LAUREL & HARDY - Tom McGrath - E-Book

LAUREL & HARDY E-Book

Tom McGrath

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Beschreibung

Tom McGrath, der berühmte schottische Dramatiker, hat dem größten Komikerpaar der Filmgeschichte mit diesem Stück ein heiter-melancholisches Denkmal gesetzt. So treffen sich Stan Laurel und Oliver Hardy nach ihrem Tod in einer Vorhölle, in der sie noch einmal die Höhepunkte ihrer Karriere durchleben. In einem musikalisch-komödiantischen Bilderbogen - von den Anfängen der beiden in den Music Halls, den großen Erfolgen unter dem Produzenten Hal Roach bis zum bitteren Ende in Frankreich - lässt Tom McGrath den dünnen Stan und seinen dicken Freund Ollie auferstehen und erzählt aus deren Biographien, indem er den Lebensstationen kleine Ausschnitte aus den Filmen beimischt. Auf diese Weise entsteht das Doppelporträt eines Künstlerpaares, das uns bis heute durch Situationskomik und Dialogwitz bewegt und die Tränen in die Augen treiben kann.

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Seitenzahl: 73

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Ausführliche Informationen über unsere Autoren und Theatertexte finden Sie auf unserer Websitewww.kiepenheuer-medien.de

© 2013 Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH

Schweinfurthstraße 60, 14195 Berlin

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Sämtliche Rechte der öffentlichen Wiedergabe (u. a. Aufführungsrecht, Vortragsrecht, Recht der öffentlichen Zugänglichmachung und Senderecht) können ausschließlich von der Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH erworben werden und bedürfen der ausdrücklichen vorherigen schriftlichen Zustimmung. Nicht genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche und ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

ISBN978-3-8442-7819-4

Personen

OLLIE: Oliver Hardy

STAN: Stan Laurel

diverse Stimmen

Pianistin

1.Akt

Ollie liegt auf der Bühne, hinter ihm eine Leinwand, auf der Stans Schattenumriss sichtbar wird. Die Schattenfigur spielt mit einer Melone. Stan stürzt durch die Wand auf die Bühne. Er stolpert. Setzt sich auf Ollie. Schaut verdutzt drein. Ollie wird wach. Blinzelt erstaunt. Stan legt die Hände flach auf seine Oberschenkel. Ollie hebt seine linke Hand und legt sie ausgestreckt auf Stans Bein. Stan versucht, die Hand von seinem Bein zu entfernen. Ist unschlüssig, woher sie stammt. Zögert. Ist verwirrt. Zählt mit der linken Hand seine rechte und Ollies linke Hand. Zeigt mit der linken Hand zwei an, nickt, lächelt und ist mit dem Ergebnis zufrieden. Ihm kommt die linke Hand in den Sinn, mit der er gezählt hat. Er zögert. Überlegt. Hebt die rechte Hand und zählt Ollies linke und seine rechte Hand. Kommt wieder auf zwei und ist zufrieden. Legt die rechte zurück aufs Bein und stellt fest, dass das Problem nicht gelöst ist. Trommelt mit den Fingern der linken Hand gegen sein Kinn. Ollie nimmt die linke Hand von Stans Bein und zählt Stans Hände, hält ihm dann seine Hand vor die Nase und zeigt drei Finger. Stan ist verblüfft. Ollie springt auf, wodurch er Stan in die Horizontale befördert.Vom Band kommt eine weibliche Stimme.

WEIBLICHE STIMME Dear Ladies and gentlemen, Hal Roach presents, for your entertainment and approval, Laurel and Hardy. We thank you…

OLLIE Das ist wieder typisch! Ich dachte, wir wären um halb acht verabredet.

STAN Stimmt.

Er schaut auf seine Armbanduhr. Geht durch die Wand zurück zum Ausgang.

OLLIE Wo willst du hin?

STAN Ich bin zu früh. Es ist erst viertel nach.

OLLIE Komm zurück. Lass mich mal sehen. schaut auf Stans Uhr Sie ist stehen geblieben.

STAN Wie spät ist es denn?

OLLIEschaut auf seine Uhr Exakt halb acht. Wo hast du dich rumgetrieben?

STAN Aber Ollie…

OLLIE Nenn mich nicht Ollie. Mein Name ist Oliver Norvell. Er tritt nach vorn und singt ins Publikum. Oliver Norvell Hardy, so werd’ ich geheißen.

STAN Oliver Norvell Hardy. Genau.

OLLIE Denkt man an mich, denkt man an Fülle und Übergewicht.

STAN Groß ist er und fett. Er verträgt keine Witze und kommt immer wichtig daher.

OLLIE Aber auch voller Liebe, das fällt ihm nicht schwer.

STAN Seine Würde betont er mit jedem zweiten Wort.

OLLIE Ja, Oliver Norvell, so werd’ ich geheißen.

STAN Oliver Norvell. Genau.

OLLIE Oliver Norvell Hardy. Das ist ein Name, Stanley. Ein Name, der Großes verheißt. Erst Oliver, ganz nobel, ganz englisch. Dann Norvell, der vortreffliche Name meiner Mutter. Und schließlich Hardy, aaah…

STAN Hardy, gib mir einen Kuss!

OLLIE Einen Tritt kannst du haben! Hör auf mit diesem Unsinn, Stanley. Sag mir lieber, wie ich aussehe. Ist meine Frisur in Ordnung? Sitzt der Schnurbart? Yoddleaeetee! Meine Stimme trägt heute Abend ganz besonders.

STAN Du siehst aus wie eine Million Dollars.

OLLIE Als wüsstest du, wie eine Million aussieht.

STAN Stimmt. Etwas wie dich habe ich noch nie gesehen. Du, Ollie, mir fällt gerade etwas ein.

OLLIE Und was könnte das, bitteschön, sein?

STAN Wir leben nicht mehr. Wir sind schon seit Jahren tot.

OLLIE Halt die Klappe, du Blödkopf. Laurel und Hardy sind unsterblich!

STAN Aber die Leute da.

OLLIE Was soll mit den Leuten sein?

STAN Die Leute wollen wissen, wer wir wirklich waren.

OLLIE Sie wollen was?

STAN Wissen, wer wir wirklich…

OLLIE OK, OK, ich habe dich ja verstanden. Sie wollen wissen, wer wir wirklich waren. Sie sollen es erfahren. Heutzutage ist ja nichts mehr heilig. Selbst ein Gentleman findet nicht die Ruhe, die ihm gebührt. Und wer ist Schuld daran? Der Tonfilm. Den Tonfilm hätte man nicht erfinden dürfen. Plötzlich war alle Magie dahin. Plötzlich war alles so authentisch. Pause Was ist los mit dir?

STAN Mir ist komisch, Ollie. Ich habe Muffensausen.

OLLIE Ja. Geht mir ähnlich mit den Muffen.

Vom Band ertönt eine Männerstimme. Es ist James Finlaysons Stimme. Stan und Ollie stehen schockstarr im Spot. Stan heult vor sich hin. In Ollies Augen spiegelt sich Furcht.

MÄNNERSTIMME Was glaubt ihr, was das hier ist? Ein Picknick? Angekommen seid ihr und bleiben werdet ihr. Dies ist die Armee der vergessenen Seelen. Wer hierher kommt, will vergessen und vergessen werden. Will sich abfinden mit den Mühen der Ebene und leben in der Wüstenei. Will nichts essen und nichts trinken und stimmt ein in das große Gelächter. Hahahaha…

Die Beiden lösen sich aus der Starre. Ollie gibt Stan einen Klaps.

OLLIE Hör auf damit, Stanley. Immerzu bringst du mich auf falsche Fährten. Ärger gab’s immer nur deinetwegen. Alles deine Schuld. Als hätte ich etwas zu verbergen. Habe ich nicht, absolut nicht. Und deshalb erzähle ich die Geschichte von Anfang an. Voller Stolz. Ich, Oliver Norvell Hardy!

Beide treten nach vorn und sagen dem Publikum, was sie zu sagen haben.

STAN Wir schreiben das Jahr 1892. Atlanta, Bundesstaat Georgia.

OLLIE Ein viel versprechendes Jahr in der Geschichte der Menschheit –

STAN Es war das Geburtsjahr von –

OLLIE Oliver Norvell Hardy! Ja, plötzlich war ich da, ein wunderschönes Kind, geliebt von…

STAN Hör auf, an deiner Krawatte rumzufummeln.

OLLIE Was soll das heißen – ich fummle an meiner Krawatte rum?

STAN Na, immer wenn du dir etwas einbildest, fummelst du an der Krawatte rum.

OLLIE Wenn du mich noch einmal unterbrichst, fummle ich an dir herum! Pause Warum heulst du?

STAN Ich will nicht, dass jemand an mir rumfummelt.

OLLIE Ach, jetzt hör doch auf. Pause Ja, ich war ein wunderschönes, allseits geliebtes Kind. Meine Mutter trug den Namen Emily Norvell und hatte schottische Vorfahren.

STAN Ich hatte auch schottische Vorfahren. Ich bin sogar in Glasgow zur Schule gegangen, obwohl ich in Lancashire, England, zur Welt kam.

OLLIE Halt die Klappe, du Idiot. Wen interessiert dein Werdegang. Hier geht es um mich, verstanden? Na, also. Pause Mein Vater war ziemlich schnell tot. Er war Richter. Ein bedeutender Mann, ein Mann mit Format – einer wie er ist mir später beim Film nie begegnet. Mein Vater, Oliver Hardy, starb, als ich noch sehr, sehr jung war.

Stan weint.

OLLIE Entschuldigen Sie bitte, meine Damen und Herren. Ich habe mit meinem Freund Stanley ein privates Wort zu wechseln. beiseite Was willst du damit erreichen? Meinen Monolog ruinieren?

STAN Nein, der ist nicht mehr zu retten.

OLLIE Du bist nicht mehr zu retten.

STAN Ollie, zum ersten Mal sind wir einer Meinung.

OLLIE Aaach… Du deprimierst mich.

STAN Mmhh, ich kenne das, ich musste sogar mal Tabletten nehmen, wegen Depressionen.

OLLIE Stanley!

STAN Stanley hatte ganz schöne Depressionen!

OLLIEfrustriert-wütend Ahhhh…

Stan entfernt sich von ihm und geht ab. Ollie vergewissert sich, dass er tatsächlich weg ist und nimmt das Gespräch mit dem Publikum wieder auf.

OLLIE Nun, die Depression oder die Depressionen haben uns alle mehr oder weniger gebeutelt. Nachdem mein Vater gestorben war, zog meine Familie hinaus in die Welt und meine Mutter hatte zu schuften, damit ihr hungriger Junge satt wurde.

Stan tritt wieder auf. Er trägt einen Hut, Schal und Krinoline. Dazu ein Tablett mit Kuchen. Er spricht mit einer hohen weiblichen Stimme.

STAN Oliver Norvell! Komm und iss deinen Kuchen!

OLLIE Ja, Mama.

Stan stopft den Kuchen in Ollies Mund und setzt ihm ein Babymützchen auf.

STAN Seit Vater tot ist, kannst du nicht aufhören, Kuchen zu essen. Komm, Oliver, sing den Leuten ein Lied vor. Er hat nämlich eine schöne Stimme. Die hat er von Anfang an. Einen Knabensopran.

OLLIE Beim Knabensopran ist es aber nicht geblieben, Mutter.

STAN Natürlich nicht, Oliver. Aber sehr verändert hast du dich auch nicht. Du bist immer mein kleiner Junge geblieben, auch als du anfingst, in die Breite zu gehen. Also, mein Liebchen, sing den Leuten ein Lied vor. La la la…

Stan summt die ersten Takte von“ Silver Threads among the Gold“. Der Pianist nimmt die Melodie auf.

STANsingt Darling, I am growing old…

OLLIE Silver threads among the gold.

STAN Shine upon my brow today…

Während Stan weiter singt, schleicht sich Ollie von der Bühne. Plötzlich gerät Stan als Mutter in Panik.

STAN Mein Junge! Mein Junge! Wo ist er hingelaufen? Oliver Norvell! Wo steckt er nur? Er ist doch erst acht Jahre alt.