Lebenslust hoch 10 - Nicole Putschky-Kaiser - E-Book

Lebenslust hoch 10 E-Book

Nicole Putschky-Kaiser

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Beschreibung

Die besten Geschichten schreibt das Leben immer selbst! Lebendig, humorvoll und eine kleine Prise Sarkasmus. Starke Frauen werden nicht einfach so geboren, sie entwickeln sich auf Grund der Stürme, die sich ihnen in den Weg stellen. In diesem energiegeladenen Roman finden Joy und Lively, zwei sich bis dato fremde Frauen, unerwartet durch die Widrigkeiten des Lebens zueinander. Während die schüchterne Joy noch in ihrer Findungsphase steckt und ein anstrengendes Jahr versucht zu verdauen, kreuzt die vom Schicksal gezeichnete Lively ihren Weg. Es war einem Zufall geschuldet, dass Lively ausgerechnet durch den Rachefeldzug eines Journalisten auf die gedemütigte Shop-Betreiberin Joy trifft und sich sofort mit der jungen Frau verbunden fühlt. Aus dieser Misere heraus entsteht eine tiefe Freundschaft. Gemeinsam legen sie den Grundstein für etwas Großartiges – die „Empowerful Woman“. Missgunst und Intrigen begleiten von da an den Weg der beiden Powerfrauen. Bis zum Ende hin bleibt die Geschichte der Zufallsbekanntschaft von Joy und Lively völlig offen, doch mit ihren humorvollen Anekdoten und aussagekräftigen Zitaten beteiligen sie den Leser hautnah an einer nahezu wahren Geschichte.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Lebenslust ¹⁰

 

Zwei Frauen, so prickelnd und erfrischend, wie die Bläschen im Champagner.

 

 

 

 

 

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst!

 

 

Ein Roman von

Nicole Putschky-Kaiser

Ronja Anja Heim

 

 

About us

 

Die Autorinnen & Bloggerinnen Nicole Putschky-Kaiser & Ronja Anja Heim, lernten sich im September 2020 online durch ihre Aktivitäten in den sozialen Netzwerken kennen. Aus einem Blind Date im Oktober 2020, entstand nicht nur eine zuverlässige, gemeinnützige Zusammenarbeit, sondern in den Folgemonaten auch eine gefestigte Freundschaft, sowie eine gemeinsame Firma. 

Die beiden Powerfrauen surften trotz diverser Unterschiede sofort auf einer Wellenlänge und teilten ihre Leidenschaft zum Schreiben. Die Idee ein gemeinsames Buch zu schreiben, kam daher ebenso spontan, wie auch gewollt.

Beide Frauen hatten bis dato schon Bücher veröffentlicht und gingen mit Feuereifer ans Schreiben ihrer Geschichte.

 

“Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?” - Vincent van Gogh

 

Kapitel 1

 

Es war ein Tag wie jeder andere, als sich Joy aus dem Bett rollte und mit einer in Falten gelegten Stirn den Wecker stumm schaltete. Sie schlurfte leise in die Küche, um ihren Verlobten Trip noch etwas schlafen zu lassen, setzte das Teewasser auf und knipste den Fernseher an. Die Nachrichten überschlugen sich einmal mehr. Ein Terroranschlag hier, tote Menschen da, irgendwo brach wieder eine neue Krankheit aus. Gleichgültig wandte sich Joy vom Fernseher in der Ecke ihrer Küche ab und blickte zum Fenster hinaus, direkt auf ihren Garten. Für einen Morgen im März war das Wetter annehmbar lauschig. Die fahl wirkende Wiese beherbergte wie in den vergangenen Jahren auch in diesem Jahr kaum Schnee auf sich, doch der Himmel war klar und somit würde die Sonne mit ihren schwachen Strahlen den Tag sicherlich um ein paar Grad erwärmen können. Der Wasserkocher schaltete sich mit einem lauten, klackenden Geräusch ab, als das Wasser aufkochte und erlangte wieder Joys volle Aufmerksamkeit. Sie wandte sich um, goss das Teewasser in die beiden vorbereiteten Tassen und sah zu, wie sich durch das eben noch klare Wasser allmählich ein roter Schleier zog. Erst dann weckte sie behutsam ihren Verlobten auf und bereitete das Frühstück vor. Die morgendliche Routine gab Joy Sicherheit. Ein planmäßiger Ablauf der zu erledigenden Dinge war für die 30-Jährige der Erfolgsgarant dafür, um nicht in Stress zu geraten und diesen galt es für Joy, vor allem am Morgen, tunlichst zu vermeiden! So fuhr ihr Verlobter, ganz nach Plan auch an diesem Morgen eine dreiviertel Stunde später zur Arbeit, während Joy unter die Dusche sprang, sich ihre zurechtgelegten Klamotten überstreifte und die langen dunkelblonden Haare föhnte. Eigentlich sollte sie hierbei ein frisches und strahlendes Lächeln im Spiegel sehen, denn im selben Monat trat sie eine neue Arbeitsstelle an, welche ihr mehr Zeit für sich und somit auch innere Ruhe verschaffen sollte. Doch so aufregend und angenehm ihr Start in der neuen Firma auch war, es schien sie nicht glücklich zu machen. Was ist nur mit dir los, Mädchen? Was willst du denn noch? Du warst so dankbar und zufrieden jeden Morgen gesund und munter aufstehen zu können und nun fehlt dir für alles die Energie und Freude? So kennst du dich selbst nicht!Tadelnd blickte sie mit dem lärmenden Föhn in der Hand in ihr Spiegelbild. Die rehbraunen Augen wurden feucht und brannten, eine erste Träne rollte Joy über die Wange. Gib dir noch etwas Zeit, dachte sie bei sich. Es war ein anstrengendes Jahr, das dauert eben, bis du auch das weggesteckt hast. Als sie ihre Mähne trocken hatte,schnappte sich Joy ihre Tasche, zog sich die Lieblingsturnschuhe an, griff zum Schlüssel und verließ eilig das Haus. Ihre weiblichen Kurven verpackte Joy meist in unscheinbare, legere Klamotten. Nur nicht auffallen lautete ihre Devise. Anliegende Klamotten standen der jungen, schlanken Frau gut, doch sobald sie auch nur jemand ansah, begann sie sich unwohl zu fühlen und wollte sich verstecken. In Gedanken bei sich, der neuen Arbeit, ihrer eigenen Unzufriedenheit und dennoch etwas geistesabwesend im Nirgendwo verschollen, konnte Joy natürlich nicht ahnen, dass das Schicksal bereits seine eigenen Pläne für sie hatte. 

Unterdessen machte sich auch Lively fertig für die Arbeit. Obwohl sie eine konventionelle Ausbildung absolvierte und sich in der Buchhaltung heimisch fühlte, schwenkte sie vor einigen Jahren um, folgte seither ihrer kreativen Ader und arbeitete für eine Werbeagentur. Der herzliche Sturkopf engagierte sich, wo sie nur konnte. In der Schule begleitete sie für ihren Sohn vor ein paar Jahren noch unzählige Ehrenämter, pfiff sogar für die Jugendmannschaft auf dem Rasen, hielt ehrenamtlich Workshops und schüttelte bereits viele wichtige Hände, und eckte durch ihre herrliche, ehrliche Art immer wieder an.Ihr Chef verfolgte einen steilen Kurs mit seiner Firma, den sie nicht gutheißen konnte und auch ein paar ihrer Kolleginnen machten der taffen Frau Anfang 40 des Öfteren den Alltag schwer. Sie wollte sich nicht länger bevormunden lassen, allerdings gefiel ihr die Arbeit an sich gut und irgendwo musste schließlich die Kohle herkommen. „Schatzi, ich fahr auf die Arbeit, wann bist du heute Abend zu Hause?”, rief Lively die Treppe im Flur hinauf zum Schlafzimmer.„Ich komme um sieben. Soll ich uns was vom Italiener mitbringen?”, fragte ihr Mann aus dem Schlafzimmer heraus. “Perfekt, ja kannst du machen!“, schrie Lively die Treppen empor.Wenig später saß auch sie in ihrem silbernen SUV auf dem Weg zur Arbeit und drehte das Radio laut auf. Sie war bereit den Kampf mit den Hyänen aus dem Büro aufzunehmen. Heute fühlte sie sich stark und unbeugsam. Kurze Zeit später fuhr Lively auch schon auf den Parkplatz des Bürogebäudes. Der eben noch klare Himmel verfärbte sich gräulich und ein paar feine Flöckchen fielen herunter.Lively verlies ihr Auto und atmete noch einmal tief ein, ehe sie auf das Gebäude der Firma zulief.„Bleibt doch eh wieder nichts liegen. Was für ein seltsamer Winter”, murrte der Hausmeister, der gerade im Begriff war noch mehr Salz auf den Treppenabsatz zum Bürokomplex zu streuen.„Wie in den letzten Jahren halt auch”, entgegnete ihm Lively, stiefelte an ihm vorbei und betrat das Gebäude. Sie durchquerte einen leeren Raum mit großen, hellen Fliesen am Boden. Über das ebenso kahle Treppenhaus gelangte sie in ihre Etage und öffnete die Tür zum Großraumbüro. „Da bist du ja Lively, der Chef hat schon Sehnsucht nach dir!” Ausgerechnet du doofe Tussi nervst mich am frühen Morgen schon, dachte sich die taffe Mutter. Ihre Kollegin Amber gönnte ihr absolut keinen Erfolg, weder auf privater noch auf beruflicher Ebene. Schon immer sah sie in Lively eine starke Konkurrentin. Ihr trällernder Ton konnte demnach nichts Gutes für die Mediengestalterin bedeuten.An ihrem Schreibtisch, auf der anderen Seite des Großraumbüros angekommen, verstaute Lively ihre Handtasche in der untersten Schublade des sich nebenan befindlichen Rollcontainers und lief zu dem einzigen Büro des großen Raumes, welches sich hinter einer separaten Holztür verbarg und klopfte an. „Herein!”, hörte sie eine dumpfe Stimme hinter der Bürotür erklingen. Lively nahm die Klinke in die Hand und öffnete die Tür einen Spalt weit.„Guten Morgen, Sie wollten mich sprechen?Ah ja, kommen Sie bitte rein.“Lively verschloss hinter sich die schwere Tür und folgte der einladenden Geste ihres Chefs und nahm ihm gegenüber an seinem Schreibtisch Platz. Während er leicht nervös nach dem passenden Anfang für seine Rede zu suchen schien, sah sich Lively in Ruhe um. Wann saß ich zuletzt in diesem Büro, fragte sie sich dabei.Für ihren Geschmack war dieses Zimmer eindeutig zu spießig eingerichtet. Unpersönliche Gegenstände und weit auseinandergestellte Möbel strahlten eine unbestimmte Leere ihrer Meinung nach aus. Als ihre spitze Nase schließlich wieder in die Richtung ihres Bosses zeigte und Livelys neugierigen, grau-grünen Augen seinem Blick standhielten, räusperte er sich und wagte einen ersten Versuch: „Sie wissen, ich bin mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden. Unser Großkunde hat sich an das unkomplizierte Zusammenspiel aus seinen Ideen und Ihren Entwürfen gewöhnt, es läuft alles wie am Schnürchen.“Grinsend lehnte sich der Brillenträger in die Stuhllehne seines ledernen Sessels. Mit den beiden Ellbogen stütze er sich auf den Stuhllehnen links und rechts von sich ab und faltete die Hände vor seinem Gesicht zusammen, ehe er sein Kinn darauf bettete.Sag schon was du willst, du schmieriger Typ, dachte sich Lively, während sie seine Halbglatze musterte. Sein ihm noch gebliebenes Haar war so kurz geschoren, dass Lively nicht erkennen konnte, ob es nun dunkel, oder bereits silbrig-grau geworden war.Ihr Boss trug ein weißes Hemd, eine stumpf wirkende, rote Krawatte und hatte wie jeden Tag eindeutig zu viel Aftershave aufgetragen. „Das freut mich zu hören, doch ich denke da kommt gleich noch ein -ABER- hinterher”, entgegnete ihm Lively schließlich kampflustig. „Sie haben natürlich recht, anderenfalls hätte ich Sie nicht extra herkommen lassen.“Er räusperte sich erneut, strich sich noch einmal die Krawatte glatt und begann abermals: „Wie Sie wissen ist Amber nun schon bald ein Jahr bei uns. Bislang hat sie sich um die Akquirierung neuer Kunden bemüht, doch auch sie ist eine gut ausgebildete Mediengestalterin.Es ist nur fair, dass auch sie die Gelegenheit bekommt, sich mit ihren kreativen Fähigkeiten zu behaupten. „Klar, das verstehe ich! Woran denken Sie hierbei genau? Soll ich Sie in unser Programm einführen? Sie kann sich gerne jeder Zeit zu mir an meinen Arbeitsplatz setzen und mich bei meinen Arbeitsprozessen begleiten. Ich nehme an, dass sie sich so am ehesten Einfinden wird”, bot Lively an. Thomas Black, der diese Firma bereits im Alter von 27 Jahren gegründet hatte und mit seiner Frau Penelope und den beiden Töchtern in einem recht annehmbaren Haus in der Vorstadt lebte, holte tief Luft. „Ich danke Ihnen für das Entgegenkommen, Lively. Jedoch ist es nicht ganz das, woran ich gedacht hatte.” Lively kniff die Augen zusammen. „Und woran genau haben Sie gedacht?“, wollte Lively neugierig wissen.„Sie beide werden die Plätze tauschen. Packen Sie bitte Ihre persönlichen Sachen von Ihrem Schreibtisch zusammen und beziehen bis auf Weiteres den Empfang.Amber ist bereits informiert. Sie wird von heute an Ihre Aufgaben übernehmen”, antwortete ihr Thomas Black emotionslos.

 

„Wir brauchen mehr Verrückte. Seht Euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben!“- George Bernard Shaw

 

Die Uhr zeigte halb zehn am Vormittag und Joy war auf dem Weg sich Kaffee Nummer drei zu gönnen. Zu den Vorteilen des neuen Betriebs gehörte eindeutig die Tatsache, dass der Vollautomat im Bistro der gesamten Belegschaft kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Mit einer weiteren Tasse des braunen Glücks kehrte Joy zurück an ihren Arbeitsplatz. Sie hatte sich gut eingelebt. Mit jedem Tag erschlossen sich ihr weitere Bereiche des eigens für die Firma konstruierten Computerprogramms und auch mit ihrem Tätigkeitsbereich war sie äußerst zufrieden. Zwar hatte Joy einen Einarbeitungsplan zu absolvieren, um jeden Arbeitsschritt der Firma einmal kennenzulernen, doch die Kundenstammpflege und die allgemein, im Büro üblichen Tätigkeiten, schlichen sich bei ihr als willkommene, alltägliche Aufgaben ein. “Hast du schon in den Kalender gesehen? Für Freitag ist ein Mittagessen eingetragen!”, platzte es aus Fiona heraus. Sie saß Joy in ihrem Zwei-Mann-Büro gegenüber und hatte selbst erst vor kurzem in der Firma angefangen. “Was? Nein, warte...!Jetzt sehe ich es auch. Was bedeutet das?“, fragte Joy ihre jüngere Kollegin.„Das haben die Chefs schon einmal gemacht, als ich frisch angefangen hatte. Sie geben uns ein Essen aus. Einfach so.” Joy blickte ihr ungläubig und fragend entgegen. „Einfach so?”, fragte sie erstaunt.„Ja”, antwortete ihr Fiona prompt und klärte sie auf: „Sie sagen immer sowas wie, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind, arbeiten sie besser und, sie wüssten selbst wie es als kleiner Angestellter war und wollen es als Arbeitgeber besser machen und all so ein Zeug.“„Das klingt ja cool”, stellte Joy positiv überrascht fest.

In den ersten Tagen nach Joys Anstellung, sprachen beide kaum ein Wort miteinander, aber die Scheu legte sich und Fiona schien gut mit “der Neuen” zu harmonieren. Sie tauschten öfters private Geschichten aus, selbst wenn Joy diesen Fehler nicht noch einmal begehen wollte. Die Parallelen, welche sich zwischen den beiden jungen Frauen auftaten, schweißten sie nur noch fester zusammen. So kam es, dass Joy schließlich nach wenigen Wochen erste Vergleiche zwischen ihrem vorherigen Arbeitgeber und der jetzigen Firma anstellte und berichtete der um ein paar Jahre jüngeren Fiona von den eher unschönen Erfahrungen, welche sie dort erlebte. „Im Prinzip ist es wie überall, auch in dieser Firma bildeten sich die typische Grüppchen.Aber wenn ich es dort nicht mit testosterongesteuerten Männern zu tun hatte, befand ich mich in einer Schlangengrube hinterlistiger Weiber. Das hat irgendwann einfach zu sehr an meinem Gemüt gezehrt”, erklärte sich Joy. „Ja, das kann ich verstehen”, pflichtete ihr Fiona bei. „In meinem Ausbildungsbetrieb hatte ich auch ein paar Drachen. Ich hoffe wir haben es hier ausnahmsweise einmal besser erwischt”, überlegte Joys jüngere Kollegin laut. Sie war ein nettes Mädchen, kam auch von einem Dorf außerhalb der Kleinstadt und bot einen wahren Blickfang. Ihren hochgewachsenen, gut trainierten Körper verpackte sie meist in schlichten Leggins, in denen ihr gut geformter Po sehr gut sichtbar wurde und auch sie war, genau wie Joy, ein großer Turnschuhfan. Vermutlich riskierten die Männer genau deswegen bei der brünetten Fiona nicht selten einen zweiten Blick.„Das hoffe ich allerdings auch”, lachte Joy und widmete sich wieder ihren Aufgaben.Die Zeit verging schnell und so verlies die 30-Jährige an diesem Tag zufrieden das Büro. In ihrem neuen Job ließ sie sich auf nur 30 Stunden in der Woche anstellen und hoffte so wieder in Balance zu kommen, da sie vor allem in dem vergangenen Jahr mehr Überstunden schob, als ihr lieb war und doch keinen Schritt auf der Karriereleiter nach oben kletterte. Es war kurz nach 14:00 Uhr, der Tag fühlte sich noch immer blutjung an und Joy begab sich auf den Weg nach Hause. Doch Ruhe fand sie dort angekommen nicht. In jeder Ecke des Hauses sah sie noch etwas, dass für sie unbedingt erledigt werden musste. In ihren Mailfächern türmten sich Anfragen, Bestellungen und neue Kooperationsmöglichkeiten bezüglich ihres erst kürzlich gegründeten Online-Shops und auch Freunde und Familie forderten Joy sehr.„Nein“ zu sagen, gehörte nicht zu Joys Stärken und so halste sich die junge Frau mehr auf, als gut für sie war. Umtriebig lief Joy in ihren eigenen vier Wänden auf und ab und wusste nicht, wo sie anfangen, oder aufhören sollte. Einmal mehr machte sich eine ungeheure Unzufriedenheit in ihr breit. Dieses unwohle, vertraute Gefühl begleitete die jungen Frau schon seit mehreren Jahren. 

„Pizza ist da!” Lively vernahm die fröhlichen Worte, welche zeitgleich mit einem herrlichen Duft zur Haustür hereinströmten. „Ich bin im Wohnzimmer Schatzi!”, rief sie zurück und positionierte noch fix das Besteck und die Servietten auf ihrem großen, hölzernen Esstisch.„Punkt 19:00 Uhr, was sagst du dazu?”, strahlte Floyd, Livelys Mann sie an.Mit seinen 1,90 m überragte er seine Frau um eineinhalb Köpfe. Durch die athletische Figur fiel sein kleiner Bauchansatz nicht weiter auf, doch Lively verliebte sich ohnehin in seine herzliche Art und die stechend blauen Augen, welche hervorragend zu seinem haselnussbraunen Haar passten.„Somit bist du der pünktlichste Pizzabote, den ich kenne”, scherzte sie zurück. Skeptisch stellte Floyd die Pizzakartons auf dem großen Wohnzimmertisch ab und wandte sich seiner Frau rasch wieder zu: “Was ist los?” Lively wusste, sie brauchte ihrem Mann nichts vorzumachen. Während er noch seine Jacke und die Arbeitstasche ablegte, fing sie bereits an die Pizzakartons zu öffnen und wetterte los: “Ach...! Dieser Vollhonkhat sich heute ein Riesending geleistet! Als wäre es für die Belegschaft nicht schon offensichtlich genug, dass er dieses blonde Biest Amber knallt, will er ihr nun auch noch meinen Job aufbinden!” „Du meinst Thomas Black, deinen Chef?Wie stellt er sich das vor, du hast euren Großkunden schließlich allein aufgebaut. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser nicht sonderlich erfreut, darüber sein wird, einfach ungefragt einen neuen Ansprechpartner zu haben”, sagte Floyd und nahm Platz. Lively setzte sich zu ihm an den Tisch und begann mit dem Pizzaschneider zu hantieren. „Erstens das und außerdem hat *DIE* doch überhaupt keinen Plan! Weder von dem Programm noch von meinem Kunden! Er fing an, von Wegen sie sei ja nun schon ein Jahr dabei und möchte auch einmal etwas anderes sehen und ist ja schließlich eine gelernte Kraft und bla bla bla ...Ich bot ihm umgehend an, dass sie sich jeder Zeit zu mir setzen könne und ich ihr alles Wichtige im laufenden Arbeitsprozess erkläre.”Die aufgebrachte Frau übergab ihrem Mann den Pizzaschneider. Aufmerksam sah er Lively an: „Und? Was hat er davon gehalten?” Mit dem ersten Stückchen Pizza in der Hand fing Lively daraufhin an wild vor ihrem Gesicht zu gestikulieren: „Es reichte ihm nicht! Er erwartete von mir, dass ich umgehend meinen Platz räume und mich an ihren Empfang setzen sollte!Manche Menschen stehen eben ganz oben auf meiner `Ganz-unten-Liste`! Und all das ohne eine Übergabe, oder eine formelle E-Mail an meinem Kunden, damit er sich darauf einstellen könnte, geschweige denn meine laufenden Aufträge abarbeiten zu können!” „Was denkt der Vogel sich eigentlich? Dafür wurdest du nicht angestellt! Du hast dich als Mediengestalterin beworben und nicht als Empfangsschnickse!”, rief Floyd empört. „So ist es! Außerdem finde ich die Art und Weise daneben. Du hättest Amber hören sollen, als ich heute früh das Büro betreten habe. Ich wusste sofort, dass da irgendwas faul ist, im Staate Dänemark”, giftete Lively zurück und fixierte mit boshaften Blicken ihre Pizza. „Mir machen die Zwei doch nichts vor! Du wirst sehen, bald lässt er sich von seiner Frau scheiden und sie wird dann die neue Chefin werden.

Oh Gott, bin ich froh, dass ich das nicht mehr mit ansehen muss”, fügte sie noch hinzu und biss energisch von ihrem Pizzastückchen ab. „Wie meinst du das jetzt?”, fragte Floyd irritiert.

 

“Große Veränderungen in unserem Leben können eine zweite Chance sein.” - Harrison Ford

 

Kapitel 2 

Lively legte ihr angebissenes Pizzastück auf den Teller und sah ihrem Mann tief in seine stahlblauen Augen. „Ich habe postwendend gekündigt”, sagte sie schließlich mit fester Stimme. Auch Floyd legte sein Stückchen Pizza nun bei Seite, nahm ihre Hand und strich zärtlich mit dem Daumen über ihren Handrücken. „Das hast du gut gemacht”, sagte er beruhigend und gab ihr einen Schmatzer auf die Lippen. „Danke”, sagte Lively mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht, ehe sich beide wieder ihrem Abendessen widmeten. Die Bombe war also geplatzt. Für Lively und ihrem Mann stand bereits seit einem dreiviertel Jahr fest, dass dieser Moment kommen würde. Floyd selbst hatte seiner Frau diesen Schritt immer wieder nahegelegt, doch Lively hatte sich bis zu diesem Tag davor gescheut. Nun war sie froh, fühlte sich befreit und stolz zugleich, diesen mutigen Schritt endlich gewagt zu haben.„Und, wie fühlst du dich jetzt?” Grinsend erwartete Floyd offensichtlich eine positive Antwort. „Ich kann es dir gar nicht beschreiben, wie gut ich mich fühle. „Ich war nicht mehr ich selbst. Ich liebe meine Arbeit, aber dieses Hin- und Hergeeiere, die bissigen Kommentare und der Neid und die Missgunst ...Ich wusste nie aus welcher Ecke der nächste Seitenhieb kommen würde“, erklärte sich seine Frau. „Und das, wo du eigentlich immer zur vollsten Zufriedenheit deiner Kunden gehandelt hast. Geschenkt wurde dir auch nie etwas”, gab Floyd zurück. „Tja, das reicht anscheinend nicht aus. Hätte ich seine Schmierfinger damals nicht abgewehrt, wäre für den Saubermann Herrn Thomas Black die Welt sicherlich in Ordnung geblieben, aber so war ich ein Störfaktor, der ohnehin irgendwann aussortiert werden musste”, echauffierte sich Lively. „Ich wollte damals unangemeldet in seinem Büro auftauchen, aber das wolltest du ja nicht”, murrte Floyd. „Ja Schatzi, ich weiß, das hätte einfach nur noch mehr Chaos in diese Angelegenheit gebracht und du kennst mich, ich bin schließlich nicht auf den Mund gefallen.” „Das stimmt allerdings und was hast du jetzt vor?”, fragte Floyd. „Ich habe mir überlegt meine Erlebnisse der letzten Jahre in einem Buch zusammenzufassen, um anderen Mut zu machen. Ich wette, viele Frauen befinden sich in einer ähnlichen Lage und wahrscheinlich hat nicht jede von ihnen den Mut, den schmierigen Attacken ihres Chefs entgegenzutreten”, sagte Lively zielsicher.„Das klingt nach einem Plan, kann ich mir gut vorstellen”, bestätigte Floyd seine Frau. Worauf sich Lively schon immer bedingungslos verlassen konnte, war ihr Mann. Er bot ihr stets Rückhalt bei all ihren Vorhaben und unterstützte sie, seit sie ein Paar waren. Lively liebte ihn für seine beschützende Art.Außerdem erlaubte sein guter Verdienst Lively diesen mutigen Schritt in eine ungewisse Selbstständigkeit zu wagen. Zwar wollte sie ihm nicht unnötig auf der Tasche liegen, doch die taffe Frau war überzeugt davon, so nicht nur ihr berufliches Glück zu finden, sondern nun, da auch sie endlich einen weiteren, wichtigen Schritt für sich selbst gewagt hatte, für andere ein gutes Vorbild sein zu können. Am darauffolgenden Tag brach die entschlossene Frau pünktlich auf, um ihre offizielle Kündigung persönlich zu überbringen. Nach dem gestrigen Auftritt dort, hatte wohl keiner ihrer Kolleginnen und Kollegen damit gerechnet, dass sie hier noch einmal aufkreuzen würde. Noch im Büro ihres Chefs rastete Lively völlig aus und feuerte ihm alles an den Kopf, was sich in den vergangenen Jahren in ihr aufgestaut hatte. Auch seine Affäre mit Amber brachte sie unverblümt auf den Tisch! Der Streit schaukelte sich hoch, bis sich beide stehend über den Schreibtisch gebeugt mit hochroten Gesichtern lauthals anbrüllten. Gewiss war es in dieser Zeit totenstill auf der gesamten Etage. Als Lively losgeworden war, was sie zu sagen hatte, schmiss sie die Bürotür von Thomas Black wütend hinter sich zu, raste zu ihrem Schreibtisch und schnappte sich im Vorbeigehen ihre Tasche. Auf der Höhe von Ambers Empfang grinste sie die verdutzt dreinblickende Blondine nur schief an und sagte schroff: „Schätzchen, der Weg ist frei, du kannst sofort anfangen, ich habe dir sogar meinen Computer angelassen! Allerdings ist mein Absatz höher als dein Niveau und ich trage Ballerinas. Beiß´ dir die Zähne daran aus, jetzt hast du endlich, was du wolltest! ”, zischte Lively und brauste schließlich davon.  

Pünktlich um dreiviertel acht wie an jedem Morgen, traf Lively auf dem Firmengelände ein. “Na? Du hast gestern ganz schön viel verbrannte Erde zurückgelassen”, sagte der Hausmeister, welcher sich auch an diesem Tag mit Streusalz auf der Treppe zum Bürokomplex umhertrieb. Dieses Mal blieb Lively stehen und grinste ihn frech an: „Das denke ich mir, dass das schnell die Runde gemacht hat, aber soll ich dir was sagen? Heute wird es noch besser! Ich bin nämlich kein Gefällt-mir-Button, den man drücken und wieder abschalten kann!“Mit diesen Worten und einem zuversichtlichen Lächeln auf den Lippen, machte sie auf dem Absatz kehrt und marschierte die Stufen hinauf zum Eingang in das Gebäude. Es war kein Zufall gewesen, dass Lively sich an diesem Tag ihre schwarze Lederjacke überstreifte. In dieser fühlte sie sich stark und unbeugsam und wusste, dass sie dieses Gefühl auch ausstrahlen würde. Und genau das konnte sie gleich gut gebrauchen, denn in den vergangenen Jahren hatte sich ihr Frust und die fiesen Attacken ihrer bissigen Kolleginnen und Kollegen vermehrt auf die Hüften gelegt. Mit ihren dunklen Stiefeletten und einer einfachen, dunkelblauen Jeans, den offenen, schulterlangen braunen Haaren, von denen sie nur ihren Pony mit einem Zwicker auf dem Scheitel bändigte und dem Kündigungsschreiben in der Hand, marschierte Lively geradewegs hoch in ihre Etage. Als die zielstrebige Frau die Tür zum Großraumbüro öffnete, war der Empfangstresen unbesetzt. In der hinteren, linken Ecke des langgezogenen Raumes, sah sie Amber an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz sitzen. Es war unschwer zu erkennen, dass diese abrupte Beförderung der Blondine gehörig zusetzte. Wahlloses Geklicke mit der Maus auf dem Bildschirm würde Livelys Kunden nicht lange zufriedenstellen können. Noch ehe sich die Löwin ein lautes “Guten Morgen” in die allgemeine Runde nicht verkneifen konnte, spürte Amber vermutlich die Blicke ihrer ehemaligen Rivalin in ihrem Rücken. Die Blondine drehte sich um und sah Lively wie auf frischer Tat ertappt völlig entgeistert an. Die übrigen Kollegen hingegen, reagierten völlig unterschiedlich. Manche von ihnen grüßten beiläufig zurück, da jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hatte, andere jedoch lachten unüberhörbar los, da sie genau zu wissen schienen, was als nächstes folgen würde.Dann wandte sich Lively zu ihrer Rechten um und steuerte siegessicher das Büro von Thomas Black an.

 

“Viel mehr, als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.” - Albus Dumbledore

 

„Und was steht bei meiner Business-Lady heute so auf dem Plan?”, neckte Joys Verlobter Trip die junge Frau liebevoll, während sie ihre allmorgendliche Tasse Tee tranken, bevor die Arbeit rief. Eines Tages setzte sich Joy in den Kopf, würde sie ihr eigenes Unternehmen gründen. Sie wollte etwas bewegen, ihre eigenen Fußabdrücke in dieser Welt hinterlassen. Zwar hätte sie so schnell weder das nötige Kleingeld noch das Knowhow für einen eigenen Laden aufbringen können, doch ein Online-Shop lag im Bereich des Möglichen und versprach am ehesten Joys oberstes Ziel erreichen zu können - Ausreichend Spenden für ihr Herzensprojekt zu sammeln. „Heute habe ich nach der Arbeit das Zeitungsinterview, von dem ich dir erzählt habe. Ich treffe mich mit diesem Mann in der Stadt und danach geht es heim”, sagte Joy ihm voller Stolz. „Ich bin gespannt was du erzählen wirst”, fieberte Trip mit seiner Liebsten mit. „Und ich erst! Mein erstes Zeitungsinterview ...Vor allem muss ich den Tag auf der Arbeit erst einmal rumbringen, ehe ich dorthin kann. Das nervt mich am meisten! Aber die gute Nachricht ist, wir haben uns in einem Kaffee verabredet. Ich will zusehen, dass ich etwas früher dort bin, um mich noch ein wenig auf das Interview vorzubereiten ”, erklärte Joy euphorisch.„Was willst du ihm denn erzählen?”, fragte Trip.„Ich möchte dem Reporter den Shop und die Hintergründe dazu vorstellen. Du weißt schon, weshalb ich das Image-Label gegründet habe und wem ich damit versuche zu helfen. „Vielleicht wird das mein großer Durchbruch und es kauft dann tatsächlich jemand etwas”, witzelte sie. Beide lachten lauthals los. Obwohl Joys Online-Shop professionell angelegt und mit ordentlichen AGBs versehen war, hatte sie nur wenige Produkte für potenzielle Käufer auf ihrer Plattform zur Verfügung. Mit jedem Artikel ging sie in Vorkasse, Erspartes hatte sie für ihre Schnapsidee nicht zur Verfügung, doch sie glaubte felsenfest daran, dass sie nicht nur ein ehrenwertes Ziel erreichte, sondern sich eines Tages auf diese Art und Weise auch ihren eigenen Traum erfüllen konnte.Von zu Hause und von überall auf der Welt aus, selbstständig zu arbeiten. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Büro war es für die Jungunternehmerin schließlich so weit. Der frühe Feierabend lockte und so packte Joy hastig ihre Habseligkeiten zusammen und verschwand noch einmal auf der Firmentoilette, um sich frisch zu machen. Den Journalisten, welchen sie gleich treffen werde, kannte die hoffnungsvolle, junge Frau nicht. Auf gut Glück hatte sie vor einer Woche alle lokalen Zeitungen und Magazine angeschrieben und um einen Artikel gebeten. Die meisten antworteten ihr nicht einmal. Ein netter Herr mailte Joy immerhin zurück, dass eine Veröffentlichung eines solchen Artikels aufgrund eines Werbegesetzes nicht ginge und der Mann, den sie heute treffen sollte, versprach ihr schließlich eine Art Lücke bezüglich des Spendenprojektes nutzen zu können, um einen Artikel in seiner Zeitung zu platzieren. Als künftige Business-Lady wollte Joy etwas darstellen und achtete dieses Mal bei der Kleiderwahl auf ein schlichtes, allerdings nicht zu legeres Outfit. Weiße Sneakers, eine gutsitzende, schwarze Jeans und eine gemusterte Bluse mit dreiviertel langen Ärmeln sollten ihrem Gegenüber verraten: Ich stehe mit meinen beiden Beinen auf dem Boden und lasse mir deshalb von niemanden sagen, wie ich zu laufen habe. Trotzdem puderte sie sich nicht nur die Nase. Innere Konflikte und ihre abhanden gekommene Leichtigkeit, um unbeschwert das Leben bestreiten zu können, hinterließen ihre Spuren. In Joys Fall zeichnete sich das durch eine nicht abklingende Akne in ihrem Gesicht ab. Ihr frisch aufgetragener, aprikotfarbener Lippenstift trug den Ton ihrer Bluse, ließ ihren Teint frischer aussehen und verlieh Joy ein wenig mehr Selbstbewusstsein. Einige Augenblicke später fand sich die junge Frau wartend, in der von ihr auserwählen Bäckerei in einer Kaffeeecke wieder. Hinter einer großen, weißen Tasse dampfenden Kaffees saß sie nervös, direkt am Fenster des neu gestalteten Bereichs ihrer Lieblingsbäckerei und beobachtete die vorbeigehenden Passanten.

„Sind Sie Josefine Miller?”, fragte eine angenehme Männerstimme und riss die Tagträumerin aus ihren Gedanken. Erschrocken fuhr sie herum und blickte in ein paar tiefblaue Augen.

„Ja, ich bin Josefine, aber nennen Sie mich gerne Joy”, stammelte sie zunächst, bevor sie sich aufrichtete und dem ihr noch Unbekannten die Hand reichte. „Freut mich, mein Name ist Steve Richardson, wir sind verabredet.“Beide nahmen Platz und Steve begann sofort aus dem Nähkästchen zu plaudern. Das beruhigte die zunächst noch nervöse junge Frau und er erzählte Joy wirklich einfach alles! Wie er zu seiner Leidenschaft, dem Schreiben gefunden hatte und in seinen wilden Zwanzigern für ein Klatschmagazin der Münchner High Society schrieb. Auch, weshalb es nach seiner Meinung ein Fehler seiner ersten Frau war, sich von ihm scheiden zu lassen und wie er jetzt die lokale Zeitung von Grund auf erneuern wolle. Joy hing an seinen Lippen. Sein gelocktes, dunkelbraunes Haar trug Steve gerade lange genug, um es in Form zu gelen. Auch hier sah man den silbrigen Schimmer, welcher seinen getrimmten Kinnbart schon zur Gänze hell strahlen ließ. Der Journalist kleidete sich lässig in Jeans und einem schlichten Hemd, unter dem sich die trainierten Arme markant hervorhoben. Joys wachsamen Augen fielen die kleinen, eingestickten Namen überteuerter Marken sofort auf und auch Steves lederne Halbschuhe stammten nicht von der Stange. Einen Ehering hatte sie ebenfalls bemerkt und so ließ sie sich mit einem Gefühl der Sicherheit, nicht von seiner versuchten Flirterei irritieren. „Das klingt ganz so, als seien Sie perfekt, um meine Botschaft nach außen zu transportieren, Steve”, versuchte Joy ihn nach einer halbstündigen Selbstbeweihräucherung allmählich auf ihren Artikel zu lenken. Steve Richardson stoppte seine zu ausführlich geschilderte Lebensgeschichte und sah ihr für einen Moment lang wortlos in die Augen. „Da haben Sie vollkommen recht, Joy. Bei mir sind Sie in guten Händen.“ 

 

Kapitel 3 

Vor der Bürotür ihres Noch-Chefs blieb Lively stehen. Sie hob ihren Arm an und hielt die Faust zum Anklopfen an der Tür bereit, ehe sie noch einmal tief ein- und ausatmete. Scheiß auf Glitzer und Glamour – auf ins Gefecht, dachte sie bei sich und wollte auf keinen Fall den Kürzeren ziehen.Schon gar nicht, wo sie haargenau wusste, dass Amber nur auf ihr Scheitern wartete! Lively hatte keine Angst vor dem, was nun kommen sollte. Sie wusste, ganz gleich was in diesem Raum passieren würde, ihr Mann stand bedingungslos hinter ihr und sie hatte einen Plan, wie es zukünftig für sie weitergehen sollte. Als die entschlossene Frau schließlich an der Tür von Thomas Black anklopfte, dauerte es nur einen Wimpernschlag, ehe auch an diesem Morgen ein dumpfes “Herein” zu hören war. Umgehend öffnete Lively die Tür, verschloss diese hinter sich und drehte sich zu Thomas Black um. „Aaaaahhhhh!”, stöhnte er etwas wehmütig auf und ließ sich mit verschränkten Armen an seinem Hinterkopf in die Stuhllehne sinken. „Tja”, begann Lively, während sie schlendernd und mit einer typischen Geste und dem Kündigungsschreiben in der Hand auf ihn zu kam. „Ich nehme an, das haben Sie sich schon gedacht”, sagte sie keck und streckte ihm die Mappe mit dem Kündigungsschreiben entgegen. „Ich reiche hiermit meine Kündigung ein.” Livelys Worte ließen keinen Spielraum für Verhandlungen. Sie klang ruhig, sachlich und vor allem bestimmend. Thomas Black nahm eine aufrechte Haltung an und griff anstandslos nach der von Lively mitgebrachten Mappe. Doch, ehe er mit der zweiten Hand diese ergriff, um den Inhalt zu studieren, zückte er seine Lesebrille. Thomas Black setzte sie sich auf die Nase und hielt das Papier mit dem auf seinem Schreibtisch aufgestützten Ellbogen noch immer ungelesen fest und blickte zu Lively hinauf. „Und daran kann ich auch wirklich nichts mehr ändern? Ich lasse Sie nur ungerne gehen, Sie haben immer gute Arbeit geleistet”, sagte er aufrichtig. „Nein, ich habe großartige Arbeit geleistet und der einzige Grund, weshalb Sie nicht möchten, dass ich gehe, ist, weil ich gerade beim Reinkommen ins Büro gesehen habe, wie hilflos die arme Amber mit meiner Arbeit ist!” Thomas Black verschluckte sich nahezu. Mit solch direkten Worten seiner Noch-Angestellten hatte der Unternehmer offenbar nicht gerechnet. Auch Lively war im ersten Moment von sich selbst überrascht, doch sie ließ sich nichts anmerken und stand selbstsicher und unnachgiebig vor dem Schreibtisch ihres Bosses. „Das dürfen Sie so nicht sagen, denn...”, fing er an zu stammeln.„Doch“, unterbrach ihn Lively. „Das ist meine Meinung und die müssen Sie jetzt auch nicht beschönigen.” Für einen kurzen Augenblick überlegte die überzeugte Mutter, wie weit sie gehen sollte. Schließlich fuhr sie fort: „Es weiß hier ohnehin jeder was abgeht, ich habe meine Entscheidung getroffen und wir können das jetzt sachlich über die Bühne bringen, oder auch nicht, das liegt nun ganz bei Ihnen!”, sagte sie straight. Mit diesen Worten setzte Lively ihrem Chef Thomas Black das Messer auf die Brust. „Sie können nicht von mir erwarten, dass ich das jetzt einfach so hinnehme“, presste er hervor.Sein Gesicht wurde verdrießlich und die Stirn von Livelys Chef legte sich in Falten. Er versuchte einer Eskalation eindeutig aus dem Weg zu gehen, doch es schien ihm schwer zu fallen. „Ich einige mich gerne gütlich mit Ihnen, aber Sie können nicht einfach mit solchen Anschuldigungen um die Ecke kommen und von mir erwarten, dass ich das Ganze einfach so abnicke”, entgegnete er ihr. „Was denn für Anschuldigungen?”, fragte Lively übertrieben überrascht. „Es ist doch kein Wunder, dass Amber meine Kunden nicht bedienen kann! Sie hat Tag ein, Tag aus nichts mit der Gestaltung deren Aufträge am Hut gehabt.Selbst, wenn sie wollte, könnte sie sich das alles nicht selbst beibringen, schon gar nicht von heute auf morgen”, erklärte Lively ihrem um Fassung ringenden Chef. Die Anschuldigungen bezüglich seiner Affäre ließ sie dabei natürlich provokant außen vor.Allerdings wussten beide, dass es hier nicht nur um die Aufgabenverteilung, oder seine Liebelei mit Amber ging, sondern um die noch immer im Raum stehende, schlechte Anmache, man könnte gar sagen Nötigung, die er sich Lively gegenüber vor ein paar Jahren geleistet hatte.„Scheinbar haben Sie nicht vor noch einen Tag länger hier zu arbeiten.Haben Sie überhaupt genügend Resturlaub, um ab dem heutigen Tag nicht mehr ins Büro kommen zu müssen?”, fragte Thomas Black und sah sie spitzfindig an. „Mehr als das. Ich habe sogar genügend Überstunden und Resturlaub, um rein theoretisch bis Mitte April von heute an zuhause bleiben zu können”, entgegnete sie ihm vorbereitet.

„Ja, Schatzi?”, erklang die vertraute Männerstimme am anderen Ende des Hörers.Lively hatte noch auf dem Nachhauseweg, unmittelbar nach ihrer Kündigung, ihren Mann anrufen müssen. Sie konnte auf keinen Fall bis zum Abend warten. „Es ist unfassbar, was dieser gönnerhafte Arsch sich erlauben wollte!”, polderte sie über ihre Freisprechanlage im Auto direkt los. „Wieso, was hat er denn gesagt?”, fragte Floyd nach. „Erst hat er so getan wie, er könne es ja eh nicht mehr ändern, dass ich kündige.Dabei wusste dieser Mistkerl genau, dass ich nur reinkomme, um meine Kündigung abzugeben. Dann hat er trotzdem versucht mich einzuwickeln und am Ende kam er mir sogar mit meinen Urlaubstagen, ob sie denn überhaupt reichen würden!”, wetterte sie in den Lautsprecher. „Die reichen locker bis Mitte April, allein die Überstunden, die du für deinen Stammkunden zu Weihnachten aufgebaut hast, sind unbezahlbar”, gab Floyd zurück. “Klar! Das hab ich ihm auch um die Ohren geballert, dem aufgeblasenen Affen!Er spielte dann auf Amber an, weil die nämlich absolut nichts checkt, das ist mir schon klar, aber ganz ehrlich, das ist nicht länger mein Problem.Sie wollte unbedingt die wichtigen Aufgaben haben – bitte, die hat sie jetzt!” Lively hielt an einer roten Ampel an und untermalte ihre barschen Worte mit entsprechenden Gesten und fuchtelte wild mit ihren Händen hinter dem Steuer umher. Ein junger Kerl, der an der roten Ampel auf der Spur neben ihr hielt, bekam zusätzlich ihren Zorn ab, als dieser versehentlich länger als drei Sekunden zu der aufgebrachten Frau hinübersah. „Und wenn der Typ jetzt noch länger so blöd glotzt, dann steig ich aus und frag ihn, ob er vielleicht ein Passbild von mir will!”, schimpfte sie. Es dauerte nicht lange, da lachte Lively auch schon wieder über sich selbst und ließ den irritierten Mann an sich vorüberfahren, ehe sie den ersten Gang einlegte und bei grünweiterfuhr. „Und wie seid ihr also verblieben?”, fragte Floyd schließlich. „Naja ich bin ab jetzt freigestellt und scheide offiziell Ende März aus der Firma aus”, berichtet sie stolz. „Und deine restlichen Tage lässt du dir ausbezahlen?”, hakte Floyd nach. Lively schnaufte: “Nein. Ich habe mich leider etwas zu arg in Rage geredet und ihm sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und das Verhältnis mit Amber noch einmal vorgeworfen …Naja, dafür dass ich damals keine Anzeige erstattet habe und so weiter, habe ich mich ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt und schließlich gesagt, er soll sich die restlichen Tage in die Haare massieren, die er nicht mehr hat, weil ich ihm nichts schuldig sein will. Ich will endlich meine Ruhe vor diesem Widerling!”, keifte sie weiter.„Das hast du ihm nicht so gesagt, oder?”Floyds Stimme klang durchaus fragend, doch Lively konnte seine skeptisch angehobene Augenbraue seinem Tonfall entnehmen.„Indirekt, schon”, gab sie naserümpfend zurück. „Du hättest ihm nicht deine Tage schenken sollen, er hat Mist gebaut und als Chef versagt. Du hast dir über Weihnachten den Allerwertesten aufgerissen dafür, dass er dich als Arbeitgeber so enttäuscht hat, und dann schenkst du ihm auch noch deine Überstunden?” Floyd, der bis dahin noch ruhig und gelassen reagierte, wurde zunehmend ungehaltener. Lively blieb still und sammelte sich für einen Augenblick. „Ich weiß Schatzi, aber es ist mir so rausgerutscht. Ich weiß, dass ihr viel über Weihnachten meinetwegen aushalten musstet, aber jetzt kann ich abschließen und muss keinen einzigen Gedanken mehr an diesen mistigen Verein verlieren. Das ist es mir wert”, entgegnete sie ihm schließlich und fuhr auf die Hauptstraße in Richtung Heimat.„Gut, wenn das so ist, dann halte ich ab sofort den Mund”, antwortete Floyd und akzeptierte die Beweggründe seiner Frau.Bevor Lively zuhause ankam war sie bereits der Meinung, dass ein geschriebenes Buch über ihre Erlebnisse längst nicht ausreichend würde, um anderen ihre Hilfe zukommen zu lassen. Sie wollte mehr tun, um Frauen eine Stütze zu sein, die vielleicht nicht einen solchen verständnisvollen Mann an ihrer Seite hatten und ähnliches durchmachen mussten. In ihrem Kopf begann es zu arbeiten. 

Interessiert reckte Joy den Hals nach dem smarten Journalisten. Während dieser seine bestellte Tasse Kaffee aufnahm und zum Trinken ansetzte, verfiel die junge Frau für einen Augenblick seinem Esprit. Es war, als trinke er die Leichtigkeit des Lebens selbst, obwohl Steve tatsächlich bei der Arbeit war. Entzückt von diesem berauschenden Gefühl und dem Wunsch, zu eben jener gelebten Leichtigkeit eines Tages zurückzufinden, ließ sich Joy auf den Moment ein und begann ausschweifend zu erzählen. „Den Online-Shop gründete ich zum einen aus dem Wunsch heraus, eines Tages selbstständig und ungebunden arbeiten zu können, aber auch um den vielen Ideen in meinem Kopf eine Plattform zu schenken.

---ENDE DER LESEPROBE---