Kreuzzug der Liebe - Valerie  Lord - E-Book

Kreuzzug der Liebe E-Book

Valerie Lord

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Beschreibung

Eine Braut und eine Burg, sind der Dank des englischen Königs für die treuen Dienste von Cyrus d'Aval, einem der besten Krieger seines Reiches. Als der Ritter Lady Marierose und Nansay Hall in Besitz nehmen will, gerät er in ein tödliches Netz aus Lügen und Verrat. Die scheue Marierose will nicht umworben werden, denn sie hütet ein gefährliches Geheimnis, und die Burg ist von einem Verräter bedroht. Cyrus setzt seine Ehre und sein Herz aufs Spiel, denn Marieroses Liebe ist jeden Preis wert. Beginnend mit der Eroberung Englands erzählt die Erfolgsautorin Valerie Lord in der Rosenturmsaga in sieben abgeschlossenen Romanen von den Mitgliedern einer einzigen, großen Familie. Dieser in sich abgeschlossene Roman Kreuzzug der Leidenschaft (in einer Ausgabe auch unter dem Titel ’Die Braut des Königs’ erschienen) bildet den vierten Teil der siebenbändigen Roman-Pentalogie, in der es immer um die Liebe geht.

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Valerie Lord

               Die Rosenturmsaga

  Pentalogie in sieben Bänden

   -------------------

                        Band 1

                  Der Rosenturm 

                        Band 2 

Rosen der Leidenschaft

                        Band 3 

              Herz hinter Dornen

                        Band 4

              Kreuzzug der Liebe

Band 5

          Das Geheimnis der Rose

                        Band 6

      Die Dienerin des  Rosenturms

                        Band 7

            Duell der Sinnlichkeit 

Valerie Lord

Kreuzzug der Liebe

Roman

                         BsB

BestSelectBook_Digital Publishers

Letzte  von der Autorin durchgesehene 

       Fassung

            _______

    © 2013Alle Rechte bei Bestselectbook.com 

                   ISBN 978-3-86466-203-4  

Inhalt

    Prolog – 20. Mai 1091

1. Kapitel  ▌  Der Wilderer       

  2. Kapitel   ▌  Im Namen des Königs      

   3. Kapitel   ▌  Mehr Nonne als Frau

4. Kapitel   ▌  Heimliche Pläne

5. Kapitel   ▌  Der Giftpfeil

  6. Kapitel   ▌  Das Geheimnis der Truhe

7. Kapitel   ▌  Frauen gehören ins Haus

8. Kapitel   ▌  Lilianas Abenteuer

9. Kapitel   ▌  Ehestand ist kein Freibrief

10. Kapitel  ▌  Tod an der Brücke                                 

11. Kapitel   ▌  Tage der Ohnmacht

     12. Kapitel  ▌  Königin der Lügen

  13. Kapitel   ▌  Das Todesurteil

14. Kapitel    ▌  Ein Ort der Schande

15. Kapitel  ▌ Neue Erfahrungen

16. Kapitel  ▌  Der Sieg ist unser

17. Kapitel ▌  Eine einsame Rose

18. Kapitel ▌  Unerwartetes Wiedersehen

19. Kapitel   ▌  Ein Schwert für Rufus

20. Kapitel   ▌  Eine Hülle ohne Seele

21. Kapitel ▌  In neuer Gefahr

22. Kapitel   ▌  Ein Dorn unter dem Nagel

Epilog  ▌15. August 1091

Prolog

Nansay Hall, 20. Mai 1091

Die Schlinge um ihren Hals wurde enger, jeder Atemzug zum Kampf. Panik überflutete Denken und Fühlen. In Todesangst schlug Marierose  von Nansay um sich. Sie wollte nicht sterben! Sie hatte doch noch gar nicht gelebt! Mit letzter Kraft versuchte sie sich gegen den heimtückischen Sog zu stemmen.

Metall klirrte erst auf Holz, dann auf Stein. Der Lärm durchdrang das Entsetzen. Nachtluft drang kühl und balsamisch in ihre schmerzenden Lungen. Sie lebte! Sie atmete! Lediglich die Stundenkerze, die sie in vermeintlicher Verteidigung ihres Lebens, vom Brett neben dem Alkoven gestoßen hatte, zeugte von den Schrecken des eben durchlebten Alptraumes.

Aufschluchzend sank Marierose in die Kissen zurück, die Hand auf das jagende Herz in ihrer Brust gepresst.

Bei allen Heiligen des Himmels, wollten diese  Alpträume nie ein Ende nehmen? Seit  Gils Tod im vergangenen Herbst, wurde sie wieder und wieder von ihnen heimgesucht.

Blutüberströmt und leblos, hatte sein Leichnam in Nichts dem strahlenden jungen Ritter geglichen, der am Tag zuvor mit seinen Männern aufgebrochen war, die Schotten über die Grenze zurückzutreiben. Immer wieder verletzten die Kaledonier den Vasalleneid, den sie dem englischen König geschworen hatten. Viehdiebstahl, blutige Kämpfe und brennende Dörfer gehörten im Norden des englischen Königreiches zum Alltag. Bislang war Gil jedoch immer siegreich nach Hause zurückgekehrt.

      Bis zu jenem Oktobertag.

      Obwohl sich ihr Herzschlag nach und nach beruhigte, konnte Marierose die Bilder des Alptraumes nicht ohne weiteres abschütteln. Sie schlug die Decke zurück und stieg aus dem hohen Alkoven. Die zurück gebundenen Vorhänge gaben den Blick in ein fast quadratisches Gemach frei, das von einer breiten Bahn silbernen Mondlichts erhellt wurde. Durch die schmalen Lanzettbögen der Fenster beleuchtete es die schwarz-weißen Steinquadrate des Bodens, zeichnete die Steineinfassung des großen Kamins nach und legte sich über die geschnitzte Truhe und den Betstuhl vor dem gehämmerten Bronzekreuz.

Zu Gils Lebzeiten hatte es Krüge mit Blumen und Zweigen, Wandteppiche und bunte Kissen in diesem Gemach gegeben. Felle und Teppiche auf dem Boden, Pelze und warme Decken im Alkoven. Krüge mit süßem Wein und Schalen mit Naschwerk. Das Schachspiel mit den fein geschnitzten Figuren aus Alabaster und Ebenholz vermisste sie inzwischen ebenso, wie den polierten Spiegel und die gepolsterten Taburetts. Jetzt berührten ihre bloßen Sohlen kühlen Stein. Sie fröstelte in dem schlichten Leinenhemd, das sie zur Nacht trug, weil die Decken ihres Bettes sogar im Sommer zu dünn waren, um nackt zu schlafen.

Sie hatte ihr nur die Truhe mit den einfachsten Gewändern gelassen, und jeden Gegenstand entfernt, den man schön, bequem oder gar luxuriös hätte nennen können. Lediglich das mahnende Kreuz und der Betstuhl waren dieser Attacke entgangen. Hätte sie einfachere Exemplare ihrer Art auf der Burg gefunden, sie hätte sie ausgetauscht. Aber Nansay Hall war das Haus eines reichen Mannes. Verschwenderisch eingerichtet und mit allem Luxus versehen, den Reichtum und Einfluss in den Norden bringen konnten.

Dennoch lag Gils Tod wie ein Schatten über der Burg. Nansay Hall war eine Festung ohne Gebieter. Sowohl Gilbert de Nansay, wie sein Sohn hatten ihr Leben viel zu früh verloren. Jetzt regierte Lady Margaux sowohl über Nansay Hall, wie über ihre Schwiegertochter.

Marierose gestattete sich einen Seufzer und trat auf den Söller hinaus. Tief unten breitete sich zu ihrer Rechten das Meer aus. Flüssiges Silber, das von einer leichten Brise gekräuselt im Mondlicht schimmerte. Dasselbe Meer umspülte auch im Süden die Küsten des englischen Königreiches. Dort benetzte es weiße Kalkfelsen, und der Wind trug sein salziges Aroma ins Landesinnere, bis nach Hawkstone.

Vor sechs Jahren war sie aus dem Schatten des Rosenturmes getreten, um nach Norden aufzubrechen. Eine fünfzehnjährige Braut, närrisch verliebt in ihren zwanzigjährigen Gatten. Voll entflammt auch für das Abenteuer, endlich eine respektierte Ehefrau zu sein. Nicht länger nur die Kleine, die Schwester, die Tochter.

Was war von all der Liebe und den Träumen geblieben?

Nicht einmal die Rosenstöcke, die sie aus Hawkstone mitgebracht hatte, damit sie auch in ihrer neuen Heimat den Duft der einmaligen Blüten um sich hatte, die zu Hause den Rosenturm im Sommer in ein Blütenmeer hüllten. Was das raue Klima des Nordens nicht umgebracht hatte, war Lady Margaux zum Opfer gefallen. Sie duldete keine sentimentalen Erinnerungen.

Marierose senkte die schmerzende Stirn gegen eine der Steinsäulen. Die Kälte besänftigte und dämpfte die Qual, aber die Furcht blieb. Wovor hatte sie Angst? Sie besaß längst nichts mehr, das sie verlieren konnte.

Du hast dein Leben vergessen! Deine Freiheit!!

Was soll ich damit?

Was hatte es für einen Sinn, dieses Leben weiterzuleben? Sie wusste jetzt, dass es nicht aus kindischen Träumen bestand. Es war grausam und einsam. Es hatte sie zur Leibeigenen einer Lady gemacht. Zum Sündenbock, an dem Margaux von Nansay ihren Zorn über das ungerechte Schicksal ausließ. Gil war ihr einziger Sohn gewesen. Ihr ganzer Stolz, ihre Hoffnung, ihr Ehrgeiz, ihre Zukunft.

Nicht einmal um den eigenen Ehemann hatte Lady Margaux so verzweifelt getrauert. Der Lord war kurz nach Marieroses Ankunft in Nansay Hall, einem tödlichen Fieber zum Opfer gefallen. Damals hatte sie über die die Energie gestaunt, mit der die Witwe die Macht in der Burg an sich riss, kaum dass der Stein über der Gruft in der Burgkapelle geschlossen worden war.

Aber auch heute galt Lady Margaux' tiefer Gram weniger dem Kind das sie verloren hatte, als dem jungen Edelmann, für dessen Zukunft sie ehrgeizige und hochfliegende Pläne geschmiedet hatte. Pläne, die ihr als Mutter eines erfolgreichen Mannes Ansehen und Ehre verschafft hätten.

Ob die Lady es heute bereute, dass sie mit solchem Nachdruck darauf bestanden hatte, dass Gil den Trupp der Bewaffneten anführte, der zur Grenze aufgebrochen waren? Üblicherweise wäre es Sache des erfahrenen Burghauptmannes gewesen, die Schotten zu verfolgen, die das kleine Dorf am Oberlauf des Esk überfallen hatten. Zudem fand Gil keinen Gefallen an Kämpfen. Gehorsam bis in den Tod, hatte er es dennoch nicht gewagt, seiner Mutter die Stirn zu bieten.

Einer Mutter, die jetzt jede Verantwortung für die Ereignisse ablehnte, und die Schuld bei anderen suchte. Beim König, der seine Lehnsherrn im Norden angeblich im Stich ließ. Bei den Kaledoniern, die keine Grenzen respektierten. Bei der Ehefrau, die Gil angeblich daran gehindert hatte, seine ritterlichen Pflichten so ernst zu nehmen, dass er sein Leben hätte verteidigen können.

Marierose wünschte sich verzweifelt, sie hätte Gil daran gehindert, auf diesen unsinnigen Rachefeldzug zu führen. Er hatte ohnehin seine Zweifel am Erfolg des Unternehmens gehabt. Sie erinnerte sich zu gut an ihr letztes Gespräch. Gil war ratlos gewesen und hatte zum ersten Male, seine verehrte Mutter kritisiert.

"Warum müssen wir das Problem mit Waffen lösen? Vater hätte verhandelt. Väter wäre gegen sinnloses Morden gewesen."

Aber Lady Margaux war aus anderem Holz geschnitzt. Sie konnte sogar lächeln, wenn in ihrem Namen getötet wurde. Egal ob es nun darum ging einen Wilddieb aufzuhängen oder einen Wegelagerer zu bestrafen. Marierose hatte gelernt, das frostige Lächeln zu fürchten, das sich wie Raureif um ihre Lippen legte. Sie verabscheute es sogar mehr als die lieblosen Schläge mit Stickrahmen, Haarbürste oder anderen Gegenständen, die die Lady zur Hand nahm wenn sie strafen wollte. Sie ahnte, dass es falsch war, sich dem tyrannischen Regiment zu fügen. Allein, wie sich dagegen wehren?

Du bist eine Tochter des Rosenturmes! Kämpfe!

Die Stimme, die sie manchmal in ihrem Kopf zu hören glaubte, klang streng und mahnend. Marierose lachte bitter auf. Sie glaubte schon längst nicht mehr an das Ammenmärchen, dass der Rosenturm den Töchtern, die in seinem Schatten geboren wurden, besondere Stärke und besondere Gaben in die Wiege legte. Sie hielt es für die geschickte Erfindung einer Kinderfrau, die mit allen Mitteln versucht hatte, eine Schar von lebhaften Frechdachsen zu bändigen.

In dieser Runde war sie eine der jüngsten gewesen. Ein zartes, verträumtes Kind. Die gehorsame Bewunderin ihrer größeren, temperamentvolleren Schwestern. Das bevorzugte Opfer brüderlicher Streiche. Ihnen allen hatte sie an Kühnheit, Mut und Abenteuergeist gleichen wollen, als sie mit fünfzehn Jahren Gil von Nansay ihre Hand reichte, um künftig an seiner Seite in einer der nördlichsten Festungen des Königreiches zu leben.

Aber sie hatte einen Fehler gemacht. Sie trug zwar - wie ihre Schwestern - die Rose im Namen, aber sie war nicht so klug und erwachsen wie sie. Sie hatte Wunsch und Wirklichkeit verwechselt. Sie hatte sich von einem hübschen Gesicht und einem freundlichen Lächeln täuschen lassen. Gils fröhliche Kameradschaft war keine Liebe, sondern Mittel zum Zweck gewesen. Er hatte ihre Naivität und ihre Gefühle ausgenützt, um ihr einen Eid abzuringen, der sie über seinen Tod hinaus band.

Keine Angst, Gil, wo immer du bist, ich werde dich nicht verraten!, sandte sie ihre Botschaft hinaus in die Unendlichkeit, wo sie vielleicht von einer gequälten Seele empfangen wurde. Sie würde mir ohnehin nicht glauben. Selbst wenn ich es zu beweisen versuchte, würde sie mich dafür noch mehr hassen, als sie es ohnehin schon tut. Vielleicht würde sie mich zur Strafe sogar Lucien überlassen...

Marierose fröstelte bei dem bloßen Gedanken. Sie umspannte ihren Nacken mit den Händen. Da war nichts. Nur Haut und Haar. Trotzdem wollte sich das eigenartige Gefühl einer Schlinge, die sich um ihren Hals legte, nicht vertreiben lassen.

Erstarrt bis in die Tiefen ihrer einsamen und verängstigten Seele, erwartete sie den Morgen.

1.Kapitel

Der Wilderer

Die Klippen von Whitby - 21. Mai 1091

Der kleine Hase war elend in der Schlinge umgekommen. Aufgekratzte Erde und zerdrücktes Gras bewiesen, dass er bis zum bitteren Ende gekämpft haben musste. Marierose fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen. Sie wollte nicht weinen. Zorn war besser als Tränen. Lucien hatte diese Schlinge gelegt, sie wusste es, sobald sie den Lederriemen in den Händen hielt. Er liebte es zu töten. Vermutlich hatte er das Tier beobachtet, wie er auch sie beobachtete, lauernd,  niederträchtig  und böse.

Marierose sank auf die Knie, um das Tier aus der Schlinge zu befreien. Sie konnte ihm nicht mehr helfen, aber sie ertrug den Anblick der gefesselten, leblosen Kreatur einfach nicht. Jedes Geschöpf hatte ein Recht auf seine Freiheit, sogar im Tod.

"Schau an, was haben wir da? Eine halbe Portion beim Wildern?"

Mit einem erstickten Laut fuhr Marierose herum, kam auf die Beine und spürte im selben Augenblick einen unerbittlichen Griff im Nacken. Ihr Blick traf auf eine breite, lederumhüllte Brust und wanderte zögernd weiter nach oben. Ein kantiges, unrasiertes Kinn mit dunklen Bartstoppeln folgte. Es stand in krassem Widerspruch zu wohlgeformten Lippen. Die  kräftige Nase darüber trug erkennbare Spuren eines früheren Schlages, der sie ihrer ursprünglichen, klassischen Form beraubt hatte. Unter dichten schwarzen Brauen funkelten die gelb-goldenen Augen eines Luchses. Raubtieraugen, die sie in einer Weise schwächten, dass sie zu denken und zu sprechen vergaß.

"Ich nehme nicht an, mein junger Freund, dass du die Erlaubnis des Herrn von Nansay Hall hast, deinen Kochtopf aus seinem Wildbestand zu füllen", hörte sie die raue, nicht einmal besonders unfreundliche Stimme von neuem, die sie ebenso erschreckt hatte.

Der Nackengriff wurde zum Schütteln. Das Klappern ihrer Zähne begleitete die rüde Zurechtweisung. Selbst wenn sie gewusst hätte, was sie auf die sarkastische Feststellung erwidern sollte, hätte sie nicht sprechen können.

Mit einem Schnauben gab der Fremde sie schließlich so unverhofft wieder frei, dass sie keuchend auf die Knie sank.

"Bist du nicht zu jung, um dein Leben zu riskieren? Wilderer werden gemeinhin am nächsten Eichenast aufgeknüpft, Bürschchen."

Marieroses Augen weiteten sich in unverhohlenem Entsetzen. Er würde es doch nicht wagen - oder?

Oh ja, er sah ganz danach aus, als betrachte er die umliegenden Bäume mit dem Interesse eines Mannes, der eben diesen nächsten Ast suchte. Sie wollte protestieren, aber sie brachte keinen Ton heraus. Ihre Stimme versagte den Dienst.

"Das hättest du dir früher überlegen sollen." Er nickte, als könne er den stummen Protest sehr wohl hören. "Die Wälder gehören dem König. Er hat das Wildern unter Strafe gestellt. Sag nur, du weißt das nicht?"

Marierose warf sich in blinder Panik in Richtung Büsche, aber so flink sie auch war, der Fremde reagierte schneller. Dieses Mal packte er sie am Wams und hob sie so hoch, dass  ihre Füße den Kontakt zum Waldboden verloren. Sie erstarrte in diesem erbarmungslosen Griff.

"Du wiegst kaum mehr als ein Kätzchen, Knirps", sagte er überrascht, ehe er sie mit gerunzelter Stirn ein wenig genauer in Augenschein nahm.

Sie wusste was er sah. Ein schmales Gesicht, über und über dreckverschmiert und hohlwangig, unter schlammfarbenen Haarsträhnen. Die einfachen  Knabenkleider, die noch Gil besorgt hatte, schlotterten lose um ihre Gestalt. Da sie zusätzlich die Brüste geschnürt hatte, kam er sicher nicht auf den Gedanken, etwas anderes, als einen halb verhungerten Bauernburschen zu erblicken. Dennoch die gelben Luchsaugen drangen durch Wolle, Leinen und Haut tiefer. Unterschied sich der angstvolle Herzschlag einer Frau eigentlich von dem eines Mannes? Konnte er spüren, mit wem er es zu tun hatte?

Mit einem Seufzer gab er sie frei, als sie schon gar nicht mehr darauf zu hoffen wagte.

"Was treibt dich, das Wild deines Herrn zu stehlen? Leiden die Deinen Hunger? Kümmert man sich in Nansay Hall nicht um seine Pächter?"

Marierose schwieg eingeschüchtert. Wer war er? Ein Ritter? Seine Kleidung wirkte zweckmäßig, aber nicht kostbar. Das Messer an seinem Gürtel erkannte ihr geschultes Auge jedoch als Damaszenerarbeit und die kniehohen Stiefel waren aus spanischem Leder genäht. Ein Seigneur. Ein Normanne zweifellos, dessen schulterlange Haare im satten Braun eines winterlichen Biberfells schimmerten. Auch sprach er das höfische Französisch, das der Adel bevorzugte. Er überragte sie um einen guten Kopf. Seine athletische Gestalt versperrte ihr so bedrohlich den Fluchtweg, dass sie gegen ihren Willen zu zittern begann.

"Verstehst du mich überhaupt?", erkundigte er sich jetzt und wechselte problemlos zum Sächsisch der einfachen Bauern. "Nun komm schon, nimm' die Zähne auseinander, Bürschchen."

Das letzte Wort machte Marierose Mut. Also hatte er ihre Maskerade noch nicht durchschaut. "Ich hab' nicht gewildert. Lasst mich gehen." Sie bemühte sich tief und rau zu sprechen und verlieh ihrerseits dem Sächsisch den rollenden Klang des Nordens.

"Nicht im Traum", entgegnete der Fremde prompt und grimmig. "Wofür hältst du mich? Ich werde dich zu einem ordentlichen Paket verschnüren und nach Nansay Hall schaffen."

Bei der bloßen Aussicht auf dieses zweifelhafte Vergnügen geriet Marierose in noch größere Verzweiflung. Lady Margaux' scharfe Augen würden im Gegensatz zu diesem Fremden erkennen, wen sie vor sich hatte.

Etwas in den weit aufgerissenen, seltsam hellen Augen  brachte eine Saite in Cyrus d'Avals Innerstem zum Klingen, die ihn davon abhielt den Grünschnabel weiter zu quälen. Er hatte nie daran gedacht, das Kind aufzuhängen, auch wenn das Gesetz des Königs diese Strafe für Wilderer tatsächlich vorsah. Dennoch, wenn er den kleinen Halunken laufen ließ, würde jener dies als Freibrief für künftige Jagdausflüge betrachten. Er musste eine Strafe finden, die diesen Nichtsnutz und Seinesgleichen künftig davon abhielt, in den Wäldern von Nansay ihre Schlingen auszulegen.

Ehe er indes zu einem Ergebnis gekommen war, hatte Marierose ihre Entscheidung getroffen. Sie zog den Kopf zwischen die Schultern und entschied sich in einer Mischung aus Überraschungsaktion und verzweifeltem Angriff, zur Flucht nach vorn. Wie von einem Katapult geschnellt, schoss sie geradeaus, rammte ihren Kopf mit aller Kraft in den Magen des Mannes und flitzte auf die Büsche zu, während er noch taumelte. Von der unverhofften Attacke verblüfft, reagierte d'Aval indessen mit der Erfahrung eines routinierten Kriegers. Noch nach Luft schnappend, packte er den vermeintlichen Schlingel am Hosenboden und hielt ihn eisern fest.

"Da soll doch ..." keuchte er etwas kurzatmig, verwundert über die Kraft die in dem schmutzigen Zwerg steckte, der nun, wilde sächsische Flüche ausstoßend, mit allem auf ihn einschlug, was er bewegen konnte. 

"Deine Mutter hat wohl vergessen, dir regelmäßig den Mund mit Seifenkraut auszuwaschen, Freundchen", knurrte er wütend. "Nun denn, wollen wir nachholen, was sie bei deiner Erziehung versäumt hat."

Ehe Marierose begriff wie ihr geschah, fand sie sich mit der Vorderseite über ein ausgestrecktes Knie gedrückt, während sie auf der Rückseite nach allen Regeln der Kunst verdroschen wurde. Zuerst japste sie vor Schock, dann begann sie zu kreischen. Als ihr aufging, dass weder das eine noch das andere ihren Peiniger hemmte, unterdrückte sie das Schluchzen und stellte jede Gegenwehr ein. Als die Schläge endeten, sank sie lautlos auf den Waldboden. Ihre Rückseite brannte wie Feuer, aber sie innerlich loderte sie vor Zorn über die Demütigung.

"Lass es dir eine Lehre sein",  erklärte der Fremde und bückte sich beiläufig nach dem Hasen. "Und wenn du einen guten Rat annimmst, dann lässt du dich künftig in den Wäldern von Nansay nicht mehr sehen. Verschwinde, ehe ich mich über meine eigene Milde ärgere."

Milde! Marierose rappelte sich auf und bedachte ihn mit einem mörderischen Blick. Wie schade, dass sie nicht wirklich über die Hexenkräfte verfügte, die man den Töchtern des Rosenturmes abergläubisch nachsagte. Sie hätte diesen Rüpel gerne in die Tiefen der Hölle gewünscht. Besser noch ein paar Fuß darunter. Nicht einmal Lady Margaux, hatte sie jemals so tief und schmerzhaft gedemütigt. Niemand in ihrem ganzen Leben hatte  es gewagt die Hand gegen sie zu erheben!  Sie war von edelster Geburt, auch wenn sie einräumen musste, dass sie im Augenblick nicht danach aussah.

Dass er jetzt geruhsam davon marschierte und ihr einen amüsierten Blick über die Schulter zuwarf, erboste sie nur noch mehr. Wer war der unverschämte Kerl? Woher nahm er das Recht sie zu züchtigen?

Erst in diesem Moment entdeckte sie zwischen den Bäumen einen mächtigen grauen Hengst, der am Waldrand graste und auf seinen Herrn wartete. Sie war auf einem Landsitz aufgewachsen, auf dem prächtige Rösser für den König und seine Ritter gezüchtet wurden. Sie erkannte ein Rassepferd auf den ersten Blick und dieses dort konnte mit den von edelsten Vollblütern von Hawkstone wetteifern.

Es gab in der Gegend nur zwei Ziele, die der Besitzer eines solchen Streitrosses ansteuern konnte. Nansay Hall oder die Abtei von Whitby. Bei ihrem verflixten Glück war es vermutlich auch noch Nansay Hall. Sie schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass sie sich täuschen möge. Gleichzeitig rieb sie sich den verlängerten Rücken, während sie Schritt um Schritt auf dem Pfad vor ihm zurückwich. Würde er sie jetzt gehen lassen? Erst als er keine Anstalten machte, sie aufzuhalten, schlüpfte sie so schnell wie ein Wiesel davon. Kaum dass sich die Zweige hinter ihr bewegten.

Cyrus d'Aval sah dem jugendlichen Wilderer kopfschüttelnd nach. Ein wildes, ungestümes Kind, das  mit  Sicherheit über Kurz oder Lang in ernsthaftere Schwierigkeiten geraten würde, wenn es so weiter machte. Hoffentlich hatte es seine Lektion begriffen.

"Nun mein Lieber,  was sagst du zu deiner neuen Heimat?" Seine Worte galten Bylord, dem mächtigen Streithengst, der den Kopf hob und leise schnaubte, als sein Herr zu ihm trat. Cyrus strich ihm sanft über die Nase, ehe er die die Inspektion fortsetzte, die er so abrupt unterbrochen hatte, als er den Jungen entdeckte, der seine Schlingen kontrollierte.

Nansay Hall lag weithin sichtbar auf den Klippen, zu deren Füßen der Esk seinen Weg in das nördliche Meer nahm. Eine mächtige Festungsanlage mit vier gewaltigen Rundtürmen und zwei Mauerringen.  Ein wahres Bollwerk königlicher Macht, das den Schotten durch seine bloße Existenz Respekt einflößen sollte. In seiner exponierten Lage beherrschte es sowohl das Hinterland, wie die kleine Stadt Whitby, deren Häuser sich zu beiden Seiten der Flussmündung reihten. Wer zuerst gekommen war, die sächsischen Mönche die das Kloster von Whitby gegründet hatten oder die Fischer, die den geschützten Hafen entdeckt hatten, wusste niemand mehr zu sagen.

Cyrus d'Aval befasste sich in diesem Augenblick ausschließlich mit der Burg. Sein neues Lehen. König Wilhelm II., den alle seiner roten Haare wegen nur Rufus nannten, hatte es ihm zum Dank für seine treuen Dienste verliehen. Die zahllosen Feldzüge und Gefechte, die er an der Seite seines Königs in der Normandie und in England gekämpft hatte, gehörten der Vergangenheit an. Nun würde er nur noch in den Krieg ziehen, wenn der König nach Recht und Gesetz zu den Waffen rief. Wenn es galt die Menschen zu verteidigen, deren Seigneur er jetzt war.

Je länger er die grauen Mauern betrachtete und seinen Gedanken nachhing, umso stärker wurde das Gefühl von Heimkommen.  Es war, als habe Nansay Hall auf ihn gewartet und fülle eine Stelle in seinem Herzen, die bisher leer geblieben war. Er hatte sich nie den Wunsch nach einem eigenen  Zuhause gestattet. Seit er im Alter von fünf Jahren die Burg seines Vaters verlassen hatte, um Knappe am königlichen Hof zu werden, kannte er nur Kammern und Quartiere, die er mit anderen teilen musste.

So gesehen hatte ihm der König seine Dienste wahrhaft großzügig vergolten. Wäre da nicht der besondere Pferdefuß gewesen. Hinter den Mauern von Nansay Hall wartete auch eine Gemahlin auf ihn. Ob die Witwe des verstorbenen Seigneurs von Nansay, ihn ähnlich positiv überraschen würde wie die Festung, wagte er zu bezweifeln. Er wollte keine Ehefrau. Frauen waren lästig und kompliziert, nervtötend, ein wahres Elend für jeden Mann.

"Nun habt Euch nicht so, mein Freund", hatte der Sohn des großen Eroberers, der seinem Vater auf dem Thron gefolgt war, seinen Widerspruch abgetan. "Nansay Hall ist nach dem Tod seines Herrn ohne einen Gebieter. Die Festung ist eine meiner wichtigsten Bastionen im Norden. Ich kann nicht zulassen, dass sie in die Hände der Schotten fällt.  Bewahrt mir Nansay Hall und das Lehen von Whitby vor König Malcolm von Schottland. Es soll Euer Schaden nicht sein. Zudem stammt die Witwe aus einer Familie schönster Töchter. Ihr werdet mir am Ende noch dankbar sein, dass Ihr sie als Dreingabe nehmen müsst. Seid gut zu ihr, mein Freund, Ihr werdet es nicht bereuen."

Wie typisch für den König, dass er alle Welt um sich herum dazu drängte Ehen zu schließen und Erben in die Welt zu setzen, während er selbst nicht daran dachte, sich eine Königin zu nehmen. D'Aval unterdrückte eine Mischung aus Fluch und  Seufzer, schwang sich wieder in Bylords Sattel und setzte das Ross in Bewegung.

Er würde die Witwe auch in Kauf nehmen müssen, wenn sie eher einem Getreidesack als einem Engel glich. Immerhin, das Lehen von Nansay schien das Opfer wert zu sein. Er sehnte sich nach einem Ort, an dem er bleiben konnte. Nach einem Haus, das er das Seine nennen durfte, selbst wenn er es gegen die Schotten verteidigen musste. Es war an der Zeit, dass er sich niederließ und dafür sorgte, dass er mehr Spuren auf der Welt hinterließ, als nur die seines Schwertes.

"Reiten wir mein Freund, sonst meinen meine Männer noch, ich hätte im letzten Augenblick Reißaus vor meiner Braut genommen."

Bylord reagierte auf gewohnte Weise. Er streckte den mächtigen Körper und stob mit fliegenden Hufen am Waldrand entlang auf die Straße zurück.

Marierose sah Pferd und Reiter aus ihrem Versteck im Unterholz nach. Sie konnte nicht umhin das Aufsehen erregende Bild zu bewundern, das beide abgaben, obwohl sie vor Wut kochte und dem Normannen die Pest an den Hals wünschte. Ihre Sitzfläche brannte und an ihren schmalen Handgelenken, zeichneten sich unter dem Schmutz blutunterlaufene Stellen ab. Es war jedoch weniger der Schmerz, der ihr zu schaffen machte, als die peinliche Demütigung.

Mach', dass du nach Hause kommst, riet sie sich selbst und  schlug den vertrauten Pfad ein, der sie zum Klippenrand und nach Nansay Hall führte. Gil hatte ihr die halsbrecherische Kletterpartie vor Jahren gezeigt. Sie erforderte ein sicheres Auge und das Klettertalent eines Eichhörnchens. Marierose besaß beides.

Nansay Hall war von Gils Vater, Gilbert de Nansay, von einem kleinen Küstenposten zu einer wehrhaften Festung  ausgebaut worden. Der Ritter und Waffengefährte ihres Vaters, Raynal de Cambremer, hatte diese Burg für seine Söhne und deren Nachkommen befestigt, ohne zu ahnen, dass das Geschlecht derer von Nansay schon mit dem eigenen Sohn aussterben würde.

Marierose erinnerte sich an ihn als einen liebenswürdigen, heiteren Mann, der seinen einzigen Sohn über alles geliebt, und seine energische, tatkräftige Gemahlin ebenso bewundert, wie gefürchtet hatte. Gil hatte von ihm gelernt, wie man der Lady aus dem Weg ging, wenn sie zur Beute ihrer Launen wurde. Aber so sehr Marierose den verstorbenen Ritter geschätzt hatte, inzwischen konnte sie ihm den Vorwurf nicht ersparen, dass er seinen einzigen Sohn, andere und wichtigere Dinge hätte lehren sollen, denn diese Ausweichmanöver.

Der Steig endete vor einer Kaverne unterhalb der Klippe, in der sich klares Regenwasser zu gleichen Teilen mit einer kleinen Quelle sammelte. Das geheime Wasserreservoir der Burg war nur Gilbert von Nansay und seinem Sohn bekannt gewesen. Gil hatte dieses Geheimnis lediglich mit seiner jungen Ehefrau geteilt. Es ermöglichte ihr, die Schichten von Schlamm und Dreck aus Gesicht und Haar zu waschen, ehe sie ihre Jungenkleider mit dem dunklen Gewand vertauschte, das sie normalerweise trug.

Lady Margaux hatte ihr mit eigener Hand rücksichtslos den Kopf geschoren, ehe sie ihr die bunten Kleider und Schleier wegnahm und sie zu einer Nonne ohne Kloster machte. Marierose war so verzweifelt gewesen, dass sich ihre Tränen um die langen silbernen Flechten mit jenen um ihren Gemahl mischten. Gil hatte diese schönen, hüftlangen Haare geliebt. Es war ihm ein Vergnügen gewesen, sie täglich zu kämmen und zu flechten. Wusste seine Mutter davon?

Woher? Was ahnte sie von den Dingen, die in der Vertrautheit ihrer persönlichen Gemächer geschehen waren? Oder hatte sie auf niederträchtige Weise nur versucht, die Schönheit zu zerstören, die Gil bezaubert hatte? Marierose fand heute ebenso wenig eine Antwort darauf wie damals.

Inzwischen wuchs ihr Haar in kurzen, weichen Löckchen nach. Eine Lächerlichkeit, die keinem Vergleich mit der wasserfallartigen Mähne Stand hielt, die Gil entzückt hatte. Immerhin ließ es sich auf diese Weise problemlos tarnen und waschen. Nichtsdestotrotz blieb es  eine ständige Erinnerung an Demütigung und Schande. Keine von Lady Margaux' Damen hatte kurzes Haar. Nur Dirnen und Verbrecherinnen wurden wie die Schafe geschoren, ehe man sie an den Pranger stellte oder sie gar auf den Scheiterhaufen warf.

Marierose unterdrückte einen Seufzer und verzog das Gesicht, als das grobe Leinen des Untergewandes über ihre zarte Haut kratzte. Mit kläglich zusammen gepressten Lippen verschnürte sie das dunkle Obergewand und zerrte die Kordel fest, die es um ihre Mittel hielt. Strümpfe, einfache Lederschuhe, Haube und Schleier vervollständigten ihre Erscheinung. Das Kleid einer Büßerin, das jede natürliche Farbe auf ihren ohnehin blassen Wangen erstickte.

Die Zeiten zartfarbiger Florstoffe,  glänzender Seiden und bestickter Leinenhemden gehörten der Vergangenheit an. Ebenso wie Juwelen, Perlen, Gürtel aus Goldschnüren und Silberkordeln.  Was hatte Lady Margaux mit den all den Truhen voll modischen Schnickschnacks wohl getan? Sie waren aus ihrem Gemach verschwunden, noch vor den Teppichen, den Kissen und den Blumen.

"Du  hast den Untergang des Hauses Nansay verschuldet!" Ihre Schwiegermutter wurde nie müde, jeden einzelnen ihrer zerstörten Träume aufzuzählen, als sei Marierose die Ursache dafür, dass sie nie Wirklichkeit geworden waren. "Den Rest deines Lebens wirst du dafür Buße tun. Bitte den Himmel um Verzeihung für deine Sünden. Es war deine Pflicht, meinem Sohn einen Erben zu schenken, die Linie unseres Blutes fortzuführen. Dein unfruchtbarer Schoß besiegelt des Ende unserer Familie. Ich wusste von Anfang an, dass Gil die falsche Frau geheiratet hat."

Marierose erduldete diese Vorwürfe ohne Widerrede. Sie fühlte sich tatsächlich schuldig, wenn auch nicht aus den Gründen, die Lady Margaux ihr vorhielt. Sie konnte nicht leugnen, dass sie sich das harte Bett in dem sie jetzt schlief, selbst geschaffen hatte. In einer gefährlichen Mischung aus Geltungssucht, Einfältigkeit und  Eigennutz hatte sie ein Gefühl für Liebe gehalten, das im besten Fall Sympathie, vielleicht Freundschaft gewesen war. Sie hatte es zugelassen, dass Gil sie benutzte, um seiner Mutter Sand in die Augen zu streuen.

Gütiger Himmel, was ging ihr heute alles durch den Kopf?

Sie raffte ihre Röcke und wandte sich zur Tür, hinter der die schmale Wendeltreppe wartete, die in das Gemach mit dem Söller hinaufführte. Der Baumeister hatte sie höchst geschickt im Mauerwerk des Turmes versteckt und sie endete in der breiten Umrandung des mannshohen Kamins, der vielleicht ein wenig zu groß für das Turmgemach wirkte, aber keinen Verdacht erregte.

Wenigstens dieser Weg in die Freiheit war ihr geblieben. Da Lady Margaux dazu neigte, sie ganze Tage in ihrer Kammer einzusperren, um sie auf diese Weise zum Gebet zu zwingen, war die Geheimtreppe Rettung und Ausweg zugleich. Glücklicherweise war ihre Schwiegermutter noch nie auf die Idee verfallen, sie könne in dieser kahlen Kammer etwas anderes tun, als beten und unglücklich sein.

Marierose schwor sich, die nächsten Stunden tatsächlich auf Knien zu verbringen. Schon, weil es ihr vermutlich nicht gut tun würde zu sitzen. Auch weil sie für die Serie lästerlicher Flüche, mit denen sie den Ritter bedacht hatte, Abbitte tun sollte. Dank ihrer Mutter beherrschte sie die beiden Hauptsprachen Britanniens ebenso wie das Lateinische fließend.

Als sie sich indes mit geschlossenen Augen über ihre gefalteten Hände neigte, wollten ihr die Worte der Gebete freilich nicht einfallen. Stattdessen sah sie die Züge des Fremden vor sich. Warum nur?

Er war beileibe kein schöner Mann. Es gebrach ihm sowohl an Gils Charme, wie an seiner Eleganz und seiner Leichtigkeit. Gleichwohl hatte er sie auf seltsame Weise beeindruckt.

Heilige Mutter Gottes, auf welche Abwege verirrten sich ihre Gedanken?

2. Kapitel

Im Namen des Königs…

        Nansay Hall, 21. Mai 1091

"Öffnet das Tor! Wir kommen im Namen des Königs!"

Die

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