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Niemand trägt weißes Haar wie er. Niemand ist so groß wie er. Niemand hört so gut wie er. Niemand will ihn in der Nähe haben. Seit seiner magischen Verwandlung bittet Artir um Aufnahme bei den Menschen. Die Städter misshandeln und verjagen ihn, weil er die Wahrheit bringt. Unbeirrt zieht er von Stadt zu Stadt bis ans Ende des Landes. Als er erfährt, warum er verjagt wurde, muss er zurück zu den Menschen. Die Wahrheit ist grausam und unerbittlich, für die er bereit ist zu sterben.
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Seitenzahl: 495
Veröffentlichungsjahr: 2022
Haakon Kodran
Krieger der Wahrheit
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Titelseite
Karte
Widmung
Kapitel Eins
Kapitel Zwei
Kapitel Drei
Kapitel Vier
Kapitel Fünf
Kapitel Sechs
Kapitel Sieben
Kapitel Acht
Kapitel Neun
Kapitel Zehn
Kapitel Elf
Kapitel Zwölf
Kapitel Dreizehn
Kapitel Vierzehn
Kapitel Fünfzehn
Kapitel Sechzehn
Kapitel Siebzehn
Kapitel Achtzehn
Kapitel Neunzehn
Kapitel Zwanzig
Kapitel Einundzwanzig
Kapitel Zweiundzwanzig
Kapitel Dreiundzwanzig
Kapitel Vierundzwanzig
Kapitel Fünfundzwanzig
Kapitel Sechsundzwanzig
Kapitel Siebenundzwanzig oder der Epilog
Glossar
Gruppen
Gruppensteine
Inhalt eines Saramanthen
Danksagung
Impressum neobooks
Haakon Kodran
Krieger der Wahrheit
Phantastischer Roman
Meiner Göttin
Diesmal starb ich gewiss. Meine Haut schien zu reißen. Nägel schlugen in die Knochen. Vier Vomen drückten mich mit der geheimnisvollen Krafft nieder. Sie lachten, weil ich machtlos war. Diese Menschengruppe freute sich, mit der Krafft zu foltern und zu lähmen, anderen Schmerzen zu bereiten.
„Haltet ihn still! Ich bestrafe ihn!“ Die Stimme knarzte in meinen Ohren und hörte sich alt an.
Den Sprecher sah ich nicht, spürte nur die Gefahr. Kräffter-Fesseln pressten mich zu Boden.
Hemd und Haut platzten auf. Das war echt. Schlimm.
Brennender Schmerz brüllte in mir. Kein Laut kam über meine Lippen. Drei blutende Furchen zogen sich über meine Brust. Unsichtbare Klingen schlitzten mich auf. Vomen schufen drei messerscharfe Krallen aus ihren Händen mit einem Kräffter. Kein Schild hielt diese Waffe auf. Die Wunden brannten, als wäre tödliches Naverengift in sie gedrungen. Lösbar.
„In den Belt mit ihm! Sollen die Schnapper ihn fressen!“, befahl der Unsichtbare. Ich hörte weder seine Schritte noch das Rascheln seiner bestimmt schwarzen Kleidung. Das schien unmöglich. Schwebte der Alte etwa? Das Brennen konnte ich ertragen, Schnappermäuler nicht. Sie rissen jeden Körper in kürzester Zeit in Stücke.
„Er beleidigte mich! Ich bestimme, was mit ihm geschieht!“ Eine Frau trat zwischen die Vier. Sie war der Grund für den Angriff. In Wahrheit konnte ich mein loses Mundwerk nie zurückhalten. Ich sollte besser ein paar Stunden vorher beginnen, als ich nichtsahnend ... langsam an einen Kraterrand kroch. Vor mir fiel die Wand senkrecht bis zum Boden. Mir schien, ein Riese hätte vor langer Zeit mit einem runden Stampfer in die Erde geschlagen und ein tiefes Loch hinterlassen, das gute sechs Kilometer Durchmesser hatte. Am Grund des Kraters lag die Stadt Tawa mit ihren bunten Häusern. Wenige Meter unter mir lachten drei Männer auf einem Felsabsatz, von dem aus Besucher über eine in die Wand gehauene Steintreppe hinabsteigen konnten. Die Wachen trugen schwarz und gehörten zur Gruppe der Vomen, mit denen ich meine größten Schwierigkeiten hatte. Sie schwatzten so laut, dass ich bereits von weitem durch meine empfindlichen Ohren gewarnt war und abseits der Straße hierher schlich.
Ich lag zwischen blühenden Lonabüschen, die hier überall wuchsen. Die großen graublauen Blüten und fleischigen Blätter verbargen mich vor Vögeln, die mir gefährlich werden konnten, wie die vierflügeligen Sturzkrallen oder die kleineren aber biestigen Ledergreife.
Etwas aufgeregt war ich. Schließlich betrat ich vor zehn Monaten das letzte Mal eine Stadt. Aus Padent, der Stadt nördlich der Wüste, kam ich einigermaßen glimpflich davon. Jedenfalls freute ich mich, wieder Menschen zu sehen, auch wenn es Wachen waren, die mir den Zugang verwehren würden. Auf den Straßen und Wegen in der Stadt gingen oder standen Bewohner unterschiedlicher Körpergrößen. Sie trugen braune, violette, vereinzelt rote und gelborange Hosen, Hemden oder Kleider. Sie gehörten Gruppen an, die mir weniger feindlich gesinnt waren. Ich hoffte nach wie vor - trotz meiner Erfahrungen - in einer Stadt aufgenommen und nicht mehr vertrieben zu werden. Dazu musste ich an den Wachen vorbei, um jemanden zu treffen, der mir endlich wohlgesonnen war, vielleicht ein grasgrün gekleideter Allmen oder eine in rot gekleidete Schlame.
Mich erstaunte, dass ich hier viel schwarz sah. Das fand ich bemerkenswert, weil die Vomen in anderen Städten die kleinste Gruppe war. Die Männer trugen schwarze Stiefel, weite schwarze Hosen, enge schwarze Hemden oder Pullover und vor allem schwarze Umhänge. Die Frauen trugen Stiefel oder Sandalen, enge Hosen oder Röcke und weite Oberteile, ebenfalls in schwarz. Sogar die Haare, Augen und Brauen waren schwarz. Vomen waren dürr. Ihre Rücken bogen sich nach vorne, dadurch schien es, als ob sie ständig gebeugt gingen. Die dünnen oft ledernen Hälse und kleinen Köpfe ragten nach oben.
Das glatte Felsgestein der umlaufenden senkrechten Wand leuchtete hellbeige in der hochstehenden Sonne. Eine Schlucht im Süden durchbrach die unnatürliche Glätte. Ein wasserreicher Strom aus dem Südgebirge teilte die Stadt in zwei Hälften und ergoss sich in ein Hafenbecken. Darin lag ein halb abgebranntes Schiffswrack. Hohe Klippen schützten den Hafen vor dem rauen Belt, der hier meterhohe Wellen gegen die Felsen schlug. Auf der Hafenseite waren die Klippen glatt, wie die beige Wand. Der Durchlass zum Meer war zwanzig Meter breit und lag im Norden rechts von mir. Die durchkommenden Wellen aus dem Belt prallten gegen die schiebenden Wassermassen des Stromes. Beide sorgten für ruhiges Hafenwasser. Mir gegenüber im Westen sah ich eine identische Treppe wie unter mir, die auf der anderen Seite des Kessels hinauf zu einer Straße führte. Auf dieser gelangte man zur nächsten Hafenstadt, die Gurwass hieß.
Hier oben pfiff steter Wind, während unten in der Stadt wohl kein Lüftchen wehte. Zahlreiche hölzerne und steinerne Brücken verbanden Tawas Stadthälften. Nach Farben getrennt verteilten sich bunte Häuser über das Zentrum. Um das Hafenbecken standen die gebogenen Dächer der blauen Delmenhäuser. Sie schienen verlassen und verwahrlosten. Gelbgrüne, rote und gelborange Gebäude führten in die Mitte zu schwarzen Dächern, die eine große Fläche einnahmen. Grasgrüne, wenige braune und viele violette Häuser schmiegten sich an die schwarzen Häuser an. Jede Farbe repräsentierte eine der acht Menschengruppen.
Ein breiter künstlich angelegter Pflanzengürtel umringte die Bauten bis zum Fuß des Kraterrands. Darin befanden sich Laub- und Nadelbäume, Fruchtbüsche und zahme Fleischlieferanten, alle durch die geheimnisvolle Krafft verändert. Das grüne Band ernährte die Menschen oder ergab Werkstoffe für die Handwerker, die meist aus der grasgrünen Gruppe der Allmen kamen.
Nie zuvor sah ich eine bewachte Stadt, als ob sie etwas zu verbergen hatte. Obwohl ich die Gesichter der Wachen nicht sah, vermutete ich, - freiwillig standen sie nicht herum. Tief in mir hatte ich Mitleid mit ihnen. Eine Konfrontation mit ihnen wäre dumm. Sie nutzten die Krafft, konnten mich lähmen, foltern. Ich war ihnen ausgeliefert. Ich musste auf anderem Wege in die Stadt gelangen und versuchen, möglichst keinem Schwarzen über den Weg zu laufen.
Ich entschied hier in Tawa mein Glück zu versuchen und zog mich in meine Welt, die Wildnis, zurück, die mich zu gerne töten wollte, wenn ich nicht aufpasste. Ich entfernte mich mehrere hunderte Meter vom Rand. Das bis zum Kinn reichende Steppengras hinderte mich am schnellen Vorankommen. Zwar bogen sich die verdrehten dreistängeligen Grashalme unter meinem Gewicht, aber es war, als ob ich durch einen Brei ging. Ich hielt auf eine Gruppe Lonabüsche zu, unter der ich meine beiden Taschen und den Stock verwahrt hatte. Dieser war ein geschnitzter Dorn des gewöhnlichen Nadelbaums. In der Wildnis wuchsen aus einem Samen vier Stämme. Aus jedem Stamm ragten neben Ästen die waagerecht und schräg wachsenden steinharten Dornen, die sich mit den anderen Stämmen verbanden. Dieser sturmsichere Stammverbund wuchs bis zu hundert Meter hoch. Manche sahen sogar wie Leitern aus. Die Dornen wurden bis zu zwei Meter lang, waren leicht und stahlhart.
Da ich ein Ausgestoßener war, besaß ich weder Werkzeuge noch Waffen aus Metall. Meine Schneiden schuf ich aus dem überall zu findenden Saramanth, einem durchsichtigen scharfkantigen Stein, härter als die Dornen. Erhitzte ich Saramanth im Feuer und schreckte sie mit Wasser ab, genügte ein Schlag mit einem Felsstein, um den durchsichtigen Stein zu zersplittern. Kalt war er nicht zu zerschlagen. Die scharf-schneidigen Splitter trennten Felle, Knochen und jedes Holz. Dornen und Saramanthen fand ich überall.
In diesem Teil der südlichen Lande trocknete die Sonne vieles aus. Daher überwogen knorrige Büsche und verschieden harte Gräser. In der näheren Stadtumgebung fehlten Grasfresser und Fleischfresser. Eine Gruppe Steppenenste, vierbeinige braunfellige Grasfresser, die so schnell Jungen bekamen, dass selbst ihre natürlichen Jäger, die Steppennaveren, kaum mit der Jagd nach kamen, sah ich in weiter Entfernung im Osten. Dort hielten sie das Gras niedrig. Hier gab es bis auf Vögel keine Tiere, die mich jagten. Die sechsbeinigen Raubtiere und zugleich meine größten Widersacher in der Wildnis, die Naveren, musste ich hier nicht fürchten. Andere kleinere Fleischfresser, Nestres, vierbeinige schwarz-weiß scheckige scharfzähnige Biester griffen in Rudeln an, wenn die Beute sich nicht wehren konnte oder tot war. Sie konnten mir nicht gefährlich werden.
Im Gegensatz zu den weiß-grau gestreiften dickfelligen Bergnaveren, die bis zu vier Meter lang wurden und mir bis zur Brust reichten, blieben ihre braunen samtenen Brüder in der Steppe kleiner, liefen aber schneller. Beider Krallen waren scharf wie Saramanthen und zudem giftig. Glücklicherweise war das Gegenmittel sofort verfügbar, wenn man an den Speichel im Mund herankam.
Da ich weit genug vom Rand entfernt durch das Gras stapfte, konnten die Menschen im Kessel mich nicht sehen. Ich erreichte die Schlucht, als die Sonne merklich nach Westen gewandert war. Ich musste weiter stromaufwärts, bis ich einen geeigneten Abstieg hinunter zum Wasser fand. Neben dem Strom lief ein Felsenband, mal einen Schritt, mal einen Fuß breit, bis sich die Schlucht zum Kessel öffnete. Wie ich mir dachte, stand hier keine Wache. Die Menschen dieser seltsamen Stadt rechneten nicht mit Besuch aus dieser Richtung. Tatsächlich begegnete ich in den fünf Jahren meiner Wanderung niemals einem Menschen in der Wildnis.
Keine Wachen sagten viel über das Selbstverständnis der Bewohner aus. Die Wildnis, mein Lebensraum, existierte für Tawa und seine Bewohner nicht. Ich vermutete, dass dies für alle Menschen in Holidan galt. Tatsächlich trauten sich die Leute niemals die Straßen, die die Wildnis trennten und Städte verbanden, zu verlassen, um einen Fuß auf natürlich bewachsenen Boden zu setzen.
Auf dem Felsband kam ich schnell voran und stand am Ende der Schlucht, als es bereits dunkler wurde. Die Kessellage begünstigte einen frühen Abend. Von hier unten wirkten die steilen hohen Wände bedrohlich und einengend, weil ich die Weite gewohnt war. Was die Menschen wohl planten, als sie mit mächtigen Kräfftern dieses Loch in die Erde frästen? Für mich war es ein Gefängnis; die Wache ließ niemanden herein und wohl auch niemanden heraus. Vielleicht brauchte ich auch keinen Ausgang. Wenn sie mich aufnahmen, ich dazu gehören durfte, könnte ich sogar mit den Wänden leben.
Dornenlose Nadelbäume ragten bis zur Hälfte der Steilwände in die Höhe. Die Bewohner hatten sie soweit mit Krafft verändert, dass sie aus einem Stamm bestanden, den man einfacher fällen konnte. Das hatte ich in Targent mal kurz beobachten können. Der Ring aus Nadelbäumen war gute fünfhundert Meter breit, um durch Laubbäume, die ebenfalls niemals in der Wildnis existierten, abgelöst zu werden. Gewöhnliche Laubbäume bestanden aus drei miteinander verwachsenen Stämmen und trugen zahlreiche verschiedene kleine Früchte wie zum Beispiel die süßen Sagakugeln, die, nachdem sie gepflückt waren, hell leuchteten. Die Sagabäume vor mir waren kleiner und zwei-stämmig. An diesen Zweigen hingen kopfgroße bunte Früchte. Wildsagas blieben klein wie meine Fingernägel. Ich sah viele andere Früchte, die so verändert waren, dass ich sie nicht erkannte. Niemand nannte mir ihre Namen. Meine Aufenthalte in Städten mit ihren Nahrungsgürteln blieben zu kurz.
Jemandem gefiel nicht, was ich sagte, daraufhin lähmte man mich mit der magischen Krafft und dann fiel man über mich her - mit Klingen, Messern oder auch Hämmer. Ich war allen Erwachsenen wehrlos ausgeliefert. Ich wusste nicht, wie man die Krafft, dieses geheimnisvolle Etwas, nutzen konnte. Niemand erklärte mir, wie es ging. Da ich zu keiner der acht Gruppen gehörte, kümmerte sich niemand um mich. Mir blieb nur die Wildnis und in jeder Stadt um Aufnahme zu bitten. Bisher vertrieben sie mich aus den Städten, folgten mir aber nie in die Wildnis.
Hier am Ende der Schlucht versteckte ich abermals die Taschen und den Stock. Meine Kapuze zog ich fest über mein weißes Haar. Um zu überleben, musste ich lautloser sein als die Tiere. Ich schlich mich durch den Gürtel näher an die Stadt mit ihren Menschen heran.
Die erste Frau, die ich über eine Steinbrücke auf mich zu gehen sah, verwirrte mich. Obwohl sie sich schwarz kleidete, sah ich in ihre Augen, in ihr Inneres und sah eine Schlame vor mir und traf blitzschnell eine folgenschwere Entscheidung. Ich sprang aus dem grünen Gürtel in ihren Weg, so dass sie abrupt stoppen musste.
„Sei gegrüßt, Schlame!“, rief ich vorlaut und sah zu spät die vier Vomen, die ihr folgten. Arme streckten sich mir entgegen, zeigten auf mich. Eine harte unsichtbare Wand traf mich und haute mich zu Boden.
Die Folter begann. Meine Haut schien zu reißen. Nägel schlugen in die Knochen, sagte ich das schon?
Die Frau blieb stehen, sah mich kalt an, zog sich weder zurück, noch griff sie ein. Die Männer kreisten mich ein. Das hatte ich ja toll hinbekommen. Warum musste ich reden?
Ich kannte die Antwort. Niemals würde ich still sein, wenn es um die Wahrheit ging. Die Frau war keine Vome. Mochte sie Schwarz tragen und alle Merkmale dieser Gruppe mit der Verwandlung erhalten haben. Sie war im Innersten, das tief verschüttet war, eine Schlame.
Die Männer würden ihren Spaß haben, mich zusammenschlagen. Würden sie mich die Treppen hoch hinaustreiben? Das bezweifelte ich. Ich saß, nein, ich lag in der Falle. Konnte es schlimmer werden? Eigentlich nicht. Schwere Hammer trafen meine Arme, Beine, Hände, Füße und den Kopf, allerdings ohne die Knochen zu brechen. Die Krafft konnte jeden Schmerz in mir hervorrufen und mich lähmen, verletzen konnten nur reale Gegenstände. Waffen, Werkzeuge oder Krallen. Die hatten die Männer glücklicherweise nicht dabei. Sie waren in der Lage mit der Krafft eine Waffe zu schaffen, eine Vomenkralle. Ab da hatte ich ein ernstes Problem. Ich gab kein Geräusch, kein Murren, kein Keuchen von mir. Diese Genugtuung gab ich ihnen nie. Das Gemeine war, ich erfuhr niemals das Ende einer solchen einseitigen Auseinandersetzung, weil die Schmerzen lange anhielten. Mittlerweile standen die vier Männer nur noch einen Schritt entfernt, als ich über mir ein Geräusch hörte. Ein leises Rascheln, als ob Tuch Haut streifte. Etwas war über mir, das ich nicht sehen konnte.
„Haltet ihn still! Ich bestrafe ihn!“ Die Stimme knarzte in meinen Ohren und hörte sich alt an. Den Sprecher sah ich nicht und wusste sofort, dass ich sterben sollte. Ich lag platt, konnte weder Lid schließen, noch Finger krümmen. Die Frau sah teilnahmslos zu mir. Unsichtbare Fesseln hielten Arme und Beine am Boden. Mein Hemd und die Haut platzten auf. Etwas Scharfes schlitzte mich auf. Das war schlimm.
Drei blutende Furchen zogen sich über meine Brust. Flammen züngelten hinter meiner Stirn, trieben Wasser durch meine Haut. Kein Laut kam über meine Lippen. Die Wunden brannten, als ob tödliches Naverengift sich mit meinem Blut vermischte. Das Problem konnte ich lösen.
„In den Belt mit ihm! Sollen die Schnapper ihn fressen“, befahl der Unsichtbare. Ich hörte keine Schritte, keine Stoffe rieben mehr aneinander. Das Brennen konnte ich ertragen, Schnapperzähne nicht. Schnapper mit ihren zahlreichen Unterarten beherrschten die Meere und Gewässer. Sie besaßen ein großes Maul mit mehreren scharfen Zahnreihen und harten Flossen, die sie äußerst wendig auf engstem Raum machten. Dieser Raubzahn riss in wenigen Minuten einen drei Meter langen Ohnezahn in Stücke. Wie ich blutete, waren alle Hafenschnapper innerhalb weniger Sekunden bei mir.
„Er beleidigte mich. Ich bestimme, was mit ihm geschieht!“
Die Frau trat vor, schob zwei Männer beiseite.
„Ich entschied für dich“, fauchte der Unsichtbare. Dass die Krafft jemanden vor den Augen anderer verschwinden ließ und schwerelos dazu, machte mich wütend und ließ mich kurz alles um mich herum vergessen.
„Es liegt nur an mir, diesen Wurm zu bestrafen“, erwiderte die Frau mit fester Stimme. „Komme nicht zwischen einer Vome und ihrer Beute! Schafft ihn vor die Stadt! Die Naveren sollen ihn zerreißen. Ich will dabei zusehen.“
Die Vome unterstrich mit Händen, ihre Anweisung auszuführen. Anstatt drei Meter lange Meereskiller sollten mich ebenso lange Raubkatzen verspeisen. Zumindest atmete ich. Dass sie mittlerweile vier Leute benötigten, um mich zu lähmen, sollte mir Mut geben. Früher schaffte dies bereits einer. Der alte unsichtbare Mann war sicher ein Schwarzer. Nicht oft bekam ich diese Krallen zu spüren. Mittlerweile jagten mir die Furchen bekannte Schmerzwellen durch den Körper. Der Alte musste seine Krallen mit Gift versehen haben. Wo aber hatte der das Gift her, dessen Wirkung mir bekannt vorkam?
Dieselben Schneiden zerrissen plötzlich die vier Kehlen der Männer. Warmes Blut spritzte auf mich. Tote Körper begruben mich. Die Lähmung und die Folter waren fort, aber das Gewicht der Leichen presste mich zu Boden. Jetzt zog ich die Schnapper des gesamten Belts an.
„Ich verschone dich, Vomia, und deine Beute, weil du meine Erste gewesen bist. Solltest du mir abermals widersprechen, rettet dich nichts mehr.“ Die Stimme verlor sich.
Was meinte der Mann mit „meine Erste“? Seine Geliebte? Ein unsichtbarer Vomen tötete nach Belieben. Dabei hatten die Männer der Frau nur beistehen wollen. Mein Magen wollte sich entleeren. Ich würgte sein Begehren nieder und spürte, dass ich mit der Frau und den Toten allein war. Ich zog mich aus dem Leichenhaufen, stand auf und beugte mich tief. Mit den Händen drückte ich die Schnitte zusammen, die brannten und bluteten.
„Du stirbst“, stellte sie ohne Gefühl fest. „Er verschonte dich, weil er dich bereits vorher getötet hat. Die Krallen sind giftig. Es gibt kein Gegenmittel. Du bist tot. Verschwinde und stirb!“
Das Gift brannte. Wenn die Bäume um mich herum zu wanken begannen, besaß ich eine kleine Chance. Ich hatte mir etwas vorgenommen, egal, ob ich starb. Meine Entscheidung galt bis zum Ende.
Menschen verschiedener Gruppen, aber vor allem Schwarze, näherten sich uns. Gebeugt stand ich vor der Frau. Meine empfindlichen Ohren schmerzten bereits durch das Stimmengewirr der sich nähernden Menschenmenge. Da ich blutete, keine Waffen trug, konnten sie vieles vermuten, wie die vier Männer starben. Auf jeden Fall stand ich als Schuldiger fest. Die Vome - für mich Schlame - betrachtete mich interessiert. Sie atmete tief aus.
„Warum nanntest du mich Schlame?“, murmelte sie, damit niemand mithörte. Sie sah wie jede andere Vome aus - außer für mich.
„Weil ich genau das in dir sehe“, keuchte ich. „Du bist eine Schlame. Das ist die Wahrheit.“
„Wahrheit?“, fluchte sie. „Die ist heutzutage nicht erwünscht. Du scheinst kein Schlamen zu sein. Für einen Delmen siehst du zu stattlich aus, obwohl du dich klein machst. Und ein Allmen hätte nie gewagt, mich zu beleidigen. Was bist du?“ Ihre Haltung hatte mit einer Vome nichts mehr gemein. Ich spürte echtes Interesse und ging meinen Weg bis zum Ende.
„Ich weiß nicht, was ich bin. Ich heiße Artir,“ und wollte gerade um Aufnahme bitten, als ihr Interesse durch eisige schmale Augen abgelöst wurde. Weder eine Vome noch eine Schlame sprach aus ihr, als ob ein uralter Zauber Besitz von ihr ergriff.
„Artir? Du bist ein -.“ Etwas verschloss ihren Mund. Ihre Augen wurden groß. Sie schubste mich und trat nach mir aus. „Verschwinde aus der Stadt! Sofort!“
Ich strauchelte, blieb verwundert stehen. Sie bückte sich, sammelte Kieselsteine und warf diese über meinen Kopf. Ich lief davon. Dabei legte ich die Hände schützend auf die Wunden. Einige Steine trafen die Beine. Ich kannte Schmerzlicheres. Tawa, die kleine Stadt, beherbergte einen monströsen Wahnsinnigen, aber vertrieb mich. Wütend auf mich selbst, weil ich wieder keinen Anschluss fand, rannte ich. Meine Brust schien sich aufzulösen, weil ich nach Luft schnappte. Nun begann ich zu stolpern. Einige Gifte hatte ich bisher überlebt. Das Gift der Naveren tötete besonders einfallsreich. Eine Stunde brannte die Wunde, schloss sich nicht. Die eintretenden Halluzinationen brachten in der Wildnis später den sicheren Tod. Als ich das erste Mal halluzinierte, besaß ich nur einen Versuch und fand das Gegenmittel. Verwendete der alte Vomen Naverengift? Ich starb oder lebte. Es gab keinen geeigneten oder falschen Zeitpunkt, um zu sterben. Der Tod geschah einfach. Es gab nichts, wovor ich mich fürchten musste.
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Ich taumelte zu den abgelegten Sachen. Tasche aufreißen, selbst gebaute Kolben herausholen, Hemd ausziehen, erledigte ich in wenigen Lidschlägen. Ich öffnete den ersten Behälter und schöpfte mit zwei Fingern eine stinkende Masse heraus: Spucke aus dem Maul eines lebenden Naveren. Die blutenden Risse bestrich ich damit. Die leeren ausgehöhlten Aststücke fielen in den Beutel zurück. Es gab nur diesen Versuch. Mehr konnte ich für mich nicht unternehmen.
Das Hemd wickelte ich als Verband um die Kratzer und knotete die Zipfel fest zusammen. Meine Knie knickten ein und ich erlebte die Umgebung schummriger. Die tiefe Schlucht drehte sich vor mir. Die Halluzinationen setzten also ein. Ich hörte Rufe und rennende Füße. Ich musste weg. In der Regel ließen die Bewohner mich in Ruhe, wenn ich die Stadtgrenze passiert hatte. Diesmal wollten sie meinen Tod. Oder halluzinierte ich diese Annahme? Der Nadelbaum vor mir bekam fünf, nein, sieben Stämme. Der schmale Felsstreifen, der mich zuvor sicher hierher führte, kippte schräg in den Strom. Wassermassen stiegen hoch bis an den Rand. Wie eine blaue Wand raste eine Riesenwelle die Schlucht entlang direkt auf mich zu und würde mich zerschmettern. Ich wischte das Trugbild fort, indem ich mir mehrmals ins Gesicht klatschte.
„Hier sind Spuren.“ Eine männliche Stimme. Nicht der Unsichtbare. Fast sympathisch.
„Wir müssen ihn finden. Helft ihm!“ Eine Frauenstimme. Vomia. In Sorge. Quatsch! Niemand sorgte sich um mich. Ich halluzinierte bereits. Das Gift. Ich schüttelte den Kopf, um die Benommenheit einfach loszuwerden. Sie jagten einen Schwerverletzten, weil sie nicht abwarten wollten, mir den Todesstoß zu geben. Wirkte die Naverenspucke? Ich warf mir die Taschen über, schob den Stock zwischen Riemenlaschen, damit ich die Hände frei hatte. Meine Ohren hörten sie. Sie waren fast da. Sehweite sei Krafftweite, hatte ich gehört. Wenn die mich sehen konnten und mit der Krafft lähmten, dann starb ich gewiss. Ich sprang in den Fluss, der mich zu den Schnappern ins Meer brachte. Wasser. Ich sank. Die Tiefe empfing ein zurückkehrendes verloren geglaubtes Kind. Klarheit.
Die Menschen beherrschten das Land. Ich war definitiv einer. Warum liebte ich das Wasser, das Meer, Flüsse, Seen? Der Strom nahm mich auf. Kühlung. Wohltat. Meine Hände bewegten sich automatisch, um vorwärts zu kommen. Andere wären durch Kleidung und Taschen ertrunken. Ich war eins mit dem Wasser. Um mich herum tummelten sich die zahmen Fische wie Zartflos und Dicklips, die sich von Flusspflanzen wie das Schlinggras ernährten. Der Fluss versuchte sie zu nimmersatten Mäulern zu treiben. Ich war der einzige, der davon trieb.
Ich konnte sehr lange unter Wasser bleiben und wusste nicht warum. Ich schätzte, wie flott ich dem Belt entgegen trieb, um vorbereitet zu sein, bevor die Schnapper kamen. Der Strom brachte Nährstoffe zum Belt. Dort nahmen die pflanzenfressenden Meeresfische, wie die Farben wechselnden Ohnezahns, die Nährstoffe auf. Je mehr sie fraßen, um so dunkler und unsichtbarer wurden sie. Dennoch bot jede Flussmündung Beute für Hafenschnapper.
Die Ohnezahns mehrten sich. Ich kämpfte gegen die Strömung und tauchte bis zu den Augen auf. Wie ich aus der Nähe erkannte, hatte ein Brand die Delmenhäuser zerstört. Die Dächer blieben unversehrt. Ich trieb am Schiffswrack vorbei, dass ich vom oberen Rand aus gesehen hatte. Es erzählte eine furchtbare Geschichte. Mit einem unsichtbaren mörderischen Wahnsinnigen wunderte mich das nicht. Einen zusätzlichen Rundblick wollte ich nicht riskieren und tauchte wieder.
Die meterlangen Hafenschnapper jagten ihre Beute. Ihre Zähne rissen jedes Fleisch. Ich zog den Stock aus den Laschen und bewegte mich zum steilen inneren Felsenrand. Hinter dem Hafenbecken öffnete sich der Klippenspalt in eine blaue, dann schwarz werdende Tiefe.
Ich blieb noch unbehelligt, weil ich nicht nach Beute aussah. Ich tauchte am Rand entlang auf den Spalt zu, hoffend, dass die Klippen des Belts zerklüftet waren. Der Angriff kam prompt, als ich durch die Hafeneinfahrt trieb und im Belt aufatmen wollte. Zähne schossen auf mich zu - Stock hinein. Der Schnapper sank zuckend und blutend in die Tiefe. Ich schwebte im Wasser, hielt still. Andere jagten dem verletzten Fisch hintendrein. Ich tauchte auf. Jetzt erst schluckte ich das nasse Element. Süßlich. Ich trank gierig. Die kilometerlange zerklüftete Klippenwand ragte auf. Ich sah eine Mulde über mir. Dort musste ich hin. Ich zog mich hoch. Meine Knie gaben nach. Ich griff oft daneben, riss mir Hände und Füße blutig, bis ich in der kleinen Höhle lag, den Stock als Halt in der Wand verkeilt. Ich schlief sofort ein.
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„Bist du sicher?“ Eine unbekannte Männerstimme weckte mich. Jemand stand über mir auf der Klippe.
„Ihre Krallen sind immer vergiftet. Der ist tot.“ Die Stimme des Unsichtbaren.
„Sie fanden die Leiche nicht.“
„Na und! Er ist ertrunken und die Schnapper haben ihn zerrissen. Wie willst du da seinen Körper finden?“
„Ich wünschte, ich hätte deinen Optimismus. Wenn er doch lebt?“
„Dann verschwendest du nur Zeit. Deren einzige Hoffnung ist dahin. Die letzten Züchtungen im Norden versprechen viel. Endlich. Wir lassen sie über Plawass herfallen. Die Decke wird sie anlocken. Wir werden genug haben, um die ganze Stadt in den Boden zu stampfen.“
„Wir sollten die Neun nicht dorthin senden. Es dauert zu lange, bis alle dort eintreffen. Bruder, in den Städten brauchen wir sie dringender. Sie garantieren die Furcht. Die Gruppen könnten sonst unsere Macht infrage stellen.“
„Wir fegen sie hinweg, wenn wir die Horte vernichtet haben. Marov erledigen wir dazu. Vor zwanzig Jahren spähte er für uns die Familien aus. Jetzt steigt ihm zu Kopf, dass die Weisen ihn zum Ratsmitglied ernannten. Er stellt zu viele Fragen. Nein, die Neun werden dafür sorgen, dass Plawass unvorbereitet bleibt. Fällt der Hort, dann fällt auch Holidan.“
„Hm.“
„Was?“
„Und wenn er nicht tot ist?“
„Was soll das, Vorvo? Er ist tot! Verstanden! Tot, tot und tot!“
„Warum schreist du, Lorov?“
„Du ignorierst Fakten.“
„Ich sorge nur vor. Meine Vorsicht hat uns soweit gebracht.“
„Komm mir nicht so, kleiner Bruder!“
„Er hat bisher alle Anschläge überlebt.“
„Hör auf! Er kann die Krafft nicht nutzen. Er ist nicht gefährlicher als ein Kind.“
„Weil er nicht weiß, was er ist.“
„Und er darf es nie herausfinden. Was rede ich? Er wird es nie, weil er tot ist. Ihr Gift ist das Tödlichste, das wir kennen. Es gibt kein Gegenmittel. Er fiel in den Fluss. Niemand sah ihn auftauchen. Es ist endlich vorbei. Begreife das doch endlich!“
„Ja, wir kennen kein Gegenmittel. Was wissen die Schlamen oder die anderen?“
„Er hielt sich nie länger als eine Stunde in einer Stadt auf. Er hat nirgendwo Kontakte aufbauen können.“
„Das liegt aber an den-.“
„Sei still! Benutze nie ihren Namen! Es hat lange gedauert und viele Tote, bis wir den Namen aus den Horten und der Jugend tilgten. Fang du nicht damit an. Er ist tot. Basta. Wir vernichten die Horte und herrschen über Holidan für immer.“
„Lorov! Ich bitte dich doch nur an die-.“
„Genug, kleiner Bruder! Die Unterredung ist vorbei. Ich bin der Ältere und gebiete. Entferne dich, starte mit dem, was immer du machen willst! Aber verschone mich mit deinen Hirngespinsten, Die-du-kennst-ihren-Namen kämen zurück. Ich habe es heute beendet - für immer.“ Ich hörte Schritte, die sich entfernten.
Wellendonner weckte mich. Die kleine Mulde, in der ich lag, bot kaum Schutz vor der Gischt der Wellen. Warum Wasser belebend auf mich wirkte, wusste ich nicht. Im Gegensatz zu dem sauren Wasser in den Bergen, das gerade noch genießbar war, schmeckte Meerwasser süß und erfrischend. Die Mulde lag nicht hoch, um auszutrocknen, auch nicht tief, um überschwemmt zu werden. Ständig bestäubten mich kleinste Tropfen. Ich zwang mich wach zu werden, um mir klar zu machen, was mich überhaupt überleben ließ und was in Tawa geschehen war.
Ein unsichtbarer Mann schwebte. Obwohl ich drei tiefe Furchen auf der Brust hatte, bezweifelte ich die Beteiligung magischer Vomenkrallen. Woher sollte ein Vomen Naverengift haben und das Gegengift nicht kennen? Nein. Der Alte war nach der Stimme mindestens zwei Meter höher über mir gewesen. Er hätte mich niemals aufschlitzen können. Vomen waren kleiner als ich. Mit dem Arm hätte er mich nicht erreicht. Etwas anderes mit drei Krallen verletzte mich und war bestimmt kein Mensch. Etwas tiefer und mein Herz wäre zerfetzt worden.
„Sie haben stets Gift an ihren Krallen. Es gibt kein Gegengift.“
Meine gesammelte Naverenspucke rettete mich. Das Blut der Naveren war giftig. Wenn der unsichtbare Lorov über Krallen anderer sprach, er selber mir nichts getan hatte, so musste etwas mir Unbekanntes und ebenso Unsichtbares mit drei Krallen meine Brust verletzt haben. Die sonderbarste Gedanken knäuelten sich zu einem unentwirrbaren Knoten. Ich schüttelte mich, musste mich beruhigen. Nichts außer mir und mein Verstand half mir aus der Lage. Egal, was gestern geschehen war, egal, wie ich überlebt hatte. Mein Leben blieb in Gefahr. Auf der anderen Seite der Klippe lag eine Stadt, die mich tot sehen wollte.
Wusste der Vomen wirklich nicht, dass Naverenspucke das giftige Blut neutralisierte? Ich kannte nur ein Wesen, das einer Navere so nah wie ich kam. Eine Schwarzfeder. So nannte ich sie. Sechs Flügel, vier riesige aus schwarzen Federn und zwei aus durchscheinendem Leder, die die Flugarbeit verrichteten. Die schwarzen Flügel sah ich nie schlagen. Schwarzfedern blieben fast nur am Himmel. Jedenfalls konnte ich sie sehen. Wenn sie zu Boden sanken, griffen sie Naveren an. Meist verloren die Luftriesen. Ich war diesen Kämpfen nie näher gekommen. Ich haute mir auf die Wange. Ob Schwarzfeder oder nicht. Die ganze Gedankenraserei half mir nicht aus meiner Lage.
Was kümmerte mich Lorov oder sein Bruder? Was hatte ich damit zu tun, ob sie Holidan beherrschen wollten? Nichts und wieder nichts. Was interessierten mich die Intrigen und verrückten Pläne der Brüder? Nichts. Ich konnte nicht kräfftern und wusste nicht, wer ich war. Ich hatte genug damit zu tun, um zu leben.
Ich befreite mich von meinen Taschen, entknotete das nasse Hemd. Die drei Furchen bluteten nicht mehr. Ich hatte noch drei volle Kolben. Einen öffnete ich. Es war wichtig ein zweites Mal Spucke auf die Kratzer zu streichen, auch wenn es schmerzhafter war als die Folter der Vomen. Fünf Schwarze, wenn ich die Frau dazu rechnete, waren notwendig, um mich zu Boden zu werfen. Früher genügte einer. Das sagte ich mir laut, um mich aufzubauen. Ich knotete das Hemd abermals fest um mich herum. Spucke und Wasser. Beide zusammen heilten meine Wunden. Je süßer umso schneller. Warum das so war, wusste ich nicht.
Ich breitete meinen Mantel aus. Er bestand aus Schnapperhaut, die Nässe abwies. Drei Tage lag ich in der Mulde. Fünf Jahre Wildnis, permanent verwundet und mein innerer Antrieb, der mich nach Süden zog, hatten mich abgehärtet. Aller Speichel war aufgebraucht. Langsam verkrusteten die Wunden, benötigten Ruhe, um sich zu schließen. Auf jeden Fall kam bald die nächste Konfrontation mit einem oder einer Naveren. Sie wollten mich fressen. Ich brauchte die Spucke. Zumindest lag ich auf der richtigen Seite, um weiter gen Westen und gen Süden zu kommen. Ich hangelte mich an der Klippe nach Westen entlang. Das raue Gestein ritzte Hände und Beine blutig. Mit zunehmender Dunkelheit stieg ich über die Kante. Tawa lag weit hinter mir. Wenn Lorov auf etwas saß, das schwebte und unsichtbar war, wollte ich viele Kilometer zwischen ihm und mir legen. Ich wanderte die Nacht durch. Eine schnarchende Naverensippe umging ich. Im Morgengrauen fand ich eine Nadelbaumgruppe und kletterte an den Dornen soweit hoch, dass Naveren erfolglos sprangen und kein Vogel von oben etwas sah. Ich entdeckte einen kleinen See, der die Bäume hier überleben ließ.
Derart mit Wasser und Schutz abgesichert kam niemand an mich heran, was für meine derzeitige Lage zum Überleben wichtig war.
Der alte Lorov war sich sicher mich getötet zu haben, hatte Angst davor, dass ich erfuhr, wer ich war. Danach wurde sein Gespräch mit dem Bruder seltsam. Es gäbe Leute, die auf mich warteten, für die ich eine Hoffnung sei. Warum vertrieben mich dann die Menschen aus den Städten, die ich betrat? Das machte keinen Sinn. Welcher Name durfte nicht genannt werden und wäre nun gelöscht in der Jugend? Die Brüder wollten die Horte vernichten. Warum? Gerne vergaß ich die Zeit dort. Aber gleich vernichten? So schlimm war alles nicht gewesen. Bestimmt gab es genug Menschen, die sich den Brüdern entgegenstellten und die Absichten der beiden durchkreuzten. Schließlich konnten alle kräfftern, wie die Gruppen das Zaubern nannten und der Alte eindrucksvoll bewiesen hatte. Hätte ich auch gern gekonnt.
Tag auf Tag verging. Die Wunden heilten zunehmend. Ich begann wieder zu jagen oder aß zur Not Früchte, wenn kein Tier sich fangen ließ. Hier fühlte ich mich zu nah an der Stadt und damit der möglichen Entdeckung durch Lorov. Er ritt ein Wesen, das flog. Machte Lorov sich und sein Tier unsichtbar, wenn ein flügelschlagender Vogel über mir schwebte. Ritt Lorov eine Schwarzfeder? War das überhaupt möglich?
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Nach Wochen der Genesung lief ich gen Westen. Diesmal wich ich allen Gefahren aus statt sie zu suchen. Die Narben durften nicht aufplatzen. Mich beschäftigte ein Problem, das ich lösen wollte und keine Lösung fand. Die schwarz tragende Frau vergaß ich nicht. Ich grüßte sie als Schlame. Jemand fand überhaupt nicht gut, dass ich die Frau auf diese Weise grüßte. Als ob dieser jemand darin eine Gefahr sah, als ob es um die Aufdeckung eines Geheimnisses ging, als ob jemand verhindern wollte, dass ich mehr heraus fand. Danach folgte alles dem Schema der letzten Jahre.
Was war an der Frau, das ich nicht verstand und dass ich herausfinden wollte? Irgendetwas hämmerte gegen meinen Kopf, als ob ich es wissen müsste. Die Angelegenheit ließ mich nicht los. Warum beschäftigte mich das? Tawa wollte mich töten. An ein Zurück war auf keinen Fall zu denken. Ich hatte mich entschieden ins Südgebirge zu gehen, wenn die Menschen in den Städten mich nicht haben wollten. Diese Entscheidung stand über allem.
Was aber faszinierte mich an der Frau? Obwohl sie als Vome verwandelt wurde, war dies eine Lüge, weil in ihr die Schlame lebte. Das widersprach den Grundsätzen, die mir gelehrt wurden.
Die Verwandlung war heilig, unumkehrbar. Dafür ging man auf die Suche, die im Hort begann. Meine erste Erinnerung war der Anblick der drei Männer, ihre Gesichter abgewandt, die mich an Beinen und Armen festhielten und der Schmerz, der meinen Arm hinaufkroch, meinen Körper und Kopf erreichte, bis ich mich vor Qualen krümmen wollte. Ein muskulöser starker Loxmen presste auf mein rechtes Handgelenk ein Armband, das hart wie Eisen und genauso schwer wurde. Dann ließ er mich los. Das gleichzeitige Ziehen und Reißen meiner Muskeln machten mich starr. Eine Menschenmenge aus vielen Farben verfolgte jede meiner Bewegungen.
„Wer hat ihn gebracht?“, rief der kleine Loxmen. Niemand meldete sich.
„Wo sind die Eltern?“, rief die Menge. Niemand meldete sich. Zwei Männer packten mich grob, schwarze Männer und schoben mich vor eine achteckige Öffnung.
„Sei gegrüßt, Sucher, wer sind die Eltern?“, fragte ein Stimmenchor aus der Öffnung.
„Niemand ist da.“
„Das gab es noch nie“, riefen die Stimmen. „Jedes Kind hat Eltern. Wo sind sie?“
Niemand meldete sich. Ich hatte keine Eltern, was immer das sein sollte. Es gab keine Bilder, keine Erinnerungen. Jemand legte mir ein Armband an und ... ich wusste nichts mehr. Später erfuhr ich, dass das allen so ging. Kein Sucher wusste, wer seine Eltern waren, und woher er kam. Den Stimmen schien das nicht egal zu sein. Sie stritten miteinander, schließlich riefen sie:
„Sucher, tritt ein! Wir nennen dich Sohn Holidans. Alle deine Entscheidungen, die du hier triffst, werden dich zu deiner Gruppe führen. Sie wird dich aufnehmen, einkleiden, bewaffnen. Geh jetzt in die Halle zu den anderen.“
Ich war der einzige, der keinen Namen trug. Die Stimmen, wir sahen niemals jemanden, nannten die Armbänder DAL. Ich versuchte meinen nicht zu beachten. Er jagte mir Schmerzen in den Arm oder nachts durch den ganzen Körper. Er mochte mich nicht, glaubte ich. Ich sah, wie andere ihre streichelten. Das machte ich auch. Er wurde härter, wenn das möglich war. Ab da versuchte ich ihn zu ignorieren. Abziehen oder abtrennen konnte ich ihn nicht. Irgendwie war er mit mir verwachsen, nicht körperlich sondern geistig. Antworten auf meine Fragen bekam ich nicht. Wenn es um Wissen statt um Entscheidungen ging, antwortete mir niemand. Dafür wären die Gruppen da, war die freundlichste Antwort. Nach der Herkunft der Armbänder zu fragen, war vergebens.
Als ich damals die riesige Halle betrat, blieb ich staunend stehen. In der buntesten Decke, die ich so niemals wieder sah, zogen alle möglichen Farben in Schlieren, Tropfen oder Kreisen umher, vermischten sich zu neuen Farben, trennten sich wieder, bildeten neue Formen, die in einem steten Wechsel sich änderten oder ineinander liefen. Kleine Fäden wanderten über die Decke. Sie zu zählen war unmöglich; manchmal sah man so viele, weil sie die Farben verdunkelten, dann schienen sie durchsichtig zu sein. Während alle anderen nach oben sahen, blickte ich umher. Die farbenfrohe Decke verlief ringsum in nach unten reichende einfarbige Zungen, die breite Steinsäulen leckten. Die Decke erhellte den Saal, während die Säulen im Dunkeln lagen. Zwischen den Säulen gab es Räume unterschiedlicher Größe. Bevor ich sie weiter betrachten konnte, ließen mich Schmerzen im Arm zusammen zucken. Wir sollten unsere Arme in die Höhe recken.
Es war das erste Mal, dass sich mein Armband regte. Es wollte meinen Knochen zerdrücken. Die Decke sank herab. Die Schlieren zogen dicht über unseren Köpfen ihre Bahnen und berührten die Armbänder. Während die anderen Armbänder in abwechselnden Farben aufleuchteten, machte meins nichts, sondern jagte mir permanent Schmerzen durch den Arm in den Kopf.
„Zeit ist unbedeutend, wenn Entscheidung alles ist“, dröhnten die Stimmen der Weisen.
Alle Sucher lebten in den Gruppen. Eine Tortur für mich, weil ich fast nur verletzt und mit Schmerzen zurück kam. Zu allem Überfluss war ich derjenige, der am längsten in den Gruppen blieb. Die Hortzeit wollte ich gern vergessen.
Ach ja, die Verwandlung.
Ein Mädchen begann. Wir mussten uns ganz am Rand unter der Decke auf den Boden setzen. Das Mädchen stand in der Mitte und hob ihren linken Arm; Mädchen trugen ihren DAL oft am linken Handgelenk. Wieder sank der lebendige wirbelnde Farbennebel herab. Diesmal erreichte er den Boden und das Mädchen stand in den zahllosen Farben. Nichts geschah. Oft hörte ich ihr Keuchen. Sie schien Schmerzen zu haben. Nach einer guten Stunde hob sich der bunte Schleier. Eine kräftige Frau mit dunkler Haut, blauen Augen und blonden krausem Haar stand vor uns.
„Ich bin Alina“, rief sie.
Sie ging auf eine Nische zwischen zwei Säulen zu, über denen die Zungen in grasgrün leuchteten. Der Raum selbst blieb zuerst für uns alle offen. Erst als sie eintrat, schloss sich hinter ihr eine wirbelnde, grasgrüne Wand. Fortan schlief sie nicht mehr in unseren Räumen der Sucher. In den nächsten Wochen folgten die anderen ziemlich schnell. Die Nischen füllten sich mit grasgrünen Allmen, wie sie sich nannten, roten Schlamen, gelborangen Pfermen, braunen Dacmen, schwarzen Vomen, blauen Delmen, gelbgrünen Loxmen und violetten Lumen. Die Kleider lagen bereits in den Nischen. Viele andere Nischen blieben leer. Ich war der letzte, weil ich erneut sehr lange in einer Gruppe blieb.Die Weisen sagten, jetzt müsse es mit mir was werden. Ich antwortete:
„Zeit ist unbedeutend, wenn Entscheidung alles ist. Mit diesen Worten habt ihr mich empfangen, verehrte Weisen. War das gelogen und geheuchelt?“
Aus den Nischen schrien die Gruppen auf und die Weisen donnerten los, was mir einfiele. Mir stünde als Sucher keine Kritik zu. Ich stand allein in der Halle. Die Decke senkte sich und war im Nu wieder oben. Keine Schmerzen. Ich flüsterte meinen Namen. Ich trug weiße dicke Haare, war der Größte. Im Gegensatz zu anderen war ich schlank, nicht so muskulös wie die Loxmen. Meine Augen blieben tiefblau. Ich betrat keine Nische. Dazu kam es gar nicht erst. Ich schüttelte mich und stopfte die schlimmste Erinnerung in das dafür vorgesehene Loch.
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Die Verwandlung musste mit allen möglichen Entscheidungen zu tun haben, die man in den Gruppen traf. Sie war eine magische Prozedur, die niemandem erklärt wurde. Sie geschah einfach. Ich hatte ausschließlich meinen Verstand für Erklärungen. Wenn der erste Satz beim Betreten des Hortes allen galt, dann hatte die Verwandlung mit DAL, dem eigenen Willen und Entscheidungen für und gegen eine Gruppe zu tun. Irgendwas machte dieses Armband mit der Decke. Bei den Gruppen geschah etwas mit dem Sucher und am Schluss gehörte man zu einer Gruppe, die sich nicht nur in Gestalt und Kleiderfarbe sondern auch im Verhalten und im Häuserbau von anderen unterschied.
Das einzige Neue war der DAL, den man vor dem Hort bekam. Ich hatte keine Erinnerung an eine Zeit vor dem Umlegen des Wurms. Wenn Vomia sich für Schlamen entschieden hatte, warum verwandelte sie sich in eine Vome? Stimmte etwas mit ihrem DAL nicht, oder hatte man etwas mit ihr gemacht, dass sie anders wurde - trotz der Schlame in ihr? Dass die Frau nicht Schlame sondern Vome war, machte mich wütend. War sie überhaupt freiwillig Vome geworden? Nein. Ich wusste das einfach. Meine Wut steigerte sich. Hatte jemand ihre Verwandlung manipuliert? Hatte jemand meine manipuliert? Warum veränderte ich mich innerhalb eines Augenblicks, während alle anderen viel mehr Zeit benötigten, manche sogar Stunden?
Weil ich keine Antworten fand, baute sich Wut in mir auf. Ich rannte los, weil Wasser zum Schwimmen nicht verfügbar war. Die Beine weigerten sich. Mein Wille zwang sie, den Schmerz schluckte ich. Ich lief über das flache Gras nach Westen. Der Belt lag viele Kilometer entfernt im Norden. Soviel Raum versuchte ich stets zwischen mir und einer Straße zu bringen. Nach Westen breitete sich eine saftig grüne Landschaft aus. Dickblättrige Büsche, fette lange Baumblätter an Laubbäumen bildeten undurchdringliche Inseln, die ich umgehen musste. Links im Süden sah ich weit, weit entfernt kleine weiße Spitzen. Vielleicht war das eine Täuschung, weil ich den Anblick erhoffte.
Alleinstehende gewöhnliche Nadelbäume mit ihrem Vierstammverbund wuchsen bis hundert Meter hoch. Ab und zu sah ich einige Laubbäume die bis achtzig Meter hoch ragten. Zu ihren Wurzeln gediehen Büsche. Darin versteckten sich bevorzugt Kleptrons, meine Leibspeise. Diese flugunfähigen Vögel rannten mit vier Füßen den Naveren oder anderen Bodenräubern davon. Einer war schneller und ausdauernder. Kleptron wurden so breit wie meine Brust, und das zarte Fleisch ernährte mich für einige Zeit. Fettes Gras, sogenanntes Dickgras, bedeckte die Landschaft wie eine Stoffbahn. Die Lieblingsspeise der Tjellas, den sechsbeinigen Rennwundern Holidans. Diesen Namen erfuhr ich in Padent, als ich zwei Pfermen belauschte. Zumindest endete das Zusammentreffen nicht so blutig wie in Tawa.
Tjellas standen auf sechs Beinen. Die dichte wallende Mähne bedeckte einen kräftigen Hals und den länglichen Kopf. Mehrmals versuchte ich sie zu überlisten, um mich auf ihre Rücken zu setzen. Sie waren zu schnell, zu wild und ich konnte nicht kräfftern. Das musste man wohl können, weil ich viele Farben auf Tjellas die Straßen entlang reiten sah. Ich stellte mir vor mit diesem Reittier über das vor mir liegende Gras zu rennen.
Der niedrige fette Grünbelag reichte bis an den Horizont. Nach meiner Verwandlung konnte ich besser hören und sehr weit sehen. Wenn ich mich konzentrierte, erkannte ich ein Haar in hundert Meter Entferung. Ich hörte die mir bekannten Stimmen der Wildnis, wuselnde Nestres, grunzende Enste, die hier in Herden umher liefen und fauchende Naverenbabys, die ihre Mütter und Väter aufforderten, mehr Essen zu jagen. Sturzkrallen mit ihren zwei Federflügeln flogen von Baumkrone zu Baumkrone. Die Ledergreife mit vier langen Lederflügeln segelten lange. Meist suchten sie ihre Beute in der Luft, flogen oft über Küstenstriche, um auf Fische auszuweichen oder auf mich.
Am liebsten hörte ich Krallen, die sich in den Boden gruben. Das war ein ganz bestimmter Laut, ein sanftes Knirschen, wenn sie zum Sprung abhoben. Wenn sie liefen, blieben sie fast lautlos, weil ihre samtenen Pfoten jeden Laut dämmten.
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Schweiß floss mir über die Stirn. Meine Wut darüber, was mit Vomia geschehen war, blieb, obwohl ich keine Pause einlegte, womöglich noch schneller lief. Ich spurtete einen Hügel hinauf und entschied, dort anzuhalten. Auf viele Kilometer hinab konnte ich auf flaches Land blicken. Am Horizont sah ich einen blauen Streifen. Der Belt.
Zwischen dem Wasser und mir verlief die Straße schräg vom Belt hinein ins Landesinnere. Wenn Sucher mit ihren Begleitungen unterwegs waren oder Loxmen ihre Waren transportierten, hörte ich von weitem deren Gesänge und Stimmen. Oft schienen die Straßen im Gegensatz zum Land voll. Ich mied sie normalerweise.
Nach vorn im Norden lag der tiefblaue Belt, der in dieser Gegend fast glatt war. Hinter mir spitzten weiße Berge den südlichen Horizont. Das Ende meiner Welt. Bis dahin marschierte ich viele Wochen. Dort lag mein Ziel. Im Südgebirge entschied sich mein Schicksal. Dies hatte ich mir im ewigen Eis geschworen, sollte ich in den Städten keine Aufnahme finden.
Schräg links lag Gurwass. Der Ort schmiegte sich wie eine Sichel an eine natürliche Bucht. Das umgebende Land flachte ab, glich sich dem Meeresspiegel an. Ich kam dem süßen Wasser näher, freute mich auf ein Bad, als ich ein nur zu bekanntes Geräusch hörte. Ich war nachlässig in meiner Konzentration gewesen. Ein Fehler, der tödlich enden konnte. Meine zwei Taschen fielen zu Boden. Vier Beine stemmten sich in den Boden. Krallen rissen Furchen in die Erde, um einen sehnigen hungrigen Körper mit scharfen Zähnen in die Luft zu schießen, und - um mich zu fressen.
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Die sechsbeinige Steppennavere, die auf mich zusprang, war etwas größer als ich und fixierte mich mit roten Augen. Auf ihre natürliche Beute wirkte das Rot lähmend, auf mich stets traurig. Mein eigener wilder Flug kam für die Jägerin unerwartet. Naveren vertrauten auf ihre Wucht und die Angst der Beute. Diese Erfahrung zahlte ich in den Jahren mit einigem Blut. Mit beiden Händen griff ich den Stock an den Enden. Im Flug rammte ich das Holz in das offene Maul, damit es nicht zuschnappen konnte. Ich schlug im Fallen auf die vier Ohren. Die Treffer machten sie benommen. Allerdings streifte eine ihrer Pranken meine linke Seite. Während wir fielen, griff ich einen Vorderfuß und zog meine Knie an. Ich landete auf ihr und einer ihrer Knochen brach. Sie jaulte aus ihrer Ohnmacht auf.
Das schlaffe Krallennest mit dem Samtüberzug drückte ich in das aufgerissene Maul und riss den Stock heraus. Keine Sekunde zu spät. Das Weibchen, ein Prachtexemplar, schnappte automatisch nach mir und biss sich selbst. Mein Stock schlug auf ihre Ohren. Sie sackte bewusstlos zusammen. Die Wunden brannten bereits, weil das Gift der Krallen arbeitete. Ich riss das Maul auf und sammelte den Speichel mit einer Hand. Jetzt musste ich zügig arbeiten. Ich klatschte den übelriechenden Schleim auf die fünf Furchen. Nachdem ich mich bespuckt hatte, nahm ich alle leeren Kolben aus den Taschen und füllte sie mit frischem Schleim. Als ihre Zunge sich bewegte, haute ich ihr wieder auf die Ohren und schickte sie ins Reich der unbegrenzten Jagdgründe. Ich eilte zu einem Busch und brach einen Ast ab. Als ich mich vor die samtene Jägerin kniete, hatte ich das Holz bereits in zwei Teile zerbrochen. Der Stock weitete die Zahnreihen, die das Tier allein nicht mehr schließen konnte. Den anderen Stecken legte ich neben das gebrochene Bein. Die Hinterbeine fesselte ich. Die schlaffe Fellmasse blieb nun ungefährlich. Ich richtete den Knochenbruch und schiente ihn, umwickelte den Bruch mit Sennagras, das getrocknet sehr hart wurde. Mit der Zeit würden Halme und Holz sich lösen, wenn die beginnende Schwellung abklang und die Knochen heilten.
Ich streichelte das Fell, spürte das Pochen des Herzens. Seit Jahren beobachtete ich Naverensippen in der Steppe und in den Bergen. Sie zeigten mir, wie liebevoll Männchen und Weibchen miteinander und mit eigenem und fremdem Nachwuchs umgingen. Eine Navere machte keinen Unterschied. Sie säugte und wärmte alle Nachkommen.
„Du wirst genesen, weiterhin beschützen und ernähren!“, sprach ich zur Bewusstlosen. „Ich ehre dich für Mut und Loyalität, damit deine Sippe überlebt.“
Ich liebte diese unbändigen Jäger, obwohl sie mich angriffen. Im ersten Jahr meiner Wanderung erlegte ich einige in Notwehr. Jetzt brachte ich das nicht mehr fertig, Leben zu löschen, weil sein Garma festlegte, mich zu verspeisen. Geschiente Jäger durchstreiften die Gegenden, die ich hinter mir ließ. Ich setzte mich neben Schönfell. Jetzt kam die schwierige, gemeine aber notwendige Phase. Ich knotete ein dünnes Seil um das verletzte Bein, nahm das Scheit aus dem Maul und entfesselte die Läufe. Ich zog die Schnur straff. Das ungezähmte Feuer grunzte und erwachte. Ihr Garma ließ sie nach mir schnappen. Ein kleiner Ruck an der Schnur brach den Angriff sofort ab, und sie jaulte auf. Die sehnige Starke ertrug keine Schmerzen.
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Sie war unbeugsam. Das mochte, liebte ich. Es tat mir weh, sie gefangen zu sehen. Hart musste ich bleiben, unbarmherzig, um uns beide zu schützen - sie vor dem Tod und mich vor dem Auseinanderbrechen meines Selbst, wenn ich sie jetzt, wehrlos, hätte töten müssen. Der Tag vergaß zu rennen und schlurfte. Die Navere zitterte vor Anstrengung, vor Schmerzen. Ihre roten Augen glitten nicht mehr an mir vorbei. Sie sah mich. Darauf hatte ich gewartet. Sie roch ihren Speichel an mir und schob sich vor. Im Gegensatz zu kleineren Proteinsüchtigen kannten meine Lieblinge keinen Trug, keine List, keinen Verrat. Sie sprangen ihre Beute von vorne an. Ich streckte meine Hand aus, ihre Zunge leckte daran. Ich kraulte ihren Nacken, Fell drückte gegen Haut. Ein Schnurren floss aus zwei Reihen scharfer Zähne. Sie reckte sich, drehte sich auf den Rücken. In diesen Momenten fühlte ich mich gebraucht und verachtete mich dafür, weil ich sie zuvor gebrochen hatte.
Sie humpelte auf dem Vorder- und vier Hinterbeinen davon und zog das lose Seil mit sich. Die ersten Gebrochenen verfolgte ich bis zu ihrer Sippe, um zu erfahren, wie Naveren mit Verletzten umgingen. Ich hätte alle Angriffe tödlich abgewehrt, wenn keine Chance bestanden hätte. Jetzt wollte ich ihr Männchen sein, ihr hinterher, sie ablecken, für sie jagen. Ich schluckte meine Sehnsucht herunter und schlurfte die restlichen Kilometer zum Strand. Schnell überquerte ich die Straße. Der Boden war ein mir unbekanntes Gestein, weil es nicht hart sondern elastisch war, je mehr man darauf stampfte.
Die Wellen lächelten mich an. Ich sehnte mich nach dem Bad. Ob andere Menschen ähnlich fühlten, wusste ich nicht. Der strenge Geruch in den Städten gab mir zumindest einen Hinweis. Ein Schiff mit blauem bauchigem hohem Rumpf trieb auf die Bucht zu. Delmen. Sie befuhren die See.
Die Stadt in der beginnenden Nacht zu betreten erschien mir diesmal sicherer, um mich zu orientieren, um Fluchtrouten zu kennen. Trotz der feuchten Nähe trocknete die Sonne diesen Streifen aus. Durch steten Wind gebogene Büsche, kurze dicke sowie lange dünne Gräser und blühende Kräuter bedeckten diesen dünnen Streifen zwischen Straße und Belt.
Ein mehrere Kilometer dickes Band aus gekräffterten Bäumen und Sträuchern umschloss die Hafenstadt. Der fruchtbare Halbmond ernährte die Stadt und schirmte sie gleichzeitig wie eine Mauer vor dem wildwachsenden Land ab. Sobald ich mich konzentrierte, hörte ich zahlreiche Pflanzenfresser, die sich durch das Gras bewegten. Ein paar kleinere Jäger, die mir nicht gefährlich werden konnten, lauerten ihnen auf. Das gehörte zum Spiel außerhalb der Stadt. In der ersten Zeit in der Wildnis biss mich der Hunger, da ich damals regelmäßiges Essen gewohnt war, das mich fett und träge gemacht hatte. Jetzt jagte ich, wenn ich musste.
„Die Naveren sollen ihn zerreißen!“
Vomen töteten ernstzunehmende Gegner, keinen Unwichtigen, Ausgestoßenen wie mich. In den Städten trampelte man auf mir herum ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Vieles ertrug ich, schluckte Schmähungen und ließ mich durch Klingen ritzen, oder Hämmer brachen meine Knochen. Ich konnte nicht gegenhalten. Niemand trat für mich ein. Ein Grund mehr, diesmal bei Dunkelheit die Stadt zu betreten. Um den Abend zu erwarten, suchte ich einen sicheren Platz am Belt. Zumindest lief ich zu dieser Zeit nicht Gefahr, sofort als Fremder erkannt zu werden. Zuerst musste ich meine Wunden versorgen. Wasser heilte und belebte mich, machte meine Haut sauber. Die Kratzer und das Gift mit der Spucke neutralisieren und alles ausspülen. Nach dem ersten Naveren Angriff wusste ich dies einfach, als ob ich dieses Wissen in mir trug und bezwang das Gift.
Bauch und Herz zogen mich zum Nass. Ich hatte dies vor langer Zeit akzeptiert. Unerlaubt schlich ich aus dem Sucherhort in Plawass, um das Bad im Meer zu nehmen. Den Gestank der anderen ertrug ich nicht. Ab und zu erwischten sie mich oder verpetzten mich. Ich tat es wieder und wieder. Wie hätten die Weisen im Sucherhort einschreiten können? Meine Eltern benachrichtigen? Welche?
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Mich ärgerte plötzlich, dass ich nicht zu den Seefahrern gehörte, als ich das Schiff mit den weißen Segeln sah. Eine seltene Farbe. Die Delmen überquerten den Belt und befuhren das Meer. Sie verbanden die Hafenstädte und waren für mich die geheimnisvollste Menschengruppe. Sie nannten sich die Herren der See. Ich mied sie nach meiner Verwandlung. Die Gründe dafür konnte ich nicht in Worte fassen. Die Blauen erinnerten mich daran, dass sie täglich Wasser um sich herum hatten, dass ich niemanden um mich hatte. Ich legte meine Kleider ab und stürzte mich in die wellige See.
Sofort spürte ich die Veränderung. Das Wasser um mich herum glättete sich wie üblich. Die Wellen rollten wie an einer unsichtbaren Wand an mir vorbei. Seit Jahren hoffte ich mit Wasser spielen, es verändern zu können. Die Macht der anderen, die Krafft zu nutzen, war mir nicht gegeben. Bald schaukelte ich wieder mit den Wellen. Ich tauchte. Obwohl die Wasserwelt anders schien, ähnelte sie für mich der an Land. Ich hätte stundenlang hier bleiben können, als in der Wildnis geschärfte Sinne Alarm schlugen. Ich war nicht mehr allein und tauchte auf. Ein kleiner Mann stand neben meinen Sachen. Nie zuvor begegnete ich einem Menschen in der Wildnis. Ich stieg langsam aus dem Wasser, beobachtete die Umgebung, den Strand und sah seine und meine Fußspuren. Mein vorheriges Hochgefühl unter Wasser rannte davon wie ein Kleptron vor einer Navere. Der Mann trug gelbgrüne Kleidung und zeigte damit seine Zugehörigkeit zu einer Menschengruppe. Loxmen. Alles an ihm schrie mich stumm an: Sieh her, ich gehöre dazu.
Nie suchte mich ein Loxmen oder ein anderer Mensch auf. Sofort fielen mir genug Gründe ein, warum er seinen Spaß mit mir - ich war für ihn ein Spielball - haben wollte. Loxmen transportierten alle Waren auf den Straßen Holidans. Dieser trug kein Gepäck. Von der Straße einfach abgekommen schien er nicht. Ich stellte mir Wege vor, eine verrückter als die andere, wie der Loxmen sicher mit Hilfe der Krafft an den Strand gelangte. Aussichten, die ich nie haben, nie kennenlernen würde.
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Bald verschwand die Sonne im Westen, und ich wollte ihm keinen Grund zum Kampf geben. Diese Gruppe ließ mich bisher in Ruhe. Ich duckte mich, machte mich mit jedem Schritt kleiner, als ich herannahte. Ich legte eine Hand an das Ohr - die Geste für zuhören -, obwohl er mit dem Gruß beginnen müsste. Der gelbgrüne Mann reichte mir an die gebeugte Brust. Seine Schultern boten doppelten Platz für meine. Ein Oberschenkel besaß den Umfang meiner Hüfte. Die Navere hätte er auf Händen getragen. Er sah lange an mir hoch und herunter, verweilte mit einem sonderbaren Blick auf meinen frischen Kratzern. Ich war viel zu aufgeregt, um den Blick lesen zu können. Er betrachtete abfällig, aber interessiert meine wenigen Sachen, die zwischen uns lagen.
„Ich bin Oxba, Ratsmitglied der Loxmen. Dein Name ist Artir.“
Keine Frage, kein Gruß. Sein Säbel hing an seiner Hüfte herunter. Wenn sie Erzeugnisse transportierten, baumelte der Säbel in einer Vorrichtung auf dem Rücken. Vor seiner Brust kreuzten sich zwei Gürtel. In ihnen steckten zahlreiche kleine Wurfmesser. Seine kurze Hose überlegte sich, seine dicken Knie zu bedecken. Ein nahtloses Hemd floss über seinen muskelbepackten Oberkörper. Naverenangriffe kümmerten ihn nicht. Der Gedanke machte mich zu wütend und meine mühsam aufrechterhaltene Zurückhaltung floss in den Belt. Er blieb stumm, und doch wusste ich, dass er reden wollte. Ich konnte keine klaren Gedanken fassen und beobachtete ihn nicht genau. Später war man immer schlauer. Ich wollte frech sein, meine Art die Wut zu zügeln.
„Ich grüße Sie, Ratsmitglied Oxba.“
Ich genoss, sein Gesicht entgleiten zu sehen, das offen Bestürzung und Scham zeigte. Ein kleiner Triumph in einem ungleichen Spiel. Meine Chancen gegen ein Ratsmitglied waren dieselben wie die einer sich windenden, auf der Kralle einer Navere aufgespießten Messi. Ich bereute sofort meinen Vorstoß, als ich wieder klar denken konnte.
„Verzeiht, dass ich zuerst grüßte.“ Es kostete mich keine Anstrengung, den Kopf zu senken. Im Lauf der Jahre lernte ich Demut.
„Ich bitte dich um Verzeihung, dass ich vor lauter Aufregung unhöflich war“, überraschte mich der Loxmen und brachte mich wieder durcheinander. Jetzt erst bemerkte ich die Füße, die abwechselnd wippten, sah die Augen, die unruhig in Bewegung blieben, staunte über die Hände, die Luft kneteten. Seine Gesten und seine Haltung wiederholten zwei Sätze.
Tu mir nichts! Ich will hier weg!
Meine Verblüffung presste ich in meine Kehle zurück, auf dass kein Laut entwich. Mein Gesicht blieb steinern.
„Ich grüße dich, Artir. Ich kann weder behaupten, dass ich dich jahrelang suche, noch dass ich dich erst jetzt zu sprechen wünsche.“
Meine Lippen krampften. War das die allgemein übliche Sprechweise der Ratsmitglieder? Sich widersprechende Aussagen machen?
Das war der sonderbarste Satz, den ich je gehört hatte. Allerdings waren meine Erfahrungen mit zu mir sprechenden Menschen bestenfalls karg zu nennen. Ich hütete mich, etwas zu sagen, und glättete meine Wangen und Stirn. Er schien selbst zu merken, dass niemand diesen Satz verstehen konnte.
Seine Hände wirbelten in der Luft, der Kopf neigte sich leicht, Verständnis erheischend. Seine Augen schweiften überallhin. Er suchte nach besseren Worten. Ich spürte, dass er sich zwang, genau zu sein, damit ich ihn verstand. Seine Schultern sanken herab. Er gab auf, seinen Satz verständlich zu machen.
„Ich grüße dich, Artir. Ich kann weder behaupten, dass ich dich jahrelang suche, noch dass ich dich erst jetzt zu sprechen wünsche.“
Er wollte längst gerne mit mir reden, hatte aber nie Zeit, mich zu finden. Bis jetzt. Das war die Wahrheit in seinem Satz. Oxba wollte unbedingt ehrlich zu mir sein. Die offen stehende Frage, ach was, tausende Fragen versuchte ich mühsam aus meinem Gesicht zu kratzen.
„Ich bin nicht als Ratsmitglied der Loxmen hier. Das ist wichtig. Nur Oxba, der Loxmen, ist zu dir gekommen. Ich erweise einer jungen Frau einen Gefallen. Ihr Name ist Caraschla. Sie bat mich, dir diesen Stein zu übergeben.“ Er hielt mit Daumen und Zeigefinger einen halb in Leder gewickelten durchsichtigen Stein. Ein Saramanth. Vorsichtig stopfte der Loxmen ihn zurück in den Lederbeutel, den er neben meine Sachen vorsichtig ablegte.
Meine Gesichtsbeherrschung konnte ich nur mühsam halten. Ich starrte abwechselnd Oxba und das Leder an. Satz für Satz sank in den Brei, den ich zuvor Verstand nannte. Er kam nicht als Ratsmitglied? Warum erwähnte er das? Ich fand keine Erklärung. Ihn fragen? Nie beantwortete je ein Mensch meine Fragen. Dieser hier bildete keine Ausnahme. Das wusste ich sofort. Woher? Das wusste ich nicht. Ratsmitglieder sprachen für ihre Menschengruppen und nicht für mich. Ich hatte einige am letzten Tag im Sucherhort gesehen. Ich wollte diesen Tag vergessen und schob die aufkommenden Bilder fort.
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„Wer ist Caraschla? Warum schickt sie mir diesen Stein?“, fragte ich mit zitternder Stimme. Der Gedanke an eine Frau machte den Kopf vollends leer. Dass sie eine Schlame war, ergab sich aus dem Namen mit Zischlaut. Nie zuvor nach meiner Verwandlung hatte jemand zu erkennen gegeben, dass man an mich dachte. Jetzt wollte ich sie kennenlernen, sie sehen. Ein gewöhnlicher Saramanth, ein Stein, der überall herumlag, aber für mich der wunderbarste Stein war, den es gab, ja, den ich je gesehen hatte. Mir schien, das Wasser war blauer, das Gras saftiger und Oxba gelbgrüner als zuvor.
„Caraschla ist vor drei Jahren verwandelt worden. Sie ist die jüngste Schlame.“ Oxba sah mich direkt an. „Über die Gründe, warum sie dir einen nutzlosen Stein schickt, verlor sie kein Wort. Ich soll dir wörtlich ausrichten: ,Stelle mir die Frage, die Holidan verändern wird!`“.
Meine Reaktion erwartete er. Ich musste jetzt dumm daher glotzen. Oxba schien fast zu lächeln und hob die Schulter. Dadurch wurde er mir fast sympathisch. Er verstand den Satz genauso wenig wie ich.
„Schlame!“, sagte er nur. „Wir wollen nicht mit ihnen und können nicht ohne sie.“
