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Dies ist der erste Sammelband des Autors und vereint Gedichte, Short-Storys und eine Novelle. Der zweite Teil ist bereits in Arbeit und er soll ebenso kurzweilig werden. Die 44 Gedichte, im Laufe des Lebens geschrieben, sind diejenigen, die er als lesenswert geadelt hat. Alle anderen hat er verworfen. Die 26 Short-Storys sind unterschiedlich lang und handeln von verschiedensten Themen - von nachdenklich, lustig bis absurd ist alles dabei. Insofern ist es egal, mit welcher Kurzgeschichte der Leser beginnt. Die am Ende befindliche Novelle ist die etwas längere Geschichte. Der Protagonist Nathan hat es (vor allem auf seinen diversen Reisen) mit sich selbst und anderen Frauen zu tun. Diese Reisen nach Spanien und Belarus beschreibt der Autor im Detail. Der Geschichte wohnt vor allem Nathans unersättlicher Drang nach Ferne und Freiheit inne. Er reflektiert Erlebnisse in der DDR und in der Nachwendezeit. Eine Fortsetzung ist geplant, denn Nathan trieb es in den Folgejahren auch in die Ukraine und nach Vietnam. Auch hier wird sein nicht versiegendes Fernweh eine Rolle spielen. Das Buch schließt mit einigen mehr oder weniger klugen selbst verfassten Sätzen und Sprüchen und einem kurzen Autorenhinweis mit einer E-Mail-Adresse für eventuelle Feedbacks der hoffentlich zahlreichen Leser.
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Seitenzahl: 212
Veröffentlichungsjahr: 2021
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ABC
Abends vor der Flurgarderobe
Würde
Ente Anne
Eiszapfenstich
LÄTTA
Lied von der bockigen Lokomotive
Frust im Forst
Elephantastisch
Morgensonne
Plankton
Mein erstes Drama
PFLAUMENKUCHEN
Vom Frieren
Weihnachten weint
Wie es kommen kann
Bockiger Walzer
Kinn vom Mond
Albatros
KONSUM
Flaschenpost
Ode an Ohropax
Emanzipation
Das letzte Buch Mose
An John Lennon
Aprilog
Wie das Glühwürmchen entstand
Der nackte Schrei
Apfel & Verwandtschaft
Das Eichhorn
Schakal eben
Die Seele
Jahreszeiten
Ein Terz
Schlaftabletten
Versprochen
Klamotten-Blues
Schnupfen
Kinderspiel
EmPFindungen
KLIWAMANDEL
Lunikarisch
Midlife-Crisis
Die Kornmuhme
Die Story vom Hei Fu
Das Attest
Mörder, Marder, Mikrosievert
Die erste »Leiche« vergisst man nicht …
Tommy, das Grizzlybärchen
Halloween
Bordsteinschwalben
Kurze Freiheit
Gespräch mit einer Mücke
Scheibenkleister
Der verzauberte Müller
www.petrus.komm
Sonnenfinsternis
Kevin Brown, der Osterhase
Tschernobyl
Woher der Joghurt stammt
Wo die Schäfchenwolken herkommen
Klomisch
Warum der Klammeraffe so und nicht anders heißt
Die Geschichte der traurigen Blume
Ach, Du dickes Ei!
Der König der Schafe
Als Maulwurf
Mudda
Die Revolutionen des Wassers
Ultrakurzwellendiät
Chinchón & Daiquiri
Sätze und Dada
Danksagungen
Gerd Boussel
Auf
Bärbels
Champignonwiese
döste
ein
fortwährend
gelangweilter
Hasenriese
im
Juli
keinesfalls
lustig
mit
nervösen
Ohren
permanent
qualvoll
regungsfrei
stöhnend
traurig
und
verstört
wegen
Xenias
Yo-Yo-
Zauberei
(Juni 1995, Berlin)
(nachdem ich etwas Dummes tat)
…
Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist der Dümmste im ganzen Land?
…
Stille
Kämpfende Blicke
Pause
Beide begannen zu vibrieren
und Fassung zu verlieren
hielten inne
und sagten nichts.
Beschlugen sich.
(Dezember 1992)
Der Stein hat eine Würde,
wie auch der Mensch sie hat.
Doch ich kannt´ keine Hürde,
hob ihn von seinem Platz.
Was ist, wenn die Materie denkt
und wider unser Wissen,
vielleicht tatsächlich alles lenkt –
sehn wir das zu verbissen?
(Juli 2001)
Meine Ente (sie heißt Anne),
ist schmutzig-gelb (wie meine Wanne).
Sie schwimmt nicht aufrecht, sondern schief,
was mich erzürnt im Herzen tief.
Ich möchte den Verkäufer teeren,
federn – und ihn so entehren,
denn wie nützt mir die Anne was,
wenn sie mir nicht bereitet Spaß?
Die Ente sitzt jetzt auf dem Rand,
verstoßen aus dem Kinderland.
Sie guckt mich an und will mich trösten,
mit Entenaugen allergrößten,
und meint, sie wär doch gar nicht schuld,
und da verlier ich die Geduld:
Ich greife durch Kamilleschaum,
die Anne nun, die merkt das kaum:
Ich quetsche und zerknautsche sie,
nur jämmerlich die Antwort: Hieh!
Du blöde Ente, kannst nicht schwimmen?
Na warte, ich werd dich schon trimmen!
Ich bieg die Anne schön nach links,
genau zehn, zwölf Sekunden gings.
Sie drehte sich bemüht im Kreise,
fiel aber letztlich, ach du Scheiße,
wieder auf die linke Seite,
als ob ein Esel auf ihr reite.
Die Ente braucht mehr Gleichgewicht,
so ging mir auf ein weitres Licht.
Drum holt ich sechs Rouladennadeln:
So, wie die auf ´nem Hochseil radeln,
wohl dürfte es auch hiermit gehn –
die blöde Ente wird schon sehn!
Hinein die ersten dieser Nadeln
beidseits in die gelben Wadeln.
Sie quietscht, was muss die Ente leiden –
ich muss mich noch für vier entscheiden …
Zwei in die Ohrn, zwei in den Po,
Zackzack, sag ich zur Ente, so!
Jetzt wirst du brave Kreise ziehn
zu meiner Füße Harmonien!
Die Anne sah bescheuert aus,
wie eine aus dem Irrenhaus.
Sie ruderte und platschte
im Zickzack, und sie quatschte!
Sie trinkt das Wasser, nein sie säuft,
dem Schnabel weißer Schaum entläuft!
Sie plustert sich, wird immer feister,
jetzt hab gerufen ich die Geister …
Ich sehe nur noch schmutzig-gelbst:
Die Ente ist nicht ihrer selbst!
Die Dimension wird unermesslich,
jetzt fühle ich mich klein und hässlich –
Jetzt platzt das Viech, ich heb die Hände.
Fetzen fliegen an die Wände.
Rouladennadeln quer durchs Bad!
Ach, wie schad, ach, wie schad …
–
Ich frage, ob wir heute mal
Rouladen machen, ohne Qual?
Die Frau sagt: Ja, genau das ists,
nicht immer Ente – das ist Mist.
(Herbst 2000)
Feurigen Sinnes
Vergessen in wandelndem Traume
Eis mit Gin schlürfend auf schneekaltem Gipfel
Hocke drauf und rufe leise
Weil mich keiner hört
Außer dir
Denkstduanmich Denkichandich
Odermehranmich Denkstduandich
Ich weiß es doch nicht
In meinem Herzen
ein Eiszapfenstich und Schmerzen
Zischender Rauch, den ich atme
Zigarette fällt in den Schnee
Dochwillichdirsagen inwenigenTagen
Von Gesicht zu Gesicht:
13. März 1983, Angermünde (für Sabine)
Früher aß ich, ganz wie Mutter,
die so genannte gute Butter.
Sie wurde hart, wenn sie war kalt,
und blieb sie warm, wurd sie schnell alt.
Manchmal gabs auch Margarine.
Dann triebs mich immer zur Latrine,
weil wohl das Brot im Darm verreckte
und mir das Zeug, weiß Gott, nicht schmeckte.
Später kam dann, mit der Wende,
und da rieb ich mir die Hände,
diese LÄTTA auf den Markt –
wie man immer so schön sagt.
So tauschte ich das Westgeld ein,
und dachte erst mal: Ist ja fein …
Schnell hatte ich verzückt erkundet,
dass mir die LÄTTA doch sehr mundet!
Kommt sie dann aus dem kühlen Schranke,
ergriffen von der wilden Pranke,
die an dem Hungerkörper zappelt,
dass die Türe nur so rappelt:
Ich darf sie streicheln sanft und pflegen,
wild drin stochern und belegen
mit Honig, oder Wurst mit Pelle –
sie beruhigt mich auf der Stelle.
Ich will die LÄTTA nicht mehr missen,
ihr höchstens auf den Deckel küssen.
Mit aller Zärtlichkeit des Daumens
reiß ich Dich auf, Du Freund des Gaumens!
(25. April 2003)
Es war einmal ´ne Lok,
die hatte keinen Bock.
Da blieb sie einfach stehn,
war grimmig anzusehn.
Sie guckte auf die Schienen,
da fing sie an zu grienen –
die Schienen sind ja krumm!
Da fahr´n wir doch mal –
Rum, rum, rum, rum – Bimmeldibammeldibum …
Da fuhr die Lok schnell weiter,
denn sie ist jetzt gescheiter.
Ein Bock hat keinen Sinn,
und darum macht sie
Bim, bim, bim, bim – Rummeldirammeldibum …
(1987 für Mariane)
Erste Fröste in Bodennähe
Die Kastanien lange schon
Abgestürzt
Verbittert offenbaren sie ihre Herzen
Lautlos schreiend, die stachligen Dinger
Halbnackt im Laub
Getreten von Kindern
Jeder Herbst ist rau
Erbarmungslos
(Herbst 1985)
Der Elefant kam angerannt,
das hab ich so schnell nicht erkannt –
mein Hals war plötzlich angespannt,
und lustig ich das nicht mehr fand.
Wenn ich mich richtig wähne,
hat er auch große Zähne.
Ich konnt nicht gehn,
er blieb nicht stehn.
Ich nix verstehn –
auf Wiedersehn!
(2001)
Tau schläft schlaff auf grünen Matten
Der Rest vom Reif regiert im Schatten
der brüchigen Mauern,
will hartnäckig kauern
und die Zukunft bedauern
Sonne!
Pulsier einen Frühling heraus,
halte einfach ein junges Gericht –
schalt das Dunkel bitte vom Gestern aus
und mach mir ein warmes Gesicht
Mein Herz soll krabbeln, kreiseln, kringeln,
hinaus nun in rötliche Wolken tingeln.
Bitte sei nicht mehr fremd,
ich zeig Dir ungehemmt
und entgegengestemmt
meine Brust ohne Hemd
(März 1986)
Ein Plankton schwappt im Wasser,
die Nase in der Gischt.
Es schrie, zunehmend nasser:
Das wird ja immer krasser,
dies Leben ist mir nischt!
Ich werde nur getrieben,
schwimm bloß noch in der Welle,
vom Ziel ist nichts geblieben,
ich fühle mich zerrieben –
am besten ich zerschelle!
Jetzt rück ich der Forelle,
denkt es suizidal,
mal richtig auf die Pelle –
das klappt auf alle Fälle.
Ich hab ja keine Wahl.
Die Forelle, grad im Traum,
störte dieser Selbstmord nicht.
Sie spürt in ihrem Rachenraum
dieses kleine Tierchen kaum.
Es hat ja kein Gewicht.
(März 2007)
Drama:
Eine Lamamama
wa´ ma´
im eigenen Speichel
ertrunken,
und das hat lange noch
gestunken!
(1982, Schmähgedicht wegen einer Spuckaktion im Tierpark)
PFLAUMENKUCHEN
PFLAUMENKUCHE
PFLAUMENKUCH
PFLAUMENKUC
PFLAUMENKU
PFLAUMENK
PFLAUMEN
PFLAUME
PFLAUM
PFLAU
PFLA
PFL
PF.
PF..
PF …
(28.01.2005)
Fünfundzwanzig Uhr fünfundzwanzig
und fünfundzwanzig Sekunden
oder so ungefähr
Das war mir aber so scheißegal
aber ungefähr war auch total
Mir ist kalt
sagte ich leise
Sie stand auf
und
schloss das Fenster.
(Februar 1990)
Die Kerze brennt ab
Bewegung nach unten
Jimi Hendrix spielt
seinen letzten Song
Am Morgen steh ich auf
und an Plakaten
Mit ihr ist es aus –
geliebt nur auf Raten
Aus der Klampfe röhrt nun Jimis Song
Aus der Schule nebenan ein Pausengong
Und im Schaufenster brennen einsame Lichter
beschmutzt durch die Nasen verkohlter Gesichter
Es regnet und nichts in mir, was scheint
Weihnachten weint, Weihnachten weint
(1985, Buckower Ring, Berlin)
Es war einmal ein Enterich,
der durfte seiner Ente nicht
untern Flügel fassen,
doch konnte er´s nicht lassen.
Nun liegt er auf dem Imbissteller,
sein Teint war früher wirklich heller …
Es war einmal ein Mäuserich,
der durfte seine Mausi nicht
im Mauseloch besuchen,
da tat er mächtig fluchen.
Dann ließ sie ihn beschatten
beim Sex mit sieben Ratten …
Es war einmal ein Rabenvater,
der hatte eine Frau (die Marta),
doch die wollt nie verreisen,
drum flog er mit den Meisen.
Die Marta weinte leise:
Der hat doch wohl ´ne Meise …
Es war einmal ein Bonobo,
der hatte Sex mal so, mal so,
doch stets genau vorm Essen,
das fand er nicht vermessen.
Die Partnerwahl, nie überlegt,
hat ihn am Ende weggefegt …
Es war einmal ein Eber,
der hatte es mit der Leber.
Da tat die Sau sich scheiden,
nun muss er doppelt leiden.
Er säuft halt wie ein Wildschwein,
was muss das für ein Bild sein …
(Juni 1986)
Die Bockwurst singt
Ihr Schmerz erklingt
Wenn sie so mit der Hitze ringt
Und letztlich dann alsbald zerspringt
In der Mikrowelle
Explodiert die Pelle
Und dann ist sie nicht mehr glatt
Schuld sind circa tausend Watt
Die Bockwurst leidet
Wenn sie scheidet
Sie will es nicht gern ertragen
Wenn es ihr geht an den Kragen
In der Mikrowelle …
Ihr Lied klingt laut und ziemlich grässlich
Die Naht erstreckt sich schief und hässlich
Es bleibt nicht einmal eine Narbe
Lediglich – die braune Farbe
In der Mikrowelle …
So geschunden und gequollen
Viele sie nicht essen wollen
Doch in Zerstörung liegt auch Dichtung
Und ich besorge die Vernichtung!
In der Mikrowelle …
(Mai 2004)
Die Sichel tunkt mit fahlen Strahlen,
fast erblasst und unter Qualen,
ihr Kinn hinein ins warme Moor.
Es linst ein Schädel, reckt sich vor.
Nachtaktive Tiere fauchen.
Kinn an Kinn und Sinn an Sinn
Nur kurz schaun sie, sehr leise wimmernd,
Augenhöhlen, sehnend flimmernd,
Ich muss zurück, sagt man sich leis,
und niemand sieht die Kontrahenten,
in das schwarze Dunkel tauchen.
Nachtaktive Tiere fauchen.
(26. Januar 2004)
Meine Sinne
werden getragen von meinem
gezähmten Albatros.
Dessen Schwingen, breit gefächert
zu Geborgenheit und Sorge,
gleiten über mein Land,
in dem meine Realität
in meiner goldenen Wolke
zuckersüß erstickt.
Bleib hier und stör den Segler nicht.
Träum mit mir diesen schönen Tag.
Lass Dich fallen:
Ich halt uns fest
und liebe Dich.
(1980)
Der Schneemann sitzt am Ofen,
der Weihnachtsmann trinkt Grog.
Im KONSUM
gibt es eingeweckte Birnen.
Alles Mögliche schießt aus dem Boden,
der Igel rekelt sich.
Im KONSUM
gibt es immer noch eingeweckte Birnen.
Die Sonne scheint auf den Ostseegrund,
die Quallen trocknen sich weg.
Im KONSUM
gibt es richtige Birnen!
Der Bademeister geht früh nach Hause,
vor Nässe trieft die Vogelscheuche.
Im KONSUM
gibt es angefaulte Birnen.
(Februar 1983)
Dies Gedicht ist wirklich nicht
gegen Wasser gänzlich dicht,
sprach der Dichter voller Scham,
bevor die große Welle kam.
Von unten sah er seine Zeilen
auf der Oberfläche schwappen,
sich in Reime aufzuteilen,
Hände tippen, Hände tappen.
Noch dacht er, jetzt ist es zu spät,
er wollte nicht des Meeres Tat,
umsonst er sich ans Ufer fleht,
das Meer bleibt tief, bleibt kalt, bleibt hart.
(18.12.2003)
In uralter Zeit – um dies nicht zu vergessen –
hatten Männer nur Stress als Hauptbeschützer
von Kindern und Frau und natürlich dem Bau.
Dass sie zwischendurch auch mal schlafen und essen,
interessierte schon damals keine Sau.
Und wenn sie dann wirklich mal schlafen durften,
nach getaner Jagd, und dem Feinde entkommen,
und selig zum Eingang der Höhle schlurften,
dann warn sie die Lieben, die Guten und Frommen.
Der Sigmund Freud war noch nicht auf der Welt,
und so hatten Fraun noch den tieferen Schlaf.
Zu dieser Zeit gab es auch noch kein Geld,
nur ein Gen, das den Kehlkopf der Männer betraf.
Sie röhrten und schnarchten am laufenden Band,
damit die wilden Tiere riskiern keine Lippe,
und wer genau dies am besten verstand,
dem am längsten gewährt ward die Freud an der Sippe.
Mit der Zunahme alleinerziehender Mütter
und der Revolution und Emanzipation,
da hörte es auf mit dem Sammeln und Füttern –
auch die Muttis wollten das Schnarch-Gen schon.
Sie nahmen dem Mann nicht die Identität,
das würd man ja gar nicht im Ernst erwähnen,
die Wohnungstür schließt, Einkaufen kann man auch spät,
also wozu noch Schnarchen, es blieb schlicht – das Gähnen.
Und wenn nun doch einmal dann und wann
die Natur sich erinnert und das Schnarchen ertönt,
greift die Hand an die Schachtel, die gelbe, und dann
wird es leise und warm, also angenehm schön ….
(2002, und ein heute noch dankbarer Endverbraucher!
)
Oh, meine Zebraspinne:
Friss mich jetzt!
ICH
möchte der Faden sein,
an dem Du Dich immer wieder
hochziehst
Aber bitte:
Friss mich nur,
und danach,
schwarze Witwe,
stirb gefälligst auch noch Du!
(Dezember 1995)
(Exitium)
Am Ende tötet jemand Himmel und Erde,
die ganze Welt.
Auf der Erde ist es wieder wüst und unheimlich,
ist es finster und
Eismassen bedecken alles.
Und über dem Eis schwebt der Ungeist des Tötenden,
denn er befahl:
Licht soll aufstrahlen!
Und es ward hell!
Und er hatte Freude an seinem Licht,
denn es war sein Traum …
Doch er kann nicht mehr trennen
das Licht von der Dunkelheit.
Es bleibt nur noch Abend
am letzten Tag.
(Nikolaus 1987)
Nach den Jesetzen der Biologie
biste längst nich mehr hie,
und die Würmer ham längst
auf dir rumjesessen
und von deinem verrockten Fleisch
(so janz ohne Ehrfurcht) jefressen …
1980 erschossen zu wern,
heißt lange noch nich,
dat man Dich je zu Tode kricht!
(September 1984, berlinerisch)
Unberechenbar
bäumt sich die Eiche
in ihrer zyklischen Krise.
Kann nicht ausbrechen
als Gefangener seiner Rinde,
nur wahllos ausoderumsichschlagen.
Kein festes Ziel und noch kein Knockout,
kämpft er mit dem April
in seiner windigsten Phase,
und die Rinde wächst mit.
Im Dezember wird sie dir Fragen stellen.
Die Eiche, unter die du
dich nicht mehr setzt.
(1999)
Die Lampe leuchtet lichterloh
drauf setzte sich ein kleiner Floh
und blieb ganz lange sitzen
drum fing er an zu schwitzen
Nach einer Stunde fiel er runter
war erschrocken, aber munter
und sein Freund, der Frühsturm,
trug ihn davon als Glühwurm
(Königstein/Sachsen,1981)
Ich kauere nackt in meinem Bette
als ob ich eine Meise hätte.
Es rollt zu mir ein Kugelblitz,
als Zeitung, wo die Tote sitzt!
Und CNN vermeldet Bilder,
der Schrei, er schreit noch etwas wilder!
Im Angesicht der Katastrophen
ist meine Ruh vorerst jeloofen.
Beschmieren tun die Zimmerwände
zwei abgehackte rote Hände,
verkrampfen sich im Mondeslicht –
Meinereiner wohnt hier nicht!
Ich hasse meine Menschenohren,
warum wurd ich hierher geboren.
Nach einer Pause schiele ich.
In einer Ecke glotzt auf mich –
der Schrei!
Ich zieh mich hurtig an, denn mir ist kalt,
wie dem alten Mann,
der erfroren dort in Moskau liegt,
nicht CNN hat ihn besiegt.
Er schmachtet, bis ich heb die Hände
und öffne meine Ohrenwände,
er wimmert leise und dann lauter,
auf meine Ohren schaut er, haut er!
Er formt die Hände mal zum Beten,
mal betörend, mal betreten.
Ich lass ihn rein, er tut mir leid,
ich nehm ihn auf, ich weiß Bescheid!
Ins warme Trommelfell gewickelt,
lass ich ihn ruhn, bis er mich zwickelt.
Bis morgen, sag ich ihm ganz leis,
dann aber bitte lass den Scheiß,
du kriegst Asyl die eine Nacht
und scherst dich fort, wenn ich erwacht!
Der Schrei, der war am Morgen weg.
Es blieb für mich nicht nur der Schreck.
(19. März 2001)
Er hat Adam, Aphrodite und,
ist das nicht irre,
auch noch das liebe Schneewittchen kirre
gemacht.
Er hat einer Pasta für die Zähne,
so ich mich da noch richtig wähne,
mit bemerkenswerter Reklame geholfen,
um Weißheit zu zeigen beim Grinsen und Golfen.
Er hat eine Tante, die Sine,
die hat, so die Tester,
noch mehr Vitamine.
Der Onkel ist sauer und heißt Herr Zitrone,
er ist vielseitig nutzbar,
mit Schale und ohne.
Der Neffe, der ist eine Birne, noch grün,
den sollte man immer in Ruhe lassen,
denn er muss immer etwas ziehn.
Die Nichte ist sehr entfernt verwandt,
heißt Kiwi und hat viele Geschmäcker,
ich habe sie trotzdem anerkannt.
Daher nun der Gruß:
Ob pur oder Mus,
ob Strudel, ob Brei,
es ist einerlei!
Esst die ganze Familie –
sonst fressen sie uns!
Der Natur halt zuliebe,
Mädels und Jungs.
(April 1996)
Das Eichhorn hockt im Busch der Kiefer,
das Kauen stockt, es huscht schnell tiefer –
Doch fällt oh Jammer seine Nuss,
so´n Mist, dass dies geschehen musst!
Es hatte einen Schreck bekommen,
drum schaut es um sich, halb benommen,
als käm der Habicht grad gerauscht,
die Ohren spitzte es und lauscht …
Letztendlich liegt die Nuss im Grase,
im Zickzack hüpft es, so nach Nase –
Dem Hörnchen ist hier nichts entgangen,
es hat die Mahlzeit eingefangen.
Es meinte, es wird Zeit zu schleichen,
zu wippen zu den Heimateichen.
Und dort hat es dann ohne Possen
in Frieden seine Nuss genossen.
(März 2002)
Ein Schakal
kam vom Ural
vor Hunger schmal
das Fell sehr kahl
die Augen fahl
und saß total
es klingt banal
traurig vor
ARAL
Lief dann zurück ins tiefe Tal
wo er drei fette Hühner stahl
Schakale können nicht tanken
und sich auch nicht wirklich
und ehrlich bedanken
(2010)
Die Seele kann fliegen
und legt Eier
DAHIN
DORTHIN
WOANDERSHIN
Die Seele ist wirklich kein Säugetier
Sie säugt nicht und saugt nicht
aber sie hinterlässt
Hinterlassenschaften
Ihre Nester sind Gehirne
Eier werden ausgebrütet
oder nicht – oder geklaut
aber übrig bleibt ein ÜBER,
das Ziel in sich selbst – die Seele
(01.10.1999)
Piepende Gerüche
Duftes, duftendes Lächeln
Warmfeuchte Erde laicht
Depression entweicht
Summen im Schatten
Wimmelnde Wellen
plätschern an braunen Brüsten
suchend
Gold im Gebüsch
Die Sonne zieht und zieht
Bleibt im Rahmen der Optik
Will nicht mehr so richtig mit mir reden
Aschgrauer Himmel
Stummes Schweigen
Entblättert und öde
Kolkraben krächzen und Dreck schneit
(1983)
Ein Mond erscheint nicht nur, sondern?
Ein Mond erstrahlt, soll uns das wundern?
Die Sonne strahlt nicht nur, mitnichten:
Sie scheint das Wunder zu verdichten!
Es surren die Gedanken
um meine Großhirnrinde
Tee, Café und Linde, Schnellzug,
Du und Schranken …
Amor hat geschossen und beschlossen,
zu treffen just in meine Brust.
Der Terz der Frühlingsmelodie als Schmerz
beschert mir pure Lust.
(18. Oktober 1983, Kyritz)
Vierzig Watt Glühlampenleistung
widerstehen nächtlicher Lichtlosigkeit.
Lese den grausigen Thriller,
der mir schenkt keinen Gefallen,
aber die Möglichkeit,
möglicherweise Unmögliches auszuklammern,
oder mögliches einzufangen.
Die Lider machen sachte schlapp,
der oder die Täter flüchten,
irgendwohin,
auf einem Surfbrett,
das windend entschwindet.
(1984)
Vom Frühlingsgrase zupfe man
ein zartes Hälmchen sattes Grün,
als würde es blühn
an der noch schlappen Erde dran
Wir halten es im lauen Wind,
warum es nicht ergraut?
Es ist noch jung, so wie ein Kind,
nicht wie ein morscher Baum
Wir haben Angst vor dem Orkan
mit Kernkraft, die sehr unverhohlt,
das arme Wesen schnell verkohlt,
die Wüste wird’s verscharrn
Ich halt es fest in jedem Sturm,
er zappelt wie ein kleiner Wurm.
Ja, es ist blind, doch hört es mich
und fleht mir zu –
Versprichs …
(Mai 1983)
Die Steine sind rund
Die Füße so wund
Kaputt wie ein Hund
Dat is nich jesund
Von Glowe nach Stubbenkammer
0h, welch ein Jammer –
Klamotten-Blues …
Die Steine sind eckig
Die Füße sind dreckig
Und die Haare so speckig
Ach, is dat schrecklich
Kaputt wie ein Hund
Die Füße so wund
Und die Steine sind eckig
Ach, war dat schrecklich
(Bernd, Reiner, Geddy, 1983, Rügen, auf einer Wanderung)
Die Nase läuft und läuft,
der Bart darunter fast ersäuft,
die Nase niest
und gießt und schießt,
es geht ihr schlecht,
echt würglich schlecht:
Wie werden wir ihr nun gerecht?
Amputation?
Amputation!
Ginge eigentlich schon.
Doch halte ich das aus?
Ich halt das aus!
Das Böse muss ja schließlich raus,
bis ich womöglich irgendwann,
irgendwann,
wieder richtig atmen kann.
(18.11.2010, Berlin)
Ich sehe was, was Du nicht siehst: Blinde Augen
Ich höre was, was Du nicht hörst: Tote Worte
Ich spüre es, dass Du nichts spürst
Ich fühle was, was Du nicht fühlst
Ich ahne was, was Du nicht ahnst
Ich hoffe was, was Du nicht hoffst
Ich nehme was, was Du nicht gibst
Ich schaffe was, was Du nicht schaffst.
Bedingungslose Kapitulation
ich morde das, was du noch lebst:
Diagnose: Völliger Lidschluss.
(30.07.1988)
Pfrüh pfeife ich pfröhlich
Pflaumenpfannkuchen, Pfefferminztee
pfrische Pfirsiche
Pfefferminzzahncreme
Pfeffere übers Pflaster, Pfrühschicht
Pflichten in der Pfirma
weder Pfisch noch Pfleisch
Pfeierabend pfür Pfadpfinderlohn
Die Pfenster müssten pfielleicht
pfleißig gepfutzt werden
Pfabelhaft pfände ich das
Pfünf Pfinger pfinden die Pfernbedienung
Pfernseher pfunktioniert
Pfußball
Pfundskerl
Pflügelpflanke wie ein Pfeil – Pfaul
Pferwarnung
Pfennigpfuchser
Na pfantastisch, Pfanta ist pfahl
(20. Juni 1998)
STINGUINE PERBEN
MEISASSEN SCHERVINDEN
GEFEKTE DEDANKEN
REIBHAUSTREFFEKT
GNAPPE KASRESERVEN
DEI GARZE IGNONANZ
MOHLENKONOXYD
DOHLENKIOXYD
WUMELTWEBUTSSSEIN
ALLED SURCHEINANDER
WONNIGE SEIHNACHTEN!
(November 2010)
Der Mond ist ganz,
ist halb,
ist weg –
ich kriege immer einen Schreck.
Punkt, Punkt, Komma, Strich,
fertig ist kein Mondgesicht.
Es lügt mich irgendetwas an,
was ich auch nicht verhindern kann.
Denn ich bin klein, mein Herz ist selten,
hat keine Kraft, es zu vergelten.
(2000)
Ach, das ist kein schönes Wort
Haut mich aber über Bord
Muss ich noch mal brünftig werden
Mich als Blitzableiter erden
Muss ich noch mal aufbegehren
Gegen Widerstände wehren
Gänzlich Neues ausprobieren
Wagemut gar inhalieren
Hab ich etwas zu verlieren
War ich nett zu andren Tieren
War ich nett zu allen Wesen
Muss ich schreiben oder lesen
Hab ich etwas zu gewinnen
Warum mag ich keine Spinnen
Soll ich noch mal Amok laufen
Oder lieber Wodka saufen
Soll ich all mein Geld verprassen
Oder die Regierung hassen
Oder lass ich alles so
Wie es sein soll auf dem Klo
Fragezeichen gibt es keine
Die entstehen von alleine
(2014)
Ich stehe vor dem Weizenmeer
und denke, es wird wieder schwer.
Wo wird die böse Muhme lauern?
Und zu dem Zweck, mich hinzukauern,
die Badehose anzuziehn,
lauf ich hinein, mit bangen Knien.
Mein Vater warnte mich wie immer,
erhob entschlossen seinen Finger:
Die Muhme sitzt und wartet drinnen,
versteckt sich, und an manchen Tagen
sieht man sie eine Sense tragen.
Ich solle nicht zu weit mich wagen.
Geschafft, es gab nur leises Rauschen.
Es klappte mit dem schnellen Tauschen
der Hose und ich war erleichtert,
dass sich niemand dort geschleicht hat.
Der Sommerwind, der war es nur,
dem dieses Rascheln da entfuhr.
Recht schnell verdrängte ich die Tante,
weil ich ins kühle Wasser rannte.
Um dort mit andern Jungs zu toben,
im Wasser, unten oder oben.
Erst als ich nass im Kornfeld stand,
die trockne Hose in der Hand …
Wer schützt mich vor der bösen Muhme?
Es ist die kleine rote Blume,
Klatschmohn, klatsch ich in die Hände,
du bist mein Freund, bewachst das Ende
dieser gelben Weizenwelt,
in der die Muhme Ausschau hält.
(2008)
Es stimmt überhaupt gar nicht, dass der Adam (also der von der Eva) einen Apfel gegessen haben soll. Nach meinen aufreibenden und pseudowissenschaftlichen Untersuchungen kann es sich bei dem hochbrisanten Nahrungsmittel lediglich nur und ausschließlich um ein westasiatisches Liliengewächs gehandelt haben, namentlich die Zwiebel. Womit zwangsläufig feststehen dürfte, dass der Herr sein Atelier irgendwo in Westasien gehabt haben musste, als er unsere Knochen zusammenbastelte. Jedenfalls hat er Adam und seine Gespielin nicht um einen Apfelbaum herumlaufen lassen, um gleichzeitig heimlich ihre Sexorgien zu studieren. Nein, diese Prototypen trieben es auf einem profanen und wilden Gemüsebeet. Natürlich wild, denn es gab ja vorher keine Menschen, die es hätten kultiviert anlegen können. Und da Adam sich nach den Rippenoperationen und vor dem, na ja ihr wisst schon, Blinde-Kuh-Spiel natürlich erst mal etwas stärken musste, griff er sich eine gemeine Gemüsezwiebel, pellte sie mühsam ab, weil ja nur der Meister über Werkzeuge verfügte, und biss kraftvoll hinein. Die Zähne waren noch neu.
