Leinenrambo - Sabrina Reichel - E-Book

Leinenrambo E-Book

Sabrina Reichel

4,9

  • Herausgeber: Kynos
  • Kategorie: Lebensstil
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2014
Beschreibung

Hunde, die sich bei Begegnungen mit anderen Hunden in wahlweise tobende Rambos oder zitternde Nervenbündel verwandeln, sobald sie an der Leine sind, sind ein häufiges Phänomen und strapazieren die Geduld ihrer Besitzer aufs Äußerste. Dieses Buch erklärt, welche Mechanismen diesem Verhalten zugrunde liegen und bietet konkrete Trainingsanleitungen, damit Hund und Mensch die Spaziergänge an der Leine genießen können.

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Seitenzahl: 87

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Sabrina Reichel

Kynos Verlag

© 2014 KYNOS VERLAG Dr.Dieter Fleig GmbH

Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/​Daun

Telefon: +49 (0) 6592957389-0

Telefax: +49 (0) 6592957389-20

www.kynos-verlag.de

Umschlagsgestaltung:

Kynos Verlag Dr.Fleig GmbH unter Verwendung eines Fotos von www.fotolia.de

Grafiken: Nicole Hilgers KYNOS VERLAG Dr.Dieter Fleig GmbH

Fotos:

Sabrina Reichel

Stephan Eckert

Meike Böhm

eBook-Ausgabe der Printversion

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

eBook-ISBN: 978-3-95464-040-9

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-027-0

Mit dem Kauf dieses Buches unterstützen Sie die Kynos Stiftung Hunde helfen Menschen www.kynos-stiftung.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Haftungsausschluss

Cover

Titel

Impressum

Einleitung

Aggression – was ist das?

Wie entsteht Aggression?

Grundlagen

Nützliches Trainingszubehör

Die Basics

Leinenführigkeit – Grundlagen

Das Training zur Überwindung der Leinenaggression

Special: Überwinden der Leinenaggression im Mehrhundehaushalt

Stolperfallen – Trainingsfehler!

Fallgeschichten

Danke!

Über die Autorin

Serviceteil

Quellenangaben

Vorstellung der Models

Stellen Sie sich vor, Sie gehen mit einem Freund die Straße entlang und Ihnen kommt ein fremder Mensch entgegen. Der Weg ist eng und Sie haben kaum Möglichkeiten zum Ausweichen. Der fremde Mensch läuft mit schnellen Schritten mitten auf dem Weg auf Sie zu, links und rechts kein Platz, und blickt Sie mit starren Augen an. Sie fühlen sich unwohl und möchten dieser Situation entfliehen, doch Ihr Freund lässt Sie nicht und hält Ihre Hand fest. Weggehen ist also nicht möglich!

Der Fremde kommt immer näher und ist schließlich direkt bei Ihnen, er rempelt Sie an und Sie kommentieren dieses Verhalten mit einem aufgeregten und ängstlichen „Hey!“.

Noch dazu kommt die Erkenntnis, dass Ihr Freund Sie, unabhängig von Ihren Versuchen, durch die Situation gezwungen hat. Das gibt Ihnen kein gutes Gefühl, oder?

Aus der Sicht eines Hundes würde diese Situation genauso ablaufen, nur dass das „Hey“ sich in Bellen und Knurren äußern würde. Unsere Hunde lassen sich im Zweifelsfall immer von ihren Gefühlen und Emotionen leiten, so wie sie reagieren, ist es für sie richtig. Sie suchen einen Ausweg aus einer für sie bedrohlichen/​konfliktreichen Situation.

Möchten wir unseren Hunden zeigen, wie sie sich bei Begegnungen mit Menschen oder Hunden an der Leine verhalten sollen, haben wir nur wenige Möglichkeiten: Entweder wir üben Druck auf unseren Hund aus, gehen weder auf seine Bedürfnisse noch auf seine Empfindungen ein, oder wir zeigen unserem Hund Lösungen auf, wie er aus für ihn bedrohlichen Situation heil herauskommt – mit Fairness und Verständnis, angepasst an die Lerngeschwindigkeit von Mensch und Hund.

Meine Hündin war leinenaggressiv. Für sie und mich war es ein langer Weg, bis wir endlich wieder normal spazieren gehen konnten und nicht mehr Reißaus vor jedem anderen Hund nahmen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich der Mensch fühlt, wenn sein Hund an der Leine lostobt und nichts mehr zu ihm durchdringt. Man versucht, nur noch zu Zeiten spazieren zu gehen, zu denen man vermutlich keine Menschen- bzw. Hundeseele mehr auf der Straße trifft.

Doch so soll und muss es nicht sein …

Ich möchte Ihnen mit diesem Buch eine Möglichkeit aufzeigen, wie Sie Ihrem Hund beibringen können, ruhig und entspannt angeleint an anderen Hunden vorbeizugehen - und das alles ohne Druck, sondern mit viel Spaß für beide Seiten.

In diesem Buch geht es um das Training zur Überwindung der Leinenaggression gegenüber Hunden oder auch Menschen durch positive Verstärkung.

Das Buch ist so aufgebaut, dass Sie sich das nötige Hintergrundwissen über Hundeverhalten aneignen sowie nützliche Trainingswerkzeuge kennenlernen werden.

Viel Spaß beim Lesen dieses Buches und beim Trainieren mit Ihrem Hund!

Ihre Sabrina Reichel

Befinden sich Hunde in einer Konfliktsituation, reagieren sie mit dem Verhalten, das für sie den meisten Erfolg bringt. Welche Verhaltensstrategie folgt, ist abhängig von der Vorerfahrung, dem Charakter des Hundes, dem Gegenüber und dem allgemeinen emotionalen und gesundheitlichen Zustand.

Jedoch haben Hunde immer nur vier Möglichkeiten, auf einen Konflikt zu reagieren:

Die 4 F´s: Freeze, Flight, Fight, Fiddle about

Aggressionsverhalten gehört zum Verhaltensrepertoire jedes Lebewesens. Es ist genetisch fest verankert und sichert das Überleben des Individuums.

Aggressives Verhalten hat immer eine Ursache und wird gezeigt, wenn sich ein Hund gegen eine Bedrohung wehren muss oder eine Ressource verteidigen möchte. Was eine Bedrohung und auch eine Ressource ist, entscheidet der jeweilige Hund immer selbst und ist von vielen Faktoren abhängig.

Von außen ist Aggressionsverhalten an dem optisch veränderten Verhalten des Hundes erkennbar:

Hoch getragene, steife Rute

Hölzerner Gang

Fixieren

Drohbellen

Zähne zeigen

Knurren

Schnappen

Beißen

Aber nicht nur äußerlich verändert sich etwas beim Hund, Aggressionsverhalten geht immer mit einer Veränderung im Inneren einher: Zeigt ein Hund Aggressionsverhalten, sind damit immer Gefühle wie Wut, Frustration oder Angst verbunden.

Wut, weil der Hund etwas nicht haben kann oder ständig genervt wird.

Frustration, weil der Hund seine Impulse nicht kontrollieren kann.

Angst um seine eigene Sicherheit oder um eine Ressource.

Aggressionsverhalten liegen also immer Emotionen und Gefühle zugrunde, die alle eines gemeinsam haben: sie sind negativ besetzt.

Leinenaggression – was ist das?

Von Leinenaggression spricht man, wenn sich ein angeleinter Hund einem anderen Hund gegenüber aggressiv gebärdet, im Freilauf jedoch normales kommunikatives Sozialverhalten zeigt.

In den meisten Fällen ist die Leinenaggression gegen Artgenossen gerichtet. Sie kann sich auch gegen Menschen richten, dieses Verhalten tritt jedoch weitaus seltener auf.

Zeigt ein Hund mit und ohne Leine aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden und/​oder Menschen, spricht man nicht von Leinenaggression. Hier sollte grundlegend an einer Verfeinerung des Sozialverhaltens trainiert werden.

Bitte beachten!

Aggression ist hündisches Normalverhalten und gehört zum normalen Verhaltensprogramm. Es ist Kommunikation, durch die dem Gegenüber mitgeteilt wird, dass mehr Distanz benötigt wird oder eigene Interessen durchgesetzt werden.

Im Überblick: Aggressionsverhalten

Aggressives Verhalten ist eine normale Strategie, um auf einen Konflikt zu reagieren.Aggressionsverhalten gehört zum normalen Verhaltensrepertoire des Hundes.Ursachen von Aggression können Angst, Wut und Frustration sein.

Leinenaggression kommt nicht aus heiterem Himmel. Meistens entsteht Aggressionsverhalten an der Leine schleichend und wird nach und nach immer intensiver gezeigt.

Ursachen für Leinenaggression können sein …  

… Fehlverknüpfungen 

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Sie gehen mit Ihrem angeleinten Hund spazieren und begegnen einem anderen Spaziergänger mit Hund. Ihr Hund möchte zu diesem hin, doch Sie möchten einfach weitergehen, mit einem an lockerer Leine laufenden Hund. Sie möchten Ihrem Hund sagen, dass das Ziehen nicht erwünscht ist und rucken einmal heftig am Halsband.

Was ist im Hundehirn passiert:

Ihr Hund hat einen Artgenossen entdeckt und möchte mit diesem Kontakt aufnehmen. Er sieht den anderen Hund an und genau in diesem Moment erfährt er Schmerz durch den Leinenruck.

Passiert dies öfter, verknüpft er:

Wenn ich an der Leine bin und ein fremder Hund auftaucht, dann ist dieser Hund eine Ankündigung für etwas Unangenehmes.

Der Hund hat den fremden Hund an der Leine durch klassische Konditionierung negativ verknüpft. Die Folge davon ist oft Aggression an der Leine, der Hund möchte den Auslöser für das Unangenehme von sich fern halten.

… Frustration 

Es gibt immer wieder Situationen, in denen man mit seinem angeleinten Hund anderen Hunden begegnet. Nicht immer ist es möglich, dass sich die Hunde begrüßen können, sei es aus erzieherischen (Üben der Leinenführigkeit), gesundheitlichen (Zwingerhusten, etc.) oder alltäglichen Dingen (Zeitmangel des Besitzers, Begegnung an der Straße).

Hat Ihr angeleinter Hund aber immer wieder das Bedürfnis, Kontakt zu anderen Hunden aufzunehmen, darf es aber nicht, entsteht sehr schnell Frust. Dieser Frust wird immer größer und irgendwann beginnt der Hund, diesem Frust freien Lauf zu lassen: Er beginnt zu fiepen und zu bellen und springt in die Leine, sobald ein anderer Hund den Weg kreuzt.

Aber nicht nur durch die Begegnungen im Alltag kann Frust entstehen, sondern auch durch falsch geführte Hundespielgruppen. In klassisch geführten Hundespielgruppen werden die Hunde sich selbst überlassen und dürfen ungehindert miteinander toben und spielen.

Begegnet man nun außerhalb dieser Spielstunden mit seinem angeleinten Hund einem anderen Hund und er darf in diesem Moment nicht Kontakt aufnehmen, ist es für diesen unverständlich und das Resultat ist Frust.

Caspar ist frustriert – er wird durch die Leine gehindert, einen anderen Hund zu begrüßen.

… Individualdistanz 

Jedes Lebewesen hat eine bestimmte Individualdistanz, die es benötigt, um sich sicher und wohl zu fühlen.

Einem angeleinten Hund ist es aufgrund der Leine und/​oder engen Wegen nicht immer möglich, seine Individualdistanz zu sichern, deshalb wird diese oft von anderen Hunden oder auch Menschen unterschritten.

Ein angeleinter Hund muss meist frontal auf den anderen Hund zugehen, ein Ausweichen ist nicht möglich. Unter Hunden ist das keine freundliche Annäherung und das Resultat kann aggressives Verhalten gegenüber dem Artgenossen sein.

… Negative Erlebnisse 

Ein negatives Erlebnis reicht aus, um ein Verhalten nachhaltig zu verändern.

Stellen Sie sich Folgendes vor:

Sie gehen mit Ihrem Hund an der Leine spazieren und plötzlich kommt wie aus dem Nichts ein fremder Hund aus dem Wald gerannt und greift Ihren Hund an. Ihr Hund konnte nicht fliehen, weil ihn die Leine gehindert hat, ebenso war es schwer für ihn, sich zu wehren. Solch ein Erlebnis prägt sich tief ein.

Bei jedem neuen Treffen mit einem fremden Hund, kann es nun sein, dass dieses Erlebnis wieder in den Vordergrund tritt. Ihr Hund würde nun am liebsten Meideverhalten zeigen, doch durch die Leine wird ihm das verwehrt. Die einzige für den Hund logische Reaktion: Angriff ist die beste Verteidigung.

Was ist im Hundehirn passiert: