Leben im Hier und Jetzt - Lejla Beck - E-Book

Leben im Hier und Jetzt E-Book

Lejla Beck

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Beschreibung

Mit diesem Buch appelliere ich an den menschlichen Verstand. Unsere Gesellschaft ist so stumpf geworden, dass keiner mehr an seinen Verstand glaubt. Sind wir alle so benebelt, dass wir vergessen haben, dass die wahren Werte des Menschen nicht Geld und Macht sind sondern Liebe. Jeder hat es, jeder will es und jeder kann es geben. Verschwenden wir keine kostbare Zeit mehr um zu klagen, sondern fragen wir uns, wie wir als einzelner Mensch in jeder Situation etwas aus unserem Leben machen können. Lejla Beck

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Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Widmung

Für Nene, eine inspirierende Persönlichkeit mit Herz und

Seele, eine großartige Mutter, Tochter, Großmutter, Nachbarin,

Freundin … Sie als Familienmitglied zu haben – wie kostbar dies

war, kann ich gar nicht in Worte fassen. Die Großzügigkeit, das

Verständnis, die Unterstützung und die Liebe, die sie gab, muss man

gefühlt haben. Danke für die Erziehung, die ich genossen habe, und

danke für das Wichtigste: Du hast mich gelehrt, frei zu denken.

Nicht Goethe, Steiner, die Bibel, der Koran oder die Thora haben das

geschafft, sondern du, eine einfache Großmutter – meine Nene.

Inhalt

Vorwort

Nene

Lüge oder Wahrheit

Was ist wichtig?

Einsicht in mein Leben

Traum oder Albtraum?

An was ich glaube

Schlusswort

Zum Andenken

Danksagung

Vorwort

Meine liebevolle Oma hat mich dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben. Ihre logische und freie Denkweise, wie sie Hindernisse mit Leichtigkeit überwand, wie angstfrei sie durchs Leben ging, ihr Durchsetzungsvermögen, ihr Anderssein. Ihre altmodische Erziehung und ihre Lebenserfahrung, geprägt von zwei Kriegen, von Hunger, Tod und Folter durch physische und psychische Gewalt. In ihrem Schicksal gab es viel Grausames. Das macht sie für mich zu einer Frau, die nicht mit 83 Jahren gestorben ist, sondern zu einer Legende mit einer Lebenserfahrung von gefühlten 830 Jahren, die nun ermüdet ist und für die nun die Zeit gekommen ist, sich zu erholen.

Sie war eine charakterstarke Persönlichkeit, die in jedem Menschen nur das Gute sah. Sie war frei von Vorurteilen und Massendenken und hatte die Gabe, jedem zu helfen. Im Andenken an sie schreibe ich ihre lebensfrohe und menschliche Botschaft auf. Für alle Menschen, die voller Liebe und Verständnis sind, frei von Gruppendenken, respektvoll. Mit der Erkenntnis, dass alle Menschen gleich sind vor Gott und dem Gesetz und dass keiner das Recht hat, seine Mitmenschen würdelos zu behandeln. Denn jeder von uns, egal auf welchem Kontinent er lebt oder welchen Titel er trägt oder welches Geschlecht er hat und liebt, hat das Recht, geliebt zu werden und frei zu leben.

Denke niemals, dass du etwas Besseres oder Schlechteres bist als der Andere. Du wirst erkennen, warum wir so sind, wie wir sind. Und dass wir das, was wir in uns tragen, auch in anderen finden können – egal, wie unterschiedlich wir sind.

Nene

Nene wurde im Jahr 1934 geboren. Ihre Familie war eine sehr wohlhabende Familie mit vielen Kindern. Sie war eines der mittleren Kinder. Schon als Kind war ihr klar, dass sie auf der Welt war, um anderen zu dienen. Ihre Mutter gab sie als kleines Mädchen zu ihrer Mutter, damit sie die Oma unterstützen konnte. Ihre Geschwister gingen in die Schule und lernten fleißig. Die Geschwister wurden, was von ihnen gefordert wurde, um die Tradition weiterleben zu lassen: erfolgreiche Ärzte, Akademiker. Nena war eine einfache junge Frau und lebte weiterhin ein bescheidenes Leben. Sie half, wo sie helfen konnte, nicht nur den Familienmitgliedern, sondern auch bedürftigen Nachbarn.

Ihre große Liebe hat sie nicht heiraten dürfen, da er nicht in die Familie passte. Sie gab nach, gab ihre Vorstellungen von Liebe auf und heiratete meinen Opa, der viele Jahre älter war als Nene. Einen passenden Ehemann mit Doktortitel sollte sie haben, so entschied es die Familie. Er war Arzt, er passte in die Familie. Alles wurde für sie geregelt.

Doch Nene und Opa waren sehr unterschiedlich. Sie hatten nichts Gemeinsames. Wie sollten sie auch – ein Arzt und eine Analphabetin? Nur ihre acht Kinder und die Vorstellung, dass alle Menschen gleich sind, verband sie.

Ich habe in meinen Leben viele verschiedene und viele interessante Menschen kennengelernt, aus allen Schichten und Fachrichtungen. Putzfrauen, Manager, Köche, Ärzte, Anthroposophen, Künstler, Musiker, Gläubige, Ungläubige, Extremisten, Atheisten und viele mehr … Vom einfachen bis zum komplizierten Menschen. Aber keiner hat mich so fasziniert und geprägt wie meine Oma.

Obwohl sie nie einen Tag in der Schule war und niemals ein Buch gelesen hat, war sie der interessanteste, intelligenteste, verständnisvollste, mitfühlendste, liebevollste Mensch, den ich je gekannt habe, und mein größtes Vorbild. Sie war eine gute Seele und hatte Verständnis für jeden Menschen. Jedes Problem löste sie mit Leichtigkeit und gesundem Menschenverstand. Meine Oma war so ein lieber Mensch, dabei hat sie es in ihrem Leben nie leicht gehabt hat. Doch trotz ihren vielen Schicksalsschlägen hat sie nie den Glauben an Gott und an das Gute im Menschen verloren.

Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, alles, was mir meine liebe Nena (so nannte ich sie) mit auf meinen Lebensweg gegeben hat, mitzuteilen. Die Erkenntnis, dass kein Mensch von Grund aus böse oder schlecht ist, sondern dass man für alle, wirklich alle Menschen Verständnis haben soll. Denn hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte, ein Schicksal, manche sind schön, andere noch schöner, manche aber sind schlimm, andere noch schlimmer. Alle Erlebnisse prägen sich ein.

Nur ein Mensch ohne Vorurteile ist in der Lage, die Menschen so wahrzunehmen, wie sie sind und sie auch so zu akzeptieren … Das war ihr Lebensmotto!

Das Leben, das sie gelebt hat, war niemals einfach und leicht, aber das sah man ihr nicht an. Ihr Haus war immer voller Menschen. Menschen verschiedener Religionen und Altersklassen. Jeder war willkommen. Egal, ob er essen wollte oder einen Ratschlag brauchte oder vorbeikam, um sich etwas auszuleihen oder einfach um mit Nene Zeit zu verbringen – ihr Herz war für alle offen.

Oma und Opa liebten die Menschheit, das wusste jeder, und dafür wurden sie auch respektiert. Jahrelang dachte ich, meine Oma sei eine hochgeschulte Person, bis sie mir eines Tages mit ihren blauen, wissenden Augen erklärte, dass sie nur ihre Unterschrift schreiben könne. Mehr brauche sie ja auch nicht, da sie niemandem einen Brief schreiben müsse.

Zählen konnte sie, und sie wusste alle Preise im Laden auswendig. Keiner konnte sie über den Tisch ziehen. Sie kochte das Mittagessen für viele Personen mit Bioprodukten aus dem eigenen Garten; sie verschenkte diese auch gerne. Sie experimentierte mit allem. Sie zog ihre eigenen Gemüsesorten, hatte eigene Eier und produzierte eigenes Fleisch. Sie war fleißig – eine vom Kriege gezeichnete Frau mit altmodischer häuslicher Erziehung. Sie wusste: Wer sich einen guten Vorrat anlegt, wird nicht hungern müssen. Nene hatte alle Sorten von Marmeladen, Obst und Gemüse in allen möglichen Variationen und Kombinationen in Gläsern konserviert. Säfte aus der Natur, etwa aus Holunderblüten oder Rosen … Alles, was die Natur zu bieten hat, nahm meine Nene dankbar an.

Sie kannte auch alle Techniken, um Lebensmittel haltbar zu machen. Sie hatte Milch, geräuchertes Fleisch und geräucherten Fisch. Käse bereitete sie auf verschiedene Arten zu. Trotz der vielen Beschäftigungen in und mit der Natur hatte sie noch viel Zeit für die Familie, ihre Freunde und das, was ihr das Wichtigste war im Leben: den Bedürftigen zu helfen.

Wir wurden so erzogen, dass wir alles erreichen können, wenn wir es nur wollen. Oma war gläubig und eine echte Muslimin. Der Opa war Atheist (ein ungleiches Paar). Wir durften uns selbst finden und glauben, was wir wollten – oder auch nichts glauben. Ich habe mich entschieden, an das Gute im Menschen zu glauben.

Als ich klein war, hatte ich viele Fragen an Gott und die Welt. Oma war die Person, die alle Antworten wusste. Ich diskutierte öfters mit Nene über ihren Glauben und fand, dass es nicht richtig sei, so, wie sie ihn ausübte. Sie pilgerte nicht nach Mekka wie jede gute gläubige Muslimin. Ihre Begründung war, dass es nicht richtig wäre, so etwas zu tun, denn es gebe so viel bedürftige Familienmitglieder und Nachbarn. Sie könnte sich nicht mehr im Spiegel anschauen, wenn sie verreisen würde, während ihre Liebsten hungerten. Nein, das gehöre sich nicht.

Sie sagte, dass Allah/Gott uns ein Gehirn und ein Herz, die Vernunft und das Gewissen gegeben hat, um die richtige Entscheidung für sich selbst treffen zu können. Sie sagte, dass ein Mensch nur ein guter Mensch sein kann, wenn er seinen Nächsten liebt.

Wie Nietzsche sagt: Wenn man etwas hat, für das es sich zu leben lohnt, kann er alles ertragen. Und das tat sie. Sie befolgte die Regel, die aus ihrem Herzen kam, und das war bewundernswert.

Jeder Krieg verlangt Opfer, und Nene verlor nicht nur ihre Kinder, ihre Familie und Freunde im Krieg, sie verlor alles … Aber sie blieb standhaft …

Ich habe es erst später verstanden. Sie hasste niemanden. Nicht einmal die Menschen, die ihr alles weggenommen hatten. Nicht einmal den Gott, der das zugelassen hatte.

»Warum verzweifeln?«, sagte sie, »Gott trifft keine Schuld, denn Menschen führen Kriege. Menschen töten Menschen. Wer denkt, dass er das Recht hat, den Gegner zu hassen, der irrt sich. Menschen sind manipulierbar. Viele tun etwas, das sie sich selbst nicht erklären können. Wenn sie falsch erzogen wurden, mit Hass, und wenn sie das ganze Leben lang hörten, dass die Muslime oder die Juden oder die Christen usw. nicht gut sind, ohne zu fragen warum, dann sind das nicht Entscheidungen, die sie selbst getroffen haben, sondern sie entscheiden aus dem HASS heraus, den sie in sich tragen. Hass tut keiner Seele gut, er macht sie kaputt.«

Nene sagte immer: »Wenn du wissen willst, wie die Menschen denken, dann schaue dir die Politiker an. Denn die Mehrheit der Menschen hat sie ja gewählt! Man weiß nicht, ob die Menschen aus Trotz, Hilfslosigkeit oder aus einem anderen Grund so entschieden haben. Manchmal bereuen sie es hinterher, aber das ist nicht schlecht, denn nur aus Fehlern kann man lernen. Nicht nur die Schauspieler sind gut im Schauspielern, viele Politiker sind noch bessere Schauspieler. Viele sollten eine Medaille dafür bekommen.«