Lebensstrahlen: Science-Fiction-Roman - Hans Dominik - E-Book

Lebensstrahlen: Science-Fiction-Roman E-Book

Hans Dominik

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Beschreibung

Hans Dominiks Buch 'Lebensstrahlen: Science-Fiction-Roman' entführt den Leser in eine futuristische Welt, in der Wissenschaft und Technologie im Mittelpunkt stehen. Der Roman ist in einem klaren und präzisen Stil geschrieben, der es dem Leser ermöglicht, sich leicht in die komplexe Handlung einzufinden. Dominik, ein Pionier des deutschen Science-Fiction-Genres, präsentiert in diesem Werk seine Vision einer Gesellschaft, die von Strahlenenergie geleitet wird. Durch die detaillierte Beschreibung von Technologie und gesellschaftlichen Strukturen schafft der Autor eine faszinierende Welt, die den Leser zum Nachdenken anregt. Mit 'Lebensstrahlen' knüpft Dominik an die Tradition der utopischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts an, die durch ihre kühnen Visionen und wissenschaftlichen Spekulationen geprägt ist. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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EPUB
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Seitenzahl: 149

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Hans Dominik

Lebensstrahlen: Science-Fiction-Roman

Bereicherte Ausgabe.
Einführung, Studien und Kommentare von Friederike Adler
Bearbeitet und veröffentlicht von Musaicum Press, 2017

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Lebensstrahlen: Science-Fiction-Roman
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Im Zentrum dieses Romans steht die elektrisierende Frage, ob ein einziges technisches Prinzip, fähig, die Grundlagen des Lebens zu beeinflussen, zum Segen einer Menschheit im Aufbruch werden kann – oder, entfesselt durch Ehrgeiz, Konkurrenz und politische Begehrlichkeiten, die fragile Balance von Fortschritt, Ethik und Macht zerstört, indem es Heilung, Kontrolle und Zerstörung zugleich denkbar macht und damit jene Spannungen freilegt, die entstehen, wenn wissenschaftliche Vision auf ökonomischen Nutzen, staatliche Interessen und die allzu menschliche Versuchung trifft, Grenzen zu überschreiten, bevor Verantwortung, Maß und Öffentlichkeit die Sprache einer neuen Möglichkeit wirklich erlernt haben.

Lebensstrahlen ist ein Science-Fiction-Roman des deutschen Autors Hans Dominik und entwirft sein Szenario vornehmlich in einem europäischen Umfeld aus Laboratorien, Industrieanlagen und Konferenzzimmern. Das Buch gehört zur technisch-utopischen Erzähltradition der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und erschien zunächst im deutschsprachigen Raum; es greift die damalige Aufbruchsstimmung gegenüber Naturwissenschaft und Ingenieurkunst auf, ohne seine Handlung auf ferne Planeten zu verlagern. Stattdessen nutzt Dominik vertraute Schauplätze, um die Verheißung und Gefährdung einer neuartigen Strahlen-Technologie vorzuführen. Damit verortet das Werk die Spekulation über zukünftige Möglichkeiten konsequent in realweltlichen Institutionen, Märkten und nationalen Interessen.

Zu Beginn zeichnet der Roman die Annäherung an ein physikalisches Phänomen nach, dessen besondere Wirkung auf organische Prozesse bald die Aufmerksamkeit von Erfindergeist, Kapital und Politik bindet. Forschende und Techniker erkunden experimentell, was die neue Strahlung vermag, während Nachrichten über erste, noch vorläufige Erfolge Erwartungen und Befürchtungen zugleich schüren. Firmen wittern Anwendungsfelder, Behörden formulieren Auflagen, Konkurrenten suchen nach Vorsprung. Die Handlung entfaltet sich entlang dieses Spannungsbogens: wissenschaftliche Neugier prallt auf Verwertung, Sicherheitsdenken und Prestige, und die Frage, wer Kontrolle und Deutungshoheit erlangt, wird zur treibenden Kraft hinter Entscheidungen, Allianzen und riskanten Beschleunigungen.

Stilistisch setzt Dominik auf eine klare, erklärende Erzählweise, die technische Zusammenhänge zugänglich macht und zugleich Spannung aus Aufbau und Konsequenzen der Experimente gewinnt. Beschreibungen von Apparaturen und Verfahren sind prägnant, die Szenen wechseln zwischen Labor, Besprechungsraum und Öffentlichkeit, und das Tempo bleibt hoch, ohne die didaktische Komponente zu verlieren. Der Ton ist ernst, zuweilen pathetisch in seiner Bewunderung für Ingenieurskunst, aber geerdet durch pragmatische Detailfreude. So entsteht ein Leseerlebnis, das rationale Neugier belohnt, die Risiken mitdenken lässt und die Faszination des Machbaren gegenüber den Anforderungen verantwortlichen Handelns fortwährend gegeneinander ausbalanciert.

Zentrale Themen sind Verantwortlichkeit in der Forschung, der Umgang mit Dual-Use-Potenzialen und die Aushandlung von Eigentum an Wissen. Der Roman fragt, ab wann Schutz und Geheimhaltung geboten sind und wo Offenheit als Korrektiv wirkt. Er verhandelt das Verhältnis von Individuum und System: idealistische Tüftler stehen neben Akteurinnen und Akteuren, die Rendite, Prestige oder strategischen Vorteil priorisieren. Ebenso präsent sind Medienöffentlichkeit und politische Rahmensetzung, die Wahrnehmungen formen und Handlungsspielräume verschieben. In der Summe zeigt das Buch, wie technische Innovation nicht isoliert existiert, sondern an soziale, ökonomische und kulturelle Strukturen gebunden bleibt.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt Lebensstrahlen relevant, weil seine Fragen nach Kontrolle, Nutzen und Risiko sich in aktuellen Debatten über Biotechnologie, künstliche Intelligenz, neue Energiequellen oder medizinische Verfahren spiegeln. Das Motiv einer Entdeckung mit heilendem wie instrumentalisierbarem Potenzial verweist auf die Notwendigkeit belastbarer Governance, internationaler Kooperation und transparenter Bewertung von Folgen. Zugleich eröffnet der Roman einen Blick auf die Frühphase technikzentrierter Erzählkulturen, deren Vorstellungen von Fortschritt, Wettbewerb und Sicherheit bis in die Gegenwart wirken. Er lädt dazu ein, Verantwortung nicht als Hemmnis, sondern als Voraussetzung nachhaltiger Innovation zu begreifen.

Wer sich auf diese Lektüre einlässt, erhält zugleich Unterhaltungsroman und Zeitdokument: eine straighte, auf Wirkung gerichtete Handlung, getragen von technischer Fantasie, und ein Spiegel der Wertvorstellungen einer Epoche, deren Sprache und Perspektiven heute stellenweise als überholt oder normativ erscheinen können. Gerade in dieser Mischung liegt der Reiz, denn sie fordert zur kritischen Einordnung auf, ohne die erzählerische Sogkraft zu brechen. Lebensstrahlen dient als gedankliches Laboratorium, in dem die Möglichkeiten und Gefahren einer Erfindung durchgespielt werden – anregend und lehrreich für alle, die über das Wie und Wozu technologischen Fortschritts nachdenken möchten.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Der Science-Fiction-Roman Lebensstrahlen von Hans Dominik entwirft das Szenario einer neuartigen Strahlenform, die Lebensprozesse anregen und steuern kann. Ausgehend von nüchterner Forschung entwickelt sich aus einem Laborphänomen eine Vision von Heilung, gesteigerter Fruchtbarkeit und technischer Beherrschbarkeit des Organischen. Früh stellt der Text die leitenden Fragen: Wer darf über eine derart mächtige Entdeckung verfügen? Welche Risiken entstehen, wenn Energie, Medizin und Wirtschaft ineinandergreifen? Das Werk baut seine Spannung aus der Kombination aus naturwissenschaftlicher Faszination und gesellschaftlicher Angreifbarkeit. Zentrale Konfliktlinien werden markiert, noch bevor sich die Erfindung über das Experimentierstadium hinaus in die Öffentlichkeit wagt.

Die Handlung folgt zunächst den methodischen Versuchen eines Forscherteams, das die Strahlen kontrolliert erzeugt und messbar macht. Gelungene Anwendungen an Pflanzen und Tieren lassen medizinische, landwirtschaftliche und energietechnische Perspektiven aufscheinen. Diese Phase unterstreicht die Ingenieurslogik: Beweise, Skalierung, Standardisierung. Der erste Wendepunkt tritt ein, als ein überzeugender Nachweis in größerem Rahmen gelingt und wirtschaftliche Kreise sowie staatliche Stellen das Projekt für sich beanspruchen. Zwischen offener Publikation, Patentschutz und Geheimhaltung entsteht ein Spannungsfeld, das die ursprünglich wissenschaftliche Agenda verschiebt. Die Forschenden müssen entscheiden, in welchem Rahmen sie Kooperation zulassen, ohne das eigene Ziel aus den Händen zu geben.

Mit der wachsenden Aufmerksamkeit mehren sich Gegenkräfte: Konkurrenten versuchen, das Verfahren zu kopieren, und undurchsichtige Interessen nähern sich über Umwege an das Labor. Die Doppelnatur der Lebensstrahlen – Heilmittel und potenzielles Machtinstrument – tritt nun deutlich zutage. Ein unautorisierter Einsatz in einem abseits überwachten Versuchsfeld erzeugt unerwartete Nebenwirkungen und ruft die Presse auf den Plan. Der zweite Wendepunkt markiert sich durch die Verschiebung von einer rein technischen zu einer gesellschaftspolitischen Debatte: Es geht nicht mehr nur um Machbarkeit, sondern um Verantwortung, Haftung und Kontrolle. Zugleich werden die Forschenden angreifbar, weil sie zwischen Öffentlichkeit und Geheimhaltung lavieren.

Die Befürworter der Technologie versuchen, methodische Grenzen und Sicherheitsregeln festzuzurren, während politische und wirtschaftliche Akteure rasche Erfolge verlangen. Ein konkurrierendes Team kündigt eine eigene Version an und nutzt die öffentliche Ungeduld, um Unterstützung zu mobilisieren. Der dritte Wendepunkt entsteht aus dem Kampf um Deutungshoheit: Wer bestimmt, ob die Lebensstrahlen Heilmittel, Produkt oder strategische Ressource sind? Zwischen Gremien, Interessenvertretern und Behörden gerät das ursprüngliche Forschungsziel unter Druck. Persönliche Loyalitäten werden getestet, denn jede Entscheidung über Zugang und Tempo birgt das Risiko, Entdeckung, Vertrauen und Einfluss zugleich zu verspielen und der Gegenseite das Feld zu überlassen.

Eine groß angelegte Erprobung soll schließlich beweisen, dass Verfahren und Schutzmechanismen beherrschbar sind. Doch der Test gerät unter ungünstigen Vorzeichen in Schieflage: technische Störungen, mögliche Sabotage und widersprüchliche Befehlswege treffen zusammen. Die Folge ist kein vollständiger Absturz, aber ein erheblicher Vertrauensverlust. Regulatorische Eingriffe, interne Zerwürfnisse und öffentliches Misstrauen verengen den Handlungsspielraum der Beteiligten. Der Schwerpunkt verschiebt sich vom Erfinden zum Bewahren, vom Beschleunigen zum Absichern. Die Episode fungiert als Mahnung, dass auch nützliche Kräfte in komplexen Umgebungen unvorhersehbar reagieren können und dass Kontrolle nicht allein eine Frage der Apparatur ist.

Darauf folgt eine Phase des Neuordnens: Leitplanken werden verhandelt, Zugänge beschränkt und Einsatzfelder priorisiert. Der Kompromiss sieht eine schrittweise Nutzung der Lebensstrahlen in klar begrenzten, humanitären Anwendungen vor, flankiert von Transparenz- und Aufsichtspflichten. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, weil einzelne Akteure versuchen, die Regeln zu dehnen oder in andere Jurisdiktionen auszuweichen. Für die Erfinder bedeutet dies, zwischen Rückzug und gestaltender Verantwortung zu wählen. Sie suchen Allianzen, um eine drohende Aufrüstungsspirale zu verhindern, ohne den Fortschritt zu ersticken. Der Handlungskern verlagert sich damit auf Governance, Vertrauen und internationale Verständigung. Die Zukunft der Entdeckung hängt fortan weniger von technischen Durchbrüchen als von tragfähigen Regeln ab.

Im Schlussdrittel schärft der Roman seine übergreifende Aussage: Fortschritt ist ambivalent und gewinnt Sinn erst im Rahmen gemeinsamer Maßstäbe. Die Lebensstrahlen stehen sinnbildlich für die Verlockung, Leben vermeintlich grenzenlos steuern zu können, und zugleich für die Gefahr, gesellschaftliche Bindungen der Vernunft zu unterlaufen. Ohne die entscheidenden Auflösungen vorwegzunehmen, lässt der Text offen, wie dauerhaft sich Interessen zähmen lassen. Nachhaltig wirkt das Werk, weil es technische Faszination mit der Frage nach Verantwortung, Maß und Mäßigung verschränkt. Es bleibt als warnend-zuversichtliches Panorama in Erinnerung, das Gestaltungsmacht bejaht und unbedachte Hybris deutlich in Schranken weist.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Lebensstrahlen, ein Science-Fiction-Roman von Hans Dominik, erschien in Deutschland während der NS-Zeit; sein Hintergrund reicht in die späten Weimarer Jahre. Zentrum der technologischen Imagination war vor allem Berlin mit Hochschulen, Laboren und Verlagen. Prägende Forschungsträger waren die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (seit 1911), Technische Hochschulen wie Berlin-Charlottenburg und München sowie die 1920 gegründete Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft. Die Reichsrundfunkgesellschaft (1925) und Industrieunternehmen wie AEG und Siemens popularisierten Technik. Im Kulturbetrieb wirkten der Hugenberg-Konzern mit dem Scherl-Verlag und ab 1933 das Propagandaministerium lenkend auf Produktion, Themenwahl und Reichweite von populärwissenschaftlicher und unterhaltender Literatur.

Der Roman knüpft an einen breiten naturwissenschaftlichen Kontext um Strahlung an. Seit Wilhelm Conrad Röntgens Entdeckung der X‑Strahlen 1895, Henri Becquerels Nachweis der Radioaktivität 1896 und der Radiumforschung von Marie und Pierre Curie (ab 1898) prägten Strahlen die medizinische und populäre Vorstellungskraft. Der Däne Niels R. Finsen erhielt 1903 den Nobelpreis für Lichttherapie; in Deutschland verbreiteten sich Quarzstrahler und Höhensonnen von Herstellern wie Heraeus in Kliniken, Sanatorien und Privathaushalten der 1920er und 1930er Jahre. Begriffe wie Licht- und Heilstrahlen kursierten in Werbung, Kurwesen und populärer Wissenschaft – ein Resonanzraum, in dem „Lebensstrahlen“ als Titel unmittelbar verständlich wirkte.

Die Popularisierung solcher Themen verlief über Ausstellungen, Medien und Vereine. Die 1924 gestartete Berliner Funkausstellung, das Deutsche Museum in München und Vortragsreihen des Vereins Deutscher Ingenieure boten technische Schaufenster. Illustrierte und Verlagsreihen verbreiteten Zukunftsromane in hohen Auflagen. Hans Dominik, Ingenieur und Publizist, zählte in den 1920er und 1930er Jahren zu den meistgelesenen Autoren technischer Romane in Deutschland; viele seiner Bücher erschienen im Scherl-Verlag des Hugenberg-Konzerns. „Lebensstrahlen“ steht in dieser Linie: ein erzählerisches Vehikel, das aktuelle Forschungsdiskurse bürgernah aufgreift und mit plausibilisierenden Details versieht, um sie als Ingenieursleistung und als greifbare Alltagszukunft vorzustellen.

Interwar-Phantasien über Strahlen als Waffe und Allzwecktechnik bildeten einen weiteren Hintergrund. Zeitungen berichteten wiederholt über vermeintliche „Todesstrahlen“; 1934 kursierten international Pressemeldungen über Nikola Teslas angebliche Strahlenwaffe. Kino und Groschenhefte spielten mit unsichtbaren Energien, Heil- und Zerstörungsstrahlen. Diese Motive erleichterten es Autoren, wissenschaftliche Stichworte erzählerisch zu bündeln. „Lebensstrahlen“ kontrastiert solche Drohkulissen, indem es eine nach innen gerichtete, lebensbezogene Strahlentechnik ins Zentrum stellt, ohne die Konkurrenz- und Sicherheitslogik seiner Zeit aus dem Blick zu verlieren. Die Anknüpfung an reale Forschungssprachen verlieh dem Stoff Plausibilität, die narrative Rahmung als Zukunftsroman sorgte für Distanz zur Laborrealität.

Die politische Rahmung des Romans ist die Diktatur nach 1933, die Wissenschaft und Körperpolitik eng verband. Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (1933), „Volksgesundheit“-Kampagnen, Sport- und Sonnenkultur sowie Organisationen wie „Kraft durch Freude“ ordneten Gesundheit kollektiv. Parallel forcierte das Regime mit dem Vierjahresplan (ab 1936) Autarkieprojekte und lenkte Forschung in nationale Prioritäten. Der öffentliche Diskurs verknüpfte damit Heilserwartungen an Technik. Vor diesem Hintergrund lag eine Erzählung nahe, in der kontrollierte Energie Lebensprozesse beeinflusst und zugleich als Ressource nationaler Stärke gedacht wird – eine Konstellation, die die Rezeptionslage von „Lebensstrahlen“ wesentlich bestimmte.

Auch der Literaturbetrieb wurde gleichgeschaltet. Die 1933 geschaffene Reichsschrifttumskammer regelte Berufszugehörigkeit und Publikationschancen von Autorinnen und Autoren; Verlage und Themenfelder wurden politisch gesichtet. Der Hugenberg-Konzern, zu dem der Scherl-Verlag gehörte, war bereits vor 1933 ein meinungsbildender Medienblock und blieb in der NS-Zeit ein wichtiger Faktor. Dominiks technische Romane passten in ein marktgängiges Segment, das Unterhaltung mit technologischer Aufklärung verband und nationale Leistungsfähigkeit feierte. „Lebensstrahlen“ erreichte so ein Massenpublikum, das an technikfreundliche Stoffe gewöhnt war und sie als Bestätigung industrieller und wissenschaftlicher Modernität in deutscher Prägung las.

Der wissenschaftliche Kontext war von Brüchen geprägt. 1933 verloren zahlreiche Forschende jüdischer Herkunft oder politischer Opposition ihre Stellen; Albert Einstein, Max Born und viele andere emigrierten. Gleichzeitig gewannen anwendungsnahe Felder – Optik (Zeiss), Elektrotechnik (Siemens, AEG), Chemie (IG Farben), Radiologie in Krankenhäusern – an staatlicher Unterstützung und industrieller Dynamik. Zu den kulturpolitischen Konflikten zählte der Angriff der „Deutschen Physik“ auf die Relativitätstheorie, während die Instrumenten- und Medizintechnik pragmatisch vorangetrieben wurde. Ein Roman, der Strahlung als lebensdienliche Ressource erzählt, spiegelt diese Spannung zwischen ideologischer Engführung und technisch-ökonomischer Zweckrationalität.

Im Ergebnis fungiert „Lebensstrahlen“ als Kommentar zu einer Epoche, die auf die Wirkmacht von Energie, Ingenieurkunst und Organisation setzte. Der Roman nutzt die Vertrautheit des Publikums mit Strahlenforschung, Lichttherapie und medialen Strahlenmythen und übersetzt sie in eine Erzählung technologischer Verfügbarkeit. Typisch für Dominiks Werk sind dabei technischer Optimismus, die Aufwertung des Ingenieurberufs und Szenarien internationaler Konkurrenz; sie rahmen die Handlung als zeitgenössische Selbstvergewisserung. Ohne umfangreiche inhaltliche Vorwegnahmen lässt sich festhalten: „Lebensstrahlen“ macht die Hoffnungen und Hierarchien seiner Entstehungszeit sichtbar und wird so zur literarischen Quelle für Mentalitäten der deutschen Zwischen- und NS-Zeit.

Lebensstrahlen: Science-Fiction-Roman

Hauptinhaltsverzeichnis
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII

I

Inhaltsverzeichnis

Ein Wirtshaus am Wege, wie viele zwischen deutschen Bergen stehen[1q]. Schräg fielen die Strahlen der Abendsonne in den Gastraum und spielten über weißgescheuerte Tische. Hinter seiner Theke war der Wirt beschäftigt, Gläser auszuspülen, als die Tür aufging.

»’nen Abend, Schöne!« sagte ein älterer Mann, der mit einem ziemlich umfangreichen Einholekorb in der Rechten über die Schwelle schlurfte.

»’nen Abend, Michelmann!« erwiderte der Wirt den Gruß. Der Alte setzte seinen Korb ab, ließ sich auf einen Stuhl fallen und zog ein rotgeblümtes Tuch aus der Tasche, mit dem er sich die Stirn trocknete.

»Reichlich warm heute, Schöne«, meinte er, während der Wirt einen Schoppen Wein vor ihn hinstellte. »Will mein Rad hierlassen. Ist genug, wenn ich den Korb den Berg ’raufschleppe.«

»Recht so, Gustav. Kannst es in den Ziegenstall stellen«, sagte der Wirt und setzte sich zu ihm. Übrigens hör mal! Da waren vorhin ein paar Gäste hier, die schienen es mal wieder auf euch abgesehen zu haben.«

»Hm! … Wieso?« fragte Michelmann.

Schöne setzte eine überlegene Miene auf. »Stadtvolk, Automobilisten; kehren hier ein, tun so, als ob sie ihre Karte studierten, fragen mich allerlei, bringen dabei die Rede auf die Eulenburg und euren Doktor! Na, ich weiß doch Bescheid, Gustav.«

Michelmann nahm einen Schluck aus seinem Glas. »Du meinst, Otto, die wollen wieder …«

»Glaube nicht, daß ich mich geirrt habe. Die vom Gut drüben spitzen sich doch immer noch auf euren Wald. Kann’s ihnen nicht mal verdenken; er springt verflucht unbequem in ihre Jagd ’rein.«

»Könnte denen so passen!« knurrte Michelmann vor sich hin. »Wird aber nichts draus, Otto. Ist uns gerade recht so, wie’s ist. Unser Doktor will bei seinen Arbeiten ungestört sein. Die sollen ihre Hasen sonstwo schießen.«

Schöne lachte. »Kann’s mir denken. War ein rechter Schabernack von dem alten Baron, dem Doktor Eisenlohr die Burg mit dem Bergwald zu vermachen, während die andern das Gut bekamen. Ließ sich aber nichts gegen machen, haben das Testament vergeblich angefochten. Na, da seht man zu, Gustav, daß ihr euch den neuen Besuch vom Halse schafft.«

»Was sagst du, Otto …?« Michelmann setzte das eben erhobene Glas wieder auf den Tisch. »Du meinst, die wollen unserm Doktor auf die Burg rücken?«

Schöne nickte. »Sahen mir ganz danach aus, als ob sie’s heut noch vorhätten. Schienen entschlossene Kerle zu sein. Agenten, weißt du, Gustav, von der Sorte, die so leicht nicht locker läßt. Würde mich nicht wundern, wenn sie schon auf dem Wege wären!«

»I der Dunner! Da soll doch –« Michelmann war aufgesprungen. »Da muß ich dem Doktor ja Bescheid sagen …«

»Wäre kein Fehler, Gustav. Tu’s man gleich.«

Während der Wirt es sagte, deutete er nach der Ecke, in der das Telephon[1] hing. Michelmann nahm den Hörer ab, hatte ein kurzes Gespräch.

»Ist heut nicht viel bei dir los, Otto«, meinte er, während er sich wieder an den Tisch setzte.

»Erntewetter, Gustav. Ist alles draußen auf den Feldern. Wollen ihr Korn trocken ’reinkriegen.« Der Wirt deutete dabei auf ein Fenster, durch das hochbeladene Erntewagen zu sehen waren, die von den Äckern der Landstraße zustrebten, während allmählich die Dämmerung hereinbrach.

Michelmann nickte. »Na ja! Das holen sie später alles wieder nach, wenn das Erntebier bei dir ist …« Er fing an von früheren Erntefesten zu erzählen, doch Schöne hörte nur mit halbem Ohr zu.

»Eine Ruhe hast du, Gustav!« unterbrach er ihn schließlich. »Du sitzt hier so gemütlich bei deinem Schoppen, während die Brüder vielleicht schon im Anmarsch sind. Wär’s nicht besser, wenn du dich ein bißchen um sie kümmertest?«

Michelmann schüttelte den Kopf. »Überflüssige Sorge, Otto. Der Doktor ist gewarnt …«

»Trotzdem, Gustav«, fiel ihm Schöne ins Wort. »Ich sage dir, das ist eine zähe Gesellschaft; die läßt sich so leicht nicht abweisen.«

»Wird auch nicht nötig sein. Wenn der Doktor nicht will, kommt kein Mensch den Berg ’rauf. Die werden ihr blaues Wunder erleben, wenn sie’s trotzdem versuchen.«

»Na, na! Der Weg ist doch schließlich nicht zu verfehlen«, meinte Schöne zweifelnd. Er sprach und fragte noch weiter, aber seine Bemühungen, etwas Näheres zu erfahren, waren vergeblich. Michelmann wurde immer verschlossener und empfahl sich, nachdem er sein Glas geleert hatte. Es war bereits völlig dunkel, als er ins Freie trat.

»Halsundbeinbruch, Gustav!« rief ihm Schöne nach.

»Danke, danke, Otto!« Michelmann schlug einen von der Landstraße abgehenden Seitenweg ein, während er den Lichtkegel einer Taschenlampe vor sich hin spielen ließ. –

Der Gastwirt Schöne hatte sich eben wieder hinter seine Theke zurückgezogen, als ein neues Geräusch ihn aufhorchen ließ. Ein Kraftwagen hielt draußen.

Kommen die Brüder von vorhin schon wieder zurück? ging’s ihm durch den Kopf, als die Tür zur Gaststube geöffnet wurde. Zwei Männer kamen herein, aber die Leute, von denen er vor kurzem dem alten Michelmann berichtet hatte, waren es nicht. Auf Ausländer taxierte Schöne sie beim ersten Blick. Der eine, schmächtig, quecksilbrig, brünett, mochte wohl ein Südländer sein, Italiener oder Franzose; den andern, blondhaarig und lang, schätzte der Wirt als einen Engländer oder Amerikaner ein. In einem ziemlich glatten Deutsch bestellte der Dunkelhaarige für sich und seinen Gefährten etwas zu trinken. Schöne brachte das Gewünschte und machte sich danach hinter seiner Theke zu schaffen. Er war begierig, etwas über Nam’ und Art der neuen Gäste zu erlauschen, aber zu seinem Leidwesen führten sie die Unterhaltung unter sich in französischer Sprache.

»Wie gedenken Sie weiter zu disponieren, Monsieur Bigot?« fragte der Blonde.