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6 Kurzgeschichten mit himmlischen, höllischen und irdischen Geschehnissen, von Professoren, einem sprechenden Klavier, einer bildbeschreibenden Katze und Gedanken über Dieses und Jenes.
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2016
Motto:
Wenig, aber nicht viel!
Vorwort
Unten wie Oben
Oben wie Unten
Zwischen Unten und Oben
Das Klavier
Das Professorenkollegium
Mädchen mit Katze
Gedankensplitter
Eigentlich hatte ich nicht vor, ein Vorwort zu den nachstehenden Schreibversuchen zu verfassen, aber eine mit mir seit Jahrzehnten u.a. auch urkundlich verbundene, weibliche Persönlichkeit riet mir dazu.
Also setzte ich mich an den Schreibtisch, schaltete den PC ein, eröffnete im Schreibprogramm eine neue Datei und wartete auf einen Einfall zur ersten Zeile des Vorwortes.
Als ich nach einer ½ Stunde immer noch auf eine Idee wartete, nahm ich mir eine Zigaretten-Auszeit, kehrte danach zur jungfräulichen Schreibdatei zurück und hoffte, einen Einstieg zu finden.
Eine weitere einfallslose ½ Stunde verging und ich nahm mir eine zweite Auszeit.
Ich spielte eine Runde Skat gegen vom PC vorgegebene Rivalen.
Nach dem ich ein totsicheres Grand mit 59 Augen verloren hatte, sank meine Stimmung für die nächste ½ Stunde auf den „Nullpunkt“.
Ich wählte nun einen andere Variante der Ideenfindung die darin bestand, dass ich schnellen Schrittes mehrere Runden durch unsere Wohnung tigerte.
Meine Stimmung war danach wieder etwas mehr in den Bereich der „Plusgrade“ gewechselt und ich setzte mich in Erwartung von Ideen wieder an den PC.
Nach einer weiteren ½ Stunde sah die Seite allerdings wie folgt aus:
„Ich möchte den geneigten Lesern mit diesem Vorwort……..“
„In den nachstehenden Geschichten finden sie……….“ „Ich möchte sie mit den nachfolgenden Geschichten………….“
…….
…….
…….
Spätestens nach diesen missratenden Ansätzen wurde mir klar, dass ich kein Vorwort zu Stande bringen werde.
Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass aufgeschriebene Geschichten ohne vorangestelltes Vorwort immer noch besser sind, als ein geschriebenes Vorwort ohne nachfolgende Geschichten.
H. Hottmann
Es sollte eigentlich eines der üblichen 15:00 Uhr Freitags-Meetings im Sitzungssaal des Höllen-Vorstandes werden.
Der Kalender zeigte den 15. November des Jahres 2013.
Der Oberteufel betrat pünktlich den Raum und man sah es ihm an, dass er missmutig gelaunt war.
Er setzte sich schnell auf den reichverzierten goldenen Chefsessel an der Stirnseite des für 5 Unterteufel bestuhlten Beratungstisches.
Ohne große Begrüßungszeremonien, die eigentlich üblich waren, kam er gleich zur Sache.
„Wir haben heute nur einen einzigen Tagungsordnungspunkt zu besprechen. Warum haben wir seit zwei Wochen keine Neuzugänge an Menschenseelen mehr? Das gab es in den letzten zweitausend Jahren der Menschengeschichte noch nie!"
Des Oberteufels Hörner begannen in einem schwachen Rot zu leuchten und er sah zornig in die gedrückt wirkende Runde der Unterteufel, und, ...er forderte Antwort.
Wie immer in diesen Meetings, galt die erste Frage an den rechts vom Oberteufel sitzenden Unterteufel, also an den, der für die äußeren Beziehungen zu den befreundeten Mächten zuständig ist. Dieser gab folgende Erklärung ab:
„Das Ausbleiben der sündhaften Seelen ist nicht von Menschen gemacht“- sagte der auch für die Sponsorenverträge verantwortliche Unterteufel - „sondern vom Obergott gewollt, denn dieser hat vor 14 Tagen den über Jahrhunderte mit uns bestehenden Sponsorenvertrag aufgekündigt.“
„Wieso?“ - fragte der Oberteufel - „was heißt aufgekündigt und vor allem, warum wurde ich nicht schon vor 14 Tagen darüber informiert?!“
Die Hörner desselben nahmen in ihrer Rotfärbung noch etwas zu und der IT-Unterteufel versuchte eine Erklärung:
„Zunächst waren wir in unserer Abteilung noch nicht sicher, ob es eine wirklich echte Mail vom Obergott war oder eine, in Trojanern eingebettete.
Die, allerdings vielleicht zu lang dauernde Überprüfung über 2 Tage, erbrachte dann die Bestätigung: Die Mail ist echt!
Da ihr aber auf Dienstreise in empfangsschwachen Gebieten der Unterwelt unterwegs ward, hatten wir keine Chance, ihnen darüber eine Mitteilung zukommen zulassen.“
„Holt euch doch der ..... ihr IT-Spezialisten“ - sprach der Oberteufel, „wir haben doch ausgebildete Eilboten-Teufel, die mich in kurzer Zeit überall in der Welt erreichen können!“
„Diese Eilboten-Teufel"- sprach der Unterteufels des Inneren, „wurden, ich mag es nicht aussprechen, auf ihre Weisung hin, vor 10 Jahren entlassen, da sie mit der Einführung der Computertechnik für überflüssig angesehen wurden.“
„Ja, dann hättet ihr „Jetzt-Oberschlauen“ damals meiner Weisung widersprechen müssen!“
„Ja, das hätten wir vielleicht tun sollen."-sprachen die Unter-Teufel und ihre Hörner begannen in einem leichten Grün zu leuchten, welches Untergebung signalisierte.
„Nun“, sagte der Oberteufel, „dann hören wir hoffentlich etwas Positives von unserem Advocatus diaboli, der bestimmt die Kündigung des Sponsorenvertrages gründlich unter die Lupe genommen, und dessen noch bestehende Rechtmäßigkeit schon vor Tagen dem Obergott mitgeteilt hat.“
„Verehrter Oberteufel, natürlich habe ich mir sofort nach Eingang der obergöttlichen Kündigung, den Vertrag aus dem Jahr 20 u.Z. noch mal durchgesehen und auf eventuelle Fallstricke untersucht. Das mehr als 100-seitige Dokument ist wasserdicht, vielleicht bis auf einen Passus des Paragraphen 41 im Punkt 17. Dieser besagt, „das Nichtigwerden des Sponsorenvertrages zwischen den Geschäftsstellen des Obergottes und des Oberteufels tritt automatisch in Kraft, wenn es länger als 14 Tage keine gegenüber den 10 Geboten des Obergottes, sündhafte Handlungen, Gedanken und Meinungsäußerungen von verstorbenen, also ehemals lebenden Menschen gegeben hat, die sonst zur Überstellung in die Hölle geführt hätten. Absatz Ende.
Es scheint so, als ob sich der Obergott und seine Rechtsberater auf diesen Paragraphenabsatz des Vertrages berufen.“
Sogleich begannen die Hörner des Advokaten-Erzteufels vorsichtshalber in einem etwas stärkeren Grün zu leuchten.
„Hat er sich auf diesen Absatz berufen,“ fragte der Oberteufel, „oder scheint es so?!
Euer Advokaten-Kauderwelsch ist weder verständlich, noch anscheinend zu etwas Nütze. Wir werden noch einmal darauf zu sprechen kommen, wie man echt wasserdichte Verträge macht." sagte der Oberteufel und wandte sich dem nächsten Erzteufel zu, zu dem, der für die technische Unterhaltung der Hölle zuständig ist.
„Verehrter Oberteufel, ich will nicht um den heißen Brei herumreden, die Lage ist alles andere als befriedigend. Wir haben nur noch Brennmaterial für 2 Tage, um die Kessel mit den Millionen sündigen Seelen zu beheizen, und doch mussten wir schon heute in dem noch nicht auf moderne Brennanlagen umgestellten Kesselhaus 2, deren Beheizung außer Betrieb nehmen. Die in den Kesseln befindlichen Seelen klagen über das Ausbleiben von Wärme, frieren, und ......, fangen an, zu meutern.“
