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Abweichungen schnell und zuverlässig feststellen Ist das Ergebnis der Laboruntersuchung eingetroffen, ist die Unsicherheit meist groß. Wie hoch dürfen die Werte für Triglyceride, Cholesterin oder Harnsäure sein? Was sagt eine Blutsenkung aus? Und warum können Messergebnisse manchmal verfälscht sein? Was der Arzt in Blut und Urin erkennen kann und welche Befunde Anlass zur Behandlung geben, all das erklärt der Große GU Kompass Laborwerte. Von A wie Adrenalin bis Z wie Zink werden Normbereiche aufgezeigt sowie mögliche Ursachen für Abweichungen erörtert. Darüber hinaus informiert der Ratgeber über die häufigsten Untersuchungsmethoden, Fachbegriffe und Selbsttests für zu Hause. So ist der Große GU Kompass Laborwerte eine unerlässliche Hilfe für das Gespräch mit dem Arzt.
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Seitenzahl: 290
Veröffentlichungsjahr: 2016
Die Blutuntersuchung ist neben der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden, die dem Arzt eine exakte Diagnose und eine angemessene Therapie ermöglichen.
NÜCHTERN ZUR BLUTABNAHME
Einige Blutuntersuchungen, v.a. jene zur Beurteilung des Zucker- und Fettstoffwechsels, müssen in nüchternem Zustand durchgeführt werden: Der Patient darf also vor der Blutentnahme – am besten ab dem vorangehenden Abend um 20 Uhr – außer zuckerfreien Getränken nichts zu sich nehmen.
Bildung, Zusammensetzung und Funktion des Blutes
Als Blut bezeichnet man die in den Blutgefäßen durch den Körper kreisende Flüssigkeit, die aus Blutzellen und Blutflüssigkeit besteht.
Die Blutzellen werden beim Erwachsenen im Knochenmark gebildet. Dort gehen aus sogenannten Stammzellen die drei Zellarten hervor, die den zellulären Anteil des Blutes bilden: die roten → Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen → Blutkörperchen (Leukozyten) und die → Blutplättchen (Thrombozyten).
Mit dem Blut werden zahlreiche Stoffe – entweder physikalisch gelöst oder an Eiweiße bzw. Blutzellen gebunden – im Körper transportiert. Dabei versorgt das Blut die Gewebe und Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen und dient dem Abtransport von Kohlendioxid und Stoffwechselendprodukten. Weiterhin reguliert das Blut den Wärmehaushalt und ist am Wasser- und → Säure-Basen-Haushalt (>) beteiligt. Zudem dient das Blut der Verteilung von → Hormonen (>) und → Enzymen (>), bringt Medikamente an die Orte, an denen sie wirken sollen, und transportiert Giftstoffe zu Ausscheidungsorganen, insbesondere den Nieren.
Im Blut enthaltene Abwehrstoffe wehren für den Organismus schädliche Faktoren, in erster Linie Krankheitserreger, ab. Und mithilfe der Blutplättchen sowie zahlreicher Gerinnungsfaktoren ist das Blut wesentlich an der Stillung von Blutungen beteiligt.
Blutentnahme
Die Konzentration der einzelnen Blutbestandteile kann mithilfe einer Blutuntersuchung bestimmt werden. Meist entnimmt man dabei das Blut aus einer Vene, in speziellen Fällen aus der Fingerkuppe oder dem Ohrläppchen und selten aus einer Arterie.
Gewöhnlich werden dem Körper nicht mehr als maximal 30 Milliliter Blut entnommen, das mittels einer spitzen Hohlnadel oder einer Kanüle in unterschiedliche Röhrchen gefüllt wird. Die Nadel wird nach einer sorgfältigen Desinfektion der Haut in die Vene oder Arterie bzw. in die Fingerkuppe oder das Ohrläppchen eingestochen.
INFO
Venen
sind die zum Herzen hinführenden Gefäße und enthalten sauerstoffarmes Blut.
Arterien
sind die vom Herzen wegführenden Gefäße und enthalten sauerstoffreiches Blut.
Kapillaren
sind die kleinsten Blutgefäße, die Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen; gleichzeitig nehmen sie Endprodukte des Stoffwechsels auf, um sie zur Lunge und den Ausscheidungsorganen zu transportieren. Der Sauerstoffgehalt im Kapillarblut ist höher als im Venenblut, aber geringer als im arteriellen Blut. Weil Kapillarblut eine Mischung aus venösem und arteriellem Blut darstellt, sind die Konzentrationen verschiedener Stoffe im Kapillarblut anders als im Venenblut.
Venenblut
In der Regel wird venöses Blut aus einer Armvene in der Ellenbeuge abgenommen. Hierfür behindert man den Abfluss des Blutes in den Armvenen für kurze Zeit mit einem Stauschlauch, den man um den Oberarm legt und leicht zuzieht, sodass arterielles Blut weiterhin in den Unterarm fließen kann. Das Blut staut sich in der Ellenbeugenvene, wodurch diese dicker und damit gut sicht- und tastbar wird. Aus dieser prall gefüllten Vene gelingt es nun meist problemlos, die gewünschte Menge Blut in verschiedene Röhrchen zu füllen. Anschließend wird der Einstich kurze Zeit abgedrückt, damit er nicht weiterblutet, und mit einem kleinen Pflaster versorgt.
Kapillarblut
Will man nur einen oder wenige Stoffe bestimmen, wie etwa den Blutzucker, reicht es aus, sogenanntes Kapillarblut aus der Fingerkuppe oder dem Ohrläppchen zu entnehmen. Zur Bestimmung des Blutzuckers sticht man z. B. mit einer Stechhilfe in die Fingerbeere des Mittelfingers. Dabei werden mehrere kleine Haargefäße (Kapillaren) im Gewebe verletzt, aus denen Blut austritt. Ein Tropfen Blut wird auf einen Teststreifen gedrückt und der Zuckergehalt mithilfe eines Blutzuckermessgerätes bestimmt.
Arterielles Blut
Um den Gehalt von Sauerstoff und Kohlendioxid sowie den Säure-Basen-Anteil im Körper zu bestimmen, entnimmt man meist arterielles, also sauerstoffgesättigtes Blut aus der großen Leistenarterie oder der Speichenarterie am Handgelenk. Diese Untersuchungen werden meist nur im Rahmen der Intensivmedizin oder bei schweren Erkrankungen (z. B. Lungenkrankheiten) durchgeführt.
Vollblut – Serum – Plasma
Etliche Blutuntersuchungen, insbesondere die Erhebung des → Blutbildes und die Messung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (→ BSG), werden mit Vollblut durchgeführt. Zuvor muss man aber durch Zentrifugieren die festen Bestandteile des Blutes von der Blutflüssigkeit trennen. Verhindert man die Gerinnung des Blutes mithilfe von bestimmten Stoffen, erhält man nach dem Zentrifugieren das gelbliche Blutplasma, das alle in der Blutflüssigkeit gelösten Bestandteile inklusive der → Gerinnungsfaktoren (>) enthält. Nur im Blutplasma ist es möglich, die Konzentration von Gerinnungsfaktoren zu bestimmen.
Für die meisten anderen Untersuchungen reicht es jedoch aus, das Blutserum zu untersuchen. Als Blutserum bezeichnet man die Blutflüssigkeit, die keine Gerinnungsfaktoren mehr enthält. Dazu zentrifugiert man das geronnene Blut und erhält nach Abtrennung der festen Bestandteile das klare Blutserum. Im Blutserum werden die piegel der meisten Blutwerte wie z. B. Leber- und Nierenwerte, Bluteiweiße, Mineralstoffe, Blutfette und Blutzucker untersucht.
Ebenfalls im Blutserum bestimmt man Antikörper zum Nachweis von verschiedenen Infektionskrankheiten, die Spiegel von Medikamenten, Alkohol, Drogen und Giftstoffen.
AUF EINEN BLICK
Vollblut Blut mit allen darin enthaltenen Bestandteilen
Blutplasma Vollblut ohne Blutzellen, aber mit Gerinnungsfaktoren sowie mit allen wichtigen Substanzen, die im Blut transportiert werden
Blutserum Vollblut ohne Blutzellen und Gerinnungsfaktoren
Gesundheitsuntersuchung bzw. Check-up
Häufige (Wohlstands-)Krankheiten und krank machende Risikofaktoren wie etwa Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Fettstoffwechselstörungen kann man bereits erkennen, wenn sie noch nicht zu schweren Folgen wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall geführt haben. Zu diesem Zweck kann und sollte jeder Mensch ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre beim Hausarzt einen sogenannten Check-up durchführen lassen.
Neben einer ausführlichen Befragung zu aktuellen Beschwerden, früheren Krankheiten und Erkrankungen in der Familie sowie einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung werden hierbei die Spiegel des → Nüchternblutzuckers, der → Blutfette (>), der → Harnsäure und des → Kreatinins bestimmt sowie eine → Urinuntersuchung (>) durchgeführt. Mit diesen Maßnahmen kann man zahlreiche Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren und sie durch geeignete Therapiemaßnahmen an ihrem Fortschreiten hindern.
Kontrolluntersuchung
Eine einzige Blutuntersuchung reicht nur selten aus, um eine Krankheit zu erkennen. Meist lässt der Arzt einen von der Norm abweichenden Wert durch eine (oder mehrere) Kontrolluntersuchung(en) erneut bestimmen. Aber auch bei bestehenden Krankheiten werden bestimmte Blutwerte in regelmäßigen Abständen kontrolliert, um eine mögliche Verschlechterung frühzeitig zu erkennen oder den Erfolg bzw. das Nichtansprechen einer Behandlung zu dokumentieren und die Therapie entsprechend zu ändern.
Notfall/Operation
In Notfällen geben Blutuntersuchungen rasch Aufschluss über den Zustand des Patienten und erlauben in bestimmten Fällen auch die Diagnose der zugrunde liegenden Krankheit. So weist beispielsweise eine Person im Zuckerkoma eine um das Fünf- bis Zehnfache erhöhte Blutzuckerkonzentration auf, die dann Ursache für die Bewusstlosigkeit ist.
Vor einer Operation oder einem diagnostischen Eingriff müssen zumeist das Blutbild, die Nierenfunktion und die Gerinnungswerte bestimmt werden. Nach einer Operation werden diese und andere Laborwerte mehrmals kontrolliert, um z. B. das Ausmaß einer Blutung und weitere mögliche Komplikationen rasch erkennen und entsprechend behandeln zu können.
Urin ist eine von den Nieren über die Harnwege abgeleitete hell- bis dunkelgelbe Flüssigkeit, über die Stoffwechselendprodukte sowie überschüssiges Wasser, Salz, Säuren, Medikamente und Gifte ausgeschieden werden. Deshalb ist eine Urinuntersuchung nicht nur ein wichtiges diagnostisches Hilfsmittel zur Erkennung von Erkrankungen der Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre, sondern auch der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).
Für eine differenzierte Urinuntersuchung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Diese können im Wesentlichen in drei Untersuchungsbereiche eingeteilt werden: die Beurteilung des Urins durch Betrachtung mit dem Auge (makroskopische Urinuntersuchung), die Urinuntersuchung mittels Teststreifen sowie die Begutachtung von Urinbestandteilen unter dem Mikroskop. Die Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse wird als Urinstatus bezeichnet.
Makroskopische Urinbeurteilung
Urinmenge, Farbe, Beschaffenheit und Geruch können bereits erste Hinweise auf eine Erkrankung liefern. So weist etwa die Trübung von frischem Urin auf eine Erkrankung hin, und auch eine abweichende Urinfärbung (z. B. rot oder bräunlich) kann bereits ein Krankheitszeichen sein. Ist die Wasserbilanz des Organismus z. B. durch eine Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung gestört, kann sich dies durch eine erhöhte, aber auch durch eine verminderte Urinausscheidung bemerkbar machen. Gewöhnlich reichen derartige Auffälligkeiten jedoch für eine exakte Ursachenbestimmung nicht aus, sodass fast immer weitere diagnostische Maßnahmen notwendig sind.
Urin-Streifen-Schnelltest
Zu den einfachsten Untersuchungsverfahren gehört der Urin-Streifen-Schnelltest, mit dem die Konzentration verschiedener Substanzen oder Blutbestandteile im Urin durch Verfärbungen der auf dem Teststreifen aufgebrachten Prüfsubstanzen ermittelt wird. Hierfür wird der Streifen kurz in den Mittelstrahlurin (>) eingetaucht, sodass alle Testfelder benetzt sind; nach einer kurzen Wartezeit werden die Farben mit der Skala auf dem Behälter verglichen.
Zu den nachweisbaren Substanzen gehören v. a. weiße und rote → Blutkörperchen, Bakterien, Eiweiß, Zucker, → Kreatinin sowie die Gallenfarbstoffe → Bilirubin und Urobilinogen; ebenso kann mit dem Teststreifen der Säuregehalt des Urins (pH-Wert) ermittelt werden. Die genannten Stoffe kommen normalerweise nicht oder nur in geringem Maße im Urin vor.
Befinden sich zu viele weiße Blutkörperchen im Urin (Leukozyturie), ist dies meist ein Hinweis auf eine Entzündung der Nieren und/oder der Harnwege.
Ebenso weisen erhöhte Nitritwerte im Harn auf eine bakterielle Infektion der ableitenden Harnwege hin.
Einer erhöhten Zahl von roten Blutkörperchen (Hämaturie) kann ebenfalls eine Entzündung z. B. der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) zugrunde liegen. Aber auch Nieren- oder Blasensteine, ein Niereninfarkt, eine Infektion der Harnwege, in seltenen Fällen auch ein Tumor der Nieren oder der Blase sowie beim Mann eine Entzündung von oder ein Tumor in Prostata oder Samenblasen können eine Hämaturie hervorrufen.
Zu erhöhten Eiweißkonzentrationen im Urin (Proteinurie) kommt es oft durch eine chronische Schädigung der Nierenkörperchen (Filtereinheiten der Nieren) oder andere Nierenerkrankungen, nach schweren Verletzungen, bei Herzschwäche, Bluthochdruck und Diabetes mellitus sowie bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege. Wenn eine Proteinurie bei Fieber oder starker körperlicher Belastung auftritt, so ist diese harmlos und geht meist rasch vorüber.
Zucker bzw. Glukose ist bei einem gesunden Menschen im Urin nicht nachweisbar. Enthält der zu untersuchende Harn Glukose, ist dies ein Hinweis auf einen möglichen Diabetes mellitus, kann aber auch durch andere Erkrankungen verursacht sein.
Bilirubin, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), wird normalerweise nicht mit dem Urin ausgeschieden. Erst bei einer erhöhten Konzentration im Blutserum enthält auch der Urin Bilirubin – dies ist der Fall, wenn eine Funktionsstörung der Leber und Galle vorliegt. Ein Hinweis für einen erhöhten Bilirubinspiegel ist die dunkelrote bis bräunliche Färbung des Urins und der gelbliche Schaum nach Schütteln des Urins.
Da der pH-Wert auch von der Ernährung abhängig ist, sind Verschiebungen in den sauren oder basischen Bereich vollkommen normale Erscheinungen. Allerdings kann ein veränderter pH-Wert im Urin auf Störungen des Säure-Basen-Haushalts (
>
) und ein erhöhter pH-Wert auf eine Harnwegsinfektion hinweisen.
24-STUNDEN-SAMMELURIN
Eine 24-Stunden-Sammlung beginnt nach dem ersten morgendlichen Toilettengang und schließt den Morgenurin des Folgetages ein. Soweit möglich, sollten Medikamente mindestens drei Tage vor der Urinsammlung abgesetzt werden, um zu vermeiden, dass Störungen der Analysen zu falschen Ergebnissen führen.
Bakteriologische Urinuntersuchungen
Da die Aussagekraft von Urin-Streifen-Schnelltests begrenzt ist, sind zur Sicherung der Diagnose meist weitere Urinuntersuchungen notwendig. So kann man zum Nachweis von Bakterien spezielle Nährböden (z. B. Urikult®-Test) in eine frische Urinprobe eintauchen. Nach einer Bebrütung in einem Inkubator zeigen sich bei einem keimhaltigen Urin ca. 24 Stunden später Bakterienkolonien; die Anzahl der Keime gibt Aufschluss über das mögliche Vorliegen einer Harnwegsinfektion.
Mit dem Anlegen einer Urinkultur kann zum einen der ursächliche Krankheitserreger einer Harnwegsinfektion identifiziert, zum anderen aber auch die Wirksamkeit eines bestimmten Antibiotikums gegen die vorhandene Bakterienkolonie ermittelt werden. Hierzu wird der frische Urin auf bestimmten Nährböden ausgestrichen, bebrütet und die Bakterien eventuell mit chemischen Methoden weiter differenziert. Anschließend werden die krankheitsverursachenden Bakterien nochmals auf einem Nährboden ausgestrichen, auf den verschiedene Antibiotika gegeben werden. Wachsen die Keime in einem genau definierten Umkreis des Antibiotikums nicht, gilt dieses Antibiotikum als wirksam.
SO GEWINNEN SIE DEN MITTELSTRAHLURIN
Zur Harnanalyse eignet sich am besten der Morgenurin.
Es sollte stets der Mittelstrahlurin verwendet werden, da die erste Harnportion noch Keime aus dem Bereich der äußeren Genitalien enthält. Das heißt, es wird die erste Harnportion in die Toilette gelassen, die zweite ohne Unterbrechung mit dem Uringefäß aufgefangen und der restliche Harn dann wieder in die Toilette entleert.
Für das Auffangen des Urins sollten nur Gefäße verwendet werden, die in der Apotheke gekauft wurden oder die der Arzt dem Patienten mitgegeben hat; ausgespülte Gläser oder Becher könnten verunreinigt sein oder Spülmittelreste aufweisen.
Urinsediment-Untersuchung
Auch die mikroskopische Auswertung des Urinsediments, d. h. des nach Zentrifugieren des Urins übrig bleibenden Bodensatzes, lässt Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen (insbesondere Entzündungen, Steine und Tumoren in Nieren und Harnwegen) zu.
Zur mikroskopischen Untersuchung dieser Bestandteile wird ein Tropfen des Urinsediments auf einen Objektträger aufgetragen.
Der Nachweis von roten Blutkörperchen deutet auf eine Entzündung, eine Infektion oder einen Tumor der Nieren oder Harnwege bzw. auf das Vorhandensein von Harnsteinen hin.
Eine erhöhte Menge an weißen Blutkörperchen ist ein Hinweis auf eine Nierenbecken- oder Harnwegsinfektion und kommt auch bei einer Entzündung der Prostata vor.
Eine größere Anzahl von sogenannten Zylindern im Urinsediment weist immer auf eine Erkrankung der Nieren hin. Zylinder sind stabförmige Gebilde, die durch Ausgelieren von Eiweiß in den Harnkanälchen der Niere entstehen.
Bei einer Harnwegsinfektion finden sich meist zahlreiche abgeschilferte Schleimhautzellen (Epithelien) im Sediment.
Bakterien, Pilze und Parasiten sind beim Gesunden nicht im Urin zu finden und sind somit Anzeichen einer Infektion.
Bestimmte Kristalle können Hinweise auf Harnsteine geben.
Als Endprodukt der Verdauung kann der Stuhl wertvolle Hinweise auf verschiedene Erkrankungen des Verdauungssystems liefern. Beschaffenheit, Farbe, Gewicht und Geruch geben darüber Aufschluss, ob eine Störung oder Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, der Leber, der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse besteht.
So wird etwa ein heller, schlecht geformter Stuhl häufig durch einen Verschluss des Gallengangs (z. B. infolge eines Gallensteins) hervorgerufen: Die Galle gelangt nicht mehr in den Darm, wodurch der Stuhl seine typische gelbbraune Farbe verliert.
Eine graue Färbung hat der Stuhl, wenn er zu viel Fett enthält. Zudem sind Fettstühle lehmartig, glänzend, klebrig und säuerlich bis scharf riechend. Vermehrtes Fett im Stuhl weist auf eine verminderte Fettverdauung etwa infolge einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse hin. Oder es liegt eine andere Aufnahmestörung im Darm vor, bei der das Fett der Nahrung aus dem Darm nicht aufgenommen wird.
Schwarzer oder »Teerstuhl« ist oft – aber keinesfalls immer – Folge von Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt.
Eine mikrobiologische Untersuchung des Stuhls wird durchgeführt, um Krankheitskeime (z. B. Salmonellen, Shigellen), aber auch Wurmeier oder Parasiten im Stuhl nachzuweisen. Wichtig ist, dass die Probengewinnung und -einsendung möglichst kurz nach Beginn der Infektion erfolgt.
SO WIRD DIE STUHLPROBE GEWONNEN
Vom Arzt erhält der Patient ein Plastikröhrchen, an dessen Verschluss sich innen ein kleiner Plastiklöffel befindet. Mit diesem entnimmt er eine etwa haselnussgroße Stuhlprobe und gibt sie in das Röhrchen, das er gut verschließt. Dieses Röhrchen wird für die mikrobiologischen Untersuchungen ins Labor geschickt.
Test auf verborgenes Blut
Der Test auf okkultes, mit dem bloßen Auge nicht sichtbares Blut im Stuhl gehört zur Früherkennung von Dickdarmkrebs. Hierzu erhält der Patient vom Arzt drei Testbriefchen. Auf die darauf befindlichen Testfelder gibt er an verschiedenen Tagen eine etwa erbsengroße Stuhlprobe. Durch Zugabe von chemischen Stoffen im Labor verfärbt sich das Testfeld bei Vorhandensein von Blut blau.
Der Test weist schon geringe Mengen von Blut nach, doch muss dieses Blut nicht immer von einem Tumor stammen. Auch gutartige Dickdarmpolypen, Hämorrhoiden oder harmlose Verletzungen der Afterschleimhaut können Blutungsquellen sein. Im Übrigen kann der Test auch ein »falsch positives« Ergebnis liefern. Deshalb sollte einen Tag vor Durchführung des Tests weder hochdosiertes Vitamin C (mehr als 50 mg) eingenommen noch sollten größere Mengen Fleisch oder Wurst verzehrt werden.
Funktionstests werden eingesetzt, um komplizierte biologische Wechselbeziehungen zu überprüfen, die in einem einfachen Bluttest nicht feststellbar sind. Während Funktionstests früher v. a. zur Beurteilung von Funktionen des Verdauungssystems eingesetzt wurden, spielen sie heute hauptsächlich in der Diagnostik von hormonellen Störungen eine Rolle. Darüber hinaus hat der 13C-Harnstoff-Atemtest eine große Bedeutung beim Nachweis von Helicobacter-pylori-Bakterien in der Magen- und Zwölffingerdarmschleimhaut gewonnen. Im Folgenden werden die am häufigsten angewandten Funktionstests aufgeführt:
13C-Harnstoff-Atemtest bei Verdacht auf Helicobacter-pylori-Befall
Grundsätzlich sollte bei Verdacht auf Helicobacter-pylori (Hp)-Befall der Magenschleimhaut eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt werden. Hierbei lassen sich die Helicobacter-pylori-Bakterien, die für Schleimhautentzündungen und Geschwüre von Magen und Zwölffingerdarm verantwortlich gemacht werden und zudem die Entstehung von Magenkrebs begünstigen, in Gewebeproben direkt nachweisen. Außerdem erlaubt die Magenspiegelung die genaue Beurteilung des oberen Verdauungstraktes. Deshalb wird der 13C-Harnstoff-Atemtest derzeit nur als Kontrolluntersuchung nach Behandlung eines Hp-Befalls sowie zur Erstdiagnostik bei Kindern von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert. Abgesehen von den oben beschriebenen Vorteilen der Magenspiegelung ist der Atemtest ein einfacher, sehr exakter, jedoch teurer Test zum Nachweis von Hp-Bakterien in der Magen- und Zwölffingerdarmschleimhaut.
Bei dem Test muss der Patient zunächst langsam über ein Röhrchen in einen Beutel (oder ein Röhrchen) ausatmen. Danach trinkt er ein Glas Saft, in dem radioaktiv markierter Harnstoff aufgelöst wurde. 30 Minuten später atmet er noch einmal über ein Röhrchen langsam in einen anderen Beutel (ein anderes Röhrchen) aus. Hp-Bakterien spalten den radioaktiven Harnstoff, wobei radioaktives Kohlendioxid freigesetzt wird, das dann in der Atemluft erscheint und den Befall der Schleimhaut mit Hp-Bakterien nachweist. Befinden sich keine Bakterien im Magen, wird auch kein radioaktives Kohlendioxid ausgeatmet. Bei dem radioaktiven 13C-Harnstoff handelt es sich um ein stabiles, ungefährliches Isotop.
Xylose-Belastungstest
Xylose ist ein Kohlenhydrat, das im oberen Dünndarm ins Blut aufgenommen wird. Der Xylose-Belastungstest wird bei Verdacht auf Verdauungsstörungen im oberen Dünndarm eingesetzt, wie sie v. a. bei Sprue (Glutenallergie) auftreten. Dabei dient der Test in erster Linie der Therapiekontrolle einer Sprue, da sich bei Meiden aller glutenhaltigen Nahrungsmittel die Verdauungsstörung zurückbildet.
Bei dem Test trinkt der Patient nach vorheriger Entleerung der Blase einen halben Liter Wasser oder Tee, worin zuvor 25 g Xylose aufgelöst wurden. Anschließend nimmt er noch einen halben Liter Wasser oder Tee zu sich. Danach sammelt er über fünf Stunden seinen Urin, in dem die Ausscheidung der Xylose gemessen wird. Liegt die Xylose-Ausscheidung im Urin über 16 Prozent der verabreichten Menge, beweist dies eine Aufnahmestörung für Xylose im Dünndarm.
Durstversuch bei Verdacht auf Diabetes insipidus (Wasserharnruhr)
Beim Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) ist die Niere nicht in der Lage, den Urin zu konzentrieren. Meist liegt dieser Krankheit ein vorübergehender oder auch dauerhafter Mangel des in der Hirnanhangsdrüse gebildeten antidiuretischen Hormons (ADH) zugrunde, oder die Nieren sprechen auf dieses Hormon nicht an.
Beim Durstversuch darf der Patient eine längere Zeit, höchstens jedoch 12 Stunden, nichts trinken. Normalerweise bewirkt Durst eine vermehrte Freisetzung von ADH, was zu einer starken Konzentration des Urins führt. Während des Durstversuchs werden alle zwei Stunden verschiedene Laborwerte im Blut und im Urin bestimmt. Nimmt die Konzentration des Urins nicht zu, während die Konzentration des Blutes ansteigt, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Diabetes insipidus vor.
Wenn bestimmte, immer wiederkehrende Symptome den Verdacht auf eine Allergie nahelegen, kann man mithilfe der Allergiediagnostik den Stoff oder die Stoffe nachweisen, welche die allergische Reaktion auslösen (Allergene). Dafür werden entweder Hauttests durchgeführt oder spezielle Abwehrstoffe des Körpers (Immunglobuline der Klasse E, IgE-Antikörper) im Blutserum bestimmt.
Hauttests zur Diagnose von allergischen Atemwegserkrankungen
Bei Verdacht auf Heuschnupfen, allergisches Asthma bronchiale, eine allergische Bindehautentzündung, Nesselsucht oder eine Insektengiftallergie werden folgende Hauttests durchgeführt:
Pricktest
Der Pricktest ist der am häufigsten angewandte allergologische Hauttest. Dabei werden Allergenextrakte auf die Innenseite der Unterarme aufgetragen und mit einer Nadel (Pricklanzette) oberflächlich in die Haut eingebracht. Zur Kontrolle wird gleichzeitig ein Tropfen Kochsalzlösung (Negativkontrolle) sowie eine Histaminlösung (Positivkontrolle) aufgetragen. Nach etwa 15 Minuten wird die Hautreaktion auf die Testsubstanzen mit den Hautreaktionen der Negativ- und Positivkontrolle verglichen.
Eine Variante des Pricktests ist der Ritztest (Scratchtest): Mit einer Lanzette wird die Haut leicht angeritzt und dann eine Lösung mit dem Allergen (z.B. Tierhaare, Medikamente, Kosmetika) aufgetragen. Der weitere Testablauf entspricht dem des Pricktests.
Intrakutantest
Dieser Test erfolgt im Prinzip wie der Pricktest, allerdings wird er auf dem Rücken des Patienten durchgeführt, wo die Testsubstanz mit einer dünnen Nadel flach in die Haut (intrakutan) gespritzt wird. Der Intrakutantest hat zum einen eine höhere Sensitivität, zum anderen können mit ihm auch gelegentlich auftretende allergische Spätreaktionen ermittelt werden, die dann etwa acht bis zehn Stunden später einsetzen.
Reibtest
Dies ist der einfachste, aber zugleich am wenigsten empfindliche allergologische Hauttest. Meist wird er herangezogen, wenn die zu testenden Allergene, wie z. B. das Haar eines bestimmten Haustiers, nicht als fertige Testallergenextrakte zur Verfügung stehen. Hierbei werden die Allergene auf ein begrenztes Hautareal an der Innenseite des Unterarms aufgerieben.
Epikutantest
Besteht der Verdacht, dass bestimmte Stoffe ein allergisches Hautekzem hervorrufen, führt man einen Epikutantest durch. Hierbei werden Pflaster auf den Rücken oder Oberarm geklebt, die mit verschiedenen Kontaktallergenen versehen sind. Die Pflaster bleiben für 24 oder 48 Stunden, manchmal auch länger, auf der Haut.
Zeigen sich in der Hautregion unter einem Allergen eine Rötung und eventuell Bläschen, ist der Befund positiv.
Allergologische Laboruntersuchungen
Die einfachste Blutuntersuchung bei Verdacht auf eine Allergie ist der Nachweis eines erhöhten Spiegels von Immunglobulin E (IgE) im Blutserum. Allerdings ist dieser Spiegel bei allergischen Krankheiten nicht immer erhöht, außerdem können auch Infektionen mit Würmern und anderen Parasiten, eine Neurodermitis und bestimmte Blutkrankheiten zu einer Erhöhung von IgE führen.
Deshalb versucht man, bei Verdacht auf eine bestimmte Allergie spezifische IgE-Antikörper im Blutserum nachzuweisen, die sich gegen dieses spezielle Allergen richten. Die Aussagekraft des Nachweises spezifischer IgE-Antikörper, z. B. mithilfe des Radio-Allergo-Sorbent-Tests (RAST), ist höher als die eines erhöhten Gesamt-IgE-Spiegels, allerdings beweist auch dies nicht immer eine Allergie.
Provokationstest
Um zweifelsfrei zu klären, ob die geschilderten Beschwerden auf eine allergische Erkrankung zurückzuführen sind, muss in schwierigen Fällen zusätzlich ein Provokationstest durchgeführt werden.
Dabei werden die Allergene in niedriger Konzentration direkt an das Organ gebracht, an dem sich die allergische Reaktion bemerkbar macht. Bei allergischem Heuschnupfen beispielsweise wird das Allergen auf die Nasenschleimhäute aufgetragen. Treten die typischen allergischen Symptome auf, ist die Allergie nahezu sicher bewiesen. Da es bei diesen Provokationstests auch zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zum allergischen Schock kommen kann, müssen sie grundsätzlich vom Arzt überwacht werden.
Genetische Untersuchungen zielen darauf ab, mögliche Krankheitsanlagen des Erbguts noch vor Ausbruch der Symptome bzw. einer Übertragung auf die Nachkommen zu erkennen. Genetische Untersuchungen sind in allen Proben möglich, die Zellkerne enthalten, also in Vollblut, Sperma und Gewebeproben, denn die gesamte Information über Bau und Funktion unseres Körpers ist auf den Chromosomen in den Zellkernen gespeichert. Die Chromosomen wiederum bestehen aus zwei langen Strängen von Desoxyribonukleinsäure (DNS), die umeinander gedreht vorliegen.
Eine Reihe von Erkrankungen ist durch eine Störung der Erbanlagen bedingt, wie etwa durch die Mutation eines einzelnen oder mehrerer Gene. Daneben gibt es zahlreiche andere Formen genetischer Veränderungen, die Krankheiten auslösen können. Außerdem sind viele Krankheiten Folge eines Zusammenwirkens von genetischen Störungen und Umweltfaktoren. So tragen zwar die meisten Menschen mit einem Typ-2-Diabetes mellitus eine genetische Veranlagung für diese Krankheit in sich, sie tritt aber fast nur dann in Erscheinung, wenn der Betroffene durch Überernährung übergewichtig wird.
Anlass der Untersuchung
Genetische Untersuchungen werden v. a. dann durchgeführt, wenn in der Familie bereits genetisch bedingte Krankheiten aufgetreten sind. So können Paare vor der Familiengründung genetische Untersuchungen durchführen lassen, wenn das Risiko besteht, dass eine bei den Vorfahren aufgetretene Erbkrankheit möglicherweise an die Kinder weitergegeben wird.
Daneben steht mit der
Fruchtwasserpunktion
(
→
Amniozentese,
>
) eine Untersuchung zur Verfügung, die der Abklärung von möglichen (genetisch bedingten) Erkrankungen des ungeborenen Kindes dient.
Darüber hinaus werden Familienangehörige genetisch untersucht, wenn eine Krankheit in ihrer Familie auftaucht und man diese Krankheit besonders im
Frühstadium
gut behandeln kann. Dies ist z.B. beim familiären C-Zell-Karzinom der Schilddrüse der Fall. Fällt der Gentest bei einem Angehörigen positiv aus, kann man ihn durch frühzeitige Entfernung der Schilddrüse vor dieser Form des Schilddrüsenkrebses schützen.
Weiterhin wird der sogenannte
Vaterschaftstest
mithilfe genetischer Untersuchungsmethoden (DNS-Fingerprint-Methode) durchgeführt. Auch bei der Suche nach Gewaltverbrechern wird dieses Verfahren heute häufig eingesetzt.
Was kann der Nachweis eines Gendefekts oder einer genetischen Störung bedeuten?
Der Nachweis einer Genmutation kann bedeuten, dass der Betroffene gefährdet ist, die Krankheit zu entwickeln, die durch den entsprechenden Gendefekt begünstigt wird. Allerdings bedeutet ein positiver Gentest nicht in jedem Fall, dass ein Mensch an dieser Krankheit auch tatsächlich leiden wird. So mag z.B. die Bestimmung des sogenannten Brustkrebsgens eine Frau eher verunsichern, denn es gibt keine klaren Aussagen über die Erkrankungswahrscheinlichkeit.
Ist eine Familiengründung geplant, kann es durchaus sinnvoll sein, sich vor der Schwangerschaft einer genetischen Untersuchung zu unterziehen. Stellvertretend sei auf Mukoviszidose (zystische Fibrose) verwiesen, die mittlerweile die häufigste genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung in Europa ist. Der Gendefekt führt zu einer Schädigung von Haut-, Schleimhaut- und Drüsenzellen. Dadurch produziert der Organismus zähflüssige Sekrete, die auf Dauer v. a. an Lunge und Bauchspeicheldrüse Schäden verursachen. Die Erkrankung tritt nur dann bei einem Kind auf, wenn es das veränderte Gen von beiden Eltern erbt. In Deutschland ist derzeit jeder Dreißigste Träger des Mukoviszidosegens und kann damit die Erkrankung potenziell auf seine Nachkommen übertragen.
Neben dem Blut oder den Körperausscheidungen Urin und Stuhl können auch andere Körperflüssigkeiten oder Sekrete sowie Körpergewebe zu Untersuchungszwecken herangezogen werden.
Abstrich
Als Abstrich bezeichnet man die Entnahme von Haut- und Schleimhautbelag mithilfe eines Abstrichspatels oder -tupfers zum Ausschluss oder Nachweis von Krankheitserregern (z. B. Bakterien, Parasiten) oder zur Begutachtung von körpereigenen Zellen im Hinblick auf ihre Gut- oder Bösartigkeit. Besteht der Verdacht auf eine Infektion, kann ein Abstrich von infizierten Haut- oder Schleimhautarealen Aufschluss über die Krankheitsursache bzw. über die Art der Krankheitserreger geben. Dabei wird das gewonnene Zellmaterial auf einer Glasplatte ausgestrichen und nach Fixierung und Färbung direkt unter dem Mikroskop ausgewertet, oder die Identifikation der Krankheitserreger erfolgt mittels Anzucht auf geeigneten Nährböden oder -lösungen.
Mit dieser Methode kann eine Infektion der Scheide (z. B. Pilzinfektion oder eine Geschlechtskrankheit), des Auges (z. B. bakterielle Bindehautentzündung) oder des Rachens (z. B. zur Diagnosesicherung von Diphtherie) nachgewiesen werden.
KREBSFRÜHERKENNUNG MITTELS ABSTRICH
Der zytologische Abstrich dient der Früherkennung von Zellveränderungen und spielt v. a. in der gynäkologischen Gebärmutterhalskrebsvorsorge eine wichtige Rolle. Hierfür entnimmt der Arzt mit einem flachen Holzspatel oder einem Wattestäbchen einen Zellabstrich vom Muttermund und vom Gebärmutterhalskanal.
Auswurfuntersuchung
Die Untersuchung des Auswurfs ist ein wichtiges Verfahren in der Diagnostik von akuten und chronischen Lungenerkrankungen.
Gewonnen wird der zu untersuchende Auswurfschleim durch Abhusten in ein Gefäß. Der in dem Gefäß aufgefangene Schleim wird im Labor auf Krankheitserreger untersucht, etwa um abzuklären, welche Erreger eine Lungenentzündung ausgelöst haben oder ob eine Tuberkulose vorliegt.
Aber auch bei nichtinfektiösen Lungenerkrankungen kann die Untersuchung wertvolle Hinweise geben. So enthält der Auswurf z. B. bei Asthma bronchiale spezielle Schleimspiralen. Bei Verdacht auf ein Bronchialkarzinom werden die Zellen im Auswurf unter dem Mikroskop begutachtet. Abnorme Zellen können auf Tumoren hinweisen, die im Röntgenbild (noch) nicht darstellbar sind.
Entnahme von Körpergewebe (Biopsie)
Eine Biopsie wird an Körpergeweben bei unterschiedlichen Fragestellungen durchgeführt, wie bei unklaren Lebererkrankungen (Leberbiopsie), bei chronischer Nierenentzündung (Nierenbiopsie) oder bei Herzmuskelentzündung (Herzmuskelbiopsie).
Wertvolle Dienste leistet eine Biopsie auch in der Diagnostik von Krebserkrankungen: Ob eine verdächtige Veränderung an einem Organ (z. B. eine vergrößerte Prostata, ein Knoten in der Brust oder in der Schilddrüse) gut- oder bösartig ist, kann mit letzter Sicherheit nur durch die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem betroffenen Bezirk beurteilt werden.
Für die Gewinnung einer Gewebeprobe stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung; welches davon im Einzelfall geeignet ist, hängt von dem zu untersuchenden Organ, von der Gewebeart und von der Größe des verdächtigen Befunds ab. So kann die Gewebeentnahme mit speziellen Handinstrumenten zum Schaben oder Auskratzen (Hohlnadel, Stanze, Skalpell, Zange oder Kürette) erfolgen.
Mit einer Nadelbiopsie werden Gewebeproben aus der Schilddrüse, Leber oder Prostata gewonnen. Gewebeproben aus Magen, Darm oder Blase werden mit einer Biopsiezange, die sich am Endoskop befindet, unter Sichtkontrolle entnommen.
Für die Knochenmarkbiopsie wird die Knochenmarkentnahme meist mittels einer Stanze am Brustbein (Sternalpunktion) oder am Beckenkamm vorgenommen.
Je nach Menge und Beschaffenheit des Untersuchungsmaterials kommen drei Untersuchungsmethoden zum Einsatz: Entweder wird das entnommene Gewebe direkt auf einem Objektträger ausgestrichen, fixiert, gefärbt und anschließend unter dem Mikroskop beurteilt. Oder aber das Gewebestückchen wird – v. a. dann, wenn es sich um solides Gewebe handelt – tiefgefrostet bzw. nach Einbettung in Paraffin in dünne Scheiben geschnitten; diese werden einzeln gefärbt und unter dem Mikroskop begutachtet. Zunehmend wird das Gewebe auch mit molekulargenetischen Techniken auf Mutationen, Tumorzellen oder Infektionserreger untersucht.
Entnahme von Körperflüssigkeiten (Punktion)
