Krzweiliges Nummer 1 - Gerd Boussel - E-Book

Krzweiliges Nummer 1 E-Book

Gerd Boussel

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Beschreibung

Dies ist der erste Sammelband des Autors und vereint Gedichte, Short-Storys und eine Novelle. Der zweite Teil ist bereits in Arbeit und er soll ebenso kurzweilig werden. Die 44 Gedichte, im Laufe des Lebens geschrieben, sind diejenigen, die er als lesenswert geadelt hat. Alle anderen hat er verworfen. Die 26 Short-Storys sind unterschiedlich lang und handeln von verschiedensten Themen - von nachdenklich, lustig bis absurd ist alles dabei. Insofern ist es egal, mit welcher Kurzgeschichte der Leser beginnt. Die am Ende befindliche Novelle ist die etwas längere Geschichte. Der Protagonist Nathan hat es (vor allem auf seinen diversen Reisen) mit sich selbst und anderen Frauen zu tun. Diese Reisen nach Spanien und Belarus beschreibt der Autor im Detail. Der Geschichte wohnt vor allem Nathans unersättlicher Drang nach Ferne und Freiheit inne. Er reflektiert Erlebnisse in der DDR und in der Nachwendezeit. Eine Fortsetzung ist geplant, denn Nathan trieb es in den Folgejahren auch in die Ukraine und nach Vietnam. Auch hier wird sein nicht versiegendes Fernweh eine Rolle spielen. Das Buch schließt mit einigen mehr oder weniger klugen selbst verfassten Sätzen und Sprüchen und einem kurzen Autorenhinweis mit einer E-Mail-Adresse für eventuelle Feedbacks der hoffentlich zahlreichen Leser.

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Seitenzahl: 212

Veröffentlichungsjahr: 2021

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INHALT

ABC

Abends vor der Flurgarderobe

Würde

Ente Anne

Eiszapfenstich

LÄTTA

Lied von der bockigen Lokomotive

Frust im Forst

Elephantastisch

Morgensonne

Plankton

Mein erstes Drama

PFLAUMENKUCHEN

Vom Frieren

Weihnachten weint

Wie es kommen kann

Bockiger Walzer

Kinn vom Mond

Albatros

KONSUM

Flaschenpost

Ode an Ohropax

Emanzipation

Das letzte Buch Mose

An John Lennon

Aprilog

Wie das Glühwürmchen entstand

Der nackte Schrei

Apfel & Verwandtschaft

Das Eichhorn

Schakal eben

Die Seele

Jahreszeiten

Ein Terz

Schlaftabletten

Versprochen

Klamotten-Blues

Schnupfen

Kinderspiel

EmPFindungen

KLIWAMANDEL

Lunikarisch

Midlife-Crisis

Die Kornmuhme

Die Story vom Hei Fu

Das Attest

Mörder, Marder, Mikrosievert

Die erste »Leiche« vergisst man nicht …

Tommy, das Grizzlybärchen

Halloween

Bordsteinschwalben

Kurze Freiheit

Gespräch mit einer Mücke

Scheibenkleister

Der verzauberte Müller

www.petrus.komm

Sonnenfinsternis

Kevin Brown, der Osterhase

Tschernobyl

Woher der Joghurt stammt

Wo die Schäfchenwolken herkommen

Klomisch

Warum der Klammeraffe so und nicht anders heißt

Die Geschichte der traurigen Blume

Ach, Du dickes Ei!

Der König der Schafe

Als Maulwurf

Mudda

Die Revolutionen des Wassers

Ultrakurzwellendiät

Chinchón & Daiquiri

Sätze und Dada

Danksagungen

Gerd Boussel

ABC

Auf

Bärbels

Champignonwiese

döste

ein

fortwährend

gelangweilter

Hasenriese

im

Juli

keinesfalls

lustig

mit

nervösen

Ohren

permanent

qualvoll

regungsfrei

stöhnend

traurig

und

verstört

wegen

Xenias

Yo-Yo-

Zauberei

(Juni 1995, Berlin)

ABENDS VOR DER FLURGARDEROBE

(nachdem ich etwas Dummes tat)

Spieglein, Spieglein an der Wand,

wer ist der Dümmste im ganzen Land?

Stille

Kämpfende Blicke

Pause

Beide begannen zu vibrieren

und Fassung zu verlieren

hielten inne

und sagten nichts.

Beschlugen sich.

(Dezember 1992)

WÜRDE

Der Stein hat eine Würde,

wie auch der Mensch sie hat.

Doch ich kannt´ keine Hürde,

hob ihn von seinem Platz.

Was ist, wenn die Materie denkt

und wider unser Wissen,

vielleicht tatsächlich alles lenkt –

sehn wir das zu verbissen?

(Juli 2001)

ENTE ANNE

Meine Ente (sie heißt Anne),

ist schmutzig-gelb (wie meine Wanne).

Sie schwimmt nicht aufrecht, sondern schief,

was mich erzürnt im Herzen tief.

Ich möchte den Verkäufer teeren,

federn – und ihn so entehren,

denn wie nützt mir die Anne was,

wenn sie mir nicht bereitet Spaß?

Die Ente sitzt jetzt auf dem Rand,

verstoßen aus dem Kinderland.

Sie guckt mich an und will mich trösten,

mit Entenaugen allergrößten,

und meint, sie wär doch gar nicht schuld,

und da verlier ich die Geduld:

Ich greife durch Kamilleschaum,

die Anne nun, die merkt das kaum:

Ich quetsche und zerknautsche sie,

nur jämmerlich die Antwort: Hieh!

Du blöde Ente, kannst nicht schwimmen?

Na warte, ich werd dich schon trimmen!

Ich bieg die Anne schön nach links,

genau zehn, zwölf Sekunden gings.

Sie drehte sich bemüht im Kreise,

fiel aber letztlich, ach du Scheiße,

wieder auf die linke Seite,

als ob ein Esel auf ihr reite.

Die Ente braucht mehr Gleichgewicht,

so ging mir auf ein weitres Licht.

Drum holt ich sechs Rouladennadeln:

So, wie die auf ´nem Hochseil radeln,

wohl dürfte es auch hiermit gehn –

die blöde Ente wird schon sehn!

Hinein die ersten dieser Nadeln

beidseits in die gelben Wadeln.

Sie quietscht, was muss die Ente leiden –

ich muss mich noch für vier entscheiden …

Zwei in die Ohrn, zwei in den Po,

Zackzack, sag ich zur Ente, so!

Jetzt wirst du brave Kreise ziehn

zu meiner Füße Harmonien!

Die Anne sah bescheuert aus,

wie eine aus dem Irrenhaus.

Sie ruderte und platschte

im Zickzack, und sie quatschte!

Sie trinkt das Wasser, nein sie säuft,

dem Schnabel weißer Schaum entläuft!

Sie plustert sich, wird immer feister,

jetzt hab gerufen ich die Geister …

Ich sehe nur noch schmutzig-gelbst:

Die Ente ist nicht ihrer selbst!

Die Dimension wird unermesslich,

jetzt fühle ich mich klein und hässlich –

Jetzt platzt das Viech, ich heb die Hände.

Fetzen fliegen an die Wände.

Rouladennadeln quer durchs Bad!

Ach, wie schad, ach, wie schad …

Ich frage, ob wir heute mal

Rouladen machen, ohne Qual?

Die Frau sagt: Ja, genau das ists,

nicht immer Ente – das ist Mist.

(Herbst 2000)

EISZAPFENSTICH

Feurigen Sinnes

Vergessen in wandelndem Traume

Eis mit Gin schlürfend auf schneekaltem Gipfel

Hocke drauf und rufe leise

Weil mich keiner hört

Außer dir

Denkstduanmich Denkichandich

Odermehranmich Denkstduandich

Ich weiß es doch nicht

In meinem Herzen

ein Eiszapfenstich und Schmerzen

Zischender Rauch, den ich atme

Zigarette fällt in den Schnee

Dochwillichdirsagen inwenigenTagen

Von Gesicht zu Gesicht:

13. März 1983, Angermünde (für Sabine)

LÄTTA

Früher aß ich, ganz wie Mutter,

die so genannte gute Butter.

Sie wurde hart, wenn sie war kalt,

und blieb sie warm, wurd sie schnell alt.

Manchmal gabs auch Margarine.

Dann triebs mich immer zur Latrine,

weil wohl das Brot im Darm verreckte

und mir das Zeug, weiß Gott, nicht schmeckte.

Später kam dann, mit der Wende,

und da rieb ich mir die Hände,

diese LÄTTA auf den Markt –

wie man immer so schön sagt.

So tauschte ich das Westgeld ein,

und dachte erst mal: Ist ja fein …

Schnell hatte ich verzückt erkundet,

dass mir die LÄTTA doch sehr mundet!

Kommt sie dann aus dem kühlen Schranke,

ergriffen von der wilden Pranke,

die an dem Hungerkörper zappelt,

dass die Türe nur so rappelt:

Ich darf sie streicheln sanft und pflegen,

wild drin stochern und belegen

mit Honig, oder Wurst mit Pelle –

sie beruhigt mich auf der Stelle.

Ich will die LÄTTA nicht mehr missen,

ihr höchstens auf den Deckel küssen.

Mit aller Zärtlichkeit des Daumens

reiß ich Dich auf, Du Freund des Gaumens!

(25. April 2003)

LIED VON DER BOCKIGEN LOKOMOTIVE

Es war einmal ´ne Lok,

die hatte keinen Bock.

Da blieb sie einfach stehn,

war grimmig anzusehn.

Sie guckte auf die Schienen,

da fing sie an zu grienen –

die Schienen sind ja krumm!

Da fahr´n wir doch mal –

Rum, rum, rum, rum – Bimmeldibammeldibum …

Da fuhr die Lok schnell weiter,

denn sie ist jetzt gescheiter.

Ein Bock hat keinen Sinn,

und darum macht sie

Bim, bim, bim, bim – Rummeldirammeldibum …

(1987 für Mariane)

FRUST IM FORST

Erste Fröste in Bodennähe

Die Kastanien lange schon

Abgestürzt

Verbittert offenbaren sie ihre Herzen

Lautlos schreiend, die stachligen Dinger

Halbnackt im Laub

Getreten von Kindern

Jeder Herbst ist rau

Erbarmungslos

(Herbst 1985)

ELEPHANTASTISCH

Der Elefant kam angerannt,

das hab ich so schnell nicht erkannt –

mein Hals war plötzlich angespannt,

und lustig ich das nicht mehr fand.

Wenn ich mich richtig wähne,

hat er auch große Zähne.

Ich konnt nicht gehn,

er blieb nicht stehn.

Ich nix verstehn –

auf Wiedersehn!

(2001)

MORGENSONNE

Tau schläft schlaff auf grünen Matten

Der Rest vom Reif regiert im Schatten

der brüchigen Mauern,

will hartnäckig kauern

und die Zukunft bedauern

Sonne!

Pulsier einen Frühling heraus,

halte einfach ein junges Gericht –

schalt das Dunkel bitte vom Gestern aus

und mach mir ein warmes Gesicht

Mein Herz soll krabbeln, kreiseln, kringeln,

hinaus nun in rötliche Wolken tingeln.

Bitte sei nicht mehr fremd,

ich zeig Dir ungehemmt

und entgegengestemmt

meine Brust ohne Hemd

(März 1986)

PLANKTON

Ein Plankton schwappt im Wasser,

die Nase in der Gischt.

Es schrie, zunehmend nasser:

Das wird ja immer krasser,

dies Leben ist mir nischt!

Ich werde nur getrieben,

schwimm bloß noch in der Welle,

vom Ziel ist nichts geblieben,

ich fühle mich zerrieben –

am besten ich zerschelle!

Jetzt rück ich der Forelle,

denkt es suizidal,

mal richtig auf die Pelle –

das klappt auf alle Fälle.

Ich hab ja keine Wahl.

Die Forelle, grad im Traum,

störte dieser Selbstmord nicht.

Sie spürt in ihrem Rachenraum

dieses kleine Tierchen kaum.

Es hat ja kein Gewicht.

(März 2007)

MEIN ERSTES DRAMA

Drama:

Eine Lamamama

wa´ ma´

im eigenen Speichel

ertrunken,

und das hat lange noch

gestunken!

(1982, Schmähgedicht wegen einer Spuckaktion im Tierpark)

PFLAUMENKUCHEN

PFLAUMENKUCHEN

PFLAUMENKUCHE

PFLAUMENKUCH

PFLAUMENKUC

PFLAUMENKU

PFLAUMENK

PFLAUMEN

PFLAUME

PFLAUM

PFLAU

PFLA

PFL

PF.

PF..

PF …

(28.01.2005)

VOM FRIEREN

Fünfundzwanzig Uhr fünfundzwanzig

und fünfundzwanzig Sekunden

oder so ungefähr

Das war mir aber so scheißegal

aber ungefähr war auch total

Mir ist kalt

sagte ich leise

Sie stand auf

und

schloss das Fenster.

(Februar 1990)

WEIHNACHTEN WEINT

Die Kerze brennt ab

Bewegung nach unten

Jimi Hendrix spielt

seinen letzten Song

Am Morgen steh ich auf

und an Plakaten

Mit ihr ist es aus –

geliebt nur auf Raten

Aus der Klampfe röhrt nun Jimis Song

Aus der Schule nebenan ein Pausengong

Und im Schaufenster brennen einsame Lichter

beschmutzt durch die Nasen verkohlter Gesichter

Es regnet und nichts in mir, was scheint

Weihnachten weint, Weihnachten weint

(1985, Buckower Ring, Berlin)

WIE ES KOMMEN KANN

Es war einmal ein Enterich,

der durfte seiner Ente nicht

untern Flügel fassen,

doch konnte er´s nicht lassen.

Nun liegt er auf dem Imbissteller,

sein Teint war früher wirklich heller …

Es war einmal ein Mäuserich,

der durfte seine Mausi nicht

im Mauseloch besuchen,

da tat er mächtig fluchen.

Dann ließ sie ihn beschatten

beim Sex mit sieben Ratten …

Es war einmal ein Rabenvater,

der hatte eine Frau (die Marta),

doch die wollt nie verreisen,

drum flog er mit den Meisen.

Die Marta weinte leise:

Der hat doch wohl ´ne Meise …

Es war einmal ein Bonobo,

der hatte Sex mal so, mal so,

doch stets genau vorm Essen,

das fand er nicht vermessen.

Die Partnerwahl, nie überlegt,

hat ihn am Ende weggefegt …

Es war einmal ein Eber,

der hatte es mit der Leber.

Da tat die Sau sich scheiden,

nun muss er doppelt leiden.

Er säuft halt wie ein Wildschwein,

was muss das für ein Bild sein …

(Juni 1986)

BOCKIGER WALZER

Die Bockwurst singt

Ihr Schmerz erklingt

Wenn sie so mit der Hitze ringt

Und letztlich dann alsbald zerspringt

In der Mikrowelle

Explodiert die Pelle

Und dann ist sie nicht mehr glatt

Schuld sind circa tausend Watt

Die Bockwurst leidet

Wenn sie scheidet

Sie will es nicht gern ertragen

Wenn es ihr geht an den Kragen

In der Mikrowelle …

Ihr Lied klingt laut und ziemlich grässlich

Die Naht erstreckt sich schief und hässlich

Es bleibt nicht einmal eine Narbe

Lediglich – die braune Farbe

In der Mikrowelle …

So geschunden und gequollen

Viele sie nicht essen wollen

Doch in Zerstörung liegt auch Dichtung

Und ich besorge die Vernichtung!

In der Mikrowelle …

(Mai 2004)

KINN VOM MOND

Die Sichel tunkt mit fahlen Strahlen,

fast erblasst und unter Qualen,

ihr Kinn hinein ins warme Moor.

Es linst ein Schädel, reckt sich vor.

Nachtaktive Tiere fauchen.

Kinn an Kinn und Sinn an Sinn

Nur kurz schaun sie, sehr leise wimmernd,

Augenhöhlen, sehnend flimmernd,

Ich muss zurück, sagt man sich leis,

und niemand sieht die Kontrahenten,

in das schwarze Dunkel tauchen.

Nachtaktive Tiere fauchen.

(26. Januar 2004)

ALBATROS

Meine Sinne

werden getragen von meinem

gezähmten Albatros.

Dessen Schwingen, breit gefächert

zu Geborgenheit und Sorge,

gleiten über mein Land,

in dem meine Realität

in meiner goldenen Wolke

zuckersüß erstickt.

Bleib hier und stör den Segler nicht.

Träum mit mir diesen schönen Tag.

Lass Dich fallen:

Ich halt uns fest

und liebe Dich.

(1980)

KONSUM

Der Schneemann sitzt am Ofen,

der Weihnachtsmann trinkt Grog.

Im KONSUM

gibt es eingeweckte Birnen.

Alles Mögliche schießt aus dem Boden,

der Igel rekelt sich.

Im KONSUM

gibt es immer noch eingeweckte Birnen.

Die Sonne scheint auf den Ostseegrund,

die Quallen trocknen sich weg.

Im KONSUM

gibt es richtige Birnen!

Der Bademeister geht früh nach Hause,

vor Nässe trieft die Vogelscheuche.

Im KONSUM

gibt es angefaulte Birnen.

(Februar 1983)

FLASCHENPOST

Dies Gedicht ist wirklich nicht

gegen Wasser gänzlich dicht,

sprach der Dichter voller Scham,

bevor die große Welle kam.

Von unten sah er seine Zeilen

auf der Oberfläche schwappen,

sich in Reime aufzuteilen,

Hände tippen, Hände tappen.

Noch dacht er, jetzt ist es zu spät,

er wollte nicht des Meeres Tat,

umsonst er sich ans Ufer fleht,

das Meer bleibt tief, bleibt kalt, bleibt hart.

(18.12.2003)

ODE AN OHROPAX

In uralter Zeit – um dies nicht zu vergessen –

hatten Männer nur Stress als Hauptbeschützer

von Kindern und Frau und natürlich dem Bau.

Dass sie zwischendurch auch mal schlafen und essen,

interessierte schon damals keine Sau.

Und wenn sie dann wirklich mal schlafen durften,

nach getaner Jagd, und dem Feinde entkommen,

und selig zum Eingang der Höhle schlurften,

dann warn sie die Lieben, die Guten und Frommen.

Der Sigmund Freud war noch nicht auf der Welt,

und so hatten Fraun noch den tieferen Schlaf.

Zu dieser Zeit gab es auch noch kein Geld,

nur ein Gen, das den Kehlkopf der Männer betraf.

Sie röhrten und schnarchten am laufenden Band,

damit die wilden Tiere riskiern keine Lippe,

und wer genau dies am besten verstand,

dem am längsten gewährt ward die Freud an der Sippe.

Mit der Zunahme alleinerziehender Mütter

und der Revolution und Emanzipation,

da hörte es auf mit dem Sammeln und Füttern –

auch die Muttis wollten das Schnarch-Gen schon.

Sie nahmen dem Mann nicht die Identität,

das würd man ja gar nicht im Ernst erwähnen,

die Wohnungstür schließt, Einkaufen kann man auch spät,

also wozu noch Schnarchen, es blieb schlicht – das Gähnen.

Und wenn nun doch einmal dann und wann

die Natur sich erinnert und das Schnarchen ertönt,

greift die Hand an die Schachtel, die gelbe, und dann

wird es leise und warm, also angenehm schön ….

(2002, und ein heute noch dankbarer Endverbraucher!

)

EMANZIPATION

Oh, meine Zebraspinne:

Friss mich jetzt!

ICH

möchte der Faden sein,

an dem Du Dich immer wieder

hochziehst

Aber bitte:

Friss mich nur,

und danach,

schwarze Witwe,

stirb gefälligst auch noch Du!

(Dezember 1995)

DAS LETZTE BUCH MOSE

(Exitium)

Am Ende tötet jemand Himmel und Erde,

die ganze Welt.

Auf der Erde ist es wieder wüst und unheimlich,

ist es finster und

Eismassen bedecken alles.

Und über dem Eis schwebt der Ungeist des Tötenden,

denn er befahl:

Licht soll aufstrahlen!

Und es ward hell!

Und er hatte Freude an seinem Licht,

denn es war sein Traum …

Doch er kann nicht mehr trennen

das Licht von der Dunkelheit.

Es bleibt nur noch Abend

am letzten Tag.

(Nikolaus 1987)

AN JOHN LENNON

Nach den Jesetzen der Biologie

biste längst nich mehr hie,

und die Würmer ham längst

auf dir rumjesessen

und von deinem verrockten Fleisch

(so janz ohne Ehrfurcht) jefressen …

1980 erschossen zu wern,

heißt lange noch nich,

dat man Dich je zu Tode kricht!

(September 1984, berlinerisch)

APRILOG

Unberechenbar

bäumt sich die Eiche

in ihrer zyklischen Krise.

Kann nicht ausbrechen

als Gefangener seiner Rinde,

nur wahllos ausoderumsichschlagen.

Kein festes Ziel und noch kein Knockout,

kämpft er mit dem April

in seiner windigsten Phase,

und die Rinde wächst mit.

Im Dezember wird sie dir Fragen stellen.

Die Eiche, unter die du

dich nicht mehr setzt.

(1999)

WIE DAS GLÜHWÜRMCHEN ENTSTAND

Die Lampe leuchtet lichterloh

drauf setzte sich ein kleiner Floh

und blieb ganz lange sitzen

drum fing er an zu schwitzen

Nach einer Stunde fiel er runter

war erschrocken, aber munter

und sein Freund, der Frühsturm,

trug ihn davon als Glühwurm

(Königstein/Sachsen,1981)

DER NACKTE SCHREI

Ich kauere nackt in meinem Bette

als ob ich eine Meise hätte.

Es rollt zu mir ein Kugelblitz,

als Zeitung, wo die Tote sitzt!

Und CNN vermeldet Bilder,

der Schrei, er schreit noch etwas wilder!

Im Angesicht der Katastrophen

ist meine Ruh vorerst jeloofen.

Beschmieren tun die Zimmerwände

zwei abgehackte rote Hände,

verkrampfen sich im Mondeslicht –

Meinereiner wohnt hier nicht!

Ich hasse meine Menschenohren,

warum wurd ich hierher geboren.

Nach einer Pause schiele ich.

In einer Ecke glotzt auf mich –

der Schrei!

Ich zieh mich hurtig an, denn mir ist kalt,

wie dem alten Mann,

der erfroren dort in Moskau liegt,

nicht CNN hat ihn besiegt.

Er schmachtet, bis ich heb die Hände

und öffne meine Ohrenwände,

er wimmert leise und dann lauter,

auf meine Ohren schaut er, haut er!

Er formt die Hände mal zum Beten,

mal betörend, mal betreten.

Ich lass ihn rein, er tut mir leid,

ich nehm ihn auf, ich weiß Bescheid!

Ins warme Trommelfell gewickelt,

lass ich ihn ruhn, bis er mich zwickelt.

Bis morgen, sag ich ihm ganz leis,

dann aber bitte lass den Scheiß,

du kriegst Asyl die eine Nacht

und scherst dich fort, wenn ich erwacht!

Der Schrei, der war am Morgen weg.

Es blieb für mich nicht nur der Schreck.

(19. März 2001)

APFEL & VERWANDTSCHAFT

Er hat Adam, Aphrodite und,

ist das nicht irre,

auch noch das liebe Schneewittchen kirre

gemacht.

Er hat einer Pasta für die Zähne,

so ich mich da noch richtig wähne,

mit bemerkenswerter Reklame geholfen,

um Weißheit zu zeigen beim Grinsen und Golfen.

Er hat eine Tante, die Sine,

die hat, so die Tester,

noch mehr Vitamine.

Der Onkel ist sauer und heißt Herr Zitrone,

er ist vielseitig nutzbar,

mit Schale und ohne.

Der Neffe, der ist eine Birne, noch grün,

den sollte man immer in Ruhe lassen,

denn er muss immer etwas ziehn.

Die Nichte ist sehr entfernt verwandt,

heißt Kiwi und hat viele Geschmäcker,

ich habe sie trotzdem anerkannt.

Daher nun der Gruß:

Ob pur oder Mus,

ob Strudel, ob Brei,

es ist einerlei!

Esst die ganze Familie –

sonst fressen sie uns!

Der Natur halt zuliebe,

Mädels und Jungs.

(April 1996)

DAS EICHHORN

Das Eichhorn hockt im Busch der Kiefer,

das Kauen stockt, es huscht schnell tiefer –

Doch fällt oh Jammer seine Nuss,

so´n Mist, dass dies geschehen musst!

Es hatte einen Schreck bekommen,

drum schaut es um sich, halb benommen,

als käm der Habicht grad gerauscht,

die Ohren spitzte es und lauscht …

Letztendlich liegt die Nuss im Grase,

im Zickzack hüpft es, so nach Nase –

Dem Hörnchen ist hier nichts entgangen,

es hat die Mahlzeit eingefangen.

Es meinte, es wird Zeit zu schleichen,

zu wippen zu den Heimateichen.

Und dort hat es dann ohne Possen

in Frieden seine Nuss genossen.

(März 2002)

SCHAKAL EBEN

Ein Schakal

kam vom Ural

vor Hunger schmal

das Fell sehr kahl

die Augen fahl

und saß total

es klingt banal

traurig vor

ARAL

Lief dann zurück ins tiefe Tal

wo er drei fette Hühner stahl

Schakale können nicht tanken

und sich auch nicht wirklich

und ehrlich bedanken

(2010)

DIE SEELE

Die Seele kann fliegen

und legt Eier

DAHIN

DORTHIN

WOANDERSHIN

Die Seele ist wirklich kein Säugetier

Sie säugt nicht und saugt nicht

aber sie hinterlässt

Hinterlassenschaften

Ihre Nester sind Gehirne

Eier werden ausgebrütet

oder nicht – oder geklaut

aber übrig bleibt ein ÜBER,

das Ziel in sich selbst – die Seele

(01.10.1999)

JAHRESZEITEN

Piepende Gerüche

Duftes, duftendes Lächeln

Warmfeuchte Erde laicht

Depression entweicht

Summen im Schatten

Wimmelnde Wellen

plätschern an braunen Brüsten

suchend

Gold im Gebüsch

Die Sonne zieht und zieht

Bleibt im Rahmen der Optik

Will nicht mehr so richtig mit mir reden

Aschgrauer Himmel

Stummes Schweigen

Entblättert und öde

Kolkraben krächzen und Dreck schneit

(1983)

EIN TERZ

Ein Mond erscheint nicht nur, sondern?

Ein Mond erstrahlt, soll uns das wundern?

Die Sonne strahlt nicht nur, mitnichten:

Sie scheint das Wunder zu verdichten!

Es surren die Gedanken

um meine Großhirnrinde

Tee, Café und Linde, Schnellzug,

Du und Schranken …

Amor hat geschossen und beschlossen,

zu treffen just in meine Brust.

Der Terz der Frühlingsmelodie als Schmerz

beschert mir pure Lust.

(18. Oktober 1983, Kyritz)

SCHLAFTABLETTEN

Vierzig Watt Glühlampenleistung

widerstehen nächtlicher Lichtlosigkeit.

Lese den grausigen Thriller,

der mir schenkt keinen Gefallen,

aber die Möglichkeit,

möglicherweise Unmögliches auszuklammern,

oder mögliches einzufangen.

Die Lider machen sachte schlapp,

der oder die Täter flüchten,

irgendwohin,

auf einem Surfbrett,

das windend entschwindet.

(1984)

VERSPROCHEN

Vom Frühlingsgrase zupfe man

ein zartes Hälmchen sattes Grün,

als würde es blühn

an der noch schlappen Erde dran

Wir halten es im lauen Wind,

warum es nicht ergraut?

Es ist noch jung, so wie ein Kind,

nicht wie ein morscher Baum

Wir haben Angst vor dem Orkan

mit Kernkraft, die sehr unverhohlt,

das arme Wesen schnell verkohlt,

die Wüste wird’s verscharrn

Ich halt es fest in jedem Sturm,

er zappelt wie ein kleiner Wurm.

Ja, es ist blind, doch hört es mich

und fleht mir zu –

Versprichs …

(Mai 1983)

KLAMOTTEN-BLUES

Die Steine sind rund

Die Füße so wund

Kaputt wie ein Hund

Dat is nich jesund

Von Glowe nach Stubbenkammer

0h, welch ein Jammer –

Klamotten-Blues …

Die Steine sind eckig

Die Füße sind dreckig

Und die Haare so speckig

Ach, is dat schrecklich

Kaputt wie ein Hund

Die Füße so wund

Und die Steine sind eckig

Ach, war dat schrecklich

(Bernd, Reiner, Geddy, 1983, Rügen, auf einer Wanderung)

SCHNUPFEN

Die Nase läuft und läuft,

der Bart darunter fast ersäuft,

die Nase niest

und gießt und schießt,

es geht ihr schlecht,

echt würglich schlecht:

Wie werden wir ihr nun gerecht?

Amputation?

Amputation!

Ginge eigentlich schon.

Doch halte ich das aus?

Ich halt das aus!

Das Böse muss ja schließlich raus,

bis ich womöglich irgendwann,

irgendwann,

wieder richtig atmen kann.

(18.11.2010, Berlin)

KINDERSPIEL

Ich sehe was, was Du nicht siehst: Blinde Augen

Ich höre was, was Du nicht hörst: Tote Worte

Ich spüre es, dass Du nichts spürst

Ich fühle was, was Du nicht fühlst

Ich ahne was, was Du nicht ahnst

Ich hoffe was, was Du nicht hoffst

Ich nehme was, was Du nicht gibst

Ich schaffe was, was Du nicht schaffst.

Bedingungslose Kapitulation

ich morde das, was du noch lebst:

Diagnose: Völliger Lidschluss.

(30.07.1988)

EMPFINDUNGEN

Pfrüh pfeife ich pfröhlich

Pflaumenpfannkuchen, Pfefferminztee

pfrische Pfirsiche

Pfefferminzzahncreme

Pfeffere übers Pflaster, Pfrühschicht

Pflichten in der Pfirma

weder Pfisch noch Pfleisch

Pfeierabend pfür Pfadpfinderlohn

Die Pfenster müssten pfielleicht

pfleißig gepfutzt werden

Pfabelhaft pfände ich das

Pfünf Pfinger pfinden die Pfernbedienung

Pfernseher pfunktioniert

Pfußball

Pfundskerl

Pflügelpflanke wie ein Pfeil – Pfaul

Pferwarnung

Pfennigpfuchser

Na pfantastisch, Pfanta ist pfahl

(20. Juni 1998)

KLIWAMANDEL

STINGUINE PERBEN

MEISASSEN SCHERVINDEN

GEFEKTE DEDANKEN

REIBHAUSTREFFEKT

GNAPPE KASRESERVEN

DEI GARZE IGNONANZ

MOHLENKONOXYD

DOHLENKIOXYD

WUMELTWEBUTSSSEIN

ALLED SURCHEINANDER

WONNIGE SEIHNACHTEN!

(November 2010)

LUNIKARISCH

Der Mond ist ganz,

ist halb,

ist weg –

ich kriege immer einen Schreck.

Punkt, Punkt, Komma, Strich,

fertig ist kein Mondgesicht.

Es lügt mich irgendetwas an,

was ich auch nicht verhindern kann.

Denn ich bin klein, mein Herz ist selten,

hat keine Kraft, es zu vergelten.

(2000)

MIDLIFE-CRISIS

Ach, das ist kein schönes Wort

Haut mich aber über Bord

Muss ich noch mal brünftig werden

Mich als Blitzableiter erden

Muss ich noch mal aufbegehren

Gegen Widerstände wehren

Gänzlich Neues ausprobieren

Wagemut gar inhalieren

Hab ich etwas zu verlieren

War ich nett zu andren Tieren

War ich nett zu allen Wesen

Muss ich schreiben oder lesen

Hab ich etwas zu gewinnen

Warum mag ich keine Spinnen

Soll ich noch mal Amok laufen

Oder lieber Wodka saufen

Soll ich all mein Geld verprassen

Oder die Regierung hassen

Oder lass ich alles so

Wie es sein soll auf dem Klo

Fragezeichen gibt es keine

Die entstehen von alleine

(2014)

DIE KORNMUHME

Ich stehe vor dem Weizenmeer

und denke, es wird wieder schwer.

Wo wird die böse Muhme lauern?

Und zu dem Zweck, mich hinzukauern,

die Badehose anzuziehn,

lauf ich hinein, mit bangen Knien.

Mein Vater warnte mich wie immer,

erhob entschlossen seinen Finger:

Die Muhme sitzt und wartet drinnen,

versteckt sich, und an manchen Tagen

sieht man sie eine Sense tragen.

Ich solle nicht zu weit mich wagen.

Geschafft, es gab nur leises Rauschen.

Es klappte mit dem schnellen Tauschen

der Hose und ich war erleichtert,

dass sich niemand dort geschleicht hat.

Der Sommerwind, der war es nur,

dem dieses Rascheln da entfuhr.

Recht schnell verdrängte ich die Tante,

weil ich ins kühle Wasser rannte.

Um dort mit andern Jungs zu toben,

im Wasser, unten oder oben.

Erst als ich nass im Kornfeld stand,

die trockne Hose in der Hand …

Wer schützt mich vor der bösen Muhme?

Es ist die kleine rote Blume,

Klatschmohn, klatsch ich in die Hände,

du bist mein Freund, bewachst das Ende

dieser gelben Weizenwelt,

in der die Muhme Ausschau hält.

(2008)

DIE STORY VOM HEI FU

Es stimmt überhaupt gar nicht, dass der Adam (also der von der Eva) einen Apfel gegessen haben soll. Nach meinen aufreibenden und pseudowissenschaftlichen Untersuchungen kann es sich bei dem hochbrisanten Nahrungsmittel lediglich nur und ausschließlich um ein westasiatisches Liliengewächs gehandelt haben, namentlich die Zwiebel. Womit zwangsläufig feststehen dürfte, dass der Herr sein Atelier irgendwo in Westasien gehabt haben musste, als er unsere Knochen zusammenbastelte. Jedenfalls hat er Adam und seine Gespielin nicht um einen Apfelbaum herumlaufen lassen, um gleichzeitig heimlich ihre Sexorgien zu studieren. Nein, diese Prototypen trieben es auf einem profanen und wilden Gemüsebeet. Natürlich wild, denn es gab ja vorher keine Menschen, die es hätten kultiviert anlegen können. Und da Adam sich nach den Rippenoperationen und vor dem, na ja ihr wisst schon, Blinde-Kuh-Spiel natürlich erst mal etwas stärken musste, griff er sich eine gemeine Gemüsezwiebel, pellte sie mühsam ab, weil ja nur der Meister über Werkzeuge verfügte, und biss kraftvoll hinein. Die Zähne waren noch neu.