Lavadrachen - Sabine Hartmann - E-Book

Lavadrachen E-Book

Sabine Hartmann

4,9

Beschreibung

Heftige Erdbeben erschüttern Island und wecken den alten Lavadrachen. Er spürt, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht. Als Wissenschaftler das Gebiet untersuchen, entdecken sie die Eier des Drachen und halten sie für das versteinerte Gelege eines Dinosauriers. Sie nehmen es zu Forschungszwecken mit. Doch der Drache tobt. Er will seine Kinder zurückholen. Dabei geraten Evi, eine Touristin aus Deutschland, und der junge Vulkanologe Snorri zwischen die Fronten. Und dann bricht das erste Ei auf …

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Seitenzahl: 328

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Inhalt

Titelseite

Impressum

Über die Autorin

Widmung

Kapitel 1: Bornar

Kapitel 2: Snorri

Kapitel 3: Hanna

Kapitel 4: Bornar

Kapitel 5: Snorri

Kapitel 6: Hanna

Kapitel 7: Bornar

Kapitel 8: Snorri

Kapitel 9: Hanna

Kapitel 10: Bornar

Kapitel 11: Snorri

Kapitel 12: Hanna

Kapitel 13: Bornar

Kapitel 14: Snorri

Kapitel 15: Hanna

Kapitel 16: Bornar

Kapitel 17: Snorri

Kapitel 18: Hanna

Kapitel 19: Bornar

Kapitel 20: Snorri

Kapitel 21: Hanna

Kapitel 22: Bornar

Kapitel 23: Snorri

Kapitel 24: Hanna

Kapitel 25: Bornar

Kapitel 26: Snorri & Hanna

Kapitel 27: Bornar

Kapitel 28: Snorri & Hanna

Kapitel 29: Bornar

Kapitel 30: Snorri & Hanna

Kapitel 31: Bornar

Kapitel 32: Snorri & Hanna

Kapitel 33: Bornar

Kapitel 34: Snorri & Hanna

Kapitel 35: Bornar

Kapitel 36: Snorri & Hanna

Kapitel 37: Bornar

Kapitel 38: Snorri & Hanna

Kapitel 39: Bornar

Kapitel 40: Snorri & Hanna

Kapitel 41: Snorri & Hanna

Glossar

Danksagung

Sabine Hartmann

LAVADRACHEN

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.ddb.de

© 2015 CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln

www.niemeyer-buch.de

Alle Rechte vorbehalten

Der Umschlag verwendet Motive von shutterstock.com

Molten Rock … Fotokostic 2015, Dragon HunterXt 2015

Druck und Bindung: CPI books

eISBN 978-3-8271-9879-2

EPub Produktion durch ANSENSO Publishing www.ansensopublishing.de

Die Geschehnisse in diesem Roman sind reine Fiktion. Sämtliche Handlungen und Charaktere sind frei erfunden.

 

 

Über die Autorin:

Sabine Hartmann wurde 1962 in Berlin geboren. Seit 1982 lebt sie in Sibbesse. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Nach vielen Jahren als freiberufliche Übersetzerin und Dozentin in der Erwachsenenbildung arbeitet sie heute als Schulleiterin in Alfeld.

Als Tochter eines Polizisten interessierte sie sich schon früh für Detektivgeschichten und Krimis. So lag es nahe, dass sie, als die Schreiblust sie packte, dieses Genre bevorzugte. Neben Krimis für Erwachsene schreibt sie auch für Kinder und Jugendliche. Im Regionalkrimibereich hat sie bisher in Hildesheim und im Weserbergland morden lassen. In Lesungen, Vorträgen und Schreibworkshops versucht sie, auch andere für Krimis zu interessieren.

Für ihre Kurzkrimis, die in Anthologien und Zeitschriften erschienen sind, hat sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Sie ist Mitglied bei den ,Mörderischen Schwestern‘ und im ,Syndikat‘.

Dies ist ihr zweiter Fantasyroman. Da sie schon immer ein Faible für Drachen hatte, spielen diese die Hauptrolle, doch ohne Verbrechen geht es auch in diesem Roman nicht.

Für Ulrike, Diana und Suntje

Wir sind alle Engel mit nur einem Flügel.

Um fliegen zu können, müssen wir einander umarmen.

Von Luciano De Crescenzo

1 BORNAR

Bornar schnaubte ärgerlich. Nicht schon wieder! Konnten die sich nicht alle ein bisschen zusammenreißen? War das etwa die feine isländische Art? Ihn so unsanft zu wecken?

Er hielt es nicht für nötig, auch nur ein Auge zu öffnen. Widerwillig spürte er den Erschütterungen nach, die ihn wohl geweckt hatten, denn hungrig fühlte er sich noch nicht. Vermutlich war es wieder einmal einer dieser übervoll beladenen Lkws, der mit zu hoher Geschwindigkeit über die Brücke geholpert war.

Wie etliche vor ihm.

Bornar drehte den Kopf ein wenig zur Seite, sodass er bequemer lag und gleich in aller Ruhe erneut einschlafen konnte. Sobald dieser Laster sich endlich soweit entfernt hatte, dass er seine Erschütterungen nicht mehr so stark spürte.

Er stutzte. Derartig lange Lkws gab es doch, soweit er wusste, gar nicht. Die Felsen, auf denen er ruhte, vibrierten noch immer. Die Bewegung breitete sich in langsamen Wellen aus, die unter ihm hindurchglitten, ohne sich großartig zu verändern.

Was hatten sich die Menschen nun wieder ausgedacht?

Hatten sie eine dieser unerträglichen Eisenbahnlinien gebaut oder irgendetwas in die Luft gejagt?

Sein Herzschlag beschleunigte sich leicht, und er schlug nun doch ein Auge auf. Machten sie vielleicht Jagd auf etwas? Womöglich auf ihn?

Er konnte sich nur zu gut an ihre letzten läppischen Versuche erinnern. Schleppnetze, Sonare, Videokameras, sie hatten alles aufgefahren, was ihnen zur Verfügung stand. Pah! Damit konnten sie ihn nicht beunruhigen. Lästig war es natürlich trotzdem. Schließlich schätzte er seine Ruhe über alles.

Nur das Dynamit hatte ihm kurzfristig Sorgen bereitet.

Selbstverständlich hatte er keinen Moment befürchtet, dadurch verletzt zu werden, und aus seinem Versteck hätten sie ihn damit ebenfalls nicht vertreiben können, aber die Fische in diesem See wären alle verendet. Und es war für ihn doch unvergleichlich viel anstrengender und vor allem auch verräterischer, nachts an Land zu kriechen und sich ein Schaf oder besser noch eines dieser Ponys zu schnappen. Fische vermisste niemand.

Gerade dachte er, dass ein Pony oder eine Kuh eine nette Abwechslung auf seinem Speiseplan wäre, als die nächste Erschütterung ihn ablenkte. Er ruckelte seinen Leib ein wenig zurecht, um den größtmöglichen Kontakt zum Untergrund zu bekommen.

‚Beachtlich‘, dachte er, ‚ganz beachtlich.‘

Ohne Zweifel ein Erdbeben. Keines von den gewöhnlichen, kleinen. Dieses hier kam von sehr tief unten, wälzte sich mit großer Kraft auf die Erdoberfläche zu, gefolgt von zahlreichen schwächeren, die jedoch von der gleichen Quelle ausstrahlten.

Er konzentrierte sich, um die Richtung festzustellen, aus der die Wellen sich auf ihn zu bewegten.

Süden?

Eher Südwesten!

Mit einem Ruck war er hellwach. Er richtete sich auf, sog tief die Luft ein.

„Aurangar! Bist du das?“

Er erwartete nicht wirklich eine Antwort.

„Aurangar?“ Er flüsterte ihren Namen.

Kam sie zu ihm zurück?

Das konnte nicht sein.

Nicht nach so vielen Jahren.

2 SNORRI

Snorri starrte auf den rechten der drei Monitore an seinem Arbeitsplatz. Die Grafiken dort veränderten sich verhältnismäßig langsam, aber stetig. Behutsam fuhr er mit dem Mauszeiger über einen der Punkte, betrachtete den aktuellen Wert, steuerte den nächsten an, las ab, verglich. Es war kein Irrtum möglich.

Die Lavamenge, die pro Sekunde austrat, hatte sich in den letzten vier Stunden quasi verdoppelt. Als er den Posten übernommen hatte, war die Spalte, aus der die Lava hervorquoll, etwa dreihundertfünfzig Meter lang gewesen. In jeder Sekunde drangen zweihundertzwanzig Kubikmeter Lava aus dem Boden. Die heiße Masse floss hauptsächlich nach Norden ab, und der Spalt verlängerte sich beharrlich in nordöstlicher Richtung. Zum Glück war die Gegend dort äußerst dünn besiedelt.

Snorris Blick schwenkte zum mittleren Monitor. Selbstverständlich hatte er sich in der Zwischenzeit an die Erdbeben gewöhnt, die quasi beständig den Boden unter ihm zum Schwingen brachten. Mehr als dreihundertfünfzig pro Tag hatten sie allein an ihrem Standort aufgezeichnet. Er und seine Kollegen.

Er hielt einen Moment inne. Dieser Gedanke fühlte sich gut an. Er ein gleichberechtigter Kollege. Er musste grinsen. Naja, beinahe.

Seit dem 19. August gehörte er zu einem der Teams, welche die seismischen Ereignisse an den Vulkanen Bardarbunga und Vatnajökull untersuchten. Siebenhundert oder achthundert Erdbeben pro Tag waren unter dem riesigen Gletschergebiet inzwischen normal, glücklicherweise blieben die meisten bisher unter dem Wert vier auf der Skala. Jetzt zeichnete die Phalanx jedoch schon das dritte Erdbeben über fünf innerhalb von einer Stunde auf. 5,3, 5,7 und aktuell sogar 5,9.

Snorri schickte eine Warnmeldung an den Teamleiter ab. Vorsichtshalber.

Kaum hatte er auf Senden geklickt, flog die Tür des Containers auf. Drei seiner Kollegen, alle in dicke Schutzanzüge gehüllt, stapften herein. Er erkannte Alda Gulbranddottir, die Leiterin des Instituts und damit seine Chefin, sofort. Sie überragte ihre Kollegen um beinahe einen ganzen Kopf und betrat den Container als Letzte. Nachdem sie die Tür sorgfältig geschlossen hatte, zog sie den Schutzhelm herunter. Langsam fuhr sie mit der Hand einmal durch ihre dunklen, sehr kurz geschnittenen Haare und legte erst dann den Helm auf einen freien Stuhl. Gleich darauf kam sie zu Snorri herüber.

Alda zeigte auf seinen Monitor. „Die Fissur hat sich deutlich verlängert. Wir müssen unbedingt noch einmal über das gesamte Gelände hinwegfliegen und die Bewegungsrichtung genauer bestimmen. Vor allem müssen wir wissen, wie schnell sie vorankommt.“

Der blonde Student nickte. „Der Lavafluss steigert sich beständig. Die Erdbeben werden ebenfalls stärker.“

„Wir haben von der Station II die Nachricht bekommen, dass der Bardarbunga-Krater im Westen noch ein Stück tiefer eingebrochen ist.“

Snorri fuhr herum. „Schmilzt der Gletscher?“

Davor fürchtete er sich insgeheim am meisten. Beide Vulkane, der Bardarbunga südlich von ihnen und der Vatnajökull, an dessen Hang sie saßen, lagen unter einem mehrere hundert Meter dicken Gletscher. Niemand mochte sich vorstellen, welche riesigen Wassermassen ins Flachland stürzen würden, sobald die Vulkane ausbrachen und die heiße Lava das Eis der Gletscher schmolz.

Doch Alda schüttelte den Kopf. „Nichts dergleichen. Es sieht eher so aus, als würde die Lava, die hier bei uns aus dem Boden quillt, den Druck wegnehmen. Derzeit gibt es keinen Grund zur Besorgnis für die Bevölkerung.“

Snorri grinste erleichtert. „Wenn das Eis in den Krater rutscht, brauchen wir uns keine Sorgen wegen einerÜberschwemmung zu machen.“

„Das stimmt wohl. Aber“, sie hob die Stimme, um die Gespräche der anderen hinter ihnen zu unterbrechen, „wir haben heute nicht unbeträchtliche Mengen von Schwefeldioxid gemessen. Unsere Kollegen von FUTUREVOLC haben uns die ersten Ergebnisse ihrer Messstationen übermittelt.“ Da Gunnar nach wie vor mit dem Rücken zu ihr stand, sprach sie noch ein wenig lauter. „Sie empfehlen, dass niemand von uns in Zukunft ohne Spektrometer oder Gasmaske in die Nähe der Spalte gehen sollte. Die Wolke steigt bis zu einhundertzwanzig Meter auf, und wird durch den Luftstrom beinahe zwei Kilometer nach Südwesten getragen. Ihr wisst alle, wie schnell der Wind sich drehen kann. Ich will keinen mehr allein da draußen sehen, und wen ich ohne Schutzkleidung im Freien antreffe, der tritt die Heimreise an die Uni an und putzt bis zu unserer Rückkehr alle Schreibtische. Haben wir uns verstanden?“

Alle nickten. Gunnar murmelte: „Klar und deutlich“, bevor er davonschlurfte.

Alda drehte sich wieder zu Snorri um und fragte ihn: „Kannst du mir sagen, wie viele Kubikmeter Lava inzwischen ausgetreten sind?“

Er antwortete, ohne vorher nachschauen zu müssen: „Achtzehn Millionen Kubikmeter!“ Als sie nicht reagierte, fügte er hinzu: „Mehr oder weniger, also, das ist gerundet, ich meine, ich hab’s überschlagen.“ Er seufzte.

„Schon gut.“ Sie beugte sich über seine Monitore. „Du scheinst recht zu haben. Schalte doch bitte mal auf die Kameras um.“

Snorris Finger flogen über die Tastatur. Der linke Bildschirm teilte sich in sechs gleich große Abschnitteauf. Jeder zeigte das Bild einer Überwachungskamera.

„Nummer Vier“, sagte Alda.

Sie stand für seinen Geschmack immer noch viel zu dicht neben seinem Stuhl. Doch Snorri wollte auf keinen Fall, dass sie bemerkte, wie unangenehm ihm das war. Er war der Neuling, der Jüngste im Team. Nur dabei, weil eigentlich Semesterferien waren, er als Einziger nicht nach Hause gefahren war und sich somit sofort in den Einsatz stürzen konnte. Zur rechten Zeit am rechten Ort. Zumindest hoffte er das.

Kamera Nummer Vier befand sich am südlichen Ende der Spalte. Sie zeigte, wie die rot glühenden Lavabrocken in die Luft geschleudert wurden. Gut sichtbar gegen das beinahe schwarze Gestein, das dort vorherrschte.

Alda sah auf die Uhr. „Wir müssen noch mal raus. Die Kamera umsetzen. Das ist mir zu eng. Uns bleiben zwei Stunden Tageslicht, das sollte reichen.“ Sie wandte sich ab, ging die wenigen Schritte zu der Tür, die in die winzige Küche führte. Dann drehte sie sich noch einmal um und sagte: „Snorri, mach dich fertig. Du kommst mit mir. Gunnar kann so lange deine Station übernehmen.“

Snorri starrte mit offenem Mund hinter ihr her. Sein erster echter Einsatz im Feld. Seit dem ersten Semester hatten sie das geübt. Im Labor, aber auch in Feldversuchen an einem echten Vulkan, jedoch stets nach dem Ereignis, wenn eigentlich keinerlei Gefahr mehr drohte. Das war sicher gut so, schließlich wollte er die Vulkane erforschen und sich nicht von ihnen umbringen lassen. Allerdings wünschte er sich so manches Mal etwas weniger Sicherheit und ein wenig mehr Abenteuerlust. Immerhin war er ein sportlicher Typ, hatte sich schon immer viel draußen aufgehalten und kletterte für sein Leben gern.

Seit er als Achtjähriger den Ausbruch der Hekla miterlebt hatte, hielten die Vulkane ihn gefangen. Sein Zimmer tapezierte er mit Fotos und Postern von Lavaströmen, Aschewolken und Kratern und nicht mit Rockmusikern. In den Ferien sammelte er Vulkangestein und bestieg jeden Vulkan, zu dem er seinen Vater schleppen konnte.

Niemals hätte er sich vorstellen können, etwas anderes zu studieren. Vulkanologe, das war sein Traum. Damals wie heute.

Doch als er sich jetzt vorstellte, dass er hinausgehen sollte, zu einem tatsächlich gerade aktiven Vulkan, da spürte er zum ersten Mal leisen Zweifel.

Worauf ließ er sich da ein?

Gluthitze, giftige Gase, Aschewolken, dazu ein Boden unter seinen Füßen, der ständig in Bewegung war, und bestimmt ziemlich heiß. Wer garantierte ihm, dass nicht genau dort, wo er gerade stand, die nächste Spalte aufbrach und ihn ...? Er schüttelte den Kopf und erhob sich entschlossen. Was sollte der Quatsch denn jetzt?

Endlich bot sich ihm die Chance, auf die er mehr als vierzehn Jahre lang gewartet hatte. Hautnah einen Ausbruch zu erleben, ihn zu untersuchen. Menschen und Tiere zu warnen und zu beschützen, indem er die relevanten Daten zusammentrug, auswertete und Schlussfolgerungen zog. Schlussfolgerungen, die Leben retten konnten und die er nur erhielt, wenn er jetzt da hinausging und sich nicht anstellte wie eine Katze, die in die Badewanne sollte.

Trotzdem zitterten seine Finger, als er den Schutzanzug anlegte. Glücklicherweise beobachtete ihn niemand.

Sie hatten den Wagen abgestellt und mussten den Rest der Strecke zu Fuß zurücklegen. Er trug einen der Metallkoffer und Alda den anderen. Sie bewegten sich langsam und vorsichtig auf den Spalt zu. Snorri schaute sich um. Obwohl es noch hell sein müsste, konnten sie kaum dreißig Meter weit gucken. Nebel, Asche, Dampf, er wusste es nicht genau, vermutlich eine Mischung aus allen dreien, waberte um ihn herum.

Alda ging zügig vor ihm her. Er fragte sich, woran sie sich orientierte. Woher wusste sie so genau, wo sich die Messstation befand?

Er beeilte sich, direkt hinter ihr zu bleiben. Nicht auszudenken, wenn er sie verlor, sich verirrte.

Alda trug keine Handschuhe. Auch schien der unhandliche, schwere Koffer sie kaum zu behindern. Während Snorri aufpassen musste, dass er auf dem unebenen Grund nicht ins Straucheln geriet, schritt sie voran, als ginge sie auf einer asphaltierten Straße. Er musste an den Spruch denken, den sein Vater in derartigen Situationen immer gesagt hatte, zumeist mit theatralisch gerunzelter Stirn, begleitet von einemlangsamen Kopfnicken: „Übung macht den Meister. Wenn du etwas wirklich gut machen willst, dann wiederhole es so oft, dass es dir in Fleisch und Blut übergeht. Erst, wenn du gar nicht mehr darüber nachdenken musst, wenn alle Handlungen quasi automatisch ablaufen, dann bist du ein Profi.“ Snorri musste grinsen. Ein Vulkanprofi. In spätestens zehn Jahren würde er elfengleich über Lavageröll schreiten, während seine beiden jungen, blonden und überaus hübschen Studentinnen sich hinter ihm abmühten, mit ihm Schritt zu halten. Schließlich wollten sie ihn beeindrucken, denn selbstverständlich schwärmten sie beide für ihn. Die eine ...

Ups, fast wäre er mit Alda zusammengestoßen, die unvermutet stehen geblieben war. Nur ihr Kopf bewegte sich langsam.

Ah, sie musste sich orientieren. Sie war also doch nicht allwissend.

„Da entlang“, sagte sie und wies mit dem Kinn leicht nach links.

Sollte er jetzt vorangehen?

Er zögerte.

Nein. Sie nahm den Koffer in die andere Hand und ging weiter, ohne auf ihn zu warten oder sich nach ihm umzudrehen.

Snorri folgte ihr. Als ein Windstoß ihn von hinten traf, strauchelte er. Doch die Bö wehte auch die Schwaden zur Seite. „Ich kann die Messstation sehen“, rief er. „Noch ein bisschen weiter nach links. Etwa hundertfünfzig Meter.“

Alda schwenkte ab. „Ich seh sie. Gut gemacht.“

Ihr Lob freute ihn, obwohl er eigentlich nichts dazu konnte, dass er zufällig in die richtige Richtung geschaut hatte, als die Bö ihnen zu Hilfe kam.

Schweigend sicherten sie die Aufnahmen der Kamera und die Ergebnisse der Messgeräte, bevor sie die Instrumente verpackten.

Demonstrativ klappte Alda ihren Koffer zu. „Was meinst du, wollen wir hingehen? Uns mal ein wenig umschauen? Direkt vor Ort?“

„Hingehen?“

„Zur Spalte.“

Snorri nickte. „Unbedingt. Ich will sie sehen.“

Alda lachte. „Dachte ich mir. Dann geh mal voraus.“ Sie wies mit der Hand in eine Richtung über seiner linken Schulter. „Vergiss nicht, die Helmkamera einzuschalten.“

Snorri nickte, drehte sich um und ging los. Nach wenigen Metern spürte er ein Erdbeben. Er ließ sich davon nicht aufhalten, gab sich große Mühe, nicht zu zögern, genauso zügig voranzuschreiten wie bisher. Der Boden unter seinen Stiefeln wurde immer wärmer. Die Luft ebenso.

Er blieb stehen, hockte sich hin, prüfte den Untergrund, auf dem er sich befand. Dies war bereits neue Lava. Schon erstarrt. Sie befanden sich am äußersten Rand des Feldes. Sein Thermometer zeigte achtundvierzig Grad. Demnach konnte er sie anfassen.

Er zog seinen Handschuh aus und berührte vorsichtig den rauen Lavastein vor seinen Füßen.

Alda reichte ihm einen Hammer. „Das funktioniert, glaube ich, besser als abreißen.“

„Meinst du, ich kann ein Stück mitnehmen?“

„Klar“, antwortete sie. „Jeder von uns besitzt ein Bröckchen Lava von seinem ersten Vulkanausbruch. Sozusagen als Talisman.“

Snorri nickte. Das klang ausgezeichnet. Er suchte nach einer Stelle, die interessant geformt aussah, und schlug dann einen länglichen Stein ab. Als er wieder aufblickte, konnte er Alda nicht mehr sehen.

Er schnellte hoch. Hinter einem Vorsprung bemerkte er, dass Lava in den Himmel geworfen wurde. Er lief so schnell darauf zu, wie er sich traute.

Seine Chefin stand nah an der Spalte und beobachtete das Schauspiel.

Atemlos stellte er sich neben sie.

Das war so unglaublich schön.

Tiefrotes Glühen in der Schwärze der alten Lavafelsen.

Schweiß lief ihm über den Rücken. Seine Fußsohlen spürten die Hitze deutlich. Der Boden zitterte.

Snorri atmete tief durch. Trotzdem war es ein ganz und gar fantastischer Anblick. Vielleicht konnte er noch ein Stückchen näher herangehen?

„Sieh mal, da“, sagte Alda und zeigte mit ausgestrecktem Arm auf eine Stelle sechs oder sieben Meter vor ihnen. „Da wächst sie.“

Tatsächlich konnte Snorri erkennen, wie schwarzer Stein direkt vor seinen Füßen immer heller wurde, schließlich rot glühte, in sich zusammenfiel und weggluckerte. Nicht mehr als einen Finger breit. Doch von dort aus wuchs die Spalte langsam auf ihn zu. Nur zwei Meter von ihm entfernt, war die glühende Spur bereits zwölf Zentimeter breit, und in rund zehn Metern Entfernung sprudelte glühende Lava aus dem Boden.

Jetzt bemerkte er auch die Gaswolke, die über allem Stand. Hellgrau und völlig undurchsichtig.

Langsam drehte er den Kopf, scannte die Szenerie aufmerksam. Er wollte alles in sich aufnehmen, für immer in seiner Erinnerung bewahren. Jedes Detail.

Plötzlich tippte Alda auf seine Schulter. „Lass uns noch ein Stückchen an der Spalte entlanggehen.“

Snorri konnte sein Glück kaum fassen. Er nickte aufgeregt.

Sie mussten einen länglichen Felsen umgehen und näherten sich der Spalte im rechten Winkel.

Snorri ging etwas weiter nördlich als Alda. Vor ihm brach ein Stück der gegenüberliegenden Kante ab. Darunter kam ein Hohlraum zum Vorschein. Zumindest sah es für ihn so aus. Einen Moment lang hatte er den Eindruck, dass ihn etwas aus dieser Höhle anstarrte. Er blinzelte und schaute noch einmal hin.

Welches Tier wäre so unvorsichtig, nicht zu fliehen, sobald sich Lava näherte?

Er beugte sich vor, um besser sehen zu können. Waren das Hörner? Eine Ziege vielleicht? Gab es so große Ziegen?

Er wandte sich an Alda. „Was ist das da?“

Alda stellte sich neben ihn, schaute in die Richtung, in die er zeigte. „Ich sehe nichts.“

Dann konnte er spüren, wie sich ihr ganzer Körper versteifte. Er wusste, sie hatte es jetzt ebenfalls entdeckt. Er fragte erneut: „Was zum Teufel ist das?“

„Eine optische Täuschung“, sagte sie barsch. „Das kommt vom Gas.“ Gleich darauf packte sie seinen Arm, zog daran, sodass er sich umdrehen musste. „Wir müssen los. Hier wird es eindeutig zu gefährlich. Der Boden unter unseren Füßen kann jederzeit einbrechen.“

Trotzdem rührte er sich nicht, sodass sie ihn voranschob, von der Spalte weg. Er drehte den Kopf, um sich die seltsame Struktur noch einmal anzuschauen. Er war davon überzeugt, einen Kopf zu sehen, einen riesigen Schädel, mit Hörnern.

„Da gibt es nichts zu sehen. Los, lauf!“, rief sie und stieß ihm in den Rücken.

Tatsächlich brach ein weiteres Stück der Kante weg. Ein stärkeres Erdbeben erwischte ihn unerwartet und fegte ihn von den Füßen. Er landete auf beiden Knien und zog heftig die Luft ein. Verdammt, das tat weh. Warum musste der Untergrund hier auch so scharfkantig sein.

Alda zerrte ihn an seiner Schulter nach oben. „Alles okay?“, fragte sie.

Er biss die Zähne zusammen und nickte.

„Dann weiter, los. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“

Die ersten drei oder vier Schritte hinkte er, danach ging es besser.

Schließlich wagte er einen Blick zurück, erkannte aber nichts Ungewöhnliches mehr. Er war nicht einmal sicher, ob er die richtige Stelle ansah. Der Boden rund um die Lavaspalte veränderte sich rasend schnell.

Sie erreichten den Platz, an dem sie die Metallkoffer mit der Kamera und den Messgeräten zurückgelassen hatten. Ohne stehen zu bleiben, nahmen sie die Koffer auf und hasteten zurück zum Wagen.

Während der Fahrt sprachen sie nicht miteinander. Alda meldete ihre Rückkehr allerdings per Funk an die Station.

Erst nachdem sie vor dem Container angekommen waren und Alda den Motor ausgeschaltet hatte, wandte sie sich ihm zu. „Da war nichts. Eine Sinnestäuschung. Ich will da drinnen kein Wort darüber hören. Kapiert?“

Snorri war zu verdattert, um zu reagieren. Was wollte sie von ihm?

Da er nicht antwortete, sagte sie: „Wir sind ernst zu nehmende Wissenschaftler, keine Feenbeauftragten und keine Trollkundler. Haben wir uns verstanden? Für Fantasten, die an Wesen aus einer anderen Welt glauben, ist in meinem Team kein Platz.“

„Selbstverständlich. Keine Frage“, sagte er und stieg aus. Suchend fuhr seine Hand über die Helmkamera. Feen? Trolle? Er hatte nichts dergleichen gesehen, sondern ein ganz reales Tier mit Hörnern. ,Das werden wir ja später auf den Aufnahmen sehen‘, dachte er, bevor er zum Container hinüberging. Warum reagierte Alda so heftig? Gegen einen Vulkan konnte auch eine Feenbeauftragte nichts ausrichten. Vermutlich würde auch keiner von ihnen vorbeischauen, um zu prüfen, ob sie ihre Messgeräte über einem Lavabrocken aufgebaut hatten, in dem Mitglieder des Kleinen Volkes lebten. Er wusste, dass es durchaus vorkam, dass Forschungsvorhaben aufgegeben oder angepasst werden mussten, weil ein Einspruch der Feenbeauftragten eingegangen war. Doch im Zusammenhang mit einem akuten Vulkanausbruch hatte er davon noch nie gehört.

Langsam folgte er Alda zum Container.

3 HANNA

Hanna packte ihre weiße Regenjacke oben auf den Kleiderhaufen in ihren noch geöffneten Koffer. Dann klappte sie ihn energisch zu und ließ die Schlösser einschnappen. Prüfend sah sie sich noch einmal in dem bescheidenen Zimmer um, in dem sie nun beinahe einen Monat gelebt hatte. Aus dem Fenster ging ihr Blick über die Pferdeweide zum Hausberg mit dem Wasserfall. Dieser isländische Pferdehof vermietete nur vier Zimmer, und sie hatte eines ergattert, für ganze vier Wochen. Auf der einen Seite lange vier Wochen, andererseits war die Zeit wie im Flug vergangen. Kein Wunder, schließlich hatte sie an manchen Tagen zwölf Stunden gearbeitet.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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