Krawall: Lustige Geschichten - Ludwig Thoma - E-Book

Krawall: Lustige Geschichten E-Book

Ludwig Thoma

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Beschreibung

In "Krawall: Lustige Geschichten" präsentiert Ludwig Thoma ein Kaleidoskop humorvoller Erzählungen, die mit scharfer Beobachtungsgabe und einem feinen Gespür für Ironie durchzogen sind. Thoma gelingt es, die Eigenheiten des bayerischen Lebensstils und die Absurditäten menschlichen Verhaltens in liebevoller Weise zu karikieren. Seine Protagonisten, oft alltägliche Bürger, stehen im Mittelpunkt von amüsanten Verwicklungen, wobei Thoma sie mit einem Stil behandelt, der gleichermaßen lebhaft und prägnant ist. Das Buch spiegelt nicht nur den literarischen Kontext der Zeit, in der Thoma lebte, wider, sondern auch den Einfluss des Volkstums und der Dialektik auf seine Werke. Ludwig Thoma, als einer der bedeutendsten bayerischen Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts, nutzt seine eigene Herkunft und persönliche Erfahrungen, um die Charaktere und Geschichten in "Krawall" zu formen. Aufgewachsen in einem ländlichen Umfeld, war Thoma zeitlebens tief in der bayerischen Kultur verwurzelt. Seine Schriften sind ein Spiegel seines Humors sowie seiner Kritik an gesellschaftlichen Normen und Missständen und erweisen sich als gelungenes Zeugnis seiner Epoche. Das Buch ist eine Empfehlung für jeden, der sich an humorvoller Literatur erfreut und die menschlichen Schwächen mit einem scharfen Witz und einer Prise Nostalgie betrachten möchte. "Krawall: Lustige Geschichten" eignet sich sowohl für Leser, die sich mit bayerischer Kultur identifizieren, als auch für alle, die das universelle Lachen über die Tücken des Lebens suchen. Ein feinsinniges Werk, das sowohl unterhält als auch zum Schmunzeln anregt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Ludwig Thoma

Krawall: Lustige Geschichten

Bereicherte Ausgabe. Bayrische Dorfposse und humorvolle Anekdoten
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2022
EAN 4064066433079

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Krawall: Lustige Geschichten
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Diese Werksammlung versammelt unter dem Titel "Krawall: Lustige Geschichten" heitere und satirische Prosastücke von Ludwig Thoma und bietet einen kompakten Zugang zu einem Kernbereich seines Schaffens. Sie richtet sich sowohl an Leserinnen und Leser, die Thomas Humor neu entdecken möchten, als auch an Kenner, die die Spannweite seiner kurzen Formen in einer geschlossenen Auswahl nachvollziehen wollen. Der Band zielt nicht auf Vollständigkeit, sondern auf einen repräsentativen Überblick: Er führt exemplarisch vor, wie Thoma aus Alltagsbeobachtung und sprachlicher Pointierung Situationen formt, die vom leisen Lächeln bis zum ausgelassenen Lärm der Komik reichen.

Im Mittelpunkt stehen kurze Texte, die in Umfang und Ton variieren, aber durch eine gemeinsame Lust am Zuspitzen verbunden sind. Die Auswahl umfasst unter anderem Krawall, Kaspar Asam, Kabale und Liebe, Die Fahnenweihe, Vorbereitung, Das Fest, Die Richter, Der Bader, Der Kindlein, Besserung, Tante Frieda, Die Indianerin, Mucki, Der Lämmergeier, Der Einser und Der Vertrag. Zusammen bilden sie eine Folge pointierter Miniaturen, deren Schauplätze zwischen Amtstube, Schulzimmer, Vereinslokal und privater Stube wechseln. Ziel ist es, die charakteristische Breite jener komischen Welt sichtbar zu machen, der Thoma seine anhaltende Popularität verdankt.

Die vertretenen Textsorten reichen von Erzählungen über Skizzen bis zu szenisch gebauten Stücken, die mit knappen Regiehinweisen oder dialogischer Verdichtung arbeiten. Längere Romane oder Großdramen sind hier nicht versammelt; das Gewicht liegt auf der Kürze, dem Feuilletonhaften und der Kunst der Pointe. Manche Beiträge lesen sich wie kleine Bühnenbilder, andere wie beobachtete Alltagsberichte, wieder andere als humoristische Charakterstudien. Die Mischung erlaubt einen Blick auf Thomas formale Beweglichkeit: Er nutzt wechselnde Erzählperspektiven, Dialog als Motor der Handlung und eine sparsame, doch bildkräftige Prosa, die den Witz aus der Situation entstehen lässt.

Verbindende Themen sind die kleinen und großen Rituale des gesellschaftlichen Zusammenlebens: Vereinswesen und Feiertage, Schule und Beamtenwelt, Recht und Ordnung, familiäre Zeremonien und Dorfalltag. Immer wieder prallen Anspruch und Wirklichkeit aufeinander und setzen jene komischen Funken, die in einen handfesten Krawall münden können. Status, Ansehen und die Sorge um die richtige Form liefern ebenso Stoff wie Missverständnisse, Übertreibungen und die Reibung zwischen Regeln und Lebenspraxis. Die Figuren geraten selten aus Bosheit, zumeist aus Übereifer, Eitelkeit oder Naivität in bewegte Lagen – und darin liegt der humane Kern der Komik, der anhaltend wirkt.

Stilistisch verbindet Thoma eine klare, ökonomische Sprache mit genauer Beobachtung, lebendigem Dialog und sicherem Gespür für Rhythmus. Dialektale Färbungen und idiomatische Wendungen werden sparsam, doch wirkungsvoll eingesetzt, ohne die Verständlichkeit zu mindern. Häufig entsteht der Witz aus der nüchternen Benennung, aus feinen Kontrasten zwischen hohem Ton und alltäglicher Rede sowie aus dem präzisen Timing der Pointe. Charaktere werden weniger erklärt als vorgeführt: durch Handlungen, Tonfälle und kleine Gesten. So entsteht eine Komik, die nicht auf bloßer Grobheit ruht, sondern auf Formbewusstsein, Takt und einer genauen Wahrnehmung sozialer Situationen – und auf einem respektvollen, wenn auch unbestechlichen Blick.

Die Texte spiegeln ein Milieu, das in der Zeit Ludwig Thomas verankert ist, und entfalten doch eine überzeitliche Beobachtungsgabe. Wer heute liest, erkennt Muster, die über Orts- und Epochenbezüge hinausweisen: die Mechanik der Empörung, das Bedürfnis nach Anerkennung, die fragile Balance zwischen Regel und Rücksicht. Gerade in den kürzeren Formen zeigt sich Thomas Fähigkeit, in wenigen Zügen gesellschaftliche Typen erkennbar zu machen. Damit leisten die Stücke mehr als Unterhaltung: Sie dokumentieren eine Tradition deutschsprachiger humoristischer Prosa und szenischer Kleinkunst, deren Wirkung aus Präzision, Tempo und unverstellter Menschenkenntnis erwächst und die Lesende bis heute erreicht.

Für die Lektüre empfiehlt sich, die Stücke als miteinander kommunizierende Miniaturen zu betrachten: Kontraste und feine Übergänge treten so besonders hervor. Inhaltsvorgriffe bleiben hier bewusst aus, damit Überraschungen und die eigene Entdeckung der Tonlagen gewahrt bleiben. Wer den Band von Anfang bis Ende oder aus der Reihe liest, wird in beiden Fällen Einblicke in Thomas komische Verfahren gewinnen: mal lakonisch, mal ausgelassen, stets aufmerksam für Zwischentöne. So eignet sich die Auswahl sowohl als erster Zugang wie als konzentrierte Wiederbegegnung und zeigt, warum diese Texte ihre Frische behalten. Sie lädt zum wiederholten Lesen ein.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Ludwig Thoma (1867–1921) verfasste die humoristischen Erzählungen der Sammlung Krawall: Lustige Geschichten vor dem Hintergrund der wilhelminischen Gesellschaft um 1900. Als Jurist, Journalist und Satiriker in München, eng verbunden mit dem Umfeld des 1896 gegründeten Simplicissimus, beobachtete er die Spannungen zwischen Provinz und rasant wachsender Residenzstadt. Viele der Texte – etwa Krawall, Vorbereitung oder Das Fest – spiegeln die Reibungsflächen zwischen Tradition, Vereinsbräuchen und neuer Öffentlichkeit. Die pointierte Alltagssprache und gelegentliche Dialekteinfärbungen verankern die Geschichten im bayerischen Oberland, während ihr satirischer Blick das Kaiserreich weit über Bayern hinaus verständlich machte.

Im katholischen Milieu Altbayerns waren Vereinswesen und kirchliche Rituale prägend. Fahnenweihen, Prozessionen und Patronatsfeste ordneten das Dorfjahr und stifteten Hierarchien zwischen Pfarrer, Bürgermeister, Wirten und Honoratioren. Geschichten wie Die Fahnenweihe, Das Fest oder Vorbereitung greifen diese dichte Festkultur auf, in der symbolische Akte – Reden, Musik, Spendenlisten – sozialen Rang verhandelten. Bayerische Schützen-, Gesellen- und Feuerwehrvereine boten seit den 1870er Jahren neue Bühnen der Repräsentation; Thoma zeigt, wie Ehrgeiz, Ehre und Konkurrenz in den Wirtshaussaal wanderten. Krawall entsteht, wenn religiöse Andacht, Vereinsstolz und politischer Lokalproporz in derselben kleinen Öffentlichkeit kollidieren. Der Name Kaspar Asam erinnert darüber hinaus an barocke Kirchenkunst, die vielerorts die sakrale Bühne der Gegenwart prägte.

Die Durchdringung des Alltags durch Verwaltung und Justiz ist ein weiteres Leitmotiv. Nach der Reichsgründung rationalisierten Gerichtsverfassungsgesetz (1877) und das neue Bürgerliche Gesetzbuch (1900) Zuständigkeiten, Verträge und Besitzfragen. In Die Richter und Der Vertrag prallen normative Paragrafen und dörfliche Praxis aufeinander: Amtsrichter, Schöffen und Gendarmen repräsentieren den Beamtenstaat, doch Verhandlungen entstehen weiterhin im Wirtshaus oder auf dem Kirchplatz. Der Bader kontrastiert traditionelle Heilkunst und modern werdende Medizin, die in Landgemeinden noch zögerlich greift. Thomass Satire zeigt, wie Gesetz und Formular den Alltag ordnen sollen, während informelle Netzwerke und Verwandtschaft das Ergebnis weiterhin mitbestimmen.

Bildung und Disziplin erscheinen in Geschichten wie Der Einser, Besserung oder Der Kindlein als soziale Aufstiegsversprechen und Konfliktstoff. Die im Kaiserreich ausgebauten Volksschulen und Lehrerseminare verliehen Lehrern beträchtliche Autorität, zugleich blieb der Weg über das Gymnasium und das Abitur eine Hürde, die Milieugrenzen sicht- und fühlbar machte. Noten, Zeugnisse und Erziehungsrezepte werden bei Thoma zu komischen Requisiten in einem Feld, in dem Ehrgeiz, religiöse Moral und familiäre Erwartungen konkurrieren. Dabei spiegelt sich die Spannung zwischen Pädagogik der Zucht und neuen bürgerlichen Vorstellungen von Kindheit, die um 1900 in städtischen Diskursen an Einfluss gewannen.

Thomass satirischer Zugriff ist durch die Münchner Presse- und Kabarettkultur geprägt. Das Umfeld des Simplicissimus (ab 1896) schärfte sein Sensorium für Heuchelei, Amtsarroganzen und moralischen Dünkel. Wiederkehrende Pressestrafverfahren wegen Majestätsbeleidigung oder Verletzung religiöser Gefühle bestimmten das Klima, in dem Spott zugleich riskant und attraktiv war. Die ironische Brechung kanonischer Stoffe – der Titel Kabale und Liebe zitiert bewusst Schiller – zeigt, wie Hochkultur in der Provinz zirkulierte und dort auf Alltagserfahrungen traf. Die Rezeption war ambivalent: Stadtpublikum lobte den Witz; konservative Kreise sahen die kirchliche und kommunale Autorität durch Gelächter unterminiert.

Geschlechterrollen und Haushaltsökonomien strukturieren die dörfliche Bühne. In Tante Frieda, Mucki oder Der Vertrag erscheinen Verwandtschaft, Nachlassfragen und Mitgiftabsprachen als Motor der Handlung. Das Kaiserreich konservierte im ländlichen Raum patriarchale Normen, zugleich gewannen bürgerliche Tugenden wie Sparsamkeit und Respektabilität neue Geltung. Thomass Komik legt die doppelten Standards offen, mit denen weibliche Tugend, männliche Ehre und ökonomischer Nutzen abgewogen werden. Nicht selten entscheidet die taktische Regie einer resoluten Tante oder Wirtin über den Verlauf eines Festes oder die Auslegung eines Vertrags – ein Hinweis auf informelle Macht jenseits formaler Zuständigkeiten im ländlichen Alltag.

Moderne Unterhaltung und Exotismen durchziehen die Sammlung als Reiz- und Reibungsflächen. Die Indianerin verweist auf populäre Völkerschauen, Wanderzirkusse und Jahrmärkte, die seit den 1890er Jahren auch Kleinstädte erreichten und koloniale Bilder verbreiteten. Titel wie Der Lämmergeier knüpfen an alpenländische Natur- und Jagdimaginarien an, die gleichzeitig touristisch vermarktet wurden. Solche Attraktionen schaffen neue Begegnungsräume, in denen Missverständnisse zwischen Dorfgesellschaft und Fremden entstehen. Thoma nutzt diese Konstellationen, um provinziellen Stolz, Neugier und Angst vor dem Ungeordneten komisch zuzuspitzen – und zeigt, wie globale Motive in lokale Alltagspraktiken einsickern. Auch Wirtshausmusik, Singspiele und Turnfeste rahmen das Geschehen.

Die zeitgenössische Rezeption der heiteren Dorfgeschichten war zunächst von Vergnügen über sprachliche Treffsicherheit und Milieukenntnis geprägt. Doch die Katastrophe des Ersten Weltkriegs (1914–1918) und die Revolution von 1918/19 in München veränderten Perspektiven. Thoma wandte sich in seinen publizistischen Texten zunehmend nationalistischen und auch antisemitischen Tönen zu, was die spätere Bewertung seines Werks stark belastete. Im Rückblick lesen sich Episoden wie Krawall, Die Richter oder Der Einser zugleich als Dokumente einer vordemokratischen Alltagskultur, deren Selbstbilder von Kriegserfahrung und politischer Radikalisierung überschrieben wurden – und doch als scharfsinnige Mikrostudien sozialer Mechanismen fortwirken.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Dorf- und Amtssatiren (Krawall, Die Richter, Der Bader, Der Vertrag)

Sketche um Behörden, Heilkundler und Verträge, in denen kleine Leute und lokale Machthaber aufeinanderprallen.

Der Ton ist spöttisch und zupackend; Thema sind Dünkel, Rechtsverdrehung und die Komik provinzieller Ordnungsliebe.

Feste, Vereine und Ritualkomik (Die Fahnenweihe, Vorbereitung, Das Fest)

Geschichten rund um die Organisation und Durchführung eines großen Dorffestes samt Vereinspräsenz.

Aus kleinen Eitelkeiten und Pannen entsteht eine milde Farce über Gemeinschaft, Prestige und Lampenfieber.

Familie, Erziehung und Hausstand (Tante Frieda, Der Kindlein, Besserung)

Alltagspossen aus Wohnzimmern und Küchen, in denen Verwandte, Kinder und Besserungspläne aufeinandertreffen.

Warmherziger, zugleich scharf beobachteter Humor legt familiäre Rollenspiele und gut gemeinte Selbstdisziplin offen.

Schule und Jugend (Der Einser, Mucki)

Episoden über Schulnoten, Ehrgeiz und kindliche Eigenwilligkeit.

Mit leichtem Spott zeigt sich der Abstand zwischen pädagogischem Ideal und lebendiger Wirklichkeit.

Natur, Exotik und Projektion (Die Indianerin, Der Lämmergeier)

Figuren begegnen dem Fremden und dem Wilden, sei es als Person oder als Naturbild.

Komik entsteht aus romantischen Projektionen und robustem Realitätssinn.

Künstler- und Stadtgesellschaft (Kaspar Asam)

Porträt einer markanten Gestalt zwischen Handwerk, Kunstsinn und bürgerlichen Erwartungen.

Die Satire richtet sich auf Eitelkeit, Lokalruhm und die Kollision von Geschmack und Nutzen.

Parodistische Liebes- und Intrigenmotive (Kabale und Liebe)

Ein Spiel mit großen Gefühlen und Standesgrenzen, im kleinbürgerlichen Milieu geerdet und gebrochen.

Ironischer Tonfall karikiert Pathos und legt die Komik sozialer Rollen frei.

Wiederkehrende Motive und Stil

Durchgehend verbinden sich pointierter Dialog, derbe Pointe und lokalspezifische Färbung zu heiterer Gesellschaftskritik.

Leitmotive sind Autorität und Anscheinsordnung, deren Risse im Komischen sichtbar werden.

Krawall: Lustige Geschichten

Hauptinhaltsverzeichnis
Krawall
Kaspar Asam
Kabale und Liebe
Die Fahnenweihe
Vorbereitung
Das Fest
Die Richter
Der Bader
Der Kindlein
Besserung
Tante Frieda
Die Indianerin
Mucki
Der Lämmergeier
Der Einser
Der Vertrag

Krawall

Inhaltsverzeichnis

Aus: Kleinstadtgeschichten. Verlag Albert Langen, München

Jawohl, auch wir Dürnbucher haben unsere Revolution gehabt, oder einen Krawall, und es war damals, wo der Buchdrucker Schmitt, Gott hab ihn selig, als Major von der alten Landwehr vom Messerschmied Simon unter den Tisch geschlagen worden ist und sozusagen betäubt war... aber ich will die Geschichte der Reihe nach erzählen.

Ihr könnt Euch denken, daß wir Dürnbucher Anno 66 einen großen Haß auf diese Preußen gehabt haben[1q], und wenn der Feind damals bis zu uns gedrungen wäre, dann hätte es geraucht. Ich weiß noch gut, wie die privilegierte Schützengesellschaft zum Ausrücken bereit war; und der alte Büchsenmacher Weinzierl ist jeden Tag auf den Kapellenberg gegangen, wo er das Terrain studiert hat. Die Bürgergarde oder Landwehr älterer Ordnung, wie man auch sagt, ist zweimal in der Woche ausgerückt und hat im Buchwald exerziert, und der Major, was der Buchdrucker Schmitt war, Gott hab ihn selig, ist zum Messerschmied Simon gegangen und hat sich öffentlich, daß es jeder gesehen hat, den Säbel schleifen lassen.

Ueberhaupt herrschte eine furchtbare Aufregung, und der Provisor von der Marienapotheke hat für den Ernstfall ein Sanitätskorps gebildet, wo er der Vorstand war, und die Frau Landrichter Hefele hat sich auf der Stelle zur Krankenpflege gemeldet, und dann haben sich die meisten Frauen einschreiben lassen.

Alles war bereit, und jeden Tag hätte es losgehen können. Einmal hat man geglaubt, es ist schon so weit.

Mitten bei der Nacht hat es auf dem Marktplatz geschossen, zweimal hintereinander. — —

Beim Spanninger sitzt alles käsweiß in der Gaststube und still, eine Maus hätte man laufen hören, und der Hausknecht hat die Geistesgegenwart und riegelt das Tor zu, und am Kirchturm schlägt die Glocke an, weil der Meßner Benno die Schüsse auch vernommen hat, aber es war bloß der alte Büchsenmacher Weinzierl.

Der ist immer mit dem Doppelläufer ins Wirtshaus gegangen, damit er die Waffe bei der Hand hatte, und auf dem Heimweg hat er sich lebhaft vorgestellt, wie es jetzt wäre, wenn beim Glaser Spannagl ums Eck die Preußen kämen, und er ist aufgefahren und hat geschossen.

Zwei wären es gewesen, hat er oft gesagt, und dann Adieu Weib und Kind, denn zum Laden wäre er nicht mehr gekommen. Aber zwei wären es gewesen. Das war das einzige Mal, wo auch bei uns so eine Art Kriegslärm war; später hat man nichts mehr gehört, und die Preußen sind nicht gekommen.

Uebrigens, daß ich es recht sage, einer war schon anwesend in Dürnbuch. Ein windiger Buchbindergeselle, und der hat das Maul so preußisch spitzen können, daß es einem siedig heiß geworden ist. Wie die Nachricht von der Schlacht bei Kissingen gekommen ist, da waren viele Bürger im Kollergarten beim Bier und haben über das Unglück geredet.

Auf einmal steht der Schmied Kasenbacher auf und schaut über ein paar Bänke hinüber, wo der preußische Buchbinder war. Man hat nicht gewußt, lacht er höhnisch oder lacht er nicht, denn er hat das Maul immer so hinaufgezogen.

„Himmelkreuzdonnerwetter!“ hat der Kasenbacher geflucht, „jetzt wenn ich es aber wissen täte!“

Die Bürger sind aufgesprungen und haben den Preußen umringt, und ein paar Bräuknechte haben schon die Hemdärmel aufgekrempelt. Aber der Buchbinder ist gegangen, und das war sein Glück, denn wir Dürnbucher haben damals keinen Spaß verstanden.

Also ich habe erzählen wollen von der Revolution, wie der Messerschmied Simon den Buchdrucker Schmitt, Gott hab ihn selig, unter den Tisch geschlagen hat.

Das war ein Jahr später, aber es hängt mit diesem furchtbaren Haß gegen die Preußen zusammen.

Nämlich Anno 1867 haben wir schon das neue Militärgesetz gehabt, und es war die erste Kontrollversammlung angesagt.

Das hat besonders draußen auf dem Land böses Blut gemacht.

In Dürnbuch waren die Leute ja vernünftiger, denn man hat doch eine andere Schulbildung, und man hat seine Zeitung, aber unter den Bauernburschen ist die Rede gegangen, daß jetzt alle preußische Soldaten werden müssen.

In Stockach hat es der Pfarrer auf der Kanzel gesagt. Er hat die Arme zum Himmel gehoben, und hat gerufen, daß es wenigstens von dort oben noch weiß und blau herunterschaut, wenn es gleich auf der Welt nicht mehr altbayrisch sein soll.

„Werdet nicht lutherisch!“ hat der geistliche Rat in Sassau gepredigt. „Buben, werdet nur ja nicht lutherisch und behaltet Euren heiligen Glauben!“

Und das hat man überall gehört; in der ganzen Umgegend ist das gleiche gesagt worden, und die einen waren voll Angst, und die andern waren voll Wut. Daß es unter den Bauern nicht mehr richtig war, hat man schon ein paar Wochen vor der Kontrollversammlung gemerkt.

Wenn sie nach Dürnbuch auf die Schranne gekommen sind, haben sie in den Wirtshäusern Spektakel gemacht und drohende Reden geführt.

Und der Respekt vor der Obrigkeit war überhaupt vollständig weg.

In der Post ist ein Bauer zum Beamtentisch hingegangen, wo die Herren ihren Tarock gespielt haben, und er schaut dem Bezirksamtmann in die Karten und klopft ihm auf die Schulter.

„Du glaubst schon, Du hast alle Trümpf in der Hand,“ sagt er, „aber paß auf, ob nicht am End wir das Spiel gewinnen.“

„Sie sind ein Flegel,“ sagt der Bezirksamtmann, „überhaupt, was wollen Sie?“

„Manderl!“ sagt der Bauer, „überleg Dir die Sach noch, ob ich ein Flegel bin.“

„Ich lasse Ihnen arretieren,“ schreit der Herr Bezirksamtmann, „wo ist die Polizei?“

„Heb Dir Deine Polizei auf,“ sagt der Bauer und lacht ganz merkwürdig, „vielleicht kannst sie noch gut brauchen,“ und dann ist er gegangen.

Unter der Tür hat er sich nochmal umgedreht und sagt: „Wennst an den König von Preußen schreibst, kannst ihm einen schönen Gruß ausrichten von den Stockacher Bauern.“

Die Herren waren durchaus verblüfft und haben nicht mehr gewußt, was sie denken sollen. Der Bezirksamtmann — Alois Reich hat er geheißen, und er war aus der Rheinpfalz — hat die Karten hingelegt und ist wütend auf den Marktplatz hinaus.

Aber von dem Bauer war nichts mehr zu sehen, und der Bürgermeister von Stockach, der gleich am andern Tag hereinzitiert worden ist, hat keine Auskunft geben können oder wollen.

„Sie müssen es wissen, wer der Kerl ist,“ sagt der Bezirksamtmann.

„Wenn Sie einen Kerl suchen,“ antwortet der Bürgermeister ganz kalt, „hernach müssen Sie schon bei einer andern Gemeinde anfragen. Wir Stockacher haben keinen Kerl unter uns.“

„Aha! Pfeift der Wind aus dem Loch? Ich will Ihnen was sagen. Innerhalb dreimal vierundzwanzig Stunden erfahre ich, wer mich gestern beleidigt hat. Der Mann ist leicht zu eruieren, schon an seinen Redensarten über Preußen und so weiter. Erhalte ich keinen Bescheid, dann sollen Sie mich kennen lernen.“