Kurz vor Sex oder doch halb Sieben - Anna Hagmann - E-Book

Kurz vor Sex oder doch halb Sieben E-Book

Anna Hagmann

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4,49 €

Beschreibung

Geschichten zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Beide dem Leben auf der Spur. Die Eine liebt frei, die Andere liebt gebunden. Die Eine genießt sich selbst, die Andere will glücklich machen. Die Eine ist mutig, die Andere ist vorsichtig. Die Eine überstürzt, die Andere verweilt. Werden sie sich kennenlernen? Geschichten über die eigene Sexualität, über die Weiblichkeit, über Frau zu sein; Geschichten über die Sehnsucht, die Ablenkung, das Ausnutzen und das Ankommen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 78

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Zur Autorin

Anna Hagmann wohnt, lebt, liebt und lacht in Wien. Sie beschreibt die Stadt selbst "als feine alte Dame".

Sie lässt sich inspirieren von den alltäglichen Kleinigkeiten.

Dank ihrer pädagogisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung hat sie eine Begeisterung für das Beobachten. Vor allem, die Menschen im Zusammenhang mit ihrer Mitwelt.

"Kurz vor Sex oder doch halb Sieben" ist eine erzählte Essay-Sammlung, die die Autorin in Kurzgeschichten verpackt hat.

Sie bedankt sich bei all den Frauen, die ihr Herz geöffnet und zu erzählen begonnen haben.

Mögen diese Geschichten noch weitere Frauen auf eine Reise mitnehmen und sie finden lassen, was sie schöner macht.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

An einem Nachmittag

An einem Samstagabend

Am frühen Morgen

An einem Montagabend

Eine halbe Stunde später

Zwei Wochen später

Eine Woche später

Tage später

Am Schluss

Kennenlernen

Erzähler

Hallo ich, als Erzähler, führe Sie durch dieses kleine Büchlein und nehme Sie mit in das konträre Leben der beiden Frauen Lara und Mila. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein und doch widerfahren ihnen ähnliche Situationen. Jede auf ihre eigene besondere Art fühlt und entscheidet anders. Sie treffen immer wieder zusammen an denselben Orten. Nur erkennen sie aneinander nicht wieder.

Nun stelle ich Ihnen diese beiden Frauen vor.

Lara

Lara ist eine Frau, die Struktur, einen Plan und einen geregelten Tag mag. Sie fühlt sich sicher, wenn ihr etwas Vertrautes Halt gibt. Sie beobachtet gerne, nur solange es niemand bemerkt und lässt sich von Menschen faszinieren, die ganz anders sind als sie. Sie bewertet dann die Situation und deren Gefühle und vergleicht sie mit sich selbst. Ist sie heiter, glücklich und leichtsinnig, dann musiziert sie gerne. Sind die Gefühle schwer, dann sitzt sie gerne an einem stillen Ort und lässt die Gedanken kreisen.

Sie ist empathisch und hilfsbereit. Sie will glücklich machen – ihre Bedürfnisse stellt sie in den Hintergrund. Ihre Gedanken und Wünsche sind dann sehr laut, doch Lara sagt kein Wort. Sie will niemand auf die Füße treten. Sie will sich das Recht nicht nehmen, andere zur Rede zu stellen – lieber nimmt sie es im Stummen hin.

Wenn es zu viel ist, wird Lara laut und emotional. Sie fühlt sich erschlagen von zu vielen ungesagten Worten. Von zu viel Ungerechtigkeit. Dann platzt alles aus ihr heraus. Später denkt sie, sie habe in einem Streit oft das Falsche gesagt und es noch schlimmer gemacht. Sie fühlt sich dann schuldig. Sie möchte über alles sprechen und eine gute Lösung für beide Seiten finden.

Ebenfalls möchte ich Ihnen Mila vorstellen, eine zu Lara sehr gegenteilige Frau.

Mila

Mila liebt es sich frei zu fühlen. Je spontaner und ungeplanter der Tag verläuft, umso glücklicher macht es sie. Sie beobachtet auch gerne und sie lässt sich von den Emotionen ihrer Mitmenschen auffangen. Augenkontakt hat jeder mit ihr – je offener und ehrlicher der Blickkontakt ist, umso mehr lächelt Mila.

Durch ihre offene Art zieht sie viele Menschen an und ist gern gesehen. Ihre Spontanität und Heiterkeit machen sie zu einer Chaotin. Ihr passieren oft kleine Pannen, sie übersieht Kleinigkeiten oder vergisst wichtige Dinge.

Am liebsten genießt sie sich selbst – sie verliert dann das Zeitgefühl und lässt einfach los. Wenn es um ihren Genuss am Leben geht, dann nimmt sie keine Rücksicht. Sie weiß was sie will und will alles dafür tun, es zu bekommen.

Nach einem hitzigen Gespräch oder einer emotionalen Situation denkt Mila viel über ihr Leben nach. Trotzdem bleibt sie sich treu und will es das nächste Mal besser machen für sie und alle Betroffenen.

Nun können Sie sich ein kleines Bild von diesen beiden Frauen machen. Sie werden sie ganz bestimmt im Laufe dieser Geschichten besser kennenlernen. Sie und ich werden immer dabei sein, wo auch immer Lara und Mila gerade sind. Keine Angst sie werden uns schon nicht entdecken, sie können uns praktisch nicht sehen – das ist mein geheimes Talent. Ist das nicht toll? Jetzt genug gesagt – auf geht’s.

Prolog

Gedanken sind alles was Wir glauben zu werden

2) Heim kommen

Um Laras und Milas Leben verstehen zu können, müssen Sie anfangs ein Gefühl dafür bekommen, wie sich diese Frauen fühlen, wenn sie Heimkehren. Heimkehren nach Hause oder an vertrauten Orten. Wann sie zur Ruhe kommen. Sie sind dann ganz sie selbst – unbeobachtet und allein.

Lara

Das aschgraue Licht des Tages fällt durchs Fenster herein, taucht den Raum dahinter in ein milchig weißes Licht. Die schweren Vorhänge gelb gefärbter Stofffasern hindern das Licht weiter in den Raum zu dringen. Bei diesem Fenster, wo draußen der große Apfelbaum steht, stehe ich wie eh und je an meinem alten Platz.

Meine geschwungenen Beine haben schon Rillen in den Boden gestemmt. Der Holzboden ist noch dunkel, dort wo meine große Oberfläche Schatten wirft und Sonnenlicht fehlt. Ich bin doch ein sehr schwerfälliges Möbelstück. Ich kann schwermütig im Herzen liegen, aber auch Freudeklänge in Glücksmomenten sein. Das ein oder andere verliebte Paar habe ich zum Tanz begleitet.

Doch schon lange hat es keinen Liebestanz mehr auf diesem Holzboden, in diesem Raum, zu meinem melodischen Klängen gegeben. Ich bin doch mehr zu einem Seelenklempner einer jungen Dame geworden.

Lara sitzt oft bei mir, manchmal nach der Arbeit, manchmal am Wochenende, aber manchmal auch nachts, wenn schwere Gedanken sie um den Schlaf bringen.

Ich bin ihre Gesellschaft. Ich bin ihr klangvoller Zuhörer, wenn in ihr vieles vor sich geht. Ich bin das Gegenstück, wenn sie mit Worten nicht mehr weiter weiß. Ich pflege immer zu sagen „Töne sagen mehr als Worte“, und Lara stimmt mir oft wortlos zu in unserer getrauten Zweisamkeit.

Laras Finger verraten mir wie es ihr geht. Sie liegen manchmal schwach, unkontrolliert und antriebslos auf meinen weißen Elfenbeintasten. Ihr Spiegelbild in meinem glanz-polierten Holz zeigen müde Augen. Da spielt sie ruhige Stücke, welche die von vergangenen Tagen, alten Erinnerungen und Abschied erzählen. Ich kann nicht lesen. Die Worte, die auf den Notenblättern geschrieben stehen, bedeuten mir nichts. Wie langsam und vorsichtig Lara meine Tasten berührt, zeigt mir mehr. Sie spielt sanft, bemüht und nachdenklich.

Das ist nicht immer so, manchmal spielt eine andere Lara mein Tasten. Vor allem, wenn sie nach Hause kommt. Euphorie geladen und voller Energie springen ihre Finger herum. Da fischt sie Notenblätter mit heiteren, lieblichen und rhythmischen Liedern hervor. Ihre Stimme darf dabei nicht fehlen, da musizieren wir gemeinsam mit ausgelassener Laune.

Ich glaube, ich bin eine Art Mitbewohner von Lara. Manchmal sitzt sich bei mir. Sie setzt sich auf den Hocker, legt beide Hände auf mein kühles Holz und blickt aus dem Fenster. Sie sagt dann kein Wort, aber schweigt auch nicht. Sie weiß, sie muss nur den Deckel hochklappen und wir können uns bis tief in die Nacht unterhalten.

Mila

Ruhig, ausgeglichen, ist die Natur rings herum wie an jedem Tag in der Vormittagssonne. Die alten Pfosten haben sich in dieser Wildnis gut eingefunden, obwohl sie vor Jahrzehnten von Menschenhand in die Erde gerammt und verschraubt wurden. Da stehen sie, eine kleine Ewigkeit und stehen standhaft wie Bäume in dem saftigen Gras. Sie leben mit den Jahreszeiten, Tag ein und Tag aus, wie die Natur um sie herum.

Grau sind wir geworden, das saftige Braun des Holzes verblichen durch die Jahre. Wir sind rau geworden, Holzfasern stehen struppig vom Gebinde weg. Wenn Mila mit dem Finger darüber streicht, muss sie aufpassen in der Haut keinen Splitter stecken zu haben.

Das macht sie oft: umklammert mit beiden Händen unsere massiven Stämme, als gäben sie ihr Halt; oder prüft wie fest wir noch in der Erde stehen;

Manchmal zieht sie auch an der Kette der rostigen Schaukel, auch ob sie noch von den rostbraunen Nägeln gehalten wird. Dann hebt Mila vom Boden einen brüchigen Zweig hoch und entfernt die Spinnennetze unserer lieben Mitbewohnerinnen. Diese sind nicht begeistert von ihrer Tat, da sie Tag für Tag spinnen und Lücken ihrer Netze reparieren.

Vielleicht haben sie nicht den besten Platz, um ihr wunderschönes Spinnennetz zu spannen. Aber sie sind unsere einzige Gesellschaft, wenn Mila fehlt.

Mila setzt sich auf die Schaukel, der Gummi ist bereits rissig und verleiht der Oberfläche ein einzigartiges Muster. Die Kette knarrt und quietscht vertraut bei jedem Schwung. Die Metallhaken jammern jedes Mal, sie brauchen dringend eine neue Ölung. Wir denken, einzig für die beiden ist es wenig Freude, wenn Mila wieder da ist.

Sie sitzt hier stundenlang, schwingt vor und zurück. Lässt die Füße baumeln und hält sich mit der linken Hand an der Kette fest. Oft passiert es Mila, dass sie tiefe Furchen und Rostflecken an den Händen hat, wenn sie wieder nach Hause geht. Die Kette ist von Wind, Regen, Schnee sehr mitgenommen.

Doch all das stört Mila nicht, sie lässt die Seele baumeln, wenn sie bei uns ist. Wir denken, dass sie zu uns kommt, wenn sie genug hat vom Rest der Welt. Dass sie nur hier bei uns sie selbst sein kann.

Sie teilt alles mit uns: ihr Lachen, das durch die Baumkronen schallt; ihre Tränen, die auf ihre Jacke tropfen; ihre langen Gedanken, die weite Kreise in ihrer Seele ziehen;

Mila ist manchmal ganz still bei uns und lässt das Tageslicht, die Geräusche der Natur auf sich wirken. Wir glauben, dass sie dann nicht wirklich hier ist. Wir spüren, dass sie Sorgen quälen, oder ein böses Wort, das sie nicht vergessen kann.