Leonie: Der verschwundene Superstar - Christian Mörken - E-Book

Leonie: Der verschwundene Superstar E-Book

Christian Mörken

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Beschreibung

Leonies Freundin Tiffy ist verliebt. Und das ausgerechnet in einen Superstar: Timmy de Luca, Sänger der Band "4Voices". Als er vor ihren Augen auf der Bühne umkippt und wenig später aus dem Krankenhaus verschwindet, ist das ein Fall für die drei Freundinnen Leonie, Tiffy und Grace. Wer hat ihn entführt und warum? Wo könnte er bloß sein? Und was steckt dahinter?

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Seitenzahl: 64

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Über den Autor

Christian Mörken, geboren in Hamburg, arbeitete viele Jahre in der Musikindustrie und dann im Verlagswesen. Heute leitet er ein Unternehmen der Medienwirtschaft und schreibt nebenbei Bücher und Hörspiele. Mit seiner Frau Gabriela und seinem Sohn Noah lebt er im Allgäu direkt in den Bergen.

Kapitel EINS

Aufgeregt huscht Tiffy durch die Sitzreihen des Konzertsaals. Dabei balanciert sie ein Tablett, auf dem zwei Colaflaschen und eine Tüte Chips liegen. Der Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt. Schon jetzt ist es unerträglich warm und stickig. Wo ist nur Leonie?

„Hey, Tiffy, hier bin ich“, ruft Leonie und winkt ihrer Freundin zu. „Gleich hier in der zweiten Reihe!“ Gerade noch rechtzeitig entdeckt Tiffy die Plätze! Denn im nächsten Moment geht schon das Licht im Saal aus. Grell leuchten die Scheinwerfer über der Bühne auf. Als Tiffy im Halbdunkel am richtigen Platz ankommt, rutscht Leonie zur Seite.

„Ich kann es kaum erwarten“, sagt Tiffy und strahlt über das ganze Gesicht. „Wir beide, bei den 4Voices1im Soundcheck2. Denk doch mal, Leonie, die 4Voices!“ Nervös rutscht Tiffy auf ihrem Stuhl hin und her. Leonie grinst verschmitzt. Sie kann es sich einfach nicht verkneifen. Seit dieser Staffel von „Kalifornien sucht den Superstar“ hat sich Tiffy verändert. Ihre sonst so coole und bodenständige Freundin ist verliebt – und zwar in Timmy deLuca, den Sänger der Gewinnerband 4Voices. Heute sollen die 4Voices in der Green Valley Highschool3 ihr erstes Konzert geben. Danach würde eine ausgedehnte Tournee durch ganz Amerika folgen.

Plötzlich ertönt ein Gong. Die Scheinwerfer tauchen die Bühne in blaues Licht. Nebelmaschinen blasen grauen Rauch auf die Bühne. Wie Wellen strömt er von der Bühne. Ein Raunen geht durch den Saal, gefolgt von tobendem Applaus. Tiffy springt auf, reißt die Arme in die Höhe und johlt. Leonie kann immer noch nicht glauben, dass ihre Freundin fähig ist, eine Band so zu verehren.

Auf der Bühne erscheint ein vielleicht 17-jähriger Junge, der sich betont lässig ans Schlagzeug setzt. Nun springen alle grölend von den Sitzen und klatschen. Nur Leonie bleibt sitzen. Bald folgt der Gitarrist, dann der Bassist und zuletzt der Keyboarder. „Klack, klack, klack“, gibt der Schlagzeuger mit seinen Stöcken den Takt vor und die Band beginnt mit dem Intro zu „Do you know?“4, ihrem ersten Hit. Der ganze Saal wippt und klatscht mit. Und dann gibt es kein Halten mehr: Timmy deLuca betritt die Bühne. „Hallo, Green Valley!“, ruft Timmy deLuca ins Mikro. Hunderte von Mädchen kreischen und pfeifen. Aber es klingt eher wie Tausende! Leonie hält sich die Ohren zu. Ich hätte mir Ohrstöpsel mitbringen sollen, denkt sie. Hoffentlich wird hier keiner ohnmächtig und kippt um!

1 4Voices: 4Stimmen

2 Soundcheck: Klangtest

3 Green Valley: Grünes Tal

4 Do you know: Weißt du?

Die Scheinwerfer werfen weiße Lichtstrahlen in den Saal. Nach zwei rockigen Stücken folgt eine Ballade. Kuscheltiere und Blumen fliegen auf die Bühne. Timmy sammelt alles dankbar auf. Dabei wirft er einzelnen Mädchen Küsse zu, die daraufhin begeistert in Tränen ausbrechen und „I love you“ – „Ich liebe dich“ – schreien.

Nach dem nächsten Song beruhigt sich der Saal wieder etwas. Die 4Voices spielen ein wenig bekanntes Lied. Tiffy lächelt selig und kann ihren Blick nicht von Timmy abwenden.

Bald darauf fängt der Keyboarder an, das Intro zu Forever5 zu spielen. Der Saal klatscht begeistert mit. Doch was ist das? Timmy schwankt. Erst sieht es aus, als würde er nur locker tanzen. Doch dann schließen sich plötzlich seine Augen und seine rechte Hand krampft sich um das Mikrofon. Langsam sinkt er zu Boden.

Die Band verstummt. Für einen Moment starren alle wie gebannt auf die Bühne. Jeder hofft, dass Timmy im nächsten Moment wieder aufspringt. Aber er bleibt liegen. Eine gespenstische Stille legt sich über die Halle, bis plötzlich ein Mädchen laut aufschreit.

Im nächsten Moment geht die Deckenbeleuchtung an und ein paar Männer stürmen auf die Bühne. Wenig später folgt ein Mann in weißer Kleidung mit einem Koffer in der Hand. Ein Arzt. Leonie und Tiffy starren wie gebannt auf Timmy. Dann tritt ein Mann im Anzug an das Mikrofon: „Liebe Fans, es tut uns leid, aber wir müssen das Konzert abbrechen. Timmy geht es nicht gut. Er wird jetzt ins Krankenhaus gebracht. Es tut uns leid!“ Mehr sagt er nicht. Er dreht sich nur zu dem Arzt um, der noch immer neben dem ohnmächtigen Popstar kniet. Bald tragen zwei Männer ihn auf einer Bahre von der Bühne.

„Ich wollte noch unbedingt I am yours6 hören“, mault Tiffy und stampft auf den Boden.

„Mensch, Tiffy“, sagt Leonie und nimmt ihre Freundin in den Arm. „Du siehst doch, was passiert ist. Komm, lass uns gehen!“

5 Forever: Für immer

6 I am yours: Ich bin dein

Kapitel ZWEI

Langsam kämpfen sich die beiden Mädchen durch die Menschenmassen nach draußen. Die Sonne geht schon unter und taucht den Himmel in ein Dunkelrot. Ein leichter Wind lässt die Blätter der Bäume rascheln. Überall schieben Eltern ihre Kinder in Richtung Parkplatz. Viele Mädchen weinen, manche klammeren sich an Kuscheltiere oder reden wild aufeinander ein. Was ist nur passiert? Warum ist Timmy umgekippt? „Vielleicht ist er krank“, sagen einige. Andere fragen verschwörerisch: „Oder es hat was mit Drogen zu tun!?“

Leonie greift Tiffy, die versucht, alle Gespräche aufzufangen, an der Schulter und zieht sie sanft zu ihren Fahrrädern.

„Meinst du, dass es Timmy gut geht?“, fragt Tiffy und schaut Leonie in die Augen. Leonie stellt verwundert und erschrocken fest, dass Tiffy offenbar geweint hat.

„Ja, warum denn nicht?“, versucht sie, ihre Freundin zu beruhigen. „Wahrscheinlich hatte er nur einen Schwächeanfall. Mensch, der muss doch völlig k.o. sein! Ich meine, sie haben erst vor zwei Wochen ,Kalifornien sucht den Superstar’ gewonnen. Dann mussten sie gleich ins Studio, um die CD aufzunehmen, und nun gehen sie auf Tournee.“ Schnell öffnet Leonie die Schlösser der Räder und setzt sich ihren Helm auf.

„Ich muss unbedingt wissen, was mit Timmy ist“, sagt Tiffy weinerlich. „Vielleicht steht im Internet etwas?“ Leonie nickt zustimmend. Dann treten die beiden in die Pedale und radeln nach Hause.

* * *

Gleich nach dem Abendbrot geht Leonie in ihr Zimmer. Müde wirft sie sich aufs Bett. Später hört sie halb im Schlaf, dass unten das Telefon klingelt. „Mensch, ich will schlafen!“, murmelt sie und versucht, sich mit ihrem Kissen die Ohren zuzuhalten. Doch dann dreht sie den Kopf zur Uhr und blinzelt ins Licht ihrer Nachttischlampe. Über der hängt ein rotes Tuch, was das ganze Zimmer in ein warmes, rötliches Licht taucht. So kann sie auch mitten in der Nacht das Pferdeposter über ihrem Schreibtisch sehen: ein Appaloosa-Hengst, der ein bisschen so aussieht wie ihr Lieblingspferd „Silver Cloud“7 …

7 Silver Cloud: Silberwolke

Fast wäre Leonie wieder eingeschlafen. Doch da öffnet sich die Tür. Ihre Mutter kommt herein und hält das Telefon in der Hand.

„Leonie, Schatz. Tiffy für dich. Sie sagt, es ist dringend.“

„Danke, Mama.“ Leonie setzt sich auf und nimmt das Telefon. Sie wartet kurz, bis ihre Mutter das Zimmer wieder verlassen hat, und geht dann ans Telefon: „Hey, Tiffy, was gibt’s?“, fragt Leonie und gähnt. Tiffy ist außer Atem und kann sich kaum zurückhalten.

„Ich habe im Internet gelesen, dass Timmy im Green Valley Hospital liegt“, sagt Tiffy.

„Und steht da auch, was er hat?“, fragt Leonie.

„Nein, kein Wort“, antwortet Tiffy verschwörerisch.

„Na, das klingt doch nicht so übel“, sagt Leonie und hofft, das Gespräch damit beenden zu können.

„Klar. Oder aber es ist so schlimm, dass sie es nicht sagen wollen. Weil sie befürchten, dass tausende Fans ausflippen, weinen und vielleicht sogar in Ohnmacht fallen. In ganz Kalifornien könnte Panik ausbrechen!“