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Diese Publikation erscheint im Rahmen des Salzburger Autor*innenwettbewerbs "Wir lesen uns die Münder wund", der seit 2009 in Kooperation vom Verein MARK für kulturelle und soziale Arbeit, dem Literaturhaus Salzburg und erostepost organisiert wird. "Wir lesen uns die Münder wund" richtet sich an noch nicht etablierte Autor*innen. Diese stellen sich in den Vorrunden mit ihren Texten dem Publikum. Der oder die Gewinner*in wird im Finale aus einem Dreiervorschlag von einer Jury gewählt. Hauptpreis ist jeweils eine durch Vereinsmitglieder des MARK Salzburg begleitete Publikation in Buchform.
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2021
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MARK Salzburg
In unseren Köpfen schreien wir doch schon.
Die Wenigen, die auf die Straße gehen,
warten auf die Welle der Massen.
Tropfen für Tropfen werden wir Meer
und reißen die anderen mit.
Eigentlich müsste es viel lauter sein.
Wir sollten alle noch viel mehr Lärm machen.
Wir sollten aufbegehren.
Hier drinnen ist es bereits unerträglich.
Und ein Draußen existiert nicht.
Keine Angst, du bist hier nicht alleine.
Ich bin froh und ziemlich gerührt,
dass wir uns auf diese Art treffen.
Ich bin genauso gespannt wie du.
In diesem Buch habe ich verschiedene Texte gesammelt.
Jeder davon ist für mich Theater.
Das mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen,
aber das Theater macht es möglich,
dass etwas im Moment entsteht
und es gehört dann nur denen, die dabei waren.
Alles, was in diesem Buch passiert, gehört dir.
Ich gebe dir dazu nur die Texte.
Ich gebe dir Worte, die du zu Welten bauen kannst.
Und manchmal erzähle ich ein bisschen,
wie und warum die Texte entstanden sind.
Aber das musst du nicht lesen.
Die letzte Tür
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Ein besserer Ort
Chile
Drittes Lager
Gardens Watered by Running Streams
Kindstage
Die Hungrigen
Ich hätte gerne, dass mein Leben mehr ist als der Schmerz. Ich wäre gerne größer und würde Geschichten von Glück und Leichtigkeit erzählen.
Aber das Leiden ist leise und macht keinen Sinn.
Sein Bedeutungskreis geht nicht über die Grenzen meiner Existenz hinaus.
Ich bin kein Märtyrer. Nicht einmal etwas Besonderes.
Ich habe gelitten und muss mich nun damit abfinden.
Vielleicht liegt meinen Schmerzen keine tiefere Bedeutung zugrunde.
Meine Wunden helfen nicht, dich vom Bösen zu erlösen.
Einige von uns haben gelernt, ihre Dämonen zu beherrschen.
Doch in mir wächst eine Einsamkeit, für die ich mich schäme.
Mein Verzweifeln ist nichts als ein Seufzen, von dem ich will, dass die Raubkatze es hört. Ein Hauch Leben, der das Grauen auf mich aufmerksam machen soll, damit es sich ein letztes Mal mit aller Gewalt auf mich stürzt und sich mein Sein in seine Legenden einverleibt.
Ich wollte, das hier wäre nie passiert.
Ich habe nicht darum gebeten,
und doch kann ich die Last schultern,
die mir aufgebürdet wurde.
Aber meine Kraft reicht nur für mich.
Ich kann deine Trauer nicht mittragen.
Ich habe gelebt und genossen.
Doch jede glorreiche Zeit hat ihr Ende.
Und es ist mein Morgen dem ich entgegen schreite.
Jetzt stehe ich vor der letzten Tür.
Neben mir liegt eine ungelebte Jugend tot am Boden. Doch dies ist nicht die Zeit für Trauer. Ich gehe festen Schrittes nach vorne, die Augen auf mein Ziel gerichtet.
Laut bebt das Leben in mir und solange ich atme werde ich Lärm machen. Die Luft, die ich einsauge, wird bei ihrem Entweichen meine Stimmbänder anschlagen und bis die letzte Vibration verstummt, wirst du wissen, dass ich hier bin.
Mit fester Hand greife ich nach der kalten Klinke.
Ich habe alles hinter mir gelassen. Wer ein neues Leben beginnt, darf sich nicht umblicken.
Eine Träne schiebt sich vor meine rechte Pupille und für einen
Moment wirkt die verschwommene Welt wie ein Traum.
Dann gehe ich durch die Tür.
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Ein besserer Ort hätte in seiner spanischen Übersetzung als “Un lugar mejor” am 15. Mai 2020 in Barcelona uraufgeführt werden sollen. Ich habe damals im Sommer 2019 einen Artikel im New Yorker über Manager im Silicon Valley gelesen, die eine Bewusstseinskrise durchleben, weil es ihnen ziemlich gut geht, während dieser Planet in der Krise steckt. Deshalb besuchen sie Meditationskurse und Retreats, um sich besser zu fühlen und ihre Mitte zu finden. Darüber habe ich mich so sehr aufgeregt, dass ich diesen Text geschrieben habe. Dann stand das öffentliche Leben auf einmal still, biedermeiermäßig zogen wir uns in unsere Häuser zurück und “Ein besserer Ort” wurde auf den Herbst verschoben. Genauso, wie sich CEOs zur Meditation zurückziehen und wir in unseren Häusern das Rausgehen abgewartet haben, ist dieses Stück ein solches Retreat für sein Publikum.
[Kursbeschreibung]:
Welcome to the Institute.
This is a three day course to find the only thing that really matters in life: you. A variety of exercises will help you turn down the noise, become still and find your centre. Do you sometimes feel stressed, out of balance or drained from routine? This course will guide you on your way back to your natural state.
The use of mobile phones as well as other electronic devices is not permitted during the entire experience. Please take note that the course fee doesn’t cover workshop materials. During the experience, participants should refrain from eating, speaking and reading.
Welcome to the Institute. We’ll bring you back to yourself.
[Die Reisende]:
Die Stimmen. Die Stimmen sprechen und es stimmt nicht, was sie sagen. Dass wir eine Zukunft haben. Dass alles besser wird.
Ganz verstimmt ist er schon, der Chor, der immer lauter wird, um sich selbst von der eigenen Botschaft zu überzeugen. Im Gleichschritt werden die Ausrufe untermalt. Alles ist in Ordnung, so soll es sein. Die Reihen zu verlassen, würde bedeuten, zuzugeben, dass die Perfektion Mängel hat. Dass es so nicht ewig weitergehen kann. Aber etwas anderes kennen sie nicht.
Das Neue macht Angst und deshalb lieber weitermachen mit dem, was schon immer da war. Die alten Herrschaftsstrukturen sind erprobt und auf sie ist Verlass. Schwitzend, schnaufend zieht die Masse vorwärts. In der Hitze, die ihr Streben erzeugt, haben sich längst Dämonen eingenistet und sind ihrer Höllen Herr geworden.
Doch das Feuer ist gefährlich. Nichts, was einmal verbrannt wurde, kann in seinen Urzustand zurückversetzt werden. Ewig zieren Narben die Gesichter des Fortschritts. Und doch ist die Hitze selbst der neue Gott.
Stell dir doch einmal vor, ohne den Ofen, ohne das Feuer, den Verbrennungsmotor - wir wären nur ein schändliches Abbild unserer Selbst geblieben. Wo wir doch zu so viel mehr fähig sind. Deshalb gießen wir doch gleich noch mehr Öl ins Feuer. Heureka! Und das Rad dreht schneller.
Wenn ihr uns jetzt doch nur sehen könntet! So weit sind wir der Zukunft schon entgegen. Wer nicht mit uns brennt, den lassen wir zurück. Es geht nicht mehr darum, ob du für oder gegen uns bist. Mach doch die Augen auf. Vielleicht erlaubt dir dein Blick gemeinsam mit mir die Zukunft zu sehen, oder du bleibst stehen, erzeugst keinen Lärm, keine Hitze und blickst irgendwann nur noch dem Staub hinterher, den wir im Rennen um die neuen Zeiten aufgewühlt haben. Hitze und Staub, die unser Schweiß magisch anzieht. Hitze und Staub, das Gewand in dem wir dem Fortschritt entgegentreten.
