La Fiesta - Franz Päßler - E-Book

La Fiesta E-Book

Franz Päßler

0,0
12,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Lieber Franz, du bist einfach abgehauen. Dieser alte Schrotthaufen, Lola und du. Wieder einmal springst du mit dem Kopf durch die Wand ins kalte Wasser. Und das alles von jetzt auf dann. Typisch. Es ging so schnell und es blieb kaum Zeit sich zu verabschieden. Wie oft soll ich das noch mitmachen? Was ist eigentlich passiert? Können wir dich irgendwie erreichen? Wir denken jeden Tag an dich. In Liebe Mutti

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 499

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2023 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-938-2

ISBN e-book: 978-3-99131-939-9

Lektorat: Leon Haußmann

Umschlagfotos: Franz Päßler, Anne Kreuzer

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Franz Päßler

www.novumverlag.com

Widmung

Für meine beste Freundin

Prolog

Naaaaa? Haste schon hastig vorgeblättert und all die schönen Fotos angeguckt, oder bist du eher von geduldiger Natur und belohnst dich dann später damit? Egal wie du dieses Buch konsumieren möchtest, ich hoffe, es ist spannend, zaubert dir ab und an ein Lächeln ins Gesicht und gibt dir vielleicht sogar ein paar neue Denkanstöße mit auf den Weg.

Um ehrlich zu sein, habe ich aber keine Ahnung, wie man ein Buch schreibt. Ich bin Laie durch und durch. Ich meine, guckt euch diesen verkorksten Typen doch mal an. Ja, der der da vorn in „Schlüpper“ auf’m Cover hockt und Nudeln frisst. Sieht der aus, als ob der im Deutschunterricht aufgepasst hat und überhaupt weiß, was der Begriff „Literatur“ bedeutet? Keine Ahnung – wird sich noch herausstellen. Zur „Abiprüfung“ 2018 schrieb ich, soweit ich weiß, das letzte Mal etwas über 10 Seiten, was ich dann als umfangreiche Geschichte betitelte. Also an all die eingefleischten Leser und Deutschlehrer, die dieses Buch in die Hände bekommen sollten: Seid mir nicht böse, wenn ich die Spannungskurve manchmal nicht ganz halte, ich abschweife oder mir schlichtweg einfach noch etwas Wortschatz zur optimalen Ausdrucksweise fehlt. Vielleicht verbessert sich der Schreibstil ja sogar im Laufe des Buches.

Während meiner Auszeit las ich zum ersten Mal ernsthaft Bücher. Ich wählte 7–8 Stück, deren Titel mich dazu verführten, letztendlich 180€ dafür auszugeben. Ja, für Bücher. Meine Mutter war anscheinend sehr stolz auf diese Entscheidung und bezahlte freundlicherweise einen Großteil der Summe. Ich las nun tatsächlich zum ersten Mal im Leben mit voller Konzentration ein Buch. Wow! Ich stellte fest, wie cool es sein kann, konzentriert zu lesen. Man konnte, wie mir meine Mutter schon immer versuchte zu erklären, abschalten und sogar imaginär in den Geschichten mitwirken. Der reinste Wahnsinn! Früher wurde mir das leider noch nicht klar, da mich ständig andere Gedanken vom Lesen abhielten und mich der bekloppte „Zauberlehrling“ einfach nicht interessierte. Bücher ziehen außerdem keinen Strom und sorgen unterwegs für Unterhaltung.

Nachdem ich dann sehr gute, aber auch eher falsch gewählte Bücher las, fing ich innerlich an zu beurteilen, was nun eine angenehme Schreibweise und was eine eher lahme, sich wiederholende Schreibweise war. Ein kurzer, knackiger Stil gefiel mir am besten.

Als ich dann ein paar Monate unterwegs war und an sehr aufregenden Wendepunkten meines Lebens ankam, fing mein sonst so ruhiger Geist immer öfter an, das Erlebte in einem Hinterstübchen meines Kopfes festhalten zu wollen. Er fing immer öfter an, erlebte Situationen in der Schreibweise eines meiner Bücher zu formulieren. Immer mehr dieser Formulierungen rauschten durch meinen Kopf und gingen mir irgendwann wortwörtlich auf den Geist. Es war, als würde ich dazu genötigt, Sachen niederzuschreiben.

Wahrscheinlich staute sich da aber auch gewaltig etwas in mir an. Erlebnisse, die ich zwar ab und an Freunden und Familie übers Telefon schildern konnte, was aber irgendwie nicht ausreichend war. Ich war förmlich am Platzen! Auch wenn man unterwegs viele Menschen traf und sich unterhielt, schien mir dieses Buch-Thema nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Eine Herausforderung, die mir im Nacken saß und neckisch flüsterte: „Das schaffst du doch eh nicht.“Aber auch eine Möglichkeit, eine sehr intensive Zeit zu reflektieren und tief zu verinnerlichen. Meine Mutter hatte ich hierbei auf jeden Fall schon mal im „Backup-Team“. Sie wollte der Lektor sein. „Hannibal?“, fragte ich verdutzt.

Es schien verlockend, Dinge mal so richtig detailliert und ausformuliert zu beschreiben. In Gesprächen fiel es mir oft schwer, mich richtig auszudrücken, hier hingegen hatte ich die Möglichkeit, endlich mal die reinen Gedanken rauszulassen, ohne einem eventuell kritisch gestimmten Gesicht gegenüberstehen zu müssen. Niemand quatschte mir hier rein. Ich war entspannt.

Und nun sitz’ ich hier, ganz entspannt in den Bergen von Málaga. Die Empfangslady in einem Art Trailer-Park hieß mich herzlichst willkommen und ich wählte eine gut belichtete Parzelle mit Blick Richtung Süden. Die warme Sonne brutzelte auf der „Plautze“ und gab einem Ende November noch das Gefühl, sein T-Shirt ausziehen zu müssen. Und als ich hier gerade voll fokussiert diesen Text ins Telefon hämmerte, näherte sich mir ein Mann mit offensichtlich kugelsicherer Weste und „Police“Cap. Er trug außerdem robuste schwarze Militärkleidung, Sonnenbrille und einen Gürtel, der waffenartig aussehende Utensilien zusammenhielt. Er kam anscheinend ganz leise mit seinem komischen Elektroroller hier angefahren. Im Fußbereich des Rollers war ein Einkaufskorb verzurrt. Das Teil hatte riesige Reifen, wie Luftballons, und sah auf jeden Fall nicht wie ein Fahrzeug der Polizei aus. Der Typ hatte meine vollste Aufmerksamkeit. Ich unterbrach meine Schreibarbeit kurz und rief grinsend „Buenos Dias“ zu ihm rüber. Im britischen Slang konterte er auf englisch und fragte, ob ich wiederum ein Polizist wäre. Ich erwiderte mit einem sehr sicherem „No, I’m not“und als wir dann weiter redeten war er irgendwann endlich überzeugt, zog seine Lederhandschuhe aus und gab mir einen festen Händedruck. David hieß er. Und David wies mich nun in eine äußerst bizarre Geschichte ein. Doch dazu später mehr …

Nun, das Ganze hier soll die Einleitung meines Buches darstellen und euch schön neugierig machen. Wahnsinn! Das ich mal ein Buch schreibe, hätte glaub’ ich niemand gedacht. Ich wollte eigentlich erst zuhause damit anfangen und dem „unterwegs sein“ meine vollste Aufmerksamkeit schenken, aber mein Kopf zwingt mich mittlerweile zu sehr dazu. Ich hab’ Angst, gut gedachte Formulierungen zu vergessen. Es fühlt sich gut an endlich loszulegen, wie’n Topp’ voll Milch, der langsam den Deckel hebt und überkocht. Also herzlich willkommen, „mi Frendo“, lehn’ dich entspannt zurück und zieh’s dir rein!

Die Vorgeschichte

Höhenflüge

Aus und vorbei. Das wars erstmal mit Kuscheln, Katzen und großer Dachgeschosswohnung in Striesen. Striesen, ein ruhiger Stadtteil in Dresden. Geprägt von verzierten Villen und Bänken, auf denen breit grinsend, alte, gepflegte Leute hockten. Man sagt: „Willst du das Leben genießen, dann ziehe nach Striesen.“ Nun, das tat ich auch und ich war sehr dankbar, dass meine damalige Freundin mich und meinen Hund hier bei sich einziehen ließ. Meinen Hund und ihre zwei schwarzen Waldkatzen. Gute Kombi. Nach anfänglichen territorialen Einigungen waren die drei aber beste „Homies“. Klar herrschte anfangs etwas Verwirrung, da der Hund beispielsweise das Katzenfutter fraß. Nachdem der Kater dann aber einfach begann, aus dem Hundenapf zu trinken, entstand eine gute Balance. Leider lief es auf menschlicher Ebene zunehmend schlechter und eine unangenehme Stimmung lag in der Luft. Ja, manchmal brannte die Luft sogar. Da verzog sich Hund und Katz’ dann gern.

Ich hatte zu Beginn unserer Beziehung extremen Tatendrang. Mir ging’s eben gut. Ich ernährte mich krankhaft gesund, trank Kaktusfeigensaft und fraß Ginsengkapseln und so, dem Hund gefielen die ausgiebigen Runden durch die ruhigen Parks und die Zeit mit meiner Freundin war wirklich wunderschön. Sie gab mir neuen Wind unter den Armen und die gute Laune stand mir quasi auf die Stirn geschrieben. Mehr als je zuvor. Ich fand sie extrem attraktiv, sie war älter, klüger und brachte mich oft derbe zum lachen. Ich hätte mir früher nicht mal erträumt, so ein „Hammer-Girl“ abzubekommen. Und da ich immer noch auf Teilzeit im „Skateshop“ rumhampelte, nutze ich diesen Haufen Aufwind und nahm erst einen weiteren Job an, und als ob ich wissen wollte, zu was mein Körper so fähig war, kam noch eine dritte Beschäftigung ins Spiel. Ich bekam nicht genug.

Der Turbo zündete jedoch leider nur bei mir und von gegenüber kam auf Dauer nicht allzu viel Euphorie. Ich hätte mir ein gegenseitiges Pushen gewünscht, stattdessen lebte man sich eher auseinander. Ich war stets bemüht, zusammen mit meiner Freundin ihre Leidenschaft zu finden. Manchmal sogar viel zu sehr. Wir unternahmen viel, beschnupperten alle Ecken und Nischen des Lebens. Doch nichts fand sich so richtig. Sie hatte einen guten Job, baute Mikrochips im „Reinraum“ mit Schutzanzug und Maske, jedoch im 3-Schicht-System. Ich hatte den Eindruck als wär sie eher interessiert am einfachen Leben, als wär sie mit den einfachen Dingen vollkommen zufrieden. Dieses Einkaufen, TV glotzen, sich mit Freunden treffen, all das stimmte mich wiederum eher nachdenklich. Das war einfach nicht ausreichend. Wir waren in der Glanzzeit unseres Lebens. Ich 20, sie 25. War’s das schon? Sollte man sich jetzt schon treiben lassen wie ein Floß, auf einem ruhigen Fluss? Ich hatte eher Bock, nen riesigen Motor an das verdammte Floß zu bauen und flussaufwärts zu brettern! Zusätzlich gab es noch familiär Druck. Man wollte was sehen. Schließlich ließ man mir Geld zukommen und wozu die guten schulischen Leistungen. Was suche ich da nur in diesem „Skateshop“, hieß es. Eine Lösung musste her.

Ich fuhr nun also alte, klapprige Roller beim Liefermann (einem großen Türken, der aussah wie Mr. Bean und Sushi verkaufte) und rief eine Art Hausmeister Service für Kleingärten ins Leben. Im Osten von Deutschland boomen die Kleingartenvereine, das kannst du dir nicht vorstellen. Vor allem jetzt, zur Zeit von Corona, sind nahegelegene Erholungsorte die letzte Rettung. Es gibt hier zick „Ommas“ und „Opas“ die im Alter nochmal eine Beschäftigung im Grünen, aber auch eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten suchen. Allein im Raum Dresden gibt es laut einer meiner Klientinnen über 300 solcher Vereine. Also auch eine Menge Arbeit. Eine Menge Arbeit die sich im fortlaufenden Alter immer schwieriger verrichten lässt. Zudem kam, dass viele leider keine Verwandtschaft hatten und wenn, dann zu weit entfernt und mit zu wenig Interesse für „Gartenarbeit“. Und ich glaube, es ist bekannt, dass alte Leute sich nur schweren Herzens von ihren geliebten Besitztümern trennen können. Und hier kam ich ins Spiel. Ich suchte sowieso noch nach einem Ausgleich im Grünen und hier profitierte sogar noch der Hund. Handwerkliche Tätigkeiten zogen sich durch die Familie und waren mir vertraut. „Perfekto!“ Da ich aber kein Freund vom Finanzamt war, arbeitete ich schwarz. Nein, Spaß, das hätte ich mit meinem Gewissen nicht so recht vereinbaren können und wo wär da der Reiz geblieben. Aber ich fand trotzdem einen Weg, die Bürokratie zu umgehen: Ich druckte Flyer, mit großer, gut lesbarer Schrift und hüllte diese, wasserdicht, in Folien. „Handwerkliche Nachbarschaftshilfe“ stand da drauf. Darunter was ich so mache (Hecke schneiden, Rasen mähen, etc.) und weiter unten „Liebe Grüße“, mit Namen und Telefonnummer zum Abreißen.

Früher zog ich noch mit fetten Markern durch die Stadt, jetzt waren es eben Flyer für alte Leute. Auch egal, haha. Ich pflasterte alles voll. Vor allem rings um die Gärten. Zuhause saß ich dann wie auf Kohlen vorm Telefon. Doch da tat sich nix. Mehrere Tage vergingen und ich zweifelte an meinem Vorhaben. Ich schnappte mir Lola und lief ein paar der „Spots“ beim Gassi gehen ab. „Hääää?!“ Da waren überall kaum noch „Abreiß-Nummern“ dran. Der Fakt, dass die Leute es sahen und zugriffen, zauberte mir schon mal ein Lächeln ins Gesicht. Und dann, ein paar Tage später, ein verpasster Anruf auf dem Handy. Sogar gleich noch eine Voicemail, auf der nach langer Stille, eine knisternde, schläfrige Stimme zu hören war. „Bääm“, darauf hatte ich gewartet. Ich rief sofort zurück. Die alte Dame war sehr erfreut über das jugendliche Interesse.

Beim ersten Treffen gab ich ihr von vornherein zu verstehen, dass ich dafür kein Geld verlangen kann, beziehungsweise keine Rechnung ausstelle. Sie könne mir lediglich eine Spende aushändigen. Nun, das war ihr ziemlich schnuppe. „12,50 € die Stunde, Kuchen und Getränke gehen aufs Haus?!“ „Deal!“ Ich reparierte Dächer, zupfte Unkraut, strich Wände und hielt Lola weitestgehend davon ab, die Katzen durch die Anlage zu jagen. Mir machte das echt Spaß! Vielseitig und abwechslungsreich war es und ehrlich gesagt feierte ich es, eine solche Lücke im System gefunden zu haben. Ich hatte endlich mal paar Kröten in der Tasche und konnte somit meinen Mietanteil problemlos zahlen. Außerdem gab’s gratis Obst und Gemüse aus den Gärten, sowie frisch zubereitete Pizzen, Bowls, Salate und satte Trinkgelder beim Lieferservice, welchen ich nochmal wechselte.

Der Türke, von dem ich da sprach, war früher Türsteher und pflegte es immer noch, mit dieser Körpersprache und in diesem Ton mit seinen Angestellten zu reden. Nicht mit mir. Ich ließ ihn und den Fisch eines Abends in der Kälte stehen. Sushi aß ich eh nur mit gehobenem Zahnfleisch. Noch dazu war sein Liefersystem nicht ganz durchdacht und die Karren, die wir da fahren sollten, wurden wahrscheinlich allesamt mit Starthilfespray vom Schrottplatz geholt. „Fuck you!“ Ja, einmal blieb ich sogar im Tunnel mit diesem scheiß Roller stecken. Der Vergaser war irgendwie immer sehr launisch und ließ mich da vollkommen im Stich. Dann gab es noch einen offenen Roller, der fast 80 km/h fuhr und einen Suzuki Alto, indem ich, 1,86 m, wie der Affe auf’m Schleifstein hockte. Das einzig zuverlässige Fahrzeug war mein Fahrrad, das ich dort auch ab und an fuhr. Die schlechte Laune vom Chef und die mäßige Bezahlung machten wir durch den Fahrspaß wieder wett. Manchmal ging’s da echt ruppig zu und die Vehikel litten dementsprechend. Das Quietschen der Reifen wurde dann irgendwann vom Chef so hingenommen. Man hätte die Arbeitssituation als „polnisch“ bezeichnen können. Wir hatten teilweise echt „Fetz“ und es war für mich eher eine Belustigung, bei der ich ordentlich Fahrpraxis sammelte, als ein ernsthafter Job.

Später dann, beim neuen Lieferdienst, welcher sich nur noch wenige Straßen von der Haustür entfernt befand, lernte ich puren Luxus kennen. Klar musste man da ab und an den Fußboden schrubben, Geschirr spülen oder Essensreste aus dem Abfluss fischen – ABER – es gab so etliche Vorzüge. Jeder im Team war total gelassen und witzig. Es lag permanent Motivation in der Luft und oft lief Techno während der Arbeitszeit. Manchmal hatte ich eher das Gefühl, auf eine Party mit jungen, coolen Leuten zu gehen, als dass ich hier arbeitete. Man kam an und legte gut gelaunt und rhythmisch los. Nicht rumzustehen war quasi die einzig wichtige Sache. Schön im Flow bleiben. Es gab zuverlässige Elektroroller, doppelt so viel Trinkgeld und jetzt kommt’s: Essen fast geschenkt. Leckeres, frisch zubereitetes Essen! Sogar ziemlich grün und gesund für einen Lieferservice. Als Rollerfahrer bekam man abnormal Rabatt und es standen zusätzlich permanent Gerichte rum, an denen man sich ausgiebig bedienen durfte. Quasi Fehlproduktionen oder einfach nette Grüße aus der Küche. Der Himmel auf Erden, denn ich war verfressen hoch 10. Kurz vor Küchenschluss orderte ich dann oft „Dinkel Pizzabrötchen“, eine „Tokio Bowl“ oder auch leckeres Curry. Der Freundin hing’s zuhause schon zu den Ohren raus. Außerdem gab’s hier sogar ne warme Dusche inklusive Waschmaschine. Für diese beiden Dinge werde ich im späteren Verlauf der Geschichte noch sehr dankbar sein.

Das Problem an der Situation war dann nur, dass ich Mühe hatte, alles unter einen Hut zu quetschen. Da waren die Anfahrtswege, die Sonderaufträge in den Gärten, bei denen ich noch Kram im Baumarkt organisieren sollte, aber auch Hund und Freundin, welche Aufmerksamkeit verdienten. Von Freunden und Hobbies ganz zu schweigen. Im Skateshop war Corona bedingt dann zu allem Übel auch noch die Hölle los. Maskenverweigerer, Großfamilien mit Kindern und andere taktlose Menschen, die sich nur wenig bis gar nicht in den Verkäufer gegenüber versetzen konnten, standen Schlange. Ja einer klaute sogar den Stapel „Skate Mag’s“ vor der Ladentür, weil unsere Kunden ihm seinen blöden Eimer nicht mit Wasser füllen wollten. Warum auch?! Frag mich nicht. Ich rannte ihm hinterher und nahm ihm die Zeitungen wieder ab. Idiot.

Jedenfalls baute sich so ein Zustand in mir auf, der letztendlich nur mit viel Ruhe gekontert werden konnte. Sensibel, wie ich war, fand ich diese Ruhe zuhause leider auch nur selten. Ich schraubte nach und nach erfolglos die Arbeitsstunden zurück, in unsere Beziehung schienen sich im Stress die wahren Charakterzüge zu zeigen und die Harmonie ging irgendwie komplett flöten. Jetzt im Nachhinein wird mir erstmal bewusst, dass da auch jede Menge Schuld auf meiner Seite lag. Damals machte ich meine Freundin, ihre Katzen (welche mich teilweise wirklich gezielt ärgerten) oder die Kunden im Skateshop verantwortlich, anstatt mal vor der eigenen Tür zu kehren und zu erkennen, dass ich allein es war, der diese gestresste Welt erschaffen hatte. Das wird mir sogar jetzt gerade eben erst klar, jetzt wo ich dieses Buch schreibe und anfange zu reflektieren, die Perspektive zu wechseln.

Trotz allem sah ich mich gezwungen, die Beziehung zu beenden und zog aus. Ich bereute diese Entscheidung nie, sie war wohl bedacht.

Hin und her

„Ich will nen Transporter!“ Dieser Gedanke verankerte sich seit geraumer Zeit in meinem Oberstübchen, schon bevor ich meine gerade erwähnte Freundin kennenlernte. Nachdem ich Enno, der der bis jetzt am ehesten die Vaterrolle in meinem Leben einnahm, massig Angebote von Autos über WhatsApp schickte, bot sich dann irgendwann endlich die Möglichkeit, einen VW Caddy als Langversion zu erwerben. Enno hatte als wilder „Jungspund“ seine KFZ-Meisterprüfung fast verschlafen, dann aber doch erfolgreich absolviert. „Hahaha, Enno, ich hoffe wir sind nicht in einem Raum, während du das liest!“ Und nun stand er mir zur Seite und zeigte mir alle Tricks und Kniffe, die man bei einer Besichtigung beachten sollte. Ich checkte den vorläufigen Favoriten mit dem Fahrrad aus, gab dann grünes Licht und kaufte, nach einem weiteren kritischen Blick von Enno, mein erstes Auto. Verdammt, das fühlte sich gut an. Freiheit! Ich konnte nun überall hin und hatte ein funktionelles Auto. Geplant war ein Umbau zum Camper. Man kennt’s, glaub ich. Schon nach einigen kleinen Modifikationen fuhr ich das erste Mal, zusammen mit Lola, die es liebte, vom Beifahrersitz aus die vorbeiziehende Landschaft zu genießen, an die Ostsee. Nur mal so als Probe. Ganz spontan, abends nach der Arbeit. Nach der Arbeit. Das musste eben sein. Wir kamen irgendwann kurz vorm Morgengrauen an. Und ich hatte große Mühe, mit halboffenen Augen einen ruhigen Parkplatz zu finden, auf dem man noch etwas Schlaf nachholen konnte. Wir standen auf der obersten Plattform eines Parkhauses, da es mir hier am ruhigsten schien.

In dieser Nacht veränderten sich meine Ansichten nochmal grundlegend. Es gab nämlich folgendes Problem: Haare. Hundehaare. Und davon nicht wenig. Das hatte ich voll verpeilt. Lola war, glaub ich, eine der haarendsten Hündinnen. Wer weiß, wie viele Mützen man schon aus ihrem weichen Fell hätte stricken können. Weiches, aber verdammt nerviges Fell.

Als ich da an diesem Vormittag auf meiner Luftmatratze hinten auf der Ladefläche aufwachte, war der gesamte Innenraum mit einem weißen Teppich überzogen. Die einstrahlende Sonne brachte das besonders gut zur Geltung. Dazu kroch leicht klammer Dunst umher, obwohl beide Fenster einen Spalt offen waren. Ich fühlte mich absolut nicht wohl. Und nachdem ich gefühlt 20 dieser Klebezettel, an der Fusselrolle abriss, war für mich klar, dass Lola und ich nicht auf solch engem Raum hausen konnten. Der Hund musste weg! Nein, um Gottes Willen. Niemals, haha! Dazu kam noch, dass der Caddy fast all meine Ersparnisse gefressen hatte und ich grad so noch den Umbau finanziert bekäme. Mich überkam ein ungutes Gefühl und ich stellte ihn ins Netz. Kurz und schmerzlos. Enno gegenüber hatte ich dabei ein fürchterlich schlechtes Gewissen, da er mir als Überraschung schon ein neues Radio mit Rückfahrsensor eingebaut hatte. Und ich unentschlossener Hampelmann entschied mich jetzt einfach nochmal komplett um. Tolle Freundschaft. Der Transporter hatte jedoch auch treue Dienste erwiesen. Ich fuhr einen Umzug, einen Satz Winterreifen und einmal für über 60 € Pfand von „Karpe“, einer meiner trinkfesten Kumpels (Grüße geh’n raus). Und das waren größtenteils Glasflaschen. Mehr muss ich glaub ich nicht sagen.

Nachdem ich beim Verkauf noch fast übers Ohr gehauen wurde, hatte ich ihn dann beim 2. Anlauf endlich los. Ich wollte jetzt erstmal ein günstiges, kleines Auto. Einfach um jetzt nicht mit dem Zug meine 150 km entfernte Familie besuchen zu müssen. Ich hasste den Zug. Und Lola auch. Zur „Primetime“ presste man da gern mal sein Gesicht gegen die sich schließende Tür.

Ich fand auf Kleinanzeigen einen Ford Fiesta, 30 Jahre alt, solide und günstig. Ein richtiger „Ol’ Dirty Bastard“. Für 600 € handelte ich das Auto inklusive Lieferung von Leipzig nach Dresden raus. Die 600 € „Cash“ waren lustigerweise der Erlös eines meiner kürzlich verkauften Fahrräder. Ich tauschte quasi Fitness gegen Bequemlichkeit. Naja, egal. Gebracht wurde die Karre dann spät abends von Martin, einem ebenfalls grundsoliden, ehrlichen Typen. Im gelblichen Licht der Scheinwerfer zählte Martin die Moneten, während ich mit meinen erlernten Besichtigungskenntnissen und Handy-Licht ums Auto schlich. Donnerwetter, stand der gut da. Ich hatte echt ein gutes Gefühl. Meine Eltern wussten noch gar nichts von dem Deal, da ich beweisen wollte, dass ich das jetzt allein hinkriege und sie nicht wieder irgendwo in die Pampa zur Besichtigung holen müsse. Es lief alles bestens. Wir drehten noch eine Runde um den Block und man saß wie bei Uroma im Wohnzimmer. Alles roch … naja, wie roch das … alt eben. Als krieche man auf dem Dachboden rum und öffne eine verstaubte Schachtel. So roch das hier. Aber das gab der Karosse ein gewisses Flair und man fühlte sich immer wohl darin.

Das Auto hatte auf jeden Fall Charakter. Zum Beispiel ging der rechte Blinker nur mit ordentlich Druck und nur wenn man Glück hatte. Die Kontakte waren einfach nicht mehr so kontaktfreudig wie vor 30 Jahren. Dann war da noch was. Wenn es stark regnete und man eine Kurve fuhr, kam Wasser durch die Beifahrertür und auch durch den Lichtschalter an der Decke getropft. Später dann bekam man sogar einen nassen rechten Fuß, da anscheinend oberhalb vom Gaspedal ebenfalls Wasser eindrang. Nicht viel, aber ausreichend. Die Hupe war lustigerweise am Blinkhebel. Und einmal lief der Heckscheibenwischer für eine gute Woche, nachdem ich versuchte, ein Radio einzubauen. Ich dachte, ich hätte irgendein Kabel abgeklemmt, derweil bin ich nur mit dem Arm an den Hebel gekommen. Man, da stand ich mal wieder ganz schön auf’m Schlauch. Sehr zur Belustigung meiner Freundin.

Als ich dann eines Tages meine Lady ins Auto bat, für unsere erste Ausfahrt, fuhren wir Autobahn. Nun ja, was soll ich dazu sagen. Der Vorgänger war laut Martin ein älterer Herr, welcher die Tachonadel stets niedrig hielt. Klar fährt man mit solch einem Auto sowieso entspannt. 50 PS sind eben 50 PS. Enno meinte immer, dass Autos ab und zu mal „freigeblasen“ werden müssen. Auf der Autobahn wollte ich’s dann wissen und trat das Gaspedal voll durch. Es wurde laut. Alles klapperte und vibrierte. Bei knapp über 100 km/h guckten wir uns auf einmal mit gerümpften Nasen an. Himmel, Arsch und Zwirn. Was war das? Es stank fürchterlich. Als verbrannte man tote Tiere. Mein kleiner „Mickey Mouse-Motor“ lief anscheinend so heiß wie lang nicht mehr und irgendwas schmorte da vorn. Wir lachten laut über diese weitere makabre Eigenschaft und ließen es erstmal bleiben mit der Raserei. Grund dafür war, wie ich später mit Enno herausfand, ein Haufen Laub und Geäst, der sich anscheinend über die 30 Jahre zwischen Innenverkleidung und Motorraum angesammelt hat. Auch in der Lüftung hing viel kompostiertes Material, was dann, als der Motor auf Touren kam, logischerweise anfing zu riechen.

Auf jeden Fall verliebte ich mich in dieses kleine weinrote Auto. Es wurde sogar sexuell eingeweiht, bei Starkregen im Autokino. Lola hatte auf der Rückbank massig Platz und ich spielte immer öfter mit dem Gedanken, einfach dieses Auto umzubauen, sodass man damit bequem mal für’n Wochenende an’ See fahren könne. Aber wie nur darin schlafen? Darin zu dritt mit Freundin und Hund zu schlafen, ging auf keinen Fall. Da wäre man außerdem wieder bei der Caddy-Problematik. Einen Wohnanhänger anzuhängen, kam auch nicht in Frage. Er hatte keine Anhängerkupplung und da fehlte einfach etwas an Leistung. Dann bekam ich zufällig Wind von diesen Dachzelten. Ja man. Eine „Stoffvilla“, das wär’s doch. Einfach auf dem Dach schlafen! Wie im Baumhaus! Oder wie bei „Go, Trabi, go“, haha!

Ein Dachzelt ist eine Art Box, die man mit Hilfe eines Dachträgers auf dem Dach eines Autos montieren kann. Es gibt grob gesagt 2 Varianten dieser Zelte. Entweder die klappfähige Version, welche etwas günstiger ist und Platz spart, da man die Liegefläche durch die Klappfunktion verdoppelte. Sie bietet außerdem eine Art Unterstand bei Regenwetter. Nachteil: Man baut gut und gerne 5–10 Minuten auf und ab. Auf und wieder ab. Ganz schön nervig, wenn man tagtäglich den Spot wechselt oder mal schnell weg muss. Dann gab es da noch die „Hartschalen“. Die poppen einfach innerhalb weniger Sekunden nach oben, kosten aber gut und gern drei- bis fünftausend Euro. Uff. Ich schluckte heftig. „Für’n Zelt. 3000 Latten? Hat das Massagefunktion und Minibar, oder was?“

Ich verlagerte meine Suche in die günstigere, klappbare Richtung und fand mich mit den 5–10 Minuten ab. Da stieg man bei ca. 1000 € ein. Doch da kam schon die nächste Frage auf. Ich, total Fahrrad-affin, wollte natürlich meinen Drahtesel mit auf Reisen nehmen. Ohne das Bike ging’s wirklich nicht. Das war eine meiner größten Leidenschaften, stand manchmal sogar in der Rangordnung auf Höhe der Freundin. Ich fuhr eigentlich jeden Tag und schraubte in meinen freien Minuten dran rum. Auch gern mal während der Arbeitszeit, zur Freude meines Chefs. Fixies, eine Art reduziertes Rennrad, waren mein Spezialgebiet.

Nun gab es da ein Licht am Horizont, denn ich entdeckte nämlich ein ganz neues dieser Dachzelte, welches sich im Gegensatz zu allen anderen länglich aufklappte und somit noch Platz für einen schmalen Fahrradträger auf dem Dach bot. „Yes!“ Es war wirklich gut durchdacht und von einem namhaften Anbieter. Das war dann allerdings auch das Problem. 1699 € kostete die Qualität. Es half alles nix. Ich wollte nur noch das. Wenn dann das. „Daaaas.“ Meine Gattin rollte immer öfter die Augen, als ich wieder mit diesem Thema anfing. Und als ich dann sogar im Schlaf davon fantasierte, gab es kein Halten mehr.

Doch Moment, da war noch ein kleiner, aber feiner Haken. Ich benötigte erstmal einen Dachträger, der zwischen Auto und Zeltboden fungierte. Ich schlich besorgt ums Dach meines Autos. „Fuck … is’ das überhaupt machbar?“, schoss es durch meinen Kopf. Ich hatte keine Ahnung. Als guckte das Schwein ins Uhrwerk. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Es galt also, für ein Auto von 1991 einen Träger zu finden, der auch noch kompatibel mit einem dieser brandneuen Dachzelte war. Das war eine echte Herausforderung. Ein guter Monat verging, in dem ich recherchierte, aber vor allem auf Antworten wartete. Nachdem ich auf Ebay nix fand, setzte ich auf eine Firma aus Bayern, welche sich auf Dachträger spezialisiert hatte. Ich erfuhr nach und nach, dass die gebräuchlichen Autodächer meistens mit „Fixpunkten“ oder „Reling“ ausgestattet waren. Mein Wagen jedoch hatte nur eine dünne Metalllippe, in einer sogenannten Regenrinne, an die nur ein ganz spezieller Träger geklemmt werden kann. „Schönen Dank auch.“

Der Typ vom Service, durchlöchert von meinen Fragen, empfahl mir, ein Ford Autohaus aufzusuchen. „Nichts wie hin da!“ Als ich mein Fahrrad, so leise und sanft wie möglich, an die große Glasfront des Gebäudes lehnte, um es abzuschließen, bemerkte ich, dass ich in der Eile eventuell etwas unvorteilhaft gekleidet war. Ich trug meine „zerruppten“ Fahrradschuhe und abgeschnittene, ausgefranste Hosen. Leicht verschwitzt trat ich ein in die heiligen Hallen. Alles war poliert und funkelte. Ich nahm kurz auf der noblen Ledercouch Platz, da gerade jemand beraten wurde. Als die Empfangsdame mir dann zu gestikulierte, trat ich näher. Sie schickte mich, nach kurzer Schilderung meines Anliegens, rüber zu einem älteren Herrn. Roter Schlips, dicker Bauch und natürlich Anzug, wie sich das gehört. Schließlich verkauft man hier Neuwagen an Kunden mit viel Knete auf der Kante. Dicke Deals. Jedenfalls hörte mir der Mann sehr aufmerksam zu und fragte nach der Zulassung. Anschließend tippte er an seinem Computer rum und als der nix so richtig auszuspucken schien, griff er zum Telefon. Sekunden später trat ein zweiter Mann ein und nahm sich der Sache an. Die beiden Verkäufer konnten mir letztendlich lediglich die genaue Modellbezeichnung des Trägers geben. Gebaut wurde dieser aber nicht mehr. „Sowas kann man nur noch mit viel Glück auf Kleinanzeigen finden“, gaben sie mir als Trostpreis mit auf den Weg.

Ich war fast schon am Aufgeben, als ich mir noch ein letztes Mal diese verf***te Kleinanzeigen-App vorknöpfte. Ich tippte diese genaue Modellbezeichnung ein und erweiterte den Suchradius dieses Mal auf ganz Deutschland. Und zack, da war er. Der wahrscheinlich letzte seiner Art. Ganz oben auf der Karte, kurz vor Dänemark.

Am Tag vor Männertag, fuhr ich ganz spontan, zusammen mit meinem Kumpel Basti hoch Richtung Kiel, „zu de Fischköppe.“ Zu dieser Zeit war das gar nicht so ohne, da wir durch 1–2 dunkelrote Corona-Risikogebiete fahren mussten. Der Anbieter dachte, ich scherze nur, als ich schrieb, dass ich wirklich hochkomme. Da standen wir dann, klappernd in der abendlichen Kälte. Der machte Augen, kann ich dir sagen. Er war sehr gastfreundlich und bat uns rein in sein rotes Backsteinhaus. Wir bekamen Getränke, ein nettes Gespräch und am Ende sogar den Dachträger geschenkt. Wir schliefen oben am Strand, auf hintergeleierten Fahrersitzen, genossen das Feeling und stellten uns noch paar Bier in’ Hals. Gute Nacht!

Am nächsten Morgen hatten wir’s dann eilig, wieder nach Dresden zu kommen. Schließlich war Männertag und vor allem Basti, der sich schon während der Autofahrt volllaufen ließ, konnte es kaum erwarten. Am späten Nachmittag kamen wir dann an. Ich war heilfroh, jetzt endlich diese 2 Metallstangen auf dem Dach zu haben. Die Basis für den nächsten Schritt:

Eine Woche später war es dann soweit. Wir fuhren das Dachzelt abholen. Es war für mich wie Geburtstag und Weihnachten zugleich. Ein kleiner Traum wurde war: Die Verwandlung meines Ford Fiesta in ein Wohnmobil. Wer hätte das gedacht. Nun hatte Lola unten ihr Reich auf der Rückbank und separiert davon konnte man oben problemlos zu zweit schlafen. Das war geil. Keine Haare mehr in der Suppe! Der Verkäufer war ein ruhiger, sehr netter Mann mittleren Alters, der schon eine Art Präsentation vorbereitet hatte. Wir klappten es zusammen auf und wieder zu. Ich lag Probe und ein Dauergrinsen durchzog mein Gesicht. Wir montierten es gleich zusammen aufs Dach und ich konnte sogar den Preis noch etwas drücken. Vielen Dank an „Bike Point Klotzsche“ und den Typen, wie auch immer er hieß.

Auf Schnupperkurs

Da ich jetzt dieses schandhaft teure Dachzelt besaß, juckte mir es dementsprechend in den Fingern, das Teil endlich mal auszuprobieren. Nach einem Probelauf, unweit entfernt in Tschechien, fragte ich Freundin und Hund, was sie davon hielten, runter Richtung Spanien zu fahren.

Mein Tätowierer faselte bei unseren Sitzungen immer, wie reizend Barcelona wäre. Sein gesamter Urlaub geht quasi dort unten flöten. Ich glaube, jeder weiß, wie angenehm warm es dort ist und das Meer sieht man hier in Sachsen auch nicht alle Tage. Des Weiteren schwärmte er vom „jugendlichen Lifestyle“ da unten. Sprich coole Leute, massig Skateparks und die sogennanten Coffeeshops. „Wenn man da beim sprüh’n erwischt wird, zahlt man irgendwie 80 € und weiter gehts. Denen ist das fast schon egal da unten. Die ‚Cops‘fahren da regelrecht durch unseren Sprühnebel und die juckt’s oft einfach nich‘!“, gab er einmal lachend von sich. Krass! Diese lockere Haltung kannte ich so überhaupt nicht. Hier in Deutschland hätte man da schnell mal einen Gerichtstermin inklusive Hausdurchsuchung anstehen. Schlichtweg undenkbar wär das hier. Kumpels am Skatepark behaupteten außerdem, es wäre, als sei die Stadt von Jugendlichen gebaut worden. „Überall ‚Streetspots fürs Bike oder Skateboard!“, hieß es da. Nun, ich war vollkommen überzeugt und konnte es kaum erwarten, diese im Gegensatz zum gesetzestreuen Deutschland sehr gegenteilige Welt kennenzulernen. Wieder einmal brannte sich dieser Gedanke tief ins Oberstübchen ein und die Vorfreude verbreitete sich rasch. Lola erlebte was und musste nicht zuhause rumsitzen und für meine Gattin war es eine wohlverdiente Auszeit vom 3-Schicht-System. Die Idee schien allen zu gefallen. Sie unternahm gern Ausflüge und wollte schon als nächstes unbedingt in den Katzenzirkus nach Moskau. „Waaas, sowas gibt’s?“, fragte ich mit offener Kinnlade. „Hammer!“ Das war nur fürs erste Mal fast schon zu groß gedacht und unsere gemeinsame Urlaubszeit hätte nicht gereicht. Wir verschoben den Gedanken auf den nächsten, längeren Urlaub und einigten uns auf Barcelona. Ihr war’s eigentlich egal. „Hauptsache weg!“, sagte sie.

Wie gewohnt durchlief ich die Reise schon mal imaginär und packte das Auto dementsprechend im Voraus. Gaskocher, Hundenäpfe und Co. durften natürlich nicht fehlen. Wäre ärgerlich. Klar könnte man den Hundenapf ersetzen, indem man die Hände als Gefäß formt, aber auf zu viel Improvisation hatte ich auch keinen Bock. Ich war sowieso ein Freund von etwas grundlegender Planung bei größeren Vorhaben, um dann nicht komplett dumm dazustehen und die Woche in vollen Zügen genießen zu können. Quasi lieber einmal richtig den Kopf zerbrechen und davon dann eine Woche lang profitieren. „Immer vom Schlimmsten ausgehen und sich freuen, wenn’s besser wird.“ alter Survival-Kodex, der mich schon des Öfteren mental stärkte. Den Lauf der Reise und ob die theoretischen Überlegungen auch praktisch so funktionierten, überließen wir dem Zufall, ein gewisses Restrisiko sollte schließlich bleiben. Sonst wär’s ja langweilig.

Ein kühler Morgen leitete unsere Reise ein und ließ die Vorfreude auf die Wärme nur noch mehr wachsen. Lola hechelte aufgeregt auf der Rückbank und die Katzen gaben wir zu einem hilfsbereiten Freund. Lange fuhren wir quer durch das triste, graue Deutschland, bis wir an der französischen Grenze ankamen. Wir hatten zwar einen offiziellen PCR-Test machen lassen, nur ließ sich meiner, welcher mir per Mail zugeschickt wurde, nicht öffnen oder ausdrucken. Dementsprechend schlug ich kurz vor der Grenze von der Autobahn auf eine kleine Landstraße ein und wir passierten problemlos, ganz ohne Kontrollen. In Frankreich war ich erstmal baff. Ich hatte zwar Französischunterricht gehabt, war aber noch nicht einmal im Nachbarland. Für mich war das andere Flair, sprich die ausländischen Straßenschilder, Autos und Menschen schon ein schönes Anzeichen, auch wirklich woanders zu sein. Herrlich war das! Nur die Selbstbediener-Tankstellen verwirrten anfangs etwas und boten komischerweise in dieser Gegend nur eine Mischung aus „Super 95“ UND „E 10“ oder aber den hochwertigen „98er“-Sprit, welcher nur von Neuwagen und moderneren Autos richtig verwertet werden kann, da diese erkennen, um welchen Kraftstoff es sich handelt und dann wohl die Einspritzmenge variieren. Von stinknormalem „95er“ war hier keine Spur. Ich tankte also in Rücksprache mit Enno Benzin mit 98 Oktan. „Eher das als ‚E 10‘!“, meinte er verwirrt am Hörer. Ging eben nicht anders. Das hatte dann später auf der Autobahn zur Folge, dass wir auf einmal nicht mehr nur bergab über 100 km/h fuhren, sondern nun auch bergauf. Ich wusste das anfangs gar nicht und freute mich über meinen brachialen Motor, der anscheinend grad gut warmgelaufen war. Im Nachhinein klärte Enno mich auf, dass das gar nicht ungefährlich war. Der Motor hätte überdreh’n können, wenn man ihn richtig prügelt, da dieser Sprit mehr „Bums“ hat und mein „Ol’ Dirty Bastard“ das, wie gesagt, gar nicht richtig verarbeiten kann. Es ging zum Glück alles gut.

Bei McDonald’s dann merkte ich erstmal, wie eingerostet meine Sprachkenntnisse waren. Ich machte mich an der Sprechanlage voll zum Eimer und musste zwischendurch selbst anfangen zu lachen. Es gab irgendwie eine ganz andere Auswahl als bei uns in Deutschland. Ich wollte eigentlich nur eine Apfeltasche und die Freundin wollte nen bestimmten Burger. Gab’s irgendwie beides nich‘. Alle amüsierten sich hervorragend und wir aßen eben Pommes. „Lü pomm dü t’äre“ oder so hieß das. Das wusst’ ich noch!

Nach einer schönen Nacht am Mittelmeer, auf einem traumhaften Parkplatz, der schon halb mit Sand bedeckt war, da er direkt hinter der Düne platziert war, ging es uns besser denn je. Früh morgens saß Lola schon schwanzwedelnd auf der Rückbank und konnte es kaum abwarten rausgelassen zu werden. Wir tobten zu dritt über den ins Morgenrot getauchten Strand und genossen die französischen Backwaren. Kurz darauf steuerten wir auch schon langsam auf die spanische Grenze zu. Wir legten eine gute Strecke zurück. Es war eine sich die Berge entlang schlängelnde Küstenstraße, die wir gegen frühen Abend, mit letzter Kraft, entlang krauchten. Das Auto hechelte schon lauter als der Hund. Man fuhr direkt am Berg entlang, durch kleine Ortschaften. Links sah man nur blau. Soweit das Auge reichte. Rechts die fast senkrecht nach oben wachsenden Berge. Rennradfahrer kamen uns lächelnd entgegen geschossen und Motorradfahrer ließen ihre Maschinen aufheulen. Es war wirklich eine der schönsten Straßen, die ich bis dahin fahren durfte. Da langsam die Nacht einbrach und wir nicht im Dunkeln aufbauen und essen wollten, bog ich kurzerhand in einen Weg ein. Leider war dieser mit roter Sperrscheibe versehen. Wir taten so, als hätten wir diese nicht gesehen. Es war dunkel, es war spät und wir im Arsch, also nichts wie rein da. Der Weg lag ziemlich genau auf der spanisch-französischen Grenze und wand sich um einen großen Berg, sodass man außer Sichtweite war. Perfekt! Es war sogar eine Art „Dead End“ und man kam auf einem großen, begrünten Plateau an. Du kannst dir das gern auf Google Earth reinziehen. Die Sicht war gigantisch. Man überblickte die kurvige, im Berg eingearbeitete Straße, welche wir uns hochgeackert hatten, und sah die Küste in voller Pracht. Ich schätze, unser beschlagnahmtes Plateau war 500 Meter hoch und vor uns ging es nahezu senkrecht nach unten, wo die Wellen weiß schäumten. Ich lief ganz langsam mit großen Augen und weit offenstehendem Mund umher, konnte unser Glück kaum fassen. Als wir dann noch Nudeln kochten, schien die Idylle vollendet. Der Ort gab einem das Gefühl, sicher zu sein und auch Lola lag ganz entspannt vorn an der Kante zum Mittelmeer.

Früh morgens dann die bittere Überraschung: Nachdem wir frühstückten, ich mit Lola den Berg erklommen hatte und auch das Zelt wieder eingeklappt und verpackt war, starteten wir gut gelaunt in den Morgen. Als wir da halb verschlafen, circa 9 Uhr morgens, diesen kleinen Weg zurück zum Grenzübergang entlang tuckerten, sah ich in der Ferne etwas, was mir mein Herz kurz in die Hose rutschen ließ. Was das war? Militär! Schwere Jungs! Die schienen diese kleine Küstenstraße zu blockieren und Autos zu kontrollieren. Die sahen alle gar nicht witzig aus. Riesengroße Männer mit Gewehren und diesen „Barettmützen“. Überall waren die verteilt. Ja sogar oben auf den Hügeln lagen sie einschüchternd, durchs Visier guckend. Und genau diesen Weg, den wir gestern eingebogen sind, schienen Sie als Stellplatz für mehre große Trucks zu nutzen. Hätten nur noch Panzer gefehlt und ich wäre komplett hinterm Lenkrad meines erbärmlichen Fiestas verschwunden. Stattdessen leierte ich gezwungenermaßen das Fenster runter, sie hatten uns eh längst spitzbekommen. Jetzt muss man sich schlichtweg mal diese Situation auf der Zunge zergehen lassen. Wir 3, verdutzt durch die Scheibe guckend, noch Schlaf in den Augen, Zahnpasta in den Mundwinkeln und das Militär, welches wir, von hinten kommend, überraschten. Als nun glücklicherweise ein junger freundlicher Soldat mit uns auf englisch zu kommunizieren versuchte, trat der General langsam näher und musterte uns. Die Miene war ernst und die „G.I. Joe Sonnenbrille“ verdeckte die Augen. Wir hatten mittlerweile die Aufmerksamkeit aller. Fehlte nur noch der rote Punkt auf der Stirn. Wir gaben ihnen so lächelnd wie nur möglich zu verstehen, dass wir gestern Abend notgedrungen hier einbogen, da sonst nichts zu finden war. Der Dolmetscher ließ uns wiederum wissen, dass man ein rotes Auto suche, welches gerade über die Grenze fliehen will. Zu dumm nur, dass unser Auto auch rot war. Zwar weinrot, aber rot eben. Als dann aber alles überprüft war und auch die Generäle verstanden, gab man uns abschließend zu wissen: „Next time, vacation over … and cash!“, und lachte laut über unsere versteinerten Gesichter. Eine kurze Handbewegung symbolisierte uns letztendlich die Weiterfahrt, nachdem sie einen ihrer Trucks etwas beiseite rangiert hatten. „Puhhhhhhh.“ Glück gehabt.

An diesem Tag erreichten wir noch „Lloret de Mar“. Meine Freundin meinte, das wäre die Stadt, in der eine ihrer Freundinnen damals ausgiebig ihren Abschluss gefeiert hätte. Daraus konnte man schließen, dass es hier viel zu erleben gab für junge Leute. Ich glaube, mein Onkel war hier damals auch und kam ohne Geld und dafür mit „Veilchen“ wieder heim. Taumelnde Spanier, bunte Lichter und laute Musik empfingen uns also an diesem späten Nachmittag und irgendwie war ich gar nicht so begeistert davon. Wir waren schließlich schon den ganzen Tag unterwegs, wurden von den bewaffneten Jungs geweckt und wollten jetzt nur noch eins: erholsamen Schlaf! Nachdem wir viele dreckige Nebenstraßen abklapperten, erreichten wir irgendwann eine Art Anhöhe, auf der die etwas besser Betuchten siedelten. Da gab es dann abgesperrte Wohngebiete, vor denen Security-Beamte ihre Kreise zogen und Sicherheit symbolisierten. Glücklicherweise war direkt neben einem dieser Gebiete ein relativ ruhiges Plätzchen mit Blick über den Lärm, Richtung Meer. Nur leider direkt an einer kleineren Straße, quasi auf einem verbreiterten Fußweg. An sich nicht schlimm, nur rief die Körperhygiene an diesem Abend lautstark. Die Stimmung drohte zu kippen. Wir waren verschwitzt vom heißen Tag im Auto, müde, wollten noch kochen und irgendeiner musste sich diesem fragend guckendem Hund annehmen, der scheinbar ziemlichen Laufdrang verspürte. Nach einem kurzen Durchhänger rappelten wir uns auf, hissten den Wasserkanister und einer betrieb hastig Katzenwäsche, während der andere die Intimbereiche mit dem Handtuch verdeckte. Irgendwie fällt es Fußgängern in diesen Momenten immer ein, flüchtig an solchen Geschehen mit diesem „Ich-hab-gar-nix-gesehen-Blick“ vorbeizulaufen. Naja egal, wir fühlten uns schon mal deutlich besser und teilten die restlichen Aufgaben.

Der nächste Tag: Als ich an jenem Morgen benommen zum Zelt rausgaffte, war das bunte Treiben schon in vollem Gange. Heute weckte uns nicht das Meer, auch nicht das Militär, nein, diese sich den Berg hochquälenden „Kackroller“ weckten uns heute, ja, ähnlich wie die vom Türken. Die Leute darauf lächelten zwar meist, aber laut war es trotzdem. Zu dem passierten mehrere Autos und eine komplette Schulklasse unseren Lagerplatz. Man starrte uns Löcher durchs Zelt, da wir ja auch nicht so recht ins gewohnte Bild passten, mit unserer außerirdischen Dachzelt-Konstruktion. Ich bin so ein Mensch, der den Tag morgens ruhig startet, andernfalls sollte man mich für den Rest des Vormittags meiden. Also entschied ich leicht angepisst, noch liegen zu bleiben und darauf zu warten, dass sich der spanische Morgenlärm etwas legt. Anscheinend hielt die Polizei aber nicht allzu viel von uns Langschläfern und ja, du kannst es dir bestimmt schon denken, auch an diesem Morgen wurden wir letztendlich schon wieder von den Gesetzeshütern heimgesucht. Naja, wenigstens waren es heute nur 2 Beamte, welche gegen das Sondereinsatzkommando von gestern eher weniger einschüchternd wirkten. Sie klopften an das Zelt und schnell wurde klar, dass das hier nicht so gehe. Wir sollten unseren Krempel woanders ausbreiten. Ich handelte in T-Shirt und Unterhosen noch etwas Zeit heraus und sie verschwanden relativ schnell. Wiederkommen wollten sie allerdings nicht, gab man mir in brüchigem Englisch zu verstehen. Alles in allem ein unangenehmer Morgen.

Heute war es dann soweit: Wir kamen in Barcelona an und anscheinend kroch das Unglück weiter durch diesen Tag. Ganz zuversichtlich fuhr ich einfach mal rein in die Millionenstadt. Voll die blöde Idee. Autos! Autos überall. Meine Nerven? Kurz vorm Zerreißen. Es war echt nicht mehr lustig, da wir voll in die „Rush Hour“ platzten. Ich Idiot. Ich dachte echt, ich würde hier irgendwo nen Parkplatz finden und gemütlich mit meiner Gefährtin ein Eis schlecken können. Falsch gedacht. Wir schleckten uns den Schweiß von der Nase und atmeten reichlich Abgase im dichten Verkehrsdschungel. Abends zeigte mir eine Stellplatz-App dann zu meiner Beruhigung einen schönen Parkplatz direkt am Meer, etwas außerhalb der großen Stadt. Wir klappten das Zelt quasi direkt am Strand auf. Gar nicht schlecht. Nur gingen an diesem Abend noch 2 weitere Dinge in die Hose. Wer hätte es gedacht. Es war einfach der Wurm drin. Zum einen gab es wieder Nudeln und ich kam dieses Mal auf die gar nicht so schlechte Idee, Salzwasser vom Meer mit ins Nudelwasser zu mischen, um das ganze etwas schmackhafter zu gestalten. Leider dann doch etwas zu viel, wie ich nur unschwer am Blick meiner Göttergattin ablesen konnte. Sogar so viel, dass es einem das Gesicht verzog, wie auch ich hungrig feststellen musste. Wutentbrannt landeten ihre Nudeln im Gebüsch. Aus Protest und Hunger aß ich meine trotzdem. Es folgte ein kurzer Spaziergang und abruptes Zähneputzen mit anschließendem Schlafengehen. Doch hier kam dann auch schon die zweite Attacke. Es war nämlich Wochenende. Und da die Clubs dicht hatten, war es anscheinend ziemlich populär, sich auf Strandparkplätzen zu treffen und ordentlich „zuzusaufen“. 2–3 Autos parkten nachts direkt neben uns und machten schön Stimmung. Die Kofferraumklappen standen weit offen und die Musik der Subwoofer konnte dadurch noch besser zu uns durchdringen. Herrlich war das. Ich fand’s fast schon witzig, wie man uns hier auf die Probe stellte und nahm’s irgendwie mit Humor. Schließlich war dieses spanische angetrunkene Gelaber auch irgendwie amüsant. Nur die Mücken, die sich anscheinend durch kleine Öffnungen ins eigentlich sichere Zelt durchgeschlagen hatten, waren dann nicht mehr so witzig.

Der darauffolgende Tag startete gar nicht schlecht, denn es kehrte so langsam eine „Mir-doch-egal-komme-was-wolle-Stimmung“ ein. Man fand sich sozusagen schon mal damit ab, dass eventuell gleich wieder Beamte kommen werden oder ich Salzwasser ins Müsli kippe. Scheiß drauf. Dann ist es eben so. Und komischerweise stellte sich diese Taktik als äußerst beruhigend heraus und es passierte auch nichts weiter Bewegendes. Ja, man konnte sogar sagen, dass sich das Blatt wendete. Die Sonne zischelte durchs Moskitonetz ins Zelt und hatte uns langsam die Augen geöffnet. Meine Freundin schlief wie immer nicht allzu erholsam, war aber erstaunlich gut drauf. Nachdem ich meinen Kadaver die Leiter hinunter gehievt hatte, ließ ich den Hund raus und beobachtete ihn kurz. Lola hatte die vorteilhafte Angewohnheit, gleich zur Sache zu kommen, ihr Geschäft zu erledigen. Demzufolge stand ich schon mit Kotbeutel parat. Auch sie war heute die Ruhe in Person und posierte ganz entspannt auf der Promenade, die uns vom Strand trennte. Nicht mal die zahlreichen anderen Hunde machten ihr etwas aus. Sonst hatte sie damit immer so ihre Schwierigkeiten, doch die trägen spanischen Hunde verkörperten den reinen Frieden. Ich lief nun mit Lola vor zum Trinkwasserspender, um unseren Kanister aufzufüllen. Als ich zurückkam, wurde schon am Frühstück gewerkelt und wir starteten wunderbar in den Tag. Die Sonne wärmte, es gab reichlich Wasser und Essen und die vorbeiziehenden Leute schenkten uns ein Lächeln. Wie schön! Der anschließende Strandspaziergang mit Schwimmeinlage setzte dem Ganzen dann die Krone auf. Wir waren im Paradies und das für „no Monetos“. Klar kostet es erstmal etwas, um hierher zu gelangen, aber an sich steht man hier umsonst auf einem öffentlichen Parkplatz mit fließend Trinkwasser und sogar Duschen, welche zahlreich am Strand verteilt waren. Als ich das alles realisierte und verarbeitete, schoss mir ein Blitz durch den Kopf. Warum wohnten wir in dieser teuren Wohnung im kalten Deutschland, wenn’s hier viel besser war? Hab’ ich mein ganzes Leben am falschen Ort verbracht? Die einzigen Kosten, die man hier hätte, gingen fürs Einkaufen drauf. Dieser Gedanke schien mich total aus den Flip Flops zu hauen. Man konnte also hier im Paradies mit recht wenig Geld klarkommen. Und als ich da auf meinem spanischen Klappstuhl am Auto lehnte, die Sonne auf meinen Bauch brutzelte und ich mir schon ausmalte, hier sesshaft zu werden, rief die Realität. In dem Fall die Freundin, welcher langweilig war und als erste von uns dreien bemerkte, dass wir in naher Zukunft wieder den Heimweg antreten sollten, um halbwegs entspannt und rechtzeitig zuhause anzukommen. Schließlich hatten wir nur eine grobe Woche zur Verfügung. Die Trennung fiel mir schwer, da gerade eben erst die Erholung einzusetzen schien. Na, dann mal los.

Irgendwie fehlte jedoch noch der gewisse Kick auf unserem Abenteuer und so gab sich meine Geliebte alle Mühe, um diesen noch mit einzubringen: Wir waren auf dem Rückweg, es war Mittag und der Hunger rief. Um dem Land, das wir bald verlassen wollten, noch etwas Aufmerksamkeit zu schenken, aßen wir in einem kleinen Restaurant auf dem Dorf zu Mittag. Wenig später bemerkten wir eine einsame, betonierte Fläche, drüben am Rand des Dorfes. Ein Skatepark! Wir freuten uns immer, wenn wir zufällig einen erspähten, da wir ein „Board“ dabei hatten und meine Freundin gerade scharf aufs Skaten geworden ist. Ihr machte es großen Spaß und juckte es scheinbar immer öfter in den Füßen. Ich fand das affengeil und half ihr etwas dabei. Wir drehten abwechselnd ein paar Runden und dann kam auch schon der besagte Kick. Sie verlor aus Versehen das Gleichgewicht und knallte aus einem Meter Höhe mit der Schulter auf den blanken Asphalt. Das krachte ordentlich und mir verzog sich schon beim bloßen Anblick die Miene. Sie konnte natürlich nichts dafür, sowas passiert den Besten. Die Tränen schossen und ihre Schonhaltung wies auf nix Gutes hin. Sie tat mir echt leid und ich versuchte hektisch zu helfen. Wir stützten es mit einem Dreiecksverband, den ich erst beim 3. Anlauf hinbekam und sie nahm im Auto Platz. Ich fragte, ob sie hier ins Krankenhaus wolle und als sie verneinte, „brainstormte“ ich weiter, was wohl jetzt die beste Entscheidung wäre. Sie war sich nicht sicher, ob es überhaupt gebrochen war und der Schock verbarg noch die wahren Schmerzen. Ich bot ihr irgendwann an, sie nach Deutschland ins Krankenhaus zu fahren. Da spricht man unsere Sprache und ist nicht mehr weit von der Wohnung entfernt. „Wenn wir jetzt losfahren, sind wir irgendwann heut’ Nacht da!“, verkündete ich hoffnungsvoll und bereitete mich auf eine lange Fahrt vor. Wir waren schließlich noch irgendwo unten in Südfrankreich, kurz hinter der spanischen Grenze. Dem Fiesta wurde schon ganz mulmig bei dem Gedanken, sich bis nach Deutschland zu quälen und das möglichst in Rekordzeit. Ich wusste aus Erfahrung, wie schmerzhaft schon ein nur angebrochenes Schlüsselbein während einer holprigen Autofahrt sein kann. Und so gab ich mir große Mühe bei diesem Krankentransport. Als es dann langsam dämmerte und ich meinen müden Körper etwas aufputschte, wurde langsam klar, dass es noch ziemlich weit war und die Schmerzen nicht nachließen, im Gegenteil.

Mit zunehmender Dunkelheit hatte ich große Mühe bei der Sache zu bleiben und versuchte, mit Energy Drinks, lauter Musik und „Kopf aus dem Fenster“ bei Sinnen zu bleiben. Wir redeten kaum und ich war sehr konzentriert, voll im Tunnelblick. Ich wollte unbedingt durchhalten. Meiner Freundin war das unheimlich und sie erwähnte das auch ab und an. Ich nahm es hin, fokussierte aber weiterhin unser Ziel. Das mit Deutschland stand fest, war eine gute Sache und auch der Wunsch meiner Freundin. „Also reiß dich zusammen, Franz!“, hämmerte ich mir ein. Als wir dann kurz anhielten, weil Lola musste, ich musste und wir Hunger hatten, kam es zur großen Verwirrung. Verwirrung war untertrieben, ich rastete komplett aus, denn meine Freundin fragte mich allen Ernstes, warum wir denn nicht schon längst hier in Frankreich ins Krankenhaus gefahren wären. Ich verstand kurz die Welt nicht mehr. Ich setzte hier fast schon unser Leben aufs Spiel und fuhr wie ein Geisteskranker, nur um ihr diesen Wunsch zu erfüllen und dann kam diese Unterstellung. Als wäre mein Handeln hier eine Art unterlassene Hilfeleistung. Die Stimmung kochte wie nie zuvor. Das brachte mich so auf die Palme, dass ich trotz ihres Leidens, den schlafenden Truckern und meiner totalen Übermüdung so laut rumbrüllte, dass mir Hören und Sehen verging. Ich schmiss Sachen über den Parkplatz und heulte schon fast, da sie immer weiter diskutierte und konterte. Solche Seiten hatten wir von uns noch nie kennengelernt. Ich konnte diese dreiste Haltung meiner Freundin einfach nicht verstehen. Sie wiederum verstand nicht, warum ich hier so ausflippe und erwähnte, dass sie mehrmals gesagt hätte, sie hätte Angst und sie habe große Schmerzen. Anscheinend wollte sie mich aber nicht unterbrechen. Des Weiteren dachte sie, der Unfall hätte sich noch in Spanien zugetragen und sie wollte in kein spanisches Krankenhaus, französisch wäre jetzt aber schmerzbedingt in Ordnung. Ein großes Missverständnis also. Beim Unfall war sie auch auf den Kopf gefallen und gab mir zu verstehen, dass das womöglich eine Ursache dieser Verwirrung sei. Dieses kleine Eingeständnis ließ mich wieder halbwegs zur Vernunft kommen und da von ihrer Seite aus keine klaren Worte kamen, entschied ich nun folgendes: „Ich muss jetzt kurz die Augen zumachen und nach dem ich wieder einigermaßen bei Kräften bin, fahren wir direkt ins nächste Krankenhaus. Ok?!“ Wimmernd stimmte sie zu und ich schlief trotz „Puls 200“ gleich ein. Der Wecker holte mich nach circa eineinhalb Stunden aus dem Schlaf und wir fuhren los. Es war tiefe Nacht, alles schwarz und die Straßen wie leergefegt. Die Stimmung war noch immer im Eimer. Als wir am nächstgelegenen Krankenhaus ankamen, wartete die nächste Hürde. Es war ein Riesenkomplex, zwar schön beleuchtet und ansehnlich, dafür aber typisch französisch mit Kreisverkehren und massenhaft Schildern versehen. Unser „Google Übersetzter“ kam kaum hinterher und wir fanden bei dieser Aufregung einfach keine Notaufnahme. Letztendlich wurde der nette ältere Mann vorn im Empfangshaus auf uns aufmerksam. Ich bemerkte, wie er seinen bequemen Stuhl vorm Fernseher verließ, Kaffee beiseitestellte und uns aufgeregt zuwinkte. Er war sehr freundlich und hilfsbereit, verstand aber unser Anliegen nur sehr mühselig. Als dann Klarheit herrschte, versuchte er uns mit einem Laserpointer den Weg zu weisen. Gar nicht dumm. Ich kam trotzdem nicht klar in diesem Labyrinth. Das blöde Rumgeeier ging mir allmählich ziemlich gegen den Strich. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit verstand ich, wo es nun eigentlich langging. Ich erspähte rauchende Personen im weißen Kittel, welche sich anscheinend gerade die Zeit vertrieben und hinter ihnen parkte ein Krankentransporter. Bingo! Das muss wohl die Notaufnahme sein. Bis auf den Chefarzt, den wir erst später kennenlernen durften, sprach hier aber keiner englisch, geschweige denn deutsch. „Only en francais.“ Aufgrund dessen zog sich diese ganze Vorstellung lang wie Kaugummi. Als alles geklärt war, bat ich meine Freundin, noch etwas Schlaf nachzuholen, während sie da tapfer auf’s Röntgen wartete.

Als es dann schon langsam dämmerte, klopfte sie enttäuscht ans Beifahrerfenster. Ein glatter Bruch, wie sich herausstellte. Der Chefarzt drückte ihr die Fotos in die Hand und meinte, wir können „heem geh’n“, sollten aber möglichst zeitnah im ansässigen Krankenhaus vorstellig werden, da man das Schlüsselbein auf dem OP-Tisch wieder zusammenflicken müsse. Na, herzlichen Glückwunsch. Urlaub – Ende. Kommunikation – blöd. Beziehung – brüchig.

Spanischer Vodka

Sicher willst du noch wissen, wer eigentlich diese kleine Fellnase ist, die hier schon des Öfteren erwähnt wurde. Sie war für mich das Allerwichtigste, wenn man so will, mein Kind, und begleitete mich nahezu überall hin. Hier die Geschichte zu meiner Hündin Lola:

Ich weiß, das Lola erst Gabi und dann Susi hieß. Niemand weiß jedoch, was in Lolas ersten sechs Jahren passierte. Man weiß nur folgendes: Lola ist in Deutschland vom Tierschutzverein gefunden wurden. Man sammelte sie irgendwo auf der Straße auf, völlig erschöpft und verängstigt. Als man sie bei sich aufnahm und untersuchte, fand man einen russischen Chip in ihrem Hals. Tatsächlich! Sie wurde anscheinend in Russland gechipt. Das musste bedeuten, dass diese Hündin einen weiten Weg hinter sich hatte. Wer oder was auch immer sie dazu antrieb, einen solchen Weg auf sich zu nehmen, kann man nicht genau sagen. Man weiß es einfach nicht. Vielleicht ist sie auf einem Güterzug mitgefahren oder gar gelaufen. Keine Ahnung. Was auf jeden Fall fest steht, ist, dass Lola Schlimmes erlebt haben muss! Sie war extrem verängstigt und man hatte große Mühe, ihr zu beweisen, einer von den Guten zu sein, geschweige denn, ihr irgendwie nahezukommen oder sie gar zu streicheln. Des Weiteren wies ihre rechte Hinterpfote einen Bruch auf, welcher etwas schief wieder verwachsen war. Eine These könnte sein, dass sie sich auf der Straße durchschlagen musste und von einem anderen Hund am Bein erwischt wurde. Ihre Ohren hatte auch den ein oder anderen „cut“.

Jedenfalls wurde Lola nach einem kurzen Aufenthalt im Tierschutz an eine ältere Frau abgegeben. Jene Frau, mit der ich bald über Ebay-Kleinanzeigen kommunizieren werde. Sie war guter Dinge, sich wieder einen Hund zu holen, da ihre letzten beiden Hunde an Asthma erkrankten und das Zeitliche gesegnet hatten. Es galt, ein Loch zu füllen. Die Frau meinte es gut mit ihrer damaligen Susi. Es gab 3 Mal täglich Futter und man bemitleidete die Hündin für die schlimmen Dinge, die sie erleben musste. Nur leider half das alles nichts. Der Hund war total verstört und schien sein Verhalten keineswegs abzulegen. Es schien eher schlimmer als besser zu werden und man bekam Angst, ob das wirklich der richtige Hund sei. Der verzweifelten Frau, welche selbst schon an Burnout erkrankt war und ihre kranke Mutter pflegen musste, blieb nichts anderes übrig, als Einsicht zu zeigen und zusammen mit der Tierschutz-Organisation ein anderes Zuhause für die Hündin zu finden. Man inserierte unter anderem Bilder auf der Kleinanzeigen Plattform.

Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich akribisch alle möglichen Anlaufstellen für Hunde durchforstet. Vor allem aber war ich in verschiedensten Tierheimen unterwegs. Darauf brachten mich meine Eltern, welche ab und an dort freiwillig Hunde ausführten. Ich traf „Herdenschutzhunde“, Listenhunde und Hunde im Rentenalter. Das schien alles mit meiner damaligen Vorstellung nicht so gut zu harmonieren, aber auch nicht mit meiner früheren Einraumwohnung bei einer Genossenschaft, welche Listenhunde schon mal ausgrenzte. Listenhunde, auch als „Kampfhunde“ bekannt, wirken oft etwas aggressiver als andere und weisen einen stärkeren Körperbau auf. In einer Wohnsiedlung wie meiner könnten sie nicht gehalten werden, ließ man mich wissen. Nun, über den „Herdenschutzhund“, welcher ebenfalls noch nicht vergeben war, brauchen wir auch nicht reden. Der benötigt wahrscheinlich 10 meiner Wohnungen für sein morgendliches „Warm-up“. Und als ich schon damit rang diesem übrigen alten Hund noch 1–2 schöne letzte Jahre zu ermöglichen, war dieser auch schon vergeben.

Ich wollte unbedingt einen Hund. Ein Hund schien mir der perfekte Begleiter zu sein und ich durchlebte sowieso gerade eine Lebensphase, in der ich dem Hund noch mindestens einen ganzen Monat intensiv Zeit hätte schenken können, um sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Meine Großeltern hatten schon einen Schäferhund, mit dem ich quasi aufwuchs. Erfahrung im aktiven Training und Umgang mit einem Hund hatte ich jedoch keine. Katzen kamen nicht in Frage, ich hatte ab und an allergische Reaktionen auf ihr Fell und war einfach kein Katzentyp. Ein Hund also. Einer, der mir neuen Schwung gab, mich früh morgens aus dem Bett schmeißt, aber auch eine Verantwortung, der ich mich gewachsen fühlte und nachkommen wollte. Vielleicht auch einen der mir den ein oder anderen Charakterzug nicht so übel nimmt und meine vielen nächtlichen Ausflüge etwas eindämmt.

Als ich dann auf Kleinanzeigen Hunde suchte, was ich etwas komisch fand, schließlich waren Hunde keine Gegenstände, traf ich letztendlich auf die Anzeige der Frau, von der ich bereits sprach. Zu sehen war ein schöner Mischling, mittlere Größe, braun-weißes Fell. Im Text stand erstmal nichts Schlechtes: Sie könne allein zuhause bleiben, auch nachts und sei eher von ruhiger Sorte. „Klingt ja toll!“, dachte ich mir und rief gleich mal an. Die Stimme wies auf eine ältere Frau hin, welche nicht lange warten ließ, mich nach meinem Alter zu fragen. Man spürte leichtes Misstrauen am Hörer. Wir konnten uns, mit etwas Nachdruck meinerseits, auf ein erstes, reines Kennenlernen einigen. Ich fühlte mich etwas komisch, als hätte man absolut kein Vertrauen in die Reife eines 18-Jährigen. Mag schon sein, dass es für einen Menschen keine leichte Entscheidung ist, sein geliebtes Tier abzugeben, und vor allem nicht an so einen unerfahrenen „Jungspund“, aber man kannte mich doch noch gar nicht. Nur kurz durch den Hörer. Ein paar Tage später schwang ich mich nervös aufs Rad. Es war nicht weit von mir. 10-15 Minuten. Ich hatte es recht eilig, da mich die Vergangenheit lehrte, dass Hunde gern schnell vergeben waren. Außerdem waren schon einige Wochen vergangen und der Gedanke saß tief in mir, Tag und Nacht. „Nichts wie hin da!“, dacht’ ich mir also und tritt kräftig in die Pedale. Eine bereits auf dem Balkon stehende Frau erwartete mich schon und hastete zur Klingel, als sie mich in Richtung ihres Eingangs rollen sah. Nervosität beiderseits also. Das beruhigte mich etwas. Ich schloss ab und trat ein. Ein klassischer Block in einer Siedlung. Schon in der ersten Etage erwartete mich eine halboffen stehende Tür. Als ich nähertrat, öffnete sich die Tür wie von Geisterhand und ein Geruch durchzog meine Nase, welcher mich gleich zu Anfang etwas bedenklich stimmte. Es war der Geruch einer schlecht gelüfteten Wohnung, kombiniert mit kaltem abgestandenem Rauch. Zur damaligen Zeit rauchte ich nicht wenig, aber das war ja schlimmer als bei meinen Kumpels am Wochenende. Ich ließ mir nichts anmerken und trat ein, in den dunklen Flur einer 2-