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In jahrelanger Arbeit wurde in Deutschland bisher versucht, den Pflegenotstand in den Griff zu bekommen. Wünschen wir den Pflegenden für ihr Alter das, was sie heute ihren alten, pflegebedürftigen und behinderten Mitmenschen bieten. Wie dieser Alltag aussehen kann, wird hier durch eigene Erlebnisse ausführlich beschrieben. Die Entstehung unserer Vermittlungsagentur hatte viele Gründe. Unsere Ziele, den alten und pflegebedürftigen Menschen einen angemessenen Lebensabend zu garantieren, ihnen die Unterbringung in ein Pflegeheim zu ersparen um im gewohnten Umfeld alt werden zu können, wird leider durch die abenteuerlichsten Handlungen und Begründungen aus dem Lebensumfeld jäh verhindert.
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Seitenzahl: 82
Veröffentlichungsjahr: 2013
Sei auf alles gefasst!
Dann wirft Dich nichts um.
Über einen jahrelangen Zeitraum hinweg wurde in Deutschland versucht, den Pflegenotstand in den Griff zu bekommen.
Würden sich die Verantwortlichen Gedanken über den eigenen Lebensabend machen und entsprechend handeln, wären wir heute unseren Zielen vielleicht schon näher. Wünschen wir den Pflegenden für ihr Alter das, was sie heute ihren alten, pflegebedürftigen und behinderten Mitmenschen bieten, was sie ihnen heute antun oder wie sie mit ihnen umgehen.
Christfried Jacobi
Leben in der dritten Generation
www.tredition.de
© 2013 Christfried Jacobi
Umschlaggestaltung, Illustration: Christfried Jacobi
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-8495-51 33-9
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.deabrufbar.
Inhaltsverzeichnis
Erst schleichend, dann plötzlich
Vegetieren oder Leben?
Zertifizierung für dt. Therapeuten
Ein Herz wie ein Stein
Der Chef
Pleiten, Pech und Pannen
Endstation Pflegeheim
Daheim oder Heim?
Not macht erfinderisch
Verstehen ohne Worte
Vergessen
Alt und verliebt
Allein in der Stadt
Der Sturz
Transparenz ist angesagt
Staunen und Schock
Mitbewerb
Vereine und Verbände
Kündigung bei Tod? Muss das sein?
Folgen eines Meetings
Eifersucht
Der Fall Meschede
Freunde als Helfer
Transfer in Deutschland
Sparen bis zum Ermittlungsverfahren
Meine Erfahrungen im Pflegeheim
Mit Nachdruck zur Heimaufsicht
Mit 76 Jahren abgeschoben
Der Betreuerwechsel mit Gepäck
Weiches Herz?
Ökonomisch gedacht
Blamage vom Feinsten
Geiz ist Geil
Die Wende?
Wer den Dank entzieht, erniedrigt die Helfer
Geben und Nehmen
Der Vorschlag
Die Zeit drängt?
Pflege hat keinen Aufschub!
Erst schleichend, dann plötzlich
Die Krankheit wurde anfangs nicht erkannt. Ab und zu war die Mutter schon etwas vergesslich, doch plötzlich verkürzten sich die Abstände der Vergesslichkeit.
Dinge wie der Geh-Stock oder das Portemonnaie wurden verlegt, der Lottoschein wurde mehrmals abgegeben und mit einem alten, ungültigen Geldschein wurde bezahlt. Zum Glück waren unsere Eltern beim Personal am Kiosk und in den umliegenden Geschäften bekannt.
Aber es sollte noch schlimmer kommen. Am frühen Morgen, zur täglichen Stippvisite, fanden wir den Vater auf dem Fußboden sitzend vor der Schlafzimmertür. Beim Gang zur Toilette versagten ihm plötzlich die Beine, aufstehen war nicht mehr möglich und Mutter war plötzlich nicht mehr in der Lage das Telefon zu bedienen.
Dem Notarzt folgte die stationäre Klinikaufnahme, die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen sollte. Die anschließende Reha-Maßnahme war nicht von Erfolg gekrönt. Medikamente sorgten für Halluzinationen, Müdigkeit und sinkendem Lebenswillen.
Auch Mutters Zustand verschlechterte sich dramatisch, sodass sie nicht mehr allein im Haushalt zurechtkam.
Eine Odyssee von Problemen nahm seinen Lauf. Eine 24-Stunden-Betreuung gab es nicht oder war zu diesem Zeitpunkt rechtswidrig.
Die Ärzte unterstützten uns dadurch, dass Mutter vorrübergehend in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Zumindest so lange, bis wir eine Unterbringung in einem Pflegeheim organisiert haben. Nach über 50 Ehejahren der Eltern stand fest, dass eine Trennung der beiden nicht in Frage kommt und somit gestaltete sich die lange Suche anfangs etwas schwieriger als gedacht. Letztendlich fanden wir ein Doppelzimmer in einer Einrichtung.
Die regelmäßigen Besuche der Eltern waren immer mit der Hoffnung und den Wünschen einer Besserung verbunden. Immer auch mit einem stillen Gebet, beim nächsten Besuch keine unerwarteten negativen Nachrichten zu erhalten.
Die Zustände in dem Pflegeheim sprachen ihre eigene Sprache: Da liegen die uringetränkten Windeln unter der Bettdecke am Fußende des Bettes, und der Pfleger ist nach Hause gegangen.
Nach weiteren nicht hinzunehmenden Vorfällen sitze ich eines Morgens persönlich am Bett meines Schwiegervaters. Die Notrufklingel wird nach 20 Minuten durch ein plötzliches ruckartiges Türöffnen beantwortet. Die lauten, als lästig empfundenen Worte „Herr ***, was ist denn wieder …“ verstummten plötzlich, als die Altenpflegerin mich erkannte.
Wir hatten Diskussionsbedarf. Im Lauf des Tages kam während meines Nachmittagsbesuches das nächste Problem zur Sprache, denn die Frage nach der Einnahme der Tabletten wurde von meinem Schwiegervater schon dreimal mit „nein“ beantwortet. Ich frage nach und die Antwort war die, dass in der Fieberkurve kein Eintrag vorhanden war, der auf eine Nichteinnahme der Medikamente hinwies. Es war aber auch kein Eintrag zu finden, dass die Tabletten verabreicht und eingenommen wurden. Ich lasse mir den Bestand der Tabletten zeigen und der Pfleger stellt plötzlich fest, dass keinerlei Medikamente mehr vorhanden sind. Was tun? Es ist Freitagnachmittag! Das Personal ist wohl nicht in der Lage die benötigten Medikamente kurzfristig zu besorgen. Wir, meine Ehefrau und ich, kümmern uns selbst darum und es dauerte nur eine knappe Stunde bis zum Eintreffen der Medizin.
Unsere Suche nach einem besseren Pflegeheim war die nächste erfolglose Aktivität, denn wir mussten feststellen, dass die Zustände in keinem unserer ca. 30 besuchten Einrichtungen besser waren.
Von nun an waren wir auf der ewigen Suche nach einer menschenwürdigen Unterbringung der Eltern. Die ewige Suche zog sich bis zum Tod der Pflegebedürftigen hin. Eine Änderung konnten wir bedauerlicherweise nicht herbeiführen.
Vegetieren oder Leben?
Sie wollte es nie, die Einweisung in ein Pflegeheim. Der ehemaligen Krankenschwester wurde vom behandelnden Arzt, ihrem ehemaligen Arbeitgeber, ein kleiner operativer Eingriff am Kopf empfohlen, den Sie unter Protest abgelehnte.
Die prophezeiten Folgen traten ca. zwei Monate später ein: Ein Schlaganfall nahm ihr die Bewegung einer gesamten Körperhälfte und die Sprache.
Die Rehabilitationstherapie brachte keine wesentliche Verbesserung der Lebenslage.
Über Angehörige werden wir über den aktuellen Zustand informiert. So haben wir erfahren, dass die Cousine mittlerweile in einem Pflegeheim untergebracht ist und durch Infusionen und Magensonde am Leben gehalten wird. Eine Verständigung ist nur über Blickkontakt, leichte Lippenbewegungen, Papier und Bleistift oder einer Verständigungstafel möglich.
Zertifizierung für dt. Therapeuten
Therapeuten haben es im Hausbesuch beim Patienten sicherlich nicht immer leicht. Trotzdem sollte eine Therapeutin wissen, dass Benehmen keine Glückssache ist.
Es gibt Menschen, die haben die besondere Gabe mit wenig Worten viel zu sagen. In dieser Geschichte wurde ohne Worte alles gesagt.
Die Therapeutin kam pünktlich um 10:00 Uhr. Nach 10 Minuten Diskussion über eine Fußpflege-Behandlung und dem vergessenen Quittungsblock begann endlich die Behandlung der Patientin.
Nach einer viertel Stunde wurde die Betreuerin, die sich während der restlichen Tages- und Nachtzeit um Frau Müller (Name geändert) kümmerte, sichtlich unruhig. Was ist geschehen? Sie wunderte sich darüber, dass die Behandlung nach 25 Minuten immer noch nicht zu Ende war. Maximal 15 Minuten waren sonst die Regel.
Lag es daran, dass ich als Fremder anwesend war? Die Therapeutin kannte nicht den Grund meines Daseins. Dabei wäre es so einfach gewesen ihn zu erfahren.
Bei der Ankunft der Physiotherapeutin wäre ein freundliches „Guten Tag“ oder eine kurze Vorstellung nett gewesen. Ein Lächeln schafft Vertrauen ohne große Anstrengung. Ich kann gut damit leben, wenn ich den Namen der Therapeutin momentan nicht erfahre, aber man trifft sich bekanntlich zweimal im Leben.
Nicht nur ich war sehr erstaunt darüber, dass niemand bemerkte, dass die Therapeutin schon gegangen war. Ein kleiner „Knigge“ könnte hier nicht schaden.
Beim Verlassen der Patientenwohnung bestätigte sich das Benehmen. „Auf Wiedersehen“, „by by“ oder „bis zum nächsten Mal“, scheinen wohl nicht zum Wortschatz der Therapeutin zu gehören. Ein kleines Lächeln kann auch bei einem kranken Menschen Wunder bewirken. Schade, es ist nicht jedem gegeben.
Es war doch sehr deutlich zu erkennen, dass hier nicht die Therapie im Vordergrund stand, sondern dem Faktor „Zeit“ eine weitaus größere Beachtung geschenkt wurde als dem kranken Menschen.
Mit einer menschlichen Kälte, mehrfachen Blicken auf die Uhr und dem Gefühl einer zwangsläufigen Behandlung waren nach 30 Minuten die Mühen einer Physiotherapeutin beendet. Es gibt immer wieder Menschen, die die Freundlichkeit nicht gerade mit dem Löffel gegessen haben.
Nach einem halben Jahr kam was kommen musste: Man traf sich wieder. Der Auftritt der Therapeutin vermittelte mir jetzt den Eindruck als hätte sie seit unserem letzten Zusammentreffen etwas gelernt, wobei die Betonung auf „etwas“ liegt.
Hat die Betreuerin das Thema vielleicht einmal angesprochen? Auf Grund der sprachlichen Unterschiede konnte die Physiotherapeutin vielleicht erahnen, was man ihr sagen wollte?
Es ist schon ein Erfolg, dass die Therapeutin jetzt beim Betreten der Räumlichkeiten die Worte „guten Morgen“ aussprechen kann. Der Rest kommt vielleicht so nach und nach?
Unfreundlichkeit kann Folgen haben. In einem anderen Beispiel in dieser Familie hatte eine Mitarbeiterin des ambulanten Pflegedienstes nicht nur die falsche Wortwahl, sondern auch die falsche Tonart gewählt. Der Versuch, ihre Aufgaben auf die Haushaltshilfe zu übertragen hatte keinen Erfolg.
Schon mehrmals war die Mitarbeiterin des ambulanten Pflegedienstes gegenüber einem Freund der Familie sehr negativ aufgefallen. Nun brachte sie das Fass der Unzufriedenheit zum Überlaufen.
Das Ende ihrer Tätigkeit war innerhalb kürzester Zeit geklärt. Dazu genügte ein einziges Telefonat. Der Pflegedienst wurde darum gebeten, das ausgesprochene Hausverbot für diese Person peinlichst zu beachten.
Vielleicht hat jetzt die Pflegerin des ambulanten Pflegedienstes verstanden, was in ihrem Job erwartet wird.
Ein Herz wie ein Stein
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit und Skrupellosigkeit der Ehemann mit der an einem Schlaganfall erkrankten Ehefrau umgeht, ihr Entscheidungen abnimmt die den Lebensabend dieser Frau grundlegend verändern wird. Der alles daran setzt, die eigene Zukunft mit der Geliebten nicht aus den Augen zu verlieren.
Es gibt Haushalte, da scheint es den Angehörigen egal zu sein, wie die Ehefrau nach einem Schlaganfall versorgt wird. Wenn der Arzt in seinem Untersuchungsprotokoll den Hinweis „.. bei einer sehr guten Pflege“ bescheinigt, dann betrachtet der Ehemann dies schon als einen Freibrief. „Sie ist versorgt, und ich kann meiner Wege gehen.“
Frisch gestylt und parfümiert macht sich der Gatte auf den Weg zur Geliebten.
Kaum zu glauben, dass es nicht immer die Kinder sind, die über die Zukunft der Eltern oder eines Elternteils entscheiden, sondern auch der eigene Ehemann im Hintergrund die Fäden spinnt um seine Frau los zu werden. Die Unterstützung der Geliebten ist in dieser Geschichte garantiert.
Es sind für mich wieder Erlebnisse und Erfahrungen die es wert sind niedergeschrieben zu werden.
