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Randall Blane konnte sein Glück kaum fassen. Der kleine Claim, den er mit seinem letzten Ersparten gekauft hatte, sollte für ihn im wahrsten Sinne des Wortes zur Goldgrube werden. Voller Unglauben und gleichzeitig von Euphorie gepackt, starrte er die schimmernden Nuggets und schrie: "Gold! Ich bin auf Gold gestoßen!" Die Arbeiter auf den umliegenden Claims stierten ihn an wie ein Weltwunder und schöpften neue Hoffnung, selbst auf eine Ader zu stoßen. Nur einer ließ sich von der Begeisterung nicht mitreißen, ging zu Blane hinüber und raunte ihm zu: "Ich würde meinen Fund nicht überall ausposaunen. Da gibt's eine Menge Neider mit leeren Taschen." In seiner Aufregung jubilierte Randall Blane weiter. Er sollte bald feststellen, dass er das besser unterlassen hätte!
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Sacramento- Terror
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
von Des Romero
Kalifornien 1849, zur Zeit des Goldrauschs
Randall Blane konnte sein Glück kaum fassen. Der kleine Claim, den er mit seinem letzten Ersparten gekauft hatte, sollte für ihn im wahrsten Sinne des Wortes zur Goldgrube werden. Voller Unglauben und gleichzeitig von Euphorie gepackt, starrte er auf die schimmernden Nuggets und schrie: »Gold! Ich bin auf Gold gestoßen!«
Die Arbeiter auf den umliegenden Claims stierten ihn an wie ein Weltwunder und schöpften neue Hoffnung, selbst auf eine Ader zu stoßen. Nur einer ließ sich von der Begeisterung nicht mitreißen, ging zu Blane hinüber und raunte ihm zu: »Ich würde meinen Fund nicht überall ausposaunen. Da gibt's eine Menge Neider mit leeren Taschen.«
In seiner Aufregung jubilierte Randall Blane weiter. Er sollte bald feststellen, dass er das besser unterlassen hätte!
Noch aber war seine Begeisterung zu groß, um den Worten seines Nachbarn das nötige Gewicht beizumessen. »Freu dich doch mit mir, Clyde!«, stieß er aus. »Heute Abend im Saloon gehen alle Getränke auf mich!«
»Denk an deine Familie«, warf Clyde Tremaine ein. »Deine Frau hat ein Baby und muss sich zu Hause um alles ganz allein kümmern. Du hast doch sicher kein Interesse daran, dass sie eine Mitteilung vom Sheriff bekommt, du wärst unter mysteriösen Umständen verstorben ...«
»Was sind denn das für Unkenrufe?«, regte sich Blane auf. Seine gehobene Stimmung bröckelte dahin. »Gönnst du mir etwa meinen Fund nicht? Bist du vielleicht einer jener Neider, vor denen du mich warnst?«
Tremaine winkte ab. »Natürlich nicht! Ich will dich nur vor Schaden bewahren. Du solltest meine Ermahnung nicht einfach so in den Wind werfen. Dir muss doch klar sein, dass es hier von Halunken und Halsabschneidern nur so wimmelt.«
Immer noch war Randall Blane nicht überzeugt. »Das, was mir geschehen ist, macht den anderen Mut!«, versetzte er. »Alle, die seit Wochen schürfen und nichts gefunden haben, bekommen durch mich einen neuen Ansporn. Ihnen kann es ebenso ergehen wie mir!«
Die Männer gingen auseinander und trafen sich Stunden später im Saloon von Redwood City wieder. Blane hatte ein winziges Nugget beim Barkeeper hinterlassen und hielt die Meute frei. Clyde Tremaine ersparte sich weitere Warnungen, trank mit und verabschiedete sich zu später Stunde. Doch Randall Blane blieb nicht allein. Irgendwann gesellte sich ein junger Mann zu ihm und fing ein Gespräch an.
»Sie scheinen gut bei Kasse zu sein«, sagte er beiläufig und kippte einen Whisky. »Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, in der Sie sind.«
»Gehören Sie dazu, Mister ...?«
»Hancock«, sagte der Fremde. »Wesley Hancock.«
»Also, Mr. Hancock. Heute brauchen Sie sich um nichts Gedanken zu machen.« Blane war immer noch überwältigt von seinem Fund. »Das geht alles auf mich!«
»Sie sind äußerst großzügig. Womöglich besteht eine Chance, dass wir ins Geschäft kommen.«
Verwundert hob Blane die Brauen. »Von welchem Geschäft reden Sie?«, fragte er. »Mir ist nur wichtig, dass meine Familie von meinem neuen Reichtum profitiert.«
Rau lachte Wesley Hancock auf. »Wissen Sie«, sagte er. »Ich habe gleich drei Claims, aber bisher nur wertloses Gestein gefunden. Mein Vorschlag wäre, dass Sie mir ihren übertragen und im Gegenzug am Leben bleiben. Ihre Frau und ihr Kind bekommen Mann und Vater zurück – allerdings ohne die Nuggets. Ist das Leben denn nicht viel wichtiger als bloßer Reichtum?«
Obwohl Blane schon einiges getrunken hatte, entging ihm nicht der Ernst der Drohung. »Sie sind ein verdammter Krimineller!«, entfuhr es ihm. »Was fällt Ihnen ein, mir ein solches Angebot zu unterbreiten?«
Hancock blieb gelassen. »Denken Sie einfach mal drüber nach. Wenn Sie sich entschieden haben, kommen Sie zu mir. Sie finden mich abends immer in diesem Saloon.« Er tippte an die Krempe seines Stetsons und schritt davon.
Randall Blane war außer sich und wollte die Sache keinesfalls auf sich beruhen lassen. Gleich am nächsten Morgen suchte er den Sheriff auf und trug ihm den Vorfall vor.
Der Sternträger war ein bärbeißiger Kauz, ging vermeintlich auf die sechzig zu und hatte in seinem Leben mehr erlebt, als Blane jemals erhoffen konnte. »Wollen Sie Scherze mit mir treiben?«, knurrte er. »Wenn ich jeden verhaften würde, der mal eine Drohung ausgesprochen hat, würde es auf den Straßen ungemütlich ruhig werden!«
»Aber ich habe seinen Namen!«, begehrte Randall Blane auf. »Der Mann heißt Wesley Hancock! Der muss sich doch ausfindig machen lassen! Ich will ja nur, dass er mich in Ruhe lässt!«
Gereizt nahm der Sheriff seine Füße vom Schreibtisch, erhob sich aus seinem Stuhl und stemmte seine Fäuste auf die Tischplatte. »Hancock, Smith, Miller ... die finden Sie an jeder Ecke! Woher wollen Sie wissen, dass der Mann Sie nicht an der Nase herumgeführt hat? Der kann sonstwie heißen! Ich gehe schon gar nicht mehr in den Saloon, weil sich alle Streitigkeiten von selbst regeln. Ich bekomme keine Magengeschwüre und kann mir zu Hause vollkommen unbelastet einen Single Malt gönnen. Gehen Sie mir also aus den Augen, sonst werde ich noch zu Ihrem schlimmsten Feind!«
✰
Blane nahm die Worte des Sheriffs hin und redete sich ein, es im Saloon mit einem Aufschneider zu tun gehabt zu haben. Die schnapsgetränkte Stimmung mochte ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die dort versammelten Kerle schon mal über die Stränge schlugen und Dinge sagten, die sie unter normalen Umständen niemals von sich gegeben hätten.
Den ganzen Tag schürfte Randall Blane, konnte aber an den Erfolg des vergangenen Tages nicht anknüpfen. Und als er sich nach Sonnenuntergang in seiner selbstgezimmerten Hütte auf eine Decke legte, war ihm keine lange Ruhezeit vergönnt. Unsanft wurde er irgendwann in der Nacht aus dem Schlaf gerissen und blickte in ein allzu bekanntes Gesicht.
»Hancock!«, platzte es aus dem Goldschürfer heraus. »Sind Sie verrückt geworden? Was haben Sie hier zu suchen?«
Der ungebetene Besucher war neben Blane in die Hocke gegangen und schaute ihn ein wenig mitleidig an. »Ich habe im Saloon auf Sie gewartet, aber Sie hatten wohl Besseres vor«, sagte er. »Das ist äußerst schade, weil ich nur ungern Hausbesuche mache. Aber da ich nun einmal bei Ihnen bin, wollte ich mich erkundigen, ob Sie eine Entscheidung gefällt haben.«
Blane schüttelte sich, um richtig wach zu werden, und erwiderte heiser: »Sie wollen tatsächlich, dass ich meinen Claim gegen mein Leben tausche? Einfach so, weil Sie das so wollen?«
»Ein besseres Angebot habe ich leider nicht für Sie«, gab Hancock zurück. »Auch meine finanziellen Mittel sind begrenzt. Deshalb wäre es in Ihrem ureigenen Interesse, auf meinen Vorschlag einzugehen. Bis morgen Abend gebe ich Ihnen noch Bedenkzeit. Sollten Sie diese ungenutzt verstreichen lassen, erhalten Sie Besuch von Leuten, die nicht mehr mit sich reden lassen ...«
Das Herz pochte Randall Blane bis zum Hals. Letztlich war er heilfroh, an diesem Tag noch einmal mit dem Leben davongekommen zu sein. Und das spiegelte auch seine Reaktion wieder. »Ich werde vor Ort sein, Mr. Hancock«, sagte er mit belegter Stimme. »Verlassen Sie sich darauf.«
Wortlos verschwand der Mann in der Dunkelheit und ließ einen zutiefst betroffenen Blane zurück. Der ahnte schon, dass die Situation sich nicht zu seinen Gunsten entscheiden würde, und fasste einen Plan. Gleich am nächsten Morgen suchte er das Büro eines Notars auf, reichte ihm einen stecknadelkopfgroßen Klunker und sagte: »Ich möchte, dass Sie einen Brief für mich aufsetzen. Ich bin nicht so gut mit Worten, aber Sie werden sie schon in die richtige Form bringen.«
Nachdem der Notar – ein blasser Mann von zierlicher Statur – den Text aufgenommen hatte, fragte er: »Was soll mit diesem Schreiben geschehen? Wem soll es im Fall der Fälle zugestellt werden?«
Blane überlegte und meinte schließlich: »Mein Sohn ist jetzt ein knappes Jahr alt. Ich will, dass er den Brief zu seinem einundzwanzigsten Geburtstag erhält.«
Kaum merklich verzog der Notar seine Lippen zu einem angedeuteten Lächeln. »Das ist ein Zeitraum von zwanzig Jahren. Wer sagt Ihnen, dass meine Kanzlei zu diesem Zeitpunkt noch existiert?«
»Das weiß ich nicht«, erwiderte Blane. »Wichtig ist nur, dass mein Sohn informiert wird. Leiten Sie den Brief im Zweifelsfall an einen Ihrer Amtskollegen weiter. Ich bezahle immerhin dafür, dass er ankommt.«
Der Notar nickte, faltete das Schriftstück und nahm einen Umschlag zur Hand. Er erhitzte Wachs, führte den Brief in den Umschlag ein und versiegelte ihn. »Er wird ordnungsgemäß und pünktlich den Adressaten erreichen«, versicherte der Mann. »Aber eine Frage hätte ich dennoch: Wieso wollen Sie so lange warten und nicht auch Ihrer Frau reinen Wein einschenken?«
Blanes Züge verhärteten sich. »Ich möchte ihr die Hoffnung bewahren, dass ich zurückkomme«, sagte er tonlos. »Das mag sich grausam anhören, doch ich möchte mein geliebtes Eheweib nicht mit meinem Tod konfrontieren. Nicht jetzt, da sie das Baby zur Welt gebracht hat.«
»Und was erwarten Sie von Ihrem Sohn, sobald er die Nachricht liest?«
Tief sog Randall Blane die Luft ein. »Er soll mich rächen!«, presste er hervor. »Falls ich überlebe, ist das Schreiben gegenstandslos. Ich werde es selbst in Empfang nehmen und vernichten. Falls es aber so kommt, wie ich befürchte, wird Yordy die Sache in die Hand nehmen. Mir wird es nichts mehr bringen, aber mein Sohn soll die Möglichkeit erhalten, die Familienehre wieder herzustellen.«
»Ihre Bezahlung ist angemessen«, bekräftigte der Notar. »Ich wünsche Ihnen Glück.«
Darauf konnte Randall Blane verzichten. Der Kerl tat lediglich seinen Job und war der Geheimhaltung verpflichtet. Das wahre Ausmaß von Blanes Entscheidung mochte er zwar überschauen, hielt sich jedoch aus allem heraus.
Es wurde Abend und Zeit für den Saloon. Wie angekündigt, hielt sich Wesley Hancock dort auf. Er stand allein und verlassen am Tresen, doch Blane mutmaßte, dass er seine Leute überall verteilt hatte. Jene Leute, mit denen nicht zu spaßen war.
»Mr. Hancock«, sagte Blane und stellte sich neben den Mann. »Ich habe mein Wort gehalten und bin zu Ihnen gekommen.«
»Nichts anderes hatte ich erwartet«, sagte Hancock und stürzte seinen Whisky hinunter. »Haben Sie mir etwas zu sagen?«
Schwer lehnte sich Randall Blane auf die Theke und bestellte sich ebenfalls einen Whisky. Im Handumdrehen war das gefüllte Glas da, das er zwischen seinen Fingern drehte, schließlich zum Mund führte und in einem Zug leerte. Ächzend stampfte er das Glas auf die Holzplatte und drehte sich Hancock zu. »Ich habe Ihnen etwas zu sagen«, zischte er. »Meine Antwort lautet nein! Sie bekommen meinen Claim nicht! Jedenfalls nicht freiwillig!«
»Freiwilligkeit ist keine Bedingung«, entgegnete Wesley Hancock. »Ich dachte, das hätte ich Ihnen verdeutlicht.«
»Das haben Sie, aber es ändert nichts an meinem Beschluss!«
Hancock wirkte irritiert. »Ihnen ist klar«, meinte er, »dass Sie draufgehen und auch Ihre Familie nichts erhält. Ich will damit sagen, dass Sie doppelt verlieren.«
Energisch schob Blane sein Kinn vor. »Dann ist das eben so«, teilte er entschlossen mit. »Ich werde mich Ihnen nicht beugen!«
»Höchst bedauerlich«, sagte sein Gesprächspartner, »aber manchen Menschen ist einfach nicht zu helfen. Machen Sie es gut, Mr. Blane. Ich denke nicht, dass wir uns noch einmal wiedersehen werden ...«
✰
Gegenwart
Ein scharfer Wind wehte über die Prärie. Lassiter zog den Kragen seiner Langjacke hoch und verengte seine Augenlider zu Schlitzen. Im schwindenden Licht des Tages lag ein kleines Dorf vor ihm, eingebettet in die zerklüfteten Felsen der Nevada Mountains. Es bestand aus windschiefen Hütten und grob gezimmerten Bretterbuden.
Wahrscheinlich hatten dort einmal ehrliche Farmer gewohnt, aber diese Zeit lag lange zurück. Inzwischen war das Dorf ein Unterschlupf von zwielichtigem Gesindel, eine Art Bastion der Gesetzlosen. Und die Fährte von Dick Grendel führte genau dorthin.
Grendel war ein Fall für den Scharfrichter, ein Mann, der über Leichen ging und den engsten Freund eines Colonels der Brigade Sieben gnadenlos mitsamt seiner Familie erschossen hatte. Da Lassiter das vollste Vertrauen seiner Vorgesetzten genoss, war er auf Dick Grendel angesetzt worden. Die Vorgabe lautete nicht, den Mann tot oder lebendig abzuliefern. In dieser Sache war die klare Anweisung, ihn für immer aus dem Verkehr zu ziehen.
Der Brigade-Agent hatte Grendel nie von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden und lediglich einen verwitterten Steckbrief mit einer groben Zeichnung des Gesuchten in der Hand. Aber Lassiter hatte sich vorgenommen, dass der Galgenstrick das Dorf nicht mehr lebend verlassen würde.
Ohne Eile trabte er auf seinem Grauschimmel voraus, wurde von einigen Männern argwöhnisch beäugt und stieg schließlich aus dem Sattel. Dabei gab er sich wie einer, der das Licht der Öffentlichkeit scheute und hatte seinen Stetson tief in die Stirn gezogen.
»Auf der Flucht?«, wurde er von einem Kerl angesprochen, der genauso viele Zähne wie Bartstoppel in seinem Gesicht hatte. »Willst du hier unterkommen oder machst du nur Halt?«
»Wer will das wissen?«, fragte Lassiter barsch. »Mir ist jeder verdächtig, der zu viele Fragen stellt.«
Der Kerl grinste und entblößte nun vollends sein löchriges Gebiss. »Mach dir nicht gleich ins Hemd«, sagte er. »Ich bin Steve Stanwell und wollte bloß wissen, mit wem ich es zu tun habe.«
»Lassiter«, nannte der Mann der Brigade Sieben seinen Namen. »Wo gibt es hier ein Bett und was zu trinken? Ich muss spätestens morgen weiter. Kendrake ist hinter mir her.«
»Marshal Kendrake?«, erkundigte sich Stanwell.
»Wie viele Kendrakes kennst du denn?« Lassiter wusste, dass der Sternträger in dieser Gegend eine große Nummer war. Es gab nicht viele Outlaws, die noch nicht mit ihm zu tun gehabt hatten.
Stanwell nickte und machte eine Handbewegung, die Lassiter signalisierte, dem Kerl zu folgen. Es ging durch schlauchartige Gassen zwischen den Hütten hindurch, bis sie einen Lagerfeuerplatz erreichten, an dem ein gutes Dutzend Männer um zwei Tische versammelt waren. Einige von ihnen spielten Poker, andere boten Waren feil. Zu essen und zu trinken gab es in Hülle und Fülle. Auch an jungen Frauen hatte man nicht gespart. Ein paar von ihnen tanzten barbusig um das Feuer, eine knappe Handvoll hatte sich zu den Spielern gesellt.
»Du kannst in der Hütte dort drüben übernachten«, meinte Stanwell und streckte seinen rechten Arm aus. »Aber vielleicht steht dir der Sinn auch nach Geselligkeit. Steig in das Spiel ein oder vergnüge dich mit einer der Schönheiten.«
»Heute nicht«, sagte Lassiter rau. »Einem Spiel aber wäre ich nicht abgeneigt.«
Steve Stanwell zog seine Brauen hoch. »Guck dir die scharfen Weiber doch erst mal an«, gab er zurück. »Oder stehst du mehr auf das andere Geschlecht?«
Schneller als Stanwell reagieren konnte, schoss Lassiters Rechte vor. Seine Finger krallten sich um die Kehle des Mannes und drückten ihn gegen eine Wand. »Solltest du noch ein einziges Mal so etwas sagen, wirst du keine Zeit mehr bekommen, deinen Fehler zu bereuen!« Es widerstrebte Lassiter, auf diese Weise vorzugehen, doch es gab keine andere Möglichkeit, um sich unter all den Raubeinen Respekt zu verschaffen.
»Schon gut!«, röchelte Stanwell und versuchte mit beiden Händen, Lassiters Arm abzuwehren. »Ich habe verstanden! Lass mich los und setz dich zu den Pokerspielern!«
Lassiter hatte sich flüchtig umgesehen, Grendel aber noch nicht entdeckt. In der Runde geschwätziger Spieler aber mochte es ihm gelingen, den Gesuchten eindeutig zu identifizieren. Er ließ Stanwell los, tätschelte dessen Wange und grinste ihn an. Dann setzte er sich an den Tisch der Kartenspieler. »Kann ich noch einsteigen?«, fragte er und zog sich einen Stuhl heran.
»Hey, Fremder!«, stieß eine dunkelhaarige Schöne aus, deren nackte Brüste von der Pranke eines finster dreinblickenden Kerls umspannt wurden. »Tu dir keinen Zwang an und leg deine Scheine auf den Tisch!«
»Halt dein vorlautes Maul!«, rumorte der Finstere. »Wer mitspielt und wer nicht, entscheide immer noch ich!« Kalt starrte er Lassiter an. »In der nächsten Runde bist du dabei, wenn du das nötige Kleingeld in der Tasche hast.«
Lassiter holte ein gerolltes Bündel Zwanzig-Dollar-Noten hervor. »Das müssten etwa tausend Steine sein«, erklärte er. »Reicht euch das?«
Eine direkte Antwort erhielt er nicht, dafür aber in der kommenden Runde fünf Karten. Er nahm den Stapel auf, legte drei Karten beiseite und forderte ebenso viele neue. Was er bekam, war nicht geeignet, hoch anzureizen.
Im Laufe des Abends gewann und verlor er, machte aber insgesamt nur wenig Minus. Über Stunden hatte er den Männern zugehört, aber sie hatten Grendel weder erwähnt, noch war dieser aufgetaucht. Zwangsläufig musste er eine andere Strategie anwenden, um nicht völlig in der Luft zu hängen.