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Dieses Buch macht Mut! In 33 wahren Geschichten lesen Sie von persönlichen Krisen und den erstaunlichen Wendungen, die vorher niemand für möglich gehalten hätte. Sie werden mit den Protagonisten weinen und lachen, den Kopf schütteln und - Mut fassen. Die Autorinnen und Autoren zeigen eindrücklich, dass Krisen sich durchaus in Riesenglück verwandeln können und dass es möglich ist, aus den tiefsten Tälern des Lebens wieder emporzuklettern. Jede einzelne Geschichte zeigt, dass es mit der individuellen Stärke und Kreativität, die in jedem von uns steckt, möglich ist, das Ruder herumzureißen. Tauchen Sie ein in Erzählungen über verschmähte Liebe, kleine Paradiese, Schmetterlingszucht, verheerende Feuer, Dankbarkeit, eilige Flucht, Löwenmamas, kleines Glück, große Hoffnung und viele, viele Neuanfänge.
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Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2020
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|K| RIESENGLÜCK – DAS MUTMACHBUCH
|K| RIESENGLÜCK
DAS MUTMACHBUCH
33 bewegende Geschichten • 33 Autor*innen
Herausgeber:
Claudia Tetz-Froböse
Lutz Günter
An diesem Buch haben mitgewirkt:
33 Autor*innen, die im Inhaltsverzeichnis namentlich genannt werden.
Autorenberatung, Lektorat & Gestaltung: Claudia Tetz-Froböse & Lutz Günther
Das vorliegende Werk ist in all seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der Übersetzung, des Vortrags, der Reproduktion, der Vervielfältigung und der Speicherung in elektronischen Medien.
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar
ISBN 978-3-96986-000-7 (Hardcover)
ISBN 978-3-96986-001-4 (Paperback)
ISBN 978-3-96986-002-1 (E-Book)
1. Auflage 2020
© Verlag der Kreativmacherei, Hemmingen 2020
Druck: tredition GmbH, Hamburg.
Informationen zu unserem Unternehmen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf unserer Webseite https://kreativmacherei.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Ein Verlag entsteht
von Claudia Tetz-Froböse
Podcast ins Glück
von Anja & Oliver Ilnicki
Neuanfang
von Kim Adlhart
Kein schöner Land
von Christin Arens
Europa, lass den Mut nicht sinken
von Franziska Bauer
Der Apfel fällt zu früh vom Baum
von Regina Berger
Der Schmetterling, der Nachwuchs bekam
von Charlotte Blank (7 Jahre)
Poetryslam
von Bohney23
Das Nahe und das Ferne
von Susanne Brandt
Die Blume der Hoffnung
von Nadine Buch
Schmusekatze oder Löwenmama
von Susanne Ertle
Ein Paradies
von Dr. Hans-Martin Große-Oetringhaus
Gesellschaftsrelevant
von Veronika Kaleja
Übrig geblieben?
Von Martina Körber
Krisenpower
von Katarina Labuda
Danke, Oma!
von Keth Lyss
Hilfe für Frühchen
von Sabrina Meinen
Von Corona gekrönt
von Olivér Meiser
Aufatmen
von Rieke Mertens
Riesenkrise? – Kleines Glück!
von Hannah Lio Meyner
Die Post
von Annegret Mühl
Die Verlust-Angst
von Marny Münnich
Was wirklich zählt
von Sara Puchelt
Noch einen Schritt
von Asal Rahmany
Osterfeuer
von Cristina de Ramirez
Mut in der Krise
von Christian Schwochert
Und plötzlich CRPS
von Gwendolin Simper
Einen Fuß vor den anderen
von S. M. Syrch
Elbfamilienglück
von Marei Theunert
Ein Stuhl ist kein Stuhl
von Vera Vorneweg
Luxusgüter der Corona-Zeit
von Ingrid Weißbach
Der Deal
von Bo Wend
Das gute Nein
von Ellen Westphal
Dankeschön
von Claudia Tetz-Froböse & Lutz Günther
Kurzübersicht
aller Geschichten
Vorwort
Dieses Buch macht Mut!
Glauben Sie uns, wir wissen, wovon wir sprechen. Denn es hat uns Mut gemacht, es hat uns inspiriert, immer wieder erstaunt, sehr berührt und es hat dafür gesorgt, dass wir – mitten in der Corona- Krise – einen Verlag gegründet haben.
Aber dieses Buch kann noch so viel mehr: 33 Autorinnen und Autoren schildern ihre ganz persönliche Krise und den Umgang damit. Sie beschreiben in sehr großer Offenheit, wie schwer das Leben manchmal sein kann, aber auch den Moment der Wende und welch großes Geschenk oftmals aus der Krise erwächst.
Wir danken jeder einzelnen Autorin und jedem einzelnen Autor. Die Zusammenarbeit war eine echte Bereicherung und hat uns großen Spaß gemacht. Wir sind sehr dankbar, dass wir hier 33 großartige Menschen und ihre so persönlichen Geschichten kennenlernen durften.
Manches Mal waren wir erschüttert, wir haben gelacht und geweint und aufgeatmet, wenn sich die Wende einleitete. Und immer wieder haben wir uns darüber gewundert und gefreut, wie stark Menschen sind, wie flexibel, wie kreativ in der Suche nach Lösungen, wie talentiert und wie fröhlich.
Bei vielen haben wir gelesen, dass sie die Krise gut überstanden haben, daran gewachsen sind und dass es am Ende gut war. Manche Autoren stecken aber auch noch in ihrer Krise und auch sie berichten offen über ihre Gefühle, ihre Verzweiflung und die kleinen Strohhalme, die sich bieten, um wieder emporzusteigen, in das Licht einer überstandenen Talfahrt.
Was als Blogprojekt begann, ist zu einem echten Herzensprojekt und einem schönen Buch herangewachsen. Bereits zu den Blogartikeln erreichten uns viele positive Rückmeldungen von Menschen, denen die eine oder andere Geschichte geholfen hat. Menschen, die etwas Ähnliches erlebt haben oder gerade mitten in einer schwierigen Situation stecken.
So empfinden wir unsere „Kreativmacherei“ derzeit als „Mutmacherei“, was uns außerordentlich gut gefällt.
In diesem Sinne wünschen wir allen Leserinnen und Lesern eine bereichernde, mutmachende Lektüre.
Ein Verlag entsteht
von Claudia Tetz-Froböse
Es hatte so gut angefangen! Anfang Februar erfüllten wir (Claudia und Lutz) uns den großen Traum der Selbstständigkeit. Claudia – systemische Coach, Lutz – Trainer und Dozent. Wir hatten uns gut vorbereitet, Gründer-Seminare besucht, fleißig akquiriert und die Auftragsbücher gefüllt. So starteten wir mit einem richtig guten Gefühl und einem vollen Terminplan in die Selbstständigkeit. Die ersten Seminare, Workshops und Coachingaufträge wurden begonnen und dann …
Dann kam Corona und damit die Absage nahezu aller Aufträge bis in den Herbst hinein. Das war ein Schock!
Was tun?
Unser Unternehmensname „Kreativmacherei“ lässt es schon erahnen — uns beiden liegt das „Kopf in den Sand stecken“ nicht. Eher entfachen solche Herausforderungen unsere kreative Energie besonders. Schnell beschlossen wir, einfach unsere Projektplanung zu verändern: Das ursprünglich für den Herbst/Winter geplante Projekt „Coachingkalender“ konnten wir auch genauso gut jetzt schon beginnen. Eigentlich freute uns das sogar richtig, weil wir darauf so große Lust hatten.
Wir beide mögen schöne Schreib- und Papierwaren. Bei den Kalendern ging es uns oft so, dass wir die auf dem Markt vorhandenen Produkte entweder optisch schön fanden, der Inhalt aber zu wünschen ließ oder der Inhalt war ganz gut, aber die Optik eher dürftig. Außerdem fanden wir Kalender grundsätzlich zu unflexibel. Dieses Problem hatten offensichtlich mehrere Menschen, denn wann immer wir darüber sprachen, hörten wir: „Das stimmt, geht mir auch so.“ Der Gedanke, einen Kalender zu erfinden, der alle Wünsche erfüllt, war schon lange in unseren Köpfen. Nur gut also, dass wir endlich damit anfangen konnten.
Blöd nur, dass die Anfangsinvestitionen zur Herstellung der schönen Leder-Coaching-Kalender eigentlich durch die ersten Aufträge finanziert werden sollten – und die waren jetzt ja abgesagt.
Nach einer weiteren kreativen Denkphase stand das Konzept für eine Crowdfunding-Kampagne. Dabei wird ein Projekt dem Publikum (crowd) im Internet vorgestellt und die Produkte durch den Vorabverkauf finanziert (funding). Etwas, das sehr bekannt in der jungen Startup-Szene ist, aber nicht unbedingt bei Coaches aus der Babyboomer-Generation. Wir mussten uns also erst einmal richtig schlau machen, was für so eine Crowdfunding-Kampagne überhaupt gebraucht wird. Aha!
Ein Video, in dem wir erklären worum es geht, Produktbilder und einen guten Text, der die Besonderheiten erklärt.
Flugs wurde ein Video gedreht, Produktbilder mit einigen Mustern geschossen und das Ganze auf der Crowdfundingplattform „Startnext“ veröffentlicht. Mittlerweile ist der Coachingkalender „Miki – Mittelpunkt deiner kreativen Ideen“ auf dem Markt und erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Das richtig Gute an der Geschichte ist, dass nicht nur ein wirklich toller Kalender entstanden ist, sondern durch die Umorganisation noch viel mehr in Gang kam.
Denn während der Entwicklung des Kalenders stellten wir fest, dass die Einzelhefte, die wir schufen, damit der Miki so richtig flexibel wird, eigentlich Mini-Fachbücher sind. Bücher sollten in einem Verlag entstehen, Verlagserfahrung hatten wir, denn bereits seit acht Jahren betreuen wir ehrenamtlich den Sommersprosse-Verlag, der ein regionales Familienmagazin herausgibt. Ok, ein Zeitschriftenverlag ist noch einmal was anderes als ein Buchverlag, aber grundsätzlich konnten wir uns Verlagsarbeit vorstellen. Außerdem sind wir beide Autoren, kennen Verlage also auch aus der schriftstellerischen Sicht.
Während wir noch darüber nachdachten einen Verlag zu gründen, wurden wir von Anja und Oliver, den Machern des Podcasts KRiesen-Glück eingeladen, um über Kreativität in der Krise zu berichten. Das Interview und das Folgegespräch, in dem Anja und Oliver davon erzählten, warum sie den Podcast gestartet hatten, brachten uns auf die Idee, Mutmachgeschichten zu sammeln. Durch die Corona-Krise hatten mittlerweile schon so viele Menschen, die wir kannten, kreative Ideen entwickelt – ja, Ideen entwickeln müssen – um ihr Geschäft, ihre Familie, ihr Leben aufrecht erhalten zu können. Und war es nicht immer in Krisen so, dass nach dem ersten Schock die Kreativität in uns Menschen erwacht, die uns zu neuen Ideen und Lösungen führt?
Wir kannten aber auch viele Menschen, die wirklich verzweifelt waren und denen nicht sofort eine Lösung in der Krise einfiel. Wie schön wäre es, wenn diese Menschen von denen erfahren würden, die aus einer Krise etwas Gutes ziehen konnten? Wie sehr würde dies inspirieren und Mut machen?
Ab diesem Moment stand unser Entschluss fest: Wir eröffnen einen Verlag. Den Verlag der Kreativmacherei. Und das erste Buch dieses Verlages würde eine Sammlung an Mutmachgeschichten werden. Mutmachgeschichten von Menschen, die über ihren Umgang mit persönlichen Krisen berichten.
Kurze Zeit später haben wir den Schreibwettbewerb „Mut in der Krise“ ausgerufen und bald schon erreichten uns die ersten Geschichten. Und nun ist diese Geschichte Teil des Mutmachbuches, das im April dieses Jahres nur ein vager Gedanke war. Darauf sind wir wirklich stolz.
Aus der Erfahrung der vielen abgesagten Aufträge und auch aus der Beobachtung der verzweifelten Versuche der Schulen, Unterricht „schnell mal zu digitalisieren“, haben wir außerdem noch den Schluss gezogen, dass wir eine Möglichkeit brauchen, um auch dann Coachen und Unterrichten zu können, wenn dies im realen Leben nicht möglich ist.
Daher sind wir derzeit dabei, all unsere Workshops und Seminare in Online-Seminare umzuwandeln und diese bald schon in der Kreativmacherei-Online-Akademie anzubieten. Wir werden auch weiterhin Seminare und Coachings in der Offline-Welt durchführen, aber wenn dies nicht geht, dann können wir es auch problemlos in eine Online-Version überführen. Damit kann Coachen und Lehren zukünftig völlig ortsunabhängig stattfinden.
Fazit
So bringt eine Krise gleich drei neue Ideen. Was für ein Riesenglück!
Podcast ins Glück
von Anja & Oliver Ilnicki
Anja, wann war dir klar, dass du mitten in der Krise steckst?
Bereits als der erste Termin verschoben wurde, überkam mich eine Vorahnung: „Das wird nicht der einzige Termin sein.“ Und tatsächlich: Alle Termine fielen wegen der Corona-Krise aus oder wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.
Aus dem vermeintlichen Durchbruchsmonat wurde die persönliche „Nullrunde“ für mein so mühevoll geplantes, ans Herz gewachsene und ersehnte Business. Da war Angst vor Geldmangel und vorm Scheitern. Dann war da Traurigkeit, dass die Situation so war, wie sie war. Und einfach diese Riesen-Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Lage.
Was war die Ausgangssituation?
Wir waren voller Träume und Enthusiasmus ins neue Jahr gestartet. Endlich selbständig sein!
Als Achtsamkeitstrainerin und Psychologin Unternehmen und Einzelpersonen mit Meditation dabei unterstützen, erfüllter zu leben und zu arbeiten, dafür brenne ich. Oliver ist nebenberuflicher Tontechniker aus Leidenschaft, aber auch er möchte sein Herzensthema mehr und mehr in sein Leben bringen.
Wir wollten uns also beruflich weiterentwickeln und uns war klar, dass dieses berufliche Wachstum sich auch positiv auf unsere Beziehung auswirken sollte.
Was war dein Aha-Moment, Oliver?
Das waren eher mehrere Gedanken, die in mir kreisten: Der Lockdown, die Wirtschaft, wie kann ich mein Tonstudio endlich mehr nutzen? Und dann diese permanenten Nachrichten von wachsenden Krankheitszahlen, stärkeren Einschränkungen. Ich hatte einfach – genau wie Anja – eine Riesenlust darauf, endlich etwas Positives für Menschen in die Welt zu bringen. Gerade jetzt in der Krise.
Wie habt ihr angefangen, euer Projekt umzusetzen?
„Was Positives, gerade jetzt in der Krise.“ Dieser Gedanke war Initialzündung, Motivator und Glücklichmacher gleichermaßen. Oliver wollte gerne das Tonstudio stärker nutzen, ich wollte gerne Inspirationen in die digitale Welt bringen.
Aber die konkrete Idee ließ noch einige Tage auf sich warten. Bis Oliver mit seinem besten Freund telefonierte und dieser dann den entscheidenden Satz durch die Muschel sandte:
„Also ich würde mir einen kurzen täglichen Podcast mit Chancen in der Krise und psychologischem Hintergrund anhören.“
Es dauerte noch drei weitere Tage, in denen Oliver recherchierte, erste Pläne zur Umsetzung schmiedete, die technische Struktur schuf und mir ständig vorschwärmte. Dann war auch ich überzeugt.
Der KRiesen-Glück-Podcast war geboren – kurze psychologische Impulse zu verschiedenen Themen rund um die Krise, aber immer mit einem positiv-konstruktiven Fokus.
Ende März ging dann die erste Episode auf Sendung!
Das war ein verrücktes Gefühl, etwas zusammen zu produzieren, sich Gedanken über die Entwicklung des Projekts zu machen und tatsächlich jeden Tag ca. 2 bis 3 Stunden eine 15-minütige Episode zu produzieren.
Wir bemerkten unsere damaligen Grenzen: Wie viel eigene Meinung soll geäußert werden? Wie oft versprechen wir uns pro Episode? Wie entwickeln wir als Paar eine Art, miteinander zu arbeiten?
Wie ist es jetzt?
Tatsächlich nahmen wir jede Hürde. Wir produzierten Folge um Folge. Es entwickelte sich ein schöner Gesprächsfluss zwischen uns und wir schufen vollkommen neue Wege, miteinander zu kommunizieren, uns zu organisieren, neu zu erfinden. Wir werden immer sicherer, haben die ersten Gäste interviewt, posten regelmäßig in den sozialen Medien.
Wir akzeptieren, dass Klickzahlen nicht alles sind und freuen uns über jeden Menschen, der durch unseren Podcast inspiriert wird. Im Alltag kommen uns ständig neue Ideen, welche Themen interessant oder spannend sind.
Besonders begeistert und immer wieder aufs Neue fasziniert sind wir von der Tatsache, dass wir rundum zufrieden sind und uns die Arbeit soviel Freude bereitet, obwohl die vergangenen Wochen extrem fordernd und anstrengend waren. Denn sie waren gleichzeitig enorm erfüllend und haben uns gezeigt, dass wir – auch beruflich – ein super Team sind.
Eines Tages waren Claudia und Lutz im KRiesen-Glück-Podcast zu Gast. Aus diesem sehr inspirierenden Gespräch entwickelten die beiden die Idee zum Mutmachbuch.
„Und getreu unserem Motto: Jede Krise bietet eine Chance…Wer weiß, welches |K|RiesenGlück vielleicht aus diesem Mutmachbuch entsteht?“
Neuanfang
von Kim Adlhart
Ich bin 22 Jahre jung und dachte immer, dass ich das für mich perfekte Leben führe. Ich bin aktive und erfolgreiche Motorsportlerin, habe einen großen Freundeskreis, bin immer unter Strom und nie im Stillstand.
Doch dann hat sich mein Leben in nur einem Moment auf den Kopf gestellt und mich gezwungen, in genau diesen gefürchteten „Stillstand“ zu kommen.
Da ich immer wiederkehrende Probleme mit meinen Augen hatte und kurz darauf auch Taubheitsgefühle in den Beinen dazu kamen, musste ich ein paar Untersuchungen bei meinem Arzt machen lassen.
Und dann passierte es: Ich habe im Krankenhaus die Diagnose „Multiple Sklerose“ bekommen.
Anfangs hat es mich nicht sonderlich berührt. Ich war egoistisch und dachte nur: „Scheiß drauf, mein Leben geht genauso weiter wie bisher, ich ändere bestimmt nichts. Warum auch – ich bin ja jung und fit und werde das schon schaffen.“ Im Nachhinein weiß man es besser, heißt es immer wieder.
Stimmt!
Ich hätte etwas ändern sollen, denn mein Körper hat mir sehr deutlich gezeigt, dass ich mehr acht auf mich geben muss. Meine körperlichen Probleme nahmen immer mehr zu, auch die Abstände dazwischen wurden immer kürzer.
Dazu gehörte zum Beispiel, dass ich teilweise nur ganz verschwommen sehen konnte. Es fühlte sich an, als hätte ich etwas im Auge oder als würde ich durch ein schmutziges Glas schauen. Die größeren Probleme hatte ich jedoch mit meinen Armen und Beinen, die immer wieder „einschliefen“. Einmal bin ich zum Beispiel einfach in meiner Wohnung gestürzt, weil das Gefühl in meinen Beinen so abrupt nachgelassen hatte.
Da sich meine Krankheit verschlimmerte, habe ich mit einer Therapie beginnen müssen – der nächste Denkanstoß. Trotzdem war ich weiterhin ständig im Stress und wollte es einfach nicht wahrhaben. Dazu kam, dass ich mit niemandem über all das reden konnte, was in mir vorging. Das führte dazu, dass ich alles in mich „reingefressen“ habe „Ok, dann mach ich eben eine Therapie, aber Hilfe brauch ich nicht, ich bin schließlich stark. Wozu andere damit nerven, das ist allein mein Ding, ich bekomme das schon in den Griff. Wär ja gelacht.“
Dass ich mir da selbst etwas vormachte, merkte ich schnell: Ich war ständig schlecht gelaunt, richtig unglücklich. Ich konnte mich selbst nicht mehr leiden und schlafen konnte ich auch nicht mehr richtig. Ich hatte keine Lust mehr, mich mit meinen Freunden zu treffen, etwas zu unternehmen oder Sport zu machen. Alles, was mich als Person ausmachte, was mir immer riesigen Spaß gemacht hatte, empfand ich nun nur noch als ständige Belastung.
Was passierte mit mir?
Trotz allem konnte ich mich nicht dazu aufraffen, mit meinen engsten Freunden über alles zu reden. Ich wollte kein Mitleid und vor allem wollte ich es einfach nicht akzeptieren, dass etwas in meinem Körper nicht stimmt und ich etwas ändern muss. Wie sollte ich auch etwas ändern?
In meinem Kopf schwirrten so viele Fragen, die niemand beantworten konnte. Ich fühlte mich von meinem Körper im Stich gelassen und hatte riesige Ängste, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren. Ständig suchte ich nach Ablenkung, um nicht mit meinen Gedanken allein zu sein. Mein Körper rächte sich und zeigte mir ein übergroßes Stoppschild nach dem nächsten. Es kam dazu, dass ich ständig krank wurde. Ich war so erschöpft.
Fünfmal musste ich eine Antibiotikatherapie machen, da eine Lungenentzündung die nächste jagte. Mein Körper war so ausgelaugt von den vielen Medikamenten und den vielen Therapien, die in so kurzer Zeit auf mich zukamen. Und nicht nur mein Körper, auch meine Seele war ausgelaugt. Ich konnte so nicht mehr weitermachen – ich hatte panische Angst, vor dem, was in der Zukunft auf mich zukommen könnte, wenn ich nicht sofort mein Leben, mein Denken und mein Handeln verändere. Diese Angst vor der Zukunft machte mich wahnsinnig und nahm mir die letzte Lebensfreude.
Endlich hatte ich es kapiert: „Mein Körper zwingt mich, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, etwas zu ändern!“
Im Nachhinein betrachtet, ist es wohl das Beste, was mir passieren konnte. Ja, der Anfang war schwer – denn wo fängt man an, sich selbst oder sein Leben zu hinterfragen? Doch kein „Neuanfang“ ist ein Zuckerschlecken und ich konnte so nicht mehr weiterleben.
Das klingt jetzt vermutlich etwas komisch, doch der erste Schritt war, mich selbst kennenzulernen. Ich habe damit angefangen auf meinen Körper und meine Bedürfnisse zu achten – versuchte, mich von meinem Leben „tragen“ zu lassen. Ich fing wieder an alten Hobbies nachzugehen – das Lesen war schon immer eine Leidenschaft von mir. Etliche Bücher zum Thema Selbstfindung habe ich verschlungen. Wieso hatte ich das die letzten Jahre so vernachlässigt? Auch neue Hobbys wie Yoga, Meditation oder das Schreiben kamen hinzu. Ich ließ alles zu, was mir guttat. Ich konnte endlich wieder besser schlafen, war wieder gut gelaunt, habe neue Lebenslust entwickelt und war insgesamt einfach entspannter. Meine Symptome kamen weniger oft vor und das war für mich das Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Je besser es mir ging, umso motivierter war ich, noch mehr umzusetzen und noch mehr auszuprobieren. Es machte mich glücklich, die Komfortzone zu verlassen und über den Tellerrand zu blicken.
Natürlich hatte ich unzählige Hochs und Tiefs während dieser Zeit. Man bemerkt bekanntlich erst, wer die wahren Freunde sind, wenn man am Tiefpunkt ist. Auch das ist mir passiert – ich war überrascht, auf wie viele Personen in meinem Leben ich verzichten kann, da sie nur den Erfolg oder die guten Zeiten mit mir geteilt und gelebt haben. Dafür habe ich aber auch die Möglichkeit bekommen, zu sehen, wer von meinen Freunden immer an meiner Seite steht und immer zu mir hält – und diese wenigen Freundschaften sind mitunter das Wertvollste, was ich besitze.
Auch von mir selbst war ich überrascht. Ich entwickelte mich teilweise zu einer ganz anderen Person. Eine Person, die mir mittlerweile lieber ist, als die Person, die ich geglaubt habe, sein zu wollen. Früher waren meine Prioritäten ganz klar mit Erfolg verbunden, es war für mich immer wichtig, die Beste zu sein und immer perfekt auf alle Menschen in meinem Umfeld zu wirken. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass es wichtigere Sachen im Leben gibt, als immer nur die Starke und die Tolle „vorzuspielen“ oder ständig nachzudenken, wie man auf Andere wirken möchte. Viel wichtiger ist es doch, einfach nur glücklich zu sein und jeden Tag mit den Dingen zu verbringen, die einem zum Glücklichsein verhelfen. Ja – mein Leben, meine Werte, meine Ziele, meine Träume haben sich geändert.
