Leonie: Gefährlicher Spuk - Christian Mörken - E-Book

Leonie: Gefährlicher Spuk E-Book

Christian Mörken

0,0

Beschreibung

Halloween steht vor der Tür. In Leonies Schule soll eine große Party steigen. Leonie und Tiffy freuen sich, nur Grace will lieber zu einer Feier in ihrer Kirche gehen. Aus dem Halloween-Spaß wird schnell Ernst. Zwei Pferde werden aus Dr. Hamiltons Stall gestohlen und maskierte Reiter versetzen Green Valley in Angst und Schrecken. Leonie macht sich auf die Suche nach den Dieben. Und gerät dabei in ein neues Abenteuer ...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 85

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Über den Autor

Christian Mörken, geboren in Hamburg, arbeitete viele Jahre in der Musikindustrie und dann im Verlagswesen. Heute leitet er ein Unternehmen der Medienwirtschaft und schreibt nebenbei Bücher und Hörspiele. Mit seiner Frau Gabriela, seinem Sohn Noah und seiner Tochter Greta lebt er im Allgäu direkt in den Bergen.

Kapitel EINS

Es war Ende Oktober. Das Laub der Bäume verwandelte sich vom tiefen, satten Grün des Sommers in einen Farbkasten aus Rot, Orange und Gelb. Das hohe Gras auf den Feldern knisterte wie Stroh, während der Wind es hin- und herwog.

Leonie, Grace und Tiffy liefen zu einer Koppel am Rande der großen Farm, wo ihre Lieblingspferde standen. Dabei begegneten die drei Mädchen einigen Farmern, die ihre Zäune neu strichen. Die weiße Farbe war in der Hitze des Sommers abgebröckelt.

Plötzlich blieb Leonie stehen. Sie seufzte und ließ ihren Blick über das Tal wandern. Vor ihnen erstreckte sich das Green Valley mit seinen Hügeln und Bächen und den kleinen Waldstücken. Seit Leonie vor drei Jahren mit ihren Eltern aus Deutschland nach Kalifornien gezogen war, faszinierte sie die Weite des Landes. Sie liebte die heißen Sommer und die milden Winter.

Aber vor allem liebte sie es, dass sie fast täglich reiten konnte. Ihr Vater arbeitete als Tierarzt für die Appaloosa-Pferdezucht, die Dr. Hamilton betrieb. Da sie direkt auf der Pferdefarm lebten, kümmerte sich Leonie im Stall um alles, was dort anfiel. Ganz besonders um Silver Cloud. Auch wenn der Hengst Dr. Hamilton gehörte, war es für Leonie ihr Pferd. Sie war es gewesen, die den wilden Hengst vor drei Jahren eingeritten hatte. Seitdem folgte er ihr fast wie ein Hund und hatte sie auf zahlreichen Abenteuern begleitet.

„Ist das nicht ein herrlicher Herbsttag?“, sagte Grace und atmete tief ein. „So sonnig und warm!“

„Ja, und echt schade, dass man den mit Reiten verbringen muss“, moserte Tiffy, die ihr Fahrrad schob.

„Kannst ja mit deinem Fahrrad gegen die Pferde antreten“, stichelte Grace und lächelte. „Mal sehen, ob dein Drahtesel mithalten kann.“

„Wenn wir auf einer richtigen Straße wären, würde ich euch alle überholen!“, lachte Tiffy. „Sogar Silver Cloud! Nur quer über die Felder habe ich ja keine Chance.“

„Ach komm, Tiffy“, sagte Leonie und legte den Arm um ihre Freundin. „Ich weiß ja, dass Reiten nicht zu deinen Hobbys gehört. Aber hast du nicht auch Lust auf ein kleines Picknick oben am Fluss?“

„Picknick?“, fragte Tiffy neugierig.

„Ja, meine Mutter hat mir echt leckere Kekse eingepackt, Sandwiches und Limonade.“ Leonie zeigte auf den Beutel in ihrer linken Hand und knuffte ihre Freundin in die Seite. „Ich denke, es wird heute ein himmlischer Tag. In einer Stunde lehnen wir an einem Baum, essen zusammen und lassen die Sonnenstrahlen unsere Nasen kitzeln.“

„Oder wir halten unsere Füße in den kalten Fluss!“, schlug Grace vor und ging mit großen Schritten weiter. Leonie folgte ihr. Nur Tiffy blieb lange zurück. Plötzlich hörten sie die Reifen von Tiffys Rad über den Feldweg herannahen. Leonie drehte sich um und wollte ihrer Freundin zuwinken. Doch was war das?! Auf dem Rad hinter ihr saß eine kopflose Tiffy.

„Tiffy!?“, schrie Leonie erschrocken. Sie sah ihrer Freundin nach, die gerade an ihr vorbeirauschte.

„Hoho, hier kommt der kopflose Reiter!“, rief Tiffy. Dabei schwang sie einen Stock so kräftig, dass Grace eilig zur Seite springen musste.

„Tiffy, was soll das?!“, rief Grace. Sie klang ängstlich und verärgert zugleich. Tiffy trat kräftig in die Bremsen, sodass das Rad sich zur Seite drehte. Dann ließ sie den Stock fallen und zog sich ihren Pulli wieder über den Kopf.

„Sleepy Hollow … kennt ihr das nicht? Der kopflose Reiter!“, sagte Tiffy und lachte. „Ich bereite mich nur auf Halloween vor.“

„Das ist dir gelungen“, sagte Leonie und lachte. Nur Grace fand das nicht komisch. „Du hast mir fürchterliche Angst eingejagt“, sagte Grace und schüttelte den Kopf.

„Ach komm, Grace, ein kleiner Scherz!“, sagte Tiffy und rieb sich mit dem Unterarm den Schweiß von der Stirn. „Als was geht ihr denn zum Halloween-Ball?“

„Ich weiß noch nicht“, sagte Leonie. „Vielleicht wieder als Hexe oder als Gespenst.“

„Und du?“, fragte Tiffy und deutete auf Grace.

„Ich gehe nicht zum Halloween-Ball“, sagte Grace und ging ein paar Schritte weiter.

„Warum nicht?“, fragte Tiffy verwundert.

„Ist nicht so mein Ding“, sagte Grace.

„Wie, nicht so dein Ding?“, fragte Tiffy erneut und sah ihre Freundin ungläubig an. „Das ist doch die größte Feier an unserer Schule in diesem Jahr. Vom Abschlussball mal abgesehen. Aber da sind wir ja nicht eingeladen. Alle werden dort sein: Julia, Kimberly, Sofia, Marc und …“

„Das weiß ich“, antwortete Grace. „Ich steh halt nicht so auf Monster, Tote und Gespenster“, sagte Grace.

„Aber, Grace, das ist doch nur Spaß!“, warf Leonie ein. „Wir verkleiden uns als Gruselgestalten und dann feiern wir eine Party. Als Kind hatte ich große Angst vor Gespenstern. Aber wenn man sich darüber lustig macht, dann sind sie gar nicht mehr so gruselig.“

„Genau“, pflichtete Tiffy Leonie bei. „Also, komm, Grace, du verkleidest dich doch auch gern.“

„Es geht nicht um das Verkleiden“, sagte Grace. „Es geht um das, was dahinter steht.“

„Das hat bestimmt wieder was mit ihrem Glauben zu tun“, sagte Tiffy mit leicht genervtem Unterton. „Komm, Grace, manchmal nimmst du das wirklich zu ernst.“

„Akzeptiere einfach, dass es für mich kein Spaß ist, okay?“, antwortete Grace. „Außerdem haben wir an dem Abend eine große Party bei uns in der Gemeinde: VIVA LA REFORMATION. Klingt doch cool, oder?“

„Viva la was?“, fragten Leonie und Tiffy im Chor. Doch Grace kam nicht mehr dazu, ihren Freundinnen zu antworten. Gerade waren sie um die letzte Ecke gebogen und standen nun direkt vor der Koppel. Und die Koppel war leer!

Für einen Moment konnte keines der Mädchen etwas sagen. Ihre Blicke suchten die Weide ab. Doch sie konnten nirgendwo ein Pferd entdecken.

„Kann es sein, dass wir falsch sind?“, fragte Tiffy.

„Nein, nein, ausgeschlossen“, antwortete Grace eilig. „Das ist die Koppel. Ich weiß es genau. Ich bin gestern mit meinem Vater hier vorbeigekommen. Da standen die Pferde noch dort hinten.“

„Vielleicht hat Dr. Hamilton …“, weiter kam Tiffy nicht.

„Nein“, unterbrach Leonie sie. „Ich war heute Morgen noch bei ihm. Er hat gesagt, sie sind hier, und hat mich extra gebeten, mir den rechten Vorderhuf von Melody noch einmal anzusehen.“ Dann kletterte sie über den Zaun.

Grace und Tiffy folgten ihr. Gemeinsam liefen die Mädchen über die Koppel. Ihre Augen suchten jede Ecke ab. Vielleicht gab es eine Lücke im Zaun und die Pferde waren in den Wald gelaufen? Als sie an der gegenüberliegenden Seite angekommen waren, ließen sie sich auf den Boden sinken. Nichts! Alles war normal. Der Zaun hatte kein Loch. Wie einen Stich spürte Leonie den Schmerz, als sie an Silver Cloud dachte. Ihren Silver Cloud. Wo mochte er nur sein?

„Ist es möglich, dass die Pferde über den Zaun gesprungen sind?“, fragte Tiffy und sah ihre Freundinnen an.

Gleichzeitig schüttelten Grace und Leonie die Köpfe. Nein, das war ausgeschlossen. Zudem würde Silver Cloud das nicht machen. Da war Leonie sich sicher.

„Dann müssen wir davon ausgehen, dass die Pferde von der Koppel geholt wurden“, sagte Tiffy und ließ erneut ihren Blick über die leere Weide gleiten.

„Aber wer hat noch Zugang zur Koppel?“, fragte Grace.

„Was meinst du mit Zugang?“, fragte Tiffy ihre Freundin. „Jeder kann doch hier über den Zaun klettern.“

„Ja, aber um die Pferde rauszubringen, muss man doch da vorn das Tor öffnen können. Da ist ein Schloss“, sagte Grace.

In diesem Moment sprang Leonie wie von der Tarantel gestochen auf. Natürlich, das Schloss!, schoss es ihr durch den Kopf. Ohne auf ihre Freundinnen zu achten, lief Leonie über die Koppel auf das Tor zu. Als sie sich dem Tor bis auf wenige Schritte genähert hatte, sah sie die Kette auf dem Boden liegen. Daneben lag das Schloss. Jemand hatte es aufgebrochen.

Erneut durchfuhr Leonie ein Schmerz. Nun hatten sie Gewissheit. Die Pferde waren gestohlen worden. Dann hörte Leonie die Schritte ihrer Freundinnen, die über die Koppel gerannt kamen. Gerade wollte Leonie Grace und Tiffy etwas zurufen, da sah sie, dass Grace einen Umschlag in der Hand hielt.

„Leonie, Leonie!“, rief Grace atemlos. „Sie haben einen Brief hinterlassen!“

Leonie machte ein paar Schritte auf ihre Freundinnen zu. Grace reichte Leonie den Brief. Leonie zog das Blatt aus dem Umschlag. Darauf standen nur drei Worte:„Tote leben länger.“

Kapitel ZWEI

Das Klappern der Computertastatur klang wie von ferne an Leonies Ohr. Auch das Klingeln des Telefons nahm sie nur dumpf wahr. Erst als Sheriff Connor sie direkt ansprach, zuckte sie plötzlich hoch.

„Leonie, geht es dir gut?“, fragte der Sheriff.

„Ja, ja“, beeilte Leonie sich zu sagen. Sie sah sich um und blickte in die besorgten Gesichter ihrer Freundinnen. „Alles gut, danke“, sagte Leonie und griff zu dem Glas Wasser, das vor ihr stand. Wieder einmal waren sie beim Sheriff!

„Also, noch einmal“, sagte der Sheriff. Er griff nach dem Blatt Papier, das gerade aus seinem Drucker gekommen war. „Ihr seid also zur Koppel gekommen und da waren die Pferde bereits weg?“

„Ja, wir haben überall gesucht“, sagte Tiffy.

„Aber die Pferde waren nirgendwo zu sehen“, ergänzte Grace.

„Und dann hat Leonie entdeckt, dass das Schloss aufgebrochen war?“, fragte Sheriff Connor. Die drei Mädchen nickten.

„Und während Leonie am Tor stand, habt ihr den Brief gefunden?“

Erneut nickten die Mädchen.

„Und dann haben sie mich angerufen“, ergänzte Dr. Hamilton. Er saß auf einem Klappstuhl und hatte die Beine übereinandergeschlagen. Den alten Lederhut trug er tief ins Gesicht gezogen, sodass man seine Augen kaum sehen konnte. Mit seiner rechten Hand fuhr er sich langsam durch seinen weißen Vollbart.

„Ja, wir dachten, dass es vielleicht eine Erklärung für das Verschwinden der Pferde geben würde“, sagte Leonie.

„Aber die gibt es nicht“, sagte Dr. Hamilton. „Die drei Pferde sind gestohlen worden.“

„Sind die Pferde besonders wertvoll?“, fragte der Sheriff.