiedenheit gut gemeistert.

Natürlich wollte sie bei Madame Tussauds vor allem ihr Idol Harry Styles sehen, den sie bestimmt zwanzigmal fotografierte. Sie war so begeistert, dass wir uns den ganzen Tag Geschichten und Lieder ihrer Lieblingsband anhören mussten.

Nachdem uns Timothy noch zum Trafalgar Square gefahren hatte, setzten wir uns in Starbucks und tranken einen Kaffee, bevor es am späten Nachmittag zurück zu Timothys Haus ging.

„Wir essen um sieben“, teilte Timothy mit. Julia wollte schwimmen gehen und wir setzten uns im Wohnzimmer vor den Kamin. Es war noch hell, ich öffnete die Tür und ging in den Garten. Timothy folgte mir. Ein Weg führte zu einem Brunnen und schmiedeeiserne Bänke luden zum Verweilen ein.

„Mitten in London ist es hier ruhig.“

„Ich brauche diese Ruhe um zu arbeiten.“

„Es ist schön hier.“

Ich zog die kühle Luft in meine Nase und sah die Sonne als blutroten Ball untergehen. Als ich zu frösteln begann, legte Timothy seine Arme um mich. Er aktivierte zwei Wärmestrahler, die neben der Bank aufgebaut waren. Ich bemerkte, dass sie von Sonnenkollektoren gespeist waren, was meine Zustimmung fand.

„Soll ich dir eine Decke holen oder willst du ins Haus?“

„Eine Decke wäre schön. Ich würde gerne noch ein wenig die Natur und den Sonnenuntergang genießen.“

Langsam verschwand die Sonne hinter den Bäumen, während Timothy in das Haus schritt und mit zwei Decken wiederkehrte. Er legte sie mir um und setzte sich neben mich, legte seinen Arm um mich und ich schmiegte mich an ihn. Lange schwiegen wir, denn ich wollte jeden Augenblick auskosten.

„Ich danke dir, mein Engel, dass du gekommen bist und mein Leben bereichert hast. Ich dachte schon, dass ich den Rest meines Lebens einsam bleiben würde.“

„Du bist ein begnadeter Künstler, Timothy. Reicht das nicht?“

„Beziehungen gehören zum Leben.“

„Und die Beziehung zu deiner Familie?“

„Meine Familie ist in der ganzen Welt verstreut.“

„Und dein Onkel?“

„Oliver? Ich gehe ihm aus dem Weg, wenn ich kann. Du hast ihn ja kennengelernt und verstehst sicher weshalb.“

Ich lächelte, wir waren uns einig.

„Ist der Rest deiner Familie wie er?“

„Nicht ganz mein Engel. Mein Vater lernte meine Mutter in Amerika kennen und lieben. Ein Jahr später heirateten sie und kauften das Weingut im Bordeaux, wo sie heute zusammen mit meinen zwei älteren Brüder leben und arbeiten. Mein Vater ist Chinese und stammt aus Hongkong, weshalb ich dreisprachig aufwuchs. Meine Mutter sprach englisch, mein Vater mandarin und meine Umgebung französisch.“

„Du sprichst diese drei Sprachen?“

„Das ist das Erbe meiner Eltern. Als bei mir mit acht Jahren Blutkrebs diagnostiziert wurde, wich meine Mutter nicht von meiner Seite. Es waren schwere Jahre, denn ich erlebte, wie viele meiner Freunde starben. Von einem Tag auf dem anderen fehlte einer meiner Freunde. Ich hatte Angst, dass auch ich sterben würde. Dies sind meine Dämonen, die mich verfolgen. Die Angst vor dem Tod hat mein Leben gezeichnet. Deshalb will ich auch wissen, wohin wir gehen, wenn wir sterben.“

Ich sah ihn an.

„Keiner weiß was wird. Es bleibt nur der Glaube.“

„Woran?“

„Ich wurde christlich erzogen und glaube an christliche Werte. Darüber hinaus habe ich mich jedoch immer wieder gefragt, woher unser Geist kommt und wohin unser Geist geht, wenn wir sterben. Und nach vielen Diskussionen und viel Lektüre habe ich mich dafür entschieden, an die Wiedergeburt zu glauben. Es macht Sinn, mehrere Leben haben, denn unser Leben ist viel zu kurz, um alle Aufgaben erfüllen zu können, die uns gestellt werden. Und mit jedem Leben entwickeln wir uns weiter.“

„Und wie soll ich mich weiter entwickeln?“

„Das ist bei jedem Menschen verschieden, Timothy. Ich glaube, jeder hat eine gewisse Lebensaufgabe erhalten, die er zu bewältigen hat.“

„Und wie finden wir dies heraus?“

„Du weißt es tief in dir.“

„Ich wünschte, meine Ängste würden auch verschwinden.“

„Ist dir klar, woher deine Ängste kommen?“

„Ja, ich habe Angst vor dem Tod und habe darüber das Leben vergessen.“

„Leben ist jetzt. Früher habe ich von der Zukunft geträumt, mir ausgemalt, wie alles werden würde und dabei die Gegenwart vergessen. Jetzt sehe ich das Schöne, wo immer ich es finde. Ob in einer schönen Blume, ob in einem Sonnenuntergang oder in der Kunst. Lebe den Augenblick. Das hat mir meine Tochter beigebracht.“

„Deine Tochter? Sie ist vierzehn!“ „Warum sollte ein Teenager nicht auch Erkenntnisse haben? Wie ist deine Beziehung zu Frank?“