Lebe, was du wirklich bist - Dr. med. Andreas Reichstädter - E-Book

Lebe, was du wirklich bist E-Book

Dr. med. Andreas Reichstädter

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Beschreibung

Die Begegnung mit einer Heilerin war die Wende in Dr. Andreas Reichstädters' Leben – es folgte eine spirituelle und herausfordernde Reise und Ausbildung zum Lichtenergetiker. Der Autor beschreibt eindrucksvoll, wie er seine eigene Berufung entdeckte, Schritt für Schritt in eine neue Lebensweise eintauchte und welche große Rolle seine Lehrerin und Heilerin dabei spielte. Mit ehrlichen und humorvollen Einblicken in seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse erzählt Andreas Reichstädter, wie die Lichtenergetik ihm nicht nur bei der Heilung eigener seelischer Wunden half, sondern wie er auch zu einem Wegweiser und Begleiter für andere wurde. Dabei beleuchtet er die intensiven Lernprozesse, die tiefgreifenden Erkenntnisse und die transformative Kraft, die Licht und Energie mit sich bringen.

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Seitenzahl: 439

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Impressum

Hinweis

Widmung

Vorwort

Erinnere dich, wer du wirklich bist

Wie alles begann

Der Beginn eines neuen Lebens

Ich bin Glückseligkeit

Mariam und Yeshua

Die Liebe hört niemals auf

Keine Angst vor dem Unsichtbaren

Wer heilt, hat recht, oder?

Der Tod ist ein Geschenk

Die Kreatur im Wiener Allgemeinen Krankenhaus

Göttlicher wird’s nicht

Wer bin ich? Bin ich? Und wenn ja, wie viele?

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Cover

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2026 novum publishing gmbh

Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt

[email protected]

ISBN Printausgabe: 978-3-99185-029-8

ISBN e-book: 978-3-99185-030-4

Lektorat: BA

Umschlagfoto: Andreas Reichstädter

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Hinweis

Der Autor macht darauf aufmerksam, dass sich die vom Autor in diesem Buch erwähnte Heilung immer auf die Erweckung der eigenen inneren Heilkräfte im Menschen bezieht und das Miteinbeziehen der Schulmedizin sowie den Besuch bei einer Ärztin oder bei einem Arzt nicht ersetzt.

Die Bezeichnung „Heilerin“ oder „Heiler“ beschreibt lediglich, wie der Autor seine Lehrerin und Mentorin für sich wahrgenommen hat.

Widmung

Ich widme dieses Buch …

Euch allen

In Liebe und Mitgefühl für euch und euren Weg der Bewusstwerdung und der Heilung. Ich verneige mich voller Wertschätzung und tief empfundenem Respekt vor euch.

Vor eurem Mut, den es braucht, sich erinnern zu wollen.

Vor eurer Gelassenheit, alle Aspekte eures Seins, die sich euch auf diesem Weg zeigen, anzunehmen. Frei von Selbstbewertung und Selbstverurteilung.

Vor der Liebe in euren Herzen, die es schafft, zu vergeben, zu transformieren und zu heilen, was noch nicht heil, noch nicht in Frieden ist.

Vor eurer Hoffnung, eurer Zuversicht und eurem Vertrauen, dass alles gut wird und vor eurem Humor, der es ermöglicht, all dem mit Leichtigkeit zu begegnen.

Am Ende ist Licht. In diesem Augenblick, jetzt, ist Licht. Ihr seid das Licht. Erinnert euch.

Der Liebe meines Lebens, meiner Frau

Dein Licht, deine Liebe, dein Herz, dein ganzes Wesen waren für mich schon immer wie ein Leuchtturm in dunkler Nacht. Dein Ja zu mir, das größte Geschenk meines Lebens. Das Abenteuer des Lebens, des gemeinsamen Erlebens. All die Höhen und Tiefen, die wir zusammen durchlebt und gemeistert haben. Alles, was wir aneinander und miteinander heilen konnten. Dieses Buch gibt es nur, weil es dich gibt. Ich habe dich in meinem Herzen, in Liebe, für immer.

Meinen Eltern Gerda und Michael

Ihr habt mir mit euren großen Herzen die wahren Werte von Liebe, Miteinander, Freundschaft, Sanftmut und Güte gelehrt. Mehr noch, ihr habt sie mir durch euer Sein, durch euer „Ich bin“ vorgelebt. Ich danke meiner Seele aus tiefstem Herzen, dass sie sich euch als Idealbesetzung für mein Leben ausgesucht hat.

Meiner Heilerin, Lehrerin und Freundin Gerti

Du hast mich mit deiner Liebe, deinem Mitgefühl und deinem Vertrauen in mich nie aufgegeben. Du warst mit deinem Licht, deinem tiefen Wissen und deiner Menschlichkeit der Schlüssel in meinem Leben, damit sich alles zum Guten wenden konnte. Ich bin dir für immer dankbar.

Meiner seelisch-geistigen Führung sowie allen Lichtkräften

Ihr, die ihr mich seit Anbeginn meines Seins bedingungslos liebt, führt, berührt, beratet und begleitet, ob ihr mir bewusst wart oder nicht. Ich danke euch!

Den Hathoren und lemurischen Lichtwesen

Ihr wart in dem Moment an meiner Seite, als ich die Absicht hatte, dieses Buch zu schreiben. Wahrscheinlich habt ihr es schon vor mir gewusst. Ich danke euch von ganzem Herzen, dass ihr mich vom ersten Wort an in eurer Liebe über meine Intuition geleitet, beraten und begleitet habt. Ich danke dem Himmel für die Gnade eurer Anwesenheit in meinem Leben. Danke!

Vorwort

Dieses Buch entstand intuitiv unter der Anleitung meiner seelisch-geistigen Führung.

Ich habe es mit dem Herzen geschrieben, in der Hoffnung, dass es dir, liebe Leserin, lieber Leser, Freude bereitet und Mut macht. Mut, dich zu erinnern, wer du in Wahrheit bist, und zu leben, was du wirklich bist. Gelassenheit, alles wertfrei anzunehmen, was sich dir auf diesem Weg des Erinnerns zeigt. Geduld, zu transformieren und zu heilen, was in dir noch nicht in Frieden ist. Humor und Mitgefühl dir selbst und anderen gegenüber. Liebe in dir für dich selbst und alles Sein sowie Freude, dich auf den Weg zu machen zum eigenen „Frei-Sein“.

Das Leben ist ein Abenteuer, du hast es in der Hand. Als Miterschaffer deiner eigenen Realität und als Mitschöpferwesen im großen Ganzen.

Dieses Buch entstand nach einem mein gesamtes Leben verändernden Jahrzehnt in dem Zusammentragen von Erlebnissen, Erfahrungen, Lernprozessen und Bewusstwerdungen, die ich seit der Beendigung meiner Spitalstätigkeit 2011 erleben und durchleben durfte.

Es ist die Geschichte einer spirituellen Reise in dieser Zeit des Wandels – von einem Leben voller Zwänge, Ängste, Sorgen, Begrenzungen, Bewertungen, Dogmen, Glaubenssätzen und Prägungen hin zu einem bewussten, selbstbestimmten, selbstverantwortlichen, freien Leben, erfüllt von Liebe und Frieden.

Ich beschreibe in diesem Buch die Realität, so wie sie sich mir in den letzten Jahren offenbarte und mir durch meine Heilerin gezeigt wurde. Eine Realität, die sich ständig verändert und erweitert, größer und schöner wird. Es handelt sich eigentlich nicht um die Realität an sich, sondern um meine Wahrnehmung des Lebens und der Zusammenhänge des großen Ganzen sowie mein Herzensverständnis darüber. Aus dem Blickwinkel der Bewusstseinsebene und somit der Entwicklungsstufe, auf der ich mich gerade befinde. Da Bewusstwerdung ein Prozess ist, verändert und erweitert sich diese Sicht täglich.

Viele Bücher, die ich einst gekauft hatte, lagen jahrelang bei mir zu Hause im Bücherregal, kurz angelesen und vom Verstand als Zeitverschwendung abgetan, bis ich begonnen habe, sie mit meinem Herzen zu lesen.

Daher ermutige ich dich, dieses Buch mit deinem Herzen zu lesen und in deinem Herzen zu prüfen. Nimm nur das an, was sich für dich in dem Moment als richtig anfühlt, sei aber offen für Veränderung und Weitung.

Ein Buch zu schreiben, war seit meiner Kindheit einer meiner Herzenswünsche. Dieses Buch entstand auf meinem Weg der Heilung. In der dadurch in mir wiederentdeckten, in mir wiedererweckten, mich von allen Verhärtungen und Verletzungen erlösenden Liebe und im Mitgefühl. Liebe und Mitgefühl mir selbst gegenüber in meinem Prozess des „Mich-selbst-Kennenlernens“ sowie die dadurch in meinem Herzen wieder freigelegte Liebe und das Mitgefühl mit allen Menschen, Tieren, mit Mutter Erde und allem Sein.

In Dankbarkeit und Liebe, Andi

Erinnere dich, wer du wirklich bist

Es war ein sonniger, milder Tag im Juni 2013. Ich war mit meinem Auto unterwegs ins Waldviertel, zu einem Haus, in dem eine ganz besondere Frau wohnen und arbeiten sollte: eine Heilerin.

Ich war einige Jahre zuvor aus meiner Heimatstadt Wien aufs Land gezogen, in der Hoffnung, mein festgefahrenes Leben, mein verwundetes Herz und meinen schmerzenden Körper mit Hilfe der Natur heilen zu können. Großzügige vier Wochen Zeit hatte ich mir damals für meine eigene Heilung gegeben. Eine Heilung, die sich weit über die Grenzen meines menschlichen Lebens erstrecken und meine gesamte Existenz als Seele miteinbeziehen sollte. Vier Wochen, aus denen fünf Jahre werden sollten.

Die anfängliche Hoffnung auf ein baldiges, heiles Zurückkehren in mein altes Leben war bis zu diesem Tag im Juni unerfüllt geblieben und sollte sich dank der Hilfe dieser wundervollen Frau zum Glück vollständig in mir auflösen. Die Begegnung mit dieser Heilerin bedeutete nach all den Jahren den Startschuss für meine Heilung. Eine Heilung, deren Wirkung bis in die tiefsten Ebenen meiner Existenz als Seele strahlen und mir eine Rückkehr in mein altes, unbewusstes Leben vollkommen unmöglich machen sollte.

Zehn Jahre andauernde Herzschmerzen sowie Schmerzen im Bereich meiner linken Hüfte hatten es mir jeden Tag zunehmend erschwert, zu gehen und auf meiner linken Seite zu liegen. Ein Gefühl von Traurigkeit und Verzweiflung überschattete jeden einzelnen Tag. Viele Jahre schon steckte ich fest. Es fühlte sich so an, als würde ich den Sinn meines Lebens nicht kennen, mein volles Potential nicht leben und die Erfüllung in meinem Sein nicht finden. Meine physischen Schmerzen hatten mich nach sämtlichen Heilversuchen der Schulmedizin, Homöopathie, Osteopathie, Orthomolekularmedizin sowie vieler weiterer Heilmethoden schließlich zu einer spirituellen Heilerin geführt.

Viele von mir unternommene, klassisch-schulmedizinische Versuche der Heilung hatten ihre Berechtigung und manche Versuche sicher auch ihr Gutes. Jedoch vermochte keine Methode, mir bezüglich meiner mich seit Jahren begleitenden Symptome Linderung oder gar Heilung zu bringen. Alle von mir wahrgenommenen Therapien und Richtungen schienen den Grund meiner Schmerzen nicht zu erfassen und zu behandeln. Mein Körper, oder war es meine Seele, schien sich nicht mit dem Betäuben meines physischen Empfindens zufriedenzugeben.

Vieles hatte ich unternommen, jedoch wäre es für meine Heilung wichtig gewesen, mich meinen Ängsten zu stellen. Dazu fehlte mir bis zu diesem alles verändernden Tag der Mut. Für Veränderung fehlte mir Bewusstsein. Zum Aufgeben fehlte mir die Kraft.

All die Behandlungen an sich waren weder schlecht noch falsch. Die Gründe für meine körperliche und emotionale Situation lagen auf einer Ebene, zu der Schulmedizin und Alternativmedizin einfach keinen Zugang hatten und als alleinige Therapien daher erfolglos blieben. Alles Stationen meines Lebens, in denen ich scheinbar keine Heilung finden konnte, die aber lediglich den jeweiligen Entwicklungsstand meines damaligen Bewusstseins widerspiegelten. Kein Versagen meinerseits, so wie ich es empfunden hatte, sondern notwendige Zwischenschritte auf meinem Weg zur Heilung, wie ich heute weiß.

Alle Behandlungen hatten eines gemeinsam. Sie waren aus heutiger Sicht ein wertvoller Teil meines Weges. Damals allerdings war da nur Verzweiflung. Der Nährboden, auf dem mein Mut keimen und wachsen sollte, bis er groß genug war. Groß genug, mich dem zu öffnen, wovon ich damals nicht überzeugt war und worüber ich in Wahrheit auch kein Bewusstsein hatte.

„Schön ist es hier“, dachte ich, als ich nach meiner zweieinhalbstündigen Fahrt durch wunderschöne Wälder an einem Schild vorbeifuhr, auf dem „LichtEnergetik“ zu lesen stand. Die Sonne spiegelte sich in dem Schild und Schriftzug, als wollte mir der Himmel auf subtile und liebevolle Art und Weise mitteilen, dass dies der richtige Weg war, um Licht ins Dunkel meiner Beschwerden zu bringen. Licht in Form von Bewusstsein und Heilung.

Ich bog um eine letzte Kurve. Die Straße war gesäumt von grünen Sträuchern und einer malerischen Föhre, die ihre Äste um die sich mir bietende, waldbedeckte Aussicht legte, als wären sie ein Rahmen, der ein Naturgemälde umfasst. Das Haus lag auf einer Anhöhe. Es schien, als hätte man von hier aus einen wundervollen Blick über den Rest der Welt. Eine höhere Sichtweise auf die mir bisher vertraute Realität?

Als Mensch war ich auf einer Reise an einen mir unbekannten Ort. Als Seele jedoch auf einer Reise des Erinnerns an mein wahres Licht, um es als Mensch bewusst leben zu können. Das Erinnern, wer ich wirklich bin!

Ich parkte mein Auto in gutem Abstand zum Haus, sicher war ich mir ja noch nicht so ganz. Ich nahm noch einen Schluck Quellwasser, das ich in Oberösterreich seit Jahren an einer artesischen Quelle selbst abfüllte, und ging auf das Haus zu. Es war anders als alle Häuser zuvor, in die ich auf der Suche nach Heilung eingetreten war. Viele Blumen, viel Grün, ein wunderbarer Garten, der um das Haus herumführte. Ein Steinkreis war vor dem Haus angelegt, wunderschön geschmückt mit den unterschiedlichsten Pflanzen, Kristallen, Laternen und sich im Wind drehenden, in der Sonne spiegelnden Windrädern.

„Hier wird nichts dem Zufall überlassen“, dachte ich mir. Ich war begeistert und voller Vorfreude. Aufgeregt, aber auch nervös, als würde etwas gänzlich Neues auf mich warten. Eine völlig neue Erfahrung. Jedoch spürte ich auch alle meine eigenen und umfeldbedingten Prägungen und Glaubenssätze mir deutlich im Nacken sitzen und dachte: „Hoffentlich kein esoterischer Umweg, den ich mir auf meiner Suche nach Heilung ersparen könnte.“

Damals wusste ich noch nicht, dass meine Vorfreude und Aufregung nicht nur ein Zeichen für all das Neue waren, das beim Überschreiten der Türschwelle in mein Leben treten sollte, sondern auch für das Reaktivieren eines alten Wissens meiner Seele. In Wahrheit wurde in mir dieses Wissen nicht reaktiviert, da in dem Licht und der Liebe meiner Seele bereits alles existiert und nie etwas verloren gegangen war. Ich hatte nur die bewusste Verbindung zu dem wahren Licht, das ich bin, vergessen und stand nur einen Schritt entfernt von meiner Rückanbindung an mein wahres Sein durch die Hilfe dieser liebevollen Frau. Auch wenn ich mich als Mensch verirrt und verletzt fühlte, so hatte mich die Liebe meiner Seele immer in der fürsorgenden Obhut ihrer Ewigkeit eingebettet. Ich war geliebt, behütet, geschützt und geführt. Vom ersten Tag an. Dass es sich für mich als Mensch nicht so angefühlt hatte, lag an Erfahrungen, die auf meiner Seelenebene abgespeichert waren, sowie an Entwicklungsschritten, die ich als Mensch zu gehen hatte. So lange, bis ich bereit genug war, mich einer höheren Wahrheit zu öffnen. An diesem Tag war es nun endlich so weit. Ich war bereit, ohne dass ich mir dessen bewusst gewesen wäre.

Das Öffnen dieser Haustür war der Startschuss für mein Erinnern an tief in meinem Herzen schlummernde Informationen, auf die ich so lange bewusst keinen Zugriff hatte. Das Erinnern, wer ich wirklich bin. Das Fühlen des „Ich bin“ in meinem Herzen.

Eine mystisch wirkende Frau mit rotem Haar und einem wundervollen, tiefgehenden Lächeln öffnete mir die Tür. Der Duft von Räucherstäbchen stieg mir in die Nase, als sie mich die Treppen hinauf in den Behandlungsraum führte. Es war ein kleiner Raum mit einer Liege, zwei Stühlen, vielen Kristallen und einem Fenster, das mir wieder einen Weitblick über diese wunderschöne Landschaft schenkte. Ein Weitblick, der verheißungsvoll der bevorstehenden Weitung meiner Sicht vorausging. Ein kleiner Raum, der mir jedoch so viel Raum schenken sollte, wie ich ihn in meinem Leben, in meinem Körper bisher nicht erfahren hatte. Außerdem stellte sich heraus, dass dieser Raum voller Lichtwesen war, die ich zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht bewusst wahrnehmen konnte. Gespürt habe ich jedoch die Anwesenheit von etwas Gutem sehr deutlich. „Ein Ort des Friedens und der Heilung“, dachte ich still.

Ich versuchte, ihr einen kurzen, aber effizienten Überblick über meine jahrelange Odyssee zu geben und alle mir wichtig erscheinenden Details zu erwähnen. Ich wollte aber auch keine Zeit und damit auch kein Geld verschwenden. Zu oft schon habe ich einer Therapeutin oder einem Therapeuten alles haargenau erzählt und viel Geld gezahlt, um schließlich festzustellen, dass die Person mir nicht helfen konnte.

Diese Heilerin hörte sich alles in Ruhe an, schrieb ein wenig mit, stellte ein, zwei Fragen und ermutigte mich, mich in einen Bach aus Licht zu legen. Ich sollte mich entspannen und loslassen sowie zulassen, dass Heilung geschehe. Eine sanfte Musik mit wundervollen Klängen vereinfachte mein Bemühen, mich vertrauensvoll dem Licht hinzugeben, während gefühlt hundert negative Stimmen und Glaubenssätze, eigene wie fremde, auf mich herniederprasselten.

Mein Verstand rebellierte, mein Herz jubilierte. Das alles in ein und demselben Augenblick. Es war der Blick in ihre Augen, der Blick in ihre Seele. Jener Augenblick, in dem sich mein Herz öffnete und sich etwas in mir an Heilung, an das Licht erinnerte. An das Licht, in dem ich meinen Ursprung fand, und an das Licht, das ich bin.

Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich auf der Liege gelegen habe, als die Heilerin plötzlich zu sprechen begann. Sie erzählte mir, was sie vor ihrem geistigen Auge sah, und was sie an diesem Tag sah, glich einem meiner Träume, die ich seit meiner Kindheit kannte und ein- bis zweimal pro Jahr träumte. Ein Albtraum, um genauer zu sein. Dieser lief jedes Mal gleich ab. Ich wurde in diesem Traum verfolgt, gejagt und nach langer, verzweifelter, panischer Flucht schließlich mit einem Speer erstochen. Mitten ins Herz. Jede Nacht aufs Neue. Dieser Traum hatte mich in den Jahren zuvor immer seltener heimgesucht. Nie zuvor hatte ich ihn mit meinen Herzschmerzen in Verbindung gebracht. Ihre Erzählung war so lebhaft, irgendwie irreal und gleichzeitig so ident mit meinen nächtlichen Erlebnissen. Ich ahnte, dass auch meine Hüftschmerzen etwas mit diesem Traum zu tun haben mussten.

Verwundert stammelte ich: „Woher wissen Sie, was ich träume?“ Sie antwortete weise lächelnd: „Ich weiß nicht, was du träumst. Ich erzähle dir nur von einer Seelenerfahrung, die auf deiner Seelenebene abgespeichert und noch nicht heil ist!“

„Seelenerfahrung? Nur?“, wunderte ich mich. Ich konnte spüren, wie meinem Verstand die Sicherung durchbrannte. Er schwieg. Ich glaube, zum ersten Mal in meinem Leben. Alle Stimmen, Gedanken, Meinungen, alles weg. Stille!

Mein Herz nutzte die Sekunde der Stille, eine Sekunde, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, ein Zustand losgelöst von Raum und Zeit, und schenkte mir die Gewissheit von „Es ist wahr!“

„Es war also gar kein Traum, sondern eine Erinnerung.“ Sie war wieder und wieder gekommen, weil ich bisher nicht in der Lage gewesen war, zu erkennen, dass es etwas in mir war, das nach Heilung rief. Etwas, was ich widerstandslos umarmen musste, anstatt wegzulaufen und zu entkommen, wie ich es bisher gedacht und erfolglos versucht hatte. Mir hatte bisher das Bewusstsein gefehlt. Nichts anderes. Bewusstsein, das Frieden schafft und Heilung ermöglicht. Da war kein Schuldgefühl, keine innere Bewertung meines bisherigen kräfteraubenden, geldvernichtenden, scheinbar sinnlosen Bestrebens, gesund zu werden. Eine Bewertung, die ich seit Jahren gut kannte und kultivierte, mit jedem scheinbar gescheiterten Versuch mehr.

Ich spürte eine Art von Verwunderung, Freude, Erleichterung, Neugier, eine innere Aufgeregtheit und das Gefühl von Heilung. Zum ersten Mal nach so langer Zeit. Eine Aufgeregtheit, die ich damals noch nicht ganz zuordnen konnte.

Heute weiß ich, es war die Aufregung und Freude meiner Seele. Schließlich stellte diese Begegnung den spürbaren Beginn meines Heilungsweges dar. Nicht nur körperlich, vor allem seelisch. Heute ist mir bewusst, dass meine Entscheidung, aufs Land zu ziehen, um aus meiner gewohnten Lebenssituation herauszutreten, sowie alle therapeutischen Stationen für mich als Mensch den wahren Beginn meiner Heilung ausmachten. Ein Heilungsweg, der von meiner Seele von langer Hand geplant und ersehnt gewesen war. Alle scheinbar erfolglos gebliebenen therapeutischen Versuche waren Teil meines Weges, auf dem ich mich Schritt für Schritt meiner Bereitschaft für ein höheres Bewusstsein und damit für Heilung angenähert hatte. Nur hatte ich dies die Jahre zuvor nicht als solches erkennen können.

Sie ermöglichte mir das Wiedereintreten in ein bewusstes Sein und bedeutete die von mir lang ersehnte Wende auf meinem langen Weg. Mein Vertrauen in sie bedeutete das Positioneinnehmen auf meinem Seelenweg, das bewusste Erfüllen meines Seelenplans, selbst eines Tages als Heiler arbeiten und Menschen auf ihrem Weg der Heilung begleiten und unterstützen zu können. Eine der Erfahrungen, für die sich meine Seele einst auf den Weg in dieses Leben gemacht hatte. Der eigentliche Beweggrund, aus dem heraus ich mich 1998 entschlossen hatte, Medizin zu studieren. Eine Herzensentscheidung, gegen die mein Verstand auch damals heftig protestierte. Wie sich jedoch herausstellen sollte, war es keine wirkliche Entscheidung, mehr ein von meiner Seele geplantes, von meiner geistigen Führung geführtes und von meinem Herzen intuitiv geleitetes „JA!“.

Um also meine Situation heilen zu können, musste ich meine Schatten, in dem Fall das Opfer in mir, umarmen, nicht wegdrücken. Das also musste mir bewusstwerden.

Was dann geschah, ähnelte der Handlung eines Abenteuerfilms. Ich folgte den Anweisungen der Heilerin und begann, allen an meiner noch unheilen Erfahrung beteiligten Seelen zu vergeben. Ich beobachtete in einer Art innerlich ablaufendem Film, wie sie den Speer, den man mir ins Herz gerammt hatte, energetisch aus meiner Brust herauszog und anschließend meine Wunden mit Licht auffüllte und heilte.

Danach verlief alles wieder sehr alltäglich und nüchtern ab. Ich zahlte den auf meinem Heilungsweg bisher niedrigsten Betrag, bat um einen Folgetermin, verabschiedete mich und verließ das Haus.

Aufgewühlt öffnete ich die Autotür, als ich das Zittern meines Körpers bemerkte. „Ich werde noch eine kleine Runde spazieren gehen, um runterzukommen“, dachte ich. „Runterkommen? Nein!“ Irgendein Teil von mir war auf eine andere Ebene gehoben worden, von der ich eindeutig nicht mehr herunterwollte. Also veränderte ich meine Gedanken: „Ich werde noch eine kleine Runde spazieren gehen, damit der Rest von mir Zeit hat, heraufzukommen.“ Denn eine Tür war durch diese lichtvolle Frau in mir aufgestoßen worden, die ich nie wieder schließen wollte. Sie hat mich vom Tellerrand meines damaligen Bewusstseins in das bisher größte Abenteuer meines Lebens hineingestoßen, an dessen Anfang ich gerade stand. Ich spürte deutlich, dass es kein Zurück mehr für mich gab, und dies fühlte sich gut an. Es sollte der Tag sein, an dem sich alles zu verändern begann. Eine Veränderung zum Guten! Ein Erwachen, wenn man so will. Das Ende meiner bisherigen Suche.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, welcher Weg genau vor mir lag. Ein Weg, der mir alles abverlangen sollte. Alles, woran mein niederes Selbst sich klammerte und bis dato nicht bereit gewesen war, loszulassen. Ein Weg, der an Intensität und Selbsterkenntnis alles Bisherige weit in den Schatten stellen sollte, obwohl ich damals schon am Ende meiner Kräfte zu sein schien. Ein Weg in die Selbstermächtigung und Selbstverantwortung. Das Erkennen des Mitschöpfer-Seins meiner Realität und dieser Welt, wie ich sie heute sehe und erlebe. Der Weg in die Heilung, in die Liebe zu allem Sein, in das „Wir sind alle eins“. Das Erinnern, wer ich wirklich bin. Der Weg in die Freiheit!

Aus heutiger Sicht war es kein wirklicher Weg, sondern ein mich schrittweise wieder Erinnern an das, was da schon war, in mir. Ich hatte es nur vergessen.

Auf einer Waldlichtung mit Blick auf die Wälder und das Haus sammelte ich noch ein paar Eierschwammerl, die mir schon aus der Ferne gelb entgegenleuchteten. Schwammerlsuchen, wie ich es schon als Kind mit meinem Vater getan und geliebt hatte. Gemeinsam mit meinem Vater im Wald zu sein, war schon immer eine erdende, ruhende, kraftbringende Erfahrung für mich. Eine Kraft und eine Ruhe, die mich bis heute noch tragen. „Spannend, dass diese Erfahrung nach fast 25 Jahren Waldabstinenz gerade hier an diesem Ort, an diesem Wendepunkt wieder in mein Leben tritt“, dachte ich in aller Stille.

Tränen der Erlösung und Erleichterung kullerten über mein Gesicht auf den moosigen Waldboden und versickerten im heilsamen, lebendigen Grün.

Es sollte noch drei Tage dauern, aber dann war es so weit. Ich erwachte früh am Morgen. Schmerzfrei! Nach all den Jahren! Begleitet von der Gewissheit, dass dies erst der Anfang war. Der Beginn eines großen Abenteuers. Der Beginn eines bewussten Lebens. Mein Erinnern an die göttliche Wahrheit innerhalb der durch meine menschlichen Erfahrungen geprägten Realität. Ein Leben als Weg zurück ins Licht. Das Erinnern, wer ich wirklich bin!

Wie alles begann

Ich kam am 12. April 1979 in Wien auf diese wunderschöne Welt. Ich schreibe bewusst „Ich kam auf die Welt“ und nicht etwa „Ich wurde geboren“, da ich im Laufe der letzten Jahre erfahren durfte, wie viel für eine erfolgreiche Geburt gelingen muss und wie viele daran eigentlich beteiligt sind. Bis vor einigen Jahren dachte ich an jedem Geburtstag, dass meine Geburt etwas wäre, zu dem ich sowieso nicht viel beigetragen hätte. Ein großer Irrtum. In Wahrheit ist es eine Absprache dreier Seelen, eine Absprache in Liebe. Nicht nur in meinem Fall. Bei uns allen!

Ich ziehe seit einigen Jahren meinen Hut vor dem Mut meiner Seele und den aller Seelen, die sich zu dem Abenteuer Mensch, dem Abenteuer Leben aufgemacht haben. Man muss sich das einmal vorstellen. Da existieren wir, also wir Seelen, das ewige, sprich unvergängliche „Ich bin“, das wir sind, in einer feinstofflichen Schwingung auf einer höheren Ebene. In einem Seinszustand, in dem Raum und Zeit nicht existieren, beschließen wir „eines Tages“, uns in das Abenteuer Leben aufzumachen.

Wir schmieden einen Plan, unseren Seelenplan, was wir auf unserem Weg durch das menschliche Leben alles erfahren, erleben und heilen möchten. Wir packen alles in unseren Rucksack und treten, damit es noch spannender wird, durch den Schleier des Vergessens, um die Tiefe der geplanten Erfahrungen vollständig ausschöpfen zu können. Wir zwängen uns als feinstoffliches Wesen in ein grobstoffliches System, unseren menschlichen Körper. Wir vergessen freiwillig, wer wir sind, woher wir kommen und dass das Licht, das wir sind, ewig ist. So reisen wir von einem Ort des Einheitsbewusstseins und der Grenzenlosigkeit hinein in die Dichte, in die Materie, in die Dualität, in die Begrenzung.

Ist es nun Mut oder Urvertrauen in uns selbst? Ich empfehle jedem, der in diesem Leben wenig Selbstvertrauen besitzt, sich diese Situation noch einmal zu vergegenwärtigen. Eigentlich ist es das reinste Wunder! Und doch ähnelt es in meinem Empfinden auch ein bisschen dem Kinderspiel „Blinde Kuh“. Zumindest fühlte sich mein Leben gelegentlich ähnlich unbehaglich an wie dieses Spiel aus meiner Kindheit.

Mein Wunder begann also am 12. April. Meine Mutter war sich sicher, ich sollte an keinem Freitag, den 13., auf die Welt kommen und gab alles. So wurde es Gründonnerstag, der 12. Sie hatte schon immer einen starken Willen. Ein starker, freier Wille im Einklang mit dem Willen der eigenen Seele, gut eingebettet in das höhere „Dein Wille geschehe“, eine unschlagbare Kombination.

Obwohl ich als Kind gewünscht und von meinen Eltern liebevollst empfangen wurde, war mein Start, genauer gesagt meine ersten Jahre, in mancherlei Hinsicht etwas holprig. Ein rappelvoller Rucksack meiner Seele, gefüllt mit allerlei Resonanzen und zu heilenden „Altlasten“, meine sehr feinstoffliche Wahrnehmung meiner Umgebung und ein nicht allzu ausgeprägter Selbstwert legten sich wie ein unsichtbarer Schleier über die familiär liebevoll vorbereitete mögliche Unbeschwertheit meiner Kindheit.

Mein Bruder kam 14 Monate nach mir zur Welt. Eine Herausforderung für mein kindliches Ego, das sich verzweifelt am Familienthron festzuhalten versuchte. Kein Zweifel, das „Miteinander auf Augenhöhe“ war eines der zu meisternden Lernfelder meines Lebens, nur hatte ich auch dieses beim Herunterkommen vergessen.

So viele Schwierigkeiten ich in meinem Leben als Mensch auch hatte, mit einer Sache schien ich noch nie ein Problem zu haben: mit dem Ausloten der Tiefe einer Erfahrung.

Ich war ein sehr schüchternes, ängstliches Kind mit Allergien, wohin das Auge tränt und die Nase läuft. Ich schlief von jeher sehr wenig und bekam kaum Luft. Von Februar bis September aufgrund der Allergien, von Oktober bis Jänner aufgrund der Erkältungen, mit einem leichten „Ursachen-Crossover“ in den Übergangszeiten. Durch den Schlafmangel, aber auch durch das ausgeprägte Wahrnehmen feinstofflicher Energien plagte ich mich in der Schule sehr.

Ein Eignungstest in der Vorschule ergab: „Andreas ist leicht ablenkbar“. Schon damals spürte ich, dass das nicht stimmte. „Ich bin lediglich vielseitig interessiert!“, war ich mir sicher. Versuchen Sie einmal, bei einem Eignungstest langweilige Dinge nachzuzeichnen und Fragen zu beantworten, während es um den Tisch herum feinstofflich zugeht wie auf einem Jahrmarkt.

Aber gut, weder das Ergebnis dieses Eignungstests noch die ständige Atemnot, die vielen gruseligen Wesen in meinem Kinderzimmer unter meinem Bett, der Schlafmangel oder der seine Emotionen auf mich projizierende, mich erniedrigende Volksschullehrer konnten mich aufhalten. Schließlich fühlte ich mich in der Liebe und Fürsorge meiner Eltern geborgen und sicher. Ich war in der Liebe und Voraussicht meiner Seele eingebettet und neben der menschlich empfundenen Anstrengung meines Lebens in Wahrheit mitten in einer wunderschönen, unbeschwerten Erfahrung meiner Seele.

Bis zu meinem Volksschulende wurden die feinstofflichen Wahrnehmungen und auch meine körperlichen Reaktionen auf sie immer intensiver. Ich traute mich immer weniger, in der Nacht aus meinem Bett aufzustehen – aus Angst, etwas würde nach mir greifen. Die nicht gerade stärkende Wirkung der Emotion Angst auf die Muskulatur meiner vollen Harnblase brachte mich beinahe jede Nacht in eine prekäre Situation.

Ich wechselte beim Spazierengehen öfters die Straßenseite aufgrund für mich unüberwindbarer, wenn auch unsichtbarer Hindernisse. Ich stellte beim Einkaufen im Supermarkt oft ein Produkt wieder ins Regal zurück, nur um ein anderes Produkt der gleichen Marke mitzunehmen, weil es sich besser anfühlte – an glücklichen Tagen schon das zweite oder dritte von mir geprüfte, gelegentlich aber auch das letzte und damit natürlich ganz hinterste im Regal. Meistens blieben meine Ausräumaktionen der Regale im Supermarkt zum Glück unbemerkt. Ich faltete Tischdecken, Bettwäsche, Kleidung und Einkaufstaschen neu, weil mir die Energie, die von den schnell zusammengefalteten und wild in die Lade gestopften Gegenständen ausging, direkt wehtat. Ich kommunizierte mit Pflanzen und Tieren, nicht verbal, sondern auf eigene Art, und begab mich mit Hilfe von Comics regelmäßig in eine eigene Realität, die frei von Raum und Zeit schien.

Mehrmals täglich kam es vor, dass ich scheinbar angestaute, überschüssige Energie aus meinem Körper ableitete, indem ich mit zitternden Beinen auf dem Boden aufstampfte und mir dabei vorstellte, dass Blitze aus mir in die Erde fuhren. Ähnlich wie bei Tieren, wie ich heute weiß. Vor einigen Jahren bat ich Mutter Erde für dieses ungefilterte Abladen meiner negativen Energien in einer Meditation um Vergebung und löste alle von mir auf diese Weise abgeflossene Energie nachträglich wieder auf. Heute leite ich nicht mehr alles gedanklich einfach ins Erdreich oder ins Wasser. Ich stelle mir violett lodernde Flammen vor, die die gesamte Energie transformieren, damit sie dem Universum wieder als neutrale Energie zur Verfügung steht und Mutter Erde nicht belastet wird. Eine Methode, die laut Lady Gaia gut funktioniert.

Meine Eltern taten in der damaligen Zeit, in dem damaligen Bewusstsein und in ihrer Liebe alles ihnen Mögliche, um mir zu helfen. Psychologisch begleitete Therapiestunden im St.-Anna-Kinderkrankenhaus in Wien, eine eigene, stundenweise zu uns nach Hause kommende Lernhilfe, Nachhilfestunden in den unterschiedlichsten Fächern, die immer wieder meinen freien Willen respektierende Frage, ob ich nicht die Schule wechseln wollte, viele erdende Stunden mit meinen Eltern in der Natur … Vieles davon Erfahrungen, die mir auf einer gewissen Ebene damals viel Kraft, Halt, Ausdauer und Zuversicht gaben. Ich spürte dennoch immer die Sorgen meiner Eltern, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte. Ich war einfach in mancherlei Hinsicht anders.

Ich besuchte zwölf Jahre lang eine katholische Privatschule, in der es liebevolle Lehrer gab, aber auch die anderen. Aus Angst, meinen besten Freund zu verlieren, und damit eine Freundschaft, die in diesem Leben beim gemeinsamen Schultütenfoto begann, kam ein Wechsel für mich aber nie in Frage. Ich konnte in der fünften Klasse Gymnasium das Ruder meines in der Volksschule in den Sturm geratenen Schiffes schließlich herumreißen. Durch intensives Lernen gelang es mir, mich aus der Gefahrenzone herauszupaddeln, und ich bestand schlussendlich die Matura problemlos. Mein Musik- und Turnprofessor war mir von Anfang an gut gesinnt gewesen. Ich schätzte ihn sehr. Er kam nach Überreichung des Zeugnisses fröhlich auf mich zu, umarmte mich und sagte scheinbar glücklich: „Ich danke dir. Ich habe immer gewusst, dass du es schaffen wirst!“

Er war einer der wenigen, der beim Blick in meine Augen meine Seele, mein wahres Wesen erkannte und dem auf irdischer Ebene ins Trudeln geratenen Kind sein volles Vertrauen schenkte. Er hatte von Anfang an das Potential erkannt, welches ich in diesen jungen Jahren selbst noch nicht in mir spüren konnte, und versuchte, in seiner Liebe und seinem Mitgefühl mir gegenüber als Spiegel zu fungieren. Es gelang ihm, da er in der Lage war, mit seinem Herzen zu sehen und die Essenz eines Menschen wahrzunehmen.

Heute kann auch ich mit meinem Herzen sehen und denke oft an ihn. Immer dann, wenn ich in meiner Arbeit Menschen begegne, die verletzt, gebrochen und kraftlos sind, deren wahre Essenz, deren Licht jedoch hell erstrahlt.

Mein Verhältnis zur Kirche war von jeher neutral. Meine Großmutter war katholisch, mein Großvater evangelisch. Als mein Vater auf die Welt kam, fragten beide den katholischen Pfarrer, welches Religionsbekenntnis sie für meinen Vater wählen sollten. Der Pfarrer kannte meine Oma gut und meinte: „Besser schlecht evangelisch als gar nicht katholisch“, und übergab ihn hoffnungsvoll der Konkurrenz. Neben meinem Vater, der schon immer meinte: „Der Wald ist meine Kirche!“, war meine Mutter von katholischer Prägung. Da man nach meiner Geburt in meinem Taufschein in der Zeile für das Religionsbekenntnis schwer hätte „Wald“ eintragen können, wurde es schließlich römisch-katholisch. Ich erinnere mich anfangs noch an lateinisch abgehaltene Messen, empfand die schulisch stattgefundenen Beichten eher als Belastung denn als Entlastung und verstand die Inhalte der mit der Zeit doch auf Deutsch abgehaltenen Predigten nur selten.

Neben all diesen eher weltlichen Erfahrungen bezüglich Religion und Kirche gab es tief in meinem Inneren diese tiefe Verbundenheit zum Göttlichen und diese immense Liebe zu Yeshua, Jesus Christus. Sein Name, sein Licht erfüllten mich schon immer mit innerem Frieden. In seiner Gegenwart spürte ich immer deutlich die Anwesenheit einer höheren, mich liebenden, lichtvollen Macht. Daher ging ich gerne in die Kirche, war ich doch geprägt, ihm dort näher zu sein. Außerdem übten diese gewaltigen Kathedralen wie der Stephansdom in Wien, Notre-Dame in Paris oder die Sagrada Familia in Barcelona eine große Faszination auf mich aus. Ich erkannte damals noch nicht, dass man keine Vermittler und keinen speziellen Ort braucht, um mit diesen hohen, lichtvollen Wesen kommunizieren zu können, obwohl natürlich eine besondere Kraft und Energie entsteht, wenn mehrere in seinem/ihrem Namen zusammenkommen.

Es sollten noch knapp fünfundzwanzig Jahre vergehen bis zu jenem Tag, an dem ich die für mich wohl tiefgreifendste Begegnung mit Jesus und Maria Magdalena erleben durfte. Eine Erfahrung, die mich bis in die Tiefen meines Körpers und meines gesamten Seins erschütterte und berührte. Mein Wandel von Glauben zu Gewissheit.

Dieses Erlebnis bedeutete für mich auch das Ende von Bewertung und Verurteilung. Entdeckte ich doch Maria Magdalena nicht, wie ich bisher dachte, als Prostituierte, sondern als Verkörperung des weiblichen Aspekts des Christuslichts, Seite an Seite und auf Augenhöhe mit ihm. Eins mit Jesus. Es bedeutete den Startschuss für mein Loslassen von Bewertungen und Entwertungen. Von Prostituierte oder Heilerin, Mann oder Frau, Schwarz oder Weiß, gestern oder morgen, Licht oder Dunkel, hin zum „wir sind alle eins“, miteinander auf Augenhöhe. Gleichwert, gleichberechtigt, gleich geliebt von der Quelle allen Seins.

Im Alter von 18 Jahren kam der Aufwind. Schulisch hatte ich mich aus dem Gröbsten herausentwickelt, körperlich hatte ich mich in eine gewisse Kraft hineinentwickelt. Mein Vertrauen in mich und mein Selbstwert waren gestiegen, Unsicherheit und Ängste dadurch gewichen. Vorerst. Das „vielseitig interessiert sein“ war geblieben. Das habe ich mir nicht nehmen lassen. Bis heute nicht.

Im August 1996 lernte ich auf bewusster Ebene völlig unvorbereitet die Liebe meines Lebens kennen. Der schönste Beweis, dass Gott mich liebt, den ich je erhalten habe. Wie alles Gute in meinem Leben kam auch sie ohne Vorankündigung und gab meinem „Ich Bin“ die Möglichkeit, authentisch durchzuscheinen, ohne von Ängsten, Sorgen, Minderwertigkeitsgefühlen oder Ego verkleidet zu werden. Ganz unerwartet, von einem Augenblick auf den nächsten, trat sie in mein Leben. Unsere Blicke trafen sich, ein vom Himmel arrangiertes Wiedersehen zweier scheinbar getrennter Seelen. Die Erfüllung eines auf höherer Ebene gegebenen Versprechens, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Das Leben gemeinsam zu erleben. Das Reaktivieren einer uralten Seelenverbindung, entstanden in Liebe.

Es war der Beginn einer nun mehr als 30 Jahre anhaltenden Abenteuerreise, bestehend aus Liebe, Spaß, Vertrauen, Krankheit, Schmerz, Bewusstwerdung, Transformation und Heilung. Heilung der Vergangenheit, des männlichen und des weiblichen Aspektes, des Yin und des Yang im Miteinander. Ein in Liebe Einswerden in mir selbst, mit ihr und allem Sein.

Endlich, nach all den für mich anstrengenden Jahren, schenkte mir das Universum eine Auszeit, eine unbeschwerte Zeit, man könnte fast sagen, eine Art Neuanfang.

Ich war bis über beide Ohren verliebt in meine Frau, hatte alles Bisherige positiv abschließen können, war sozusagen gerade „systemlos“, war stolzer Besitzer eines Führerscheins und hatte zum ersten Mal seit Schulbeginn Zeit. Zeit, einfach zu sein, mich zu spüren, das Hier und Jetzt zu genießen und zu erleben. Zeit, bewusst zu leben. Vielleicht bedeutet, über beide Ohren verliebt zu sein, dass man nicht nur als verkörperter Mensch liebt, sondern auch mit ganzer Seele. Denn knapp oberhalb der Ohren, genau in der Mitte unseres Gehirns, liegt die Zirbeldrüse. Das dritte Auge, welches eine Verbindung zum höheren Selbst herstellt. Also zu den höheren Ebenen unseres Seins, zur eigenen Seele.

Es folgten zwei wunderschöne Monate des Reisens. Ein Monat mit meinem besten Freund, ein Monat mit der Liebe meines Lebens. Interrail war eine hervorragende Möglichkeit, für wenig Geld viel Europa zu sehen. Neun Länder in dreißig Tagen. In einer Zeit, in der alle paar Tage das Geld anders aussah und Handys gerade modern wurden, aber noch unleistbar waren. Zugtickets und Eintrittskarten wurden noch abgestempelt, Sehenswürdigkeiten konnten noch frei und gefahrlos besichtigt werden, ohne dafür Monate im Voraus Tickets ergattern zu müssen. Züge hatten keine Klimaanlagen, sondern Fenster, die man öffnen konnte, wodurch man sich höchstens Sauerstoff, aber keinen Schnupfen holte. Auf der Zugstrecke zwischen Cannes und St. Tropez konnte man sogar während der Fahrt die Türen auf beiden Seiten aufmachen. Konnte, wahrscheinlich nicht durfte! Die totale Freiheit!

Als es Zeit wurde, mich für einen Beruf oder Ausbildungsweg zu entscheiden, fiel mir nicht viel ein. Ich war handwerklich begabt, nach wie vor vielseitig interessiert, aber so richtig wollte mir kein Beruf beim Hineinspüren vorab ein Gefühl von Erfüllung oder Glückseligkeit schenken. Es sollten auch noch fünfzehn Jahre vergehen, bis meine Hoffnung auf berufliche Erfüllung endlich in gelebte Realität übergehen würde.

Die Hoffnung stirbt zuletzt! Ein Satz, bei dem ich immer schwermütig wurde, wenn ich ihn hörte, während er allen anderen Mut zu machen schien. Für mich bedeutete es immer: Die Hoffnung stirbt, wenn auch zuletzt, aber sie stirbt. Erst in dem Bewusstwerdungsprozess meiner Heilung begriff ich, dass mit dem Tod der Hoffnung auch nicht das Sterben im üblichen Sinn gemeint sein muss, wie der Tod eines Menschen. Vielleicht bedeutet es auch nur das Beenden eines Seins-Zustandes „Hoffnung“ und den Beginn eines neuen Seins-Zustandes „Verwirklichung“, „Realisierung“, „Manifestation“. Ein Übergang von einer Schwingungsebene zur nächsten. Anfang und Ende, heute und morgen, einatmen und ausatmen, Geburt und Tod. Nur ein Übergang.

Ich änderte meine Herangehensweise. Beruf sagte mir keiner so richtig zu, daher spürte ich tief in mich hinein und lauschte der Antwort meines Herzens auf die mir selbst gestellte Frage: „Was würde mir Spaß machen, mich glücklich machen, auch wenn es keine Berufsbezeichnung dafür gibt und es vielleicht noch gar nicht erfunden ist?“.

„Menschen helfen! Menschen bei ihrer Heilung helfen, sie begleiten und unterstützen. Und am besten Kindern!“, war die innere Antwort.

„Das passt“, dachte ich, wusste ich doch aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie viel Hilfe, Verständnis und Liebe Kinder brauchten. „Liebe und Verständnis habe ich genug. Hilfe, die kann ich erlernen“, war ich überzeugt. Erfunden war die Art der Hilfe, die ich erlernen wollte, zwar schon, nur lag sie weit außerhalb meines damals doch deutlich anders geprägten Umfeldes. Sie lag außerhalb meiner Sicht- und Spürweite. Daher wählte ich intuitiv das, was dem „den Menschen helfen wollen“ für mich am nächsten kam und inskribierte Humanmedizin an der Universität Wien. Ich lag damit voll auf Kurs meines Seelenplans, wie ich Jahre später erfahren sollte.

„Ich studiere Medizin!“, teilte ich meinen Eltern mit und schaute in erstaunte und zugleich vertrauensvolle Gesichter. Erstaunt waren nicht nur sie. Auch mein Verstand schlug Alarm, schließlich war Medizin eines der schwierigsten Studien. Gemessen an den bisherigen schulischen Leistungen meinerseits ein gewagtes Unterfangen. Volles Risiko! „All in“, wie ein besonderer Mensch immer zu mir sagte, ein Mensch, der 18 Jahre später am Wegesrand meines Seelenweges auf mich warten sollte.

Die ersten Jahre waren von Leichtigkeit und Freude erfüllt. Ich fand weitere Medizinstudenten, die zu guten Freunden wurden. Wir lernten gemeinsam, belegten gemeinsam diverse Praktika, meisterten Prüfungen und waren des Nachts viel in Wien unterwegs. Zu Fuß, stundenlang. Schlaf schien nebensächlich, alles schien möglich. Es war herrlich.

Doch dann hielten alte Ängste und Sorgen wieder Einzug. Ängste, die ich längst überwunden glaubte. Emotionen, die mir keinen Zweifel an ihrer nach wie vor bestehenden Existenz ließen. Es war, als würde mich etwas bremsen, als würde sich mir etwas behindernd in den Weg stellen. Das lieb gewonnene Gefühl der Leichtigkeit wich dem Gefühl von Schwere, von Beschwertsein.

Ich stemmte mich mit aller Kraft dagegen. Es wurde ein regelrechter, jahrelang andauernder innerer Kampf, ein emotionaler Wahnsinn. Lernen von sechs Uhr früh bis zehn Uhr abends, einen Wälzer nach dem anderen, Prüfung für Prüfung. Keine Freude, keine Zeit. Alles Erworbene, bis auf die Liebe meiner Frau und damit das Wichtigste in meinem Leben, schien wieder verloren. Ich fühlte mich wie ein Esel, der jahrelang einer vor ihm hängenden Karotte nachgelaufen war, sie endlich zu beißen, zu kosten und zu spüren bekam, bis sie von einer unsichtbaren Hand wieder in die Ferne gerückt wurde. Als hätte mir irgendjemand oder irgendetwas kurz eine Idee von „So kann es sich anfühlen“ gegeben, um mich zu motivieren. Um es mir zu ermöglichen, mich auf mein Ziel zu fokussieren. In dem Moment, in dem ich genug Kraft zu haben schien, war die Karotte wieder weg. Die Erinnerung an ihre Süße blieb. Die Idee vom Paradies, die einen nicht aufgeben lässt. Einige Jahre später sollte ich mehr über diese unsichtbare Hand erfahren und wie viel selbst Erschaffenes sie führte.

Nach Jahren war es dann so weit. Die letzte Prüfung lag erfolgreich hinter mir. Wie genau mir das gelungen war, weiß ich bis heute nicht so wirklich. War es der eigene Wille, meine vielen Gebete zu Mutter/Vater Gott vor jeder Prüfung oder meine vielen Danksagungen danach? Oder alles zusammen? Ich konnte damals noch nicht ahnen, wie viel Hilfe uns allen zuteilwird, wenn wir in unserem Seelenplan handeln, auf unserer Position stehen und um Hilfe bitten. „Bitte, so wird dir geholfen“. Das hatte ich schon als Kind immer wieder erfolgreich festgestellt.

Da man in Wien generell circa drei Jahre lang auf eine Turnusstelle wartete, hoffte ich auf eine geruhsam vor mir liegende Zeit der Erholung, vielleicht auf eine kleine Reise. Doch diese Hoffnung starb besonders schnell. Gleich zu Beginn, nicht erst am Schluss. Ich hatte natürlich Lebensläufe in privaten Spitälern abgegeben und hoffte innerlich, dass ich nicht die vollen drei Jahre warten müsste. Umso erstaunter war ich, als ein paar Tage nach meiner letzten Prüfung und somit lange vor meiner eigentlichen Promotion das Telefon läutete. In dem geistlichen Spital gleich in der Nähe unserer Wohnung, in dem ich am selben Morgen meine Unterlagen bei der Vermittlung abgegeben hatte, gab es ein Hearing. Einer der Kandidaten schien nicht den Erwartungen entsprochen zu haben und so riefen sie mich an. Da meine Bewerbung ganz frisch auf dem Tisch der Direktorin lag und sie aufgrund meiner nahen Wohnadresse hoffte, ich könnte schnell einspringen, rief sie an: „Grüß Gott. Ich bin die Direktorin des Krankenhauses, können Sie in zehn Minuten zu einem Hearing hier sein?“

Unrasiert und vollkommen unvorbereitet traf ich ein. Wie immer war es das Unvorbereitete, das Unerwartete, das mir geholfen hat, indem es mir keine Zeit ließ und somit im Hier und Jetzt nur Raum für Ehrlichkeit blieb. Mein „Ich bin“ konnte unverfälscht durchscheinen. So verließ ich an diesem Tag als Turnusarzt das Spital, mit einem Dreijahresvertrag in der Tasche.

Die Promotion war der segensreiche Abschluss einer langen, intensiven Zeit, eines ganzen Lebensabschnittes. Ein weltlicher Beweis eines jahrelangen Über-mich-hinaus-Wachsens. Der Schritt heraus aus Schwäche, Angst und Ohnmacht, ein Schritt weiter hinein in meine wahre Größe. Ein Mischgefühl aus Glück, Erleichterung und totaler Erschöpfung.

Meine drei Jahre als Turnusarzt verbrachte ich in mehreren Spitälern in Wien. Das Krankenhaus in meiner Nähe blieb jedoch die ganze Zeit sozusagen mein Hauptquartier. Die Tagdienste verbrachte ich hauptsächlich auf der Onkologie oder Chirurgie, meine Nachtdienste auf der Gynäkologie und Geburtenstation. Was für ein Kontrast. Noch nie war mein Leben in der Illusion Dualität intensiver. Eine ständige Achterbahnfahrt der Emotionen. Tag und Nacht, alt und jung, Mann und Frau, Krankheitsdiagnosen und Gesundschreibungen, Einsamkeit und Geborgenheit, Linderung und Verstärkung, Trauer und Erleichterung, Tod und Geburt. Und das alles innerhalb eines Tages. Jeden Tag. Zwischen einem Zimmer und dem nächsten, gelegentlich sogar im selben.

In diesen Jahren lernte ich so viele Menschen kennen, so viele unterschiedliche Geschichten. Jede für sich einzigartig, so wie die Menschen, die sie erzählten. Es gab Menschen, die am Beginn einer Erkrankung standen und gerade erst eine Diagnose in ihren Händen hielten. Viele waren verzweifelt, geschockt und überfordert. Es gab jene, die schon seit Jahren mit einer Erkrankung lebten und versuchten, in ihrem Leben bestmöglich damit umzugehen. Andere wiederum lehnten sich gegen die Erkrankung auf, waren im totalen Widerstand, beschimpften ihren schwachen, kranken Körper und führten einen verzweifelten Kampf. Einen Kampf gegen einen unsichtbaren Feind und die Zeit, gegen das eigene Leben und gegen Gott.

Einigen war bewusst, dass ihr jahrzehntelanger Lebensstil etwas mit der Situation ihres Körpers zu tun hatte. Es gab einen eindeutigen Grund. Das Bewusstsein darüber sowie das Nichtreagieren darauf führte bei vielen zu tief empfundener Scham und innigem Bereuen. Bei vielen nahm das Leben aber auch unerwartet, ohne sichtbare Ursache, eine Wendung, häufig begleitet von einem starken Gefühl der Ungerechtigkeit und Ohnmacht.

Viele pflegten ihren Körper, betrieben regelmäßig Sport, aßen gesunde, hochwertige Nahrung, führten ein ausgewogenes Leben und wurden schwer krank. Andere prüften ein Leben lang, was so ein Körper alles aushält, und waren bis auf einen kleinen Hautausschlag alt und kerngesund. Manche wähnten sich mit einem Ausschlag sterbenskrank. Einige an Krebs erkrankte Menschen waren optimistisch und ausschließlich auf Heilung fokussiert. Es gab für Gesundheit keinen ersichtlichen gemeinsamen Nenner, keine klare Formel zum Errechnen der Wahrscheinlichkeit einer Krankheit. Die reinste Willkür.

Zumindest kam es mir zu der Zeit so vor, von der Ebene meines Bewusstseins aus gesehen, auf der ich mich befand. Damals wusste ich noch nicht, dass es nicht mehr allzu lange dauern sollte, diese Ebene ein für alle Mal hinter mir zu lassen. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, dass ein paar Jahre später eine Frau in mein Leben treten würde, die mir vieles über die Hintergründe von Erkrankungen und Lebenssituationen lehren und mir dadurch zu Verständnis, respektvoller Annahme und Mitgefühl anderen Menschen gegenüber verhelfen würde. Aber noch war es nicht so weit.

Ich führte in diesen drei Jahren Hunderte Aufnahmegespräche. Viele erzählten, sie wären schwer krank und wir erhoben in der Anamnese keine Vorerkrankungen, ein astreines Labor und ein blutdrucksenkendes Medikament in einer minimalen, eher zur Beruhigung dienenden Dosis. Deutlich mehr Menschen antworteten auf die Frage: „Sind Ihnen irgendwelche Krankheiten in Ihrem Leben bewusst?“ mit einem klaren: „Nein!“.

Auf die gleich im Anschluss gestellte Frage: „Nehmen Sie irgendwelche Medikamente?“ mit einem noch klareren: „Ja natürlich, 12 verschiedene“.

Ich sah Menschen gegen den Rat der Ärzte nach Hause gehen, damit sie die Zeit, die ihnen blieb, nutzen konnten, um ihre Angelegenheiten zu regeln, im Kreise ihrer Familie zu sein oder einfach nur um zu Hause zu sein, bevor ihre eigentliche Reise nach Hause beginnen sollte. Andere kamen physisch gesund Monat für Monat wieder und jedes Mal unter einem anderen Vorwand ins Spital. Sie versuchten alles, um bleiben zu können, da sie einsam waren und sich allein fühlten. Zu Weihnachten war das Spital immer besonders voll. Die Zimmer waren fast immer mit den gleichen „Stammgästen“ belegt.

Mir erzählten Menschen von ihren Plänen, was sie alles nach ihrer Entlassung machen würden. Da war von „Ich greife zur Pistole und mache Schluss“ bis „Ich ändere mein gesamtes Leben. Endlich! Ich fang noch einmal ganz von vorne an“ alles dabei.

Immer wenn ein Mensch in den vielen Gesprächen, die ich führen konnte, das Wort „endlich“ verwendete, spürte ich die Energie des Wandels den Menschen, ja oft sogar den ganzen Raum erfüllen. Eine Energie, die uns wie die lang ersehnten Sonnenstrahlen am Ende einer langen, kalten und dunklen Nacht erleichternd, belebend und erneuernd in Schwingung versetzt. Ein Wandel von etwas Altem zu etwas Neuem. Ein Wendepunkt. Auf jeden Fall aber ein Anzeichen für eine bevorstehende Veränderung.

Endlich. „Endl – Ich“. Also ein Zustand, in dem das Ich, das niedere Ich, die Persönlichkeit eines Menschen und das Ego zu einem Ende kommen, auf gewisse Weise anstehen. Ein Moment, in dem wir die Grenze unseres Bewusstseins erreicht haben. Jener Moment, in dem die Tiefe der Erfahrung ausgeschöpft ist und wir für ein höheres Wissen in uns offen sind. Die tiefe Weisheit des Über-Ichs, unserer Seele, die göttliche Wahrheit in unserem Herzen. Ein Moment der Bewusstwerdung. Im besten Fall der Blick aus einer höheren Perspektive auf die Situation, in der wir uns befinden, und auf das Problem, mit dem wir uns herummühen.

Ein Wechsel von der Ebene der Fragen hinauf auf die Ebene der Antworten. Ein Sich-Erheben und damit auch ein Bewusstwerden der Lösung, die immer höher schwingt als das Problem. In einer Situation, in der ich nicht sehe, wie es weitergehen soll, in der ich mich nicht aussehe, also heraussehe, bringt es mir meist recht wenig, einfach zu verharren und auf Veränderung zu warten. Falls ich in der Natur vor lauter Sträuchern und Bäumen nicht erkennen könnte, in welche Richtung es weitergeht, würde ich ja auch auf einen Hügel steigen und nicht darauf warten, dass um mich herum das Tal sich senkt.

Doch eines hatten alle Menschen gemeinsam. Eines fiel mir bei allen gleichermaßen auf, bei sicher weit über 1000 Menschen, egal wie alt oder jung, physisch gesund oder krank, emotional stabil oder gebrochen sie auch waren. Keiner einzigen Frau, keinem einzigen Mann war bewusst, warum es so kam. Das „Warum?“ blieb allen verborgen, zumindest allen, mit denen ich gesprochen hatte.

Sicherlich, es gab bei fast allen Begleitumstände, eigene Lebensführungen, Erlebnisse oder andere Menschen, die als Hauptverdächtige häufig herangezogen wurden. So erwähnten damals wie auch heute noch viele ihre Kindheit, einen oder beide Elternteile, die Schulzeit, Lebenspartner oder Kinder. Aber waren das die wahren Gründe, ausschlaggebend genug für eine so festgefahrene Situation, eine so schwere Krankheit?

Vieles konnte die Schulmedizin wieder „richten“. Ich beobachtete hauptsächlich auf der Chirurgie und in der Akutversorgung Unfassbares.