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Leyla, eine junge hübsche Orientalin , lebt im Königsharem bis zu dem Tag als eine ungewöhnliche Forderung an sie gestellt wird. Sie soll den Neffen des Königs in der Nacht zu seinem 16. Geburtstag zum Manne werden lassen. Anfangs steht sie diesem ungewöhnlichen Ansinnen ablehnend gegenüber, doch da sie keine Wahl hat, will sie versuchen das Beste aus dieser für sie absurden Situation zu machen. Die Nacht mit dem attraktiven jungen Mann wird anders als erwartet für sie zu einer sehr romantischen Begegnung, die allerdings nicht ohne Folgen bleibt. Leyla wird im Anschluss des Harems verwiesen und erfährt Dinge über ihre Herkunft, die man ihr bisher vorenthalten hatte. Gemeinsam mit Harima, einer älteren Dame, die sich bis zu diesem Zeitpunkt um die Belange des Königs und die seiner Haremsdamen gekümmert hat, geht sie auf die Suche nach ihrer wahren Identität. Mit wenig Hoffnung darauf, etwas Licht ins Dunkel ihrer Vergangenheit bringen zu können, durchquert sie die Wüsten Marokkos als Mitreisende einer kleinen Karawane, die ungewöhnlicher nicht sein könnte. Tauchen sie ein in das Flair des Orients und erleben sie die Abenteuer und Gefahren, derer sich die kleine Schar auf ihrer Reise ausgesetzt sieht. Erleben sie, wie die Liebe und das Verlangen Einzug hält inmitten des heißen Wüstensandes und seien sie gespannt darauf, ob sich die Mühen der beschwerlichen Reise am Ende auszahlen. Ein sinnlich erotisches Märchen für Menschen, die das Besondere Leseereignis suchen und sich entführen lassen möchten in eine andere, fremdartige Welt.
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Seitenzahl: 680
Veröffentlichungsjahr: 2015
www.tredition.de
Leyla, der Duft der Mandelblüten!
www.tredition.de
© 2015 R.P. Winter
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7323-4484-0
Hardcover:
978-3-7323-4485-7
e-Book:
978-3-7323-4486-4
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhalt
Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Vorwort
Es sei gesagt, das die Handlung und die darin beschriebenen Personen ausschließlich meiner Phantasie entstammen.
Keiner der Akteure hat zu irgendeiner Zeit real existiert, noch hat sich die Geschichte irgendwann wirklich so zugetragen.
Die Orte und das Land des Geschehens wurden von mir frei gewählt und auch das Königshaus und seine Mitglieder entstammen allein meiner Phantasie und haben mit tatsächlich lebenden oder verstorbenen Personen nichts zu tun.
Dieses Buch dient allein der Unterhaltung und hat keinerlei religiösen Hintergrund.
Es ist ein Märchen und ich bitte darum, es auch als solches zu betrachten. Aber nun wünsche ich einen unbeschwerten Lesegenuss und eine angenehme Reise ins Tal der Mandelblüten!
Kapitel 1
Es war ein warmer Frühlingsmorgen und in der Luft lag der Duft von frischen Blumen und heiß aufgebrühtem Mocca. Die Sonne Marrakeschs erfüllte Leyla’s Schlafgemach und die Stimme des Muezzins weckte sie auf. Die Frauen des Königs hatten sich zu großen Teilen bereits im Palastgarten eingefunden, nahmen dort ihr Frühstück ein und warteten auf die Händlerinnen, die des Königs Vertrauen genossen und zweimal im Monat herkamen, um ihre Waren feilzubieten. Es war immer wieder ein Schauspiel der besonderen Art. Dort wurden Dinge, die scheinbares Desinteresse weckten, anschließend heiß umfeilscht, nachdem einmal eine Verhandlungsbasis gefunden worden war. Es konnte durchaus sein, das sich die Verhandlungen unselig lange hinzogen aber dies gehört zum Orient wie die Dattelpalmen. Jede der Haremsfrauen verfügte über ausreichende Mittel, die Preise einfach anzuerkennen, die die Händlerinnen sich für ihre Waren vorstellten aber, oh Allah, wo kämen wir denn da hin? Der ganze Spaß wäre geraubt und außerdem lag es ganz und gar nicht in der Natur dieser heißblütigen Geschöpfe, dem Gegner kampflos gegenüber zu treten.
Aber verlassen wir diesen Ort und blicken noch einmal zurück in Leyla’s Gemach. Sie lag auf einem riesigen Bett, das mit kostbaren Stoffen bezogen war. Von der Decke herunter hingen in vielfältigen Farben große Tücher, locker gespannt und ineinander übergehend, so das vom Bett aus betrachtet ein großer farbiger Himmel zu sehen war.
Leyla, eine Frau von 23 Jahren, schön wie die Sonne. Sie trug langes, schwarzes Haar, das ihr bis zur Mitte des Rückens reichte, hatte ein schmales langes Gesicht und dunkle, braune Augen, in deren Tiefe man versinken mochte. Sie war von mittelgroßer Statur, schlank wie eine Gazelle und ihre dunkle, unbekleidete Haut war so weich und makellos, das jede Frau dafür gemordet hätte. Es gab keinen Eunuchen im Harem des Königs, der sein Schicksal nicht schon huntertfach verflucht hätte, wenn er Leyla’s feste, vollen Brüste erblickt hatte oder gar ihrem Liebesspiel mit Mustafa, dem König beiwohnen musste. Denn unerheblich wie intim das Liebesspiel auch war, es waren immer Diener oder Dienerinnen zugegen, wenn der König seinen leidenschaftlichen Freuden nachging und dies konnte selbst einen Kastraten schon einmal wehmütig werden lassen. Langsam schlug Leyla an diesem Morgen das Seidenlaken zurück und gab damit den Blick auf eine weitere Schönheit des Orients frei. Zabou, eine atemberaubend schöne Nubierin, die nicht viel älter war als Leyla selbst. Leyla betrachtete die noch schlafende, ebenfalls nackte Frau einen Augenblick, bevor sie sich zu ihr hinüberbeugte und sie zärtlich auf die Schulter küsste. „Wach auf, meine Katze! Oder willst du den ganzen Tag verschlafen? Lass uns essen gehen und vielleicht das ein oder andere einkaufen, wenn gleich die Geschäfte im Garten beginnen.“ Zabou öffnete schlaftrunken die Augen, denn die beiden hatten eine lange, erotische Nacht miteinander verbracht. Da der König nicht jede Frau in jeder Nacht beglücken konnte, hatte er aus Vernunftsgründen nichts dagegen, wenn sich seine Herzensdamen hin und wieder miteinander vergnügten. Für einen anderen Mann hingegen hätte das den sicheren Tod bedeutet. „Nein“, sagte Zabou und lächelte Leyla schelmisch an. „Lass uns zuerst Ibrahim, den Obereunuchen ein wenig ärgern. Ich habe da so eine Idee“ Ibrahim wurde also gerufen und Zabou befahl ihm, ihnen Gesellschaft zu leisten. Widerwillig, da er schon mehrfach Opfer der beiden war, nahm Ibrahim seine Stellung neben der Türe ein und fragte sich, welche Bürde jetzt wohl wieder auf ihn wartete. Zabou griff in die Seidenwäsche und holte einen hölzernen Gegenstand hervor, der Ähnlichkeit mit dem Penis eines Mannes aufwies. Durchaus kunstvoll gefertigt und dort, wo anatomisch die Eichel angrenzte, rundherum mit kleinen, runden, glatten, hervorstehenden Steinen intarsiert. Zabou setzte sich hinter Leyla auf das Bett und nahm den hölzernen Phallus in ihre rechte Hand.
„Schau mal, Leyla. Dieses lustige Spielzeug habe ich beim letzten Besuch der Händlerinnen erstanden. Ich musste ganz schön hartnäckig verhandeln aber irgendwann hat sie es mir mit einem verheißungsvoll wehmütigen Blick doch verkauft. Ich finde, wir sollten ausprobieren ob er sein Geld wert ist, oder?“ Leyla, die gerade darüber nachdachte, ob dies für den armen Ibrahim nicht zu viel sein könnte, wurde der Entscheidung hierüber beraubt, denn Zabou hatte bereits Leyla’s Schenkel gespreizt und rieb mit der linken Hand ihre augenblicklich reagierende Klitoris. Ein sanftes Stöhnen ließ Ibrahim den Kopf schwellen und er fluchte innerlich wie ein Rohrspatz, was ihm allerdings nicht viel nutzte. Leyla’s Tal der Leidenschaft wurde feuchter und feuchter und ihr Unterleib streckte sich in rhythmischen Bewegungen Zabou’s Fingern entgegen wie ein Verdurstender, der dem Wasser entgegen lechzt. Zabou’s Zunge tastete sich in sanften Schritten zu Leyla’s Mund vor, die sich der in ihrem Körper entfachten Leidenschaft nicht mehr entziehen konnte. Ibrahim musste mit ansehen, wie Zabou langsam aber genüsslich das Liebesspielzeug in Leyla’s vor Verlangen glühendes Paradies schob und das passieren der „Einlegearbeiten“ mit einem lustvollen Aufstöhnen quittierte. Ihr Körper bog sich durch und der Anblick der beiden Frauen, die es miteinander trieben, war einfach atemberaubend. Leyla’s dunkle Brustwarzen waren steif und hart wie Rosenknospen, die noch nicht erblüht waren. Nach einem, von Ibrahim’s Standpunkt aus betrachtet, viel zu lange dauernden, ausgiebigen Ritt auf diesem beneidenswerten hölzernen Schaft, tat Leyla sich keinen Zwang an. Sie versicherte Zabou mit einem lang anhaltendem Stöhnen, das Sie gut gewählt hatte. Zufrieden entspannte sich Ihr Körper und sie bedankte sich bei der hübschen Nubierin mit einem innigen, zärtlichen Kuss für die Wohltat, die sie ihr hatte zukommen lassen.
Ibrahim war puterrot geworden und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel als Zabou ihm erlaubte, sich zurückzuziehen.
Offensichtlich war sie zu weit gegangen und er tat ihr für einen Augenblick wirklich leid. Aber nur kurz, denn Ibrahim war im Umgang mit seinen Untergebenen nicht gerade zimperlich und hin und wieder sollte er davon etwas zurück erhalten! „Lass uns gehen und diesen schönen, sonnigen Tag im Garten begrüßen. Außerdem sterbe ich vor Hunger“ sagte Zabou. Die beiden kleideten sich schnell an und eilten die prachtvollen Gänge des Palastes entlang. Überall war der Reichtum des Königshauses unübersehbar. Kostbare handgewebte Teppiche, Wandverkleidungen aus abertausenden kleinen Steinen zusammengesetzten Mosaiken, goldene Schalen und überall Bedienstete, die jeden Wunsch der Haremsfrauen zu erfüllen hatten. Das große hölzerne Tor, das mit aufwendigen Schnitzereien versehen war und den Weg in den Palastgarten freigab, war bereits weit geöffnet. Die Sonne blendete die beiden Frauen im ersten Moment, als sie hindurch traten und der Himmel war erfüllt vom Gezwitscher der Vögel. Eine wahre Pracht für den Betrachter, dessen Auge das Glück hatte, diesen Garten erblicken zu dürfen. Hunderte verschiedene Blumen und Gewächsarten waren hier vertreten und so wundervoll miteinander arrangiert, das es so wirkte, als sei es der Garten Eden. Nur das es im Garten Eden wohl ruhiger und besinnlicher zugegangen sein dürfte, denn die zweiunddreißig Frauen des Königs, die hier mehr oder weniger beim Essen an einer langen Tafel zusammensaßen, schwatzten unaufhörlich durcheinander. Zabou griff nach einer Platte, auf der sie sich flugs ihr Frühstück zusammenstellte, denn viel Zeit würde wohl nicht mehr bleiben bis die Händlerinnen ihre Stände aufgestellt haben würden und der Souk, der eigens für die Haremsdamen stattfand, beginnen sollte. Schafs- und Ziegenkäse, ein paar Datteln, etwas Brot, zwei Feigen und eine Handvoll blauer, süßer Trauben mussten genügen. Während Zabou für das Frühstück sorgte, wurde Leyla von Harima, einer weisen, etwas älteren Frau, die meist im Harem lebte, beiseite genommen. Harima’s Aufgabe bestand darin, sich um die Belange der Königsfrauen zu kümmern, die häufig etwas Fingerspitzengefühl verlangten.
Bei Auseinandersetzungen der Frauen untereinander vermittelte sie, kümmerte sich um organisatorische Dinge oder diente gelegentlich dem Herrscher als Übermittlerin von Wünschen oder Anordnungen an seine Frauen. Kurz und gut: Harima hatte eine Sonderstellung am Hofe und lebte schon lange inmitten des Harems. Wenn Harima sich an jemanden wandte, musste es einen besonderen Anlass dafür geben. „Ich muss etwas mit dir besprechen, meine Kleine“ sagte Harima. „Doch genieße jetzt erst einmal den Souk, wir können später noch miteinander reden. Und mach dir bitte keine Sorgen, ja?“ Harima, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters ihre einstige Schönheit immer noch erahnen ließ, verschwand in dem Trubel des Marktes, der soeben eröffnet wurde und ließ Leyla etwas verunsichert zurück. „Jetzt hast du das Frühstück verpasst“ sagte Zabou und riss Leyla damit aus ihrer Nachdenklichkeit heraus.“ Keine Zeit mehr. Der Markt beginnt und die schönsten Dinge sind die ersten, die weg sind“ fügte sie noch dazu, griff Leyla unter den Arm und zog sie mit sich. Leyla verdrängte das Gespräch mit Harima und gemeinsam zogen sie los, um die Vielfältigkeit der Waren in Augenschein zu nehmen. „Hier“ sagte Zabou, zeigte Leyla einen kunstvoll gearbeiteten, silbernen Hüftgürtel, der die Weiblichkeit der Tänzerin beim Bauchtanz ins rechte Licht rücken sollte und der dies zweifelsfrei auch konnte.“ Was hältst du davon? Wenn ich damit meine Hüften schmücke könnte es doch durchaus sein, das er Mustafa’s Wahl das ein oder andere Mal häufiger auf mich fallen ließ?!“ Leyla lächelte, denn sie wusste nur zu gut, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschehen würde, recht gering war. Denn auch die anderen Damen ließen sich immer etwas einfallen, damit Mustafa das Lager mit Ihnen teilte und nicht mit einer anderen der abendlichen Mitbewerberinnen. Zabou versuchte ihr Glück bei der Händlerin und entgegen der üblichen Verhandlungsprozedur wurden sie schnell handelseinig. Die Verkaufsstände waren für marokkanische Verhältnisse eigentlich recht einseitig bestückt, denn es gab zwar ein reichhaltiges Angebot an Schmuck, Kleidern und Stoffen, aber Dinge wie Gewürze, Lebensmittel oder ähnliches fehlten, da es in einem Harem nur von geringer Bedeutung war, womit man sein Essen würzt oder was auf den Tisch kommt. Auch Gaukler oder Schlangenbeschwörer fehlten, was auf einem „normalen“ Souk undenkbar gewesen wäre. Aber den Frauen gefiel es und es gab so ziemlich alles, was ihre Herzen begehrten. Leyla stieg plötzlich ein Duft in die Nase und sie rief „ Zabou, komm schnell her!“ Zabou stellte sich fragend neben Leyla und wollte wissen, ob etwas geschehen sei? „Schließ die Augen und sage mir, was du riechst!“ Zabou schloss ihre Augen und nahm einen ungewöhnlichen Duft wahr. Süßlich und doch sehr aromatisch, aber sie konnte diesen Hauch von irgendwas, der vorbeiwehte, nicht einordnen. „Was ist das?“fragte sie Leyla neugierig, doch auch sie kannte die Antwort darauf nicht. „Ich weiß es auch nicht, aber ich kenne diesen Duft“ Sie versuchte, dem Geruch zu seinem Ursprung zu folgen bis sie schließlich am Stand einer Händlerin stehenblieb. Hier waren viele Flacons ausgestellt und zahlreiche Frauen interessierten sich für die verschiedenen Düfte, doch Leyla musste wissen, wo dieser spezielle Duft zu finden war, der sie so seltsam berührte. Sie wurde fündig. In einem kleinen kristallenen Fläschchen war eine wunderschöne rosa-pinkfarbene Blüte zu sehen, die ein wenig an eine Rose erinnerte, aber keine war.
Sie nahm das Fläschchen in die Hand und sog den ausströmenden Duft tief ein, der ihr auf unerklärliche Weise sofort eine Gänsehaut bereitete. Woher kannte sie diesen Duft? Er schien sie in eine Zeit zu geleiten, an die sie sich nicht wirklich erinnern konnte. An eine Zeit, bevor sie als kleines Mädchen nach Marrakesch kam und dort von einigen älteren Damen erzogen wurde. Diesen Frauen kam einzig die Aufgabe zu, junge Mädchen auf ihr späteres Leben im Königshause vorzubereiten, sie die Sitten und Bräuche zu lehren, sie im Tanz und der Bewegung zu unterrichten und sie nicht zuletzt mit der Anatomie des Mannes bekannt zu machen.
Sie sollten, bevor sie in den Harem kamen, bereits vollendete Freudenspenderinnen sein, die wussten, was einem Mann zu geben und zu entlocken war. Doch an die Zeit vorher erinnerte Leyla sich nur sehr lückenhaft. An Schafe und Ziegen erinnerte sie sich und an ein schemenhaftes, verzerrtes Gesicht eines bärtigen Mannes. Diese Bilder hatte sie immer mal wieder vor Augen, konnte aber nichts rechtes damit anfangen oder sie gar zuordnen. Waren dies Bilder aus ihrer Vergangenheit oder nur Hirngespinste? Sie musste dieses Fläschchen haben! “Was ist das für eine Blüte?“ fragte sie die Frau hinter dem Verkaufsstand, die sich zu ihr umdrehte, sie freundlich anlächelte und antwortete:“Dies ist die Mandelblüte und ihr Duft betört die Sinne eines jeden Mannes, bei Allah, ich sage die Wahrheit!“ Leyla erfragte den Preis für das Parfüm und die Händlerin sagte:“Dieses Wässerchen ist eigentlich nicht zu verkaufen, da es meine letzte Flasche ist und es sehr schwer ist, es erneut zu besorgen. Um diese Flasche zu füllen, wird der Extrakt von tausenden Mandelblüten benötigt!“ Leyla vermutete, dass die Händlerin den Preis in die Höhe treiben wollte, doch dann geschah etwas sehr ungewöhnliches. Die Frau hielt kurz inne, schaute Leyla an und sagte dann zu ihr: „Meine Blume, ich schenke dir das Fläschchen, denn wenn etwas zueinander passt, dann ist es wohl die Seltenheit dieses Duftes und die Anmut und Schönheit, die Allah dir verliehen hat. Du wirst ihn einzusetzen wissen und er wird dich kleiden, auch wenn du bist, wie Allah dich schuf. Geh und nimm ihn mit. Er soll dich begleiten und du sollst gut von mir denken, wenn du ihn trägst.“ Leyla sah die Frau mit großen Augen und geöffnetem Mund erstaunt an und wusste im ersten Moment nicht, was sie sagen sollte.“Allah möge dich behüten und dir deine Großherzigkeit vergelten. Wenn ich ihn trage werde ich mich stets daran erinnern, wem ich ihn zu verdanken habe und mit welch schönen Worten du dein kostbares Geschenk geschmückt hast.“ Mit geröteten Wangen nahm die großzügige Frau Leyla’s Dankesworte entgegen, bevor sich ihre Wege wieder trennten. Leyla schlenderte, in Gedanken versunken, weiter über den Markt, blieb dann aber auf einem kleinen Steinweg des Gartens stehen, um die Flasche erneut zu öffnen und den Duft noch einmal in Ruhe auf sich wirken zu lassen, doch dazu kam es nicht. Drei Kanonenschüsse hallten plötzlich im Garten wider und das laute Ertönen von Fanfaren zeugte davon, dass ein wichtiger Gast Einzug in den Königspalast hielt. Zabou eilte zu ihrer etwas abseits stehenden Freundin und als sie sich ansahen, wurde beiden klar, dass sie das gleiche dachten. Sie mussten in Erfahrung bringen, wer dieser wichtige Gast wohl war, der soeben gebührend begrüßt wurde. Sie waren gerade im Begriff zurück in den Palast zu eilen, als Harima erneut an Leyla herantrat und ihr sagte, dass sie jetzt mit ihr reden wolle.“ Ich dachte, wir hätten noch ein wenig mehr Zeit gehabt, aber die Gäste sind bereits eingetroffen und ich möchte nicht, das du erst im letzten Moment erfährst, was der Anlass für Ihr Kommen ist.“Leyla sah Harima fragend an, denn sie konnte sich nicht erklären, was Harima von ihr wollte und was es mit dem Besuch der ihr noch unbekannten Gäste zu tun haben könnte, doch sie willigte ein, ihr zu folgen. Sie versprach der wartenden Zabou, so schnell wie möglich nachzukommen und damit gab sich ihre Freundin zufrieden, denn schließlich musste sie so schnell wie möglich in Erfahrung bringen, wer da gerade angekommen war. Leyla wandte sich wieder Harima zu, hakte sich in ihren Arm ein und fragte sie.“Was ist denn nur los? Das ist ja richtig geheimnisvoll! Und sag, was hat das mit den Gästen zu tun?“
Harima lächelte!“Nicht so schnell mein Kind! Bei Allah, du stellst Fragen schneller als eine Kobra zubeißen kann. Lass uns einen Spaziergang durch den Garten machen und ich werde es dir erklären. Danach werden sich einige deiner Fragen sicher schon beantwortet haben.“ Sie gingen durch den wunderbaren Garten, der von einer ganzen Schar Gärtnern angelegt und gepflegt wurde. Allerdings nur zu Zeiten, wenn sich keine der Haremsfrauen mehr in ihm aufhielten. Wurde das Tor morgens geöffnet, konnte man sicher sein, das sich kein Mann mehr dort aufhielt. Dafür hatte die Palastwache des Königs mit einer aufwendigen Durchsuchung gesorgt. Harima schlug den Weg zum Teich ein, der eher schon fast die Ausmaße eines Sees hatte. Herrliche Wasservögel waren hier zu Hause und Pfauen stolzierten umher und zeigten ihr farbenprächtiges Federkleid. Sie waren nicht besonders scheu, da ihnen noch nie Leid durch Menschenhand zugefügt wurde. Die beiden gingen über einen Pfad, der fast bis in die Mitte des Teiches führte und dort, auf einem kleinen Hügel endend, nahmen sie Platz auf einer steinernen Bank. Harima nahm Leyla’s Hand in die Ihre, sah ihr in die Augen und begann:“Leyla, mein Kind. Bei den Gästen, die gerade eingetroffen sind, handelt es sich um Hassan, dem Bruder des Königs. Er hat seinen Sohn Faruq mitgebracht. Vielleicht hast du ja schon einmal von ihm gehört?“ „Nein“, antwortete Leyla. „Ich habe nicht einmal gewusst, dass Mustafa einen Bruder hat. Warum hat er ihn bisher denn noch nie hier besucht?“ Harima erläuterte.“Nun, Hassan und Mustafa haben sich vor vielen Jahren heftig gestritten und man kam überein, dass es wohl das Beste sei, wenn Hassan Marrakesch verlassen würde und so lebt er seitdem in einem Palast, der zwar in Marokko liegt aber weit genug weg von der Königskrone ist. Wie dem auch sei, die beiden haben eigentlich nicht mehr viel miteinander zu schaffen und deswegen ist es auch ein wenig verwunderlich, das Hassan gekommen ist, um ein uraltes Recht für seinen Sohn Faruq in Anspruch zu nehmen.“ Leyla sah Harima erneut fragend an. „Harima, wovon sprichst du denn? Ich verstehe nicht!“ „Also, meine Kleine, “ entgegnete Harima “Mustafa ist durch ein steinaltes Recht dazu verpflichtet, seinem Neffen auf Verlangen eine seiner Haremsfrauen zur Verfügung zu stellen. Dabei liegt die Wahl bei des Königs Neffen. Ausgenommen sind die Frauen, die bereits Kinder des Königs geboren haben. Die Auserwählte hat die Aufgabe, den Jungen zum Manne zu machen und zwar in der Nacht zu seinem sechzehnten Geburtstag. Da es nur vier Frauen gibt in des Königs Harem, die noch keine Kinder von Mustafa haben, ist die Wahl sehr eingeschränkt. Mustafa ist über die Inanspruchnahme dieses Rechts nicht gerade erfreut, wie du dir denken kannst aber es bleibt ihm keine andere Wahl. Er glaubt, dass es seinem Bruder Freude bereitet, ihn auf diese Weise zu brüskieren aber er will vor Ihm auch auf keinen Fall das Gesicht verlieren. Er hat mir aufgetragen seine Frauen, die in Frage kommen, darüber in Kenntnis zu setzen und erwartet, dass die Erwählte alles tut, was zur Erfüllung dieses Anspruchs nötig ist. Mir ist bewusst, das dir das alles sehr unwirklich erscheinen muss aber es bleibt dir und den drei anderen Frauen keine andere Wahl als Mustafa’s Wunsch nachzukommen.“
Leyla starrte Harima ungläubig an aber offensichtlich waren ihre Worte ernst gemeint denn Harima sah nicht so aus, als würde sie scherzen. Leyla überlegte kurz und antwortete dann:“Harima, wenn dies der Wunsch meines Mannes und Königs ist, werde ich tun was von mir verlangt wird. Auch wenn ich darüber keine Freude empfinden kann!“Harima antwortete:“ Vielleicht bist du ja gar nicht diejenige, die gewählt wird aber das entscheidet das Schicksal. Sei aber bitte nicht mir böse, denn ich bin nur die Überbringerin dieser ungewöhnlichen Nachricht.“ Sei unbesorgt, Harima.“ entgegnete die junge Frau. „Ich weiß, dass dies nicht dir zur Last gelegt werden kann!“ „Heute Abend werdet ihr vier vor des Königs Neffen geführt und vor ihm tanzen. Eure Augen werden verbunden sein und jede von euch sollte Ihr Bestes geben, um gewählt zu werden. Mustafa erwartet es so. Morgen Nacht schon wird die Auserwählte Faruq zum Manne machen und mit ihm das Lager teilen. Allah sei mit dir und ich danke dir für dein Verständnis.“ Damit endete Harima und die beiden erhoben sich und machten sich auf den Weg zurück zum Palast. Man sah Harima deutlich an, das ihr die Rolle der Übermittlerin in diesem Falle Unbehagen bereitete, aber sie konnte sich die Nachricht nicht aussuchen. Die beiden wechselten nicht mehr viele Worte auf Ihrem Weg und Harima konnte gut nachempfinden, das Leyla ihre Gedanken jetzt erst einmal sortieren musste. Leyla lebte seit acht Jahren im Harem und sie war die neunundzwanzigste Frau Mustafa’s zu der Zeit, als er sie heiratete.
Man hatte sie nicht gefragt, ob sie das wollte, denn dieser Weg war für sie schon als kleines Mädchen bestimmt worden. Ihre ganze Erziehung war darauf ausgelegt und sie hatte dies so angenommen. Mustafa war ein Mann, dessen Bedürfnisse im Bett nicht schwer zu stillen waren aber er hatte für seine zweiundfünfzig Jahre noch eine beachtliche Potenz aufzuweisen, was einer dreiundzwanzigjährigen sicherlich entgegenkam. Zumal sie ihn ja auch nicht allabendlich zwischen ihren Schenkeln wiederfand sondern nur dann, wenn er sie für die Nacht auserwählt hatte. Aber das sie nun das Lager für eine Nacht mit einem Jüngling teilen sollte, befremdete sie. Aber je länger sie darüber nachdachte, je mehr musste sie sich eingestehen, dass dieser Gedanke irgendwie auch einen gewissen Reiz besaß. Aber dies behielt sie für sich denn darüber konnte sie Harima gegenüber natürlich nichts erwähnen. Sie war über diesen eigenartigen Gedankengang selbst ein wenig erschrocken, konnte aber nicht leugnen, dass er existierte. Am Palast angekommen wandte sich Harima Ihr noch einmal zu und bat sie:“ Leyla, richtest du Zabou bitte aus, das ich mit Ihr reden muss? Aber ich möchte dich bitten, ihr nichts über den Anlass mitzuteilen. Ich komme heute Nachmittag noch einmal zu dir in dein Gemach um dir zu erklären, wie der Ablauf heute Abend sein wird.“ Harima lächelte kurz und fügte hinzu:“ Und mach dir nicht allzu viele Gedanken! Zumindest die Augen würden den Jungen nicht unbedingt als eine Bestrafung ansehen.“ Nach dieser Aussage Harima’s trennten sich vorerst ihre Wege. Leyla ging gedankenverloren in den Palast zurück und auf dem Wege zu ihrem Gemach traf sie auf Kareem, einem der Eunuchen, der auf sie zukam und sie ansprach: „Ich habe auszurichten, das Zabou auf dich in Ihrem Gemach wartet!“Danke, Kareem“ sagte sie und schlug den Weg zu dem Palastflügel ein, in dem Zabou’s Gemach eingerichtet war. Zabou empfing Leyla mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck, denn sie hatte trotz größter Anstrengungen nicht in Erfahrung bringen können, wer denn da empfangen worden war und das stand Zabou’s naturgegebener Neugierde doch erheblich im Wege. Umso überraschter war sie, als Leyla ihr sagte, das es sich um Mustafa’s Bruder Hassan handelte und dessen Sohn Faruq. „Woher, in Allah’s Namen, weißt du das?
Ich habe so ziemlich jeden gefragt, der es wissen könnte aber alle haben nur gemeint, das sie keine Ahnung haben.“ „Harima hat es mir erzählt aber alles andere möchte sie dir selbst mitteilen. Sie möchte sich auch mit dir unterhalten, das soll ich dir ausrichten.“ entgegnete Leyla. „Worum geht es denn? Du weißt doch bestimmt etwas!?“ bohrte Zabou. „Harima hat mich gebeten es ihr zu überlassen, es dir zu sagen und das möchte ich auch respektieren. Sei mir bitte nicht böse, Zabou. Lange wirst du sicherlich nicht warten müssen. Aber ich glaube, ich verrate nicht zu viel wenn ich dir sage, das du deinen heute erworbenen Tanzgürtel sicherlich bald einsetzen kannst.“ Da hatten wir es! Nun war Zabou’s Neugier erst recht geweckt aber sie hatte keine Zeit mehr, einen erneuten Versuch zu starten da Leyla sich mit einem Lächeln und einem zärtlichen Kuss auf ihre Wange von ihr verabschiedete. „Ich bin im Badehaus falls du mich suchen solltest. Bin mal gespannt, was du sagen wirst, wenn du weißt, worum es geht.“ Zabou hielt es nun nicht mehr länger aus. Warum auf den Propheten warten, wenn man ihn auch aufsuchen kann? Sie machte sich sofort auf den Weg zu Harima! Soviel Ungewissheit war zu viel für die nubische Schönheit. Leyla ging derweil zu ihrem Gemach und auf dem Weg dorthin hielt sie kurz inne, nahm den Verschluss des Fläschchens ab, das sie immer noch bei sich trug und sog den köstlichen, unverwechselbaren Duft mit geschlossenen Augen ein. Da war es wieder. Die absolute Gewissheit, dass sie diesen Geruch bereits kannte. Tief in Ihrem Inneren gab es eine Erinnerung daran aber sie nahm keine Formen an, konnte nicht bis in ihr Bewusstsein durchdringen. Hingegen die Situation, wie sie heute zu diesem wunderschönen Geschenk gekommen war, die Worte, die die Gabe begleiteten, die waren ihr sofort wieder präsent. Leyla öffnete ihre Augen wieder, verschloss die Flasche und ging zu Ihrem Gemach.
In diesem wunderschönen, sonnendurchfluteten Zimmer angekommen, das den Orient so märchenhaft wiederspiegelte, öffnete sie eine kleine goldene Schatulle, stellte das Fläschchen hinein und betrachtete kurz die anderen kleinen Schätze, die sich in ihrem Innern befanden. Dort lag eine sehr hübsche goldene Halskette, die aus mehreren Strängen bestand, die sich beim Tragen untereinander legten. Jeder Strang bestand aus kleinen, rechteckig geformten Goldplättchen. Unter dem letzten Strang führte eine kleine, feinst gearbeitete Kette zum Dekolleté, die an einer Fassung endete, in die eine Perle seidigen Glanzes eingearbeitet war und die die Form eines langgezogenen Tropfens beschrieb. Ein sehr schönes und zugleich wertvolles Geschenk, das Leyla von Mustafa nach Ihrer ersten gemeinsamen Liebesnacht erhalten hatte. Daneben fand sich noch ein silberner Kopfschmuck, in den Smaragde eingearbeitet waren. Dieser Schmuck war eine Art Kette, die man auf der Stirn trug und die eine dreieckige Form aufwies. Dazu passend besaß Leyla noch ein paar Ohrringe. Alles in allem ein sehr geschmackvolles Arrangement, das ihrer Trägerin staunende Aufmerksamkeit garantierte und sie sehr geheimnisvoll wirken ließ. Das letzte Stück, das sich in der Schatulle befand, war ein Silberarmband. Daran befestigt war eine dünne Silberkette, die an ihrem anderen Ende an einem ebenfalls aus Silber bestehenden Ring endete. Auf den Ring war eine Art Auge aufgesetzt, das die Trägerin vor bösen Mächten schützen sollte. Dies waren die Schätze, die Leyla besonders am Herzen lagen uns sie schloss ihre Schatulle mit Bedacht. Kurz darauf verließ sie ihr Zimmer und machte sich auf den Weg ins Badehaus. Das Badehaus lag nur wenige Schritte neben dem Palast und wurde täglich von den Haremsdamen gern und ausgiebig genutzt. Hier kam man zusammen um zu entspannen, sich zu reinigen, den neuesten Klatsch zu hören oder zu verbreiten, sich massieren zu lassen und…und…und. Dort angekommen trat Leyla ein und legte ihre Kleidung ab. Sofort kam eine Dienerin und nahm sich ihrer Wäsche an. Durch einen märchenhaft schön gekachelten Flur führte sie ihr Weg schnurstracks in eine große Halle, die jedem Besucher den Atem verschlagen hätte. Sowohl die Halle als auch die unbekleideten Schönheiten darin waren eine Augenweide. Seitlich angeordnet gab es einige steinerne Bassins, die von innen mit buntem Mosaik verkleidet waren und für die Körperreinigung bereitstanden.
Nach jedem Bad wurde das Wasser entfernt und für die nächste Dame hergerichtet. Eine ganze Armee Bediensteter stand in diesem Bereich des Palastes zur Verfügung und die Frauen genossen es, sich hier verwöhnen zu lassen. Leyla stieg in eines der Bassins und ließ sich noch etwas warmes Wasser dazu gießen. Nachdem die Temperatur nun behagte, begann sie, sich zu waschen. Es war vollkommen normal, dies im Beisein so vieler Menschen zu tun, denn niemand wäre es in den Sinn gekommen, daran etwas Anstößiges zu sehen. Es war einfach Normalität. Nachdem sie sich gewaschen hatte, ließ sie sich ihre Rückseite von einer Dienerin kräftig abschrubben. Dann entstieg sie dem Bad, wurde in ein großes, flauschig weiches Tuch gehüllt und schlug nun den Weg ins Schwitzhaus ein. Als sie eintrat, wurde sie sofort vom heißen Dampf in Empfang genommen, der nach verschiedenen Kräutern roch, vordringlich aber nach Minze. Der Raum bot bestimmt zwanzig Personen Platz aber jetzt hielten sich hier nur fünf Frauen auf und ein Eunuch, der die Aufgabe hatte, die heißen Steine gelegentlich neu zu begießen, damit der Dampf auch stets ausreichend war. Das Schwitzhaus erinnerte an eine Grotte, deren Wände grob behauen und mit einer Lehmputzschicht überzogen waren. Diese war dann weiß getüncht worden und für das relativ schummrige Licht sorgten ein paar wenige Fackeln im Raum. Eine sehr stilvolle Atmosphäre, bei der man auch einmal einnicken hätte können, wenn der heiße Dampf nicht wäre. Leyla genoss das Schwitzbad sehr denn es tat ihrer Haut sehr gut. Es erhielt sie geschmeidig und reinigte sie zudem. Leyla bekam ein Gespräch der anderen Frauen mit, bei der Djerima, die Frau die gestern Abend die Freude hatte, mit Mustafa das Lager zu teilen, davon berichtete, das sie den Eindruck hatte, das Mustafa mit seinen Gedanken woanders gewesen wäre. Sie war nicht gerade erfreut darüber, denn so selten einem diese Ehre gewährt wurde, erhoffte man natürlich voll und ganz im Mittelpunkt der Begierde zu stehen. „Irgendetwas muss ihn wohl beschäftigt haben“ meinte sie ein wenig enttäuscht. Leyla stellte sich die Frage, ob Mustafa wegen der bevorstehenden Manneswerdung seines Neffen so abwesend gewesen ist und ob er wohl schon vor dem Eintreffen seiner Gäste davon gewusst hatte, dass diese Forderung an Ihn gestellt würde. Sie verließ das Gespräch, denn ihr Körper hatte dem heißen Dampf mittlerweile nicht mehr viel entgegenzusetzen. Bevor ihr schwindelig wurde, schob sie den schweren Vorhang beiseite, der den Weg nach draußen frei gab und vor der Tür atmete sie erst einmal kräftig durch. Unmittelbar vor dem Schwitzhaus gab es ein Tauchbecken, dessen Wasser aus einer unterirdischen Quelle zufloss. Es war glasklar wie die Kugel einer Wahrsagerin aber so kalt wie das Eis eines Gletschers. Arif, ein noch sehr junger, wenn auch beleibter Eunuch, nahm Leyla’s Tuch entgegen und sah ihr zu, wie sie über die Stufen gehend langsam ihren schönen, dunklen, nackten Körper dem Wasser überließ. Nach einem kurzen Bad, das naturgegeben nicht lange währen konnte, entstieg Leyla wieder dem feuchten Nass. Man hätte vermuten können, Arif hätte das Bad genommen, denn sein Pulsschlag war deutlich angestiegen bei dem Anblick, der sich ihm bot. Aber, Allah sei gepriesen, wer hätte es ihm verdenken können? Er sah Leyla’s nackten Körper, der von einer Gänsehaut überzogen wurde und ihre Brüste und Brustwarzen, die so hart waren, das man das Wasser hätte beneiden können sie berührt haben zu dürfen. Ein kurzer verstohlener Blick auf ihren Po und ihre rasierte Scham veranlasste Arif einen Blick gen Himmel zu schicken. So viele Qualen auf Erden zu durchleben würde doch sicher später einmal im Himmel vergolten werden, oder?
Er hoffte es inständig, als er Leyla ihr Tuch hinhielt, damit sie ihren verschwenderisch schönen Körper darin einhüllen konnte. Sie lächelte ihn an und fragte sich kurz und insgeheim, was ein Eunuch wohl empfinden kann und muss, wenn er inmitten von nackten Frauen seinen Dienst zu verrichten hatte. Dann verließ sie den Raum und ging durch zwei bogenförmige Türen, die mit bunten Tüchern verhangen waren. Sie betrat einen Raum, in dem leise Musik zu hören war, denn in der Nähe waren die Räume angesiedelt, in denen die Bauchtänzerinnen neue Tänze einüben konnten oder sich einfach nur beim Tanz entspannen wollten. Die Musik passte aber auch sehr gut hierher, denn sie war in den Massageräumen angekommen. Eine gewichtige Frau kam mit empor gekrempelten Ärmeln schmunzelnd auf Leyla zu und sprach zu ihr: „Komm, mein Täubchen. Lass mich dir deine Muskeln wieder gerade rücken damit du dich auch wohlfühlst in deinem wunderschönen Körper! Welches Massageöl soll es heute sein?“ Leyla antwortete: „Sandelholzöl bitte, Fatma! Ich denke, ich hätte heute gerne Sandelholzöl.“ Leyla streckte sich auf eine mit einem großen roten Tuch abgedeckten Liege aus und verschränkte die Arme unter ihrem Kinn. Fatma deckte Leyla’s Rücken bis zum Po mit einem dampfend feuchten Tuch ab und sagte: „So, mein Täubchen, in zehn Minuten komme ich zurück, dann sind deine Muskeln so warm geworden, das ich dich im Nu wieder begradigt habe.“ Die dicke Fatma ging und als sie nach einigen Minuten zurückkam, war Leyla fast eingeschlafen. Fatma streichelte ihr behutsam über den Kopf und sagte: „Dafür, dass ich dich noch gar nicht berührt habe, bist du schon ganz schön entspannt!“ Sie nahm vorsichtig das Tuch von Leyla’s für die Sünde geschaffenen Körper und benetzte ihre kräftigen, fast schwarzen Hände mit Sandelholzöl. Das Öl war angewärmt und als Fatma ihre erfahrenden Hände auf Leyla’s Nacken legte und mit festem Griff die Massage begann, entlockte sie der jungen Frau damit ein leises Stöhnen. Fatma hatte Zauberhände. Sie massierte einen Bereich und die Entspannung fühlte man auf wundersame Weise in einem ganz anderen Teil des Körpers. Sie erzählte Leyla von ihrer Familie und von ihren Kindern und was für Streiche die kleinen Racker neuestens wieder ausgefressen hatten. Und davon, dass sie, egal was sie taten, ihnen nicht böse sein konnte, denn spätestens wenn sie in ihre schuldbewussten kleinen Gesichter schaute, in ihre dunklen Augen, die die Sonne Marokkos mit ihrem Glanz in den Schatten stellte, war ihr Zorn verraucht. Sie war gerne Mutter und liebte es, die Körper der Frauen zu entspannen und geschmeidig zu erhalten, damit sie sich wohlfühlten und dem König Freude bereiten konnten, aber sie hätte für nichts in der Welt mit eine der Frauen tauschen wollen. Sie war zufrieden mit dem Leben, dass Allah ihr zugedacht hatte und das strahlte sie auch aus.
Leyla genoss Fatma’s Massagen sehr und wenn sie fertig war fühlte es sich so an, als hätte man gar keine Knochen im Leib. Leyla bedankte sich bei Fatma, denn einmal mehr hatte sie dafür gesorgt, dass sie sich fühlte wie neugeboren. „Keine Ursache, mein Täubchen! Es ist wie immer gern geschehen.“ Fatma hüllte Leyla in ihr flauschiges Tuch und Sekunden später war die beleibte Frau bereits auf dem Weg zu Djerima, die gerade den Raum betrat um sich ebenfalls von Fatma’s Händen verzaubern zu lassen. Leyla dachte über Fatma’s zufriedenen Gesichtsausdruck nach, als sie von ihrer Familie und den Kindern sprach. Wie mochte das sein, eine richtige Familie zu haben? Sie hatte immer nur die Frauen gekannt, bei denen sie großgezogen worden war und auf das Haremsleben vorbereitet wurde. Die Frauen waren sehr nett zu Ihr und den anderen Mädchen, aber sie sind nicht ihre Eltern gewesen. Man hatte ihr erzählt, sie sei eine Waise und ein Mann, der in des Königs Dienst stand, habe sie auf der Straße aufgelesen und zu den Frauen gebracht. Wer dieser Mann genau gewesen ist und Näheres zu den Umständen ihres „Aufgefundenwerdens“ war allerdings nicht zu ergründen. Und somit hatte sie sich damit abgefunden. Es hätte viel schlimmer kommen können, hatte sie sich immer gesagt aber wenn sie Fatma zuhörte, erahnte sie, dass sie vom Leben betrogen worden war. So in Gedanken versunken erreichte sie wieder die große Badehalle, in der sie sich gewaschen hatte und die mittlerweile gut gefüllt war. Sie sah sich um und blickte unversehens in Zabou’s schönes Gesicht, das sich ihr rasch und aufgeregt näherte. Bei Leyla angekommen flüsterte sie ihr leise zu:“ Ich glaube es nicht. Eine von uns soll dieses Kind verführen?! Ich dachte zuerst, das solle ein Scherz sein aber offensichtlich ist es Harima’s Ernst. Ich kann nicht glauben, dass dies mit Mustafa’s Einverständnis geschieht!“ Leyla versuchte Zabou zu beruhigen. „Offensichtlich hat er keine andere Wahl.
Er scheint daran gebunden zu sein und wenn es sein Wille ist, so wird es geschehen! Aber vielleicht wird ja auch keine von uns beiden gewählt und es trifft Adila oder Dananir, denn es kommen ja vier Frauen in Betracht, wenn ich Harima recht verstanden habe.“
Diese Möglichkeit, die Zabou bisher völlig verdrängt hatte, beruhigte sie ein wenig und da es bereits Mittagszeit war, gingen die beiden zu einer großen Tafel die bereits mit Speisen gedeckt war, die den Gaumen verwöhnen sollten. Sie entschieden sich für Couscous mit Hammelfleisch, das gemeinsam mit verschiedenen Gemüsesorten in einer Tajine zubereitet worden war und zum Essen nahmen sie Platz auf einigen Kissen, die um einen bodennahen silbernen, runden Tisch angeordnet waren. Sie aßen mit der Hand und als sie fertig waren, wuschen sie sich die Hände in einer Schüssel mit warmen Wasser, die von einer Dienerin gereicht wurde. Zum Nachtisch gönnten die beiden sich je zwei kleine gebackene Blätterteigstückchen, die mit Nüssen und Pistazien gefüllt waren und einem süßen Sirup, der so reichhaltig darin vertreten war, dass er abtropfte. Zabou kam kauend noch einmal auf das bevorstehende Ereignis zurück. „Ich hätte ja, genau betrachtet, nichts gegen eine erotische Nacht einzuwenden, aber doch nicht mit einem Kind!“ Leyla lächelte Zabou schelmisch an. „Das Kind soll, wie ich gehört habe, gar nicht so schlecht aussehen, Zabou. Nicht das du hinterher deine Ablehnung bereust?!“ „Was, wer sagt das?“ fragte Zabou und Leyla antwortete: „Harima sagte, das er keine Beleidigung für das Auge sei!“ Nach diesem Satz konnte Leyla erkennen, das Zabou ein wenig ins Grübeln geriet, doch dann sagte sie: „Und wenn schon. Kind bleibt Kind!“
Die beiden erhoben sich aus ihren Kissen und gingen zum großen Bassin, in dem sich schon viele wunderschöne nackte Frauen tummelten, schwammen oder ausgelassen plantschten. Jeweils an den Stirnseiten des Bassins führte eine Treppe hinunter ins Wasser, die von zwei großen marmornen Säulen gesäumt waren. Vor den Säulen stand jeweils ein großer steinerner Löwe, der den durchgehenden Badegast mit seinen imposanten Zähnen drohte und eine Pranke erhob. Da die Löwen in Lebensgröße dargestellt waren, wirkten sie sehr furchteinflößend auf jeden, der ins Wasser wollte. Leyla und Zabou legten ihre Tücher ab und schritten die Treppenstufen hinab, wo sie vom wohl temperierten Wasser empfangen wurden. Die beiden schwammen eine Zeit lang, bevor sie sich auf die unterhalb des Wasserspiegels liegenden Stufen sitzend niederließen. Leyla reichte das Wasser bis zum Hals, als sie saß und Zabou setzte sich mit gespreizten Beinen hinter sie, was Leyla dazu animierte, ihren Kopf zurückzulehnen und ihn auf Zabou’s Brüste zu betten. Zabou’s Brüste waren etwas kleiner als die ihrer Freundin, aber dennoch waren sie prall und wohlgeformt, wie nur Mutter Natur sie zu vergeben hatte. Zabou beugte sich vor und flüsterte Leyla leise und zärtlich ins Ohr: „ Ich muss an letzte Nacht zurückdenken. Sie war wunderschön und ich wünschte mir….“ Weiter sprach Zabou nicht, denn Leyla hatte ihren Arm hinter ihren Rücken gestreckt und ihre Hand tastete in diesem Moment bereits nach Zabou’s Scham. Nachdem sie kurz Zabou’s Klitoris erfühlt hatte, drang ihr Finger zielstrebig in die schwarze Schönheit ein, fühlte aber relativ schnell einen Gegenstand, der Leyla ein Lächeln abverlangte. „Wie ich sehe, gönnst du dir gerade etwas, meine Katze! Sind es die Kugeln oder hast du etwas Neues entdeckt, das Freude bereitet?“ „Wer braucht etwas anderes, wenn er diese Kügelchen hat?“ antwortete Zabou und bewegte in diesem Moment ihren Unterleib so, dass die Wirkung der Kugeln sich augenblicklich entfaltete. Zabou gab ein kurzes, leises Stöhnen von sich und sagte:“Eine Katze, die nichts zu schnurren hat, fühlt sich nicht wohl, oder?“ Leyla lachte und nachdem sie noch eine Weile so dagesessen hatten, brachen sie auf, um zum Palast zurückzukehren. Der Besuch im Badehaus hatte bei Leyla Spuren hinterlassen, denn sie wurde schlagartig müde und verabschiedete sich im Palast von Zabou, um sich auszuruhen und vielleicht ein wenig zu schlafen. Zabou sagte zu Leyla bevor sie ging:“ Leyla, ich weiß nicht, ob eine von uns gewählt wird, aber wenn doch, dann muss sie der anderen unbedingt alles berichten, ja? Leyla sagte zustimmend:“ Aber ja, Zabou. Was denn sonst?“ So verabschiedeten sich die beiden von einander. Leyla betrat kurze Zeit später ihr Gemach und ließ sich sofort auf ihr großes Bett fallen und schlief mit den Gedanken an ihren abendlichen Tanz ein. Leyla wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte, als Harima ihr Zimmer betrat und sie weckte.“ Leyla, mein Kind. Du musst aufwachen, denn es ist an der Zeit, dich vorzubereiten.“ „Ist es denn schon so spät?“ fragte Leyla völlig verschlafen, doch Harima wiegelte ab.“ Nicht so schlimm, mein Kind. Adila wird zuerst tanzen, dann Zabou, dann Dananir und zum Schluss du. Doch du musst dich ja noch ankleiden. Wenn du fertig bist, komme zum Palast der Winde, denn dort werdet ihr heute Abend eure Künste zeigen.“ Der Palast der Winde hatte seinen Namen erhalten, weil dieser Raum so prächtig ausgestattet war, vor den Fenstern nur dünne Seidenvorhänge hingen und es an heißen Tagen hier am angenehmsten war. Es strich immer ein warmer Wind durch diese Halle, die eines Königs würdig war und nur hohen Gästen Einlass gewährt wurde. Da Leyla nun wusste, wo sie tanzen würde, verlor sie ihre Bedenken, mit verbundenen Augen tanzen zu sollen, da dieser Raum sehr groß war und kaum Hindernisse aufwies. Zudem kannte sie diesen Raum sehr gut, da sie hier schon sehr oft für Mustafa getanzt hatte. „Gut“ sagte Leyla. „Dann sehen wir uns gleich, Harima.“ Harima verließ den Raum und sofort traten zwei Dienerinnen ein, die Leyla beim Ankleiden halfen. Sie trug eine transparente Hose, die sich weit um ihre Beine legte, mit einem goldenen Saum bestickt war und ihrer Trägerin einen erotischen Dienst erwies weil sie die Beine und die Form des Unterleibs nicht nur erahnen ließ.
Ihr Oberteil formte ein Dekolleté, dem sich kein Männerauge entziehen konnte und war dezent mit vielen schillernden Perlen bestickt. Es fasste die Brüste so ein, dass kein Gedanke mehr zwischen ihm und der Brust Platz gefunden hätte. Sie legte ihren Kopfschmuck an und trug die Ohrringe, die sie aus ihrer Schatulle geholt hatte. Eine der Dienerinnen legte ihr einen goldenen Tanzgürtel um ihre braune, schmale Taille, dessen Glieder an der Seite bis über das Knie herunterhingen und ringsherum mit kleinen Schellen besetzt waren. Leyla schaute die Dienerin fragend an, die ihr den Gürtel umlegte und die daraufhin erläuterte: „Harima ist der Meinung, dass er zu dir passt und das du ihn tragen solltest. Aber wenn du ihn nicht möchtest, dann…“ „Nein, nein, schon gut!“ sagte Leyla und als sie sich betrachtete, war sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Sie war fertig. Sie trug keine Schuhe, da sie sich beim Tanz barfuß am wohlsten fühlte und so machte sie sich auf den Weg, um ihre Kunst zu zelebrieren und Ihrem König und Manne Ehre zu erweisen. Als sie den Palast der Winde erreichte, eilte ihr Harima entgegen, sah sie von Kopf bis Fuß an, blickte kurz auf den Tanzgürtel und lächelte zufrieden.“ Meine Kleine, mehr kann kein Mann auf dieser Welt verlangen, denn ich muss sagen, dass meine Augen selten eine so schöne Frau wie dich erblickt haben.“ Leyla’s Wangen färbten sich rot angesichts dieses Kompliments. „Sag, welchen Tanz wirst du tanzen, damit ich es den Musikern mitteilen kann?“ fragte Harima. „Ich werde den Tanz der Kobra’s tanzen, Harima!“ „Gut, Leyla. Ich verbinde dir jetzt die Augen und werde dich gleich hinein führen, sobald Dananir ihren Tanz beendet hat.“ Harima ließ die Musiker informieren, welche Musik gespielt werden sollte. Sie verband Leyla mit einem schwarzen Tuch die Augen und von diesem Moment an war die junge Frau ganz und gar auf ihre übrigen Sinne angewiesen. Jetzt fühlte sie Nervosität in sich aufsteigen und sie nahm ihren schneller werdenden Herzschlag wahr. Es ist schwer zu sagen, wie viel Zeit verstrich, bis sich das Tor zum Palast der Winde öffnete aber Leyla kam es wie eine Ewigkeit vor. Dananir wurde hinausgeführt und Harima geleitete die jetzt sichtlich nervöse Leyla in den Raum. Viele Feuerschalen waren hier aufgestellt und hüllten den prunkvollen Raum in ein mystisches Licht. Vier große, hohe Säulen stützten die Decke des Raumes und die Säulen selbst zeigten in akribisch verlegten, feinsten Mosaiken Tänzerinnen beim Tanz, die ihre Körper offensichtlich kunstvoll zur Musik einzusetzen vermochten. Auf einer wahren Landschaft aus kostbaren Kissen und Teppichen saßen dort der König und seine Gäste. Vor allem letztere waren gespannt auf die folgende Darbietung. Faruq konnte seine Augen gar nicht weit genug öffnen, denn schon der erste Anblick der schönen Frau, die gerade den Raum betreten hatte, ließ sein Herz höher schlagen. Aber nun zu Faruq selbst. Er stand unmittelbar auf der Schwelle zu seinem sechzehnten Geburtstag, doch dies sah man ihm wirklich nicht an. Er trug eine weiße, weite Hose, die durch ein tiefrotes Tuch, das um seine Hüfte gelegt war, gehalten wurde. Sein Oberkörper war, bis auf eine schwarze, offen getragene Weste, die mit Goldfäden durchwirkt war, nackt und wahrlich, er brauchte ihn nicht zu verstecken. Breite Schultern, beginnender Haarwuchs auf der muskulösen Brust und Arme, die ein schöner Anblick für Frauenaugen waren. Sein Kopf war unbedeckt und sein Gesicht wurde von schwarzen, lockigen Haaren eingerahmt. Dunkelbraune, fast schwarze Augen und ein goldener Ohrring gehörten zu Faruq’s jugendlichem Gesicht, dessen Anblick Leyla durch die Augenbinde verwehrt blieb. Harima blieb stehen, klärte Leyla kurz darüber auf, wo genau sie sich im Raum befand und flüsterte ihr ins Ohr: „Vergiss alles um dich herum, meine Kleine und tanze, als ob es kein morgen mehr gäbe.“ Sie gab den Musikern ein Zeichen und mit gesenktem Kopf zog sie sich zurück. Leyla nahm ihre Tanzposition ein. Die Arme angewinkelt zur Decke gestreckt, die Finger einer jeden Hand an den Kuppen zusammengeführt und zwischen den Fingern noch ein wenig Raum lassend, so dass es sinnbildlich so aussah, als würden zwei Schlangen einander begegnen. Beim ersten Trommelschlag berührten die Fingerkuppen der beiden Hände sich kurz um sich sofort wieder von einander zu lösen.
Dann tanzte Leyla und ihre Arme und Hände wirkten wie die Körper zweier Schlangen, die einander verfolgen und auf den richtigen Augenblick warteten, der jeweils anderen den Todesbiss zu versetzen. Man hätte glauben können, Leyla habe keine Knochen in ihrem Körper, denn sie wirbelte umher und bewegte dabei ihre Hüften so geschwind, das die Glöckchen ihres Tanzgürtels das Trommeln der Musiker perfekt ergänzte. Die Schlangen trafen sich für einen kurzen Moment oberhalb ihres Kopfes und beide bissen zu. Die Erschütterung des Zusammenpralls setzte sich durch Leyla’s kompletten Körper wie eine Welle fort. Es erreichte zuerst die Schultern, dann die Brüste, ihre Hüfte, Po und Beine. Es schien so, als wäre jetzt offensichtlich geworden, das keine der beiden diesen Kampf für sich entscheiden konnte und so drohten sie noch eine Weile einander und Leyla brachte dies mit ihrem Tanz zum Ausdruck. Er war ruhig und betont geworden, bis die Hände sich öffneten und die Schlangen den Kampf beendeten. Leyla’s Tanzbewegungen wurden langsamer, bis sie schließlich stillstand und ihr Tanz beendet war. Stille trat ein und Leyla konzentrierte sich auf die Sinne, die ihr noch zur Verfügung standen um irgendetwas wahrzunehmen.
Mustafa war es, der mit seiner Stimme die Stille durchbrach.“ Leyla, wir haben dir zu danken für deine wundervolle Darbietung. Es ist ein Genuss für das Auge, dich tanzen zu sehen und dies hast du heute getan, dass es eines Königs würdig war. Leyla senkte zum Dank für Mustafa’s Worte ihr Haupt und hörte dann die Stimme Harima’s, die sagte: „Komm, meine Kleine. Ich führe dich nun wieder hinaus“ Harima geleitete Leyla durch den Raum und schließlich verließen sie den Palast der Winde wieder durch das Tor, durch das sie gekommen waren. Leyla zog die Augenbinde ab und fragte Harima mit unsicherer Stimme: War es in Ordnung, Harima? Oder waren Mustafa’s Worte nur gesagt, damit ich nicht enttäuscht sein muss? Bei der Antwort darauf konnte Harima eine aufsteigende Träne in ihrem Auge nicht unterdrücken und sie sagte: „Jedes Wort, das Mustafa zu dir sagte, entsprach der Wahrheit und eigentlich konnten sie das, was du heute gezeigt hast, nicht gut genug beschreiben. Du warst einfach wundervoll, meine Kleine. Und nun geh und genieße den Abend. Morgen früh werdet ihr von mir hören, wer die Auserwählte sein wird.“ Sie küsste Leyla auf die Stirn und entließ sie in den Abend. Leyla, nicht wirklich glücklich und nicht wirklich traurig über ihren Auftritt, ging zu ihrem Zimmer zurück. Als sie eintrat war Zabou bereits zugegen und bestürmte sie sofort:
“ Na, wie war es?“ Leyla lächelte und entgegnete:“ Ich glaube, sie fanden es gut! Das haben sie jedenfalls gesagt!“ „ Wer hat das gesagt?“ wollte Zabou wissen. „Mir hat niemand etwas gesagt.“ „Ach, Zabou. Lass uns über andere Dinge reden, ja? Morgen früh werden wir mehr wissen. Bis dahin würde ich gerne etwas anderes tun, als über den heutigen Tag nachzudenken. Lass uns essen gehen und vielleicht einmal bei den anderen Frauen im großen Saal vorbeischauen. Ich könnte, glaube ich, etwas Ablenkung brauchen.
Riskieren wir doch einen Blick in den Palast der Winde, wo die drei Herren inzwischen gespeist haben und Mustafa Wasserpfeife rauchend gerade das Wort ergriff. „Ihr habt nun meine Frauen gesehen, die für diese denkwürdige Nacht in Frage kommen. Ich schlage vor, das du eine Nacht darüber schläfst, Faruq und mir morgen mitteilst, für wen du dich entschieden hast.“ Faruq, leicht unsicher in der Stimme, antwortete: „Onkel, ich weiß deine Umsicht zu schätzen aber mit deiner Erlaubnis, ich habe mich bereits entschieden und selbst wenn ich hundert Nächte darüber schlafen würde, so bliebe die Wahl die gleiche. Mit deiner gnädigen Erlaubnis: Ich würde diese Nacht gerne mit Leyla verbringen!“ Mustafa schlug die Augenlider nieder und antwortete seinem Neffen: „So ist deine Wahl getroffen und ich werde sie gewähren.“ Ohne sich den Stich im Herzen anmerken zu lassen, den er deutlich fühlte, als Faruq Leyla’s Namen nannte, setzten sie den Abend fort. Nur Mustafa konnte in diesem Moment ermessen, was Faruq’s Wahl für ihn bedeutete, aber er trug es, wie ein König es zu tragen hatte. Leyla und Zabou hatten indes gespeist und saßen in einer Runde von acht Frauen im großen Saal zusammen. Dort spielte leise Musik und die Frauen präsentierten, was sie am Morgen so alles erworben hatten, spielten Spiele oder unterhielten sich. Zabou sagte zu Leyla: „Ich muss schon sagen, diese Kügelchen im Innern beim Tanz zu fühlen ist etwas, das man erlebt haben muss!“ Leyla hätte fast den Tee wieder ausgespuckt, als sie das hörte, denn sie hatte den unwiderstehlichen Drang, loszuprusten vor Lachen.
„Zabou, du bist wirklich unverbesserlich“, sagte Leyla.“ „Gibt es auch Situationen, bei denen du mal für einen Moment auf deinen Genuss verzichten kannst?“
„Kann schon, will aber nicht“, gab Zabou zurück und sie lächelte dabei, wie nur Zabou lächeln konnte. Die beiden waren sehr froh darüber, dass sie im Harem einander hatten. Sie waren Verbündete, wenn die Situation es erforderte; Familie, wenn sie die eigene vermissten und erotisches Liebespaar, wenn Mustafa keine Zeit für sie hatte und er sich anderweitig vergnügte. Aber was sie auch gerade waren, sie waren immer füreinander da. Als der Abend zu Ende ging, begleitete Zabou Leyla noch zu ihrem Gemach. Sie schauten sich kurz an und beiden war in diesem Moment bewusst, dass sie die kommende Nacht jede für sich allein verbringen würden. Leyla küsste Zabou zärtlich auf die Wange und sagte: „Gute Nacht, meine Katze. Ich wünsche dir süße Träume.“ Dann öffnete Leyla die Tür zu ihrem Zimmer und wenig später kuschelte sie sich in ihre Kissen in der Hoffnung, bald in den Schlaf zu finden. Sie verbrachte dann aber doch eine sehr unruhige Nacht und dieses Schicksal teilte sie mit Zabou, Adila und Dananir. Mustafa’s jungen Neffen ging es auch nicht viel besser, denn in der nächsten Nacht würde er zum Manne werden und das auch noch durch eine Frau, die ihm bereits bekleidet den Verstand geraubt hatte, wie also hätte er ruhig schlafen können?
Der Muezzin rief am nächsten Morgen die Gläubigen zum Gebet und über Marrakesch ging erneut eine goldene Sonne auf, die diese Stadt in ein märchenhaftes Licht tauchte. Leyla hatte gerade die Augen aufgeschlagen als Zabou bereits in ihr Zimmer trat und sagte: „Komm, steh schon endlich auf, du Langschläferin. Er hatte doch jetzt wahrlich genug Zeit, sich für eine von uns zu entscheiden!“ Leyla musste laut lachen. „Ach Zabou, wenn ich dich nicht hätte.
Ich weiß gar nicht, warum du wegen dieses Kindes so aufgeregt bist?“ Zabou zog einen Schmollmund doch dann sagte sie: „Ich habe noch einmal darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen: Lieber einen Jüngling als gar keinen Mann, oder? Und jetzt lass uns endlich frühstücken gehen.“
Die beiden gingen zum Palastgarten auf dessen Terrasse bereits eine riesige Tafel eingedeckt war mit allem, was zu einem guten orientalischen Frühstück dazugehörte. Die Terrasse wurde von einer sehr großen, hölzernen Pergola überdacht die von vielen, gerade erblühenden Rankpflanzen überwuchert wurde. Da die Blütezeit ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hatte, zeigten sich hier und dort aber noch einige lichtdurchlässige Stellen in dem grünen, natürlich gewachsenen Dach und so konnte die Sonne doch noch einige Boten entsenden, die die Tafel erreichten. Leyla sah in die Runde der anwesenden Frauen, deren Zahl so früh am Morgen alles andere als stattlich zu nennen war, aber ihr fiel auf, das auch Adila und Dananir bereits anwesend waren. Leyla aß ein Stück Fladenbrot, nahm dazu etwas kalten Hammelbraten, den man in dünne Scheiben geschnitten hatte, ein paar Datteln, eine Aprikose und ein Frühstücksei. Dazu trank sie zwei Tassen heißen Mocca, denn von irgendetwas musste man ja schließlich wach werden. Allerdings wäre sie es Momente später sowieso gewesen, denn plötzlich betrat Harima die Terrasse. Sie nahm wortlos Platz und begann zu frühstücken. Zabou schaute Harima, genau wie die drei anderen, gespannt an aber Harima sagte nichts. „Bei Allah“, sprudelte es plötzlich aus Zabou heraus. „Harima, wie kannst du nur so gleichmütig sein? Wenn du etwas weißt, dann teile dein Wissen doch mit uns!“ Harima bedachte Zabou mit einem Lächeln und sprach: „Zabou, die Entscheidung ist zwar getroffen aber mit leerem Magen bin ich zu gar nichts fähig! Wenn das Frühstück beendet ist, möchte ich euch bitten, mir in den Palast zu folgen und auf dem Weg dorthin werde ich eure Neugier befriedigen.“ Acht Augen warteten gespannt, bis Harima auch noch das letzte Schlückchen Mocca ausgeschlürft hatte und sich endlich erhob. Auf dem Weg zum Palast sagte sie dann: „Meine Perlen, ihr habt alle euer Bestes gegeben und habt eure körperlichen Reize beim Tanz wirklich wundervoll dargeboten aber es konnte nur eine ausgewählt werden, um des Königs Verpflichtung seinem Neffen gegenüber abzugelten. Nehmt es also nicht persönlich, wenn ich jetzt den Namen nenne und es nicht der Eure ist“
Acht Augen starrten gespannt auf Harima’s Lippen und sie sagte:
„Faruq, der Neffe des Königs hat für die Nacht seiner Mannwerdung Leyla erwählt!“
Drei Augenpaare wandten sich nun augenblicklich Leyla zu. Schon allein um zu sehen wie sie darauf reagierte, doch es war keine Regung, weder in die ein oder andere Richtung, an ihr auszumachen. Das mochte daran liegen, dass Leyla selbst nicht genau wusste, ob sie sich darüber freuen sollte oder nicht. Leyla blickte Harima fest in die Augen und sagte schließlich: „Nun, dann wird es so sein.“ Die Anspannung der drei anderen Frauen schwand und Harima erklärte Leyla, das Faruq sie am Abend im großen Turmzimmer erwarten würde. Am Nachmittag würde sie von zwei Dienerinnen aufgesucht, die verschiedene Kleider mitbringen würden, aus denen sie wählen könne. „Wenn du noch irgendwelche Fragen hast oder sonst etwas ist, dann komm ruhig zu mir“ bot Harima an. „Sollte dies nicht der Fall sein und wir uns heute nicht mehr sehen, wünsche ich dir einen schönen Tag aber vor allem wünsche ich dir eine Nacht, die auch du nicht bereuen musst.“ Nach diesen Worten verschwand Harima im Palast und ließ Zabou und Leyla alleine zurück, denn Adila und Dananir waren schon gegangen. „Wenn du mir morgen nicht alles bis ins kleinste Detail schilderst, rede ich nie wieder ein Wort mit dir!“ sagte Zabou zu Leyla und stupste sie an, denn sie stand immer noch ein wenig ungläubig und starr da.“ Ich wünschte, es wäre schon morgen denn ich weiß immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll.“ sagte Leyla.
„Da die Wahl dieses Knaben nun mal auf dich gefallen ist, solltest du zusehen, dass auch du etwas davon hast. Auch, wenn es ihm bei seiner Unerfahrenheit ziemlich schwer fallen dürfte, dir echte Freude zu bereiten.“ lästerte Zabou. Leyla dachte darüber nach, was ihre Freundin gerade gesagt hatte und kam zu dem Schluss, dass Zabou nicht ganz Unrecht hatte. „Ich sollte vielleicht wirklich versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Denn egal, wie ich diese Nacht begehe: Ich werde sie mit ihm verbringen.
Es wird wohl nicht die Nacht der Nächte für mich werden, aber ich sollte auch nicht zulassen, dass das Ganze ein Krampf wird.“Leyla beschloss, den Tag mit schönen Dingen zu verbringen und ihre Vorbereitungen zu treffen, so als ob es die Nacht der Nächte werden könnte.
„Zabou, du hast Recht, ich werde versuchen, das Ganze als etwas Schönes anzusehen, denn wenn ich das nicht tue, dann kann es auch nichts Schönes werden.“ So gefiel Leyla ihrer Zabou schon besser. Diese Unentschlossenheit passte nicht zu ihr. Aber als Leyla dann sagte, das sie nun los müsse, weil sie noch einige Dinge vorher erledigen wollte, gefiel das Zabou auch nicht! Aber dennoch verabschiedete Leyla sich von ihrer Freundin Zabou, zumindest bis zum Nachmittag, denn so lange würde es mindestens dauern, ihre Vorbereitungen zu treffen, so wie sie es sich vorstellte. Leyla ging in ihr Gemach, öffnete die Schatulle, die ihre wenigen Schätze beherbergte, nahm das Fläschchen mit dem wundersamen Mandelblütenduft heraus und schloss die Schatulle wieder. Sie öffnete die Flasche kurz, schloss die Augen und beschloss, dass dies der Duft ist, der in der bevorstehenden Nacht von ihr ausgehen sollte. Sie verschloss die Flasche wieder und verließ das Zimmer um ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Ihr Weg führte sie geradewegs ins Badehaus, wo sie in einem der steinernen Bassins ein ausgiebiges Bad genoss. Danach zog es sie erneut ins Schwitzhaus, in dem sie außergewöhnlich lange blieb, denn sie verließ den dampfenden Raum dreimal um sich im eiskalten Wasser des Tauchbeckens abzukühlen. Arif, der Eunuch, fragte sich schon, ob er etwas verbrochen habe, da Allah ihn offenbar strafen wollte. Denn Leyla’s unbekleideten, für die Liebe geschaffenen Körper, dreimal an einem Tage ansehen zu müssen, stellte selbst für einen Eunuchen eine Qual dar. Nachdem Leyla zu der Überzeugung gelangt war, dass jetzt auch die letzte Pore ihrer Haut ausgiebig von innen heraus gereinigt sein musste, schlug sie den Weg zu Fatma ein. Sie liebte es, sich von ihr massieren zu lassen. Sie ging durch die letzte, mit Tüchern verhängte Tür und war wieder in den Massageräumen
