Krieg um Sydoria - Raphael Rosenlechner - E-Book

Krieg um Sydoria E-Book

Raphael Rosenlechner

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Beschreibung

Fynton, Adam und ihre Begleiter gehen einer Spur im Wüstenkönigreich Quoqdaraa nach. Dabei erhalten sie Hilfe von einem Trupp Armadøns. Mittlerweile kann der Kronprinz Ren Leynefh, mit der Hilfe einer Gruppe von Fremden, die Flucht ergreifen. Je länger er jedoch Zeit mit diesen verbringt, desto mehr kommt in ihm das Gefühl hoch, dass sie ein anderes Ziel wie er verfolgen. Mit anderen Problemen geplagt reisen Rophei und Leryon Grausturm indes zur Yphraphin-Insel, um seltsamen Berichten über dem Myrtinia-Orden nachzugehen. Die beiden Lords werden ebendort aber bereits erwartet. Terindio hingegen wird nach Brimuhal entsandt, um die verschwundenen Dorfbewohner von Fesldorf wiederzufinden. In der augenscheinlichen Ruine angekommen muss er sich seiner Vergangenheit sowie alten Bekanntschaften stellen. In ganz Sydoria verstreut setzt ein jeder der jungen Erwachsenen seine Lebensreise fort. Werden sie alle erfolgreich sein und ihr Ziel erreichen, noch bevor ihnen dieses Mal der Myrtinia-Orden zuvorkommt?

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Seitenzahl: 559

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Über den Autor:

Raphael Rosenlechner wurde im Jahre 2000 in der österreichischen Stadt Hallein geboren. Er absolvierte im Juni 2018 das Realgymnasium Hallein und studiert seit September 2020 Psychologie. Er schreibt seit seiner Jugend Fantasiegeschichten. Mit Abschluss des Zivildienstes im März 2019 entschloss er sich dazu, sich mehr dem Schreiben zu widmen. Im März 2020 veröffentliche er seinen Debütroman "Krieg um Sydoria - Die Einberufung", welcher der erste Teil einer Buchserie sein sollte. Der zweite Band

"Krieg um Sydoria - Die Verschwörung" sowie der dritte Band "Krieg um Sydoria - Der Pakt" schließen direkt an ihre jeweiligen Vorgänger an und wurden im Jänner 2021 sowie Juli 2022 veröffentlicht. Der vierte Band ist bereits in Arbeit und wird voraussichtlich im Winter 2023/Frühling 2024 veröffentlicht.

für meine Familie und Freunde!

Inhaltsverzeichnis

Was bisher geschah

Kapitel 1: Aufbruch nach Quoqdaraa

ROPHEI

FYNTON

ADAM

Kapitel 2: Die geheimnisvollen Retter

TERINDIO

RAESSA

REN

Kapitel 3: die Verfolgungsjagd

Fynton

REN

Rophei

Kapitel 4: unerwartete Begegnungen

REN

LERYON

Kapitel 5: ein Wiedersehen

FYNTON

REN

ADAM

ROPHEI

Kapitel 6: neue Begegnungen

REN

RAESSA

LERYON

Kapitel 7: der Blutkaiser

TERINDIO

REN

FYNTON

LERYON

KAPITEL 8: die Rettung

TERINDIO

REN

FYNTON

LERYON

KAPITEL 9: der Weltenbaum

REN

TERINDIO

ROPHEI

KAPITEL 10: die Dämonenmutter

LERYON

RYAEL

EPILOG

Notiz

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Offizielle Akte des hohen Rates der Magier

Lexikon und Erklärungen

Die Magiesprache – in diesem Buch benutzte Sprüche

Die Sprache der Ilsharyi

Liebe Leserin/lieber Leser!

Was bisher geschah:

Fyntons Reise begann im Frühling 611, als er einen Brief für die Einrückung in das Trainingslagers Lankor einberufen wurde. Ebendort konnte er wieder in Kontakt mit seinem alten Freund Paul Duncan treten sowie auch neue Freundschaften schließen. Auch konnte er dort seinen langjährigen Brieffreund, damals als Rophei Thorndyke bekannt, endlich richtig kennenlernen.

Einige Monate vergingen, während Fynton und seine Freunde in Lankor von ihren Meistern in den verschiedensten Fächern unterrichtet wurden. Dabei stellte sich heraus, dass der dunkelblonde Schmiedbursche ein Talent im Umgang mit dem Schwert besaß. So schaffte es Fynton bereits nach kurzer Zeit einer der Besten seines Jahrgangs zu werden und das, trotz seiner geringen Erfahrung. Außerdem lernte er bei Meister Xonzus so einiges über die Geschichte Sydorias, was ihm in seiner Heimat vorenthalten wurde.

Trotz einiger seltsamer Vorfälle schien fast alles perfekt zu sein und Fyntons Traum, eines Tages ein Ritter zu werden, war in greifbarer Nähe. Als die Rekruten jedoch von einem Priester von Inos in Pramshaw eingeladen wurden veränderte sich zum zweiten Mal Fyntons Welt dramatisch. Seine beiden Freunde, Adam und Rophei, schienen nicht jene zu sein, die sie vorgaben zu sein. Während Ersterer, dem Anschein nach, ein gesuchter Verbrecher war, stellte sich heraus, dass Rophei in Wahrheit ein sogenannter Elitemagier war. Zu alledem war der Lockighaarige in Wirklichkeit der Erbe von Rosenhain und trug den Namen Rophei Bloodmoon.

Ein erbitterter Kampf entfachte. Durch die Hilfe von Ropheis Halbbruder Qovus schafften es Fynton und seine damaligen Verbündeten jedoch siegreich aus der Auseinandersetzung hervorzugehen. Adam Bal’Morell hatte jedoch in ein Rebellenlager entkommen können. Damals war sich Fynton nicht sicher gewesen, ob er dies nun guthieß oder nicht.

Zutiefst von den letzten Ereignissen geschockt, begleitete Fynton Paul Duncan auf ein sehr angesehnes Schwertkampfturnier, welches jährlich in der Dornenzitadelle ausgetragen wurde. Veranstalter eben jenes Turnieres war Ropheis Vater, Kyrillios Bloodmoon. Zur selben Zeit hatten die Rebellen einen Trupp ausgesandt, um Rophei zu befreien.

Während des Turniers brach ein Kampf aus, bei welchem es die Rebellen, mit der Hilfe von Terindio Thorndyke und Ren Leynefh, schafften, Rophei aus dem Griff von Kyrillios zu befreien. Auch musste Fynton feststellen, dass seine beiden Freunde niemals die Absicht hatten, ihn zu täuschen oder gar zu hintergehen. Im Gegenteil, sie allesamt waren auf derselben Seite. Es stellte sich heraus, dass der sogenannte Myrtinia-Orden bei so vielen Ereignissen seine Finger im Spiel und somit die Wahrheit verdreht hatte. Kurz darauf trat Rophei Bloodmoon seinen rechtmäßigen Platz als Lord der Dornenzitadelle an. Doch ihr Sieg war bloß von kurzer Dauer.

Wenige Tage später erfuhren die Helden, dass der Myrtinia-Orden im Königshaus vom Königreich Rondur seine Intrigen fortführte. Aus diesem Grund wurden Fynton, Adam, Terindio und zwei Schakalmenschen beauftragt, die Machenschaften des zwielichtigen Ordens zu unterbinden. Zeitgleich wurde Rophei dazu aufgefordert, sich in die kristallene Stadt Yllithir zu begeben. Ebendort sollte er sich vor dem hohen Rat der Magier verantworten. Während dieses Prozesses lernte er das Ratsmitglied Grausturm aus dem Königreich Armadøn kennen. Zwar waren die beiden zu Anfang etwas aneinandergeraten, doch nach ein paar Gesprächen begannen sich die beiden Lords zu verstehen und gingen sogar einen Handelspakt ein, der beide Lordschaften zugutekommen sollte.

In der Hauptstadt Rondur angekommen, begannen Fynton und die anderen ihre Infiltrationsmission. Diese schien auch vollends aufzugehen. Bis zu jenem Zeitpunkt, als sie sich dem Myrtinia-Mitglied sowie einer Handvoll von seinen Marionetten stellten. Sie kämpften erbittert gegeneinander. Doch je länger der Kampf anhielt, desto stärker schien das Myrtinia-Mitglied, Ithlion Dawnbringer, zu werden. Ithlion war kurz davor, Fynton und seinem Trupp den finalen Schlag zu geben. Doch im letzten Moment konnten Rophei und Leryon Grausturm einschreiten und dies verhindern.

Zur selben Zeit wurde Ren Leynefh, der Prinz von Quoqdaraa und zeitgleich Schützling von Terindio Thorndyke, mit ein paar Abgesandten nach Khasunys geschickt. Ebendort sollte er Verhandlungen mit dem Volk der Schakalmenschen, der sogenannten Ankh-Dhratun, führen. Da Rens eigener Vater sowie engster Berater zu uneinsichtig waren, führte es schließlich dazu, dass sich Quoqdaraa und die Schakalmenschen gegenseitig das Kriegswort erklärt hatten.

Zutiefst darüber entsetzt machte sich Ren Leynefh auf den Rückweg. Doch bevor er seine Heimat erreichen konnte, wurden er und seine Begleiter von Erzmagier Sandstriders Leuten gefangen genommen. Seitdem gilt der Kronprinz von Quoqdaraa als vermisst …

Kapitel 1: Aufbruch nach Quoqdaraa

ROPHEI

- Vor 5 Jahren (Juli 607) im Nordwesten von Palostoramis -

Der Greywater-Wald im Nordwesten vom Königreich Palostoramis war seit vielen Generationen dafür bekannt ein überaus gefährlicher Ort zu sein. Gerüchten zufolge sollten dort Goblins, Elfen, Nymphen und Druiden ihr Unwesen treiben und die Menschen angreifen, sofern sie ihr Revier betreten hatten. Grundsätzlich stimmte das Gemunkel der Leute sogar. Es gab tatsächlich solche magische Wesen, die diese Wälder ihr Zuhause nannten. Allerdings waren einzig und allein die Druiden jene Kreaturen, die sich trauten Menschen anzugreifen, wenn sie sich bedroht fühlten. Dies lag aber vermutlich daran, dass sich das Volk der Gestaltwandler selbst zum Beschützer der Wälder des Königreiches ernannt hatte und den Menschen als eines der wenigen Völker in Hinsicht auf magische Fähigkeiten beinahe ebenbürtig war. Der Anführer der Druiden nannte sich Jilean Oakspirit und er lebte mit seinem Stamm im Herzen des Waldes. Ebendort war Ropheis Ziel, als er im Alter von 14 Jahren von seinem damaligen Meister, Lord Yvametrix, dorthin gesandt wurde. Sein Ziel: die Gefangennahme von jenem Anführer, welcher auch als „Schrecken des Greywater-Waldes“ bekannt war. Sein ehemaliger Meister brauchte dessen Manareserven für ein äußerst wichtiges Experiment. Hierfür war es auch wichtig, Oakspirit lebend auszuliefern, ohne dabei den Manaspeicher des Druidenältesten auch nur ansatzweise zu beschädigen, was weitaus schwerer war, als es sich zunächst anhörte.

An einem trüben, regnerischen Tag erreichte Rophei die Hafenstadt Aethelyne und machte sich zum Wald auf. Nach wenigen Stunden hatte der junge Schüler der Schatten auch schon den Greywater-Wald erreicht. Laut den Dorfbewohnern in der Nähe wurde eine schemenhafte Gestalt in der Nähe der Wegkreuzung zwischen Aethelyne und dem nächstgelegenen Dorf gesichtet. Dort wollte Rophei mit seiner Suche nach den Gestaltwandlern beginnen. Bevor er den Wald durch eine etwas abgelegene Lichtung betreten hatte, konnte er bereits eine schwache magische Aura wahrnehmen. Wenige Minuten, nachdem er begonnen hatte genauer nach magischen Rückständen Ausschau zu halten, wurde er auf eine alleinstehende Fichte aufmerksam. Diese strahlte etwas Ungewöhnliches aus. Als er sich näherte, bestätigte sich sein Verdacht sogleich. Rophei konnte eine magische Aura aufspüren, welche stark mit dem Erdelement verbunden war. Durch die elementare Sicht, welche er sich im Verlauf seiner Ausbildung angeeignet hatte, konnte er binnen weniger Sekunden ausmachen, wessen Form der elementaren Magie eine Person hinterließ bzw. ausstrahlte. Dies war insbesondere beim Auffinden von magiefähigen Personen von großem Vorteil, so wie es auch hier der Fall war. Rophei verfolgte die Spur rund eine ganze Stunde lang tief in das Innere des Waldes. Dabei bemerkte er, dass sich mit der Zeit die magische Essenz, die ihn in die Richtung des vermeintlichen Druiden führte, mit jeder Minute verdichtete. Als der junge Bloodmoon bei einem freien Feld ankam, bemerkte er eine kräftige Tiergestalt, die, ihm den Rücken gekehrt, augenscheinlich nach etwas grub – als würde diese etwas suchen. Mit lautlosen und bedachten Schritten näherte sich Rophei der Gestalt, welche ihn bis dato noch nicht bemerkt hatte. Es missfiel ihm, taktisch gesehen, zwar auf einem offenen Feld zu sein, doch hatte er hierbei keine Wahl. Der magische Faden, der ihn führte, zeigte in Richtung der Gestalt. Und er musste der Spur unbedingt nachgehen, damit sein Meister seine Experimente fortführen konnte. Der junge Bloodmoon verachtete zwar seinen Meister sowie die anderen Drahtzieher des Myrtinia-Ordens. Doch hatte er sich damals schlichtweg noch nicht genügend Kraft angeeignet, um sich gegen seine Peiniger wehren zu können. Zu alledem standen die Leben jener an der Kippe, die ihm am meisten bedeuteten. All diese Narben, die er seit Beginn seiner Ausbildung erhalten hatte, würden ihn wohl sein Leben lang kennzeichnen.

Als Rophei nur mehr hundert Schritte von der Gestalt entfernt war, erkannte er, dass es sich um einen rund sechs Fuß großen, dunkelbraunen Bären handelte, der sich schon ein kleines Loch gegraben hatte. Noch dazu hörte er die Bärengestalt in menschlicher Sprache fluchen, was seine Ahnung bestätigte. Vor seinen Augen befand sich eben jener Druide, welcher von den Dorfbewohnern gesichtet wurde. Das war seine Chance ... solange der Gestaltwandler abgelenkt nach etwas suchte, musste er diesen überwältigen und herausfinden, wo sich Jilean Oakspirit, der Anführer der Waldmenschen, versteckt hielt. Rophei hoffte dabei allerdings auf ein gewisses Maß an Kooperation seitens des Druiden. Der Lockighaarige wollte nur ungern Magie dafür aufwenden müssen, um die Antwort aus dem Druiden herauszupressen. Noch während Rophei im Begriff war sich noch näher an den Druiden heranzuschleichen und diesen zu überwältigen, verspürte er eine weitere magische Aura auf ihn zurasen. Binnen weniger Sekundenbruchstücke erschuf er eine kleine Magiebarriere, welche das unglaublich schnelle Feuerprojektil mit einem knallenden Geräusch abwehrte. Die verbleibenden Magiefunken begannen zu verpuffen und schwebten gen Boden. Aus dem Augenwinkel sah Rophei, wie der zuvor abgelenkte Bär vor Schreck aufblickte und einige Schritte nach hinten wich. Zeitgleich spürte er, dass sich ihm rund ein halbes Dutzend Bären- und Katzengestalten sowie vier Menschen näherten. Diese umkreisten Rophei und schnitten ihm somit jegliche Wege zur Flucht ab. Mit entschlossener Miene blickte er zu der am mächtigsten wirkende Gestalt, einem zehn Fuß großen Bären, und hielt sich bereit. An einem Kampf würde er hier wohl nicht vorbeikommen. „Wieso bist du einem der unsrigen hierhergefolgt, Eindringling?“, sagte ein mit Muskeln bepackter Mensch, welcher lediglich eine kurze lederne Hose trug und ansonsten seine Haut entblößte. Genau wie die anderen Gestalten musterte der Mann Rophei mit finsterer Miene und wartete nur darauf, dass er einen falschen Schritt machte. Der junge Bloodmoon ließ sich weder von deren Blicken, noch von deren Überzahl einschüchtern und starrte weiterhin den augenscheinlichen Anführer der Waldzauberer an. „Ich fordere eine Audienz bei Jilean Oakspirit, dem Anführer eures Clans.“ Kurze Stille herrschte, während Rophei ruhig blieb und auf eine Reaktion seines Gegenübers wartete. Dieser schien ihn jedoch weiterhin zu mustern, ohne auch nur einen Hauch einer Reaktion zu zeigen. Kurz bevor die unangenehme Stimmung noch weiter anhielt, sah Rophei, wie sich etwas neben dem Baum auftat. Die Bärengestalt, welche der junge Schüler der Schatten die letzte Stunde verfolgt hatte, begann sich zu verwandeln. Mit Neugier beobachtete Rophei, wie sich das Tier immer mehr in einen Menschen verwandelte. Wenig später stand ein junger Mann mit zerzausten, langen, schwarzen Haaren und ebenfalls mit lediglich einer ledernen, kurzen Hose ebendort, wo sich wenig zuvor die Bärengestalt befand. „Warum will ein Menschenkind der Magie von meinem Vater empfangen werden?“, fragte dieser mit nahezu empörter Stimmlage. „Mein Meister hat mich gesandt, um mit Eurem Anführer Verhandlungen zu führen.“, erwiderte Rophei mit bedacht gewählten Worten, während er den Druiden durchaus die Verwirrung im Gesicht ansah. „Was für Verhandlungen sollen das sein und vom wem wurdest du geschickt?“, fuhr einer der anderen Männer mit krächzender Stimme fort. „Ebendies würde ich mit eurem Anführer lieber selbst besprechen. Wie ihr seht, seid ihr in der Überzahl, also würde sich ein Kampf wohl kaum für mich lohnen, oder?“, gab Rophei überzeugt von sich. Etwas skeptisch begann der Sohn des Stammesführers der Druiden zu nicken. Daraufhin machten die Waldmenschen den Weg frei und führten den jungen Bloodmoon, noch immer mit aufmerksamen Minen, eine weitere halbe Stunde durch den Wald, bis sie eine Art Dorf erreicht hatten. An den aufgebauten, hölzernen Wänden standen ebenfalls zwei der Waldmenschen Wache und starrten auf jede noch so kleine Bewegung, die Rophei machte. Angeführt vom etwas zierlicher aussehenden Sohn des Anführers erreichten sie das Zentrum des Dorfes. Auf einer Art Thron hockte ein muskelbepackter, aber etwas betagter, Mann mit langen, weißen, geflochtenen Haaren. Zu seiner Seite befanden sich ein paar, im Vergleich zu ihm, schmächtig aussehende Frauen, die ebenfalls geflochtenes, langes Haar hatten. Als der Druidenanführer sie bemerkte, blickte er nahezu zornerfüllt zu Rophei und kurz danach zu seinem Sohn hinüber. „Was hat dies zu bedeuten, Melaryon? Ich sagte doch, dass ich keine weiteren Eindringlinge in meinem Wald dulde. Löscht sein Gedächtnis und hinfort mit ihm, bevor ich ihn höchstpersönlich exekutiere!“, fuhr Jilean Oakspirit die Anwesenden an. Der Sohn des Clanführers hielt kurz inne, fasste sich aber wieder und gab ein eingeschüchtertes Nicken von sich. „Wie Ihr wünscht, Vater.“, erwiderte Melaryon und machte Anstalten die Eskorte wieder hinfortzuschicken. Bevor der junge Gestaltwandler Rophei allerdings auch nur ansatzweise berühren konnte, aktivierte der junge Bloodmoon seine Magie, die er bis dato vor den Augen der anderen versteckt hielt. Mithilfe einer Energiewelle beförderte er den Sohn des Häuptlings rücklings gegen ein rund zehn Fuß großes Totem. Vorerst erschrocken erhoben die Druiden allesamt deren Waffen, hielten aber weiterhin einen kleinen Sicherheitsabstand zu dem einstigen Schüler von Yvametrix. Der Clanführer hatte sich ebenfalls von seinem Stuhl erhoben und seine Magie aktiviert – vermutlich um einen magischen Angriff seitens Ropheis abzuschirmen oder zumindest schwächen zu können. „Ich glaube, dass es nicht gerade ratsam für Euch ist, zu versuchen mich einfach wegzuschicken, Jilean Oakspirit. Das nächste Mal, wenn mich einer Eurer Untergebenen zu berühren versucht, der wird es bitter bereuen!“, drohte Rophei förmlich den Anführer der Druiden. Mit ernster Miene schritt Jilean die hölzerne Stiege hinab, erwiderte allerdings nichts. Dabei ließ er Rophei, genau wie der Rest der Druiden, keine einzige Sekunde aus den Augen. Indes hatte sich dessen Sohn mit Mühen wieder aufrappeln können, hielt aber ebenfalls einen Sicherheitsabstand zu dem Lockighaarigen ein. So wie es aussah, wollte der Sohn des Clanführers wohl nicht der Erste sein, der Rophei auf offenem Feld angriff. Die anderen Druiden schienen ebenfalls auf die Reaktion von ihrem Anführer zu warten, doch dieser schritt gemächlich zu Rophei und starrte ihn weiterhin grimmig an. „Was für einen Hang zur Dramatik Ihr doch habt, Waldzauberer.“, fuhr Rophei fort, woraufhin der Anführer der Druiden laut zu lachen begann. Im ersten Moment kannte sich keiner aus und blickte verwirrt umher, jedoch wagte es kein einziger der Gestaltwandler ihren Anführer zu unterbrechen. „Jetzt sehe ich es erst“, gab der Anführer höchst vergnügt von sich, „In welch einem lächerlichen Zustand muss sich der Orden deines Meisters befinden, wenn er nur dich entsenden kann. Du, der du noch nicht einmal das Erwachsenenalter erreicht hast. Was für eine Schande doch mein Sohn ist, dass er sich von solch einem Knirps durch die Gegend wirbeln lässt.“ „Euch wäre es an seiner Stelle nicht besser ergangen. Ihr habt Eure magische Verteidigung erst aufgebaut, nachdem ich Euren Sohn gegen das Totem befördert habe“, erwiderte Rophei gelassen, während er seine magische Kraft für einen weiteren Zauber sammelte, „Mein Meister hat mir aufgetragen, Euch zu einem Versteck des Ordens zu bringen. Entweder Ihr begleitet mich freiwillig dorthin oder ich werde euch wohl oder übel dorthinzerren müssen.“ Ein kurzer Moment des Schweigens erfüllte die Gegend, während Rophei dem Anführer des Waldclans ansah, wie dieser Magie in seine Hände umleitete. „Wie es scheint, wird es wohl auf Letzteres hinauslaufen. Ich habe ja auch nichts anderes erwartet“, dachte sich Rophei, während er jedoch weiterhin beherrscht auf eine Antwort von Jilean Oakspirit wartete. Dieser war sichtlich aufgebracht und schritt nervös umher. Er überlegte wohl, welche Schritte er als Nächstes wählen sollte. Mit einem Male blieb der Druidenführer stehen. „Tötet den Eindringling!“, befahl dieser und feuerte mit übermenschlicher Kraft einen Magiestrahl in Ropheis Richtung. Der junge Bloodmoon wehrte den Zauber mit einer einfachen Magiebarriere ab. Währenddessen griff er mit der anderen Hand zum Griff seines Schwertes, bereit jederzeit einen Angriff von einem Druiden abzuwehren. Keiner der Waldmenschen war jedoch schnell genug, um rechtzeitig zu reagieren. Binnen weniger Sekunden schaffte es Rophei den Druck der Magie in die Gegenrichtung zu verlagern. Kurz nachdem Rophei Jilean, wie seinen Sohn zuvor, einige Fuß nach hinten beförderte, rollte er sich zur Seite und holte sein Kurzschwert aus der Scheide. Die Druiden waren indes im Begriff den jungen Bloodmoon mit den Speeren und ihren Bärenpranken anzugreifen. Rophei hatte es derweil geschafft eine Barriere um seinen ganzen Körper zu erschaffen, damit ihn keiner der fletschenden Zähne oder der Steinspitzen erwischen konnte. Kurz darauf löste Rophei eine weitere Druckwelle aus, welche die Druiden wieder in die entgegengesetzte Richtung zurückdrängte. „Gebt auf!“, rief Rophei, während er die angreifenden Druiden einer nach dem anderen abwehrte, „Keiner kann sich dem Griff des Großnekromanten entziehen.“ Dabei hatte er bemerkt, dass diese äußerst koordiniert angriffen – als wären sie auf solch einen Kampf trainiert worden. „Wie dem auch sei ... Das wird ihnen nichts nützen!“ Mit einer weiteren, diesmal viel mächtigeren, Druckwelle beförderte er verwandelte und menschliche Druiden gleichermaßen viele hundert Fuß gegen die Barrikaden des kleinen Walddorfes. Rophei achtete, trotz des machtvollen Zaubers, darauf keinen der Waldzauberer tödlich zu verletzen. Genauso wie er es bei Jilean Oakspirit vermeiden wollte. Seine Mission war es den Anführer der Druiden lebend auszuliefern. Dabei wurde ihm gesagt, dass es einerlei sei, was mit den anderen Druiden passierte. Rophei hingegen wollte bei seiner Mission keine Leben nehmen. Dies lag einfach nicht in seiner Natur, auch wenn es ihm in seiner Ausbildung anders gezeigt wurde und die allgemeine Meinung gegenüber Schattenmagiern wohlbekannt eine ganz andere war.

Noch während Rophei kurz innehielt, bemerkte er aus dem Augenwinkel, wie eine Gestalt auf ihn zuraste. Es war Melaryon, der sich inzwischen in einen braunen, großen Bären verwandelt hatte und auf allen vieren auf Rophei zustürmte. Der junge Bloodmoon wehrte die ersten Prankenhiebe mithilfe seines Schwertes ab, während er nach Jilean Ausschau hielt. Dieser war seit der kurzen Auseinandersetzung nicht mehr aufzufinden. Entweder war er geflohen oder die letzte Druckwelle hatte ihn viel weiter weggeschleudert, als es der junge Schüler der Schatten geplant hatte. Rophei vermutete allerdings Ersteres. Jilean wollte wohl mit jedem ihm möglichen Mittel verhindern, dass er wieder zu Lord Yvametrix gebracht wird. Rophei konnte es dem Druidenanführer nicht verübeln, doch sah er keinen Weg, diesem Schicksal auf Dauer entkommen zu können. Zumindest damals noch nicht ... Rophei wehrte ohne große Mühe ein weiteres Dutzend Prankenhiebe ab. Dabei entging ihm nicht, dass der Sohn des Rudelführers als Einziger seine Pranken mit Magie verstärkte. Dies zwang Rophei dazu, ebenfalls kontinuierlich Magie einsetzen zu müssen, damit sein Körper keinen Schlag abbekommen musste. Gegen einen magisch verstärkten, acht Fuß großen Bären konnte der 14-Jährige kein unnötiges Risiko eingehen. Davon abgesehen, dass er sich um den Anführer selbst noch kümmern musste, musste er diesen auch noch irgendwie zum Hauptquartier des Myrtinia-Ordens bringen. Und dies setzte voraus, dass Rophei aus dem Kampf nicht allzu angeschlagen herauskam.

Während Rophei erneut einen Prankenhieb der Bärengestalt mit einem Schildzauber abwehrte, konnte er die erste Schwachstelle seines Gegners erkennen. Diese Gelegenheit nutzte er sogleich aus und stieß Melaryon mithilfe seiner Magie, mit mäßiger Kraft, gegen eine Wand und drückte diesen dagegen. Zusätzlich erschuf Rophei schattenmagische Stränge, die dazu dienten den etwas entkräfteten Druiden an Ort und Stelle zu halten. Wenn der junge Bloodmoon seine Mission erfüllt hatte, würde er den Kettenzauber auflösen.

Als Rophei erneut seine Technik des elementaren Aufspürens benutzte, sah er, dass sich Jilean durch ein Tor am anderen Ende des kleinen Dorfes aus dem Staub gemacht hatte, während Rophei mit den anderen Druiden beschäftigt war. So wie es Rophei einschätzte, war der Druidenanführer ungefähr auf dem Niveau eines gewöhnlichen Erzmagiers, was für einen ehemaligen Verbündeten von Lord Yvametrix zwar nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich beeindruckend war. Trotz alledem hatte Rophei erwartet, dass Jilean einen weitaus längeren Kampf gegen ihn anfechten würde, zumal dieser auch noch ein paar Mitglieder seines Clans zu Hilfe hatte. Nun, da Rophei die Untergebenen Druiden außer Gefecht gesetzt hatte, hatte Jilean keine weiteren Verbündeten, die sich mit diesem zeitgleich auf den jungen Bloodmoon stürzen konnten. Der junge Bloodmoon machte sich, als er sich versichert hatte, dass keiner der Druiden ihn folgen konnte, auf, Jilean zu verfolgen und gefangen zu nehmen. Dabei fühlte Rophei allerdings, als er kurz zu dem thronähnlichen Gebilde aufschaute, dass hier irgendetwas eigenartig war. Irgendwie befanden sich auch, trotzdem dies ein kleines Dorf im Wald war, nur sehr wenige der Waldzauberer hier. Und selbst diese leisteten nicht einen allzu großen Widerstand. Dies konnte aber durchaus daran liegen, dass es nun mal nicht mehr viele von den Druiden gab, da diese Fähigkeit, laut den Schriften, ausschließlich vererbbar sowie sehr schwer zu meistern war.

Rund eine Viertelstunde verging, bis Rophei es geschafft hatte, dem Anführer der Druiden wieder auf den Fersen zu sein. Der Rudelführer war, trotz seines betagterem Alters, noch recht fit auf den Beinen. Rophei fragte sich, was sein damaliger Meister von diesem wollte. Dessen Loyalität konnte es nun wohl kaum sein ... Als Rophei nur mehr rund hundert Fuß von Jilean entfernt war und ihn immer weiter aufholen konnte, bemerkte er mit einem Mal, wie sich dieser umdrehte und während er immer langsamer wurde, erneut einen Magiestrahl auf Rophei schoss. Dieser war dieses Mal jedoch um einiges stärker und zwang den jungen Bloodmoon dazu ebenfalls stehen zu bleiben. Als sich Rophei wieder ausbalancieren konnte, schaffte er es, den Zauber des Druidenanführers weiter zurückzudrängen. Während er auch kurz davor war Jilean den Zauber wieder zurückzuwerfen, bemerkte Rophei, wie Ranken, große Äste und ein eigenartig aussehendes Netz auf ihn zuflogen. Er erkannte dabei sofort, dass es sich um ein geflochtenes Netz handelte, welches mit Magie verstärkt war, um es noch widerstandsfähiger zu machen. Aus dem Augenwinkel bemerkte Rophei wenige Sekunden später zwei zierliche Gestalten, die die Verursacher dieses Angriffs waren. Jetzt fiel Rophei auch wieder ein, was er vorhin so merkwürdig empfunden hatte. Die beiden jungen Druidendamen waren ebenfalls verschwunden, während Jilean die Treppe zu ihm hinuntergegangen war. Das war also der Grund, warum sie sich entfernt hatten. Nicht um Schutz zu suchen. Im Gegenteil. Damit konnten sie diese Magiefalle aufbauen, während Rophei noch gegen die anderen Waldmenschen kämpfen musste. Eine recht gewiefte Idee, zumal die Widerstandsfähigkeit dieses Netzes sicherlich nicht schlecht war. „Diese Falle wird euch nichts nützen!“, rief Rophei angespornt und bereitete sich darauf vor seinen selbst entwickelten Zauber der Attou-Flammen zu entfesseln.

Bei dieser Magietechnik wurde das Element der Schatten und jenes des Feuers zu einem alles-zerstörenden Flammeninferno vereint. Das Besondere an diesem Zauber war, dass durch die Fusion der beiden Elemente ein Zauber entstand, der weitaus mächtiger als ein normaler Zauber eines der beiden Elemente war und nahezu alles auf seinem Weg vernichten konnte. Die Beherrschung dieses Zaubers war aber vermutlich selbst für erfahrene Magier im Eifer des Gefechts sehr knifflig, da die beiden Magieformen perfekt ausbalanciert werden mussten. Andernfalls brach der Zauber in sich zusammen und war mehr ein Problem als eine Hilfe.

Rophei erschuf das schwarz-rote Flammeninferno und verbrannte nach einem einzigen Blinzeln die Ranken, Äste sowie das magisch verstärkte Netz. Der Schüler der Schatten richtete die Attou-Flammen dabei in Richtung Himmel, damit diese möglichst wenig Schaden anrichteten. Immerhin war nicht ein Waldbrand sein Ziel, sonder die Gefangennahme von Jilean Oakspirit. Der Druidenanführer schien von dem Zauber, genau wie die beiden Druiden-Damen, überrascht sowie entsetzt zugleich zu sein, und stoppte seinen Magiestrahl. Rophei blieb indes jedoch nicht viel Zeit. Die beiden Druidendamen hatten sich sogleich von deren Schock wieder erholt, waren während der Kanalisation von Ropheis Schattenflammenzauber mit Speeren bewaffnet in den Nahkampf übergegangen und stürmten auf ihn zu. Bevor die beiden allerdings auch nur annähernd in Ropheis Nähe gelangen konnten, beförderte Letzterer sie mit einer Druckwelle in die entgegengesetzte Richtung. Der junge Bloodmoon wandte aber keine große Menge an Magie an, da er bereits auf den ersten Augenblick erkannt hatte, dass beide Frauen keinerlei Kampferfahrung besaßen. Sie sollten vermutlich, genau wie die Druiden im Dorf, lediglich dafür Sorgen, dass Jilean Oakspirit Zeit gewinnen konnte. Vermutlich versuchte der Druidenanführer Rophei weitere Hindernisse in den Weg zu legen, bis seine Magiereserven verbraucht waren. Rophei kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich auf die beiden Druidendamen. Diese waren jedoch beide, zu Ropheis Erleichterung, bewusstlos und lagen zwischen ein paar herumliegenden Holzstämmen. Jetzt musste er wohl oder übel die Verfolgungsjagd weiter fortführen. Er verschnaufte und streckte sich kurz, während er kurz darauf wieder seine elementare Sicht aktivierte. Als er eben jenes tat, hatte er fast zu spät bemerkt, dass Jilean gar nicht weitergerannt war. Ein monströser, schwarzer Bär mit riesigen Pranken war bloß wenige Fuß vom jungen Bloodmoon entfernt und sprang mit rasender Wut auf ihn zu. Er war unachtsam geworden ... für eine starke Barriere hatte er keine Zeit mehr, dafür war der Druide schon viel zu nahe an ihm herangekommen. Rophei musste sich aber wehren, doch wie sollte er das noch schaffen? Ihm blieb keine Zeit mehr. Rophei erschuf in der Eile eine schattenmagische Barriere um seine beiden Arme und wehrte den überaus kräftigen Hieb von Jilean mit eben jenen ab. Doch es war zu wenig Magie, die er in dieser kurzen Zeitspanne hatte aufbringen können. Die gewaltige Kraft des verwandelten Druiden schleuderte Rophei rücklings gegen einen massiven Baumstamm. Mit einem lauten, krachenden Geräusch fiel Rophei daraufhin dumpf gegen den harten Boden. Nach Luft schnappend sowie Blut spuckend rappelte er sich wieder auf und blickte mit entschlossener Miene zu seinem Gegenüber. Dieser schien zum einen überrascht, zum anderen noch immer rasend vor Wut zu sein.

Das dickflüssige, dunkle Blut tropfte Rophei noch immer aus dem Mund und seine Sicht wurde, wenngleich auch nur für einen kurzen Moment, verschwommen. Der Druidenanführer hatte ihn mit seinem Prankenhieb wahrlich überrascht. Der Schüler der Schatten hielt kurz inne und begann seine Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen. Seine Sehkraft normalisierte sich wieder. Er hatte einen Rückschlag erhalten, doch würde ihn das nicht aufhalten, sein Ziel zu erreichen. Rophei musste hier Jilean Oakspirit bezwingen und zu besagtem Unterschlupf des Myrtinia-Ordens bringen. Versagen war keine Option! Was würde mit seiner Mutter, Terindio und dessen Mutter geschehen, wenn er bei dieser Mission scheiterte? Würde ihnen allen tatsächlich jenes Schicksal ereilen, von welchem ihm der Großnekromant bei einem Scheitern gewarnt hatte? Rophei verdrängte sogleich jene Gedanken wieder aus seinem Kopf und konzentrierte sich auf sein Gegenüber.

Durch einen beachtlichen Schub an Willenskraft konnte Rophei wieder um einiges klarer denken und erschuf binnen weniger Sekunden eine schattenmagische Gleve in der rechten sowie eine schwarzrote Barriere in seiner linken Hand. Sein kämpferischer Rhythmus war wieder im Einklang mit seiner Magie und er wehrte einen jeden noch so mächtigen Prankenhieb des Gestaltwandlers meisterhaft und ohne große Mühen ab. Dabei schien Jilean allerdings auch nicht schlappzumachen und schlug weiterhin auf Ropheis Barriere ein. Als der junge Bloodmoon es mit einer Kombination rapider Glevenstreiche geschafft hatte die Verteidigung des Druiden zu durchbrechen, war es ihm möglich, diesen mit seiner Magie gegen einen dickstämmigen, großen Baum zu befördern. Dabei achtete Rophei besonders darauf, dass sich Jilean aus dem Griff seines Zaubers so wenig wie möglich bewegen konnte, ohne diesen dabei aber in Lebensgefahr zu bringen. Mit einem wutentbrannten Schrei versuchte sich Jilean zu befreien, doch Rophei ließ nicht nach. Der junge Bloodmoon war eisern entschlossen, seine Aufgabe zu erfüllen und den Druidenanführer zum Versteck des Myrtinia-Ordens zu bringen. „Ihr seid doch allesamt bloß Feiglinge, dass ihr diesem Wahnsinnigen willenlos folgt!“, rief Jilean mit einem Male, was Rophei kurz innehalten ließ. „Ihr wart es doch, der sich im erstbesten Moment in diesen Wald hier verkrochen hat, als die Niederlage vom Meister damals bevorstand“, erwiderte der junge Schüler etwas perplex. „Du Knirps weißt doch gar nicht, was Aufopferung bedeutet. Du hast doch keine Ahnung von all dem, was ich, wegen diesem Wahnsinnigen, durchmachen musste.“ „ACH NEIN?“ Durch den kurzen Wutausbruch Ropheis, hatte er die Konzentration, wenngleich auch nur für einen einzigen Moment, verloren. Dieser eine Moment reichte aber aus und gab dem Druidenanführer die Möglichkeit, sich mit einer Druckwelle zu befreien. Rophei wurde ein paar Fuß nach hinten befördert. Die gigantische schwarze Bärengestalt landete indes mit einem lauten Geräusch auf dem kargen Waldboden. Wenige Sekunden später, während sich Jilean wieder in einen Menschen zurückverwandelte, hatte sich Rophei wieder gefasst und kanalisierte seine Magie. Seine schattenmagische Magie prallte auf einen Barrierenzauber, was erneut kleinere Druckwellen auslöste. „Dann habe ich wohl das Ritual zum gewaltsamen Öffnen meines Manaspeichers zum Spaß durchgemacht. Und ich hatte bei all dem natürlich eine Wahl, nicht wahr, Jilean Oakspirit? Man hat doch immer eine Wahl – sogar als 5-Jähriger, wenn man von seiner Mutter gewaltsam weggezerrt wird. NICHT WAHR?“, rief Rophei wutentbrannt. In seinem Zorn erschuf Rophei schattenmagische Speere, welche auf den Druidenanführer mit unglaublicher Geschwindigkeit schossen. „Sehr gut, Rophei. Gib dich dem Hass hin. Vernichte die Feinde von Myrtinia!“ Die flüsternde Stimme von Yvametrix hallte, aufgrund des Fluchmals, durch seinen Kopf und verstärkte seine Wut umso weiter.

All diese Qualen, die Rophei seit seiner Kindheit durchmachen musste. All dieser Zorn in seinem Inneren, der von Tag zu Tag immer gewaltiger wurde. Und er konnte zu dieser Zeit nichts tun. Er konnte nur machtlos zusehen, wie er wie eine Marionette benutzt wurde. Verdammt dazu jedem Befehl von Yvametrix, den Nemesis-Mitgliedern sowie der anderen hohen Myrtinia-Mitglieder ohne Widerworte Folge zu leisten. Dazu bestimmt, eine Waffe in den Händen des Myrtinia-Ordens zu werden ... zumindest damals.

Jilean erschuf einen Wall aus Erdmagie, welche die Speere abwehren sollte, doch es war zwecklos. Die von Zorn getriebene Magie Ropheis überstieg jener des Druidenanführers um Längen. Dies hatten beide bereits nach dem ersten Aufprall ihrer beider Zauber bemerkt. Deswegen hatte der Druidenanführer auch versucht, Rophei im Wald in eine Falle zu locken und somit zu schwächen oder sich dabei zumindest einen Vorteil zu verschaffen. In einer offenen Konfrontation waren Ropheis Fähigkeiten bereits damals jenen eines Erzmagiers überlegen. Durch sein überaus anstrengendes sowie qualvolles Training war es dem jungen Bloodmoon bereits mit zehn Jahren möglich die Grundkenntnisse aller acht Magieschulen zu beherrschen. Mit dreizehn Jahren hatte er es geschafft zwei verschiedene Elemente zeitgleich zu erschaffen, was ansonsten ausschließlich Magiern auf Erzmagier-Niveau möglich war. Und all dieses Talent wurde von Yvametrix und seinen Anhängern missbraucht, um ihre hinterhältigen Pläne zu verfolgen.

Die Schattenspeere bohrten sich durch Arme und Beine des Gestaltwandlers, was diesen schmerzerfüllt aufschreien und kurz danach verstummen ließ. Erst als Rophei zur Gänze kapiert hatte, was er getan hatte, ließ er schleunigst von seinem Zauber ab. Die Lanzen begannen zu verschwinden und der Druidenanführer fiel mit einem plumpen Geräusch auf den Boden. Jilean war zwar noch am Leben, aber der Lockighaarige konnte schon von Weitem erkennen, dass die Wunden des Druiden sehr tief waren. Als Rophei zu dem Druidenanführer gerannt war und sich die Wunden genauer ansah, bemerkte er, dass Jilean, vermutlich durch den Schmerz, bereits bewusstlos war.

Kurz danach fuhr ein unglaublicher Schmerz durch Ropheis gesamten Körper. Mit einem Schreck wachte der junge Bloodmoon von seinem geträumten, vergangenen Erlebnis auf und sah mit aufgerissenen Augen um sich. Der Morgen war bereits angebrochen. Als der junge Bloodmoon wieder halbwegs klar denken und normal aufatmen konnte, begann er sich wieder zu erinnern. Rophei sowie seine Freunde und Verbündeten waren am gestrigen Tag in der Dornenzitadelle durch ein Portal von Yllithir angekommen. Dabei hatte der junge Lord Bloodmoon den Beschluss vom Gerichtsprozess erhalten. Wie auch das vorzeitige Urteil wurde er zu seinem Glück weiterhin für unschuldig erklärt. Doch er hatte immer noch Leryon als seinen Bewacher am Hals, welcher nun durch eine Öffnung der Leylinien die Möglichkeit hatte, zwischen Rosenhain und Iyorum durch ein Portal hin und her zu reisen, wie es ihm beliebte. In eben jenem Moment, als Rophei wieder an das Urteil des hohen Magierrates dachte, stürmte ein aufgeregt wirkender Bediensteter, ohne auch nur ein einziges Mal zu klopfen, in sein Gemach. „Verzeiht die Störung, Mylord, aber König Grausturm ist soeben durch ein Portal in der Dornenzitadelle angekommen und erwartet eine Audienz!“ „Wenn man vom Teufel denkt …“, dachte sich Rophei und nickte erschöpft mit dem Kopf. Rophei zog seine Adelsgewänder an und marschierte nicht einmal zwei Minuten später in Richtung Halle der Dornen. Zu seiner Verwunderung fand er dort das junge Ratsmitglied, einen samtenen, weißen Kimono tragend, mit Fynton und Adam redend vor.

FYNTON

Die beiden Rekruten hatten sich, trotz der Anweisung von Rophei dies nicht zu tun, in den frühen Morgenstunden getroffen und wieder begonnen mit dem Schwert und der Magie zu üben.

Der junge Lord von Rosenhain hatte recht, dass sich die beiden Burschen ruhig eine Pause nehmen sollten. Doch die beiden wollten die Warnung, teils aus Ehrgeiz und teils aus Trotz nicht wahrnehmen. Die Wunden, die der gesamte Infiltrationstrupp in Rondur erhalten hatte, waren zwar, selbst bei Terindio, zum größten Teil verheilt, doch waren ihre Kräfte noch nicht zur Gänze zurückgekehrt. Außer den beiden Jugendlichen war ein jeder, insbesondere der Elitemagier, noch bettlägerig. Fynton konnte Terindio noch immer nicht genug dafür danken, dass dieser den magischen Pfeil für ihn abgeblockt hatte. Das hatte ihm wahrlich das Leben gerettet. Und genau deswegen fühlte sich Fynton auch diesen Drang, unbedingt stärker zu werden. Was wäre passiert, wenn es nicht so gut ausgegangen wäre und Terindio in der Hauptstadt von Rondur sein Leben gelassen hätte? Und was wäre, wenn zukünftig jemand wegen Fynton wirklich sein Leben lassen musste? Und dies alles bloß, weil er sich selber nicht gut genug verteidigen konnte … wenn so etwas jemals geschehen würde, könnte sich das Fynton wohl niemals verzeihen.

Noch während Adam und Fynton weiterhin mit ihren einfachen, elementaren Zaubern übten, hörten sie mit einem Male ein rumorendes Geräusch. Kurz darauf spürte Fynton eine drückende Kraft, die aus der Richtung der Mauer kam. Das Portal, von welchem sie gestern aus Yllithir gekommen waren, hatte sich aktiviert! Aus Neugier brachen die beiden ihr Training ab und eilten die Treppen hinauf und empfingen mit ein paar überrascht wirkenden Bediensteten die eintreffenden Gäste.

Als Adam und Fynton auf der Mauer angekommen waren, bemerkten sie, wie sich rund zwei Dutzend Ritter im Gleichschritt in einem Halbkreis aufgestellt hatten. Die in strahlend stählernen Gewändern gekleideten Männer gaben keinen einzigen Mucks von sich und starrten mit eiserner Miene nach vorne. Wenige Sekunden darauf erschien eine Gestalt, dessen magische Präsenz so unglaublich war, wie sie Fynton bislang nur selten zu Gesicht bekommen hatte. Wenn es Fynton in Worte fassen sollte, fühlte sich dessen Aura an, wie ein Wirbelsturm, der aus tausenden Flammen bestand. Die Person, die aus dem Portal stieg, war dieselbe, welche Fynton und die anderen, gemeinsam mit Rophei, in Rondur gerettet hatte - König Leryon Grausturm. Das dunkelrothaarige Ratsmitglied schritt zielstrebig hervor und wurde von einem großgewachsenen Bediensteten in Empfang genommen. Letzterer deutete Lord Grausturm ihm in Richtung der Haupthallen zu folgen. Das Ratsmitglied blickte jedoch in Adams und Fyntons Richtung. Mit seinen blassgrauen Augen wirkte er sogar noch eindrucksvoller, als es ohnehin bereits der Fall war. Noch während der Bedienstete losging und den Weg wies, deutete der junge König Grausturm Adam und Fynton heran. „Seid gegrüßt, ihr beide“, fing Leryon Grausturm zu sprechen an, „Es freut mich, zu sehen, dass ihr beide wieder wohlauf seid. Wie ich sehe, seid ihr wieder am Schwertkampftrainieren, nicht wahr?“ König Grausturm deutete dabei auf die Schwerter, die sich Adam und Fynton um den Gürtel gebunden hatten. „Ja, M...Mylord.“, erwiderten Adam und Fynton gleichzeitig, während sie einen Torbogen durchquerten, welcher in das Innere der Festung führte. Wenig später kamen sie auch schon bei der Halle der Dornen an. „Sie sind ebenfalls mit dem Schwertkampf vertraut, oder?“, wagte Fynton zu fragen, kurz nachdem der bedienstete Junge Bescheid gegeben hatte, dass Rophei bald erscheinen würde. Ein kurzes Lächeln wich über das Gesicht des Ratsmitglieds, bevor er den samtenen Kimono beiseiteschob und die beiden geschwungenen Schwerter in deren lederner Scheide offenbarte. „Unter anderem. Nur ist die Praxis des Schwertkampfes sowie die Handhabung der Klingen in Armadøn gänzlich anders. Dies sind sogenannte Katanas. Sie wurden in den ...“ „Leryon, mir war nicht bewusst, dass du bereits so früh erscheinen würdest!“, unterbrach Rophei, welcher in seiner Adelsgewandung und mit äußerst wachem Blick die Treppen hinabging. Seitdem er das Fluchmal vom hohen Rat der Magier entfernt bekommen hatte, wirkte der neue Lord von Rosenhain sowie seine magische Aura ganz anders. Er hatte nicht länger diese todbringende, kalte Aura um sich und wirkte auch nicht mehr derart in sich gekehrt. Seine magische Aura hatte aber an Intensität nicht einmal ansatzweise nachgelassen ... im Gegenteil. Fynton würde sogar so weit gehen und meinen, dass Rophei nun noch mächtiger wirkte, als es zuvor bereits der Fall war. „Als dein Partner und Aufpasser im Rat der Magier kann ich dich doch nicht allzu lange alleine lassen, findest du nicht?“, scherzte das junge Ratsmitglied, „Spaß beiseite. Es geht um unseren Handelspakt sowie um einen Auftrag vom hohen Magierrat. Ich glaube, dass wir Letzteres aber lieber unter vier Augen besprechen sollten.“ „Wie du meinst, Leryon. Fynton und Adam können aber bei dem Handelsgespräch mithören, falls sie es wünschen. Immerhin sind meine engsten Vertrauten.“, erwiderte der Lockighaarige und öffnete mit einem Schnippen die Tür zur Halle der Dornen. Sogleich sich die vier jungen Männer hinsetzten, begann sich eine sandähnliche, rot-schwarz-gefärbte Substanz an zwei Stellen des Tisches auszubreiten. Bei der einen Stelle, jene die Fynton und Adam näher war, verformte sich die Materie zu einer Miniaturversion von Rosenhain, wobei Fyntons Augenmerk auf dem kleinen Hafen lag. In der Nähe, wo sich Leryon und Rophei hingesetzt hatten, verformte sich indes die magische Substanz zu einem kleinen Berg mit drei höhlenähnlichen Eingängen. „Mein Vater hat vor seiner, nennen wir es Abreise, dafür gesorgt, dass alle Erzvorräte, die sich in den letzten Jahren in den Vorratskammern Rosenhains angestaut hatten, mitgenommen werden. Wohin ist mir leider unbekannt, doch habe ich, während des Vorfalls in Rondur, meinen Onkel, meine Tante und Priesterin Raessa zu den abgeriegelten Minen gesandt, um herauszufinden, warum diese überhaupt geschlossen wurden. Es stellte sich heraus, dass mein Vater einen magischen Zirkel angebracht hat, welcher Gargoyles erschuf. Die drei konnten den Magiezirkel zwar zerstören, doch wurden sie allesamt leicht verletzt. Wenn alles nach Plan verläuft, werden die ersten Lieferungen der Erze in den nächsten Tagen eintreffen können.“, erklärte Rophei. „Verstehe“, erwiderte Leryon und blickte in Gedanken vertieft in die Luft. „Das ist, denke ich, kein großes Problem. So lange ich mir sicher sein kann, dass die Erze erscheinen werden, ist es nicht schlimm, dass sich die Lieferungen vorerst etwas verzögern. Wie du sicherlich weißt, befindet sich mein Königreich bereits mit Noralia in Verhandlungen zwecks dem Erzhandel. Dementsprechend haben meine Schmiede und Händler fürs Erste ausreichend Erze zur Verfügung. Das Verschwinden der Eisenvorräte stellt allerdings ein großes Problem dar, zumal wir nicht wissen, wohin dein Vater, oder genauer gesagt der Myrtinia-Orden, diese ganzen Vorräte gebracht hat.“ Rophei gab ein Nicken von sich und musterte unentwegt das Ratsmitglied.

Nachdem dieses Thema beendet war, unterhielten sich die beiden Lords über die verschiedensten politischen Themen, wobei Fynton bei den meisten nicht einmal ansatzweise verstand, um was es wirklich ging. Erst als sich Rophei erneut darüber beklagte, dass sein Vater ganz Rosenhain fast in den Ruin getrieben hätte, wenn er die Abgaben von Nahrungsvorräten und Silberstücken des Volkes weiter erhöht hätte. König Grausturm hingegen sah die Situation recht gelassen und versicherte Rophei, dass dieser sich vorerst um die jetzige Situation seiner Untertanen kümmern und, mithilfe des seeweiten Handels, Rosenhain wieder zu einem wichtigen sowie großen Handelspunkt von Sydoria aufbauen sollte. Wenige Minuten darauf erschien erneut der großgewachsene Bedienstete und unterbrach die beiden Adeligen. Dieser verkündete, dass die nächsten Gäste eingetroffen waren und dass sie eine Audienz bei Rophei wünschten. „Fynton, Adam. Begrüßt ihr beide, mit den Bediensteten, die Gäste und führt sie zu ihren Zimmern. Ich muss mich noch mit Leryon über ein paar wichtige Angelegenheiten alleine unterhalten.“ Fynton wollte bereits etwas erwidern, doch kam ihm Adam zuvor. „Aber wir haben doch nicht ...“ „Das war keine Bitte“, unterbrach Rophei den jungen Bal’Morell forsch, „Ihr werdet euch sicherlich freuen, dass die Gäste und ihr euch wieder sehen könnt!“ Ohne weitere Widerworte noch von sich zu geben, erhoben sich die beiden von ihren Stühlen und marschierten gen Ausgang. Kurz bevor sie die Tür hinter sich verschlossen, sah Fynton im Augenwinkel, wie Rophei sein Augenmerk bereits auf Leryon gelegt hatte und auf die Neuigkeiten vom hohen Magierrat gespannt zu sein schien.

Mit den Bediensteten an ihrer Seite schritten sie zum Eingang der Zitadelle. Am Eingang von einer kleinen Heerschar von Rittern, unter anderem von Kommandant Parric Blackreaver, umringt, sah Fynton, wer die Besucher waren. Es waren die Rekruten aus dem Trainingslager. Darunter konnte er sogleich seine Zimmerkollegen erkennen, welche sich in einer der letzten Reihen gezwängt hatten. Überrascht und froh zugleich stürmte er, ohne weiter zu zögern, zu Ilius und den anderen. Mit einem breiten Grinsen quetschte er sich durch die Reihen der Rekruten und bahnte sich seinen Weg zu seinen Kollegen. Dabei fiel ihm auf, wie ihn der eine oder andere Rekrut mit verächtlichem Blick musterte ... als hätte er etwas verbrochen. Als er bei seinen Kollegen angekommen war, musste er erneut grinsen und kam ihnen näher. „Hallo Leute! Ich wusste gar nicht, dass Ihr hierherkommen würdet! Mira, Iyanna: Wie war eure Prüfung?“, begrüßte Fynton seine Zimmerkollegen. Es stellte sich sobald jedoch heraus, dass die rasende Begeisterung Fyntons lediglich auf Einseitigkeit beruhte. In den Augen von Ilius, Ignirius, Aminah, aber auch von Mira und Iyanna, konnte er förmlich die Fassungslosigkeit erkennen. „Was machst du hier bei uns? Solltest du nicht bei deinem treulosen Freund und den anderen Verrätern sein?“, fuhr Ignirius Fynton, noch boshafter als gewohnt, an. Etwas perplex brachte der Dunkelblonde kein Wort heraus und beäugte einen Rekruten nach dem anderen. „Wir haben bereits von ein paar unserer Lehrmeister erfahren, dass ihr von Anfang an alle nur darauf aus wart, Lord Kyrillios Bloodmoon vertreiben zu können.“, setzte Ilius mürrisch fort, während Fynton noch immer keine Worte fand, um etwas zu erwidern. „Jungs ... jetzt seid doch nicht so zu ihm. Wir können ihn nicht für das Machtspiel der Adeligen verantwortlich machen.“, warf Mira ein. Sie schien die Einzige der anwesenden Rekruten zu sein, die Fynton nicht mit einem abfälligen Blick ansah. Doch trotz dieser Worte konnte er auch aus ihrer Richtung eine gewisse Abneigung verspüren. Bevor Fynton allerdings seinen Mund öffnen konnte, um etwas zu erwidern, ertönte ein schriller Ton von einem steinernen Podest, auf welchem ein Abbild von Rophei zu der Menschenmenge herabsah. Binnen weniger Augenblicke stand dieser im Zentrum der Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Ein jedes Gespräch verstummte, während alle Rekruten, aber auch die Lehrmeister und Magier der Trainingslager, zu dem jungen Lord von Rosenhain aufblickten. Die Aura um Rophei war um einiges schwächer als zuvor in der Halle der Dornen. Hielt dieser etwa, wie es in Lankor der Fall war, seine magische Aura zurück, um die anderen nicht einzuschüchtern? „Willkommen in der Dornenzitadelle, meine geschätzten Gäste“, sprach Ropheis laut genug, damit ein jeder Anwesende gespannt seinen Worten lauschte, „Ich bin Rophei Bloodmoon. Ich, als der Lord von Rosenhain, habe euch hierherrufen lassen, damit ich und meine Berater einem Verdacht in Bezug auf den Myrtinia-Orden nachgehen können. Bestimmt hat der eine oder andere bereits von diesem Magierorden gehört und möchte dazu mehr erfahren, doch alles zu seiner Zeit. Ihr werdet noch genügend Zeit haben, Fragen stellen zu können – vorerst muss ich mich noch mit den Lehrmeistern und Magiern der Trainingscamps sowie der Magierorden von Rondur unterhalten. Die Bediensteten werden euch zu euren Zimmern bringen und euch zeigen, wo ihr euer Training und euch auch sonst aufhalten könnt. In einer Stunde wünsche ich mit den Lehrmeistern Lankors sowie den Erzmagiern und den fünf Rekruten Iyanna, Mira, Ilius, Ignirius sowie Aminah, am Kampfplatz zu sprechen. Die anderen Rekruten werden in der folgenden Zeit ein paar Fragen sowie einem Memoirenzauber unterstellt, doch Weiteres später. Ich hoffe, dass Ihr einen angenehmen Aufenthalt in meiner Heimat genießen könnt!“ Nachdem Rophei fertig gesprochen hatte, löste er sich kurz darauf, mithilfe eines rot-schwarzen Nebels, in Luft auf. Dies war also lediglich ein Abbild von Rophei gewesen. Deswegen war dessen magische Aura so viel schwächer gewesen – dies war nicht der richtige Lord Bloodmoon gewesen. Leises Gemurmel breitete sich aus, während Fynton sich wieder zu seinen ehemaligen Zimmerkollegen umdrehte und einen erneuten Versuch für ein Gespräch starten wollte, doch vergebens. Mira und die anderen drängten sich bereits zu den anderen Rekruten und ignorierten weitgehend Fyntons Bemühungen und gingen ihm wortwörtlich aus dem Weg.

Adam und Fynton trainierten, wie Ersterer nach Ropheis Ansprache vorgeschlagen hatte, im Hof erneut mit ihrem Schwert und ihrer Magie. Dabei begann Fynton immer mehr zu merken, warum Rophei ihnen geraten hatte, sich vorerst ein wenig zu schonen. Seine Ausdauer und Kraft waren schneller ausgelaugt gewesen, als ihm lieb war und er konnte sich, durch Schmerzen am ganzen Körper, nur sehr eingeschränkt bewegen. In jenem Moment, als Fynton einen Schwerthieb seitens Adams parierte, konnte er Rophei und Leryon aus dem Blickwinkel erkennen. Die beiden ehemaligen Rekruten lieferten sich für die nächsten Sekunden noch eine Reihe von Schlagabtauschen. Auch dann noch, als Rophei und Leryon Grausturm nur mehr wenige Schritte von ihnen entfernt waren und sie mit aufmerksamen Blicken musterten. Zu Fyntons Überraschung sah er jedoch in Ropheis Gesicht nicht einmal einen Hauch von Zorn oder dergleichen. Im Gegenteil – der junge Bloodmoon gab ein leichtes Lächeln von sich, während er und König Grausturm die beiden stillschweigend zusahen. Zumindest schien Rophei nicht enttäuscht von ihm zu sein. Fynton musste zugeben, dass die entsetzten Gesichter von den Rekruten ein unangenehmes Gefühl in ihm ausgelöst hatten, dass ihn einfach nicht loslassen wollte. Er hoffte nur, dass er mit Mira und den anderen alles erklären konnte und diese nicht bis in Ewigkeit stumm schalteten ...

„Ich muss sagen, dass sie beide Talent im Umgang mit dem Schwert haben, Rophei. Sie kämpfen wahrscheinlich jetzt schon besser als einige Ritter, die ich kenne“, lobte Leryon Fynton und Adam, was die beiden etwas verlegen machte. „V...vielen Dank, König Grausturm. Wir hatten einen sehr guten Lehrmeister!“, erwiderte Adam nervös, während Leryon ihn und den jungen Bal’Morell abwechselnd in die Augen sah. „Du bist der Sohn von Kriegsgeneral Bal’Morell, nicht wahr?“, fragte das Ratsmitglied mit gelassener Stimme, während Adam kurz darauf zu nicken begann, „Der Kriegsgeneral ist auf einem sehr guten Weg zur Besserung. Er wird sich in den nächsten Tagen gänzlich von dem Fluchmal vom Myrtinia-Orden erholt haben. Er wird wenig später in eure Heimat zurückkehren, um seinen Pflichten als Landherr in Bleakhallow erneut nachzugehen, aber keine Sorge ... das ist eine reine Sicherheitsmaßnahme. Weder deinem Vater noch dir wird auch nur irgendeine der beschuldigten, vergangenen Taten zur Last gelegt – dies alles hat Ithlion Dawnbringer alleine zu verantworten.“ Adam gab daraufhin ein breites Grinsen von sich und bedankte sich mit unterwürfiger Geste vor dem Ratsmitglied. „Was passiert nun eigentlich mit dem Berater?“, fragte Fynton. „In den nächsten Tagen wird er mehrere Memoirenzaubern durchgehen müssen. Wir haben zwar bereits Zugriff auf einen Teil seiner Geheimnisse, doch bislang hat uns die Information nicht viel genutzt. Wir können nur hoffen, dass Ithlion seine Memoiren vor den Augen des Rates nicht so meisterhaft verbergen kann, wie unser junger Lord Bloodmoon hier.“ Rophei zuckte lediglich unschuldig mit den Schultern, während König Grausturm zu schmunzeln begann. „Wie dem auch sei – auch wenn ich euren Eifer bewundere, so habe ich euch doch ausdrücklich gesagt, dass ihr euch in den nächsten Tagen noch schonen solltet!“, fing Rophei stolz und etwas gereizt zugleich an zu reden, „Wenn sich eure Wunden wieder öffnen wird eure Heilung nur länger andauern, als nötig.“ Eine kurze, unangenehme Stille breitete sich aus, während Fynton und Adam etwas beschämt zu dem jungen Lord von Rosenhain blickten.

Kurz bevor Fynton allerdings den Mund aufmachen und sich entschuldigen konnte, sah er, dass sich ihnen ein paar Menschen näherten. Es waren Fyntons ehemalige Zimmerkollegen sowie die Ritter- und Magierlehrmeister von Lankor, welche allesamt von Erzmagier Raqhir und Leutnant Pockring angeführt wurden. Den Blicken jeder einzelnen, sich nähernden Person zu urteilen, waren sie nicht gerade auf das kommende Gespräch mit Rophei erpicht. Insbesondere Erzmagier Raqhir wirkte sehr erbost. Dies konnte aber vielleicht auch einfach nur an der großen Anzahl von Falten im Gesicht des Magier-Greises liegen. Auch die vier Rekruten schienen nicht gerade in bester Laune zu sein. Fynton konnte sich das vielleicht aber auch nur eingebildet haben. „Vielen Dank, dass ihr alle erschienen seid. Ich glaube ihr wisst warum ich euch hierher gerufen habe, oder?“, fing Rophei mit sanfter Stimme an zu sprechen. „Wenn ich raten würde, würde ich sagen, dass es darum geht, dass ihr uns darüber in Kenntnis setzt, dass ihr eurem Vater den Thron geraubt habt und nun Veränderungen in Betracht zieht.“, erwiderte Sir Calligan, dessen Bein nun zur Gänze geheilt war, zynisch. Dabei konnte Fynton den unterdrückten Zorn des Lehrmeisters nahezu am Leibe spüren – solch eine aggressive Aura strömte der Ritter aus. „Wenn Ihr es so seht, Sir Calligan, kann ich dagegen wohl nicht viel machen, aber einen Versuch ist es dennoch wert. Ich frage mich, ob Ihr meinen Worten zumindest Gehör schenken würdet, bevor Ihr voreilige Schlüsse in Bezug auf den Thronraub zieht.“, antwortete Rophei etwas gereizt, woraufhin der Ritter ernst zu nicken begann. „Die Person neben mir ist Lord Leryon Grausturm, einer der derzeit neun Ratsmitglieder des hohen Magierrates sowie der jetzige König von Armadøn. Dadurch, dass der Rat einen Memoirenzauber bei mir angewandt hatte, wird er meine Worte bezeugen können.“

Als die Anwesenden in Begriff waren, wer vor ihnen stand, verbeugten diese sich allesamt ehrfürchtig vor König Grausturm. Dieser gab mit einer einfachen Geste Bescheid, dass sie ihr Haupt wieder heben konnten. Fynton kannte den König Armadøns zwar nicht, doch sah er diesem durchaus ins Gesicht geschrieben, dass diesem die Situation etwas unangenehm geworden war. Nachdem die Höflichkeiten seitens der Lehrmeister und Rekruten der Trainingscamps beendet waren, begann Rophei zu erzählen. Dabei fing er damit an, was in Pramshaw passierte. Nach rund zehn Minuten beendete er seine Erklärung mit dem Erzählen der Ereignisse in der Hauptstadt von Rondur, welche mit dem Besiegen vom Myrtinia-Mitglied Ithlion Dawnbringer abschloss. „Zusammengefasst hat es der Myrtinia-Orden geschafft, meinen Vater auf seine Seite zu ziehen sowie selbst König Mydas Ronduria und somit die Hauptstadt unter seine Kontrolle zu bringen. Dank Fynton, Adam und ein paar anderen Verbündeten konnten Ithlion Dawnbringer besiegt und mein Vater aus Rosenhain vertrieben werden. Ich fände es daher mehr als angemessen, wenn Ihr die beiden mit ein wenig mehr Respekt behandeln würdet“, beendete Rophei seine Erklärung und wurde dabei sichtlich von Wort zu Wort immer grimmiger. „I...Ich kann dies alles nich fassen“, gab Erzmagier Raqhir als Erster von sich, „I...Ist das alles w...wahr, Ratsmitglied Grausturm?“ „Bis ins kleinste Detail, Erzmagier. Lord Bloodmoon, kann dies durch einen Memoiren-Zauber beweisen, falls dies vonnöten sein sollte.“ Fassungslos starrten die Anwesenden zuerst Rophei und Adam und Fynton abwechselnd an. „Kyrillios Bloodmoon ist also ein Mitglied vom Myrtinia-Orden“, gab nun Kommandant Pockring von sich, „Ich k...kann nicht fassen, dass wir alle so hinters Licht geführt wurden.“ Die anderen begannen daraufhin stumm zu nicken. „Wir müssen uns wohl aufrichtig bei Ihnen, Fynton und Adam entschuldigen. Wir hatten lediglich die Information erhalten, dass Sie einen Plan ausgeheckt hatten, um an die Macht Rosenhains zu kommen. Und offen gestanden hatten wir alle dieser Information mehr Glauben geschenkt, als wir hätten sollen.“ „Glauben Sie mir, Sir Calligan. Ich täte nichts lieber, als nicht der Lord der Dornenzitadelle sein zu müssen – dieses Amt ist weitaus mehr eine Bürde als ein Segen, zumal mein Vater die Situation, während seiner Regentschaft, um ein Vielfaches verschlechtert hat. Vorerst werde ich allerdings diese Aufgabe inne haben müssen, bis ich es an die rechtmäßigen Herrscher wieder zurückgeben kann.“, erwiderte Rophei schroff, während man ein Aufblitzen seiner glitzernden Augen deutlich erkennen konnte. „Wie genau meinst du das, Rophei? Du bist doch der rechtmäßige Erbe sowie Herrscher der Dornenzitadelle, oder verstehe ich da etwas falsch?“, warf König Leryon Grausturm etwas perplex wirkend ein. „Das war nun vielleicht etwas schlecht ausgedrückt.“, gab Rophei zu, „Ich meinte viel eher, dass meine Tante und mein Onkel weitaus mehr den Titel der Herrscher von Rosenhain verdient haben, als ich. Sie haben von Anfang an, seit dem Tod meiner Mutter, alles daran gesetzt, meinen verräterischen Vater zu stürzen, da sie wussten, dass er hinter dieser Schandtat steckte. Ich hingegen hatte etwas anderes im Fokus.“ „Und was war dies, Lord Bloodmoon?“, wandte Erzmagier Raqhir ein, dessen Gemüt wohl ebenfalls abgekühlt war. Rophei zeigte daraufhin auf Fynton. „Und wie genau sollen wir das verstehen, Lord Bloodmoon?“, fragte der etwas betagte Magier, nachdem er dem Dunkelblonden kurz verwirrt angesehen hatte. „Findet ihr es nicht seltsam, dass der Manakristall damals am Tag des Magietests zeigte, dass Fynton keine magischen Kräfte besitzen sollte?“, fing der Lockighaarige mit der Erklärung an. Er deutete Fynton, dass er seine Magie kanalisieren sollte und einen Zauber wirken sollte. Nachdem er dies tat, ließ Fynton einen kleinen Feuerball in seiner Hand erscheinen. „Verzeiht mir, wenn ich falsch liege, doch laut Bericht war der Manakristall doch schon sehr alt und hatte nur mehr schwache Energiereserven.“, erwiderte Sir Calligan, „Es konnte also durchaus der Fall sein, dass er zu wenige Kraft noch besessen hatte, als dass er Fyntons Magie anzeigen würde. Er zerbrach sogar nach dem Magietest im Trainingslager auseinander, wenn ich mich recht entsinne.“ „Das ist korrekt, Sir Calligan, jedoch geschah Letzteres ebenfalls aus einem bestimmten Grund.“ „Und dieser wäre?“ „Sehen Sie selbst!“ Rophei schnippte einmal mit der Hand. Wenige Sekundenbruckstücke später formte sich aus dem Nichts eine faustgroße Wasserkugel, die über seiner Hand schwebte. Dabei bemerkte Fynton, wie meisterhaft stabil die magische Kugel war. Sein Feuerball vorhin hingegen sah im Vergleich dazu, wie ein unbeständiger, sich ständig verformender Haufen aus. Trotz alledem wusste Fynton, was Rophei von ihm wollte. Er fasste sich, atmete tief durch und konzentrierte sich auf die Wasserkugel vor ihm. Fynton fokussierte einen Teil seiner magischen Kraft auf seine Hände, die er in Richtung des Magieprojektils gestreckt hatte. Er wartete ab, bis sich seine Magiereserven so weit gesammelt hatten, sodass er seiner außergewöhnlich einzigartigen Fähigkeit freien Lauf lassen konnte.

Und inzwischen fiel ihm das Aktivieren dieser Fertigkeit gar nicht mehr so schwer wie früher. Er musste bloß seinen Kopf klar machen und daran denken, dem Ziel die magische Essenz zu entziehen. Trotz alledem war diese Fähigkeit, wie Fynton bei seinem zuletzt bestrittenen Kampf in der Hauptstadt bemerkt hatte, nach einer Weile überaus entkräftend.

Als Fynton so weit war, setzte er seine Kraft frei. Die weiß glühende Substanz formte sich zu Stränge. Ebendiese schossen auf den Wasserball und umschlangen diesen. Wie selbstverständlich entzog ein jeder einzelner Faden einen Teil der Magie und leitete diese in Fyntons Richtung zurück. Voller Staunen gab keiner der Anwesenden auch nur ein Wort von sich und beobachtete das Spektakel, während es ein paar, wenige Sekunden anhielt. Kurz darauf ließ Fynton ein Ebenbild des Wasserprojektils erscheinen, welches aber viel instabiler aussah, als jenes von Rophei. „Dies ist die Gabe der magischen Umkehrung, auch Anti-Magie genannt. Für diejenigen, die dies noch nicht bekannt ist – es ist jene Fähigkeit, die einzig und allein Erzmagier Sephirius als Vorgänger innehatte und womöglich eine der stärksten Magieformen überhaupt, da sie, außer bezüglich der Ausdauer des Anwenders, kein wirkliches Limit besitzt.“ „D...Das ist doch n...n...nicht möglich!“, gab Erzmagier Raqhir stotternd von sich, „Aber woher wissen Sie das alles, Lord Bloodmoon?“ „Weil der Myrtinia-Orden ein Auge auf Fynton und seine versteckte Fähigkeit geworfen hatte. Da ich ebenfalls ein Mitglied davon war, habe ich damals meine Chance genutzt, um diesem Orden endlich einmal in die Quere zu kommen.“ Alle Anwesenden standen förmlich unter Schock, als Rophei letzte Worte gesprochen hatte. Ohne weiter zu zögern, schob Rophei einen Teil seiner Robe zur Seite. Dabei entblößte der junge Lord der Dornenzitadelle einen Teil seines Brustbereiches und damit ein schwach glühendes, schwarzes Fluchmal, welches dem Magiezirkel der Schattenmagie überaus ähnlich sah. Fynton erkannte neben dem schwachen Symbol vereinzelte, dunkelrote Energielinien, die an der Seite von Ropheis Körper entlang verliefen. Rophei rückte allerdings die Robe nach wenigen Sekunden wieder zurecht und verdeckte wieder die Sicht auf diese Energielinien. Vielleicht hatte sich Fynton diese aber auch nur eingebildet ...

ADAM

Einige Tage waren vergangen, seit Rophei und eine Handvoll Magier damit begonnen hatten jeden einzelnen Rekruten aus den Trainingslagern mithilfe des Memoiren-Zaubers zu durchleuchten. Adam sah dabei, dass der junge Lord von Rosenhain immerzu von Erzmagier Raqhir begleitet wurde, welcher ihm noch immer nicht zur Gänze zu vertrauen schien. Seitdem Rophei aber sein Geheimnis, dass er ein Myrtinia-Mitglied war, preisgab, konnte dies Adam durchaus verstehen. Indes war Terindio auch aus der Hauptstadt zurückgekehrt. Wie sich herausgestellt hatte, konnte der gesamte Trupp der Dragorianer, eingeschlossen von Adams Vater Gremian sowie die Königsfamilie vom Fluchmal Myrtinias befreit werden. Wie der junge Bal’Morell bemerkte, waren die Wunden des dunkelblonden Elitemagiers auch schon zum größten Teil wieder verheilt. Terindio wirkte jedoch noch immer etwas angeschlagen. Immerhin wurde der Dunkelblonde von einem übermächtigen, magischen Geschoss getroffen, das vermutlich einen jeden anderen, bei einem direkten Treffer, sofort das Leben genommen hätte.

Während Fynton und Adam erneut mit dem Schwert und ihrer Magie trainierten, sahen sie, wie sich ihnen der Elitemagier leicht hinkend näherte. „Sehr fleißig ihr beide!“, rief Terindio ihnen zu, während sie vorzeitig ihr Training beendeten und sich zum Elitemagier bewegten. Wie Adam auch von Nahem erkennen konnte, befand sich Terindio in einem immer besseren Zustand – was für ein Glück! Ropheis Heilzauber hatten den Elitemagier wahrlich vor dem Tode bewahrt. Der gesamte Infiltrationstrupp in Rondur hätte vermutlich noch immer gravierende Wunden davonzutragen, wenn Ropheis Magie sie nicht mit seiner Magie zusammengeflickt hätte. „Wie ich sehe geht es mit eurer Genesung gut voran!“ „Unsere Wunden hat Rophei recht schnell versorgen können. Du siehst aber auch schon viel besser aus!“, erwiderte Adam mit einem Grinsen auf dem Gesicht. „Das stimmt. Ropheis Magie bewirkt wahrlich Wunder. Wenn wir schon von ihm reden – wer ist das bei ihm?“, fragte Terindio, wie Adam fand, neugierig aber auch etwas erzürnt und deutete zu der Mauer, neben welchen sich der Turm zu Ropheis Gemächern befand. „Das ist König Leryon Grausturm aus Armadøn – er ist uns in Rondur mit Rophei zur Hilfe gekommen. Sie beide haben mit Ithlion kurzen Prozess gemacht und diesen in nur wenigen Sekunden besiegt!“, erwiderte Fynton mit begeisterter Tonlage. Es stimmte zwar, dass das Ratsmitglied aus Armadøn eine beeindruckende und kraftvolle Aura ausstrahlte, doch würde Adam dies wohl kaum offen zugeben. Erst recht nicht, als er die finstere Miene Terindios bemerkt hatte. Das Einzige, was Terindio erwiderte, war ein leises „Mhm“, bevor er sich wieder zu ihnen umdrehte. „Wie dem auch sei“, fuhr Terindio fort und zückte seine beiden Klingen, die er, wie gewohnt, am Rücken befestigt hatte, „Zeigt mir, wie gut ihr mit euren Klingen umgehen könnt!“