Leni - Christine Altmann - E-Book

Leni E-Book

Christine Altmann

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Beschreibung

Leni ist eine junge Frau mit Vorliebe für Kriminalgeschichten, die neugierig, schlau und mutig ist. Dass sie eine Behinderung, das sogenannte Down Syndrom hat, spielt für sie keinerelei Rolle. Leni lebt in Bayern in der Nähe des Chiemsees in einem Mehrgenerationen-Haus mit vielen besonderen Menschen. Jeder einzelne, mit seiner individuellen Lebensgeschichte und seinen Eigenheiten trägt zum Gelingen und zum Zusammenhalt des Ich + Du Hauses, wie es genannt wird, bei. Leni, neugierig wie immer, entdeckt beim Milchholen ein verlassenes Auto. Darin eine Tasche mit Geld, viel Geld. Sie nimmt diese Tasche an sich um sie sicher zu verwahren, bis sie den Besitzer gefunden hat, nicht ahnend, dass es sich um Lösegeld handelt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und Leni rückt plötzlich ins Visier der Entführer. Gemeinsam mit ihrem autistischen Freund Hauke versucht sie wieder aus der Sache heraus zukommen, schafft es aber nur, sich immer noch tiefer darin zu verstricken. Mit Mut, Entschlossenheit und positiver Energie schafft sie es trotz ihrer Behinderung zur Aufklärung des Falles entscheidend beizutragen. Für ihren Mut wird sie zur Ehrenpolizistin der Sonnwanger Polizei ernannt.

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Seitenzahl: 207

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Für einen besonderen Menschen!

Ich widme dieses Buch meinem Mann Miche, der immer an mich glaubt und mich stets unterstützt, egal was ich mir wieder in den Kopf gesetzt habe!

Ich liebe Dich!!!

Danke an:

Michaela Abresch,

die mich ermutigt hat, es einfach zu tun!

Inhaltsverzeichnis

Kapitel

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1.

Leni ist 28 Jahre alt, sie ist nur einen Meter fünfzig groß, zierlich und hat viele Sommersprossen auf der Nase. Sie hat ein durch und durch positives Gemüt und steckt alle mit ihrer Fröhlichkeit an.

Die Menschen sagen, sie sei behindert - Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt - aber das macht Leni gar nichts aus, sie ist rundherum zufrieden mit sich und ihrem Leben.

Leni wohnt im Haus „Ich + Du”, ein sogenanntes Mehrgenerationen-Haus, in dem die unterschiedlichsten Menschen zusammenleben um sich gegen - seitig zu helfen und füreinander da zu sein.

Alle, außer Herrn Detterbeck… aber zu ihm kommen wir später noch.

Das „Ich + Du Haus” liegt am Ortsrand von Sonnwang, einem kleinen Dorf in der Nähe des Chiemsees, im Süden von Bayern.

Leni ist hier vor zwei Jahren mit ihrer Mutter eingezogen, da diese schon fast siebzig Jahre alt und ein wenig krank war. Beide fanden die Idee schön, dort gemeinsam mit anderen Menschen den Lebensabend der Mama zu verbringen und hatten auch ein wenig die Hoffnung, dass Leni, hier weiter betreut werden könnte, wenn die Mama dies einmal nicht mehr alleine schaffen sollte. Von ihrer Mutter hatte Leni viel gelernt. Sie kann kleine Mahlzeiten kochen, sie kann die Wohnung in Ordnung halten, kann einkaufen und sich selber sehr gut versorgen. Nur beim Geld zählen braucht sie ein wenig Hilfe, aber dafür hat sie ja Astrid und Biggi vom betreuten Wohnen, die alle zwei Tage vorbeischauen um Leni zu unterstützen. Als die Krankheit der Mutter schlimmer wurde hat Leni ganz selbstverständlich viele Aufgaben für ihre Mutter übernommen und sich ganz liebevoll um sie gekümmert.

Wenn Leni bei etwas Hilfe brauchte konnte sie jederzeit die anderen Bewohner bitten, z.B. wenn sie mal in die Stadt wollte, wenn die Mama zum Arzt musste oder einfach wenn sie Lust zum Bummeln hatte. Wenn es schwere Dinge zu tragen gab, so wie damals als die neue Waschmaschine geliefert wurde und auch als die Mama nicht mehr so gut laufen konnte haben die Mitbewohner immer geholfen.

Doch schon nach einem halben Jahr wurde die Mutter immer schwächer und schwächer, sie musste ins Krankenhaus, wo sie vor einem Jahr gestorben ist.

Leni war sehr, sehr traurig und hatte Angst vor dem Alleinsein. Sie fürchtete, dass sie jetzt ausziehen und in ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung ziehen müsste. Doch, alle Bewohner des Hauses waren dafür, dass Leni hier wohnen bleiben durfte und sie sich gemeinsam um sie kümmern werden. Als alle rechtlichen Dinge geklärt waren wurde festgelegt, dass ein Team aus Astrid und Biggi die weitere ambulante Begleitung übernehmen. Britta, die mit ihrer Familie ebenfalls im Mehrgenerationenhaus wohnt sollte der rechtliche Vormund für Leni werden.

Da die Wohnung sehr geräumig und für Leni alleine viel zu groß war, zog nach reiflichen Überlegungen und vielen Gesprächen von Astrid und Biggi mit den restlichen Hausbewohnern vor einigen Monaten Hauke bei Leni ein. Die beiden kannten sich schon lange aus der Werkstätte der Caritas in der sie beide tagsüber arbeiten. Leni arbeitet dort in der Schreinerei und schleift mit Begeisterung die Holzbretter die dort hergestellt werden. Hauke hingegen arbeitet als Bürogehilfe, weil er sehr gut Dinge ordnen und sortieren kann und auch sehr gut ist im Lesen und Schreiben. Bei der Arbeit in der Schreinerei könnte Hauke schmutzig werden und das ist für ihn unvorstellbar. Hauke ist sehr besonders, er ist 33 Jahre alt und hat Autismus, was Leni nicht weiter stört. Nur manchmal, wenn er es immer so genau nimmt. Bei ihm muss alles akkurat an seinem Platz stehen, in seinem Zimmer gibt es keinen Fussel Staub, das Bett ist immer gemacht und die Wäsche peinlichst genau gefaltet. Ganz pünktlich steht er täglich an der Haltestelle und wartet auf den Bus, der ihn und Leni zur Arbeit in die Behinderten-Werkstätte bringt. Auch sonst muss alles genau seine Ordnung haben.

Die Tage der Woche sind streng eingeteilt, es gibt einen Waschtag, einen Putztag, einen Einkaufstag einen Lese-Tag einen Fußball schauen Tag und einen Nichts tun - Tag, das ist der Sonntag. Die ist Leni alles zu kompliziert, sie mag es lieber spontan.

Hauke war mit seinen Eltern vor einigen Jahren aus der ehemaligen DDR, genauer gesagt aus Ost-Berlin nach Bayern gekommen. Haukes Mutter ist schon gestorben und sein Vater musste vor kurzem in ein Pflegeheim ziehen, so dass Hauke ohne das “Ich + Du Haus” wahrscheinlich in eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung hätte ziehen müssen.

Trotzdem aller Unterschiede sind Leni und Hauke dicke Freunde geworden und fühlen sich wohl in ihrer gemeinsamen Wohnung. Sie ergänzen sich im Haushalt und verbringen viel ihrer freien Zeit gemeinsam.

Im Haus wohnen auch Mike und Britta Schwarz, die sind aus Norddeutschland, aus Braunschweig hier her gezogen und tun sich manchmal noch ein wenig schwer mit dem Bayrisch, aber langsam klappt es schon. Britta ist Heilerziehungspflegerin und hat, bis ihre Kinder zur Welt kamen in der Werkstätte gearbeitet, in der Leni und Hauke beschäftigt sind.

Ihr Mann Mike ist Architekt und arbeitet von zuhause aus, das Haus “Ich + Du” ist dafür der perfekte Ort dafür. In seiner Wohnung gibt es großes Atelier mit Blick in den angrenzenden Wald.

Britta hat nach der rechtlichen Betreuung von Leni später auch die von Hauke übernommen, was für sie sehr praktisch ist, denn jetzt kann sie ja sozusagen von zuhause aus arbeiten, wie ihr Mann Mike. Sie hat dabei noch die Unterstützung vom Team des ambulanten betreuten Wohnens, das abwechselnd vorbeikommt und nachschaut ob Leni und Hauke auch gut zurechtkommen.

Britta und Mike haben zwei Kinder, Finn ist 4 Jahre alt und die kleine Marie ein halbes Jahr.

Die Vier bewohnen die Wohnung im Erdgeschoss neben Leni und Hauke.

Im ersten Stock wohnt der Sepp, Sepp ist fast 60, nicht verheiratet und lebt alleine. Sepp kümmert sich um den Garten, er liebt Blumen, vor allem Rosen. Gemüse pflanzen macht er noch so nebenbei, das teilt er dann mit allen Hausbewohnern.

Er mäht den Rasen mit einem Bulldog, der Garten ist nämlich sehr groß.

Sepp ist bei der Polizei, aber nicht in Uniform oder mit Blaulicht, nein, er ist der Chef, ein richtiger Kommissar, da ist man ganz normal angezogen. Er hat lange in München gearbeitet und viele Kriminalfälle gelöst, drum braucht er zum Entspannen den Garten, sagt der Sepp. Er fährt ein kleines Auto, einen Jeep ohne Sirene und Blaulicht, welcher Jimmy heißt, Leni findet das immer besonders lustig, dass es ein Auto mit Namen gibt.

Neben dem Sepp im ersten Stock wohnt Herr Detterbeck. Herr Detterbeck ist schon sehr alt, über 80 Jahre und er ist kein bisschen krank, er vergisst nur sehr viel. Er war General und hat wohl auch vergessen, dass er nun schon lange in Pension ist. Er schreit jeden an “Stillgestanden!! Grüßen!!

Rührt euch!! Feuer frei!!” und noch viele andere laute Sachen. Leni hat Angst vor ihm und läuft immer lieber schnell nach Hause, wenn Herr Detterbeck den Flur betritt.

Manchmal vergisst er sogar sich anzuziehen und schreit in Unterhosen “Weggetreten!!” im Hausflur und alle kommen gelaufen um ihn wieder in seine Wohnung zu bringen. Er mag keine anderen Menschen, er will auch niemandem helfen und sich auch nicht helfen lassen. Seine Frau ist bereits vor vielen Jahren gestorben.

Die Krankenschwester die zu ihm zu Besuch kommt und ihm seine Medikamente bringt muss sich oft lauter böse Sachen von ihm anhören, wenn sie ihn dann auch noch waschen will kann das ganze Haus ihn schimpfen hören. Hauke schüttelt dann immer ganz energisch den Kopf und schnalzt ungläubig mit der Zunge! „Waschen ist doch wichtig….“

In der größten Wohnung im „Ich + Du Haus” unter dem Dach wohnen die Bachmeiers, die sind eigentlich schon ein eigenes Mehrgenerationen Haus für sich. Oma Bachmeier ist 80 Jahre alt und fast blind, aber sie hört wie ein Luchs und wenn es sein muss auch das Gras wachsen, sagt der Sepp immer. Mama Bachmeier, die Gerdi, ist Mitte 40 und alleinerziehend. Ihr Mann hat sich eine Geliebte zugelegt, da hat sie ihn rausgeworfen. Aber über dieses Thema darf man nicht sprechen, denn dann weint sie gleich und schimpft auf alle Männer, das kann dann lange dauern bis sie damit fertig ist. Sie hat zwei Söhne den Hans und den Peter, Zwillinge, das ist einfach findet Leni, man schreit einfach Hans-Peter und beide kommen… Die Jungs sind 14 Jahre alt, streiten entweder dauernd oder toben mit dem Fußball im Garten herum, dabei haben sie sogar schon mal das Fenster von Herrn Detterbeck eingeschossen, der ist deswegen gar nicht mehr fertig geworden mit Schreien “Feuer frei, Feuer frei!”

Da musste erst der Sepp hingehen und wieder für Ruhe sorgen. Die Tochter von Frau Bachmeier heißt Gabi, ist 17 Jahre alt und hat schon ein Kind. Das Baby heißt Lukas, ist ein halbes Jahr alt und wird von allen nur Luggi genannt.

Der Papa vom Luggi ist aus dem Nachbardorf und, wie Leni es nennt, kein Netter! Der ist immer mit dem Motorrad gekommen, hat ganz rasant gebremst vor dem Haus und ist auch immer genauso rasant nachts wieder weggefahren, so dass alle Hausbewohner wach wurden und nicht gut auf ihn zu sprechen waren. Als dann die Gabi in anderen Umständen war ist er kaum noch gekommen.

Leni hat ihn beim Einkaufen mal mit einer sehr, sehr blonden Frau hinten auf seinem Motorrad gesehen, aber gefahren ist er noch genauso schnell.

Also ist die Gabi mit dem Luggi bei der Mama geblieben, was deren Meinung über Männer nur noch bekräftigt hat und sie jetzt noch mehr Zeit braucht, bis sie fertig ist mit Schimpfen.

Das “Ich + Du” ist ein besonderer Ort zum Leben, mit besonderen Menschen, und einer der schönsten Plätze, den sich Leni vorstellen kann.

2.

Leni interessiert sich sehr für die Arbeit vom Sepp, sie würde so gern auch zur Polizei gehen und spannende Kriminalfälle lösen.

Manchmal wenn Sepp mit Leni im Garten sitzt, erzählt er ihr alte Geschichten aus seinen Dienstjahren in München, worauf sie dann vor lauter Aufregung gar nicht mehr schlafen kann. Sie würde so gern mit dem Sepp mal im Blaulicht Auto fahren, aber wie gesagt, er hat ja nur seinen Jimmy und der hat keine Sirene.

Doch einmal als der Sepp ganz dringend weg musste, hat er auf sein Dach ein Blaulicht gesteckt und ist wie der Teufel davon geschossen, das war aufregend für alle im Haus, sogar Hans und Peter haben vor Schreck aufgehört zu streiten und der Herr Detterbeck hat geschrien: “Alle Mann in Deckung!!”

Normalerweise hat der Sepp fürs Fahren mit Blaulicht den Martl, der heißt eigentlich ja Martin, aber keiner nennt ihn so.

Martl ist Polizist und trägt Uniform, er ist verheiratet und wohnt mit seiner Frau Hanni ein paar Straßen weiter auf einem Bauernhof. Er ist ein sogenannter Nebenerwerbslandwirt und hat ein paar Kühe, Leni geht oft mit ihrer Milchkanne zum Martl und holt für alle im „Ich + Du” frische Milch. Über den Sommer hat der Martl ein paar Schweine die er im Herbst schlachtet, worüber Leni immer sehr traurig ist. Wenn sich dann aber alle im Garten zum Grillen treffen ist es schon nicht mehr so schlimm. Auf dem Hof gibt es auch ganz viele bunte Hühner, welche Eier legen über die sich alle Bewohner des Mehrgenerationshauses freuen.

Hauke will nicht mit Leni zum Bauernhof, er fürchtet sich vor den Tieren, außerdem gibt es da einen Misthaufen und viele Fliegen. Hauke sagt, es stinkt und die Kühe und Schweine sind schmutzig. Als er sich von Leni doch einmal überreden ließ sie zu begleiten, musste er sich danach eine Stunde lang die Hände waschen.

Zum Sepp gehört neben dem Polizisten Martl auch noch der Fritz.

Der Fritz ist in der Polizisten-Ausbildung, darf aber auch schon Uniform tragen und Polizeiauto fahren. Fritz ist ganz schüchtern und hat viele Pickel im Gesicht. Fritz ist verliebt in die Kathi, die Tochter vom Bäcker, das hat die Leni mal heimlich gehört als der Fritz mit der Kathi telefoniert hat wie er vor dem Haus auf den Sepp gewartet hat im Polizeiauto.

Leni beneidet ihn sehr! Nicht um die Kathi, aber, dass er Polizisten-Azubi sein darf, sie würde das auch so gerne sein, dann könnte sie ermitteln und Polizeiauto fahren, so muss sie immer warten, bis der Sepp Zeit hat ihr von seinen alten Kriminalfällen zu berichten.

Diese alten Geschichten haben dann schon zu so mancher Verwirrung geführt….

Vor ein paar Monaten hat der Sepp der Leni erzählt, dass einmal in München ein junges Mädchen vermisst wurde und man nur dessen Fahrrad im Gebüsch gefunden hat.

Erst viel später konnte man das Mädchen finden, es war ermordet worden.

Die Geschichte hat Leni noch lange beschäftigt. Als Hans und Peter beim Spielen ihre Fahrräder achtlos am Straßenrand ins Gebüsch geworfen haben, ist Leni ganz aufgeregt zu Sepp gelaufen mit der der Befürchtung, dass auch die Hans-Peters tot sind.

Sepp musste seine Kollegen holen und losziehen um mit ihnen nach den Buben suchen, erst als sie beide wohlbehalten beim Bauen eines Staudammes am Bach aufgefunden wurden, war wieder Friede im Haus „Ich + Du”.

Ein anderes Mal erzählte Sepp von einem Duo das immer wieder Banken überfiel und sich danach in Scheunen und Hütten am Stadtrand von München versteckt hielt. Erst ein Polizei-Suchhund konnte damals die Täter aufspüren.

Leni lieh sich daraufhin den Dackel von Martl aus und durchsuchte alle umliegenden Heustadel nach eventuellen Verbrecherbanden oder vergessenem Diebesgut.

Lenis Phantasie ist sehr ausgeprägt. Sie brachte den Sepp und auch den Martl schon in die ein oder andere prekäre Situation, wenn sie eigenmächtig zu ermitteln begann oder einen Kriminalfall witterte.

So schickte sie den Martl, als dieser den Sepp mit dem Polizeiauto abholen wollte, zum Bäcker weil dort jemand ermordet werden würde, sie habe das, als sie die Semmeln geholt hat ganz deutlich gehört. Es schrie jemand im ersten Stock laut um Hilfe… Sie war extra schnell nach Hause gelaufen um schlimmeres zu verhindern.

Als dann der Martl mit Blaulicht beim Bäcker ankam und in die Bäckerei stürmte, stellte sich heraus, dass nur die Kathi in ihrem Zimmer mit Kopfhörern für einen Gesangswettbewerb geprobt hatte, wahrscheinlich konnte sie ihren eigenen Gesang nicht aushalten und hatte deshalb Kopfhörer auf, so dass sie von der ganzen Aufregung garnichts mitbekommen hat.

Leni hat Sepp sogar einmal gebeten, die Krankenschwester von Herrn Detterbeck zu durchsuchen, da diese in letzter Zeit immer mit prall gefüllten Taschen aus dessen Wohnung kam. Leni war überzeugt, sie würde den General langsam aber sicher ausrauben, weil dieser ja eh alles vergisst.

Sepp stellte, nachdem Leni keine Ruhe gab, die Schwester zur Rede, welche ihm darauf erklärte, dass sie netterweise die Schmutzwäsche von Herrn Detterbeck bei sich zuhause wasche, da dessen Waschmaschine defekt war.

Da hat sich der Sepp aber geschämt.

So ist es nicht verwunderlich, dass es ein wenig gedauert hat, bis Leni irgendjemand die folgende Geschichte geglaubt hat…..

3.

Leni war wieder einmal auf dem Weg zum Martl zum Milch holen. Sie ging immer gerne über die Wiese am Waldrand, da musste sie nicht durch das ganze Dorf laufen, außerdem streichelte sie manchmal Martl´s Kühe die dort auf der Weide stehen. Sie war schon fast wieder auf dem befestigten Weg als sie am Waldrand ein abgestelltes Auto mit offener Tür entdeckte. Ihre Neugier zwang sie fast dazu, einen Blick ins Auto zu werfen. Keiner saß drin, nur eine Tasche, eine große Ledertasche stand auf dem Beifahrersitz.

Leni sah sich um, kein Mensch zu sehen, da könnte sie doch… Sie schaute in die Tasche, die nicht verschlossen war. Es befanden sich jede Menge Geldscheine darin, große grüne Scheine und gelbe Scheine, auch ein paar rote waren zu erkennen. Leni dachte sich, das ist aber leichtsinnig, sooo viel Geld unbeaufsichtigt im Wagen zu lassen. Ihre Mama hatte sie gelehrt, immer ganz gut auf Geld aufzupassen.

Als Leni niemanden sah machte sie sich weiter auf den Weg zu Martl. Der war ja schließlich Polizist, der wüsste bestimmt was zu tun sei.

Martl war leider nicht zuhause, Hanni hatte auch keine Zeit, sie gab ihr nur schnell die Milch und ging dann zum Füttern der Kälbchen. Leni überlegte kurz was sie jetzt tun sollte und machte sie sich auf den Heimweg. Obwohl die Milchkanne schwer war ging sie wieder den Umweg über die Wiese am Wald. Das Auto stand immer noch da, auch die Tasche befand sich noch auf dem Beifahrer-Sitz. Es wurde schon leicht dämmrig und Leni dachte sich, dass man das Geld doch nicht über nach im Dunkeln alleine in dem Auto lassen konnte.

Sie überlegte und entschied sich kurzerhand, die Tasche mitzunehmen und sie bei sich zuhause aufzubewahren. Sie könne sie ja morgen wieder zurück- bringen, vielleicht noch vor der Arbeit….

Nicht dass irgendjemand auf die Idee käme über Nacht das viele Geld zu stehlen.

Aber wenn der Besitzer doch noch käme??? Er würde sicher wissen wollen wo sein Geld ist!! Leni entschloss sich eine Nachricht zu hinterlassen, sie sah sich im Auto um und fand im offenen Handschuh-Fach unter einem Lederetui Papier und Stift. Sie notierte in ihrer kindlich krakeligen Schrift für den Besitzer kurzerhand: „Ich Leni, habe Geld!!” Sie legte den Zettel an die Stelle auf der vor kurzem noch die Tasche mit den vielen Geldscheinen stand und schlich mit der schweren Tasche davon.

Vor lauter Aufregung und Anstrengung vergaß sie die Milchkanne neben dem Auto.

Zuhause angekommen traf sie im Flur Gabi Bachmeier mit dem kleinen Luggi, diese sagte noch: “Leni heute hast aber schwer zu schleppen!!” war aber zu beschäftigt mit dem krähenden Baby auf ihrem Arm um genauer hinzusehen. Leni war auch ganz froh darüber, denn hier zuhause war sie sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob es richtig war, dass sie die Tasche mitgenommen hatte.

In ihrer Wohnung versteckte sie die Tasche ganz schnell unter ihrem Bett, bevor noch Hauke irgendwelche Fragen stellte. Unter ihr Bett würde er sicher nicht sehen, denn dort war es laut seiner Meinung viel zu schmutzig und davor ekelte er sich.

Leni nahm sich vor, morgen gleich ganz, ganz früh die Tasche zurückzubringen bevor irgendjemand etwas davon mitbekommen würde.

Schon gar nicht der Sepp, der würde bestimmt schimpfen.

4.

Am nächsten Morgen hatte Leni verschlafen. Sie hatte sich die ganze Nacht hin und her gedreht in ihrem Bett und immer wieder nachgesehen, ob die Tasche noch an ihrem Platz stand.

Sie war sich mittlerweile ganz sicher, dass es ein großer Fehler gewesen war, die Tasche mitzunehmen. Bestimmt würde sie Mords-Ärger bekommen wenn es jemand bemerkte.

Beim Frühstück war ihr aufgefallen, dass sie zu allem Übel auch noch die Milchkanne dort am Waldrand vergessen hatte und bis heute Abend die Milch bestimmt sauer werden würde. Hoffentlich bloß die Milch und nicht der Eigentümer des Geldes, konnte sie immer nur denken.

Das schlechte Gewissen kroch ihr aus allen Poren. Ausgerechnet an diesem Morgen kam Astrid vom ambulant betreuten Wohnen vorbei, um nach ihr und Hauke zu sehen. Sie stellte viele Fragen, wollte das Haushaltsbuch kontrollieren und zahlte beiden ihr Taschengeld aus. Es wurde später und später und Hauke trippelte schon unruhig von einem Bein auf das andere, er musste doch pünktlich an der Bushaltestelle stehen, ganz pünktlich, sonst war sein Tag durcheinander und er konnte nicht mehr gut arbeiten in der Werkstatt, weil er den ganzen Tag daran denken musste, dass er heute nicht pünktlich war.

Astrid wollte nur noch schnell Lenis Zimmer sehen, ob auch hier alles ordentlich und sauber sei… Leni fiel vor Schreck fast das Herz in die Hose.

Gott sei Dank war Hauke mittlerweile so nervös, dass Astrid nachgab und sagte: “Gut, dann lauft schon los zum Bus, ich schaue übermorgen wieder bei euch vorbei.”

Inzwischen war Leni klar geworden, dass sie, ohne hervorragende Ausrede, welche ihr aber einfach nicht einfallen wollte, keine Gelegenheit mehr haben würde, die Tasche noch vor der Arbeit zum Auto am Wald zurück zu bringen. Sie versuchte sich damit zu trösten, dass sie ja einen Zettel dagelassen hatte damit sich der Besitzer keine Sorgen machen musste.

Der Bus zur Behinderten-Werkstatt holte sie und Hauke gleich neben der Bäckerei ab. Auf dem Weg zur Bushaltestelle versuchte Leni immer wieder, möglichst unauffällig zum Waldrand zu spähen, ob denn das rote Auto dort noch stand. Hauke wunderte sich schon, denn Martl´s Kühe stehen so früh noch nie auf der Wiese und er konnte sich nicht vorstellen, wonach sie sonst Ausschau halten könnte.

Leni konnte leider nichts erkennen und ihr schlechtes Gewissen machte sich erneut deutlich bemerkbar - sie bekam Schluckauf!

Wie immer wenn sie etwas ausgefressen hatte... Ihre Mutter wusste immer sofort, wenn Leni schwindelte, denn dann bekam sie rote Backen und einen lauten, unaufhörlichen Schluckauf.

Leni hickste die ganze Fahrt zur Werkstatt so vor sich hin, zur Freude und Erheiterung aller Mitfahrenden, nur Leni fand gerade gar nichts lustig.

Der Tag wollte und wollte nicht vergehen, selbst das Mittagessen, es gab Rohrnudeln mit Zwetschgen-Kompott, eigentlich Lenis Leibspeise, wollte ihr nicht schmecken.

Unlustig stocherte sie im Essen herum. Gott sei Dank war heute Freitag, da war schon um 14.00 Uhr Feierabend. Bis Leni zuhause sein würde, wäre es bestimmt halb drei. Sie hatte dann die Möglichkeit, schnell am Nachmittag nach dem roten Auto zu sehen und so unauffällig wie möglich die Milchkanne wieder ins Haus zu schmuggeln, denn noch war niemand aufgefallen, dass es keine frische Milch gab. Hoffentlich war die Milch noch genießbar, denn sonst müsste sie auch noch zum Martl laufen und neue holen, der würde sich vielleicht wundern….

Das kam so gut wie nie vor, dass zwei Liter Milch nicht reichten für zwei Tage…

5.

Endlich zuhause angekommen, stürmte Leni an den, wie immer streitenden Brüdern Hans und Peter und dem staunenden Hauke vorbei in die Wohnung um sich umzuziehen.

Schnell warf sie noch einen Blick unter das Bett und war beruhigt, die Tasche war noch da. Dann machte sie sich an dem, jetzt erst recht verdutzen Hauke vorbei eilig wieder auf den Weg aus der Wohnung. Sie wollte schnell zum Waldrand um endlich nach dem roten Auto zu sehen. Sie schlich sich durch den Garten und schaute sich dabei immer wieder um, ob ihr nicht die beiden Buben hinterher kamen. Die waren jedoch so beschäftigt mit dem Streit, wer denn jetzt den Fußball zuerst ins Tor schießen darf, dass sie sich für Leni kein bisschen interessierten.

Leni lief weiter und erschrak, hinten im Garten lag Herr Detterbeck auf einer alten Liege und schlief. Sie versuchte so leise wie möglich an ihm vorbei zu schleichen, doch sogar im Schlaf brummelte der General A.D. noch “Stillgestanden junger Mann, Stillgestanden!!!” Leni erstarrte vor Schreck, doch schnell bemerkte sie, dass Herr Detterbeck sofort wieder eingeschlafen war. Gott sei Dank, er würde sie gleich wieder vergessen haben.

Vorbei an Martl`s Kühen, denen sie heute keinerlei Aufmerksamkeit schenkte, rannte Leni zu der Stelle am Waldrand, an der gestern Abend das rote Auto gestanden hatte, welch ein Schreck!!! Das Auto war nicht mehr da!!! Leni bekam es mit der Angst zu tun, sie sah sich um, ob sie sich vielleicht in der Stelle geirrt hatte, sie ging noch um die nächste Kurve und sah hinter die dicken Bäume, aber, vom Auto keine Spur.

Jetzt war guter Rat teuer, Leni war völlig verzweifelt, was hatte sie nur angestellt. Sie setzte sich in die Wiese und überlegte was sie nun tun sollte. Ob sie mit Sepp sprechen sollte? Oder doch besser zu Martl laufen?

Während sie so da saß fiel ihr unter dem Brennnesselstrauch etwas auf, das da am Boden lag. Das Lederetui!! Das hatte sie doch gestern schon im Handschuh-Fach des Autos gesehen. Neugierig griff sie nach dem Etui und berührte dabei aus Versehen die Brennnessel, Autsch, tat das weh. Sie warf vor Schreck das Etui von sich und rieb sich die schmerzende Hand. Als sie sich erneut nach dem Etui bücken wollte sah sie, dass es aufgesprungen war, darin lag - eine Pistole. Leni starrte fassungslos auf ihren Fund.

Sie hatte schon einmal eine Pistole gesehen. Martl trug eine Pistole an seinem Gürtel, er war ja schließlich Polizist. Der Fritz sei dafür noch zu grün, hatte Martl ihr einmal erklärt als sie fragte, warum dieser keine Pistole habe.