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Lesesplitter sind vor allem ganz persönliche Erinnerungsstücke an Lektüren aus 12 Jahren; eine Vitrine mit Text-Exponaten, die nichts verbindet, als dass Sie dem Autor auf seinen Lesereisen in die Augen gesprungen sind. Kleine Widerhaken, mit denen der Text, dem sie entnommen sind, im sonst gleichförmigen Lesefluss besondere Aufmerksamkeit erheischte. Es findet sich hie und da aber auch außerhalb von Büchern - Entdecktes und sogar Ausgedachtes statt Abgeschriebenes. Der Leser mag sich bisweilen fühlen, wie bei einem Dia-Abend voller fremder Urlaubserinnerungen. Aber demgegenüber hat dieses Buch doch zwei wesentliche Erleichterungen zu bieten: Die Lesesplitter müssen nicht ohne Unterbrechung von vorne nach hinten 'bewundert' werden. Und ohne jeden Affront hat der Leser die Freiheit, Passagen zu überspringen. Eines aber ist versprochen: wer sich auf diese Sammlung einlässt, der wird auch selber die eine und andere Entdeckung machen.
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Seitenzahl: 32
Veröffentlichungsjahr: 2018
Über Lesesplitter
Absurdistan
Boxen
Mitmenschen
Liebe
Kunst
Philosophie
Politik
Religion
Wirtschaft
Wissenschaft
Sprache
Resteteller
Als ich vor zwölf Jahren zum ersten Mal eine Lesesplitter-Sammlung abgetippt und in Taschenbuchform gebracht habe, da habe ich keinen Gedanken an eine mögliche Fortsetzung verschwendet. Die Sammlung damals umfasste ja nicht nur Fundstücke aus über 20 Jahren Leseerfahrungen der Nach-Kinderbuchzeit. Sondern vor allem aus einer Zeit, in der Bücher noch einen ganz anderen Stellenwert für mich hatten. Die 20 Jahre begannen schließlich in internetfreien Zeiten von nur drei Frensehprogrammen und noch dazu in einem fernseherlosen Jugendzimmer. Und sie umfassten ein halbes Dutzend Jahre an der Universität, in der Bücher und Lesen Arbeitsmittel Nummer eins und sozusagen Beruf waren. Dann kamen Kabelfernsehen, Internet und Beruf im Sinne eines Broterwerbs, später auch noch eine Familie. Damit einher ging ein rapider Schwund der mit Büchern verbrachten Zeit. Unter diesen Umständen, so wäre es damals erschienen, hätte ich solche Gedanken doch verschwendet, ließe sich eine Fortsetzung der Lesesplittersammlung nur über Dekaden zusammentragen.
Nun, nur zwölf Jahre später, ist dieses schmalere Bändchen entstanden. Es umfasst – Achtung: für Alltagsstatistiken bevorzuge ich stark gerundete und auf ihre Aussagekraft hin aufpolierte Zahlen – 120 Seiten, das sind etwa zehn für jedes Jahr. Der erste Band, der Fundstellen aus über 20 Jahren versammelte, ist gut 200 Seiten stark; wiederum etwa zehn für jedes Jahr. Das erscheint mir bemerkenswert. Schließlich steht beinahe jede Seite für genau eine Trouvalie. Mit bemerkenswerter Konstanz hält ein durchschnittliches Jahr also zehn solcher Funde für mich bereit.
Ich habe diese Leseplitter, Entdeckungen aus unterschiedlichsten Lektüren, vor zwölf Jahren so beschrieben: „Textstellen, die mir bei der Lektüre besonders und merkenswert erschienen. Kleine Widerhaken, mit denen der Text im sonst gleichförmigen Lesefluss besondere Aufmerksamkeit erheischte, mal Rosinen im durch und durch leckeren Kuchen, manchmal aber auch Schwalben ohne Sommer.“ Treffender könnte ich es heute auch nicht sagen. Und dass die bunte und ungeordnete Welt der Bücher und Texte im Durchschnitt stabil zehn Aha-Effekte pro Jahr für mich bereithält, das ist eine interessante Randentdeckung der vorliegenden Ausgabe.
Mahnend meldet sich an dieser Stelle der Empiriker in mir zu Wort: diese ‚Messung‘ ist massiv verfälscht. Der Beobachter ist ja zugleich der Konstrukteur seines Beobachtungsobjektes. Die kuriose Koinzidenz kursierte in seinem Kopf schon deutlich bevor die zweite Ausgabe der Lesesplitter abgeschlossen war. Dass es nund rund 120 statt zum Beispiel weniger als 100 Seiten geworden sind, das ist auch Folge herstellungstechnischer Erwägungen, die dazu geführt haben, dass im vorliegenden Bändchen Textgattungen Berücksichtigung fanden, die 2006 noch keine oder doch eine deutlich geringere Rolle spielten; angefangen von Packungsaufdrucken über Kinderzitate und Funde in Pressetexten bis hin zur erstmaligen Publikation von eigenen Gedanken-, nicht Lesesplittern.
Dass dieser Band nun nach zwölf und nicht nach weiteren zwanzig Jahren erscheint, hat einen weiteren, wichtigen Grund. Der erste Band beginnt mit einer Anekdote. Meine erste ‚Erwachsenenlektüre‘ habe ich im Regal meines Vaters gefunden, erzähle ich dort. Das könnte einen falschen biografischen Eindruck erwecken. Im Großen und Ganzen zeichnete sich das Bücherregal meines Vaters nämlich weniger durch Indianerbücher (die Anekdote dreht sich im J F Coopers Lederstrumpf) als durch technische Fachliteratur aus, um die ich damals wie heute gerne einen Bogen mache.
Die Begeisterung für Bücher und für das Lesen verdanke ich vor allem meiner Mutter. Und weil meine Mutter in diesem Jahr einen markanten, halbrunden Geburtstag feiert, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich bei ihr für dieses Geschenk mit diesem kleinen Büchlein zu bedanken.
Wie schon im ersten Band schließe ich diese Vorbemerkung mit einem Warnhinweis: Lesesplitter verraten wenig über die Bücher,
