Lichtungen - Martin Schmusch - E-Book

Lichtungen E-Book

Martin Schmusch

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Beschreibung

Lyrik als Weg zur Stille, als eine Möglichkeit zur Entschleunigung unserer Zeit. Versuche, Augenblicke zubewahren und ihnen ihre Freiheit zu geben. Kurzgeschichten mit Begebenheiten, die uns Neues abverlangen, die uns auf Wege führen, die unser bisheriges Wissen und Denken und überhaupt Sein übersteigen.

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Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Band 18

1. Auflage 2014

Per amare se stessi bisogna conoscersi profondamente, sapere tutto di se, anche le cose piu nascoste, le piu difficile di accettare.

Susanna Tamaro, Va` dove ti porta il cuore

Um sich selbst zu lieben, ist es notwendig, sich von Grund auf kennen zu lernen, alles über sich zu wissen, auch die Dinge, die verborgener sind, die anzunehmen uns schwerer fällt.

Für Skanderbeg, Johanna, Marten

und meine Mutter

Inhalt

Statt eines Vorwortes

Wunsch

Wer bist du

Wir

Sonnentage

Morgen

Statt eines Versprechens

Illusion

Begegnung

Inventur

Inventur 2

Wilder Mohn

Anwesenheit

Hingabe

Jetzt

Ecce homo

Lichtung

Endlich

Griechischer Tempel

Stille

Narziss

November

Kairos

Bank am Meer

Novemberhaus

Ungeduld

Tau

Angekommen

Dir

Zu hören und zu lesen

Königsweg

Carlo

Eine Bank für drei

Mendelssohn nach acht

Lila Bett

Die letzte Rose

Eisglut

Heimkehr

Fluchten

Vesper

Inhalt

Autor

Statt eines Vorwortes

Mein erstes Buch wollte ich schon schreiben, als ich noch nicht lesen konnte, noch nicht lesen wollte. Aber ich ahnte in diesen Urzeiten meines poetischen Daseins schon, dass eine Wolke nicht einfach eine Wolke ist, dass sich im Leben der Erwachsenen Geheimnisse verbergen, hinter die ich nun einmal unbedingt kommen wollte. Es war zum Beispiel der Blick einer jungen Frau, die scheinbar eindeutig neben ihrem Mann gerade den Marktplatz überschritt. Eben nur scheinbar, denn mein klares Auge hatte längst gesehen, dass sich hinter dem zweiten Auge dieser Frau ein Geheimnis, etwas Unausgesprochenes, Ungelebtes, eine Sehnsucht, eine zweite Möglichkeit ihres Lebens verbarg, das es zu ergründen, oder, wie ich bald herausfand, zu benennen galt.

Es war die Zeit, in der ich, da selbst ohne Kenntnisse und vergleichendes, ordnendes Wahrnehmen, sozusagen rein beobachtete und diese Beobachtungen in mich aufnahm, die Eindrücke in mich hineinwachsen ließ.

Was dann kam war das Leben. Und es suchte sich Erfahrungen, die den gesicherten Panoramablick immer wieder wanken ließen, die mir immer wieder den Eindruck vermittelten, auf schaukelnde, im Wind schwankende Schiffsmasten zu blicken.

Offensichtlich gab es da draußen wenig Stetes, wenig Bergendes, und diese Erfahrung führte mich über Unebenen und Umwege zu dem Ort zurück, der mir schon als Kind Heimat war: zur Sprache.

Wunsch

Über dem Gatter

Frost auf der Wiese

Ließe

Gern mich tragen

Von seiner knisternden Hand

Ein Tänzer in weißen Schuhen

Der es hinüberträgt

Leicht

Über Spinnweben der Gedanken

Über Risse des Zweifels

Es hinüberträgt

Unser Erstes

Zaghaftes

Leises

Wer bist du

Du berührst mich

Und den ich selbst nicht kenne

Du meinst mich ganz

Bist ein Wort

Im Fliehen meiner Angst

Du siehst mich

Und den ich selbst nicht sehe

Du meinst mich ganz

Bist ein Lodern

Im Eis meines Schattens

Du hältst mich

Und den ich selbst nicht halten kann

Den ich berühre

Weil Du ihn berührst

Den ich sehe

Weil Du ihn siehst

Wir

Ich vergaß den Wunsch

ein Held zu sein

als du

meine zitternde Hand hieltst

unsere Augen sich trauten

als wir

im Angesicht unseres Kainsmales

uns aufrichteten

an einer Farbe eines Augenblicks

an allen Farben aller Augenblicke

uns zeigten

immer schonungsloser

immer sanfter

uns zeigten

Sonnentage

Unter einem Regenschirm gehen

Zu zweit

Nähe wagen

Mir meinen Raum nehmen

Für all mein Tasten

Dir Deinen Raum lassen

Für all Dein Tasten

Den Segen spüren

Über uns

Deine blaue Kornblume

Mein roter Mohn

Unsere Seelenfalten

Ausgesetzt verwegenen Winden

Morgen

Wenn wir zusammen

aufwachen

Du an meiner linken Seite

Wortlos und schön

Angenommen

Von unseren schlafenden Herzen

Wenn die Sonne

durchs Fenster scheint

Ein Kuss tief und warm

Wie das Lied einer fremden Sage

Aber auch ohne Sonne

Wenn nur der Regen aufs Dach tropft

Aber auch ohne Regen

Wenn wir uns nur an den Händen halten

Statt eines Versprechens

Morgens schon

Säe ich

Richte in meinem Garten

Korinthische Säulen

Gehe auf Zehen

Fremde Ginsterpfade

Nachts singe ich unsere Lieder

Damit meine Angst

Dein Bild nicht versehrt

Meine Scham

Deine Spur nicht verweht

Damit wir erneut

Unsere Hände halten

Über dem Licht

Geliehener Rosen

Illusion

Mein Traum

Von dir

Ist zwischen dir und mir

Und lässt uns mutlos schweigen

Er spielt zum wirren Tanz

Er will

Dass wir uns zeigen

Ganz

Begegnung

Du bist der Stein auf meinem Weg

Der Stock der mich zum Stolpern bringt

Der Wind der rau im Ohr mir ringt

Wenn lauer Frieden hegt

Du bist die Furcht die mich zum Sprechen zwingt

Der Schrecken der den Schein benennt

Die Einsamkeit die weite Trauer kennt

Die Fackel deren Atemsaum

Ich fast berühre

Du bist die Wunde und der leise Raum

Der Milde

Die sanfte und die wilde

Nacht

Der Strom der über uns im Licht

Gestaltlos gebend wacht

Inventur

Blick in den Spiegel am Abend

Ein Auge

Leicht lächelnd

Holzgeruch

Dein Schritt auf der Treppe

Geborgenheit

Treu dem Vertrauten

Mein Lesebuch erste Klasse

Blick in den Spiegel am Morgen

Ein Auge

Leicht lächelnd

Seegeruch

Lauschen dem Wind

Sehnsucht

Treu dem Geahnten

Briefpapier

Auf dem

Schreibtisch

Inventur 2

Mein Auge liegt sanft

Im Schatten des Baumes

Es träumt

Es klingt

Und manchmal singt es

Vom Morgen einer jungen Seele

Wenn herbstlich

Der Rabe ruft

Folge ich seiner mahnenden Sorge

Ich bestelle mein Haus

Und nachts

Warum eigentlich nur nachts

Erzähle ich meinen

Kindern

Von meinen Träumen

Im Schatten des Baumes

Wilder Mohn

Fremde Saat

Von irgendwo

Verirrt

In

Menschengesätes

Lichte Not

Legt ihre

Zerbrechlichen

Augen

In den Schatten

Der Zeit

Tausendfarben

Roter Mohn

Getupft

Vielleicht

Auf

Die Schwelle

Einer

Verwandlung

Anwesenheit

Steine

Wasserlose Blumen

Trockener Staub

Nebeneinander

Jedes das Seine

Bewahrend

Ohne die Maske irgendeiner

Notwendigkeit

Nur Geckos

Rascheln

In ihre Anwesenheit

Erst als der Sandweg zum Gehen zwingt