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Dieses Buch erzählt die Geschichte des Lebens und der Liebe von den Katzen Penny und Lani. Eine Liebe, die unsterblich ist und selbst der Tod nicht scheiden kann. Erzählt werden diese zehn Jahre einer ungewöhnlich tiefen Liebe von der Katze Zi Zi Peh und ihrem Frauchen Leilani (Cleo Maria Kretschmer). Zi Zi ist Lanis Schwester. Deshalb hat sie dieses Wunder von Anfang an miterlebt. Die Liebe ist für Zi Zi die Krone der Schöpfung, eine unsagbar herrliche Welt.
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Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Dieses Buch ist ein Roman, der auf realen Begebenheiten beruht. Katzen und Katzeneltern gibt es in Wirklichkeit, während weitere Personen teilweise erfunden oder verfremdet dargestellt wurden.
In Dorfen, einer bezaubernden Kleinstadt in Bayern, kommen pünktlich zum Frühjahrsbeginn drei wunderhübsche Kätzchen zur Welt, genannt Zi Zi Peh, Lani und Don Paulino. Also zwei Mädchen und ein Junge. Für Leilani, ihr Frauchen und die Katzeneltern Maui und Mo Lee breitet sich das Glück über die ganze Erde aus. Die Kleinen wachsen wohlbehalten heran und erkunden die Welt, neugierig wie sie sind. Als Lani gerade drei Monate zählt, verliebt sie sich unsterblich in den riesigen zehn Jahre älteren Nachbarkater Penny. Wie ein Sonnenstrahl tanzt Lani in sein Herz. Eine Liebe beginnt, die sich mit der von Romeo und Julia vergleichen lässt. Zehn Jahre währt dieses Glück, eine Liebe, die selbst der Tod nicht scheiden kann. Eine Erinnerung an so eine Liebe darf selbst im größten Gedächtnisfegefeuer nicht verblassen, meinte Zi Zi Und so überredete sie ihr Frauchen und den Nachbarn Jo, ihr beim Schreiben der Geschichte zu helfen. Die Erinnerungen an Penny und Lani sprudelten aus ihr hervor wie eine Quelle zwischen den Felsen. Erinnerungen an eine Katzenliebe, tiefer als der Ozean.
Zi Zi Peh ist eine der liebsten Katzen, die jemals in Dorfen das Licht der Welt erblickt haben. Grauweiß und schwarz getigert, gibt sie der Hauskatzenschönheit jede Ehre. Neugierig blickt sie mit ihren riesigen, wundervoll runden hellgrünen Augen in die Welt hinein – und sie merkt sich alles. Ihr Frauchen schreibt Bücher – das findet sie toll. Schon in Kindheitstagen entscheidet sie Einzelkatze zu sein. Sie braucht ihr Frauchen und sonst nichts zu ihrem Glück. Neidlos beobachtet sie das Leben ihrer Schwester Lani, der schon im zarten Alter von drei Monaten die große Liebe begegnet. Zehn Jahre schwebt sie mit Penny auf rosa Wolken. Und genau diese Lovestory wird Zi Zi dir, dem geneigten Leser, jetzt erzählen, in Memoriam Penny und Lani.
Miau
Zi Zi Peh
Lani
Penny
Rudi
Bärli
Nemo
Gewidmet
allen Katzenfreunden
von 10 – 120 Jahren
Es war einmal vor gar nicht langer Zeit
Es gab Tage an denen die Sonne sich anscheinend schämte
Der Sommer war ins Land gezogen, es wurde heiß und stickig
Ehrlich miaut, ihr Menschen seid komische Tiere
Seit ein paar Tagen wache ich immer später auf
Menschenglück ist nie von Dauer
Potzblitz und zugenäht und dreimal schwarzer Kater
Die Hoffnung ist ein Seil
Tä tä rä tä heute ist mein Geburtstag
Vor einem der größten Fragezeichen
Ein Unglück kommt selten alleine
Es war an einem späten Sommertag
Ist es nicht so
Ich glaube, es war ein regennasser März
Ja – und dann kam das Jahr
Epilog
Genauso könnte die Geschichte, die ich euch erzählen werde, beginnen, wenn sie ein Märchen wäre.
Doch sie ist wahr.
So wahr wie die Sonne jeden Morgen aus dem Osten aufsteigt um die Dunkelheit der Nacht zu vertreiben, um einen neuen Tag mit ihrem Licht in Helligkeit zu tauchen.
Es ist die Geschichte einer Liebe, die selbst der Tod nicht scheiden konnte, weil sie für immer und ewig weiter leben wird.
So etwas gibt es doch gar nicht, werdet ihr von der zweibeinigen Menschenrasse sagen, doch bei meiner Familie, uns Katzenwesen, kommt so etwas vor.
Ach so – ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt.
Mein Name ist Zi Zi Peh.
Komischer Name für eine Katze werdet ihr sagen, doch meine Dienerin, die bei mir wohnt, trägt selbst so ein merkwürdiges Gebilde.
Ihr Name ist Leilani.
Das bedeutet Himmelsblume und kommt aus Hawaii.
Soviel ich weiß hat sie sich selbst so getauft.
Ihr Hang zu exotischen Namen ist groß.
Was mich betrifft bin ich getigert (ein ägyptischer Name hätte also viel besser zu mir gepasst), neuneinhalb Jahre alt, genauso rundlich wie mein Frauchen, habe glänzendes weiches Fell, doch was das Schönste an mir ist, sagen alle, sind meine riesengroßen, kugelrunden, hellgrünen Augen, denen nichts entgeht.
Essen schmeckt mir immer und Sahne erst recht.
Und ich bin schlau.
Seit ein paar Monaten habe ich Leilani endlich dazu erzogen, mich jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen zwanzig Minuten zu bürsten und zu kämmen.
Zuerst habe ich geglaubt, sie würde das nie kapieren, warum ich sie dauernd mit meinen großen Augen anstarrte, sobald ich an ihrem Schreibtisch saß, neben dem sich auf einem Kästchen aus Weidengeflecht Kamm und Bürste nach mir sehnten.
Unglaublich, wie beschränkt ihr Menschen manchmal seid.
Das Kommando war doch eindeutig.
Ich schaue auf die Bürste, dann schaue ich auf dich.
Dann wieder auf die Bürste und dann auf dich.
Ich mache Miau in sämtlichen Tonlagen, doch es nützt nichts.
Erst als ich nach stundenlangem Geraunze vor Verzweiflung mit meinem Pfötchen die Bürste von dem Kästchen schubste, ist der Groschen bei ihr gefallen.
Der Katzengöttin sei Dank.
Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.
Erzählen will ich euch die Liebesgeschichte von Penny und Lani.
Und beginne am besten ganz am Anfang, damit ihr die Schönheit dieser Liebe versteht, euch keine Feinheit entgeht, und ihr euch ein Beispiel für euer eigenes Leben daraus ziehen könnt.
Ach so – bevor ich es vergesse – Lani ist meine Schwester.
Am 21.3.2004, also bei Frühlingsbeginn, wurden wir hier in Dorfen, dieser süßen kleinen Stadt im Bayernland geboren.
Unsere Mutter hieß Maui, der Vater Mo-Lee (ich habe ja schon gesagt, dass mein Frauchen ein bisschen spinnt).
Unsere Mutter, eine sogenannte dreifarbige Glückskatze, hatte sich in den pechschwarzen Kater Mo-Lee unsterblich verliebt und war ihm ohne zu zögern in seinen Leilani-Palast gefolgt und seine Frau geworden.
Mein Frauchen hatte nichts dagegen.
Ganz im Gegenteil.
Katzen sollen nicht alleine sein, hatte sie Mo-Lee erklärt, das hast du gut gemacht und ihn dafür mit einer Extraportion Sahne belohnt.
Leilani ist eine unglaublich liebe Katzenmutter.
Das muss ich schon sagen.
Bei ihr bekommt man alles, was das Katzenherz begehrt.
Freiheit, Super Futter, Streicheleinheiten, Fürsorge und ganz viel Liebe.
Es hat nicht lange gedauert und wir waren in Mamas Bauch.
Leilani hat sich gefreut wie eine Schneekönigin, ein Geburtshaus für uns bauen lassen und es neben ihr Bett gestellt.
Zu unserer Mama, wenn sie diese gestreichelt und hinter den Öhrchen gekrault hat, hatte sie immer wieder gesagt:
„Mauchen, ich freue mich schon so auf die Babys. Wenn es geht, dann krieg bitte nicht mehr als drei. Unsere Wohnung hat nur zwei Zimmer, das wird dann für mehrere Kinder zu eng. Du darfst all deine Kinder behalten. Das verspreche ich dir. Es soll dir nicht gehen wie den anderen Miezen, denen man ihre Babys, sobald sie groß genug sind, immer wegnimmt.“
Und meine Mutter hat sich ihre Worte zu Herzen genommen.
Kurz bevor es soweit war, in dieser Nacht, hat sie Leilani angestupst, ihr tief in die Augen geschaut, so nach dem Motto ‚Jetzt geht’s los’ und sich dann ins präparierte Geburtshäuschen zurückgezogen.
Lang hat es nicht gedauert und mein Frauchen hat die Ohren gespitzt, bis sie ein leises Miauen kurz hintereinander vernommen hat.
Wir waren da.
Drei stramme, gesunde Babys.
Zwei Mädchen und ein Junge.
Mo-Lee, unser Vater, platzte beinahe vor Stolz und hielt tagelang Wache am Eingang des Häuschens.
An die erste Zeit in unserem Nest kann ich mich kaum mehr erinnern, außer dass es dort mollig warm und dunkel war.
Schließlich hatte das Häuschen keine Fenster, sondern bloß einen schönen Torbogen am Eingang, durch den genügend frische Luft zu uns hereingelangte.
Mamas Milch hat einfach himmlisch geschmeckt.
Später, als ich schon größer war, habe ich meinem Frauchen aus Versehen beim Spielen mal ihr Glas mit Mandelmilch umgestoßen und alles, so schnell es ging, aufgeschleckt.
Das schmeckte fast so gut wie Mamas Milch.
Aber eben nur fast.
Ich glaube, Mamas Milch schmeckte so gut, weil sie so leckeres Futter bekam.
Frischen Tatar, blanchierten Fisch, gekochtes Hühnchen, in Sahne verquirlten Eidotter und stilles Mineralwasser vom Feinsten.
Jedes Mal, wenn sie zurück in die Höhle kam, roch sie nach etwas anderem.
Das hat mir gefallen und meine Neugierde geweckt.
So war ich auch die erste, die das Nest verlassen konnte.
Mein Gott ist das schön hier, habe ich mir gedacht, als meine Augen sich an das helle Tageslicht gewöhnt hatten, und ich sehen konnte wo ich war.
Der Boden in dem Raum war über und über mit bunten Decken, Polstern und Handtüchern ausgestattet, so dass ich mir nicht wehtun konnte.
Durch riesengroße Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichten, konnte ich hinaus in den Garten sehen.
Dort standen mächtige Bäume, an deren Ästen bereits kleine grüne Dinger hervorlugten.
Außerdem sang noch etwas wunderschön dort draußen, und manchmal flog auch etwas herum, das sich später mal als Leibspeise entpuppen sollte, aber das wusste ich damals an meinem ersten Tag im Licht noch nicht.
Plötzlich beugte sich ein großes fremdes Wesen zu mir herab und hob mich zärtlich in seine warmen Hände.
„Herzlich willkommen auf unserer Erde, du süßes, fremdes, geliebtes Herzchen. Na, du bist mir aber ein ganz neugieriges Kätzchen. Du bist ja ein richtiger Naseweis. Wenn du ein bisschen größer bist, und ich nachschauen kann, ob du ein Junge oder ein Mädchen bist, bekommst du einen Namen der zu dir passt.“
Sie streichelte mich ganz sanft am Bauch, dann am Köpfchen, bevor sie mich zurück auf die Kuschelwiese setzte, wo meine Mama ohnehin schon ungeduldig auf mich wartete.
Dieses große warme Wesen mit der weichen Stimme mochte ich von der ersten Sekunde an, obwohl ich damals ja nicht wusste, dass sie mein Frauchen war, oder vielmehr meine Dienerin werden sollte.
Später dann habe ich sie manchmal, wenn ich ein bisschen sauer auf sie war, heimlich Leilani, die Dosenöffnerin, genannt, obwohl es bei ihr hauptsächlich immer nur Frisches gibt.
„Meine Katzen kotzen kein Whiskas“, habe ich später mal gehört, als sie sich mit einer anderen Katzenmutter aus dem Nachbarhaus unterhalten hat.
Aber das spielte im Moment keine Rolle.
Jetzt dachte ich nur, dass dieses große Ding einfach unglaublich gut roch und etwas, das derartig duftete, nur gut sein konnte.
Meine Mutter hat mich damals mit ihrem Maul ganz vorsichtig im Genick gepackt und mich auf diese Art und Weise zurück ins Kinderzimmer transportiert.
Dieser kurze Ausflug in die große Welt hatte mich erschöpft und so schlief ich gleich, nachdem meine Mutter mich gefüttert hatte, selig ein in der Gewissheit, im Paradies gelandet zu sein.
Lange hat diese Nachtruhe für mich allerdings nicht gedauert. Mein Bruder tapste mich mit seiner Pfote an und gab keine Ruhe, bis ich aufwachte.
Meine Mama und mein Schwesterchen schliefen fest.
„Sag mal, wo warst du denn heute“, wollte er wissen „auf einmal warst du weg.“
Und ich erzählte ihm alles von meinem kleinen Ausflug in die große Welt.
„Oh – das möchte ich auch sehen“, schnurrte er leise „aber allein traue ich mich nicht. Könntest du nicht mit mir noch einmal rausgehen?“
Einschlafen war für mich jetzt eh nicht mehr drin und so schlichen wir uns heimlich hinaus.
In dem großen Bett schlief das zweibeinige Wesen und gab komische Geräusche von sich.
Das klang fast wie ein sehr lautes Schnurren.
Es musste sich also wohlfühlen.
Zum Glück waren die Vorhänge nicht zugezogen, und wir hatten freie Sicht in die dunkle Nacht.
Was wir sahen war ein Jasminhimmel voller Sterne, verziert mit einem wunderschönen leuchtenden Mond.
„Hast du so etwas schon einmal gesehen“, flüsterte mein Bruder voller Andacht. So viel Geglitzer an der Decke.“
Ich schüttelte den Kopf.
In diesem Moment fegte eine Sternschnuppe über das Firmament, sodass wir beide erschraken.
Irgendwie fühlten wir uns ertappt und machten uns so schnell es ging auf den Rückweg.
Außerdem hatte plötzlich etwas gescheppert.
Das war gespenstisch.
Dass dieses Katzentürchen, das in die große Balkontüre eingebaut war, immer so schrecklich klapperte, wussten wir damals noch nicht.
Unser Vater war von seinem nächtlichen Streifzug zurückgekehrt und wir waren froh, dass er uns nicht erwischt hatte.
Bis er zu unserem Häuschen kam, lagen wir zwei längst wieder an Mamas Brust und waren von dem Abenteuer so erledigt, dass wir mit je einer Zitze im Maul ins Land der Träume entschwebten.
Mein Bruder war schwarzweiß. Mehr hatte ich bei unserem kurzen Trip von ihm nicht erhascht. Er sah also anders aus als ich mit meinem gestreiften Tigerfell.
Er gefiel mir gut.
Dass er so eindrücklich gefärbt war fand ich nicht schlimm.
So konnten wir zwei nie verwechselt werden.
Vielleicht habe ich Glück und mein Schwesterchen kommt morgen mit mir ins Licht.
Ich war schon so gespannt auf ihr Aussehen.
Auf jeden Fall war sie kleiner als ich.
Soviel hatte ich in unserem Babypalast schon mitgekriegt, dass sie zierlich und dunkel wirkte.
Sie hatte ein ganz feines Stimmchen.
Unsere Mutter hielt sie oft mit der Pfote fest, wenn sie bei ihr trank.
Mein Bruder und ich waren stürmisch und hatten sie mehr als einmal weggedrängt, was natürlich nicht nett von uns war.
Hunger ist eben stärker als der Verstand.
Das ist bei uns Katzen nicht anders als bei euch Menschen.
Die erste und wichtigste Aufgabe, die man als Katzenbaby zu erfüllen hat, ist wachsen, wachsen und nochmals wachsen.
Und wer am stärksten und am geschicktesten ist, wächst am schnellsten und hat das Sagen.
In meiner Familie war das eindeutig ich.
Ich war sogar jetzt schon größer als mein Bruder.
Das schien ihm in seinem Manntum aber nicht zu stören, wenn ich die zärtliche Zuneigung, mit der er sich an mich schmiegte, richtig verstand.
Auf jeden Fall wollte ich meinen Geschwistern eine gute Schwester sein und mir in Ruhe überlegen, wie ich Katze den Katzen Katze sein konnte.
Mit all meinen vier Beinen wollte ich fest auf der Erde stehen, einen guten Charakter entwickeln, meine Geschwister immer verteidigen und es uns allen gut gehen lassen.
Morgen, wenn der neue Tag beginnt, würde ich mich erneut auf den Weg machen, diese wundervolle Welt in die die Katzengöttin uns gesandt hatte, zu erobern.
Ja, ich war ihr dankbar, in so eine liebe Familie hineingeboren zu sein.
So wie jede geborene Diva ließ auch mein Schwesterchen uns noch etliche Tage warten, bevor sie uns mit ihrer Anwesenheit beehrte.
Ihr Auftritt war filmreif und wäre bei jeder Premiere in tosendem Applaus gebrandet.
Nie vergesse ich den Moment, als sie zum ersten Mal im Torbogen erschien, sich dekorativ streckte, mit den Augen klimperte und mit einem samtweichen Miauchen auf sich aufmerksam machte.
Ob sie wusste wie gut ihr der dreifarbige Pelzmantel stand, den sie trug?
Ja, sie war eindeutig die Tochter ihrer Mutter.
Zuckerpuppe oder Honigschnäuzchen hättet ihr sie in eurer Menschensprache wahrscheinlich genannt.
Ihr Liebreiz war unausweichlich.
Sie war schön wie eine Primadonna, durch und durch weiblich, von ihren liebreizenden Öhrchen bis hinunter zur Schwanzspitze.
Natürlich waren wir ihr gleich zu Diensten, haben ihr geholfen, die Polsterberge zu erklimmen und ihr den besten Platz am Schaufenster gezeigt.
Mein Bruder hat sich vor Begeisterung beinahe überschlagen.
Ihr Anblick war anscheinend Dünger für sein Gehirn.
Von der Aussicht, die sich ihr darbot, war meine Schwester mehr als erbaut.
„Oh – sieh mal“, jubelte sie „schau mal, da vorne auf dem glitzernden Ding, da schwimmen lauter so komischen Teile herum, die immer Quak, Quak machen und ihren Kopf ins Silbrige hineinstecken und ihr Schwänzchen in die Höhe halten. Ist das nicht lustig?“
Da konnte man ihr nur Recht geben.
„Warte nur, bis die anderen alle kommen“, versprach ich ihr. „Da draußen gibt es noch eine Menge zu sehen. Siehst du das kleine Ding, das da oben auf dem Baum sitzt?“
Sie nickte andächtig mit ihrem kleine Köpfchen.
„Das ist ein Luftsänger. Von denen gibt es hier viele. Die machen sehr schöne Musik und fliegen dauernd von links nach rechts.“
Heute lag eindeutig Übermut in der Luft.
Leilani war nicht zu Hause, auch unsere Eltern waren unterwegs.
Und wie heißt es doch so schön
Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Babys.
Obwohl wir jetzt gar keine Babys mehr waren, sondern schon echte Kleinkinder.
Mein Bruder fand als Erster heraus, dass es hinter der Kuschelwiese noch weiterging.
Unglaublich, was wir alles entdeckten.
Da gab es noch mehr riesige Fenster.
Wenn man es genau nahm, bestand die gesamte vordere Front aus Holz und Glas, sodass man überall hinausschauen konnte.
Da gab es eine große Terrasse, einen romantischen Garten, einen Fluss und ein anderes Haus uns gegenüber, das ebenfalls ganz aus Holz und Glas gebaut war.
Ich muss schon sagen, wir hatten mit unserer Wohnung verdammt viel Glück.
Es dauerte nicht lange und wir entdeckten, dass man an den langen blauen Stoffbahnen, die von den Fenstern herabhingen, wunderbar emporklettern konnte.
„Schnell, kommt hoch“, rief ich meinen Geschwistern zu „ihr glaubt gar nicht, was man von hier oben für eine tolle Aussicht hat.“
Mein Bruder ließ sich das nicht zweimal sagen.
Schwupps – schon war er da.
Nur meine Schwester zierte sich zu Beginn ein wenig, fasste sich dann aber, wie es sich für eine gute Katze gehört, doch ein Herz und erklomm die Höhen mit Bravour.
Just in diesem Moment, als wir mit dem Abstieg beginnen wollten, schepperte es wieder gewaltig, und Mama und Papa kamen wie von Zauberhand durch die gläserne Tür.
Diesen Trick wollte ich auch erlernen.
Fest nahm ich mir vor, die Eltern genau zu beobachten.
So lange, bis ich herausgefunden hätte, wie das ging.
Ein Donnerwetter von den Eltern blieb uns erspart.
Im Gegenteil.
Sie schienen mächtig stolz auf uns zu sein.
Wir wurden von beiden dafür belohnt, dass wir so mutig waren und keine Angst hatten, die neue Welt zu erkunden.
Selbst unser mächtiger Vater leckte uns für Ewigkeiten das Fell und half seiner geliebten Frau uns zu putzen.
Als ich noch klein war, erschien mir unsere Wohnung wie ein riesiger Palast.
Es gab da zwei Zimmer, einen Flur, ein Badezimmer und eine kleine Küche.
Merkwürdige Maschinen standen darin herum, die manchmal, wenn sie zum Leben erwachten, eigenartige Geräusche von sich gaben, klingelten, heiß wurden oder sich wie verrückt rüttelten.
Am Anfang haben wir uns vor ihnen gefürchtet, vor allem vor der großen brüllenden Schlange, die immer so einen schwarzen Kasten hinter sich her zog.
Doch wir haben schnell gelernt, dass diese Tiere unserem Frauchen aufs Wort gehorchten, und wir uns vor ihnen nicht zu fürchten brauchten.
Am doofsten fand ich diesen schwarzen Knochen, der immer erst bimmelte und vom Frauchen ans Ohr gehalten wurde, die dann lange Zaubersprüche in ihn hinein gesprochen hat.
So war es aber nur wenn sie zu Hause war.
War das nicht der Fall begann er immer von selbst zu quasseln.
Nach ein paar Wochen kam ein großer Mann zu Besuch.
Er hieß Dottore und untersuchte uns alle, ob wir gesund waren.
Das Funktionieren des Katzenklos hatten wir inzwischen erlernt, worauf wir mächtig stolz waren.
Jedes Mal, wenn wir unser Geschäftchen dort brav erledigt hatten, wurden wir dafür von Leilani gelobt und mit ein wenig Sahne belohnt.
Inzwischen hatten wir auch unsere Namen erhalten.
Mein Name ist Zi Zi Peh (das wisst ihr ja schon).
Meine Schwester wurde Lani getauft, was Himmel bedeutet und mein Bruder Don Paulino.
Pauli sah aus wie von einem anderen Stern.
Die großen schwarzen Flecken, die sein weißes Fell verzierten, bildeten eine Maske, so wie Zorro sie immer getragen hat, um seine Augen.
Eine lange weiße Augenbraue, die nur auf der linken Seite sprießte, wirkte wie eine Antenne und machte ihn noch hübscher und außergewöhnlicher, als er ohnehin schon war.
Zwar durften wir unsere Wohnung immer noch nicht verlassen, doch daheim war alles erlaubt.
Nie hat Leilani geschimpft, wenn wir nachts alle in ihr großes Bett gekrabbelt sind, uns an ihre Beine schmiegten, auf ihre Altäre sprangen, die ihr Schlafgemach schmücken, oder mit den dünnen, türkisfarbenen Vorhängen, die den Raum aufteilten, Schaukel spielten.
Mutters Milch schmeckte noch immer prima, aber das feuchte Futter und auch das Trockene, das in der Küche auf kleinen Schälchen zusammen mit frischem Wasser für uns bereit stand, war ebenfalls lecker.
Paulino war der Erste von uns gewesen, der sich dieses Futter schmecken ließ, wir habe es ihm sehr bald nachgemacht.
Hoffentlich wird er sich nicht zu einer schmarotzerhaften Katze entwickeln, dachte ich öfter, wenn ich ihm dabei zusah, wie er mit vollen Backen die leckere Pastete in sich hinein mampfte.
Immer dann, wenn Leilani ihre geliebten Rosen heimbrachte, dauerte es nicht lange, bis Lani auf den Tisch kletterte und ihre Nase in die meist rosa Blüten hinein steckte.
„Sind diese Nasenwohlfühlblumen nicht herrlich“, seufzte sie dabei und hatte danach oft eine gelbe Nase voller Blütenstaub.
Doch meistens saßen wir am Fenster und schauten sehnsüchtig hinaus in den Garten, verfolgten frei schwebende Wolkeninseln mit unserem Blick und warteten auf den Tag, an dem wir endlich hinaus durften.
Wir waren sicher in unserem Heim, doch zuviel Sicherheit ist manchmal mit einer gewissen Schläfrigkeit verbunden und geschlafen hatten wir wahrlich genug.
Es gab Tage, an denen die Sonne sich anscheinend schämte, denn sie versteckte ihr Antlitz hinter Bergen grauer Wolken
Oft war sie anscheinend über irgendetwas so traurig, dass sie bittere Tränen vergoss wie ein Schlosshund.
Draußen war dann bald alles klatschnass.
Wenn ich gewusst hätte, warum sie so deprimiert war, hätte ich sie gerne getröstet.
Den Pflanzen im Garten schien das aber gut zu gefallen, denn ihre Blätter glänzten von diesen Tränen.
Sie schienen zu jubeln.
Mir gefiel die Sonne auf jeden Fall am Besten, wenn sie groß und gelb vom Himmel lachte und ihre Strahlen mich an der Nase kitzelten.
Wie schön eine Wiese ist, über die ein warmer Wind weht, erfuhr ich allerdings erst, als wir endlich nach draußen durften.
Ahnungslos wie gut sie rochen, blühten die Bäume und Stauden im Garten und raubten uns fast den Atem.
Der ganze Garten stand wie in grünen Flammen, war ein einziges Paradies.
Ein leiser Wind rauschte in den Blättern wie auf einer Harfe.
Kaum zu glauben, was die Blumen auf der Wiese machen.
All die verschiedenen Schattierungen und Farben und erst dieser Duft.
Was für ein Tag der Kostbarkeit dachte ich, als meine Pfötchen zum ersten Mal das weiche Gras berührten.
Lani und Pauli sprangen darauf herum wie junge Ziegen und kriegten sich vor lauter Freude kaum ein.
Sie jagten die kleinen Dinger, die durch die Luft flogen und Lani kreischte „Schau mal, Schwesterchen, schau doch die kleinen Luftsänger an, sind die nicht putzig. Warum singen die denn nicht? Die brummen alle. Das ist doch blöd.“
Leider wusste ich auf diese Frage keine Antwort.
Damals wusste ich noch nicht, dass alles, was herumflog, nicht unbedingt Vögel sein mussten, sondern Käfer, Fliegen, Schmetterlinge, Wespen oder Bienen heißen.
Ein paar von denen haben sogar Stacheln, an denen man sich wehtun kann.
Mama und Papa blieben an diesem Tag immer in unserer Nähe.
Auch Leilani erfreute sich an uns, passte auf, dass nichts passierte.
„Zi Zi – ich glaube du bist die Schlaueste von allen“, sagte sie zu mir, als sie mich vom Boden aufhob.
„Du musst immer schön auf deine Geschwisterchen aufpassen. Steigt nicht auf die hohen Bäume, fallt nicht ins Wasser und vor allem, lauft nicht auf die Straße. Dort ist es sehr gefährlich. Und vor allem, geht nicht zu fremden Menschen. Lasst euch nicht streicheln und nicht in fremde Wohnungen locken.“
Tief schaute ich in ihre Augen, machte Miau, was sie wohl als Ja bewertete und strich ihr um die Beine, als sie mich wieder vorsichtig auf die Erde setzte.
„So, meine Lieben“, sagte sie zum Schluss zu uns allen. „Es tut mir Leid, dass ich euch nicht mehr Freiheit bieten kann, doch ich denke, nie ist zu wenig, was genügt. Ich glaube, dass ihr hier glückliche Katzen sein könnt.“
Genau habe ich mir unser Frauchen angesehen, als sie diese Worte sprach. Wie ihr Gesicht dabei aufglühte, in einem Lächeln, in dem alle Liebe des Lebens verschmolz.
