Kopfgraffiti - Pelle Lotterby - E-Book

Kopfgraffiti E-Book

Pelle Lotterby

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Beschreibung

Kopfgraffiti - man könnte auch getrost sagen: Hirnmalereien. Doch gleich, wie man das Kind auch beim Namen nennt, dies sind fraglos Pelle Lotterby’s geistige Flatulenzen, zusammengetragen aus 25 verworrenen Jahren. Alle Gedichte, aus dem Hirn aufs Blatt gesprüht, mal ganz ernst, mal mit einem Augenzwinkern, aber stets recht wild und bunt, haben den schlichten Sinn, ein Stück (un)zivilisierte Fantasie in die Welt zu tragen und jeden, der es zulässt, nachhaltig zu bespaßen. Kopfgraffiti beinhaltet in Überarbeitungen und Ergänzungen die 2009 veröffentlichten Gedichtbände: Undichtungen & Bauchnabelfussel (inkl. 25 brandneuer Gedichte).

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Seitenzahl: 80

Veröffentlichungsjahr: 2014

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der autor

pelle lotterby wurde über einen monat zu früh im dezember neunzehnhundertsiebzig in bremen geboren. nach einer fröhlichen kindheit und einer weitestgehend unauffälligen jugend, fiel er sowohl dem lotterleben als auch den schönen künsten anheim. er studierte germanistik, tatsächlich mit abschluss, und verdingte sich im anschluss daran als buchhandelsgehilfe in einer bekannten ladenkette. um die pfade seiner eskapaden endgültig zu verlassen und angespornt durch lust, liebe und den schnöden mammon, zog er hals über nacht nach münchen und ließ sein altes dasein fast vollständig hinter sich zurück. dort holte er eine bodenständige ausbildung zum verlagskaufmann nach, wurzelte anschließend im öffentlichen dienst und verkauft seitdem, leidlich zufrieden, seine arbeitskraft. in seiner freizeit schreibt er bücher, treibt viel sport und sich selbst recht häufig in der freien natur und im unterholz des lebens herum. inständig und stets ist er darum bemüht, seine zuweilen ordentlich verknäuelte existenz zu entwirren und nachhaltig etwas glatter und schlichter zu gestalten. er lebt überaus überschaubar und manchmal sogar beschaulich im klopfenden herzen der bayerischen landeshauptstadt.

für michael & rainer

(wenn ich euch nicht hätte)

Inhaltsverzeichnis

aus dem hirn gesprüht

neun zehn hundert neunzig

neun zehn hundert drei und neunzig

flammenmond

ein bild durch die wolken

mein see

oase eins

morgendämmerung

der spötter

nachtkonzert

trommlerin auf dem dach

weckt die hexe aus dem marmorschlaf

oxymoron

knechtschaft – ode an die angst

kupferwolf

gesang des schwanen

wüstensohn

der sehnsüchtling

im sternenrausch sah ich mich weiden

sühne

dunkler ritt

von mann zu mann

silberbad

oase zwei

hunger

es ist die nacht

jäger

form und inhalt

ich kam sah versiegte

erfüllung

hinter dem vorhang

nacht des bären

anfang

und ende

narziss

wir alle

gehörnter

dunkelziffer

lüge

schwarz

magenbitter

ekel

endliches ziel

wel

ten

gravitation

selbsterleben

schweigen

exitus

ungewollte einheit

kreativität

fürallekritikergedicht

ohne sinn

metronom

geisterstunde

lamento eines kakerlaken

müßiggang

im affenbrotbaum

mückenland

spinne

krabbeltier

kröte

stein eins

stein zwei

röslein

de hegdeva – sonett des grauens

neun zehn hundert sechs und neunzig

liebe

neun zehn hundert sieben und neunzig

2

3

neun zehn hundert acht und neunzig

zwei tausend

zwei tausend neun

nuschni

fich

lieferservice

bauchnabelfussel

morgenmeer

kleine weihnachtsfarbenlehre

ein amtsgedicht

quietschbert

wie ein furz in der nacht

paternoster

station ce vier

pilotta die war ein gar seltsames mädchen

2

3

horror

die tucktoiden

bayerische mundart der problembewältigung

muhagglscher gedankenblitz

wolpertinger

evolution eins

evolution zwei

evolution drei

evolution vier

limerick vom schwarzen peter

limerick vom pech der klofrau

heiko haiku

heike haiku

ätschibätsch

der lauf des lebens

mikrozensus

vulgarisierte weisheit eins

vulgarisierte weisheit zwei

eingliederungszuschuss

sex arbeit und klobürste

liebeserklärung an das fräulein ruth muth

freundschafterinnen – reminiszens eins

stephansdom – reminiszenz zwei

partäi – reminiszenz drei

honkytonk woman – reminiszenz vier

es geht ihr schlecht – reminiszenz fünf

ach da isse ja – reminiszenz sechs

ja

nein

verloren

fabula rasa

logische konsequenz

wanderlust

füll mich mit worten

frühsinn

somnambul

vielleicht

auroras versprechen

es fängt mich diese schöne melodie

der kuss eines kindes

mütter und mörder

der teufel ein charmanter mann

ein letzter blick ums haus bevor ich gehe

bewältliches

lastwandler

tot geboren

loch

menschen mit rissen

zu viel leben pro sekunde

füge dich

in hoc signo vinces

vonnöten

tabu

stundenhotel

zähnezeigen

fast

beinahe

mein verlangen gärt

mach mich ganz

übergang

wie ein dieb in der nacht

penetrante elegie

im narrengarten

2

3

in abscheu wende ich mich ab

herzfußhiebe

intravenös

ich liebe dich

baustelle eins

baustelle zwei

menschheitstraumderliebesteile

vollzeitliebe

ich habe dir nie ein quietscheentchen versprochen

zwischen zwei großen traurigkeiten

tatsachen

ohne

mein himmel hängt voller pimmel

zwei tausend vier zehn

scheiß

city slicker eier licker

bauch voll hirn leer

wenn ich einmal tot bin

kaputt

kopfgraffiti

arschtattoo

blackout

der straßenfux

von ganzem herzen

phantomschmerz

freeballing

just for shits and giggles

sinister

stadtmonster

halfpipe

lebenselixier

happy birthday

am arsch der welt

fossil

klartext

der vatikater

die leiche im keller

zwangsjacke

die dose ist leer

neunzehnhundertneunzig

zweitausendneun

zweitausendvierzehn

aus dem hirn gesprüht

kopfgraffiti - man könnte auch sagen: hirnmalereien. doch gleich, wie man das blag beim namen nennen mag, dies sind fraglos pelle lotterbys geistige flatulenzen, zusammengetragen aus fünfundzwanzig jahren der ups and downs. alle gedichte, aus dem schädel aufs blatt gesprüht, mal ganz ernst, mal mit einem kecken augenzwinkern, auf alle fälle recht wild und bunt, haben den schlichten, aber eindeutigen sinn, ein kleines stück (un)konventionelle fantasie in die welt hinaus zu tragen und jeden, der es zulässt, in der art und weise zu bespaßen, dass hoffentlich ein „ah“, ein „oho“ oder im günstigsten falle ein euphorisches „yeah“ übrig bleibt.

doch wie kam es eigentlich dazu? im zuge eines lyrikkurses im ersten studienjahr habe ich zu dichten begonnen, weil ich neugierig war, welche inhalte beziehungsweise emotionen über welche formen und reimschemata transportiert werden können. da saß ich also jeden abend am küchentisch, rauchte eine nach der anderen und verging mich lyrisch und mephistophelisch an der deutschen sprache. im jahre zweitausendneun habe ich sodann das vergessene manuskript, ich nenne die sammlung der allerersten ergüsse einfach mal so, schimmelnd in einer schublade wiederentdeckt und dies zum anlass genommen, die startschusspoeterey zu überarbeiten und zu veröffentlichen. im selben jahr habe ich kurzerhand einen zweiten band veröffentlicht, weil ich schlicht und einfach blut geleckt hatte. seitdem schreibe ich und schreibe ich und schreibe ich, und dafür gibt es einen federführenden grund: ich kann einfach nicht mehr aufhören, denn ich fürchte, ich bin flugs zu einm waschechten lyrikjunky mutiert.

wie dem auch sei - hier noch ein paar erklärungsschubser zum buchtitel, sprich interessante, aber nicht zwangsläufig notwendige hintergrundinformationen zur namensentscheidung, aber das vorwort muss ja irgendwie mal zugeschissen werden: wenn ich ein graffiti sehe, werde ich augenblicklich in eine völlig andere zeit katapultiert, in eine zeit, die ich so niemals erlebt, aber die ich mir sozusagen wildromantisch und pittoresk zurecht gepinselt habe. dann sehe ich mich mit achtziger jahre tolle, in baggy trousers, bewaffnet mit skateboard und sprühdose vor einer mauer stehen, auf der ich mich ungesetzlich und rebellisch, aber durchaus künstlerisch und kritisch auslassen will (an dieser stelle möchte ich am rande meinen hut vor dem unvergessenen keith haring ziehen, der heute wie gestern noch all das verkörpert, was einen überaus pfiffigen und konsequenten bahnbruch ausmacht).

aber jetzt kommt der kopf im titel dazu, und da muss ich ehrlich sein und kann zudem den kreis zu den erwähnten geistigen flatulenzen schließen, denn meine mittelbürgerliche bequemlichkeit hat mir stets einen strich durch ein anarchisches rebellentum gemacht, und mich als enfant terrible kann man höchstens morgens auf der kloschüssel erleben. ein ordentlicher aufrührer bin ich vermutlich meistens nur im geiste und ein schüchterner kopfmeuterer obendrauf, der lieber schreibt als spricht - obwohl ich auch etwas hochmütig anfügen muss, dass ich es in den letzten fünfundzwanzig jahren mittlerweile schon hinbekommen habe, mein denken zum handeln werden zu lassen. und ganz nebenbei – inzwischen darf ich tatsächlich gleich zwei skateboards mein eigen nennen, mit denen ich mich auch mindestens gleich zwei mal kompromisslos zu fall gebracht habe. kurz und gut, gar mit recht und fug: ob ich nun wohlständlerisch und boxerbeshortst in der warmen stube vor einem weißen blatt papier sitze oder als altachtziger schwärmerischen, aber lediglich kopflastigen erinnerungen nachhänge, gut ist beides, sinn hat beides, spaß macht beides.

lange rede und so fort: hier möchte ich euch lesern ein diebisches vergnügen bei der lektüre meiner gedichte wünschen oder wenigstens die muße und traute, sich ein paar schritte in die verworrene welt des pelle lotterby zu begeben. ihr könnt gerne jemanden mitbringen, denn ich freue mich immer über angenehme und inspirierende gesellschaft. und keine angst, ich bin kein verrückter hutmacher, aber ich habe auch keine rubinpantoffeln, die euch den weg zurück nach hause aufzeigen könnten. also - wir sehen uns in nuschniland.

seltsam, aber so steht es geschrieben

neun zehn hundert neunzig

nightingale

nightingale bird of the night

how is it to sing

how can you jubilate sitting in cages

never taking wing

as pure as gold

the clear voice sounds

its magic makes

the sad heart bounce

by mankinds hand your prison arised

expression of their hate

and never observe the law of the dreams

that locked splendour will fade

dreizehn

neun zehn hundert drei und neunzig

vigor

willst du die sonne erleben

dann durchwache die nacht

und lasse sie sterben

willst du den regen hören

dann lasse ihn fallen

und den erdboden seinen tod besiegeln

willst du vom wind kosten

dann lasse die rosen erblühen

und ihre dornen dich zerreißen

willst du die erde lieben

dann küsse dich

und trinke deine tränen

siebzehn

flammenmond

unter der großen decke