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Lena wird in einem idyllischen Dorf in dem südamerikanischen Land Paraguay geboren. Schon als Baby verliert sie ihren Vater. Als auch ihre Mutter bei einem tragischen Autounfall ums Leben kommt, wächst Lena bei ihrer Tante auf. Die strenge, jedoch liebevolle Erziehung der Tante lässt Lena zunächst zu einem allseits fröhlichen und beliebten Mädchen heranwachsen. Doch noch im Teenager-Alter gerät Lena in eine ganz schwierige Lebenssituation. Angst und Unsicherheit beherrschen fortan das Leben von Lena, bis sie sich entschließt, nach Deutschland auszureisen.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Burn-out in Frankfurt
Auf Freud folgt Leid
Elisabeth zieht um
Ein folgenschwerer Unfall
Sonnige Weihnachten in Paraguay
Unbeschwerte Kindergartenzeit
Die Schule ruft
Erste Liebe
Lena feiert ihren 15. Geburtstag
Eine Verführung mit Folgen
Schluss mit Heinrich
Lena will Gewissheit
Abschied von Tina
Lena bekommt Mia
Die Ausreise
Aufregendes Deutschland
Über den Autor
Bernhard Willms
Nach seinem ersten Buch (Roter Sand und süße Früchte), einer spannenden Biografie über das Leben seiner Mutter, erfüllte er sich nun den lang gehegten Wunsch, einen Familienroman zu veröffentlichen, der wiederum einen großen Bogen von Paraguay nach Deutschland spannt. Detailliert werden das Leben und die traditionellen Gebräuche ehemaliger deutscher Aussiedler in Paraguay beschrieben, die jedoch ihre deutsche Heimat stets im Herzen tragen.
Nach dem Eintritt ins Rentenalter im Februar 2017 fand Bernhard Willms endlich die Zeit und Muße, seine Freude und Lust am Schreiben zu verwirklichen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihr Bernhard Willms
Die ersten Sonnenstrahlen krochen langsam durch den dichten Frankfurter Morgennebel, als Lena erwachte. Verwundert blinzelte sie auf die Schläuche an ihren Armen und die medizinischen Apparaturen, die neben ihrem Bett aufgestellt waren. Lena versuchte aufzustehen, doch war das in diesem Zustand ganz und gar nicht möglich: Sie fühlte sich im wahrsten Sinne ans Bett gefesselt! Angestrengt überlegte sie, auf welche Art und Weise sie wohl in dieses Bett gekommen ist, denn ihre noch verschlafenen Augen registrierten vage, dass sie sich offensichtlich in einem Krankenzimmer befand. Da ging plötzlich die Tür auf und eine weiß gekleidete junge Dame betrat den Raum und stellte sich mit angenehm leiser Stimme vor: „Guten Morgen, Lena! Ich bin Schwester Anna, haben Sie gut geschlafen?“ Das war ja eine sehr freundliche Begrüßung, dachte Lena, und fragte, ohne den Gruß zu erwidern, sofort: „Wo bin ich, was ist passiert und wo ist meine Tochter?“ Ruhig gab Schwester Anna Lena die gewünschten Auskünfte: „Sie befinden sich in einem Frankfurter Krankenhaus. Nach Ihrer Landung gestern Abend am Frankfurter Flughafen wurden Sie bewusstlos bei uns eingeliefert. Ihre kleine Tochter ist im Zimmer nebenan und schläft noch.“
Anschließend fragte sie Lena, ob sie jetzt das Frühstück servieren dürfe?
„Ich habe keinen Hunger und würde zunächst erst einmal zu meiner Tochter“, erwiderte Lena unruhig. Doch Schwester Anna blieb hartnäckig, bis Lena einwilligte und einem Frühstück zustimmte. Sie erklärte sich auch einverstanden, ihre Tochter noch ein Weilchen schlafen zu lassen und sie dann erst nach dem Frühstück zu sehen.
Die Krankenschwester entschwand mit schnellen Schritten, war aber schon nach kurzer Zeit wieder da und servierte ein liebevoll bereitetes Frühstück mit Tee, frischen Brötchen, Butter, Aufschnitt und Marmelade auf einem Tablett und stellte es vor Lena auf das Krankenbett. Lena richtete sich auf und begutachtete das Frühstück. Der Tee duftete angenehm, und sie genoss den ersten Schluck. Unwillkürlich regte sich nun auch der Appetit und der war so groß, dass Lena genussvoll die zwei Brötchen aß.
Danach fühlte sie sich zwar etwas besser, zog es aber vor, wieder unter die warme Bettdecke zu schlüpfen, denn ihr abgemagerter, von Strapazen geschwächter Körper forderte erneut sein Recht auf Ruhe und Schlaf ein. „Meine kleine Tochter ist hier sicher und gut aufgehoben, sie kann noch ein Weilchen gefahrlos ohne mich verbringen“, ging es ihr durch den Kopf, bevor sie erneut sanft einschlummerte und in ihrem Halbschlaf noch einmal die aufregenden Stationen ihres bisherigen Lebens durchlebte.
Elisabeth geht voller innerer Unruhe in ihrer Küche hin und her. Schon seit ein paar Tagen fühlt sie sich nicht mehr so richtig wohl. Sie dachte an Jakob, ihren Mann, der heute wieder weit draußen das Feld bearbeitete, damit er endlich seine Aussaat vornehmen konnte und die mühsame Arbeit zukünftig Früchte trägt.
Sie war jetzt 25 Jahre alt und trotz der Schwangerschaft mit einer zierlicher Figur gesegnet und seit drei Jahren mit Jakob verheiratet. Jakob ist zehn Jahre älter als Elisabeth und ein ruhiger, strebsamer und mit einer Körpergröße von 1,85 m ein recht stattlicher Mann. Elisabeth spürte, dass die Geburt ihres Kindes nicht mehr lange auf sich warten ließ, und sie beide wussten nicht, ob es ein Junge oder Mädchen wird. Insgeheim hoffte sie darauf, dass sie eine kleine Tochter zur Welt bringen würde. Aber was würde Jakob dazu sagen, der sich doch so sehr einen Sohn wünscht? Wie wird sich das Leben verändern, wenn erst einmal ein Baby in ihr beschauliches und von Arbeit geprägtes Leben tritt? Elisabeth gingen unzählige Fragen und Gedanken durch den Kopf, und sie musste unwillkürlich daran denken, wie sie ihrem Jakob das erste Mal begegnet ist.
Im September 1980 hatten sie sich in dem beschaulichen und abseits gelegenen Dorf Kirchheim im Regierungsbezirk San Pedro im südamerikanischen Staat Paraguay bei einem Dorffest kennen gelernt. In dem überwiegend von deutschen Auswanderern bewohnten Dorf am Ende der Welt gab es außer dem sonntäglichen Kirchgang kaum Begegnungs- oder Vergnügungsmöglichkeiten für junge Leute im heiratsfähigen Alter …
Elisabeth weiß noch ganz genau, wie Jakob sie auf dem Fest in Augenschein nahm. Noch immer bekommt sie Herzklopfen, wenn sie sich daran erinnert, wie Jakob sie zum ersten Mal zum Tanz aufforderte, als die Musikkapelle einen Walzer spielte.
Mit einer höflichen Verbeugung stand er plötzlich vor ihr und fragte: „Darf ich bitten?“ und Elisabeth erwiderte erfreut: „Sehr gern, mein Herr!“ Jakob hielt sie dezent, aber fest in seinen Armen und führte Elisabeth auf elegante Weise über das Parkett. Nach dem Walzer spielte die Band dann auch schnellere Rhythmen, bei denen sich Jakob ebenfalls als toller Tänzer erwies. Als dann aber ein Tango erklang, schmolz Elisabeth ganz dahin, denn darin war Jakob ein unübertroffener Meister und ein wahrer Traumtänzer für alle jungen Frauen. Und Jakob war entzückt von der jungen Elisabeth, denn noch nie hatte er auf Anhieb so gut mit einem Mädel beim Tanzen harmoniert.
An diesem Tanzabend hatte sich Jakob unsterblich in Elisabeth verliebt und ihm war klar geworden, dass nur Elisabeth seine Frau werden konnte. Jakob tut alles, um sie für sich zu gewinnen. Bei zahlreichen gemeinsamen Spaziergängen, Ausflügen mit Freunden und vielen zärtlichen Treffen in der „Laube“, der einzigen Gaststätte im Dorf, kommen sie sich immer näher. Und auch Elisabeth genießt die gemeinsamen Stunden mit Jakob. Als Jakob Elisabeth nach sechs Monaten einen Heiratsantrag macht und sie bittet, seine Frau zu werden, sagt sie sofort freudig zu.
Für Elisabeths Eltern war es eine schwere Entscheidung, ihre Tochter freizugeben, denn schon seit über einem Jahr hegten sie den Gedanken, nach Kanada auszuwandern. Selbstverständlich sollte auch Elisabeth mit und dort ihre neue Heimat finden. Da sie Jakob jedoch von Kindesbeinen an kannten, wussten sie, dass es für ihre Tochter eigentlich keinen besseren Mann geben könnte. Obwohl Elisabeth schon 22 Jahre alt war und hätte alleine entscheiden können, ob sie eine Ehe mit Jakob eingeht, war ihr die Zustimmung ihrer Eltern sehr wichtig. So verließen die Eltern erst nach der Hochzeit ohne ihre Tochter Paraguay und wanderten wanderten nach Kanada aus. Jakobs Mutter war schon vor sechs Jahren gestorben. Als auch der Vater vor einem Jahr verstarb, erbte Jakob das elterliche Anwesen und wohnte seitdem alleine in dem großen Haus.
Jakob war überglücklich, als Elisabeth nach der Heirat zu ihm zog, und merkte erst jetzt, in welch schlechtem Zustand sich sein Haus befand. Er trommelte alle Freunde zusammen, um das Haus zu renovieren und zu modernisieren. Alle Wünsche von Elisabeth konnte Jakob bei der Renovierung und Ausstattung des neuen gemeinsamen Hauses erfüllen, so dass sich seine junge Frau rundum glücklich fühlte.
Elisabeth und Jakob verbrachten die ersten unbeschwerten Jahre miteinander. Jakob hielt seine Wirtschaft in Ordnung und bekam dafür von allen Seiten viel Lob und Anerkennung. Auch Elisabeth war sehr ausgeglichen und zufrieden mit ihrem Leben. Sie kümmerte sich um Haus und Hof mit all den Tieren, die dazugehörten.
Und dann, im Jahr 1986, war Elisabeth sicher, dass ihr Traum von einem Kind in Erfüllung geht. Nachdem sie merkte, dass sie mit ihrer Regel deutlich über die Zeit war, ging sie zum Arzt. Der Arzt und ein Test bestätigten, dass sie schwanger war. Elisabeth liefen ob der freudigen Nachricht Freudentränen die Wangen hinunter. Sie konnte es an diesem Tag kaum abwarten, bis ihr Jakob von der Landarbeit nach Hause kam. Sie ging in den Stall und wartete dort auf ihn. Als Jakob seine Frau erblickte, eilte er zu ihr und fragte mit unsicherer Stimme, ob etwas passiert sei?
Doch Elisabeth nahm Jakobs Hand und legte sie auf ihren Bauch. „Lieber Jakob“, sagte sie, „hier wächst nun unser gemeinsames Kind heran.“
Jakob durchfuhr es wie ein Blitz, denn auch er wünschte sich schon seit langem einen Sohn. Obwohl er nicht wissen konnte, was in Elisabeths Bauch heranwächst, dachte er sofort an einen Sohn. Er beeilte sich mit dem Ausspannen der Pferde, und gemeinsam gingen sie dann in die Küche. Dort nahmen sie sich in den Arm, beglückwünschten sich noch einmal und feierten eine kleine Party.
Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Elisabeth ging regelmäßig zur Untersuchung, und der Arzt hatte nichts zu beanstanden.
Und auch jetzt, im neunten Monat der Schwangerschaft, muss sie die vielen anfallenden Arbeiten auf dem Anwesen, das sie mit ihrem Mann Jakob bewirtschaftet, erledigen. Zu ihrer Wirtschaft gehören 100 Hektar Land, bestehend aus den Hofflächen und dem Acker- und Weideland. In ihrem Garten stehen die zahlreichen Apfelsinen- und Mandarinenbäume in voller Blüte, und auf den nahen Weideflächen grasen tagsüber die Milchkühe und Pferde. Ein Schweinestall liegt etwas abseits vom Wohngebäude. Jeden Morgen füttert und melkt Elisabeth erst die Kühe, dann füttert sie die Schweine und versorgt die vielen Hühner und Enten mit Futter und Wasser. Das jeweilige artgerechte Tierfutter stellt Jakob schon am Vorabend zusammen und für Elisabeth zur Fütterung bereit. Deshalb ist Elisabeth stets die erste, die morgens aufsteht. Schnell wäscht sie ihr Gesicht, zieht ihr Arbeitskleid an und bindet sich die Schürze um. Mit dem Melkeimer in der Hand geht sie zuerst zu den Kühen. Das von Jakob bereit gestellte Kraftfutter steht vor den Trögen, und Elisabeth gibt jeder Kuh etwas zu fressen. Das Futter nehmen die Kühe bereitwillig an, denn es besteht aus geschrotetem Mais und schmeckt den Kühen besonders gut. Anschließend erledigt sie mit flinker Routine das Melken der Kühe.
Zurück in der Küche wartet Jakob schon auf sie. Nach einem freundlichen „Guten Morgen!“ kocht Elisabeth das Wasser für den löslichen Kaffee, deckt den Tisch und spricht dann das Tischgebet. Danach schmeckt ihnen das in einem Steinofen selbst gebackene helle Brot, bestrichen mit Butter und Marmelade aus der eigenen Herstellung, einfach köstlich! Nach dem Frühstück räumt Elisabeth den Tisch wieder ab, denn viel Zeit für eine längere morgendliche Unterhaltung am Tisch bleibt meistens nicht, weil die täglich anfallenden Arbeiten erledigt werden müssen.
Elisabeth verarbeitet die frische Milch selbst. Ein Teil kommt zunächst in den Kühlschrank, den anderen Teil schleudert sie zu Butter. Elisabeths Butter ist im ganzen Dorf sehr beliebt. Die festen Abnehmer kommen regelmäßig zu ihr, und Elisabeth bessert das Haushaltsgeld damit auf.
Jakob ist schon seit längerer Zeit bei einem neuen Ackerbau beschäftigt, denn bevor er überhaupt mit einer Aussaat beginnen kann, muss zunächst einmal der Urwald gerodet werden. Für diese anstrengende Tätigkeit hat Jakob viele einheimische Tagelöhner aus Paraguay engagiert. In monatelanger, mühsamer Arbeit fällen die einheimischen Arbeiter Baum für Baum, roden die Erde und erzielen damit ein geringes Einkommen, das sie für sich und ihre Familien zum Leben brauchen. Es gibt Tage, an denen Jakob die Arbeit auch auf dem Hof allein nicht schaffen kann, dann kommt ihm Hans, ein junger Mann aus der Nachbarschaft, zu Hilfe.
An einem Freitagvormittag ist es dann so weit: Bei Elisabeth setzen die Wehen ein, und sie bittet Hans, der gerade auf dem Hof den Pferdestall säubert, ihren Mann darüber zu verständigen, dass es höchste Zeit wird, zum Krankenhaus aufzubrechen. In Windeseile reitet Hans zum Ackerland und bringt Jakob zum Hof zurück. Zusammen spannen sie schnell die Pferde vor die Kutsche, und ab geht es zum drei km entfernten Krankenhaus.
Ohne Zwischenfälle erreichen sie das Hospital, und Elisabeth wird sofort auf die Entbindungsstation gebracht. Elisabeth klagt über heftige Schmerzen im Unterleib, denn die Schlaglöcher auf dem unebenen Weg hatten sie ordentlich durchgerüttelt, weil Jakob die Pferde mächtig angetrieben hat, um so schnell wie möglich zum Krankenhaus zu gelangen. Elisabeth wird zunächst auf ein Bett gelegt und untersucht. Sie bekommt vom Arzt ein paar beruhigende Medikamente verabreicht und bleibt ab sofort nicht mehr alleine im Zimmer. Durch die Anwesenheit der zugeordneten Krankenschwester fühlt sich Elisabeth jetzt sicher aufgehoben.
Jakob hatte seine Aufgabe im Eiltempo erledigt. Er setzte sich auf den Wagen und ließ jetzt die Pferde gemütlich nach Hause traben. Nicht im Traum wäre es ihm eingefallen, im Krankenhaus zu bleiben, weil er wusste, dass die Männer im Kreißsaal auf einer Entbindungsstation nicht gern gesehen waren. Er konnte die Wartezeit bis zur Geburt zu Hause besser überbrücken und so nebenbei noch etwas Sinnvolles tun. Am frühen Nachmittag setzen bei Elisabeth erneut die Wehen ein. Die Hebamme beruhigt Elisabeth. Sie streichelt ihren Bauch und schaut sie zuversichtlich an. Nach einer weiteren Stunde verstärken sich abermals die Schmerzen. Elisabeth glaubt, es nicht mehr aushalten zu können. Doch der Muttermund hat sich nur etwas geöffnet und die Hebamme erkennt die dramatische Situation, denn das Kind scheint sich nicht in die normale Geburtslage zu bewegen. Rasch ruft die Schwester den Arzt, der auch sofort zur Stelle ist. Nachdem er die Position des Kindes im Mutterleib begutachtet hat, entschließt er sich für einen Kaiserschnitt, denn in dieser Lage konnte das Baby nicht auf natürlichem Wege geboren werden. Er gab Elisabeth eine Narkosespritze, und die Betäubung wirkte augenblicklich.
Dann ging alles sehr schnell. Schon nach kurzer Zeit erblickte ein prächtiges Mädchen mit schwarzen Haaren das Licht der Welt! Nach dem Abtrennen der Nabelschnur wird es gebadet, gemessen und gewogen. Ein Baby von 51 cm Länge und mit stolzen 3.250 Gramm Gewicht hatte Elisabeth das Leben in den letzten Stunden so schwer gemacht. Die Hebamme wickelt den Wonneproppen nun in ein angewärmtes Tuch und legt es der jungen Mama auf den Bauch. Zwischenzeitlich hatte auch der Arzt die Wunde vernäht und danach das Zimmer verlassen. Wie durch ein Wunder begann Elisabeth schon jetzt, aus der Narkose aufzuwachen. Sie öffnete die Augen ein wenig. Das Baby auf dem Bauch nahm sie noch nicht wahr. Doch dann, plötzlich, war sie ganz wach und sah ihr Kind! Freudentränen rannen ihr übers Gesicht. Sie wollte etwas fragen, brachte jedoch keine Silbe über die Lippen. Die Schwester verstand die nicht ausgesprochene Frage dennoch: „Es ist ein Mädchen“, sagte sie. „Lena, meine Lena“, flüsterte Elisabeth schwach und die Glücksmomente überwältigten sie.
Diesen Namen hatte sie sicherlich vorher festgelegt. Davon war die Hebamme, sie hieß Anita, überzeugt. Heute war der 10. Mai und etwas Neid kam in Anita auf, wäre sie doch auch zu gerne Mutter geworden. Doch mit den Männern hatte sie bislang kein Glück. Mit ihren 39 Jahren war sie immer noch alleine. Mit Schuld daran war sicherlich auch der unregelmäßige Dienst im Krankenhaus. Die Hoffnung auf eine eigene Familie mit Mann und Kindern hatte sie inzwischen längst aufgegeben.
Elisabeth dachte an ihren Mann. Wann wird er kommen? Sie wollte ihn jetzt ganz schnell an ihrer Seite haben und das Glück mit ihm teilen! Sicherlich, die Geburt war sehr schwierig gewesen. Umso mehr freute Elisabeth sich jetzt mit ihrem gesunden Baby im Arm. Das wollte sie auch ihrem Jakob zeigen.
Wie gerufen, die Tür öffnete sich und Jakob trat herein. Jakob, lieber Jakob, unser Kind. Elisabeth war außer sich vor Freude!
Jakob trat ans Bett, wagte jedoch nicht, sein Kind zu berühren. „Es ist ein Mädchen, unsere Lena.“ Jakob merkte, wie sehr sich seine Frau ein Mädchen gewünscht hatte.
„Ist das Baby gesund und wie geht es dir?“, fragte Jakob. „Ja, es ist gesund und mir geht es ganz gut“, antwortete Elisabeth. „Einige Untersuchungen müssen noch gemacht werden. Die Hebamme versicherte mir allerdings, dass alles in Ordnung ist.“ Jakob blieb eine Stunde bei Elisabeth. Für seine Verhältnisse war das eine erstaunlich lange Zeit. Doch jetzt musste er wieder los, denn er wollte noch vor Sonnenuntergang zu Hause sein. Und Elisabeth war glücklich und wollte jetzt nur noch schlafen. Im nächsten Moment kam auch schon die Hebamme, um das Kind zu holen. Elisabeth fiel sofort in einen tiefen Schlaf. Nach drei Stunden wurde sie wach, es war ca. 21:00 Uhr. Die Schwester brachte Lena. „Hallo, ich heiße Maria“, begrüßte sie Elisabeth freundlich, „Ihre kleine Lena hat Hunger.“ Mit dem Stillen wollte es allerdings nicht sofort klappen. Das Baby wurde ungeduldig und fing an zu weinen. Elisabeth versuchte sie zu beruhigen. „Kein Grund zur Panik“, sagte Maria. „Das wird schon klappen. Genießen Sie erst einmal die Nähe Ihres Kindes.“
