Krötenküssen - Luise Hennich - E-Book

Krötenküssen E-Book

Luise Hennich

0,0

Beschreibung

Mia kann es nicht fassen. Erst haben ihre Eltern sie von Hamburg in die bayrische Provinz verschleppt, um sich dann zu allem Überfluss für ein ganzes Jahr in die Antarktis abzusetzen. Alleine auf dem Lande, in der Obhut einer alten Tante - was könnte schlimmer sein? Doch nicht nur das Zusammenleben mit Tante Rosie, die ihrem Erziehungsauftrag nur halbherzig nachkommt, sondern auch die neuen Nachbarn, die den verfallenen Eulenhof in ein Zaubervarieté verwandeln, sorgen dafür, dass ihr vermeintlich langweiliges Landleben turbulenter wird, als sie es sich jemals ausgemalt hätte. Eine fantastische Geschichte über Liebe, Freundschaft, den Mut zum anders sein und über einen Zauberlehrling mit mittelmäßigem Talent.  

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 657

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Luise Hennich

Krötenküssen

eine zauberhafte Geschichte

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1: Änderungen

Kapitel 2: Allein

Kapitel 3: Flügelschlag

Kapitel 4: Tante Rosie

Kapitel 5: Dem Tod entronnen

Kapitel 6 Deutschklausur

Kapitel 7: Das Wiedersehen

Kapitel 8: Rasputin

Kapitel 9: Besucher

Kapitel 10: Die Begegnung

Kapitel 11: Aaron

Kapitel 12: Der Wolf und die Fee

Kapitel 13: Entdeckt

Kapitel 14: Schule

Kapitel 15: Chaos

Kapitel 16: Party

Kapitel 17: Das Monster

Kapitel 18: Spionage

Kapitel 19: Die Fee im Stroh

Kapitel 20: Marietta

Kapitel 21: Magic

Kapitel 22: Monster im Keller

Kapitel 23: Monster im Mondschein

Kapitel 24: Freiflug

Kapitel 25: Aufgewacht

Kapitel 26: Disco

Kapitel 27: Showtime

Kapitel 28: Im Glashaus

Kapitel 29: Die Kröte

Kapitel 30: Befreit

Kapitel 31: Verloren

Kapitel 32: Gefunden

Kapitel 33: Verwandelt

Kapitel 34: Wahrheit

Kapitel 35: Sommernachtsalbtraum

Kapitel 36: Scherben

Kapitel 37: Wahrheit und Klarheit

Kapitel 38: Zauberverbot

Epilog

Impressum neobooks

Kapitel 1: Änderungen

Für Gnomi

- mein zauberhaftes Wesen

Es war zu Ostern, als sich mein Leben änderte.

Mal wieder änderte.

Die letzte Änderung war noch nicht so besonders lange her gewesen. Aus Hamburg, dieser supergeilen Stadt, war ich von meinen Eltern nach Bayern in die Provinz verschleppt worden. Verschleppt - anders konnte man es beim besten Willen nicht bezeichnen.

Meine Mutter und mein Vater waren Professoren.

Beide.

Für Geologie.

Ging es noch langweiliger?

Bis vor kurzem noch in Hamburg und nun an der Uni in München. Und ich – ich ging nun auf dieses Provinzgymnasium in diesem Provinzkaff, weil meine Eltern zwar in der Großstadt arbeiten, aber nicht wohnen wollten.

Klar, meinen Eltern machte das nichts aus. Die waren total vertieft in ihre Forschung, fuhren täglich zur Universität oder zu Konferenzen und waren nur selten zu Hause.

Aber zu Ostern hatten sie es tatsächlich mal alle beide geschafft, anwesend zu sein. Auch wenn für Familienleben bei uns wenig Zeit blieb, und ich es ihnen nicht wirklich verzieh, dass ich meine Freunde, meine Schule, meine Stadt, zurücklassen musste, so waren sie doch insgesamt ganz in Ordnung und ich freute mich tatsächlich irgendwie darüber, dass wir nun zusammen ein paar Tage verbringen würden.

Und so saßen wir am Ostersonntag am Frühstückstisch auf der Terrasse vor unserem Haus in der Sonne und blickten auf Wiesen und Wälder und auf die Berge, die sich in der Ferne als helle Silhouetten abzeichneten. Präziser formuliert: wir blickten ins Nichts, denn unser Haus lag nicht nur in einem winzigen Kaff, es lag, um das Maß voll zu machen, auch noch total einsam am Ortsrand. Wir hatten noch nicht mal Nachbarn, denn selbst der steinalte Bauernhof, der ein paar hundert Meter weiter neben unserem Garten lag, stand schon seit langem leer und war total verfallen. Die Einheimischen nannten ihn den Eulenhof, aber ich hatte noch nie eine zu Gesicht bekommen. Aber auch ohne Eulen war das tote Gemäuer irgendwie total gruselig.

Obwohl es schon zehn Uhr morgens war, griff meine Mutter noch immer schlaftrunken nach der Kanne und schenkte sich Kaffee ein.

„Ich glaube, ich hatte etwas zu wenig Schlaf in den vergangenen Tagen”, sagte sie mit einer vor Müdigkeit rauen Stimme.

Das konnte hinkommen, wenn man bedachte, dass sie erst am Abend zuvor von einer Konferenz in Tokio zurückgekehrt war und davor, glaubte ich mich zu erinnern, in Toronto einen Vortrag gehalten hatte.

Über den Rand ihrer Kaffeetasse blickte sie über den Tisch und nickte meinem Vater und mir anerkennend zu. „Wie schön, dass ihr beide ein paar Ostereier aufgetrieben habt.“ Sie sah auf die lila-blau gefärbten Eier und lächelte mich an.

„Ich musste improvisieren“, antwortete ich und erklärte: „Leider hatte ich vergessen, Farbe zu kaufen. Zum Glück habe ich noch ein paar Reste vom letzten Jahr gefunden. Die habe ich gemischt. Daher das ausgefallene Design“.

Mein Vater nahm sich ein Ei und begann es abzuschälen.

„Die sehen doch gut aus“, meinte er beiläufig, ohne wirklich auf die Farbe zu achten und schob das ganze Teil in seinen Mund, kaute und schwieg.

Die beiden waren heute Morgen ja echte Stimmungskanonen!

Normalerweise quatschten sie mich immer tot mit irgendwelchen Geschichten über irgendwelche Gesteinsschichten, die aus irgendwelchen Gründen total spektakulär waren. Doch an diesem Morgen schienen sie irgendwie an einer Art von Stimmlähmung zu leiden.

„Ist alles in Ordnung?”, fragte ich und griff auch nach einem blöden Ei, nur um etwas zu tun.

Meine Mutter blickte von ihrem Kaffee auf und sah mich an. „Mia, wir müssen etwas Wichtiges mit dir besprechen.“ In mir schrillte eine Alarmglocke. So oder so ähnlich hatte auch das Gespräch begonnen, in dem sie mir gesagt hatten, dass wir in die Provinz ziehen würden.

„Ist etwas passiert?“, fragte ich daher misstrauisch.

Mein Vater stand auf und kam zu meinem Stuhl. Er setzte sich auf meine Lehne und legte seine Hand auf meine Schulter. Oh Gott! Was kam jetzt?

„Könntest du dir vorstellen, für eine Weile allein zu bleiben?”, fragte er.

Ich war schon öfter allein geblieben, wenn meine Eltern zu einer ihrer wissenschaftlichen Exkursionen aufbrachen. Allerdings nie besonders lange.

Der Tonfall in seiner Stimme ließ mich aufhorchen.

„Wie lange würde diese Weile denn sein?”, fragte ich misstrauisch. Prinzipiell genoss ich es, mein eigener Herr zu sein und über eine sturmfreie Bude zu verfügen – aber alles hatte seine Grenzen.

„Diesmal würde es etwas länger sein, als du es bisher gewohnt bist“, sagte meine Mutter und beugte sich über den Tisch in meine Richtung. „Wir haben das Angebot bekommen, an Erdbohrungen in der Antarktis teilzunehmen. Das würde bedeuten, dass wir dort ein Jahr verbringen würden.“

„Ihr beide zusammen?”, fragte ich schockiert. Das konnte ja wohl nicht ihr Ernst sein, dass ich alleine hier in dieser Einöde sitzen sollte.

„Seid ihr verrückt? Soll ich etwa alleine in diesem Kaff bleiben?“, entfuhr es mir.

„Du bist ja kein Baby mehr. Wir finden, du bist für dein Alter ungewöhnlich vernünftig und selbstständig“, hörte ich meine Mutter sagen.

„Wir möchten dich nur ungern kurz vor dem Abitur aus der Schule nehmen und in ein Internat schicken. Deshalb haben wir gedacht, du bleibst hier und bekommst Gesellschaft.“

„Gesellschaft?“

„Wahrscheinlich kannst du dich gar nicht mehr an sie erinnern. Du warst noch sehr klein, als ihr euch das letzte Mal begegnet seid“, sagte meine Mutter

„Wen meinst du?“

„Ich spreche von meiner Tante, deiner Großtante Rosie. Sie würde für ein Jahr zu uns ziehen, da sie im Augenblick, sagen wir mal, ungebunden ist.“

Das wurde ja immer besser. Nicht nur, dass sich meine Eltern im wahrsten Sinne des Wortes ans andere Ende der Welt verziehen wollten – ich sollte auch noch mit einer mir unbekannten und wahrscheinlich schon am Rande der Senilität befindlichen Verwandten hier am Arsch der Welt sitzen.

„Das ist ein Scherz“, war alles, was ich hervorpressen konnte.

„Kind, glaub mir, es fällt uns nicht leicht, dich so lange allein zu lassen. Aber diese Gelegenheit ist einmalig und kommt wahrscheinlich nicht wieder. Das ist kein Urlaub und auch keine Abenteuerreise, sondern ein Forschungsaufenthalt, der uns mit großer Wahrscheinlichkeit einige bahnbrechende Erkenntnisse bringen wird.“

Ich fasste es nicht. Die beiden schienen wildentschlossen, mich hier mit einer Fremden sitzen zu lassen und erst in einem Jahr wieder zurückzukommen.

„Und wann würdet ihr fahren?”, fragte ich in der Hoffnung, dass ich noch ausreichend Zeit hatte, um irgendwie aus dieser Nummer wieder rauszukommen.

„In drei Wochen“, antwortete meine Mutter mit einem Zögern in der Stimme.

„In drei Wochen schon?”, brachte ich krächzend hervor.

„Wieso habt ihr mir nicht schon eher davon erzählt?“

„Wir haben selber nichts davon gewusst; wir haben das Angebot erst in der letzten Woche erhalten und einige Tage gebraucht, um für uns darüber nachzudenken und zu entscheiden“, fügte mein Vater in entschuldigendem Ton hinzu. „Wir müssen so bald aufbrechen, da sonst schon der antarktische Winter beginnt und wir die Forschungsstation nicht mehr erreichen können. – Also entweder wir gehen jetzt oder das ganze Projekt ist für uns gestorben.“

„Aber - was wird mit Wotan?”, fragte ich schwach.

Bei diesen Worten erhob sich ein riesiges, zottiges, graues Tier, das bisher schlafend unter unserem Frühstückstisch gelegen hatte, schüttelte sich und verbreitete einen wenig angenehmen Geruch rings um uns her.

Wotan war unser Hund – aber eigentlich war die Bezeichnung Hund zu schmeichelhaft für ihn. In Wirklichkeit war Wotan ein Monster in Pelzgestalt, das eines Morgens im Garten unseres Hauses in Blankenese gelegen hatte. Ohne Halsband, ohne Leine, ohne Hundemarke. Ein paar Tage lang hatten wir versucht, seinen Besitzer ausfindig zu machen, dann hatten wir versucht, ihn in einem Tierheim unterzubringen, dann hatte mein Vater ausgesprochen, was wir alle dachten:

„Wir können ihn nicht ins Tierheim bringen, dort wird er früher oder später eingeschläfert!“

Und das aus gutem Grund, denn es stellte sich heraus, dass Wotan – wie wir ihn aufgrund seiner Erscheinung getauft hatten – offenbar meinen Vater als seinen persönlichen Retter betrachtete und ihm dies mit treuer Ergebenheit und großer Liebe dankte. Meine Mutter und mich betrachtete er allerdings nur als notwendige Randerscheinungen seines Lebens und alle anderen Kreaturen, die seinen Weg kreuzten, potentiell als Feinde. Eine Vermittlung in fremde Hände schien unmöglich und so blieb er bei uns.

„Äh, Wotan könnte ja bei dir bleiben“, antwortete mein Vater zaghaft auf meine Frage und kraulte das Tier hinter den Ohren.

„Wie soll das gehen?”, fragte ich entsetzt. „Er hört nicht auf mich, schleift mich an seiner Leine hinter sich her, frisst jede Katze, die ihm vor seine Schnauze kommt und ist eine Gefahr für die Allgemeinheit.“

„Na, nun übertreib mal nicht“, versuchte mein Vater zu beschwichtigen. „Du wirst sehen, wenn wir weg sind, wird Wotan ein folgsames Hündchen sein. Er wird schnell verstehen, dass er auf dich angewiesen ist. Du musst nur energisch genug auftreten, dann klappt das schon.“

Ich wollte noch etwas einwenden, doch mein Vater kam mir zuvor.

„Außerdem“, fügte er hinzu, „finde ich es gut, wenn du einen Bewacher im Haus hast. Wir wohnen hier ja doch ziemlich einsam.“

Damit hatte er allerdings Recht.

So war es denn beschlossen. Meine Eltern würden in die eisigste Kälte dieses Planeten reisen und dort im Dunkeln verschwinden.

Ich würde mit einer mir unbekannten Großtante und einem unberechenbaren Hund zurückbleiben und versuchen, mein Leben so normal wie möglich weiter zu leben.

Tante Rosie wurde benachrichtigt und versprach, rechtzeitig vor der Abreise meiner Eltern da zu sein, meine Eltern widmeten sich der Beschaffung warmer Unterwäsche und was sonst noch notwendig war, um das kommende Jahr zu überleben und ich beschloss, einen Maulkorb für Wotan zu besorgen.

Der Tag der Abreise nahte unwiderruflich.

Mein Vater und insbesondere meine Mutter wurden in dem Maße stiller und bedrückter, in dem sich die Koffer und Kisten in unserem Hausflur stapelten. Ich dagegen hatte mich inzwischen an den Gedanken der fast sturmfreien Bude gewöhnt und sah meinem Schicksal mit einer gewissen Gelassenheit entgegen.

Eines Abends, zwei Tage vor dem geplanten Abreisetermin, trat meine Mutter in mein Zimmer. Ich saß an meinem Schreibtisch am Fenster und lernte lateinische Vokabeln, als sie mir sanft die Hand auf die Schulter legte.

„Mia, ich muss noch einmal mit dir reden“. Ihre Stimme klang zaghaft.

Ich blickte über die Schulter und sah sie an.

„Mir kommt die Idee, dich hier für so lange Zeit allein zu lassen, inzwischen vollkommen verrückt vor.“

Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Bevor ich etwas sagen konnte, fuhr sie fort: „Noch könnte ich meine Teilnahme rückgängig machen und hier bei dir bleiben.“

„Du spinnst wohl!”, entfuhr es mir. „Ihr habt alles vorbereitet, Tage damit verbracht, unzählige Kisten zu packen, du freust dich auf diese Expedition und wir haben schließlich Telefon und Internet um in Kontakt zu bleiben.“

Sie nahm mein Kinn in ihre Hand und sah mich prüfend an. „Du sagst das jetzt nicht nur, weil du tapfer sein willst?“

„Nein, weil ich weiß, wie viel euch diese Reise bedeutet und weil ich – wie ihr ja schon selber bemerkt habt – kein Baby mehr bin.“

Sie blickte auf meinen Computer.

„Versprich mir, dass wir uns regelmäßig schreiben!“

„Klar, versprochen!“ Heimlich kreuzte ich zwei Finger hinter dem Rücken. Das fehlte mir noch – Mutti als Brieffreundin!

„Und“, sie sah mich erwartungsvoll an. Was kam jetzt noch?

„Lass uns regelmäßig skypen!“

Skypen?! Ich war schon drauf und dran, ihr zu sagen, dass ich eigentlich keinen Bock darauf hatte, per Kamera überwacht zu werden, als ich bemerkte, dass sie mit den Tränen kämpfte. Scheiße, sie war echt traurig, dass sie mich hier zurücklassen würde. Und wenn ich ehrlich war, war ich es auch. Doch ich schluckte die Emotionen runter und antwortete stattdessen betont munter:

„Klar. ich freue mich schon darauf, euch zwei mit euren Schneeanzügen und roten Nasen zu sehen, während ich hier im Sommerkleidchen sitze“.

Und dann kam er – der Tag des Abschieds von meinen Eltern.

Wer nicht kam, war Tante Rosie.

Die Abreise war für Samstag geplant. Tante Rosie hatte ihr Kommen für Freitagabend versprochen. Ich war sehr gespannt auf die unbekannte Tante. Meine Mutter hatte sich zurückgehalten mit der Beschreibung und nur angedeutet, dass Tante Rosie eine eher ausgefallene Person sei, aber dafür echt nett. Offensichtlich hatte sie verschwiegen oder verdrängt, dass Tante Rosie nicht zu den zuverlässigsten Zeitgenossen zu gehören schien, denn am frühen Nachmittag klingelte unser Telefon und ich hörte meine Mutter „Oh, das ist aber misslich!“, „Hoffentlich ist es bis morgen wieder in Schuss“, „Ach, Sonntag sagst du?”, ins Telefon stammeln. Kurz darauf stand sie hinter mir. Ich drehte mich um und ahnte schon, dass es unangenehme Neuigkeiten gab.

„Tante Rosie war am Telefon. Sie kann erst am Sonntag kommen, offenbar ist ihr Auto kaputt und die Reparatur wird erst morgen im Laufe des Tages erledigt. Sie bricht dann gleich am Sonntagmorgen auf.“

Meine Mutter machte ein betretenes Gesicht.

„Wir können unsere Abreise leider nicht aufschieben. Das Flugzeug geht morgen um 14:00 Uhr ab München. Das heißt, du und Wotan wäret dann erstmal alleine hier.“

„Na, dann kann mir ja nichts passieren“, erwiderte ich etwas sarkastisch.

Meine Mutter sah mich besorgt an.

„Nein, im Ernst, nun mach dir mal keine Gedanken um mich. Ich komm schon klar, das ist kein Problem“, beteuerte ich und fand den Gedanken, eine Nacht alleine zu verbringen, nicht weiter der Rede wert. Wahrscheinlich war es sogar besser, wenn Wotan den Trennungsschmerz von meinem Vater erst einmal ohne fremde Gesellschaft verarbeiten konnte.

Am nächsten Morgen waren wir alle früh auf. Meine Eltern waren sehr aufgeregt und liefen zwischen Frühstückstisch, Koffern und Kleiderschrank hin und her. In der letzten Minute fiel ihnen auf, dass ich auch mit ausreichend Geld versorgt werden musste und sie legten mir noch schnell zwei Kreditkarten auf den Esstisch, flüsterten mir die dazugehörigen Geheimnummern ins Ohr, beteuerten, dass alle laufenden Kosten für unser Haus automatisch monatlich beglichen würden und ich mich um nichts zu kümmern hatte, und schon hörten wir ein Hupen vor dem Gartenzaun.

Der Fahrer des geologischen Instituts wartete draußen, um meine Mutter und meinen Vater zum Flughafen zu bringen. Gemeinsam schafften wird den unglaublichen Berg von Taschen und Koffern in den Wagen.

Dann ging alles ganz schnell. Mein Vater nahm mich fest in den Arm und drückte mich.

„Du schaffst das schon“, flüsterte er mir ins Ohr. „Wir melden uns, sobald wir angekommen sind.“

Meine Mutter unterdrückte ein paar Tränen und ich hatte auch einen großen Kloß im Hals, als sie mich umarmte.

„Du wirst sehen, es wird prima mit Tante Rosie. Nach ein paar Tagen wirst du deine alten Eltern gar nicht mehr vermissen.“

Dann beugten sie sich beide herunter zu Wotan, der neben uns stand und die Szene skeptisch beäugte.

„Wotan, alter Freund, mach es gut. Sei nett zu Mia. Wenn wir in einem Jahr wieder da sind, wollen wir hier einen braven Hund sehen.“

Wotan wedelte unsicher mit dem Schwanz und blickte zu mir hoch. Ich sah ihn an und in Anbetracht der Tatsache, dass er nun meine Restfamilie darstellte, kam er mir irgendwie nicht mehr so schrecklich vor.

Nun war es unwiderruflich. Das Auto startete und fuhr den schmalen Weg, der von unserem Haus zur Hauptstraße führte, entlang. Ich sah die winkenden Silhouetten meiner Eltern kleiner und kleiner werden, bis der Wagen abbog und aus meinem Blick verschwand. Für einen Moment fühlte ich mich sehr alleine.

Kapitel 2: Allein

„Na, komm mit“, sagte ich zu Wotan und ging voraus Richtung Haustür.

Mit einem Blick zurück vergewisserte ich mich, dass das Gartentor verschlossen war, damit das Fellmonster keine Jagd auf vorbeikommende Radfahrer machen konnte. Wotan folgte mir auf dem Fuß und gemeinsam betraten wir den Hausflur. Es war noch nicht einmal Mittag und ein langer Tag lag vor mir.

Scheiße, nun saß ich echt alleine in der Provinz.

Ich beschloss, zunächst einmal meine Hausaufgaben zu erledigen, ging hinauf in mein Zimmer, setzte mich an meinen Schreibtisch und zog mein Mathebuch aus dem Stapel Lehrbücher hervor, der sich vor mir auftürmte. Ich streckte meine Füße unter dem Tisch aus und stieß unvermutet auf einen Widerstand. Was war das? Mit dem rechten Fuß stupste ich gegen etwas Großes, Festes. Ich blickte hinab und sah in ein zottiges Gesicht. Wotan hatte es sich unter meinem Schreibtisch bequem gemacht. Offenbar kam auch er sich einsam vor. Nun gut, wir konnten es uns auch gemeinsam gemütlich machen.

Nach zwei Stunden hatte ich sämtliche Aufgaben erledigt und war hungrig. Ich stand auf und ging hinunter in die Küche. Ein grauer Schatten folgte mir.

„Hast du auch Hunger?”, fragte ich das Pelzmonster. Eigentlich wurde Wotan nur zweimal am Tag gefüttert – morgens und abends. Aber dem Riesenvieh konnte eine Mahlzeit zu viel auch nicht schaden und ein kleiner Snack würde ihn vielleicht von seinen trüben Gedanken ablenken.

Während Wotan mit ekligen Schlabbergeräuschen seinen Napf leerte, überlegte ich, was ich mit dem angefangenen Tag machen sollte. Ich konnte Kathi eine Nachricht schicken und fragen, ob sie zu mir in die Einöde kommen wollte. Kathie war so etwas wie eine Freundin. Die einzige, die ich bis jetzt hier gefunden hatte. Wir gingen in die gleiche Klasse.

Sie war nett und versuchte ständig, mich in ihre Landcommunity zu integrieren. Aber heute hatte ich mehr Lust, den Rest des Tages allein zu verbringen und es bis zu Tante Rosis Ankunft auszukosten, mein eigener Herr zu sein. Es war ein wunderbar warmer Tag, den ich gut mit einem Buch im Liegestuhl auf der Terrasse verbringen konnte.

Wotan schaute von seinem Fressnapf auf und blickte mich an. Es half nichts; zuerst musste das Fellmonster vor die Tür. Ich beschloss, mit ihm einen kurzen Spaziergang zu wagen und holte Leine, Halsband und Maulkorb. Leine und Halsband kannte er schon, der Maulkorb hatte heute Premiere.

Wotan blickte misstrauisch, als ich mich ihm mit meiner Ausrüstung näherte. Ich überlegte; war es günstiger, ihm zuerst das Halsband und dann den Maulkorb umzulegen, oder umgekehrt? Ich entschloss mich für das Halsband und streifte es ihm kurz entschlossen über. Wotan hielt still. Nun noch der Maulkorb – ich wollte nicht mit ansehen, wie Wotan auf unserem ersten gemeinsamen Ausflug eine unschuldige Kreatur verspeiste, die ihm versehentlich in den Weg lief.

„Na, Wotan“, redete ich beruhigend auf ihn ein, um auch mir Mut zu machen.

„Schau mal hier, ein Maulkorb. Der wird dir gut stehen.“

Zu meiner Überraschung hielt Wotan still, als ich ihm den Maulkorb überstreifte. „Entschuldige mein Freund, aber das muss zu deinem und vor allem zum Schutz aller anderen Lebewesen sein“, erklärte ich ihm und befestigte die Leine am Halsband.

Am sichersten war es, wenn wir einfach durch den Wald streiften. Die Chance, dort auf andere Spaziergänger oder Radfahrer zu treffen, war relativ gering. Wenn Wotan neben mir ging, reichten seine Schultern bis zu meiner Hüfte, denn mit 1,60 m war ich nicht besonders groß. Hob er den Kopf, so konnte er mir fast in die Augen sehen. Im Zweifelsfall hätte ich seiner Körperkraft nichts entgegenzusetzen, auch wenn ich mich selber nicht als schwächlich bezeichnen würde. Blieb nur zu hoffen, dass er nicht beschloss, sich selbstständig zu machen. Wir traten hinaus, gingen durch unseren Garten um das Haus herum, verließen ihn durch die Hinterpforte und schlugen den Weg Richtung Wald ein, der unmittelbar hinter unserem Haus begann. Eigentlich war ich noch nie alleine im Wald spazieren gegangen. Wenn ich es recht bedachte, war ich, seit wir hier wohnten, noch nie dort gewesen, obwohl er direkt hinter unserer Tür lag.

Ein schmaler Pfad führte von unserem Gartenzaun durch eine kleine Wiese direkt auf den Wald zu. Wotan schien es eilig zu haben, den passenden Baum zu finden, denn er zog energisch an der Leine. „Mach mal langsam, Wotan!“, rief ich ihm zu, aber erwartungsgemäß hatte mein Appell keinen Erfolg.

Wir erreichten ein dichtes Laubdach und Wotan hob ohne zu zögern sein Bein am ersten Baum, der seinen Weg kreuzte. Offenbar pressierte es. 

Während er sein Geschäft verrichtete, blickte ich mich um. Wir standen an einer Weggabelung. Der Weg führte zur Linken am Waldrand entlang Richtung Dorf, zur Rechten führte er in geschwungenen Linien den Hang hinauf. Wotan nahm mir die Entscheidung, in welche Richtung wir gehen sollten, ab. Entschlossen setzte er seinen Weg den Hang hinauf fort und mir blieb nichts anderes übrig, als ihm am anderen Ende der Leine zu folgen. Es wirkte, als ob ihm dieser Weg vertraut war – wahrscheinlich war dies eine der Routen, die sonst mein Vater mit ihm ging. Da das Fellmonster sich hier bestens auszukennen schien, beschloss ich, ihm die Führung zu überlassen und wir trotteten eine ganze Weile den Waldweg entlang.

Wotan hob in regelmäßigen Abständen das Bein oder schnupperte ausgiebig an den verschiedensten Stellen oder tat beides in umgekehrter Reihenfolge. Ich hing meinen Gedanken nach und fragte mich, ob meine Eltern wohl schon über den Wolken schwebten, als wir plötzlich und unvermittelt eine Lichtung erreichten, die an einen kleinen See grenzte. Mit einem Mal standen wir im glänzenden Sonnenlicht auf einer blühenden Wiese und kristallklares Wasser schimmerte uns entgegen.

„Oh, Wotan“, sagte ich begeistert, „das ist ja traumhaft hier.“

Wotan sah mich kurz an und steuerte dann auf das Ufer zu. Durstig trank er mit langen Zügen aus dem See. Ich ließ die Leine locker und setzte mich neben ihn.

Der Anblick des Sees vor einem Bergpanorama war atemberaubend und die Mittagshitze erzeugte ein unwirkliches Flirren über den winzigen Wellen, mit denen das Wasser ans Ufer gespült wurde. Nach der schattigen Kühle des Waldes spürte ich die Hitze umso deutlicher. Schweiß begann, in kleinen Bächen meinen Rücken herabzulaufen. Eine kurze Abkühlung konnte nicht schaden. Ich sah mich um. Es war weit und breit niemand zu sehen. Schnell streifte ich meine Schuhe, Jeans und mein T-Shirt ab und stand in Slip und BH am Ufer. Wotan schaute mich verwundert an.

„Wie wäre es mit einem kleinen Bad?”, fragte ich ihn und hatte auch schon einen Fuß eingetaucht.

„Scheiße, ist das kalt!”, entfuhr es mir. Das Wasser war eisig. Was hatte ich erwartet? Schließlich stand ich an einem Bergsee und es war noch nicht einmal richtig Sommer.

Während ich die Zähne zusammenbiss und einen weiteren Schritt ins Wasser machte, hörte ich Wotan hinter mir leise knurren.

„Nun spiel dich hier mal nicht als Sittenwächter auf!”, wandte ich mich zu ihm und bemerkte, dass er die Ohren spitzte und aufmerksam zum Waldsaum hinüberblickte, während er seine Lefzen hob und unverwandt weiterknurrte.

Ich folgte seinem Blick und erkannte am Rand der Lichtung zwei Gestalten, die sich auf den See zu bewegten. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich stand halb nackt mit den Füßen im eiskalten Wasser, hatte ein Fellmonster an der Leine und zwei sorglose Spaziergänger näherten sich mir vollkommen unbefangen.

Inzwischen konnte ich erkennen, dass es sich um Wanderer im mittleren Alter handelte, die offenbar auch Rast am Ufer des Sees machen wollten. Wotan fixierte die beiden mit gesträubtem Nackenhaar.

„Ist gut, Wotan“, redete ich beschwichtigend auf ihn ein. „Das sind nur zwei Wanderer, kein Grund, hier so einen Terror zu machen.“

Die beiden Männer hatten uns auch schon erblickt, denn einer von ihnen hob winkend die Hand. Ich stapfte, so schnell ich konnte, aus dem Wasser und schlang Wotans Leine um einen kleinen Baum. Mit einem doppelten Knoten sicherte ich sie noch einmal sorgfältig, bevor ich mich nach meiner Kleidung umsah. Ich schaffte es gerade noch in meine Jeans zu schlüpfen, als die beiden Männer auch schon wenige Schritte vor mir standen.

„Hallo, schöne Frau, so alleine unterwegs?“

Der jüngere der beiden ließ seinen Blick ungeniert von meinem Gesicht zu meinem BH und zurück gleiten. Schnell griff ich nach meinem T-Shirt, das vor mir auf dem Boden lag, und streifte es über.

„Schade, gerade hast du mir besser gefallen.“ Der Ältere grinste mich unverschämt an.

Was für ekelhafte Kotzbrocken.

Das war genau der Typ Stammtischbruder, der der Schrecken jeder Bedienung auf dem Oktoberfest war. Zu Hause der solide Papa, ohne Muttis Aufsicht ein Ekelpaket. Fieberhaft überlegte ich, ob mir mein Handy, das in meiner hinteren Hosentasche steckte, eine Hilfe sein konnte. Aber wen sollte ich alarmieren? Der polizeiliche Notruf kam mir übertrieben vor. Die Typen waren zwar fies, wirkten aber nicht wie Verbrecher.

„Warum denn so schüchtern? Wir beißen doch nicht.“ Betont lässig streifte der Jüngere seinen Rucksack ab und ließ ihn neben sich ins Gras fallen.

„Ich wollte gerade gehen“, brachte ich hervor und schlüpfte in meine Schuhe. Falls die Situation aus dem Ruder laufen sollte, war ich nun für einen schnellen Sprint gewappnet. Die beiden Typen sahen nicht so aus, als könnten sie mit mir Schritt halten.

„Bleib doch noch ein bisschen bei uns“, grinste mich der Jüngere an und streckte seinen Arm nach mir aus.

Das hätte er besser nicht tun sollen. Wotan, den ich tatsächlich für einen Moment vergessen hatte, gab einen Furcht erregenden Laut von sich und riss mit aller Kraft an seiner Leine. Das dünne Bäumchen, an dem ich ihn festgemacht hatte, knickte wie ein Schilfhalm ein und brach. Mit zwei langen Sätzen war er bei uns und hatte den Mann zu Boden geworfen. Mit gefletschten Zähnen stand er über ihm und durch seinen Maulkorb tropfte warmer Sabber auf sein Gesicht.

„Ruf das verdammte Vieh zurück!”, rief der ältere Mann, während sein jüngerer Kumpel vor Schreck erstarrt unter meinem Fellmonster lag.

„Wotan, aus!”, rief ich und zog gleichzeitig nach Kräften an seinem Halsband. Insgeheim betete ich, dass der Maulkorb nicht reißen würde. Auch wenn die Typen fies waren, den Tod hatten sie dann doch nicht verdient. Zum Glück ließ Wotan widerstrebend von seinem Opfer ab und stellte sich vor mich. Knurrend beobachtete er, wie der Jüngere sich aufrappelte und mit Hilfe seines Begleiters wieder auf die Beine kam.

„Ich glaube, es ist besser, wenn sie jetzt gehen. Wotan kann es nicht leiden, wenn ich beim Baden belästigt werde “ brachte ich mit fester Stimme hervor, obwohl mir insgeheim die Knie zitterten.

„Für dieses Monster brauchst du einen Waffenschein“, schrie der Jüngere und wischte sich mit dem Jackenärmel eine Schleimspur von der Wange. Er hob seinen Rucksack auf und die beiden machten Anstalten zu gehen.

„Lass das Mistvieh einschläfern, bevor es einen Menschen auf dem Gewissen hat“, rief mir noch der Ältere zu, bevor beide mit raschen Schritten die Lichtung durchquerten und im Wald verschwanden.

„Wotan, du bist wirklich eine Bestie. Selbst mit Maulkorb bist du noch so Furcht erregend, dass du zwei erwachsene Männer in die Flucht schlägst“, sagte ich und tätschelte seinen gewaltigen Kopf. Auch wenn es Wotan ganz offensichtlich an Erziehung mangelte, in seiner Gegenwart musste ich mir keine Sorgen um meine Sicherheit machen – höchstens um die Sicherheit der anderen. Wotan sah mich an und wedelte mit dem Schwanz. Tatsächlich wirkte er sehr zufrieden mit sich selbst.

Kapitel 3: Flügelschlag

Wir kehrten am frühen Nachmittag von unserem Ausflug zurück und der Rest des Tages verging ohne weitere Aufregung. Ich verbrachte das meiste davon in einem Liegestuhl in der Sonne.

Als es dunkel wurde, zog ich mich mit einem Glas Milch und einem Teller voller Brote auf mein Zimmer zurück. Ich öffnete die Balkontür und eine Brise lauwarmer Abendluft strömte mir entgegen.

War mein Zimmer ansonsten eher schlicht ausgestattet, so war der große Balkon, der sich über die gesamte Vorderfront des Hauses erstreckte, doch ein Luxus, den ich – jetzt, da der Frühling begonnen hatte – immer mehr zu schätzen lernte. Ich trat hinaus, rückte einen Stuhl zurecht und ließ mich mit meinem Abendbrot auf den Knien darauf nieder.

Mein Zimmer befand sich auf der linken Seite des Hauses, so dass ich über den Garten hinweg den verlassenen Eulenhof sehen konnte. In der Dämmerung wirkte er noch größer als am Tage. Bestimmt war er mal ein imposantes Anwesen gewesen. Das zweistöckige Haupthaus wurde von großen Stallungen flankiert. In der Mitte des Hofes lag ein Brunnen, der von einer alten Linde beschattet wurde. Ich versuchte mir vorzustellen, wie Menschen und Tiere die Häuser und Stallungen bevölkert hatten, die nun dunkel und leblos dalagen. Vielleicht waren in früheren Zeiten elegant gekleidete Damen auf rassigen Pferden im Morgengrauen mit ihren Begleitern zur Jagd aufgebrochen und abends mit reicher Beute zurückgekehrt. Ich stellte mir vor, wie Lachen und Musik durch den Hof klang, wenn die Jagd ihren Ausklang fand und hörte das Schnauben der Pferde, die von gut aussehenden Stallburschen abgesattelt wurden.

Hörte?

Da war wohl meine Fantasie mit mir durchgegangen. Außer dem Zwitschern einiger eifriger Amseln war nichts zu hören. Ich lauschte noch einmal angestrengt in das immer dunkler werdende Zwielicht aber ein Pferdeschnauben war nicht auszumachen.

„Vielleicht hätte ich mich doch mit Kathi verabreden sollen, statt hier alleine rum zu sitzen“, murmelte ich. Nun fing ich auch noch an, mit mir selber zu reden, nicht genug, dass ich nicht vorhandene Pferde schnauben hörte.

Ich stellte meine Brote und meine Milch beiseite und griff nach meinem Handy.

„Hier ist der Anschluss von Katharina Hempel. Leider bin ich zurzeit nicht erreichbar. Wenn du eine Nachricht für mich hast, dann sprich bitte jetzt! Piiiieep!“

Frustriert legte ich auf. Was sollte ich für eine Nachricht hinterlassen? „Hallo Kathi, es ist Samstagabend, halb zehn, ich sitze auf meinem Balkon und höre Pferde, die nicht da sind. Da dachte ich, es ist vielleicht besser, irgendwas mit dir in diesem langweiligen Kaff zu unternehmen, als hier blöde rum zu sitzen.“

Mürrisch steckte ich mein Handy in die Hosentasche, als es plötzlich zu vibrieren begann. Ich schaute auf das Display: „Kathi ruft an“, stand dort in großen Buchstaben.

„Hi“, sagte ich in den Apparat.

„Hi Mia, ich habe das Klingeln nicht schnell genug gehört. Hier ist es tierisch laut!“, hörte ich Kathis Stimme aus gewaltigem Hintergrundlärm hinaus.

„Wo bist du denn?“

„Wir sind im Mister X, hast du Lust, noch zu kommen?“

Das Mister X war die hiesige Dorfdisco, die ich bisher immer erfolgreich gemieden hatte. In Hamburg hätte ich in so einen Laden keinen Fuß gesetzt. Bier und Drugs und aufgebretzelte Provinztussis. Konnte ich echt nicht brauchen.

„Wer ist wir?”, fragte ich daher misstrauisch.

„Martin und Frank sind auch hier. Komm doch noch rüber, wenn du magst.“

Martin und Frank gingen in unsere Klasse. Die beiden waren mir noch nie besonders aufgefallen, waren aber auch nicht unsympathisch, wenn man über ihren ausgeprägten bayrischen Dialekt mal hinweg sah. Kathi kannte die beiden seit ihrer gemeinsamen Kindergartenzeit und hing ziemlich oft mit ihnen ab. Seufzend erhob ich mich von meinem Stuhl. Die Alternative, den Abend alleine im Haus zu verbringen, war auch nicht besonders reizvoll und der Weg zur Disco war nicht weit. Ich entschloss mich, mich auf mein Fahrrad zu schwingen und hinüber zu radeln.

Wotan blickte mich erwartungsvoll an, als ich meine Jacke anzog und meinen Schlüsselbund in die Tasche gleiten ließ.

„Du musst hier bleiben.“

Er legte den Kopf schief.

„Nun guck nicht so. Ich kann nicht den ganzen Abend hier rum sitzen, ich muss noch ein bisschen unter Leute. Das ist ja bekanntlich nichts für dich. Mach mal ein Nickerchen, bis ich wieder da bin.“

Ich tätschelte noch kurz seinen Kopf und zog die Haustür hinter mir zu.

Mein Fahrrad stand angelehnt neben der Gartenpforte. Ich schob es hindurch und schwang mich auf den Sattel. Inzwischen war es völlig dunkel geworden und der schmale Pfad, der von unserem Haus bis zur Hauptstraße führte, war nicht beleuchtet. Ich schaltete das Fahrradlicht ein. Es brannte nicht. Verflixt, ich hatte vergessen, dass ich die Birne in der Vorderlampe wechseln wollte. Vorsichtig und langsam setzte ich mich in Bewegung, um auf dem holperigen Weg nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Mit Mühe erreichte ich die Hauptstraße und bog rechts auf den Radweg ab. Hier gab es eine anständige Straßenbeleuchtung und ich trat kräftig in die Pedale. Ein bisschen komisch war es schon, so spät abends alleine neben der Landstraße zu fahren.

In wenigen Minuten erreichte ich das Mister X.

Es war so voll, wie die Stimmkulisse am Telefon hatte vermuten lassen. Ich schob mich durch das Gedränge zwischen angetrunkenen und schwitzenden Menschen hindurch, bis ich Kathi sah, die sich anmutig auf der Tanzfläche bewegte. Ich beneidete sie um diese Grazie, die mir leider völlig ab ging. Elfengleich wiegte sie sich zum Takt der Musik. Mein Tanzstil war eher der eines Tanzbären; wenn man überhaupt einen Vergleich wagen wollte. Vor ihr gab Frank sein Bestes; wirkte aber mit seinen unbeholfenen Verrenkungen bestenfalls unfreiwillig komisch.

Ich blickte mich um und suchte nach Martin. Er saß nicht weit von der Tanzfläche entfernt an einem kleinen runden Tisch und hielt ein Glas Bier in der Hand. Er hatte mich bereits gesehen und gestikulierte wild zu mir herüber.

„Schön, dass du noch gekommen bist“, begrüßte er mich brüllend, als ich mich zu ihm durchgedrängelt hatte.

„Hier ist heute Abend der Teufel los“, fügte er noch in der gleichen Lautstärke hinzu und verstummte dann. Ich setzte mich neben ihn und versuchte erst gar nicht, gegen den Lärm anzuschreien. Also saßen wir schweigend nebeneinander und betrachteten die Gestalten auf der Tanzfläche.

Martin leerte sein Glas und brüllte mir plötzlich unvermittelt mit maximaler Lautstärke ins Ohr: „Magst ein Bier?“

„Lieber eine Cola“, schrie ich ohne Umschweife zurück. Meine Stimme schien mir nicht gewachsen für den Austausch von Höflichkeiten. Martin erhob sich und schritt Richtung Theke. Ich blickte ihm nach, wie er im Getümmel verschwand und ließ meinen Blick wieder Richtung Tanzfläche schweifen.

Die beiden anderen waren nicht mehr zu sehen. Während ich die Tanzfläche systematisch mit den Augen nach ihnen absuchte, spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und blickte erschrocken auf. Kathi stand neben mir und lachte mich an. Ich hatte ihr Kommen nicht bemerkt. Sie bewegte die Lippen und ich versuchte, mein Ohr so nah wie möglich an ihren Mund zu bringen.

„Hey, Mia, ich hab dich gar nicht kommen sehen. Bist du schon lange da?”, konnte ich mit Mühe verstehen.

„Ich sitze hier schon eine Weile“, brüllte ich zurück.

„Allein?”, glaubte ich zu hören und versuchte mit wilden Handzeichen Kathi klar zu machen, dass Martin auf dem Weg zur Bar war und vermutlich gleich zurückkehren würde.

Kathi und Frank setzten sich zu mir an den Tisch.

„Wie kommt es, dass du hier heute Abend noch aufschlägst?”, schrie Kathi mir zu. „Meine Eltern sind heute Morgen abgereist und mein Kindermädchen ist noch nicht da. War mir zu einsam zuhause“, brüllte ich zurück.

„Wo sind sie denn hin, deine Eltern?”, wollte Frank wissen.

„In die Antarktis“, erwiderte ich so laut ich konnte. Frank sah mich an, als ob er mich nicht richtig verstanden hätte. Er schüttelte den Kopf und sagte laut:

„Was? Wo sind sie hin? Ich habe Antarktis verstanden.“

„Ant-ark-tis“ brüllte ich noch einmal. Frank sah Kathi ungläubig an, doch diese nickte und schrie: „Verrückt was, die reisen ans Ende der Welt und lassen Mia hier allein zurück.“

Irgendwie kam es mir plötzlich selber unwirklich vor und ich bemerkte, dass ich es den ganzen Tag über vermieden hatte, über die Unwiderruflichkeit dieser Entscheidung nachzudenken.

Gerade als ich mir ausmalte, dass meine Eltern in diesem Moment wahrscheinlich schlappe zehntausend Kilometer von mir entfernt dabei waren ihre Fellhandschuhe rauszukramen, kam Martin zurück und hielt in der einen Hand ein großes Bier, in der anderen eine Cola. Entschlossen nahm ich das Bier und trank einen großen Schluck. Martin blickte irritiert. „Ich dachte, du wolltest kein Bier!“, sagte er, kippte die Cola hinunter und machte sich erneut auf den Weg zum Tresen. Der Typ war wirklich unerschütterlich. Wenig später stand er mit einem frischen Bier vor mir und prostete mir zu.

Kathi und Frank blickten uns an und machten Zeichen, dass sie sich erneut Richtung Tanzfläche begeben wollten. Martin sah mich erwartungsvoll an und stellte sein Glas ab. Ich schüttelte abwehrend den Kopf. Das fehlte mir noch, mich hier auf der Tanzfläche zum Affen zu machen! Doch Martin ließ nicht locker. „Nun komm schon“, brüllte er mir ins Ohr. „Unterhalten kannst dich hier eh’ nicht.“

Unzweifelhaft hatte er Recht. Eine Unterhaltung war nicht möglich und den Abend damit zu verbringen, sich gegenseitig anzuschweigen, war auch keine Alternative. Mit mehr als gemischten Gefühlen erhob ich mich und folgte Martin auf die Tanzfläche. Zum Glück, war es hier so voll, dass meine unrhythmischen Bewegungen sicher nicht weiter auffallen würden. Am Rand der Tanzfläche machte ich ein paar unsichere Schritte zum Takt, den ich zu hören glaubte, und dann ging das Licht aus.

Schlagartig verstummte die Musik, und es war stockdunkel im Mister X. Spitze Schreie ertönten und die Menschen erstarrten für einen kurzen Augenblick. Reflexartig griff ich nach Martins Hand, und zog ihn mit mir von der Tanzfläche. Ich hörte, wie Bewegung in die dunkle Menschenmasse kam und versuchte, mich zu erinnern, in welcher Richtung der Ausgang lag. Doch ich hatte die Orientierung verloren.

„Wo geht es raus?”, fragte ich Martin. „Hier entlang“, antwortete er und begann, uns durchs Dunkle zwischen den anderen Körpern hindurch zu manövrieren. Ich folgte ihm im wahrsten Sinne des Wortes blind und wir tasteten uns langsam an Tischen und Theken vorbei zur Tür. Inzwischen hatte sich eine Art Menschenströmung gebildet, die dieselbe Richtung einschlug, so dass wir nach einer Ewigkeit, die wahrscheinlich nur einige Minuten dauerte, einen frischen Windhauch aus der geöffneten Tür spürten, der uns schließlich ins Freie geleitete.

Martin ließ meine Hand los und wir atmeten erleichtert auf. Doch irgendetwas war immer noch nicht richtig. Ich blickte mich irritiert um und versuchte herauszufinden, war es war. Ich schaute rüber auf die gegenüberliegende Straßenseite und sah – nichts! Das war es! Das Licht war nicht nur im Mister X ausgefallen, auch draußen war es stockdunkel. Die Straßenbeleuchtung war aus, die umliegenden Häuser lagen im Dunkeln und selbst die Ampeln zeigten kein Signal mehr. Nur der Vollmond beleuchtete die Szene und setzte uns alle in ein fahles, weißes Licht.

Ich versuchte angestrengt, Kathi und Frank irgendwo zu entdecken. Plötzlich hörte ich eine Stimme, die meinen Namen rief. Es war Kathi.

„Hey Kathi, wir sind hier!”, antwortete ich und zog Martin in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war.

„Wenn ich schon mal einen Fuß auf die Tanzfläche setze, geht gleich das Licht aus“, versuchte ich einen Scherz, als wir endlich neben Kathi und Frank standen.

„Aber warum geht das Licht in der ganzen Stadt aus, so schlecht tanzt du nun auch wieder nicht“, grinste Frank mich an.

„Was nun?”, fragte Kathi.

Ich fühlte mich mit einem Mal schrecklich müde. „Ich mache mich auf den Heimweg“, erklärte ich. Die drei sahen mich an.

„Im Dunkeln?”, fragten sie mich wie aus einem Munde. „Es war ja auch dunkel, als ich hergekommen bin.“ Ich schaltete die Taschenlampe meines Smartphones an und suchte in ihrem Lichtkegel nach meinem Fahrrad. Im trüben Licht entdeckte ich es dort, wo ich es abgestellt hatte.

„Wollt ihr etwa hier warten, bis das Licht wieder angeht? Wer weiß, wie lange das dauert.“ Ich wandte mich meinem Fahrrad zu und holte es aus dem Ständer. Schiebend näherte ich mich wieder den dreien. „Dein Licht brennt nicht“, bemerkte Kathi. Stimmt, daran hatte ich nicht mehr gedacht. Das Mondlicht war zwar ungewöhnlich hell an diesem Abend, aber ich war mir nicht sicher, ob es ausreichen würde, um den Weg nach Hause zu finden.

„Ohne Licht kannst du nicht alleine fahren. Ich begleite dich“, schlug Martin zu meiner Überraschung vor. So ritterlich hatte ich ihn nicht eingeschätzt. Aber unter diesen Umständen nahm ich sein Angebot, mit seinem gut beleuchteten Rad vor mir her zu fahren, gerne an.

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg und hatten schon bald die Ortschaft hinter uns gelassen. Ich heftete mich an Martins Rücklicht und war froh, einen leuchtenden Fixpunkt vor mir zu haben. Zwar war Martin noch nie bei uns zu Hause gewesen, aber ich war nicht überrascht, zu sehen, dass er meinen Heimweg kannte. In so einer kleinen Stadt war es wahrscheinlich schon vor meiner Ankunft bei meinen Mitschülern bekannt gewesen, wo ich wohnen würde.

Bald erreichten wir die Abzweigung, die von der Landstraße zu unserem Haus führte.

Martin machte Anstalten abzubiegen, doch ich rief ihm zu, dass ich es nun alleine schaffen würde. Schließlich hatte ich diesen Abschnitt ja auch auf dem Hinweg ohne Licht bewältigt. Martin sah mich skeptisch an. Ich bestand jedoch darauf, das letzte Stück alleine zu fahren, rief Martin noch: „Danke schön fürs Bringen“ zu und bog in den holprigen Feldweg ab. Martin rief mir: „Dann bis Montag“ zurück und machte sich auf den Heimweg.

Für einige Augenblicke hörte ich noch das immer leiser werdende Quietschen seiner Fahrradkette, bis ich schließlich allein im Dunkeln zurückblieb. Eine Wolke hatte sich vor den Mond geschoben und die Dunkelheit kam mir mit einem Mal undurchdringlich vor. Vorsichtig trat ich in die Pedale und holperte von einem Schlagloch ins nächste. Seufzend hielt ich mein Rad an, und stieg ab. Es hatte keinen Sinn zu fahren; bei diesem Versuch würde ich mir womöglich den Hals brechen. Ich beschloss, das Rad die wenigen hundert Meter bis zur Haustür lieber zu schieben.

Im Dunkeln schien der Weg kein Ende zu nehmen. Angestrengt spähte ich nach vorne, um die Silhouette unseres Hauses auszumachen, konnte jedoch außer undurchdringlicher Finsternis nichts entdecken. Plötzlich kamen mir Zweifel, ob ich überhaupt in den richtigen Seitenweg abgebogen war. Meinem Gefühl nach hätte ich schon längst bei unserer Gartenpforte sein müssen und der Weg zu unserem Haus war auch nicht derartig Schlagloch übersät. Die Erkenntnis durchzuckte mich wie ein Blitz. Ich war auf dem Weg zum Eulenhof und stand wahrscheinlich gerade kurz vor der Hofeinfahrt.

„Mist“, schimpfte ich laut vor mich hin. „Wie dämlich muss man sein, um seinen eigenen Nachhauseweg nicht zu finden!“

Entnervt drehte ich mein Rad, als mich ein leises, pfeifendes Geräusch zusammenzucken ließ. Ich lauschte erschrocken. Das Pfeifen schien über mir im Nachthimmel zu sein. Angestrengt spähte ich hinauf, konnte aber nichts erkennen.

Vielleicht war eine Eule auf der Jagd. Womöglich bewohnten doch noch einige das verfallene Gemäuer. Es hieß vermutlich nicht ohne Grund Eulenhof.

Energisch schob ich mein Rad Richtung Hauptstraße. Auf Naturbeobachtungen mitten in der Nacht hatte ich echt keine Lust. Die Eule schien sich jedoch von mir nicht gestört zu fühlen, ich konnte hören, wie sie in einiger Entfernung ihre Kreise zog, denn das Pfeifen wurde mal lauter und mal leiser. Offenbar hatte aber das Tier Lust auf ein paar Menschenbeobachtungen, denn mit einem Mal hatte ich das Gefühl, dass es direkt auf mich zu segelte. Unwillkürlich zog ich den Kopf ein, und für einen unwirklichen Moment fürchtete ich, die nächtliche Beute einer überdimensionalen Eule zu werden, so nah schien sie zu sein. Im nächsten Augenblick hörte ich ein Niesen und das Geräusch verschwand in der Nacht. Niesen? Konnten Eulen niesen?

Eine Gänsehaut kroch meinen Rücken hinauf. Eulen konnten nicht niesen. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder ich hatte mir das Niesen eingebildet oder ein niesendes Tier war über meinen Kopf hinweg geflogen. Beide Möglichkeiten erschreckten mich in gleichem Maße. Sollte ich mir tatsächlich nicht vorhandene Geräusche einbilden, so war es sicherlich ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Sollte aber tatsächlich ein niesendes Tier über meinen Kopf hinweg geflogen sein, so wollte ich es heute Nacht keinesfalls näher kennen lernen. So schnell ich konnte, schob ich mein Rad durch das unwegsame Gelände und erreichte wieder die Landstraße. Erleichtert schwang ich mich auf meinen Sattel und fuhr die Straße entlang, bis ich die richtige Abzweigung zu unserem Haus erreichte.

Schon von weitem konnte ich lautes Bellen hören. Ich holperte und stolperte mit meinem Rad dem tröstlichen Geräusch entgegen und war echt froh darüber, dass Wotan zu Hause war.

Kapitel 4: Tante Rosie

Am nächsten Morgen wurde ich von einem wütenden Bellen geweckt.

Schlaftrunken fragte ich mich, ob Wotan noch immer bellte, aber dann erinnerte ich mich daran, dass er, als ich am Abend zuvor endlich die Haustür aufgeschlossen hatte, in ein begeistertes Jaulen verfallen war, das erst aufgehört hatte, als ich ihn in den Garten ließ, damit er noch mal das Beinchen heben konnte. Konnte es sein, dass ich ihn im Garten vergessen hatte? Offenbar - denn ich war nach den Geschehnissen des vorherigen Abends todmüde in mein Bett gefallen und in einen traumlosen, bleiernen Schlaf gesunken. Ein schlechtes Gewissen beschlich mich: der arme Wotan hatte die ganze Nacht draußen verbringen müssen. Aber es war nicht kalt und er hatte ein dickes Fell. Nach meiner nächtlichen Begegnung mit mysteriösen Waldbewohnern war es vielleicht auch gar nicht schlecht, wenn das Pelzmonster ein paar Wachrunden gedreht hatte.

Noch etwas benommen lauschte ich nach draußen. Wotan bellte aus vollem Halse. War womöglich der seltsame, niesende Vogel wieder zurückgekehrt? Aber inzwischen war es hell geworden und Sonnenstrahlen schimmerten durch meine Gardinen. Nachttiere waren um diese Tageszeit sicher nicht mehr unterwegs. Überhaupt verloren die Ereignisse des vergangenen Abends bei Licht betrachtet ihren Schrecken. Wahrscheinlich war ich panisch vor einer harmlosen Eule geflohen. Nur gut, dass mich dabei niemand gesehen hatte.

Ich schaute auf die Uhr und schrak hoch. Es war schon Mittag. Ich hatte fast zwölf Stunden geschlafen. Mit einem Satz war ich aus dem Bett und riss meine Gardinen beiseite. Ich spähte hinaus und versuchte vergeblich den Grund für Wotans wütendes Bellen auszumachen, konnte aber nichts sehen. Ich öffnete die Balkontür, trat im Schlafanzug hinaus und versuchte es mit rufen.

„Wotan! Ruhig jetzt! Es ist Sonntag.“

Unbeeindruckt von meinem Appell bellte Wotan weiter aus Leibeskräften. Das Bellen wurde gelegentlich von einem wütenden Knurren unterbrochen. Es schien von der Vorderseite des Hauses zu kommen.

Entnervt lief ich ins Erdgeschoss und spähte durch das Fenster neben der Haustür. Mein Blick fiel auf unsere geschlossene Gartenpforte. Hinter der Pforte stand Wotan mit gesträubtem Nackenfell und gebleckten Zähnen. Davor stand ein roter Porsche Cabrio mit offenem Verdeck. Hinter dem Lenkrad erkannte ich eine grell geschminkte Frau mit Sonnenbrille und Kopftuch, die heftig gestikulierend auf das Fellmonster einredete. Wild entschlossen öffnete sie plötzlich die Autotür, stieg aus und ging um den Wagen herum auf den Gartenzaun zu. Wotan verfolgte ihre Bewegungen mit wütendem Bellen. Mir stockte der Atem. Diese Verrückte wollte doch wohl hoffentlich nicht versuchen, den Garten zu betreten. Barfuß und im Schlafanzug riss ich die Haustür auf und lief in den Garten.

„Wotan, hierher, bei Fuß!”, rief ich, während ich so schnell ich konnte, den Weg zum Gartentor hinunter rannte. Wotan sah sich nur kurz um und fühlte sich offenbar durch meine Anwesenheit aufgefordert, mich bis aufs Blut zu beschützen, denn nun sprang er auch noch hoch und legte die Vorderpfoten auf den Gartenzaun.

Die Frau blieb erschrocken stehen, als sie sich Auge in Auge mit Wotan sah.

„Bleiben Sie wo sie sind!”, rief ich verzweifelt und fasste Wotan am Halsband. Mit Mühe gelang es mir, ihn wieder mit allen vier Pfoten auf den Boden zu befördern. „Wotan, aus!”, brüllte ich ihn an. Wotan knurrte sich die Seele aus dem Leib und Geifer floss in Strömen aus seinem Maul.

„Du musst Mia sein“, hörte ich plötzlich eine Stimme den infernalischen Lärm übertönen. Mit aller Kraft hielt ich Wotan am Halsband fest und blickte über den Gartenzaun.

„Das stimmt“, antwortete ich und mit einem Mal wurde mir klar, dass mir Tante Rosie gegenüberstand, die ja versprochen hatte, spätestens am Sonntagmorgen zu erscheinen. Irgendwie hatte ich mir meine Großtante anders vorgestellt und auch ihre Ankunft weniger spektakulär erwartet.

„Ich wusste nicht, dass du schon von einer Bestie beschützt wirst. Deine Mutter hatte mir eigentlich gesagt, dass das mein Part sein sollte“, brüllte sie über den Zaun. „Hätte sie dir von Wotan erzählt, wärst du womöglich nicht gekommen“, versuchte ich einen Scherz, während ich gleichzeitig den Hund Richtung Haus zog. Widerstrebend und knurrend folgte er mir und es gelang mir tatsächlich, ihn durch die Haustür zu bugsieren, die ich mit einem raschen Ruck schloss.

Und dann stand ich da. Im Schlafanzug, mit ungeputzten Zähnen, nicht gekämmt und - ohne Haustürschlüssel. Die Erkenntnis durchzuckte mich im selben Moment, in dem ich die Tür schloss. Mist – natürlich hatte ich nicht an den Schlüssel gedacht, als ich mehr oder weniger direkt vom Bett in den Garten gerannt war.

Tante Rosie hatte inzwischen das Gartentor geöffnet und kam über den Kiesweg auf hohen Absätzen auf mich zu gestöckelt. Obwohl sie die Sechzig bestimmt schon überschritten hatte, wirkte sie mit der engen Jeans und der Lederjacke, die sie dazu trug, ziemlich jugendlich. Diese Klamotten stammten sicher nicht aus dem Schlussverkauf.

„So, mein Kind, nun lass dich erstmal drücken!”, rief sie mir zu und kam vor mir zum stehen. Mit erstaunlicher Kraft packte sie mich bei den Schultern und zog mich zu sich heran. Dann hielt sie mich eine Armeslänge von sich und sah mir ins Gesicht. „Meine Güte, du bist deiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Dieselben grünen Augen, dieselben Sommersprossen und dieselben roten Haare. Hübsch siehst du aus.“

Hübsch fand ich mich ganz sicher nicht, aber jetzt war wohl kaum der Zeitpunkt, um darüber zu diskutieren.

„Schön, dass du da bist“, stammelte ich und kramte gleichzeitig in meinem Gedächtnis nach einer Situation, in der ich dieser Frau schon einmal begegnet war. Als könne sie meine Gedanken lesen, sagte sie zu mir: „Ich glaube nicht, dass du dich noch an mich erinnern kannst. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, hast du noch Windeln getragen und deinen Obstbrei auf meine Bluse gespuckt. Das war kurz vor meiner Abreise in die USA.“

Sie ließ mich los und ich trat einen Schritt zurück. „Ich würde dich ja gerne herein bitten, aber es gibt da zwei Probleme“, sagte ich mit einem schiefen Grinsen. „Mein Hund will dich fressen und ich habe keinen Schlüssel.“

„Na, das fängt ja gut an!”, Sie lachte, während sie aus ihrer Handtasche ein Smartphone zog. Ich sah sie fragend an. „Ich ruf jetzt erstmal im Tierheim an, damit dieses Ungeheuer abgeholt wird.“

„Nein, das darfst du nicht, Wotan muss hier bleiben!“

„Beruhig dich, Kindchen, das war nur ein Scherz“, grinste sie mich an. „Das mit Wotan kriegen wir schon irgendwie auf die Reihe. Ich glaube nicht, dass er tatsächlich Menschen frisst. Wir müssen jetzt erstmal einen Schlüsseldienst finden, der uns die Tür aufsperrt.“

Ich hatte da so meine Bedenken, dass wir im ländlichen Oberbayern an einem Sonntagmittag einen Schlüsseldienst finden würden, der uns aus unserem Dilemma befreite. Tante Rosie schien da zuversichtlicher, denn in Windeseile hatte sie im Internet eine Reihe von Telefonnummern gefunden, die sie in ein kleines goldenes Notizbuch kritzelte.

Die letzte Nummer, die sie fand, wählte sie sofort, um nach zwanzigfachem Läuten mit einem Stoßseufzer aufzulegen und eine andere Nummer aus ihrem Notizbuch einzutippen. Während Tante Rosie erfolglos einen Anschluss nach dem anderen ausprobierte und entweder keine Antwort erhielt oder mit einem Anrufbeantworter verbunden wurde, der sie auf Montag vertröstete, fühlte ich mich langsam unbehaglich in meiner Nachtwäsche.

„Tante Rosie, vielleicht können wir ja ein kleines Fenster einschlagen, dann brauchen wir keinen Schlüsseldienst.“

„Warte mal Mia, ich versuche noch diese Nummer aus München, wenn wir dann keinen Erfolg haben, dann brechen wir bei dir ein.“

Tante Rosie hob erneut ihr Telefon ans Ohr und bereits nach wenigen Sekunden sprach sie erfreut in den Apparat. Offenbar hatte sie tatsächlich einen Schlüsseldienst erreicht, der sich auch am Wochenende zuständig fühlte. Leider verschwand das Lächeln schnell wieder aus ihrem Gesicht und ich hörte sie unwirsch sagen:

„Zwei Stunden, wieso brauchen Sie zwei Stunden von München bis zu uns? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Sind Sie mit dem Fahrrad unterwegs?“

Augenscheinlich hatte ihr Gesprächspartner keinen Sinn für Humor und fand einen Auftrag in der Provinz auch nicht besonders reizvoll, denn ich hörte sie noch: „Hallo? Hallo?“, ins Telefon rufen, bevor sie es mit einem unwirschen Schulterzucken zurück in ihre Tasche gleiten ließ.

„Der Mistkerl hat einfach aufgelegt. Den sollte man doch wegen unterlassener Hilfeleistung drankriegen.“

Sie blickte mich an.

„Mensch, Mia, du hast ja bloß einen Schlafanzug an!“ Ich sah sie einigermaßen überrascht an und fragte mich, ob ihr das bisher wirklich noch nicht aufgefallen war. Hatte sie gedacht, mein Aufzug wäre die traditionelle Sonntagskleidung dieser Region?

„Äh, ja“, antwortete ich. „Wotan hat mich geweckt, als er dich verbellt hat und dann bin ich gleich raus gerannt, um zu verhindern, dass du ihm zum Opfer fällst.“

„Na, dann wird es aber Zeit, dass wir ins Haus kommen. Gibt es hier irgendwo Werkzeug?“ Ich schüttelte den Kopf. Einen Geräteschuppen oder ähnliches gab es bei uns nicht, die Garage war verschlossen und wenn sich überhaupt ein Hammer oder dergleichen in unserem Hausstand befunden hätte, dann ganz bestimmt irgendwo im Keller unter dem Haus.

Tante Rosie ließ mich vor der Haustür stehen und ging zurück zu ihrem schnittigen Sportwagen. Sie öffnete den Kofferraum und begann darin zu kramen. Nach wenigen Augenblicken tauchte sie mit einem Wagenheber in der Hand wieder auf. Triumphierend schwang sie ihn über ihrem Kopf.

„Damit werden wir jetzt ein Fenster einschlagen und im Nu bist du wieder gesellschaftsfähig.“

Mit gemischten Gefühlen sah ich zu, wie sie die Kofferraumklappe wieder zuschlug und sich aufrichtete.

Mit einem Mal starrte sie angestrengt in die Ferne. „Schau mal, da hinten auf dem Bauernhof sind ein paar Leute. Sieht so aus, als ob da ein Möbelwagen vorfährt.“

„Das kann nicht sein, der Hof ist schon lange verlassen und total runtergekommen.“

„Doch, ich bin mir sicher, da steht ein Möbelwagen.“

Neugierig ging ich barfuß durch den Garten und trat neben sie auf die Straße. Tatsächlich, sie hatte Recht. Ich konnte sogar zwei LKWs erkennen, die vor dem Brunnen im Innenhof standen und mehrere Männer hatten sich im Hof verteilt.

„Los, komm, die haben bestimmt Werkzeug dabei. Wir fahren da mal schnell rüber.“

„Äh, nein, ich warte hier lieber auf dich. Ich glaube, ich bin nicht richtig angezogen“, antwortete ich mit einem Blick auf meine nackten Füße.

„Du hast Recht“, rief sie mir zu, während sie sich in ihr Auto schwang. „Ich bin gleich wieder da“, konnte ich noch durch den aufbrausenden Motorenlärm hören und dann blieb ich auch schon, in eine Staubwolke gehüllt, zurück.

Gespannt und mit tränenden Augen blickte ich dem Wagen hinterher und sah, wie Tante Rosie mit maximaler Geschwindigkeit den schmalen Schotterweg zum Eulenhof entlang brauste. Mit einer schwungvollen Kurve umrundete sie den alten Brunnen und kam mit quietschenden Reifen vor einer Gruppe von drei Männern zum Stehen. Tante Rosie redete mit wilden Gesten energisch auf sie ein und ich war eigentlich nicht verwundert, als ein älterer Herr sich aus der Gruppe löste und mit schnellen Schritten im Haus verschwand, um im nächsten Augenblick mit einer Werkzeugkiste wieder zu erscheinen. Ohne lange zu zögern stellte er die Kiste auf den Rücksitz des Wagens und nahm selber auf dem Beifahrersitz Platz. Tante Rosie trat wieder aufs Gas und wenige Augenblicke später war ich eine neue Staubwolke gehüllt.

„Hilfe naht“, rief sie mir entgegen. Ihr Begleiter stieg für sein Alter sehr behände aus dem Wagen, eilte auf die Fahrerseite und öffnete Tante Rosie galant die Wagentür. „Vielen Dank, mein Lieber. Darf ich sie kurz mit meiner Nichte Mia bekannt machen?“ Er lächelte mich an und streckte mir seine Hand entgegen.

„Sehr erfreut, Sie kennen zu lernen. Mein Name ist Dr. Malinkow und ich glaube, wir sollten mal schauen, dass sie ihren Schlafanzug loswerden. Es ist ja schon fast Nachmittag.“

Noch bevor ich antworten konnte, beugte er sich über den Rücksitz und entnahm dem Werkzeugkasten einen kleinen Haken, mit dem er zielstrebig auf die Haustür zuging. Während Tante Rosie und ich noch zögerten, ob wir ihm folgen sollten, hatte er sich schon zum Türschloss herabgebeugt, den Haken ins Schloss gesteckt und ein paar Mal hin und her bewegt. Dabei bewegte er die Lippen, als ob er leise vor sich hin fluchen würde. Wir hörten ein kurzes „Schnapp“ und die Tür war offen.

„Seien Sie vorsichtig, da drin ist der Hund“, rief ich erschrocken und setzte zu einem Spurt Richtung Haustür an. „Gehen Sie nicht ins Haus. Wotan ist unberechenbar.“

Eigentlich war Wotan sogar sehr berechenbar. Ich konnte mir gut ausmalen, was geschehen würde, wenn dieser nette ältere Herr auch nur einen Schritt über unsere Schwelle setzen würde. Atemlos erreichte ich die Haustür und griff nach dem Türknauf. Dr. Malinkow richtete sich auf. „So, bitte schön. Der Weg ist frei.“ Er sah mich aus freundlichen Augen an.

„Wie haben Sie das so schnell hinbekommen?”, fragte ich erstaunt. „Da kann ja kein Einbrecher mithalten!“ 

Er zog eine Augenbraue hoch.

„Oh, ich wollte Sie nicht beleidigen“, stammelte ich und schämte mich für meine vorlaute Bemerkung. Statt dankbar zu sein, brachte ich meinen Retter in Verlegenheit.

„Vielen Dank, mein Lieber, Sie sind die Rettung in der Not“, ertönte Tante Rosies Stimme hinter uns und befreite mich aus dieser peinlichen Situation. „Hoffentlich können wir uns bei Ihnen bei passender Gelegenheit revanchieren.“

„Sie können sich bereits jetzt revanchieren, indem Sie mich wieder zu meinen Leuten zurück fahren. Wir haben heute noch viel zu erledigen.“

„Natürlich, natürlich, kommen Sie.“ Tante Rosie winkte einladend und Dr. Malinkow nahm wieder auf dem Beifahrersitz Platz. „Mach’s gut Mia. Bis zum nächsten Mal“, rief er mir noch zu, bevor er wieder in einer Staubwolke verschwand.

Erleichtert öffnete ich die Haustür und sah mich zuerst nach Wotan um. Ich musste die Bestie irgendwie bändigen, bevor Tante Rosie zurück war. Zu meiner Überraschung lag er friedlich auf seiner Decke neben der Tür und schaute Schwanz wedelnd zu mir hoch.

„Da bist du ja, du Monster. Ich muss dich jetzt erstmal entschärfen“, sagte ich zu ihm, während ich nach dem Maulkorb griff, der neben der Tür hing. Widerstandslos ließ er ihn sich umbinden. Schließlich legte ich ihm noch Leine und Halsband an und führte ihn dann in das Arbeitszimmer meiner Mutter, schloss die Tür und drehte den Schlüssel um, der von außen im Schloss steckte.

„Kindchen!”, hörte ich auch schon ein Rufen auf dem Gartenweg.

„Ich bin im Haus, du kannst reinkommen“, antwortete ich, während ich beobachtete, wie Tante Rosie die Tür einen Spalt weit öffnete und vorsichtig hindurch lugte.

„Wotan ist eingesperrt. Die Gefahr ist gebannt“, rief ich ihr zu.

Tante Rosie setzte zögernd einen Fuß über die Schwelle.

„Weißt du was?", sagte sie zu mir, als sie schließlich im Hausflur stand.

„Jetzt hätte ich gerne eine starke Tasse Kaffee und ein kleines Gläschen Cognac.“

So begann mein neues Leben mit Tante Rosie.

„Also“, sagte sie, als wir zusammen am Küchentisch saßen. „Deine verrückten Eltern haben dich alleine gelassen, und sind an den Nordpol gezogen.“

„Südpol“, korrigierte ich sie. „Na, dann eben Südpol, das Ergebnis ist das selbe“, brummte sie und nippte an ihrem Kaffee. „Deine Mutter hat als Kind schon nichts als Flausen im Kopf gehabt, das scheint bei uns irgendwie in der Familie zu liegen.“

Sie sah mich prüfend an. „Was ist mit dir?“

Ich selber fühlte mich eigentlich sehr normal – vielleicht war ich etwas aus der Art geschlagen.

„Was ist mit dir?”, gab ich die Frage zurück. Sie sah mich fragend an.

„Wie kommt es, dass du alle Zelte abbrichst und für ein Jahr mein Kindermädchen spielen kannst?“

Und so kam es, dass wir den restlichen Nachmittag mit Tante Rosies Lebensgeschichte verbrachten. Ein aufregendes Leben, das mit ihrer Kindheit in einem kleinen norddeutschen Dorf begann, ihre Zeit im Internat, dann an der Uni, ihre Zeit als Journalistin, ihre drei Ehemänner und ihr eigener Zeitungsverlag in den USA zogen in bunten Bildern an mir vorbei.