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Leviathan (1651) entwirft eine Theorie politischer Ordnung aus materialistischer Anthropologie: Im Naturzustand herrscht der Krieg aller gegen alle; Furcht und Vernunft führen zum Vertrag, der einen ungeteilten Souverän schafft. Der Staat als "künstlicher Mensch" garantiert Frieden. Der Stil ist definitorisch-präzise, deduktiv und bewusst polemisch; im Kontext der englischen Bürgerkriege bricht Hobbes mit scholastischer Teleologie und unterzieht Theologie, Recht und Sprache einer nüchternen, teils biblisch fundierten Analyse. Hobbes (1588–1679) war Humanist, Mathematiker und politischer Denker, geprägt als Hauslehrer der Cavendish, durch Kontinentalreisen und die Begegnung mit galileischer Wissenschaft. Pariser Exil und Thukydides-Übersetzung vertieften sein Misstrauen gegen Fraktionsherrschaft. Die Erfahrungen der Aufstände und Kriege in England motivierten die Suche nach einer strengen, naturwissenschaftlich inspirierten Begründung souveräner Gewalt; die spätere lateinische Fassung (1668) zeugt von fortgesetzter Revision. Ich empfehle dieses Buch allen, die politische Legitimität, Rechtspflicht und religiöse Autorität historisch fundiert verstehen wollen: Es bietet eine kompromisslose, logisch stringente Architektur des Gemeinwesens und eine präzise Psychologie von Angst und Begehren. Für Debatten über Souveränität, Sicherheit und Freiheit bleibt der Leviathan unentbehrlich – provokativ, klärend, intellektuell disziplinierend. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Im Zentrum steht die drängende Frage, wie aus der Furcht vor unsicherem, gewaltsamem Zusammenleben und der Vielzahl eigensinniger Einzelinteressen eine stabile politische Ordnung entstehen kann, die hinreichenden Schutz gewährt, ohne den Menschen gänzlich zu verschlingen, und die, als künstlicher Körper aus vielen, die Kräfte bündelt, die Sprache ordnet, die Regeln fixiert und den ständigen Rückfall in Streit und Misstrauen verhindert, sodass Freiheit nicht als schrankenloses Begehren, sondern als gesicherter Raum des Handelns erscheint und Autorität nicht Zufall, Tradition oder Gewalt, sondern nachvollziehbarer, begründeter Zusammenschluss gegen die drohende Auflösung ist, und bleibt damit fortdauernd brisant.
Leviathan ist ein grundlegendes Werk der politischen Philosophie und Staatslehre, zuerst 1651 veröffentlicht, entstanden im Umfeld der englischen Bürgerkriege. Es entfaltet keinen erzählerischen Schauplatz im Sinne eines Romans; sein Ort ist die politische Welt selbst, gedacht als künstlich geschaffenes Gemeinwesen, das über der unübersichtlichen Vielfalt privater Zwecke steht. Hobbes arbeitet mit Beispielen aus dem alltäglichen Leben und mit historischer Erfahrung, zielt jedoch auf allgemeine Geltung. Der Text positioniert sich in der Frühneuzeit, nutzt naturphilosophische Begriffe seiner Zeit und richtet sich an Leserinnen und Leser, die die Grundlagen legitimer Herrschaft und verlässlichen Friedens verstehen möchten.
Die Ausgangssituation ist theoretisch: Vom einzelnen Menschen ausgehend, seinen Leidenschaften, seinem Verstand und seinen Gefährdungen, entwickelt der Autor Schritt für Schritt die Bedingungen, unter denen Zusammenleben überhaupt berechenbar wird. Das Leseerlebnis ist die Teilnahme an einer konsequent aufgebauten Argumentation, deren Stimme sachlich, ungeduldig mit Unklarheit und entschlossen im Anspruch auf Genauigkeit klingt. Der Stil ist klar strukturiert, zugleich bilderreich, wenn politische Institutionen als von Menschen gemachte Maschinen beschrieben werden. Der Ton bleibt nüchtern und oft eindringlich; was anfangs abstrakt wirkt, gewinnt durch die straffe Folge der Schlüsse einen beständigen Zug von Dringlichkeit.
Zentrale Themen sind die Rolle der Angst und des Sicherheitsbedürfnisses in der Entstehung politischer Ordnung, die Bedeutung verbindlicher Verträge, die Natur des Rechts als Setzung einer Autorität und die Funktion von Sprache, Definitionen und Auslegung. Hobbes zeigt, wie private Urteile ohne gemeinsame Maße zu Streit führen und warum ein öffentlicher Maßstab notwendig ist. Er interessiert sich für Macht als Fähigkeit zur Sicherung zukünftiger Güter, für die Grenzen privater Gewissensurteile im öffentlichen Raum und für die Bedingungen von Frieden. Dabei kontrastiert er natürliches Recht und bürgerliches Recht, um die Architektur eines belastbaren Gemeinwesens zu umreißen.
Die bleibende Relevanz des Buches liegt in seiner unerbittlichen Klarheit, mit der es Fragen nach Legitimität, Sicherheit und Freiheit stellt. In Zeiten politischer Polarisierung, globaler Verflechtung und rasch zirkulierender Informationen bietet die Diagnose der Verletzlichkeit sozialer Ordnung einen nüchternen Prüfstein: Wie weit reicht individuelle Autonomie, wenn kollektive Sicherheit wankt? Welche Institutionen können Versprechen binden, Erwartungen stabilisieren und Vertrauen erzeugen? Hobbes’ Aufmerksamkeit für Regeln, Zuständigkeiten und die Vermeidung doppeldeutiger Autoritäten bleibt aktuell, wo Kompetenzen zwischen verschiedenen Ebenen geteilt werden und Konflikte über Zuständigkeit selbst zum Risiko für Frieden werden.
Wer den Text liest, begegnet einer Methode, die politisches Denken als Wissenschaft vom künstlichen Menschen versteht: Zuerst werden Begriffe geschärft, dann werden aus der menschlichen Verfasstheit Folgerungen für das Gemeinwesen abgeleitet. Der Argumentationsfluss verlangt Aufmerksamkeit für Definitionen, Übergänge und Ausnahmen. Statt anekdotischer Beispiele dominiert die systematische Ableitung, gelegentlich unterstützt von auffälligen Bildern, die helfen, abstrakte Zusammenhänge anschaulich zu machen. So entsteht eine Komposition, in der jeder Schritt den vorherigen stützt, und in der die Logik des Ganzen wichtiger ist als einzelne Meinungen. Das Ergebnis ist ein strenges, zugleich einladendes intellektuelles Experiment.
Leviathan gehört zu den Gründungstexten der neuzeitlichen Staatsphilosophie, weil es die Bedingungen kollektiver Verbindlichkeit mit seltenem Nachdruck und begrifflicher Schärfe thematisiert. Es liefert einen Referenzrahmen, an dem spätere Theorien von Vertrag, Repräsentation und Recht sich messen. Für heutige Leserinnen und Leser eröffnet es die Möglichkeit, politische Konflikte nicht nur moralisch, sondern institutionell zu begreifen: als Streit um kompetente Autorität, klare Regeln und verlässliche Sicherungen gegen Willkür. Indem es Ordnung als Menschenwerk begreift, lädt es dazu ein, die Voraussetzungen unseres Zusammenlebens nüchtern zu prüfen und den Wert von Frieden bewusst zu machen.
Leviathan, 1651 veröffentlicht, ist Thomas Hobbes’ systematische Begründung politischer Ordnung im Kontext der englischen Bürgerkriege. Ausgehend von einer naturphilosophisch geprägten Methode will Hobbes zeigen, wie stabile Herrschaft aus Einsichten über den Menschen entsteht. Das Werk gliedert sich in vier Teile: über den Menschen, über den Staat, über den christlichen Staat und über das sogenannte Reich der Finsternis. Der Anspruch besteht darin, politische Prinzipien mit strenger Argumentation zu entwickeln, um Frieden und Sicherheit zu erklären und zu rechtfertigen. Die Darstellung verbindet Anthropologie, Sprach- und Erkenntnistheorie, Recht und Theologie zu einem kohärenten Entwurf moderner Souveränität.
Zunächst entfaltet Hobbes seine Lehre vom Menschen. Wahrnehmung entsteht aus körperlicher Bewegung, Vorstellungen verbleiben als abgeschwächte Eindrücke. Begehren und Abneigung steuern das Handeln; Vernunft ist ein Rechnen mit Folgen, das Mittel auf Ziele abstimmt. Sprache macht abstraktes Denken, Verträge und gemeinsames Planen möglich, birgt aber auch die Gefahr von Missverständnissen und Streit, wenn Wörter unklar definiert sind. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis verlangt eindeutige Begriffe und logische Folgerung. Diese Analyse der Triebe, der Furcht vor Schaden und des Strebens nach Nutzen bildet die Grundlage für Hobbes’ spätere Erklärung sozialer Konflikte und der Notwendigkeit verbindlicher Regeln.
Aus der menschlichen Gleichheit an Verwundbarkeit und an Hoffnungen leitet Hobbes die Konfliktanfälligkeit eines vorstaatlichen Zustands ab. Wo keine gemeinsame Macht Regeln durchsetzt, genügen Misstrauen, Konkurrenz und das Verlangen nach Sicherheit, um latente Feindseligkeit zu erzeugen. Eigentum, Recht und Unrecht sind dort nicht verlässlich bestimmt, Erwartungen sind unsicher, Kooperation brüchig. Der entscheidende Gedanke lautet: Nicht besondere Bosheit, sondern strukturelle Unsicherheit treibt die Menschen in Vorsicht und Vorwegnahme von Gewalt. Die Furcht vor gewaltsamem Tod und der Wunsch nach einem geordneten, berechenbaren Leben motivieren die Suche nach tragfähigen Friedensbedingungen.
Hobbes formuliert daraufhin sogenannte Gesetze der Natur als vernünftige Handlungsregeln. Zuerst soll man Frieden suchen, sofern Aussicht darauf besteht; wo dies nicht möglich ist, darf man sich schützen. Darauf folgen Prinzipien wie die Bereitschaft, Rechte zu beschränken, wenn andere dasselbe tun, die Pflicht zur Vertragstreue, Dankbarkeit, Nachgiebigkeit in Dingen ohne großen Streitwert und die Vermeidung von Provokation. Diese Regeln sind Einsichten der Vernunft, aber ohne gemeinsame Macht bleiben sie unverbindlich. Damit Frieden nicht bloße Einsicht bleibt, braucht es eine Institution, die Vereinbarungen sichert und Übertretungen sanktioniert.
Aus der Einsicht in die Notwendigkeit verbindlicher Sicherung erklärt Hobbes den Gesellschaftsvertrag. Viele vereinbaren wechselseitig, ihre natürliche Handlungsfreiheit zu übertragen und eine Person zu bevollmächtigen, ihren Willen zu vertreten. Dieses künstliche Gemeinwesen, als ein einziger Körper gedacht, erhält Souveränität: die höchste Entscheidungs- und Durchsetzungsmacht nach innen und außen. Autorität entsteht nicht aus göttlicher Einsetzung, sondern aus menschlicher Übereinkunft zur Selbstbewahrung. Der Souverän kann Gesetze erlassen, Recht sprechen, Krieg und Frieden bestimmen und öffentliche Lehre ordnen. Seine Einheit soll Streit schlichten, Spaltungen verhindern und die Bedingungen verlässlicher Kooperation herstellen.
Hobbes vergleicht Regierungsformen und betont die Vorteile der Monarchie, ohne die Legitimität anderer Verfassungen völlig auszuschließen. Maßgeblich ist weniger die Form als die Unteilbarkeit und Wirksamkeit der Souveränität. Er erörtert Institutionen wie Nachfolge, Räte, Beamte, Militär und Besteuerung, um die Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens zu sichern. Untertanen besitzen Freiheit in den Bereichen, die das Gesetz nicht regelt; grundlegende Selbstschutzrechte bleiben bestehen. Eigentum ist rechtlich definiert durch positive Gesetze, nicht durch vorstaatliche Ansprüche. Diese Überlegungen verbinden individuelle Sicherheit mit zentralisierter Kompetenz, um Willkür privater Gewalt zu verhindern.
Recht ist für Hobbes das Gebot des Souveräns, kundgegeben zur Steuerung des Handelns. Richterliche Auslegung, Präzedenz und klare Publikation sorgen für Vorhersehbarkeit. Gerechtigkeit besteht wesentlich in Vertragstreue; Verbrechen sind Gesetzesverletzungen, und Strafen dienen der Abschreckung und Erhaltung der Ordnung. Nützliche Beratung unterscheidet sich von Befehl; Räte sollen informieren, nicht herrschen. Erziehungswesen und öffentliche Lehre sind politisch bedeutsam, weil Meinungen Handeln prägen. Indem der Staat widersprüchliche Autoritätsquellen begrenzt, wahrt er Frieden. Das Wohl und die Sicherheit der Gemeinschaft bilden die oberste Zielperspektive, an der Institutionen und Maßnahmen gemessen werden.
Im dritten Teil behandelt Hobbes Religion und versucht, den christlichen Glauben mit staatlicher Souveränität zu versöhnen. Auslegungsfragen der Heiligen Schrift, die Autorität kirchlicher Ämter und die Bedeutung von Wundern und Prophezeiungen werden so geordnet, dass weltliche Gewalt die öffentliche Religionspraxis reguliert. Innere Überzeugung bleibt individuell, doch äußere Kulte bedürfen klarer Zuständigkeiten, um Machtkonflikte zu vermeiden. Hobbes weist die Vorstellung zurück, es gebe eine von der Zivilgewalt unabhängige, gleichrangige kirchliche Herrschaft. Die politische Einheit soll auch in religiösen Fragen Spaltungen eindämmen und dadurch die Voraussetzungen bürgerlichen Friedens schützen.
Der vierte Teil kritisiert Lehren, die aus Hobbes’ Sicht Unklarheit und Zwietracht fördern. Dazu zählen philosophische Spekulationen ohne klare Begriffe, missverstandene religiöse Autorität und institutionelle Ansprüche, die die Einheit der Souveränität untergraben. Hobbes beschreibt, wie solche Irrtümer Furcht, Aberglauben und Gehorsam gegenüber konkurrierenden Autoritäten nähren und so den Weg in Unordnung bereiten. Seine Gegenstrategie bleibt dieselbe: präzise Sprache, überprüfbare Begründungen und eine eindeutige höchste Gewalt. Das Buch schließt mit der Mahnung, dass dauerhafte Sicherheit politisch erarbeitet werden muss, nicht durch Berufung auf dunkle, uneinheitliche Quellen der Legitimität. Abschließend entfaltet Leviathan eine bleibende Botschaft: Frieden entsteht aus klarer Einsicht, verlässlichen Verträgen und wirksamer gemeinsamer Macht.
Thomas Hobbes’ Leviathan entstand im Kontext des frühen bis mittleren 17. Jahrhunderts in England, geprägt von der Stuart-Monarchie, dem englischen Parlament und der anglikanischen Kirche. Zentrale Institutionen wie die Common-Law-Gerichte, die Universitäten Oxford und Cambridge sowie aristokratische Patronagekreise (u. a. das Haus Cavendish) strukturierten das intellektuelle Leben. Der Buchdruck unterlag der Aufsicht der Stationers’ Company; bis zur Abschaffung des Star Chamber 1641 bestanden strenge Zensurmechanismen. Europa insgesamt war von konfessionellen Spannungen gezeichnet, die seit der Reformation andauerten. Dieses institutionelle Gefüge bildete den Rahmen, in dem politische Autorität, religiöse Zuständigkeiten und Gehorsamspflichten verhandelt und öffentlich diskutiert wurden.
Seit den 1620er Jahren spitzten sich in England Konflikte zwischen Krone und Parlament zu. Nach der Petition of Right (1628) regierte Karl I. von 1629 bis 1640 ohne Parlament („Personal Rule“) und griff zu umstrittenen Finanzmitteln wie der Ship Money. Erzbischof William Lauds kirchliche Reformen stießen auf Widerstand. In Schottland führte die Einführung des anglikanischen Gebetbuchs zum National Covenant (1638) und zu den Bischofskriegen (1639–1640). Die daraus entstehenden Kosten zwangen den König, das Parlament zurückzurufen (Short Parliament 1640; Long Parliament ab November 1640). Diese Auseinandersetzungen verschoben die Debatte über Souveränität, Gesetzgebung und religiöse Autorität ins Zentrum.
Die Spannungen mündeten in die Englischen Bürgerkriege. 1642 begann der offene Konflikt zwischen Royalisten und Parlamentariern; die New Model Army wurde 1645 aufgestellt und errang bei Naseby einen entscheidenden Sieg. 1649 folgten die Hinrichtung Karls I. und die Ausrufung des Commonwealth unter dem Rumpfparlament. Weitere Kämpfe setzten sich in Irland und Schottland fort; 1651 endete der dritte Bürgerkrieg mit der Niederlage Karls II. bei Worcester. Diese Folge von Kriegen, Regimewechseln und Verfassungsbrüchen prägte die politische Debatte über Sicherheit, Gehorsam und legitime Herrschaft, die Hobbes in seinem 1651 erschienenen Werk thematisierte.
Thomas Hobbes (1588–1679) stammte aus Malmesbury und arbeitete lange als Hauslehrer der Cavendishs, was ihm Reisen und intellektuelle Kontakte ermöglichte. 1636 besuchte er Galileo in Florenz. 1640 floh Hobbes nach Paris, nachdem sein Traktat The Elements of Law in Manuskriptform politisches Aufsehen erregt hatte; 1642 erschien dort sein De Cive. Ab 1646 unterrichtete er den im Exil lebenden Prinzen von Wales (den späteren Karl II.) in Mathematik. Zwischen 1649 und 1651 verfasste er in Paris den Leviathan. Nach dessen Veröffentlichung kehrte er 1651 nach England zurück und suchte Schutz durch Unterwerfung unter das seit 1649 bestehende Commonwealth.
Leviathan steht auch im Kontext der wissenschaftlichen Revolution. Hobbes übernahm eine mechanistische Naturauffassung, bevorzugte geometrische Beweisführung und betonte kausale Erklärung. 1641 beteiligte er sich mit Einwänden an Descartes’ Meditationes. Methoden- und Autoritätsfragen, wie sie durch Bacon, Galileo und die kontinentale Philosophie aufgeworfen wurden, prägten die intellektuelle Umgebung. In England verbreiteten sich experimentelle und mathematische Ansätze, die etablierte scholastische Lehrtraditionen herausforderten. Diese Verschiebung hin zu systematischer Begründung und methodischer Strenge bildete den Hintergrund für Hobbes’ Versuch, politische Ordnung mit ähnlicher Stringenz zu analysieren und ohne Berufung auf kirchliche Jurisdiktion oder überlieferte Ständeprivilegien zu rechtfertigen.
Die religiöse Dimension der 1640er Jahre war zentral. Das Westminster Assembly (ab 1643) arbeitete an einer presbyterianischen Kirchenordnung; die Solemn League and Covenant verband parlamentarische Kriegsführung mit schottischem Presbyterianismus. Gleichzeitig gewannen unabhängige und sektiererische Gruppen im Umfeld der New Model Army an Einfluss; Fragen der Toleranz, Kirchenzucht und der Auslegung der Schrift wurden öffentlich verhandelt. Hobbes’ Buch behandelt kirchliche Machtansprüche und legt weite Teile kirchlicher Autorität unter die Kompetenz der staatlichen Souveränität. Sein Umgang mit biblischer Exegese und mit päpstlichen Jurisdiktionsansprüchen spiegelt die damaligen Auseinandersetzungen zwischen presbyterianischen, episkopalen und römisch-katholischen Ordnungsmodellen.
Leviathan erschien 1651 in London mit einem von Abraham Bosse gestochenen Titelblatt und löste sofort widersprüchliche Reaktionen aus. Royalistische Exilanten nahmen Anstoß an der Betonung faktischer Obrigkeit und der Unterordnung kirchlicher Gewalt; presbyterianische Kritiker beanstandeten die starke, einheitliche Souveränität. Nach der Restauration (1660) blieb das Werk umstritten. 1666 setzte das Unterhaus einen Ausschuss zur Untersuchung „gottloser“ Bücher ein, in dessen Fokus auch Schriften Hobbes’ standen. 1668 erschien eine lateinische Fassung des Leviathan. Die römische Indexkongregation verbot das Buch 1703. Gleichzeitig zirkulierte es breit und prägte gelehrte wie politische Diskussionen über Ordnung und Gehorsam.
Als Kommentar zu seiner Epoche bündelt Leviathan Erfahrungen von Bürgerkrieg, Glaubensstreit und Staatsbildung in einer Theorie der Souveränität, die auf Frieden und Schutz zielt. Das Werk formuliert einen Vertragsschluss als Begründung politischer Autorität und befürwortet eine ungeteilte, wirksame Entscheidungsinstanz, um Rückfälle in Bürgerkrieg zu verhindern. Es knüpft an europäische Debatten über Gesetz, Naturrecht und Herrschaft an und steht neben Autoren wie Bodin und Grotius. In der politischen Ideengeschichte gilt es als Grundtext der Moderne; seine Argumente wurden von Befürwortern starker Staatlichkeit aufgegriffen und von liberalen und republikanischen Denkern intensiv kritisiert.
Thomas Hobbes (1588–1679) gilt als einer der prägendsten politischen Philosophen der frühen Neuzeit. Inmitten der Umbrüche des 17. Jahrhunderts, insbesondere des englischen Bürgerkriegs, entwickelte er eine konsequent materialistische, mechanistische Sicht auf Mensch und Staat. Sein Hauptwerk Leviathan bot eine systematische Theorie des Naturzustands, des Gesellschaftsvertrags und der Souveränität, deren Klarheit und Radikalität Bewunderung und Empörung zugleich auslösten. Hobbes verband präzise Sprache mit geometrischem Ideal an Beweisführung und zielte darauf, öffentliche Ordnung auf rationalen Grundlagen zu sichern. Seine Beiträge beeinflussten die Entwicklung moderner Staatslehre, Rechtsphilosophie und Debatten über Autorität, Freiheit und Sicherheit bis in die Gegenwart.
Aufgewachsen im elisabethanisch-jakobinischen England, erhielt Hobbes in Oxford (Magdalen Hall) eine humanistische Ausbildung, geprägt von Scholastik und klassischer Philologie. Früh beschäftigte er sich intensiv mit antiken Autoren; eine besondere Wirkung entfalteten später die strenge Methode Euklids und die historisch-politische Perspektive Thukydides. Als Hauslehrer der Familie Cavendish reiste er mehrmals auf den Kontinent und begegnete führenden Gelehrten. Kontakte zum Kreis um Marin Mersenne sowie die Bekanntschaft mit Galilei stärkten sein Bekenntnis zu mechanischer Naturerklärung. Auch Francis Bacons empirisch-programmatische Reformideen prägten seinen Zugang zur Wissenschaft. Diese Einflüsse bündelte er zu einem Projekt rationaler Begründung gesellschaftlicher Ordnung.
Seine frühen Publikationen spiegeln den Übergang vom klassischen Studium zur systematischen Philosophie. 1629 veröffentlichte Hobbes eine vielbeachtete englische Übersetzung des Thukydides, deren nüchterner Blick auf Krieg, Furcht und Macht sein politisches Denken schärfte. In den 1630er-Jahren arbeitete er an Logik, Rhetorik und Naturphilosophie; 1637 erschien seine Kurzfassung der aristotelischen Rhetorik. Angesichts der zugespitzten innenpolitischen Lage verfasste er 1640 The Elements of Law (zunächst im Manuskript zirkulierend) und legte 1642 mit De Cive eine lateinische Darstellung seiner politischen Prinzipien vor. Während des Pariser Exils beteiligte er sich 1641 mit Einwänden an Descartes’ Meditationen.
Mit Leviathan (1651) entwarf Hobbes ein umfassendes System, das Anthropologie, Erkenntnistheorie, Religion und Politik zusammenführte. Ausgehend von einer Theorie der Leidenschaften und der Sprache zeichnete er den Naturzustand als unsichere Lage rivalisierender Individuen, aus der nur durch Vertrag und die Einrichtung ungeteilter Souveränität verlässliche Sicherheit erwächst. Die pointierte Darstellung religiöser Autorität im Dienst des Friedens provozierte scharfe Kritik. Zugleich prägte die bildkräftige Prosa die politische Begrifflichkeit dauerhaft. Das Werk markierte einen Meilenstein seiner Karriere: Es festigte seinen Ruf als radikaler Theoretiker staatlicher Ordnung und strukturierte die Debatten des Bürgerkriegszeitalters nachhaltig.
In den 1650er-Jahren weitete Hobbes sein Projekt eines „Elementarsystems“ aus. De Corpore (1655) behandelte Logik, Sprache, Geometrie und Naturlehre; De Homine (1658) thematisierte Wahrnehmung, Bewegung und menschliches Verhalten. Heftige Kontroversen mit Universitätsgelehrten, besonders John Wallis, entzündeten sich an seiner Geometriekritik und an Fragen der Quadratur des Kreises; darauf reagierte er unter anderem mit Six Lessons to the Professors of the Mathematics. Parallel führte Hobbes eine vielbeachtete Debatte mit John Bramhall über Freiheit und Notwendigkeit, die in Schriften wie Of Liberty and Necessity und Questions concerning Liberty, Necessity and Chance kulminierte.
Hobbes’ Religionskapitel zielten auf eine Unterordnung kirchlicher Macht unter weltliche Souveränität, um die Friede sichernde Einheit des Gemeinwesens zu wahren. Sein historisches Spätwerk Behemoth, eine Analyse der Ursachen und Ereignisse des Bürgerkriegs, wurde zu seinen Lebzeiten zurückgehalten und erschien postum. Neben politischen und naturphilosophischen Schriften verfasste er auch literarische Arbeiten, darunter eine lateinische Autobiografie in Versen (Vita Carmine Expressa) sowie späte Übersetzungen von Homers Ilias und Odyssee. Diese Aktivitäten unterstreichen seinen Anspruch, Sprache, Geschichte und Wissenschaft zusammenzuführen, um die Voraussetzungen stabiler politischer Ordnung zu klären und didaktisch zugänglich zu machen.
Nach seiner Rückkehr nach England in den frühen 1650er-Jahren arbeitete Hobbes unter wechselnden politischen Regimen weiter und blieb eine umstrittene öffentliche Figur. Seine Schriften wurden zeitweise argwöhnisch beobachtet, doch sein literarisch pointierter Stil sicherte fortwährende Aufmerksamkeit. Er starb 1679 im hohen Alter. Sein Vermächtnis reicht weit über die politische Theorie hinaus: Hobbes prägte Debatten der Rechtsphilosophie, der Theorien internationaler Ordnung und der Methodendiskussion zwischen Geometrie, Sprache und Erfahrung. Spätere Vertragstheorien setzten sich kritisch mit ihm auseinander, während realistische Ansätze seine Anthropologie neu deuteten. Bis heute bietet sein Werk Maßstäbe für Fragen von Sicherheit, Autorität und zivilem Frieden.
