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Der kleine Junge Mo wohnt in der Käthe-Kollwitz-Straße in Leipzig – doch nicht in der, die ihr vielleicht kennt! Er lebt nämlich in der Steinzeit und anstelle von Straßen und Häusern gibt es dort Wälder und Höhlen. Während sein Vater mit den anderen Männern der Sippe auf die Jagd geht, bleibt Mo bei den Frauen und Kindern zurück und sammelt Holz, Pilze und Beeren. Denn Mo ist mit einem verkürzten Bein zur Welt gekommen und kann deshalb nicht schnell laufen. Eines Tages bringt sein Vater ihm einen unerwarteten, tierischen Freund von der Jagd mit nach Hause, der Mos ständiger Begleiter wird. Gemeinsam mit seiner Sippe und unter der Führung seines weisen Großvaters erlebt Mo so manches Abenteuer – und vielleicht kann doch noch ein Jäger aus ihm werden!
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Seitenzahl: 45
Veröffentlichungsjahr: 2023
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
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© 2023 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-807-1
ISBN e-book: 978-3-99131-808-8
Lektorat: Thomas Ladits
Umschlag- und Innenabbildungen: Raphaël Ampuero
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Kapitel 1
Vor vielen tausend Jahren sah es in Leipzig ganz anders aus.
Es war eine hüglige Landschaft mit vielen großen Bäumen. Es lebten dort etliche Tiere.
Manche von ihnen waren für Menschen sehr gefährlich.
Es gab Mammuts, Bisons, Wollhaarnashörner, Löwen, Schreckenswölfe und noch viel mehr an Tieren, die schon lange ausgestorben sind. Aber manche Arten, wie der Löwe in Afrika oder der Bison in Amerika, haben bis heute überlebt.
Aber das gefährlichste Tier, das damals lebte, war der Säbelzahntiger!
Mit einer Schulterhöhe von 120 Zentimetern und einem Gewicht bis zu 400 Kilogramm war der Säbelzahntiger ein Monstrum. Seine gefährlichen Eckzähne konnten bis zu 28 Zentimeter lang werden.
In der heutigen Käthe-Kollwitz-Straße lebte eine Sippe Steinzeitmenschen in einer großen Höhle.
Dort suchten die Menschen Schutz vor den gefährlichen Raubtieren. Sie verließen die Höhle nur zur Jagd oder zum Beeren- und Holzsammeln.
Aber um zu überleben, mussten die Steinzeitmenschen oft ihre Höhle verlassen. Im Höhleneingang brannte ständig ein Feuer, um die gefährlichen Tiere fernzuhalten.
In der Mitte der Höhle brannte ein zweites Feuer, um Fleisch zu rösten und um alle zu wärmen. Die Steinzeitmenschen verzehrten viel Fleisch. Es gab auch wenig Alternativen.
Pilze und Beeren gab es nur im Sommer bis in den Herbst hinein.
Fleisch von Tieren gab es das ganze Jahr.
Besonders die Winter waren sehr hart und gefährlich. Es gab wenig Deckung und Schutz im Schnee. Der Schnee war oft sehr hoch und die Tiere, die man erbeutet hatte, mussten manchmal über weite Strecken getragen werden.
In der heutigen Käthe-Kollwitz-Straße in Leipzig lebte ein Junge namens Mo.
Mo war ein sehr trauriger Junge. Warum? Das werdet ihr gleich erfahren.
Sein Großvater Fro war das Oberhaupt der Sippe. Er wurde dazu bestimmt, weil er vielErfahrung hatte und auch viele gute Ideen, die für das Überleben der Sippe entscheidend waren.
Eine seiner Ideen war es, im Sommer große Vorräte an Holz zu sammeln, um es möglichst nicht im Winter zu tun.
Unterm Schnee ist das Holz sehr feucht.
Außerdem lauerten oft Säbelzahntiger und Schreckenswölfe im tiefen Schnee versteckt!
Eine andere Idee, die sein Großvater hatte, war es, Fleischvorräte für den harten Winter zu horten. Oft gab es tagelange Schneestürme und eine Jagd war dann unmöglich.
Das Fleisch wurde getrocknet und dadurch für längere Zeit haltbar gemacht.
Seine Großmutter Ra war vor einem Jahr beim Holzsammeln von einem Säbelzahntiger getötet worden. Nur die Reste von ihrem Rentierfell, das sie immer trug, waren von ihr übrig geblieben.
Mo musste oft an sie denken.
Großmutter konnte immer so schöne Geschichten erzählen. Dabei streichelte sie Mo immer liebevoll durchs Haar. Sie war klug und weise. Man konnte Großmutter alles fragen.
Sie hatte immer eine Antwort. Einmal fragte Mo seine Großmutter: „Großmutter, warum ist es nicht immer Sommer und schön warm? Der Winter ist so kalt und oft müssen wir hungern!“
„Lieber Mo, es ist wie Tag und Nacht. Der Tag ist hell und man kann viele wichtige Dinge tun.
Die Männer gehen auf Jagd, die Frauen und Kinder zerlegen die Beute oder sammeln Holz, Beeren und Pilze. Das ist sehr anstrengend und in der Nacht schlafen wir, unser Körper erholt sich, damit wir am Tage wieder viel Kraft für diese Arbeiten haben. In der Natur ist es nicht anders.
Die Pflanzen fangen im Frühjahr an zu wachsen und zu blühen, bekommen viele Blätter und Früchte bis in den Herbst hinein.
Im Winter ruhen sie dann, um fürs nächste Frühjahr wieder genügend Kraft zu haben, um wieder zu wachsen und zu blühen.“
Warum Mo oft traurig war, hat viele Gründe.
Er vermisste seine Großmutter Ra. Oft kullerten ihm nachts Tränen leise über sein Gesicht.
Wie alle anderen Jungen wünschte sich Mo, ein stolzer, mutiger Jäger zu werden. So wie sein Vater.
Doch ein Bein von Mo war kürzer als das andere. Und weil er dadurch nicht so schnell laufen konnte, durfte er nie mit zur Jagd wie die anderen Jungen in seinem Alter.
Von den anderen Kindern wurde er oft verspottet. Manche nannten ihn Hinke- fuß.
Keiner gab sich mit einem Jungen ab, der humpelte und für die Jagd nicht geeignet war.
Bald würde Mo ein Geschwisterchen be- kommen.
Darauf freute sich Mo sehr. Endlich würde er jemanden zum Spielen und Herumtollen haben.
Aber es musste erst laufen und sprechen lernen.
Bis dahin verging noch viel Zeit.
Mo mit seinen sieben Jahren musste als einziger Junge mit den Frauen Holz, Pilze und Beeren sammeln.
Die anderen Jungen in seinem Alter trainierten für die Jagd oder behauten Steine für Pfeilspitzen.
Sein Vater Dro war der beste Jäger und führte die Jägergruppe an.
Mo, seine Mutter Tri und sein Großvater waren sehr stolz auf ihn. Mo würde ihn so gern bei der Jagd begleiten.
Die Erwachsenen hatten nie Zeit. Es gab immer viel zu tun.
Großvater war der Einzige, der sich manchmal für Mo Zeit nahm.
