Liebe auf Hallig Sand - Eike Euvel - E-Book

Liebe auf Hallig Sand E-Book

Eike Euvel

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Beschreibung

Drei leidenschaftliche Kurzromane, die in der kargen, unberührten Natur von Hallig Sand spielen, einem kleinen grünen Fleck Erde mitten in der Nordsee. Leidenschaft im Sturmtief - Marie reist beruflich für einen Monat nach Hallig Sand und verliebt sich auf dem ersten Blick hoffnungslos in den kühlen Halligbewohner Leif. Hat auch der abweisende Nordfriese sich in Marie verliebt? Aber plötzlich ist alles ganz anders. Eine schwere Sturmflut zieht auf und es heißt "Land unter". Verliebt in einen Superstar - Sofie verfolgt interessiert das Leben des überaus beliebten Filmstars Tom Wagner. Im Sommer beginnt die Hauptsaison auf der Hallig und eines Tages sitzt der gut gebaute Schauspieler in der urigen Gaststätte Krabben-Krog. Die Frauen umschwärmen den begehrten Promi, aber der gesundheitlich angeschlagene Darsteller benötigt dringend eine Auszeit. Kann die unscheinbare Sofie trotzdem das Herz des hübschen Mannes erobern? Ringelgänse küssen nicht - Hanna, die junge alleinerziehende Mutter von drei Kindern führt das Gästehaus Hallig-Pesel auf Sand. Nordseewellen, Wattwanderung, Seehundbänke und zwischendurch ein heimliches Date mit dem kinderlieben Biolehrer Nils. Soll sich Hanna für den sympathischen Pädagogen entscheiden oder ist es endgültig zu spät für einen Neuanfang?

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Seitenzahl: 100

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

L

eidenschaft im Sturmtief

V

erliebt in einen Superstar

R

ingelgänse küssen nicht

Leidenschaft im Sturmtief

Ein eisiger Ostwind umfing Maries Körper, fröstelnd zuckte sie zusammen. Vollkommen ungeschützt stand sie am Hafenbecken und wartete ungeduldig auf die Fähre, die sie vom Festland aus auf die Hallig Sand befördern sollte. Marie blickte hoch in den Himmel zu den dunklen Wolken, die schnell über sie hinwegwanderten, und ein kalter Schauer zog sich über ihren Körper. Jetzt, früh am Morgen, war es noch ruhig am Fähranleger. Nur ein paar Urlauber standen wie sie in der Kälte und warteten sehnsuchtsvoll auf das Fährschiff. Die Nordsee war von dem starken unerbittlichen Wind aufgewühlt und die Wellen schlugen mit ganzer Kraft gegen die Kaimauer. In der Ferne konnte sie das weiße Fährschiff entdecken, das sich dem Festland langsam, aber stetig näherte. Behäbig kämpfte sich der alte Dampfer durch den rauen Wind und die aufgewühlte Nordsee. Zweimal am Tag pendelte die Fähre zwischen dem Festland und der Hallig Sand hin und her. Marie blieb nichts anderes übrig, als noch länger geduldig im stürmischen Wind zu stehen und abzuwarten. Ihr Körper zitterte zunehmend vor Kälte und sie fühlte eine maßlose Sehnsucht in sich aufsteigen, in einer geheizten Stube zu sitzen und genüsslich etwas Warmes zu trinken. Nachdenklich strich sie sich eine Strähne ihrer langen blonden Haare aus den Augen, die der Wind ihr unaufhörlich ins Gesicht wehte, und leckte sich verdrießlich mit der Zunge über die schmalen Lippen, die nach Salz schmeckten. Ärgerlich vergrub sie ihre Hände tief in die Taschen ihrer Jacke.

»Das habe ich meinem Chef zu verdanken!« Wenn sie an die Worte ihres Chefs dachte, fröstelte sie noch stärker. Vor ein paar Wochen hatte er sie in sein Büro gerufen und hatte ihr mitgeteilt, dass er sie für eine Dienstreise ausgewählt hatte.

»Frau Körner, es handelt sich nur um einen Monat, unsere Firma benötigt dringend die Daten für den Küstenschutz, die anderen Mitarbeiter haben Familie und Sie, Frau Körner, Sie sind alleinstehend, das verstehen Sie doch?« Ja, sie war alleinstehend und ungebunden, aber einen Monat auf einer einsamen Hallig? Missmutig verdrehte sie die Augen, zog ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche und schnäuzte sich damit geräuschvoll die Nase. »Ich kann nur hoffen, dass die Zeit auf Hallig Sand schnell vergeht!«

***

Das kleine kompakte Fährschiff fuhr bedächtig in den Hafen ein und legte unüberhörbar an der Kaimauer an. Einige Matrosen, ganz in Weiß gekleidet, warfen dicke Taue vom Schiff auf die Kaimauer. Frierend schaute Marie zu, wie die Seemänner mit geschickten Bewegungen die schweren Seile über die Poller streiften und die Fähre festzurrten.

»Frau Körner!« Eine ruppige dunkle Stimme durchdrang den tosenden Wind. Aus ihren Gedanken gerissen, blickte Marie hoch und sah einen großen robusten Mann mit ernster Miene, der am Deck der Fähre stand und sie anscheinend erwartete.

Mit Schwung hob Marie ihre beiden Koffer an, aber das hohe Gewicht der Gepäckstücke brachte ihren Körper ins Wanken, sodass sie diese sofort wieder absetzen musste. Als sie die Koffer vor ein paar Tagen gepackt hatte, war sie selbst darüber erstaunt gewesen, was alles mit auf die Hallig musste. Ein Koffer war voll von persönlichen Dingen, vor allem warmer regenfester Kleidung, der andere Koffer enthielt Unterlagen für ihre Arbeit auf Hallig Sand.

Normalerweise arbeitete Marie in einem Büro in der Stadt und war es nicht gewöhnt, schwere Lasten zu tragen. Auf ihre zarte Figur war sie sehr stolz, aber in Momenten wie diesen wünschte sie sich mehr Kraft. Erneut blickte sie zu dem unbekannten hünenhaft wirkenden jungen Mann, der an Deck stand und ungeduldig auf sie wartete.

Sein Gesichtsausdruck war ernst und er machte nicht den Eindruck, als wollte er ihr mit den schweren Koffern helfen.

»Ich komme schon!« Gestresst blickte sie in die Richtung des fremden Mannes und atmete tief durch. Ein weiteres Mal wuchtete sie ihre Gepäckstücke mit Kraft hoch und beförderte diese umständlich auf das wartende Schiff. Mit einem lauten Knall ließ sie ihre Koffer direkt vor die Füße des fremden Mannes fallen und blickte neugierig an seinem athletischen, überaus beeindruckenden Körper hoch. Er schien älter zu sein als sie selbst und seine sportliche Ausstrahlung wirkte ausgesprochen faszinierend. Seine Gesichtszüge waren hart und seine Augen funkelten geheimnisvoll. Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte sie einen Mann mit blaueren Augen gesehen und seine Nähe schien ihr seltsam vertraut. Augenblicklich begann ihr Herz zu rasen.

Was für ein Mann!, dachte sie wie vom Blitz getroffen. Konnte das sein, dass sie sich auf den ersten Blick in diesen todernst dreinschauenden Fremden verliebt hatte. Marie strich sich irritiert über ihre blonden seidigen Haare.

»Leif Matthiesen.« Ohne eine Miene zu verziehen, stellte er sich kühl vor. »Guten Tag Herr Matthiesen, mein Name ist Marie Körner. Ich wusste nicht, dass ich abgeholt werden würde.« Von seinem energischen Erscheinungsbild aufgewühlt, reichte sie ihm ihre zierliche Hand. »Nur Leif.« Abweisend hob er seine Augenbrauen, um sie von oben bis unten zu mustern, dann packte er schweigend ihre Koffer und schleppte diese mit Leichtigkeit ins Innere der Fähre. Maries Herz klopfte stark und ihre Beine fühlten sich an wie Gummi. Von ihren Gefühlen überwältigt lief sie hinter dem beeindruckenden Unbekannten her. Im Inneren des Schiffes war es warm und windgeschützt. Leif stellte die Koffer an die Schiffswand und setzte sich breitbeinig auf eine der freien Bänke. Marie zögerte kurz, setzte sich aber dann gegenüber von ihm hin. Nach und nach kamen die anderen Fahrgäste an Bord und der windgeschützte Raum füllte sich mit Leben.

»Frau Körner, ich arbeite für den Küstenschutz auf der Hallig. Ich habe die Aufgabe, mich während Ihres Aufenthaltes auf Sand, um Sie zu kümmern.« Leif schaut sie hart an und sein Blick schien sie zu durchbohren. Du kannst Marie zu mir sagen.« Schüchtern sah sie ihm in seine strahlend blauen Augen. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit Herzrasen auf einen Mann reagiere. Nervös kaute sie auf ihrer Unterlippe, welche nach Meeresluft schmeckte, sie konnte ihren Blick einfach nicht von dem hünenhaften Mann wenden. Er war einfach gekleidet, er trug eine abgewetzte blaue Arbeitshose und eine dicke Daunenjacke, aus der ein blaues Fischerhemd hervorblitzte. Ein Dreitagebart bedeckte sein raues, kantiges Kinn. Was für ein ungewöhnlich gut gebauter Mann. Maries Wangen glühten feuerrot vor Erregung.

»Wie du bestimmt weißt, wohnst du während deines Aufenthaltes auf Sand auf der Olsenwarft. Wenn du Fragen hast, findest du mich auf der Matthiesenwarft, die befindet sich direkt gegenüber der Olsenwarft, der Weg ist nicht weit.« Ohne eine Miene zu verziehen, sah er sie hart an.

Fasziniert sog sie seine Worte auf. Eine besonders große Welle schlug gegen das Schiff und ließ es schwanken. Plötzlich sprang Leif auf.

Ihre Koffer waren durch das Schaukeln des Schiffes in Bewegung geraten und drohten umzufallen. Marie beobachtete seinen beherzten Einsatz und ihr Puls schien noch schneller zu rasen. Sie fühlte sich von dem muskulösen Mann wie verzaubert und schüttelte in Gedanken ungläubig den Kopf über sich selbst. Ich habe mich Hals über Kopf verliebt! Angespannt öffnete sie den Reißverschluss ihrer dicken Jacke.

Der Schiffsmotor röhrte laut. Mit Macht kämpfte sich der kleine Dampfer durch die hohen Wellen, gefolgt von einem Schwarm laut kreischender Möwen. Neugierig blickte Marie durch ein feucht beschlagenes Bullauge hinaus auf die offene Nordsee. Hier draußen schien der schneidende Wind noch mehr Kraft zu haben als auf dem Festland.

»Im Winter ist es sehr stürmisch auf der Hallig Sand«, kommentierte Leif Maries fragende Blicke.

Nach kurzer Zeit wurden die Umrisse von Hallig Sand am Horizont immer größer und Marie konnte aus der Ferne immer besser die dunklen Schatten der Warften entdecken, auf denen die Häuser der Halligbewohner standen. Vor ihrer Reise hatte sie sich über die Hallig informiert, sie wusste, dass nur knapp hundert Menschen das ganze Jahr über auf Sand lebten und der athletisch gebaute junge Mann, der ihr so abweisend gegenübersaß, war einer davon. Leif sah Marie prüfend an, er schien ihre Neugier für das kleine Fleckchen Erde zu spüren. »Die Hauptverbindung zur Hallig stellte das Fährschiff dar, das Touristen und Proviant auf die Hallig bringt, wenn Wind und Wetter dies zulassen und nicht gerade eine Sturmflut aufzieht. Die Touristen, die im Sommer auf die Hallig kommen, sind eine wichtige Einnahmequelle für uns Halligleute. Im Winter finden nur vereinzelt Tagesgäste den Weg nach Sand, in dieser Zeit kümmern wir Bewohner uns um die Reparaturen an den Häusern und um nötige Maßnahmen für den Küstenschutz.« Ohne weiter Notiz von Marie zu nehmen, beendete Leif seine Ausführungen, blickte durch die Scheiben hinaus auf die Wellen der Nordsee. Wie liebevoll er von dem flachen Land spricht! Bis zum heutigen Tag hatte der Gedanke, einen Monat auf Sand zu verbringen, nichts Positives für sie. Aber nun hatte sie Leif kennengelernt. Lächelnd lehnte sie sich zurück. Vielleicht wird mein Aufenthalt auf Hallig Sand besser, als ich gedacht habe! Gemächlich fuhr die Fähre weiter und legte kurz darauf an Hallig Sand an. »Wir sind da!« Ohne nur eine Sekunde Zeit zu verlieren, sprang Leif auf, packte ruppig Maries schweres Gepäck und schleppte dieses über das wankende Schiff. Neugierig folgte Marie dem vor Kraft strotzenden Mann auf den kargen Erdboden.

Dort erwartete sie erneut der kalte unbarmherzige Nordwind, welcher sofort ihre Kleidung durchdrang und so auf ihrem zarten Körper eine Gänsehaut bildete. Mit wissensdurstigen Blicken erforschte sie den kleinen Fähranleger und den Teil der Hallig, den sie von hier aus erblicken konnte.

Hallig Sand bestand aus riesigen grünen Wiesen, keine Sträucher und Bäume waren auf den umliegenden kargen Weiden zu sehen. Nur in der Ferne versperrten die Warften die Sicht auf das dahinter liegende Land und die raue See. Die wenigen Fährgäste, die mit ihr zusammen vom Festland aus auf Hallig Sand übergesetzt waren, verteilten sich schnell an Land und gingen ihrer Wege. Leif steuerte geradewegs auf eine wartende Pferdekutsche zu, die auf dem großen Platz vor dem Schiffsanleger stand. »Moin Piet.« Freundlich begrüßte Leif den dunkelblonden Teenager, der mit einem Collie auf dem Kutschbock saß. Leif streichelte dem Hund behutsam über sein glänzendes Fell.

»Piet wird uns fahren.« Leif deutete mit seinem markanten Kinn auf den sympathisch aussehenden Jungen. Freundlich lächelnd stand Piet hilfsbereit vom Kutschbock auf und wollte sich um Maries Gepäck kümmern, aber Leif hielt den Jungen mit einer kurzen Handbewegung zurück. »Das mach ich selbst«, bemerkte er hart und hievte die schweren Koffer auf den Kutschanhänger. Mit Schwung sprang er anschließend auf den Pferdewagen und streckte Marie seine große kräftige Hand entgegen.

»Wenn du mitfahren möchtest, dann geht es hier entlang.« Mit trockener Miene blickte er Marie geradewegs in die Augen, sodass ihr Körper wohlig warm wurde. Beherzt griff er nach ihrer Hand, die sie ihm entgegenstreckte, und zog sie mit Wucht unsanft auf den Wagen, sodass sie mit ihrem zarten Körper fest gegen seine harte Brust prallte. Marie atmete tief ein. Der Aufprall und die ungewohnte Nähe zu dem gut aussehenden Fremden ließ ihr die Röte ins Gesicht steigen. Kaum dass sie neben Leif auf der Pferdekutsche Platz genommen hatte, setzte sich diese in Bewegung. Piet manövrierte das schaukelnde Gefährt durch den schneidend kalten Nordwind, der schonungslos über das flache Land hinwegpeitschte. Wankend fuhr das Gefährt eine schmale, gepflasterte Straße entlang in Richtung Olsenwarft. Während die Hufe der Pferde laut über den Asphalt klapperten, betrachtete Marie gespannt die flachen weiten Wiesen, die links und rechts neben der Fahrbahn lagen. Immer wieder konnte sie schmale Wassergräben entdecken, die sich durch das flache Land zogen.